Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1609 (5.8.1923)
- Date
- 1923-08-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Heide'6 M-en, Sonntag Werreich. M Wahlen. Die Zusammensetzung der Haüptwahlbehöxde. Wie die „Wiener Zeitung" kuvidmacht, hat die BunideSregievunig inr Einvernchmen mit dem Hauptaus-schntz zu Beisitzern der Hauptwahlbehörde, deren Vorsitzender der Bundeskanzler ist, folgende Peusonen beruseu: Dr. Anton Jerzaibek, Naii-onalrat und ObcrstMarzt; Dr. Franz Hemala, Buichesrat und Landesoiberamtsrat; Karl PawelSa, MagfftvatSdirektor i. P.; Maximilian Charwat, Bezivksvoüstcher; Karl Unlermüller, Gemeinderat und GewerkschaftSfekretär; Dr. Josef Pnltar, Ministerialrat; Joses Sig^' mund, Sekretär; Dr. Adolf Scharf, Ministeriälstkretär; Alfred Engel, Redakteur; Johann Pölzer, Nationalvat; Dr. Robert Danne>bevg, Nationalrat; Gabriele Prost, Nationalrätin; Max Klein, Bundesrat; Dr. August Schachermahr, Ministerialrat; Rodert Ehrlich, Hauptgeschästsfichrer der Großdentschen Volks- Partei; Emmerich Gernerth, Oberlawdesgerichtsipräsident; Doktor Georg Sigismund Neumann, Sonatspräsident; Karl Schoibert, Senatsprärjidvni; Eduard Kränzl, Hofrat; Dr. Franz Josef Schulz, Hofrat. Ersatzmänner sind: Frichrich Schönsteiner, Nationalrat und Beamter; Robert Krasser, Professor; Dr. Eugen LanAe, Sekt-ionsrat; Rudolf Dwovschak, Direktor des Deutschösterreichischen Gewerbebundes; Dr.' Hans Schmitz, Beamter; Dr. Engelbert Dolsuß, Kannnersekretär; Dr. Anton Krogner^ GÄveLschastssekretär;' Paul Richter, Nationalrat; Albert' Sever, Nationalrat; Ferdinand Skaret, Nationälrat; Dr. Gustav Scheu, Gemeindttat; Julius Linier, Gomeinderat; Max Berdiczotver,. BeziüksvorsteHer; Dr.' Ernst Hoihmann, Geschäftsführer der Großdentschen Bolksyarkei; Peter Leisz, Geschäftsführer der GroWutschen Volkspartei; Dr. Heinrich Pfannl, Ländesgerichtsvizchräsident und Hofrat; Dr. Franz Trenkwobder, Hafrat; Anton Würtih, Hofrat; Johann Sima/ Hofrat; Dr. Emil Roettig, Hafrat. In der Liste figuriert die bewährte ,Mütze" dergan- ' gener Rachauswahlen, der ehemalige Magistratsdiröktor ' Paweüka, der durch seine Kunst, an Wahltagen die'Toten zu erwecken, den Christlichsozialen ausreichend sichere, Stimmen verschaffte. Herzerfreuend ist auch die große Zechl von GchchäftsfLhrerN der Großdentschen BMspartei. Es scheint daß jetzt die Partei für ihre Geschäfte eigene Leute braucht. Nach den Wahlen dürsten allerdings mehrere dieser Funk- - tionäre abgebaut werden, da das „Geschäft" wohl stark verringert werden wird. Der Teufel bei den Mochrrchrsten. Herr Oskar Teufel, der „arische Gurkenhändler", der seinerzeit im österreichischen Parlament als antisemitischer Radaumacher brillierte, später eine deutschnationale „Regierung" aus eigener Machtvollkommenheit in Znaim zu etablieren suchte, ist nunmehr nach allerlei politischen utrd'sonstigen. Abenteuern bei den -Ssterreichischen MoMlHMrr''-tzelanöskk 'Wie ihr Organ, die „Oesterreichischen Nachrichten" melden, wurde auf dem am 1. August abgehaltenen Parteitag der Monarchisten der/ „Staatsrat a. D., Oskar Teufel" als Mitglied der Reichs- Parteileitung ohne -besondere Funktion gewählt. Vielleicht wird sich diese Funktion auch noch ergeben, da ja der Pakt mit den Christlichsozialen, manche Aussichten 'zu eröffnen 'cheint. ' , Die bürgerliche Einheitsliste. 6fco|, 4. August. Die ständige Delegation der christ-i l i ch s o z r a l e n Landesparteileitungen von S t e i e r >m a r k, Kärnten und dem B u r g e n l a n d hat sich in ihrer heute hier ab gehaltenen Sitzung dem Beschluß der christlichsozialen Landesparteileitung von Steiermark,- für die kommenden Mahlen im Einvernehmen mit allen bürgerlichen Par-, teien ein« Einheitsliste aufzustellon, vollständig f angeschlossen. Hiervon werden die anderen bürgerlichen Parteien der genannten Länder parteiamtlich mit' dem Evsuchen in Kenntnis gesetzt werden, hierzu Stellung zu nehmen. Me Merreichisch'lschecho-slowMchen Handel»' fragen. Im künftigen Monat sollen, wie -bekannt, die Handels» -ertragsive-rhandlungen Zwischen OLsterreich und der Tscheche- Slowakei beginnen. Wie das „8 Uhr-Blott" hierzu er fähr t, Hai die österreichische Regierung an die tschecho-slowakische dve folgenden Forderungen gestellt: 1. Auls Hebung der , gegenseitigen E insu hrv erböte. 2. Rückführung der tschechischen, semerzeit m Gold erstellten Zölle auf das Maß, auf dem sie ursprünglich aufgetbaut waren und Wer das sie seither weit hinauSgögangen' sind. Der tschechische StDat.üibeM-cchm.seinerzeit Lekanmtlich die alten. Zölle ,der Monarchie, die er irrtt einem Koeffizienten aussbatiete, als Le-ssän^ Grundlage^die, Tschechenkrone diente. Infolge deS Gteigens der ffchecho-slvwakffchen BcLuia sind diese Zölle entW,rechend, hmausgerückt, . wodurch der Export aus Oesterreich stark behindert wurde. Pole», Mgeardneter 2r. Rvsenblatt MzeprSMnt der Stadt Lodr. Warschau, S. A>wM. HJ..C. ß.) Rach einem DeLögvaman . m Lodz hat die dortige StadttverordnetLntoersammlung ' den jüdischen '.R'r. Rosenöl a t t zum B i z e- Präsiden V . / .? wdrgciM'.ude gewählt. Wiener Morgenzellung. I-«NI»'akd>^MMWM>>>WW>WWW>WB>W>>>>WW>WWWW>>WWWWW>WW>WW>W>WW»IWMaWV».«, >, ,t Ausländer Exporteure kaufen am vorteilhaitesten erstklassiger Qualität und Ausführung bei Repaira, fiummimäntelfalirik, Wies », III., Beatrixgasse 26 Tel. 585 III., Heumarkt 7 NORBERT ROTH Manipulation von Geweben für Mantelstoffe und Gummimäntel Wien, VII., Marlahllferstrasse Hr« 88a (Zitahof) Telephon Nr. 35-1-81 Telegr.-Adreisc: „Noiot Wien“ Export 244 ■ x Impo r t Lar Nudgechrovisorlnm vnsenommen. Die Wirkung der neuen Polnischen Devisenordming. Warschau, 4. August. (Tel. der „Wr. Movgenzeituu-g".) Das Jnlkrasttreten der neuen Depisenordnung bewirkte auf dem. Devisen- und Valuten-markte eine. Verringerung der Spannung zwischen dem offiziellen und dem nichtofjiziellen Kurs der ausländischen ZahlungÄwittel. Mls einigermaßen günstiges Symptom kann auch gewertet werden, daß die Nachfrage der Banken nach ausländischen Zahlungsmitteln schwach ist. Dagegen hat sich das Interesse wieder den sechsprozentigen Goldbons zugeweudet, deren Kurs von 17.000 auf 2 5.000 Mark für. einen polnischen. GoldgMen erhöht wurde, Das Publikum hat neuerlich einen Sturm auf Goldguldenbons begonnen. Vorwiegend wirkt die Erwartung mit, daß der Preis des Goldguldens noch weitere offizielle Erhöhungen erfahren wird.; . In der letzten Schmsitzung hielt der Finantzminister Linde sein mit Spannung erwartetes Expose über dis finanzielle Lage. Er führte aus, daß die Regierung bemüht, sei, alle Wege zur Schaffung einer neuen rationalen Valuta durch Gründung einer E m iss ions b a nk vorzubereiten und gleichzeitig den Druck von neuen Noten nach Möglichkeit einzudämmen. Trotz der gegenwärtig herrschenden Teuerung (über deren Ursachen der Minister wenig sprach), sei keine Ursache zu Pessimismus vorhanden, da einerseits das Volks- Vermögen sich.nicht verringere, andererseits die Verschuldung des Staates an das Ausland nicht bedeutend sei. Der Minister wies vor allem auf die günstige Ernte des Henrigen Jahres hin, welche große AnsfuhrmöKichkeiten schaffe. Die Entwicklung der Industrie sei günstig. Der Minister erhofft sich sehr viel von, der Einführung dep. Bermölgenssteuer, deren Ertrag er auf eine halbe Milliarde Schweizer Franken veranschlagt. Die gegenwärtige VÄntakrise sei vielfach auf die internationalen Reihungen in Po- 'lens Nachbarschaft zurückzuführen. Der Weg zu ihrer Uebevwindung sei die Stabilisierung der polnischen Mark und die Bestimmung ihres Wertes im Bechältnis zur neuen Valuta. Damit im Zusammenhang müsse auch eine Befreiung vom Einfluß der deutschen Mark erfolgen, deren Sturz so stark auf die poluische Währung gewirkt habe. Die Regierung habe die weitere Emission von Goldguldenbons ringestellt, um eine weitere^ Schädigung der Staatskasse durch die Spekulation zu verhüten. Sie werde aber ihre Verpflichtungen gegenüber den GMbonsbHtzern voll.erfüllen. Gegenwärtig sei ihr Hauptaugenmerk auf Erjsparungsmaßnahmen zur Herstellung des budgetären Gleichgewichtes gerichtet. Wmschau, 4. August. Der Seftn hat das Budget- ' Provisorium gegen die Stimmen der Vertreter der Nationalen Arbeiterpartei, des Jüdischen K l u b s, der D o m b s k i - G r u p p e und der nationalen Minoritäten angenommen.^ Die BemSgenrstmer ausmomme«. WarschM, Z. August. In der heutigen Sitzung des. Bejnt wurde das Gesetz übet die Vermögenssteuer in dritter Lrfung angenommen. Die Wische Sprache ln Galizien. Warschau. 4. August: (Tel. der „Wienet Morgenztg.") ikeit einiger Zeit schränken, die Verwaltungsbehörden, in den ehemals österreichischen Gebiet Polens, also m' Ost- und Westgalizien, in auffallend häufiger- Weise das Recht der jüdischen Bevölkerung auf Benutzung, ihrer jüdischen Sprache im öffentlichen Leben, besonbers'in Versammlungen, ein. Sie berufen sich dabei auf die al t ö sterreich i schen Berfa s s u n g s b e st im m u n g e n und Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes, nachdem es in Galizien nur drei Landessprachen,, polnisch, ukrainisch und. deutsch, gibt. Dazu ist allerdings zu bemerken,, daß trotz dieser Bestimmungen die jüdische Bevölkerung in Galizien nienigls in der öffentlichen Verwendung ihrer Volkssprache gestört wurde. Die österreichischen Verfassungsbestimmungen sind.jedoch ,durch die polnische Verfassung ,und die Zusaßbestimmungen über die Minder he itsrechteaußer Kraft gesetzt, die jedem Bürger ungestörte Benützung feiner. Muttersprache gewährleisten. Für die Verwgltungsbeachtest, in Galizien scheinen aber, öie StaatsgrUndgese^ Polens.in diesem Falle noch nicht zu bestehen, da Jte vielfachjüdische Versammlungen l verbieten oder Reden und Dubljikatiynen jn jüdischex -Sprache . behördlich^ Verfölgen. ^Der I ü hi sche K tu b iyr^olnischen Sejm hat wegen dieser offenku'itdigen Verfassungsverletzungen durch die galizischen Lande>•.•* ‘•>^'1=* i latiö!l flit hf* > ' •..;> dieser Zustuiue jv.'. e.' . 5. Nlgust IM ' Nr. M, Die polnische« Fasziftrn. Aus Warschau schreibt man uns: DaS'soz-iäld'emo^ kratische Organ „R o b o t n i k^-publiziert das' Programm der polnischen Faszisten, die sich, als eigene Partei unter! dem Namen „Bereit schlaft der polnischen/Patriot e n" organisiert haben. Dar! n. Wißtes unter' an-! .derem: „Alle polnischen Patrioten, müssen ^darüber auf-- geklärt werden, daß die gegenwärtige Wahlordnung schlecht! ist und man danach streben muß, sie in dem Ginne zu! ändern, daß in den Sejm und Senat nur die wahrem' Herren des Landes und nicht die zu gewanderten Elemente gewählt werden, denen der polnische Staats nicht nur sremd ist, sondern welche ihm sogar feindselig! gegenüberstehen. Ebenso muß bei der .Besetzung aller Staatsämter verfahren werden. Das Wahlrecht zum Sejnr dürfen nur diejenigen haben, welche mindestens vier Klassen einer staatlichen Normalschule absolviert haben, in den, Senat dürfen nur die wählen, die höhere Bildung besitzen." Ueber die Juden sagt das Programm, das sich durch niedrigsten und engherzigsten Chauvinismus auszeichnet, folgendes: „Da die Juden Feinde unseres Staates und ein zu gewandertes Element sind, müssen sie als fremdländisch betrachtet werden; sie können das Recht einer eigenen Vertretung in der Regierung haben, dagegen muß darauf gesehen werden, jedweden Einfluß der Juden auf die Staatsgeschäfte zu beseitigen. In den Mittel- und Hochschulen muß der Prozentsatz der Juden und der anderen nationalen Minderheiten auf ihren Prozentanteil der Bevölkerung beschränkt werden." Auf wirtschaftlichem Gebiete sagt das Faszisten-Pro- .gramm, daß nur solche gewerkschaftliche Orgauisationen sanktioniert seien, die nationalen Charakter tragen und als freundschaftliche Vermittler zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern fungieren, wodurch die nationale Solidarität zum Ausdruck komme. Wirtschaftliche Streiks müssen als Störung in der Berbcsserung der Wirtschaftslage des Staates betrachtet und daher verboten werden. ' Wie man sieht, wäre dieses Programm politisch und wirtschaftlich geeignet, einen Staat, dessen nationale Minderheiten mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen, nicht nur zu. koim‘ promittieren, sondern auch gänzlich zugrunde zu richten. Der deutsch-polnische Grenzverkchr. Berlin, .4. August. (Del.Eomp.) In Be ui heu ist, wie der „Ost-.Expreh" aus Warschau erfährt, als Ergebnis längerer Verhandlungen, die in Kattowitz geführt wurden, e!in d e u t j ch- Polnisches Abkommen unterzeichnet worden, das die Praktische Durchführung der BestlMmmnKen »des Genfer^deulschpokuischen Mbkonrmens über den oberschlösischen G r e n z v e r.«' k ehr Hwisähen «deutschem und polnischem . Gebiet regelt. . - Dia jüdischen Opfck des Koufttsts zwischen,P!olen und DaiGg. Aus DanziL wird' uns berichtet: Die Opfer des neuen Konflikts zwischen Polen und Danzig sind, wie sich heransstellt, vor allem die armen, schutzlosen jüdischen Emigranten. Bekanntlich ist Polen bemüht, die gesamte Smigrationsbewegung über D-anzig in seine Hand zu bekommen. Zu diesem Zwecke hat der polnische Staat an der Grenze zwischen Danzig und Polen, eine Neisestunde von Danzig entfernt, ein Emigrantenlager erbaut, damit die Emigranten aus Polen nicht das Tanziger Emigrantenlager benützen. Mit dieser Maßnahme ist natürlich der Danziger Senat unzufrieden, weil sie die Einkünfte der Freistadt stark schmälert. Juristisch stehen ihm aber keine Mittel dagegen zu Gebote. Deshalb hat nun der Senat zu einem anderen Pressionsmittel gegriffen. Als nämlich! die Emigranten ans dem polnischen Emigrantenlager nach Danzig kamen, um .sich einzuschiffen, wurde ihnen dies vom Danziger Senat verboten, bevor sie sich nicht einer ärztlichen Untersuchung im Danziger Emigrantenlager und den sanitären Maßregeln dortselbst unterziehen. Der .Hiniveis der polnischen Beamten, daß die Emigranten das ganze hygienische Zeremoniell bereits im polnischen Emigrantenlager durchgemacht hätten, half nichts und die Auswanderer mußten zurückkehren. Inzwischen fuhr das Schiff ab. Diese Zustände wiederholen.sich öfters und sind geradezu unhaltbar geworden. «m aittf a m Der Mmbahnerltreik. Belgrad, 4. August. Der vergangene Nacht angeblich nur auf 24 Stunden ausgebrochene Streik der Angestellt-en. der Südbrhn veranlaßte den Ministerrat, b e sw n 8 e re gesetzliche M aßnahmen zu trchfen. Gegen die Streikenden ^werden die Bestimmungen des Streikgesetzes vom Jahre 1026 angewendet werden, welche in Fällen von Streiks und Unruhen die Mobilisation ' aller Ei senbahnbcbediensteten und Arbeiter vorsehen. Sollte der Streiteine politische Wendung annchmen,. wird gegen die Streikenden im Sinne des Gesetzes über den Schutz des Staates vorgegangen werden. Die Ursache des Streiks ist angeblich die Aufhebung des Honorars für Ueberstundonarbeit'feitens der Südbahn, direktion. Mecho-SloWM, erhalten. Prag, 4. AiMst. Wie das „Prager TaAlat^ er. sähri, habe, bas. I it u c.it nt.i n ist eriu m einen Erlaß f e \ « cin A n s län d e r die l'r'Pii: v v v'nvc i;,a. 51 787668 252