Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1609 (5.8.1923)
- Date
- 1923-08-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.' 1609 Men, Sonntag Wiener Morgenzettnng. 5. Angust 1923 Seite.1 Jehtc Passende Stelle vakant, so ist dem Bewerber eine provisorische, eventuell Notstandsarbeit' zuzuiweisen und feine Anwartschaft aus den ersten sreiwevdendeu Posten in seinem speziellen Berus in Evidenz zu halten. Weitaus schwieriger ist die Einordnung der gesundheitlich nicht völlig einwandfreien Einwanderer, oder auch sie ist möglich, wenn der Arzt nach genauer Prüfung festst,M, für welche Art von Arbeit der betreffende Chaluz zweckmäßig verwendet werden kann. Aus Gmnd eingehender körperlicher Untersuchung hat seine Ausschaltung von Berufen, die-für ihn speziell ungeeignet sind, zu erfolgen. Der BerusÄbswerber ist je nach seiner Konstitution zum Beispiel fernzuihalten von: Arbeit mit starker Ermüdung, schwerem Heben, von Arbeit mit ständigenr Sitzen, von Schwindelfreihert erforderlicher Arbeit rchv. Besonders bei Frauen-ist der Emklang von Berussart und körperlicher Tauglichkeit für dieselben eine Conditio sine qua non, wenn wir das Land und nicht die Krankenhäuser und die. Friedhöfe des Landes bevölfern wollen. Nach der ärztlichen hat die soziale Berufsberatung einzusetzen. Sie hat die geistigen Kräfte der Neuankömmlinge in Rechnung zu ziehen und die durch die Einwanderung zumeist notwendig gewordene Berufs Umstellung zu überwachen. Der Glückssall, daß ein Chalnz sofort in feinem Galuthberuf Verwendung findet, ist ja selten genug, und so hat das Berufsamt dafür p sorgen, daß die neue Arbeit nicht in krassem Widerspruch zu der bisher gesteisteten stehe. Zu den Aufgaben des Bevufsamtes zählt es ferner, die Arbeitsuchenden mit den Anforderungen des jeweiligen Berufes vertraut zu machen. Eine wirtschaftlich wertvolle Arbeit obliegt auch dem Berufsami in der Regelung des Arbeitsangebotes und der Arbeitsnachfvage. So könnte das Berufsamt, verständig geleitet, zu einem der wichtigsten Faktoren unseres Wirtschaftslebens weiden und in sozialhygienffcher Hinsicht wirkliche Aufbauarbeit leisten. Da die Errichtung und Unterhaltung eines solchen Berussamtes weder mit großen Kosten für Lokalitäten, noch mit erheblichen Ausgaben für Gehälter verbunden, seine Tätigkeitdagegen von hohem, ökonomischem Wert ist, empfehle ich dringlichst dem Kongreß 'die sachgemäße Stellungnahme p meinem Vorschlag. Welternte und Weltpolitik. In der ganzen Welt, diesseits und jenseits des Atlantischen Ozeans, sind heuer, die Ergebnisse der Ernte überaus günstig. Die mitteleuropäischen Länder -haben alle eine gute Mittelernte p verzeichnen, welche ihre Wirtschaftslage durch ein teilweises Freiwerden von dem außereuropäischen Import einigermaßen p erleichtern imstande ist. Damit ist diesen Ländern, Welche fast alle zu den „Besiegten" des Krieges zählen, nach sieben dürren Jahren wieder eine Konfolldierungsnröglichkeit gegeben, - die allerdings durch die allenthalben in Mitteleuropa herrschende Tendenz der sozusagen agrarischen Meistbegünstigung leider zum großen Teil wieder aufgehoben wird. Polen, der neue Staat zwischen Mittel- und Osteuropa, hat ebenfalls reichen Evntesegnr und rechnet damit, dadurch seinen stark geschwächten Finanzen aufhelftn zu können. Aber es ist fraglich, ob diese Hoffnungen sich erfüllen werden, da der große russische Staat nach langen Hungevjahren über einen riesigen Ernteüberschuß verfügt, der es Rußland ermöglicht, zum ersten Male seit dem Kriege wieder als Getreideexporteur aus den Plan zu treten. Der russische Getreideexport kann unter den heutigen Umständen nur eine Richtung haben, nämlich Deutschland, dasselbe Deutschland, welches für den polnischen Export von Getreide in Frage käme. Und Rußland ist der vertraglich begünstigte Lieferant. Die politische Auswirkung gerade dieser Zuftchrmöglichkeit aus Rußland könnte geradezu gefährlich werden, da sie geeignet sein könnte, die kommunistische Revolution in Deutschland zu beschleunigen. Ein Loch nur Hat die Rechnung: Die Autorität der Sowjets in Ritßland ist auf dem weiten flachen Lande gleich Null, und Versprechungen auf eine Zufuhr, die man nicht erfassen kann, sind trügerisch. Darüber müßten sich auch deutsche Politiker extremster Richtung iw klaren sein, wenn ihr politisches Denken, überhaupt noch klar ist. Das große englische Imperium, das niedevzurmgen der Traum des sowjetistffchen Imperialis- £ * J&fanJjJOßk JVienJ.JÜildprotmarkt& JflsesJfla&£ei»A KoslumeSjJfUutietwXt *teag&rons et SFourrures ZT& l e fort 3Lb /. Slugast gelangen Qriginal&ariserZM.odelle zur Vorführung nms ist, dem sich die politischen Hasardeure und Bankrotteure in Deutschland mit mehr oder minder nebelhaften Vorstellungen anschließen, verfügt durch die heurigen Rekordernten in Indien und Kanada wieder über kolossale Getreidemengen. Hierin liegt der Kern des Verhältnisses zwischen England und Frankreich, jenes so oft totgesagten und immer wieder auftebenden Freundschaftsbündnisses. Frankreich Mt England mit dem Orient im Schach, und die Erleichterung, die sich England in den orientalischen Fragen zu schaffen wußte, ist Wohl auf Grund der Nachgiebigkeit Englands gegenüber den rheinischen Aspirationen Frankreichs zustande gekommen, weshalb denn auch die gegenwärtige Mion Englands in der Ruhrfvage Wohl über eine Geste nicht hinausgehen wird.' England kann Wohl, da die' französische Ernährung von der englisch-überseeischen Zufuhr abhängig ist, seinem Bundesgenossen den Brotkorb höher hängen, aber Rekordernten in Indien und' Kanada brauchen Abnehmer, und England wird sich zugunsten 8er Wiedererlangung eines inzwischen faul ge- 'wordenen industriellen Hauptabnehmers nicht seinen bequemen agrarischen Kunden verscherzen. Die Hoffnungen der deutschen Desperadopolitiker auf einen Bruch zwischen Frankreich n-nd England, durch Baldwins Darlegungen im Unterhaus wieder einmal gründlich enttäuscht, werden also auch weiterhin nicht in Erfüllung gehen. . Bleibt noch Amerika, von dem so gern gehofft wird, daß es sein monroedokirinäreS Fernhalten von En wpa ausgeben wird. Aber Amerika hat nach den Schätzungen des Agrikultnrdepartements in Washington heuer die gewaltige Weizenevnke ' von 850 Millionen .Büchels, zu der Hoch Vorräte von 180 DWonen Büchels kommen. Kanada und Argentinien, die Haupttonkurrenten Amerikas auf dem Getveidsweltmarkt, haben gleichfalls Riesenernten, und da Indien heuer 100 Millionen Bushels Getreide gegenüber 9 Millionen im Vorjahrs zur Ausfuhr bereit hat und Rußland an Deutschland allein 20 Millionen Pud zu liefern imstande wäre, so sind die Exportmvglichfeiten für amerikanisches Getreide gering. Es müßte alle übrigen Märkte unterbieten. Weil aber der gegenwärtige Weizenpveis von eineinhalb Dollar einen sehr knappen Ueberschuß Wer die Betriebskosten ergibt, so ist der amerikanische Getreideexportl Heuer wicht lohnend, da er die Konkurrenten nicht weiter unterbieten kann. Warum sollen also die Vereinigten Staaten für ein schlechtes Geschäft europäische Politik betreiben? Die amerikanischen Farmer haben nnt dem heurigen Erntesegen ganz andere Absichten. Sie wollen ein Viertel der Ernte als Reserve einlagern und verlangen vom Staate hierfür die Tragung Infolge Renovierung ii •••——woiier-=n Räunmnns-Verkaflt im Warenhaus rSchiffmann Iwaschwarenl Blaudruck.... .... Cotton de Lene . . . . . . IVaschKrepon ......... ' Backenfutter .......... „ Etamine, 115 cm breit.„ Etamine, in allen Farben .... „ Seiden-Cloth, 140 cm br., alle Farben „ II. Taborstr. 48 / Tel. 47*1-79 gftr Unerreicht billige Kaufgelegenheltl'Ahi Nachstehend einige Beispiele: iLeinenwarenl . per Mel. K 9 800 . . „ K 1* 500 . „ »Kl* 500 . , , K »1000 . „ .Kl* 90(1 K 7 900 K 35.900 Garnituren, Hemd und Hose . . . . . K 39 000 Garnituren, Handajour gest. , . . .K 75 000 Damenhemden. .. 28.600, 25.QQ», K 19 8( 0 Damengarnituren (Hemd, Hose u^chtlWfrtSd) K 98.000 Miederleibchen .......... .K 9.800 Seldenjumpar. .... .125.000, 76.000, K 59.000 Schaf Wolljacken.K 98.000 ««»gMTOw^aaiaiffl B n allen Abteilungen la Webe ..per Met. 11.CM. 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Und es ist leicht möglich, daß, damit die einzige Frage, in der der eben verstorbene Präsident HaMng sich als fest und eigenwillig erwiesen hat, die Anttalkoholsrage, eine ganz neue Wendung bekommt. Sicheb ist, daß die Vereinigten Staaten heute gerade im HiMick auf die allgemein günstige Erntelage weniger als je geneigt sein, dürften, in die europäische Politik einzugreifew Ei«! gutes Geschäft wäre es für sie nicht, und ideaMÄchs Politik macht Amerika noch weniger denn alle anderen Staaten. Inzwischen aber lodert der Brand in Mitteleuropa. Er ist von Deutschland ausgegangen und Deutschland aller« kann ihn löschen, solange es noch nicht zu spät ist. Politische Quevzüge und Träumereien werden nicht helfen, helfen kann nur klare Einsicht in die Verhältnisse, die Deutschland zwingen, p kapitulieren, will es nicht seinen Erntef-egen und den von halb Eumpa im Rauch eines neuen Kriegs-, bvandes aufgehen lassen wie vor neun Jahren. _—sc-linv PrösidentsÄajtskandidat Hemd Ford. Der bekannte amerikanische Publizist Harrison Billard entwirft ein Porträt des sogenannten PrUdentschafiS.' kandtdaten Henry Ford und demft sich teilweise auf die Memoiren, vre Dr. Marquis, der Langjährige ehemalige Fovund und Berater Fords, hevmlsgeg.ben hat. 'Den intewssanten Schilderungen, entnahmen wir folgende Stellen: Mr. Ford be- - sitzt wirklich ernsthafte Ambitionen, sie dürfen nicht deshalb gering geschätzt werden, weil Mr. Ford einem Reporter gegenüber geäußert hat: „Wenn Henry ins Weiße Haus geht, so gcht er ohne mich". Dr. Wiarquis fühlte die Drohung, die in dieser Kandidatur lie>gt. wahrend seines Studiums dieser Persönlichkeit, und am deutlichsten, als er die Ungeeignecheit Henry Fords für die Präsidentschaft hervorhebt. Jeder objektive Beobachter, 'der die Laufbahn Henry Fords studiert hat und der die Anforderungen kennt, die dies höchste Amt in diesem Moment der Weltgeischichte stellt, mutz erschauem, wenn er denkt, daß dieser Mann p entscheiden haben soll Wer unser natio-' males Schicksal. Es ist nicht deshalb, weil er ein ungebil- ^deter Ma nn ist und ein Wörterbuch braucht, wenn er seinen Emerson pr Hand nimmt. Es gibt ungebildete Menschen, die gefunden Menschenverstand haben und dmen man in jebc* , Stellung vertrauen würde. Sie-haben die angeborene Weisheit und Geduld von Lincoln; sie haben eine Einsicht in die menschliche Natur erlangt; sie haben jenes göttliche Mivgeifühl, das der Schlüssel p so vielen 'menschlichen PvMemen ist, und sie -sind festgewurzelt in unerschütteÄichen Grundsätzen. Wenn so ein .Mann, mag er nun Jackson oder' Johnson oder Lincoln heißen, ein hohes Amt erlangt, so scheu wir darin -den Trinmph der Demokratie; wir haben davon einen Grwiun für die Nation. Aber Henry Ford gehört nicht p diesen, trotz seiner erstaunlichen Erso>lge. Die wahre menschliche Güte besitzt er picht, mag evu auch wohltätig und philanthropisch sein. Er besitzt nicht die Charaktereigönschasten, um die Lücken seiner MangeLhasten Bildung damit auszufüllen. Er ist ohne diese Geduld, die zugleich Weisheit und eine unschätzbare Eigmschast ist. Er hat fernen phttosophischen UebeEck über die Welt, woraus er eine Weltanschauung aufbauen könnte. Es gibt viele/ die glcarben, daß er, sÄbsi ohne die Unterstützung einer der beiden Hauptpavteieu, Lei einer dritten Wahl gewählt werden kann. Wenn dies der Fall sein sollte, würde daS Resultat verhängnisvoll für Henry Ford und für das Land fern. Es mag Reicht das voMommene Versagen der Regierungsmaschinerie mit sich bringen. Cs würde den Triumph der Untauglt chkeit> dafftellen. ES würde wahrscheinlich den Letzten Versuch im amerikanischen politischen Leben darstellen, die Theorie zu realisieren, daß jeder Amerikaner, unbeschadet seiner Erziehung, seiner Crfcchvimgen, seiner Dalenie, gleichwertig ist, töemt es sich um die /Kleinigkeit" der Lösung der Unmenge von verschiedenartigsten Fragen handelt, wo man doch eher daran zweifelu müßte, ob Äbevhaupt ein Mann mit allen nötigen Eigenschaften für einen Präsidenten der Vereinigten Ftaaten gesunden werden kann. Ich habe die politischen Zustände in den Bereinigten Staaten seit mehr als dreißig Jahren beobachtet und darüber geschrieben. Es ist meine Ansicht, daß wahrend dieser ganzen Zeit noch nie ein sv ungeeigneter Kandidat für das Weiße HauS ausgestellt worden ist wie Henry Ford. Alles nur ausdenkbare Unheil kann der Republik Kustotzen, wenn er gewählt werden sollte. IBadaarmtaii Badeanzüge (Trikots) . . . ..K 34 800 Badehauben .. .K 98"0 Badeschuhe.. .K . 17.900 Badecapes.. . . 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