Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1609 (5.8.1923)
- Date
- 1923-08-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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<w, <- )V , , < ' t" M.1609 Wien, Sonntag M«iee MorarÄreitims. r, August im Serbe 8 . nicht genügend stützen und sie an Kapitalnot er- -/Wen, um Wstchr wredsr neue Unternehmungen antzu- Dem MiSvad gegenÄbsr, ver heute ein so wefentim iltaMM'lft soll «d darf rchse LnvchMe Mtgeschaffma-Ovgamstckolr die ümtsHch. .. . - M er Lurch drei Jahve in MHen en sondevMchw Wver ermMn hat. Dmimme mrd WWer M\ma> finit, Pvn Jakvb KrauSz. SkchM 90 Prozent des europäischen Judentums haben #m MW in Hrchknd, Gattzien mrsOreßlüh dev Buko- Md tzn GmMMr gevcht. @te füWen hier, wenn auch MR»,:m gWMmS BlMcken. Btt Nutz. W und in Mmärmn warm sie rechÄoS.in GMien hcttten sie papiom« Rechte. In Rußland hervschte der Zar mit Adel und dem Heer von korrupten Beamten, in Ru« Mnien Lsechdtten die Bchwen, in GaLzien führte die Schlacht« He Polnische Wirtschaft, die das Land zugrunde achtete. Die ZenHattvOerung in Men hatte ksme Macht über Galizien, H Domäne des panischen Gryßadels und des verarmten mttdm, aus dem W der btzstechttWe Boamtenstab ve. KGevte. Das Volk AM avnr mp duvste sich Mer Armut M Mnrtzt werten. Me grG Masse der gättzWm Juden Er nW minder asm cckS Hve Umgebung. Zum groHen 'E noch fam, fc*m der pätmsche Bauer konnte wenigstens »oidü^ttg von Msm <GMhen Boden leben oder er ging in ft«M ÄE. Dis MWen Massen hatten keinen Baden zur WSsirMNg. Kulturell von den Polen und ihren chassidischen Hhrern ntedergehalten, wären sie wirtschaftlich ohne feste Mrzel gEb'en und Merten Me Unzahl trauriger GMenzen, Mer Lnftmenschen, die als Faktoren des polm- M« ÄdÄs oder als undeftn-ieachare Handlanger der Schlacht- Dtzenbeamtenschast ihr Dasein fristeten. Die wenigen Wirt, söhaftlrch hoher Stehenden unter den galizischen Juden, die sich als HauGuden des polnischen Adels emporarbeiteten, waren auch als Führer der galizifchen Juden ergebene Diener der Schlachta; sie waren die Wahlmacher der Polen, denen sie das jüdische Stimmvieh zutrieben. Und das Stimmvieh fol^e einen Leithammeln, denn Widerspenstigkeit wurde mit Bedrückung veMlten, und in der Bedrückung hatten die galizichen Juden keine Führer und keine Beschützer. So hat die polnische Schlachta unter Duldung der Monarchie einer- HtS ihre eigene extvemnaRonale Politik sozusagen mit Staatsmitteln kultiviert, andererseits die übrigen in Galizien lebenden Völker, so auch die Juden, demoralisiert. Und es war eine unfühnbare Sünde der galizischen Sozialdemokratie, deren Führer Juden waren, daß sie, die die Macht dazu ge- Mt hätte,, in jenem Halbaffen Oesterdeichs sich an der Beder Juden und der Ukrainer durch die Polen mitschuldig machte. Die politische Atmosphäre in den von Inden am' dichfeftg» bowohnten Ländern Im* für die Juden immer atenr- Memmender geworden. Die Bedrückung der Juden wurde bis zur Unträglichkert gesteigert. England und' Frankreich, di« demokratisch fvei>heitlichsten Staaten Europas, schufen Frenrdengesetze zur Eindämmung des Einwanderungsstromes, aus dem bis dahin angelweit offenen amerikanischen Einwande- ^ngKtor ist allmäAich eine eklge Tür geworden, vor der sich fö MchMnge aus dem Osten Europas zu stauen begannen und in- Europa selst ries die Zuwanderung dieser Judenflüchtkmge ein wahre Panik hervor. Die Assimilation hat bankerott&tt Hinter sich die Knute, die Axt der Pogrömschtschiks, oder dar wÄHchastliche Boykott, vor sich geschlossene Tore und unterwegs sremdnationcrler Chauvinismus, der sein überkelnei Mdlluvxseimlekümsen. W. U. WWW« I- (Ecke* Karl Scbweighofer| hitztes Gemüt an ihm, dem -Heimlosen, entwurzelten WchW hing , kühlt. In dieser Hetzjagd' auf die Juden fast der gan^ch GM Web der egoistische' NpftonaliSmuS der wMren Völker^ Sieger, erlebten die Juden ihre ^Meidende Mufchüttg «itz. der GvMLÄnokraÄe; sie war in Europa, wie in Amerika ' genau so egoistisch Me die. Nationalisten. Diese bitterste Enttäuschmrg, nicht der Antisemitismus der Klievikalen und der Rationalsten hat W zu gleicher ZeA im Osten und im Westen, in Rußland und in Oesterreich, den jüdischen Natw. nattsNUs und den Zionismus, der niemals aus der Seele des ^udeM-Ntjs vöWg geschwunden war, wieder und in moderne?, bewußter Form als den ftlbstgsebrieten Weg zur Lösung der Judenfvage erstehen lassen, - Und das Judentum hat wieder zu seiner Mssivn zurück« gesunden: ein Volk zu fein unter Bolkern, ein nationales Leben zu führen, das das eigene Volk ausrichtet und als Volk auf eigenem .Boden, mit.eigener Sprache in der gwßen VMerfamilie an. der Entwicklung der Menschheit mitzuarbeiten und sie mit den Schöpfungen feines Geistes, den Früchten Mer Arbeit zu beveichevn. . Die große Bedeutung des Zitzmsmus für die Weltpolitik besteht vor allem darin, daß er in die Behandlung der Judenftage die Politik heS fair plw) gebracht hat. Zumindest von. Wucher Mite. Der jüdischnatioM« Zionismus hat aus ber Geschichte und der Entwicklung der Judenstage die logischen Schlüsse gezogen und vor allem das Judentum selbst gezwungen, die Ergebnisse dieser Entwicklung zur Kenntnis zu nehmen und sich nach ihnen neu zu orientieren. Die Assimilation der Juden wurde von allen Nationen abgelchnt, der internationale Sozialismus fand sich einem immer mächtiger webenden Nationalismus gegenüber und konnte sich dieses gefährlichsten Gegners nür dadaurch erwehren, daß er dem Nationalismus Konzessionen machte und es ablehnte, dem Antisemitismus offen und unzweideutig entgegenzutreten. Di» Judenvertreibungen in Osteuropa nahmen immer größere Dimensionen an und es waren gerade die Sozialisten der Einwanderungsländer, die aus sozialistischen Gründen die Verschärfung der Einwanderungsgefetze forderten und drrrchsetzten. In Europa: Auf der einen.Seite der aggressive..Kampfnationalismus, auf der anderen der internationale Sozialismus, der vor dem Nationalismus aller Völker kapitulierte und nur dem Judentum gegenüber darauf bestand, daß cs sich als religiöse Einheit auflöse und auf seine nationale. Ralli> ' ierung und Selbschilse verzichte, das cheißt, sich dem. Soziasis mus assimiliere.; > . . . Jenseits des Ozeans: Philanthropie mit offenen Händen, die dem Judentum per halb oder ganz verschlossenem Düren daS Almosen sozusagen durchs Fenster reichten. Und zwischen diesen Mi Wolten waren die großen Schiffahrtsstvaßen mit FlüchtlingSdamPfern besät, von deren Bechecken der gellende Notschrei, das S. O- S. des gequälten Judentums-. „Amerika M un8 nach Rußland zurück. . die Welt erfüllte. Jtt' diesem psychologischen Augenblicke mußte der jüdischnatnmale Zionismus, oder wie er-sich offiziell nannte, /der poetische Zionismus, in Erscheinung treten. Seine erste Arbeit war, die Marodeure des Kampfes gegen das Judentum, die auf-halbem'Wege zur Assimilation zusammenbrachen, aufzutesen, ihnen Mut und Zuversicht, vor allem Selbstvertrauen, einzuflößen. Besonders bedeutungsvoll war die Arbeit des ZioMmus im Westen Europas, wo die Juden schon daran waren, den festen Boden unter ihren Füßen zu verlieren. Dev Zionismus war keine neue Erfindung. Er wurde weder vost Dhwdor Härzl echmden, noch war er als Reaktion gegen den Antffemisismus entstanden. Der Zionismus hat seit dem Zusammenbruche des jüdischen Reiches als Sehnsucht nach hem rechtlichen Heimatland immerfort in der Seele des jüdWen Volkes unauslöschlich sortgelebt. Das Verdienst Hevzls utch seiner Mtarbeiter war, daß sie den Mut hatten, das Borhandenfeiin des Zionismus im jüdischen Volke der gcmM Wett zu verkünden und daß sie den Zionismus aus den Tiefen der Mischen Seele hoben, ihm realen Inhalt, eine praktische Form und ein erreichbares Ziel gaben. Der Antisemitismus hat den Zionismus nicht hervorgerufen, er hat nur seine äußere politische Organisation beschleunigt. Der Zionismus tvar kein neuer Schlachtruf, er war vielmehr eine Mahnung an das jüdische Volk und eine Erinmrung on die übrigen .Völker, in deren Mitte die Juden leben, daß sie ihre Pflicht gegen das Jrtdentum noch nicht erfüllt haben und dadurch sich selbst am schwersten schädigen/ Ist es den Völkern ernstlich um die menschlich und völkerrechtlich einwandfreie Lösung der' Judenftage zu tun, so müßten sie selbst die-Erfüllung des zionistischen PrögraMmes. der „Errichtung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für alle Juden, die in ihren Wohnländern nicht leben können oder leben wollen" herbefführen. ‘ Der Zionismus hat in der Weltpolitik einen neuen Typus des Nationalismus gebracht. Er hat auf dem Umwege des Internationalismus einen jüdischen Nationalismus geschaffen, der, obgleich er seine in aller Herren Ländern zerstreut lebenden Mtglisder zu einem gemeinsamen Volkstum zusaunnenfügte, ihr Pflichtbewußtsein gegen den Staat, in dem sie lebten, nicht lockerte, und andererseits auf ihren Rechten - als Staatsbürger in den einzelnen Staaten beerte. > Der Zionismus ist eine Weltorganisation geworden, weil die Juden m' ßer ganzen Welt zersttient leben. "Der historische - Prozeß, der -mit der OrMisierung des Zionismus ''begonnen Hlt, ist'noch nicht abgeschlossen/.Bis zum Weltkriege hatte er -sowohl imverhalb des Judentums selbst als auch außerhalb!! IN BöROMÖBEL in Verbindung mit Patent- Aktenordner DISPONENT H lJnentbebilich för je des Bureau l I -i!' AlleinerMUgungareeht fSc alle L&hier der, E»de: " ''' AMERICAN TRADING CO. Bureanmöbolfabrikoa \ Wi«n, i«, Nur $iemgassQ i3, belnt Hoheit Markt Telephone Nr. 68600 Serie Anstatt. \ Karlsbad, vor Kongreßbeginn. Mein erster Eindruck war das Nachtbild dieser beruh rnten Stadt, die ich zunr ersten Male sehe. Mächtige, schweigende tz^er, aus den Hügeln zu beiden Seiten eines Mnßbeties hina-ufftrebend.- Immer höher. Trotz herrlich ölarenr Vollmond kann das Äuge die letzten Dächer nicht erreichen. Es geht ins Ungewisse. Schwarze, ranfchende Wälder hüllen die Häuser vnysnm ein. Em scharfer würziger Lufjstrom weht von dort dben durch die blendend beleuchtete Hauptzeile der Stadt. UneMäche Wandvlgämige, jetzt menschenleer. Eine. Säule Wasserdanchtf» weiß ausgualmend. im MorMicht. ll^be-vwättiigend diese Silhouette der ragenden Stufenftobfc, die tausende Erkrankte hegt und heilt: das ernste Bild der Verantwortung — und Ohnmacht. Der Stnnmung dieses ersten nächtlichen Rundganges' durch Karlsbad entsprechen die Rüstiage des 1-3. Zionistenköntzvesses. „Aufmachung^, Plakativirkung, Festgepräge mit flatterndeu Fahnen und Knopflochabzeichen, MasselWwänderung voit PeMnen, Dvrn-eru,-Sportlern — diese Merkmale nianchett fr-icherM Zionistenkongresses, sind diesmal, zn vermisM. Wie<Zeiten> der Demonstrationen und Deklarationen sind Vpvuber.' -Ungeheure Verantwortung lastet ans allen/ die'hier« ^r kamen -- mach Ohnniacht gegenüber der Wucht der Pro- Äeive^die 'in ihrer Gesamtheit kaum lösbar sind. .Hr den Kundgtzbun'gen der Führer, in den DenWvifte« E -'der'^verschiÄdtzüsttn Gruppen/ den BerhMHirDm der - schon jetzt" fieberhaft arbeitenden' Vavkön-fereß^nkyvMt ernste : bera utwort uvgsdolle Grinch- . ... opck.!Ob^i,'U>n PMidsut We-izmanmameriPamMn Konistemag zu .Baltimore warnend ausries, am Hunger der Chalilzim, am Schneckengang des Ausbaues könne das Mandat scheitern, die Last der Sorge um Erez Israel müsse schleunigst mit den nichizionistischen Palästina-Freunden geteilt werdm — oder ob seine Kritiker besorge», durch Entnationalisierung des, Werkes, durch Ummünzung der nationalen Tai in ein „Unternehmen" werde alles Errungene leichtsinnig preisgegeben (eine Sorge, für die insbesondere der, offene Brief des Wg. G r ü n b a u m an Weizmann leidenschaftlichen Ausdruck fand); ob nun Ussischkin auf der eben tagenden Nationalsondslberatung fordert, dieser Fonds müßte mit. größt-er Be-Me-unigung Boden, Boden, Boden kaufen^ es fei. nicht' Zeit, zu warten, bis die englische Regierung -Larch hergebe, kein Pfuüd dürfe für Bodenbearbeitung, sondern jedes müsse für BodenerwerL autzeMicklich.verwendet werden'—- oder vb die KultuMmpfer mit Mossrns oihu ,an der Spitze die größte Gefahr darin eMicken, daß man die Hand abziehe von jüdischer Erziehung, dsrn.hebräischen Schubwerk Palästinas, und damit den neuen Jischub uniergvabe, — in. allen diesen Kchnddeibungen. «Mut man das. brennende GesiM der poteirzierten DevantwoMM und. Ohnmacht. - -; Bei zähester Anstrengung, bei voWer EiüstMNnigkeü der MeiMM-en -kannja doch nur ein Bvuchte-A -dessen - erlangt wachenwas evsangt sein müßte.- . \ : Schon heute erlangt fein inüßte, soMe Erez Israel - so gedeihen, und die' Lösung.-' der' Fildenftage-ffo 'fördern/ 'tÄ«." eS' die'Schöpfer des poilitischen Zionismus gedacht--hüben, und ^vie 'PS-deck' Sirbne deS' Mandates entspricht. — damals^ alS man in -den öftlichM Straßendie kleinen Kihnchen von Msnfchen. in ihre Synagogen gehen sah,'die Thorr zu holen» diese kleinen Bruderschäften, die sich dann zugewaltigen Zügen zusaMenschWsi^ und zu 'den FpiedMen zygen, um de» SMstiNg ist gÄM»dn, - die' Deklaratiött' hat die- Geulgh gebracht,- — ja, wenn dieser Stimmung, dieser großen pathetischen- Geste der Opfermut der Jridenheit entsprochen hätte, dann wäre Palästina heute schon so weit, wie es der Größe , und Bedeutung des zionistischen Werkes entspräche. Tlher, der. Mische Opfermut, auchder sogenannten nationalMischen Massen, verhielt sich zu jener denkwürdigen, von niemand vorbereiteten Demonstration -in der Gass-s', wie sich leider das rühmliche jüdische Mitleid zur 'jüdischen Gsba. sreudigkeit verhält... Keiner trägt schuld, aber alle. \ . «Älchen bisteren, .Erwägungen gegenüber das Herrlich». hey< sich f-Mr.. enEchen' kann, der hierher kam. Auch der Ab- MWte nicht, der seit dm: ersten Weckruf Theodor Herzls. -in der' Bewegung steht: und viele, viele Tagungen mitgemacht hat:' Sie sind alle'da, die vor 20 Jahren da waren, bis auf diejenigLR, die eben leider, nicht mehr sind. ' Und mit derselben jugenMchen Kraft, und mit derse-l'ben Zähigkeit sitzen sie Tag und Nacht bei ihren Konferenzen, nicht-Nenl-inge, nicht Neugierige» - sondern die alten, abgekämpften, hundertmal enttäuschten und beim hunderterstcn Male wieder ärbeitAereiten Zionisten. Hier die Landsmannschaften, .dort die Änferrtz-NM der,'Förchs,. hier die Tagungen der ^aiksionen urch'dort-her Bienenfleiß, in de« . Arbeite - kammern des Schützenhauses — welche Partei im IuidentuM, ich hin' ttihsier: : welche „nationale Bewegung bringt solche selbstlose Energien aus? . DM SunMe. von. Hingabe, von Liebe,- von unsagbar starker Treue! Man lasie nur die Schwere der Verantwortung das Bewußffe-i-si der ' Ohnmacht gogewüber schier Ümnögilichem über dWk- Tagung walten! Keine war so mit Mdivität geladen, kein« konnte solches schaffeu, als es diesi vermag, sich soeben zur Eröffnungssitzung rüstet. Otto AvaLeS.