Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1609 (5.8.1923)
- Date
- 1923-08-05
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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jSScite 8_Wien, Sonntag Rundschau. Sie Wirren in Deutschland. Die Peeislvelle. Berlin. 1. August. Im weiteren Verlaufe der nngell ewtcn Teuerung ist der Preis für markenfreies Brot <mf 82.000 Marl gestiegen. Die Taxe für Kraftwagen wnr>o auf dos ILO.OOOfoche und für Pferdedrofchie« auf dalOQ.OOOfafyc des Friedens Preises erhöht. Der Berliner: Hochbahn streik beendet. Berlin, -1. Airgust. Der wilde Streik bei der Hochrmd 'N ii l e r -g r n n d b <i h n ist beendet. Der Betrieb 'v-urde uriirogs wieder auf ge nammen. Plünderungen in Wiesbaden. Berlin, 4. August. LebensmitiMnastpheit und Teuerung Haben nach einer Meldung der ,/Vosfrschen Zeitung" in Wiesbaden zu AussÜ>reinmgett geführt. Kolonial- und Fle i schwär engcfchäfte wurden von der Menge geplündert. Polizei und Ordner der Sozialdemokratischen Partei halben die Ordnung wieder her-gostellt. Was die Sozialdemokraten fordern. Berlin, 5. August. Als Ergebnisse ihrer heute beende, len A u s s p rache iiber die innen- und außenpotitesche Lage '.rahm die sozialdomokrairiche Reichsiagsftoktion heute i«tU großer Mehrheit eine Enlschließurrg Hertz an, die den drohenden Z n f a m in e n b r >» ch der I n n e n- und Außenpolitik Daurschlands in erster Linie als Folge der Passivität der Reichsregierung bezeichnt, und von der Reichsregievuug größte außenpolitische Aktiv i t ä i fordert, um unter Ansvechterhaltung der Einheit der Iiepublik unter Erhaltung dev Rheinlande beiin Reiche so4oie der Befreiung der Ruhr zu einer endgültigen Verständigung über das Reparationsprobl-em zu gelangen. In der energischen Ber Hinderung aller Sabotageakte und der radikalen Unterbindung der Rüstungen der illegalen Organisationen erblickt die sozialdemolcatische Fraktion eine dringende innenpolitische mtd nnbedingle außenpolitische Notwendigkeit. Insbesondere fordert die Cntschlicßung sofortigen Umbau des deutschen Steuersystems und Aufbringung der Reparationslasten durch die Belastung des Sachbesitzes. Zum Schluffe der Entschließung heißt es: Die Fraktion erklärt, daß sie die ganze Kraft der Partei zur Erfüllung ihrer Forderungen ei-nsetzen wird, und nmchr von dem Ergebnis dieser Anstrengungen ihre werte« politische Haltung gegenüber der Regierung Curio abhängi-g. Der Sozialdemokratische Parlamentsdienst bemerkt zu der Entschließung: Die Abstimmung hat danach ergeben, daß die große Mehrheit der anwesenden 120 Fraktionsmitgttsdot zurzeit keinen Anlaß sah, über die Frage der Koalttionspolitik eine Entscheidung herberzuführen. Eine Entschließung Quessel-Vevi, die der Regieüaug das M i ß t r a u «n aussprichl und in der die große Koalition abgelehnt wird, wurde verworfen und ebenso eine Enlschließung Hoch, die ähnlichen Inhaltes war. Sie diplomatischen Neziehungen rwWe« deutschen Staate». Der sächsische Ministerpräsident Z eigner, bekanntlich ein Sozialdemokrat, sollte dieser Tage in München als Gast des Republikanischen Schutzbundes einen öffentlichen Vvrtvag hallen. Ta Zeianer auf das reaktionäre Bayern naturgemäß nicht gut zu sprechen - ist, wurde in der bürgerlichen Presse Münchens gegen diesen Vortrag in allen Tonarten Sturm gel-aufen. Welcher Art die Beziehungen deutscher Behörden zu deutschen Ministerpräsidenten sein können, geht aus einem Münchner Telegramm der „Frankfurter Zeitung'" hetzvor, in dem cs ganz schlicht und ernsthaft heißt: ,Mk di-e Versammlung polizeilicherseits nicht beanstandet war, härw Tr. Zeigner, dessen Aufenthalt in München übrigens rein privater Natur gewesen wäre, zumal Bchuche bei amtlichen Stellen nicht vorgesehen waren, auch den Schutz der Polizei gehabt. Trotzdem hat er, wie ich höre, seinen Besuch und seinen Vortrag wegen dienstlicher Verhinderung abgesagt." Jer neue amerikanische PrMeut. Plymouth, 3. August. (Reuter.) Vtzchräistdem Vermont 5o o l idg e hat den Eid auf die Verfassung abgelegt. Die Leiche des Präsidenten Harding wird abends in einem Spczialzug unter militärischem Geleite nach Washrngron überführt werden. Die Beisetzung wird in Marion erfolgen. Die fünf behandelnden Aerzte Hardings erklärten, der Präsident sei an Schlagsluß oder infolge Berstens emeS Gefäßes der Gehirnbasis gestorben. Der Tod hätte auch ohne Zusammenhang mit der Fischvergiftung eintreten Wninen. Eine Schiwester Hardings sei auf ähnliche Weise gestorben. Der Präsident schien seit einigen Jahren an ArterienverLMung zu leiden. Präsident Coolidge hat sich nach Washington begeben. Berlin, 4. August. DieZ. am Mltag^' meidet aus New-Gork: Ueber die politische Haltuntz des «Men Präsidenten wird in offiziellen politischen Kreisen erklavt, Coolidge werbe das Programm des konservätidenFlügels der republikanischen Partei im Gegen»satz zur Jchnson-Gvupipe oevtrsten und sich so wie HaMwg gegen den Völkerbund, aber für eine gewisse bedingte und vorbehaltliche Beteiligung am W e l t - S ch i e d s g e r i ch t s h o f a^us- Wiener; MoVgenzettrmg. Pyjamas, nach Mass und fertig, Reichsortierfes Lager In Kragen, Krawatten und sämtlichen Herrenmodeartikeln I./PIEGE1.C. & Verwirrung in der republikanischen Partei. Paris, 4. August. „N ew - V ork H eral d" meldet aus Washington: Der plötzliche -Tod. des Präsidenten Harding habe die Republikanische Partei zumindest vorübergehend in Verwirrung gestürzt. Falls Präsident, Coolidge -die Partei nicht zu einer neuen Einheitsfront Mammensasse, sei zu befürchten, daß sich die Partei in eine Reih: von Fvakbi-o-nen spalten und daß vielleicht eine ganze Reihe von republikanischen Kandidaten für die Präsidentenwahl im Jahre 1925 austreten -tvevde. Ms solche möglichen Kandidaten nennt das Matt unter anderen die Senatoren Laf ollet t e, I oh nson, Watso-n, Mae Cornick und Allen. Die Trauerzeremonie für Harding. San Francisco, 4. August Nach einer sehr einfachen Z e r e m o n i e in dem Hotel, in welchem Präsident Harding gestorben -war, wurde die Leiche in den Sonderzug zur vebec. sührung nach Washington gebracht. Soldaten, Matrosen und eine große Zahl von Persönlichkeiten gaben der Leiche das Geleit« zum Bahuhof. Auf dein ganzen Wege wurde sie ran Taufenden von Menschen ehrerbietig begrüßt. Dienstag wird der Leichnam des Präsidenten in Washington einlaugen. Er wird -vorerst im Weißen Haus und .so-daun nach dem Kapitol gebracht und schließlich nach Marion überführt werden, livvselbst die Beisetzung in der Familiengr-uft erfolgt. Kur WlüWch'fasMfche Kooperation in Naliea? Rom, 4. August. (Del.-iKomp.) Mussolini empfing gestern den Post- und Lelsgmphemniinister Di Cesaro und zwei in Verwebung der Sozialdemokratischen Partei erschienene Abgeordnete. Wie „Corriera della Sem" Mtbeilt, geht aus den Berichten der Delegierten an ihre Parteileitung hervor, daß die Unterredung sich in der Hauptsache u-m die Möglichkeit der Mitarbeit der, Sozialdemolk-ratischen -Partei und ParlamentKgvuppe mitder fasMischen Regierung drehe, MuffolW habe sich dieser Kombination. gegenüber z u st i in«- mvnL verhalten. Re jüdische Welthilfskonferenz. Wie der Soniderbevichtevstatte^ des I. C. B. aus der Marienbader Tagung der jüdischen WelchiMonferenz mk bet, widmet der gegenwärtig tagende Zentralrat der jüdischen WelchilMowferenz seine Hauptauif-merksamkeit den Berichten der Vertreter der Welthilfskonferenz in Rußland Dr. Viktor Adler, Dr. M. Gran und R. Grünberg. Ans diesen Berichten geht einstimmig hervor, daß trotz der Bessevnng der albgemeinerv Ernahrungs- und Wirtschaftslage in Rußland die Lage der jüdischen Bevölkerung fortgesetzt sehr traurig sei. Der Zentralrat der Welthilfskonferenz hat in.einer Resolution einmütig a-mrkaunt, daß die Fortsetzung der Hilfe an die nMeidende ruffische Juden heit eine dringende Aufgabe der Meltfudenheit ist. Einer der Rußlandtoertreter der Welchilfskonferenz Dr. M. Gran übevbrachte der Marienbader Tagung des Zentvalrates der WGhilfskonfarenz eine in hebräischer Sprache abgefaßte Denkschrift'der kaukasifchen Bergjudeu, in .welcher die Lage dieser Juden in den dunkebsten Farben schildert wird." Die Betgjuden appellieren an die WelMfÄowferentz und an die gesamte jüdische Wett, sie in ihrer Notlage nicht in Stich zu lassen. -Zur Tagung der Mischen Welthilsskonferenz in Marierkbad wird uns ferner berichtet: Die Berichte über Rußland lauten außerordentlich schlecht. Es wurden unter anderem erschütternde Statistiken mitgeteilt, nach Venen in bestimmten Gebieten der- Geburtenanzahl bei den Juden von 36 Promille auf 12 Promille gesunken und die Zahl der Todesfälle auf 106 Promrlle gestiegen sei, wahrend die korrespondierenden Ziffern für die -nichtjuvische Bevölkerung 21 und 91 betragen. Die Erklärung dieses Unterschiedes liegt darin, daß die nichtjüdische Bevölkerung mit den Bauern, und offiziellen Stellen in Beribindung stand und von ihnen Lebensmitteln erhielt, während für die Juden niemand sorgte. Unter diesen Umständen wird die Hilfstätigke'it noch für lange Zeit mit aller Energie fortgesetzt werden müssen, wenn man die vollständige ZevstöMng der Judenheit in der Ukraine verhindern will. Es wird auch weiter an der Errichtung von KindeMchen, Spitalern und Ambulatorien gearbeitet - werden muffen. Es wurde weiter die Zusammenarbeit mit der Mischen Sanitätssvgcmisatlon,H f e" und der Organisation zur Verbreitung des Hawdwerkes unter den Juden (Ort) beraten. Ferner wurde beschlyssen, in Londpn eine Bank zu errich.teU Äe/sich mit der Ue^erweisung von Geldern der -außerhalb Rußlauds lebe'Wen Juden ün ihre in Rußland -Menden Angehörigen befassen wird. In die Exekutive wnrderr kooptiert: Na idits ch Ms Paris, Dr. Held als Seilvclcr b-cr H i a s und j-Ks. D, fom&M. MyM. 6. AiMsi 1923 Tagesbericht. Ser letzte Gang zum Grabe HerM... (Eine Erinnerung an eine heilige Pflicht des KonMseS?) Als Joseph starb, ließ er die Söhne Israels schwof ren: „Wenn Gott euch helfen wird und wird euch h^ransführen aus Mizraim, dann nehmt meine Gebeine mit 'euch.^ Und Mosche führte die Leiü>e Joseschs nrit, als Israel auszog aus dem Lande der Knechtschaft, und sie ward itt heiliger Erde bestattet. . * 3600 Jahve vergingen und mehr. Da starb Theodor Herzl, der Führer des führerlosen Volkes, in der Freulde.^ Auch s e i n letzter Wille Uxtr: Wenn Gott euch helfen wirv uud wird euch herausführen, darin rrehnrt meine Leiche^ mit euch und bestattet sie im Lande unserer Väter ... , Nur aus kurze Zeit ward der Leib des Großen dem Döblinger Friedhof anvertraut. 9iur tvähren-d der Wartezeit seines Volkes sollte Herzl in Wiens Erde richen. Au seinem Grabe schwur damals N o rda u im Namen des ganzen Volkes Israel: ,^Jn der Zionsfahue Falten Ward' dereinst dein Sarg gehüllt. . ." Denn Herzls Grab darf und kann nicht dauernd in der Fremde bleiben. Den Schwur Novdaus muh endlich das jüdische Volk erfüllen. In die Fahne Zions umß es den Sarg seines Befreiers hüllen und seine teuren Gebeine nach Erez Israel bringen, um sie dort zu bestatten. * In Karlsbad tritt in den nächsten Tagen der 13. Zio nistenkongreß zusammen, der erste Kongreß nach der Ratifikation des Mandats, nachdem der ersten Forderung Theodor -Herzls und der öffentlich-rechtlichen Garantie für, die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Erez Israel Erfüllung göwovden ist. Es ist das keine Zeit, um Feste zu feiern. Ich weiß. Noch nie war der Haß unserer Feinde gegen uns so' groß. Noch nie mußten wir so hart um jeden, kleinsten. Teil unserer Stellung in Palästina ringen als gerade jetzt. Und doch — und gerade deshalb — und gerade jetzt müssen wir uns und der Welt beweisen, daß wir nicht mut-' los wurden, daß wir in die Ferne schauen und nicht nur. die Dornen sehen, die heute unseren Fuß verwunden, son-. dern auch die Palmen des Sieges, die von weither grüßen.- Der erste Kongreß, der nach der Ratifizierung des: Mandats Zusammentritt, mutz die Ueberfü-hrun der Leiche Herzls nach Palästina beschlie-' ße n. Er muß der Welt zeigen, daß wir die Zeit der Heinrkehr als.gekommen erkennen mch unseren Führer, der uns' . zu LebKeiien voranschritt, auch als Toten vor uns einherziehen lassen auf dem Wege in die heilige Heimat. Wir wollen damit auch für die Juden Palästinas eine Fahne aufrichten, zu der sie in Zeiten der Not einporschauen sollen. Seit dem Sturze des Königreiches, seit der Zerstö-' rung des Tempels, gibt es keinen Fleck jüdischer Erde, der! ein symbolisches Zentrum für das Judentum Palästinas^ geschweige denn für das Judentum der Welt wäre. Di-e' Klagemauer ist im Besitz der Araber, wir sind dort nur Gäste. Höchstens, daß das Grab Rachels unserem Volke, um dort zu weinen, bleibt... Herzls Grab würde das Zentrum, das Herz Pal stinas, werden. * Bringt Herzls Leiche nach Palästina! Laßt ste auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds» den Herzl geschaffen hat, bestatten, .im Kreise der Mitkämpfer des Großen, mit Nordau und Wolffohn, Marmorek und Tschlenow! . . . Mag das Grab Herzls sich gegenüber dem Grabe Rachels erheben, vor den Toren Jerusalems — mag es im Tale Kidvon liegen-oder auf den Höhen des Oelbergs -f mag fein Mausoleum in Anathot oder in Mvdi-n, der Heimat der Makkabäer, errichtet werden. Wo intmer in Palästina Herzl ruhen wird, sein Grab wird von der großen Liebe und Sehnsucht seines Volkes umwoben werden. Zu seinem Grab wird Israel wallen — in der Stunde der Not unÄ in der Stunde der Freude. Und die Kraft des Geistes Herzls wird aus der Erde strömen, in der sein Leib ruhen wird. * Im nächsten Sommer jährt sich der zwanzigste Tddes-- tag Theodor Herzls. Wie immer werden die Juden Wiens zu Tausenden hinausziehen zum Döblinger Friedhof, um ihrem Führer zu huldigen. Aber diesmal soll es anders fein als in den neunzehn Jahren vorher. C. BOJKO WIEN Orig. Pariser Modelle in Kostümen, Strassea- und Ab^^-kloider^j Mitnteln und Peken. I., KRaÜTNBRSTRÄSSE NR. 34 Eingang Mayscdergasse 2. * j ..ii i /