Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1607 (3.8.1923)
- Date
- 1923-08-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung. 3. August 1923 Seite % SK. 1607 BWie «ud Kunst. A, erste AuWhrung der „MaAMer" i« Berlin. Mine Reminiszenz.) Im Jchre 1873 hatte Rubinfiein leine Oper Me MMMer" der Intendanz in Berlin überreicht; erst zwei Fahre später gelangte sie zur ersten Aufführung. Ucker die Oper ist schon so viel geschrieben worden, daß man fügjlich «behaupten darf, man Bunte auf mner JuWcmmMer mir Mies, oft Gesagtes wiederholen. Wenig bckannt dürste sein, wie die hervorra-gerMe Interpretin Vor Lea, der Mutter der Ma>Rabäer, die berühmte Marianne Brandt, einmal davon eMte, wie sie ails Ehvisiin, die aus eigener Erfahrung n>ie etwas von jüdischem Leben und jüdischen Sitten erfahren, die Sch!Wieri.Mit-on belkümpste, die ihr naturgemäß die Darstellung eines prononeiert Mischen ChäMters bereiteten. Zunächst studierte sie Otto Ludtoigs Trauerspiel Me MaLkckäer", um sich daraus das Bild omer Mischen Heldenmutter zu konstruieren. Aber das genügte ihr nicht. Sie hatte keine Ahnung von -jüdischen Gckrüuchen und wollte diese nicht ans dm Anovdnmlgm eines ReMenrs, der sie Vielleicht auch nicht aus erster Hand hatte, kennen lernen. Die Sängerin fuhr damals zu einer Gastvorstellung (zu wohltätigem Zweck) nach Königsberg Md hörte zufällig, daß in dieser Stadt ein uralter, sehr gelehrter RabMier lcke. In ihrer Naivität dacht« sie offenbar, daß -das sehr hohe Alter des Rabbiners dine ganz besondere Garantie für seine Vertrautheit mit Wischen Sitten und Gebräuchen in alter Zeit sei. Als Lea hatte sie auch einen Segen zu sprechen. -Da sie ganz charakteristisch * wahr ihre Rolle spielen wollte, hätte sie sich ius.befor.dere gern Mer die hierbei üblichen Zeremonien sowie über die hierbei zur Geltung kommenden Hand- und Körperbew-Lgnugen genau insbrnrieven lassen. Der greife Rabbiner, erzählte Marianne Brandt, -machte jedoch — sie nahm an, weil er ^„streng-gläubig" war — SchwievigMen, mit ihr diesen Teil Hrer Rolle einzustudverM. Mehr Gluck hatte sie freitm wcheEch jüngeren Mischen Kantor der Gemeinde, den sie als Re zweite Au-to- Ät ansfuchte. Dank seinen gMMicheren musiLabrschen iKenninffsen hatte er offenbar mchr Verständnis für die Wünsche der Künstlerin und größere BerevtiwiMMt, sie zu erfüllen. Der Kantor machte sie auch mit einigen rituellen Gefangen vertraut -und lud sie schließlich ein, einer Andacht am Sabbat in der Synagoge anzniwohMn, bei welcher Gelegenheit sie auch einen AnschaMngsunterricht darüber erhalten werde, in welcher rituellen Form der «Segen erteilt wecke. Mt Frmrdie folgte die Künftlewm dieser Einladung. SÄe kam, sch und lernte. ,-Jch prägte mir den Vorgang genau ein" — schrick sic — „und hatte auch das Glück, von Professor Gustav Richter, einem gründlichem Kenner des OviwntS, eine Mgemvin poetische Zeichnung Änes Koftümes aus der Hasmonäerzett zu e-challten." Man muß zugckon, die große Sängerin nahm es ernst mit Hrer Kunst, auch was die Win äußerlichem Dinge «betrifft. Interessant ist auch die Schilderung, die Marianne Brandt von dem Verhallten Rubmsteins bei den Proben zu dieser Oper golb. ,M zitterte an Händen und Füßen vor MfveglMg. Bald war er im Orchester, bald auf der Bühne «sichtbar. Jetzt gab er den Primgetgevn eine kleine Lcklion, dann unterwies er die Choristen und Statisten... er war ui> ermüWch und vom einer oft geradezu frappierenden Föinhöit. des Urteils." Auch ein lustiger Zwischenfall ereignete sich einnral. Die Choristen saugen mit zu starlkem Nachdruck, was den Regisseur, der Rulblimftein Nicht im Hause wähnte, zu der Bemeckung veranlagte: ,Mlau«ben Sie, daß Sie -in einer Oper singen? Das ist j-a ein Or-atorium! Mso weihevoller, inniger!" Rmbtnisöom hörte das, nahm es aber nicht als KompUm>ent, «tauchte plötzlich auf der Bühne auif, schoß auf den entsetzten Regisseur los -und ebkl-ärte ih«nr mit schachen Worten, daß die „MMalbäer" Mn Oratorium sind. Marianne Brandt, die hoch und teuer versicherte, daß sie in ihrer ganzen DAhn'enlVaufbahn vk so aufgeregt gewesen wi-e bvi der echten Aufslührung der „M-aMabäer", -denn sic habe ihr ganzes GeÄ.» in die Rolle der Le-a gelegt, konnte mit Germgtmmg daraus hi-nweHlsen, daß ihre Hingebung den höchsten Lohn, die ZlmerLvnnung RMnsteins, gefunden. Er hatte ihr gw-ar, als sie nach der sechsten Aufführung sich die Fvoilhe-it nahm, einige Striche an ihrer Rolle vorzun-chmon, weil, wie sie vvckrachte, ^Derze'ihen Sie mir, ich war schon ganz hin," mit blitzenden Augen zügemf-en: ,-Besser die Sängerin ist hin als die Oper!" Aber eine. Woche später schrick er ihr aus Peterhof einen Brief, ir> welchem er unter anderem sagte: „«sie sind doch ein ganz famoser Kerl! Ich weiß aus eigener Anschauung, wie vortrefflich Ne als Lea sind. Wie schade, daß Sie nicht überall die Loa snvgem können. Meine Oper wurde «davon sehr profitieren!" m n. Gastspiel des Berliner Residenztheaters im Carl-Theater. In dieser „Galanten Nacht", die sich, eMllt von Kinoyandlung und reichlichem Reden, geradezu cubloS hiuzieht, zitiert jemand Vernarb Shaw und der Gesprächspartner antwortet: „Wenn Shaw an meiner Stelle wäre, er würde sich in Grund und Boden hineinschämen." Was entschieden richtig ist, denn Shaw hat wohl etliche schlechte Stücke, aber nie sin l-angweiliges geschrieben. Der Dialog, der dieser sanft einschläferüden Kinohandlung Leigegeben ist, verhält sich zu Shaws Dialog wie, um im Urspnongsland solcher Grobschlächtigkeit zu bleiben, Schor-le-Morle zu Champagner. Bleibt nur noch übrig zn sagen, daß die Darstellung dem Stücke adäquat war: Schorle- Morle. Berlin, was willst du mehr? S. S. Jüdische Bühne, Hotel Stefanie, 2. Bez., Taborstraße 12. Morgen SamStag kn 4. und Sonntag den 5. 5. Gastspiel Leopold Jungwirth, zum ersten Male, ,,D e r Jüd" (Der groß»Jude), Lebensbild in dm Auf- Bor dem 13. •>VT ♦ Mitteilunsen des Kongreßbureaus. Bisa. Durch neuerliche Verhandlungen mit dem fchecho-slowalischem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten ist e8 dem Kongreßbureau gelungen, noch folgende weitergehende Begünstigungen zu erlangen: a) Sämtliche Kongreßteilnehmer erhalten bei Vorweisung der Kongreßlegitimation das tschecho-slowalische Visum gegen eine auf die Hälft e herabgesetzte G ebühr auch ohne besonderen Nachweis ihrer Minderbemitteltheit oder Mittellosigkeitb) Auch die Inhaber rus[ischer und ukrainischer Pässe, die den Kongreß besuchen wollen, echalten bas tschecho-flowakrsche Visum beim zuständigen Konsulat lPaßstelle) in kurzem Wege —. ohne die an sich in diesen Fällen erforderliche Rückfrage beim Außenmimsterium in Prag —, wenn sie sich mit einer Kongreßlegitimation des betreffenden zionistischen Landesverbandes oder des Landesbureaus Ärs Sonderverbandes aus weisen. Fahrpreisermäßigung. Airs die 33prozentige Fahrpreisermäßigung, die die tschecho-flowakischm Eisenbahnen den aus dem Auslände kommenden offiziellen Kongreßteilnehmern auf allen Strecken innerhalb der Zeit vom 1. bis 31. August für direkte Fahrten zwischen einer Grenzstation und Karlsbad sowie umgekehrt gewähren, ist bereits wiederholt hingewiesen worden. Die den Beteiligten seitens der zionistischen Landesverbände, bezichungsweise Landesbureaus der Sonderverbände auszuihändigenden Legitimationen müssen bei Beginn ihrer Benützung abgestempelt werden; die Sie m- Pe l, die für Benützung der 1. Magenklasse 2 tschechische Kronen, der 2. Klasse 1 tschechische Krone und der 3. Klasse 50 tschechische Heller betragen, sind auf. den Bahnhöfen der tschecho-slowakiischen Grenzstationen in den Tabakverkaussstellen zu erhalten. Bahnhofsdienst. Auf den beiden Bahnhöfen von Karlsbad, nämlich dem Zentralbahnhof — für die aus der Richtung Wien, Triest, Rom ankommenden Reisenden — sowie dem Buschtichrader Bahnhof — für die aus der Richtung Prag, Berlin, Paris ankommenden Reisenden — wird ein Bahnhofsdienst eingerichtet, und zwar auf beiden Bahnhöfen im Wartssaal 1. Klasse. Der Dienst tritt am 27. Juli in Wirksamkeit und ist durch entsprechende Schilder und Ausschmückungen kenntlich gemacht. Llnßevdem werden die in Betracht kommenden Züge durch Ordner mit blau-, weißen Binden empfangen. Diejenigen Kongreßteilnehmer, die -beim Kongretzbureau bereits auf schriftlichem Wege Zimmer bestellt haben, erfahren bei dem auf dem Ba^hnhof eingerichteten: Woihnungsnachweis, wo sie unievg-e'bvacht find. Me anderen Kongreßteilnehmer müssen sich' in das Kongreßgebäude (Schntzenhaus, Hauptstraße) begeben, wo sie an den Schaltern des Wohnungsamtes ihre Wohmug zugeteilt echalten. Bei dieser Gelegenheit wird darauf aufmerksam gemacht, paß die Dienstmännerovgamsation von Karlsbad ihre Tarife für Besorgung von Gepäck vom Bahnhof in die «Stadt bedeutend ermäßigt hat, und zwar auf 7 tschechische Kronen per 50 Kilogramm. Zuhörerkanten. Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß' die Besteller von Zuhörerkarten in Karlsbad nur dann auf AuAhändlguug der Karten rechnen können, wenn sie iyre^ seits den betreffenden Verbänden die Karten bezahlt und diese Verbände die Gelder an das Kongreßbureau abgeführt, bezichungsweise überwiesen haben. Die Ausgabe der Zuhörerkarten auf Grund der von den Landes- und Sonderverbänden auszustellenden ,Ml«st-- kLrtenanweifungen" erfolgt ab.1. August an den Schaltern des Kongreßbureaus in der Zeit von 8 bis 11 Uhr vormittags und von 4 bis 6 Uhr nachmittags. Journalistenkarten. Pressekarten können nur an solche JourMlisten ausgegeben werden, die eine Erklärung ihrer Redaktion beibrigen, wonach sie,, und zwar nur sie, mit der Berichterstattung über den 13. Zionfftenkongveß betraut sind. Wegen des sehr beschränkten Raumes können Journa- Irstenkarten an Vertreter von Monatsschriften, Jngendzeitungen und dergleichen nicht ausgegeben werden. Post. Auf die Einrichtung eines besonderen Kongreßpostamtes, bei dem auch Telegramme und eingeschriebene Briefe aufgegelben sowie Postlagersachen abgeholt werden können, ist bereits bei früheren Gelegenheiten hingewiefen worden. Die Kongreßteilnchmer werden jetzt noch davor» verständigt, daß auf dem Postvmte ein oder zwei Kongreßspezialstempel mit hebräischem Aufdruck zur Verwendung gelangen werden, die die Postbehövden ausdrücklich genehmigt haben. Mass envenpflegurrg. Die beiden streng koscheren Gasthäuser Dominitz und L e s e g e l d haben sich durch Vertrag mit dem -Kongreßsbureau verpflichtet, im Wege der Massenausspeisung an vier Tagen der Woche (Sonnabend, Sonntag, Dienstag und Donnerstag) ein mit Fleisch, an den übrigen Tagen der Woche ohne Fleisch ausgestattetes Mittagessen zum Preise von 6.50 tschechischen Kronen -und an den Tagen Sonnabend, Sonnbrg, Dienstag und Donnerstag -ein fleischloses, an den Wrigen Tagen ein fleischhaltiges Abendessen zum Preise von 5 tschechischen Kronen abzngeben. Die Mahlzeiten werden in den beiden Gasthäusern nur gegen die Abgabe entsprechender Bons ausgegeben, die in der Verpflegsabteilung des Kongreßbureaus gegen BMhlung erMtlich sind. Kongrestcmdenken. Es sind' zwei offizielle Kongreß karten hergesteM worden, und 'zwar die eine nach einer Orrginalradievnng von Hermann Struck: „EhaluzimM unter Palmen" und die andere nach einem Originacholzschmtt von Josef Budko: ,^Feremias tröstet Mutter Rachel". Die beiden Karten werden am Stande des Jüdischen Nationalfonds zum Verkaufe gelangen. Das künstlerische Kongreßabzeichen, das die Form einer Wzeichennadel hat, wird gleichfalls vom Jüdischen Nationalfonds gegen einen Betrag von 3 tschechischen Kronen verkauft. Das Abzeichen gewährt seinen Trägern bei mannigfachen Gelegenheiten — in verschiedenen Geschäften, Restaurationen ufw. — gewisse Preisermäßigungen. Im übrigen bittet das Kongreßbureau, seine in dieser Zeitung früher erschienenen Veröffentlichungen zwecks Beachtung noch einmal genau zu lesen. Aus den Theatern. V o l k s o p e n Heute „D e r F r e i s ch ü tz". Der erste Teuer der rumänischen StaatSover in Cluj, Traian G rof ab e 5 c u, wurde für die nächste Spielzeit verpflichtet. Raimund-Theater. Heute gelangt die Gesangsposse „Vierzehn Tage Arrest" zur 50. Aufführung. Das Eigentumsrecht beim Kauf aus Ratenzahlung. Ein bemerkenswertes Urieil hat gestern der Strafrichter des Bezirksgerichtes Fünfhaus, OberlandeKg-erichtsrat Dr. Rchoda, gefällt. Der im 16. Bezirk, Friedrich Kaiserstraß-e 8, etablierte- Kaufmann Gustav Weinberger hat dem Polizeikommis-i sa-riat Ottakring fol-ge-nde Anzeige erstattet: Am 9. Dezember, v. I. kam die mir bisher gänzlich unibekannte Äloisia. Sauer in mein Geschäft und kaufte eine Wolljacke im Werte von 336.060 K. Sie leistete eine Angabe von 66.000 K. und ver- ■■ sprach, die Restsumme in wöchentlichen Raten von 30.000 K. zu bezahlen. Ich willigte ein, da sie mir von zwei guten' Kunden empfohlen wurde. Bis zum heu-ttgen Tage, dem Tage der Anzeige, habe ich keine einzige Ratenzahlung echalten; sie hat mir gestanden, daß sie die Jacke versetzt^ habe. Trotz wiedecholten Drängens und Aufforderung, mir den Versatzschein zu geben, hat sie sich geweigert, auch dies zu . tun. Auf Grund dieses Tatbestandes wurde von der Staats-, anwaltsch-aift die B e t r u g s a n k l a g e gegen Frau Aloifia Sauer echoben. Die Angeklagte, eine junge Frau von 33 Iah-. ren, gab zu ihrer' Rechtfertigung an, -daß ihr eine betrügerische Absicht ferne gelegen war. Im Zeitpunkt, als sie die Jacke, gekauft habe, war sie in der Lage, wöchentlich 36.000 K. auf die Jacke abzuzahlen. Dann habe es mit der Beschäftigung ihres Mnunes „gchappert", oft habe er wochenlang nichts verdient; auch zwei Kinder seien da und da habe sie in einer »»MsvWoW-. bi« Jach« iWsetzt. WWßWtz U?. merkte noch, daß sie inzwischen eine R-ate bezahlt halbe, und nach Möglichkeit zahlen werde. Der Richter fprach die Frau -frei, da von einem Betrug keine Rede sei. Sie habe die Jacke gekauft, Anzahlung geleistet, und damit das Eigentumsrecht erworben; mit ihrem Eigentum konnte sie machen, was sie wollte. Straf re chtlich hat sie sich in keiner Weise vergangen; mit der zivslrechtlichen Frage habe sich das Strafgericht nicht zu befassen. Das herausgelockle -Gebiß. Der Zahntechniker August Liechtenberger hatte einer Bekannter: einen künstlichen Zahn repariert. Diese empfahl ihn einer Nachbarin, die ihr erzählte, daß sie ein Gebiß zu verkaufen habe, und vermittelte auch «den Handel, .indem sie Liechtenberger zu ihrer Nachbarin führte. Er bot für das Gebiß, das aus sechs Zähnen mit Platinstiften und Goldklammern bestand, 80.000 Kronen, die er am folgenden Tage zu bringen versprach. At-it dem Gebiß verschwand Liechtenberger und ließ sich nicht mehr sehen, wodurch er die Frau, die ihn empfohlen hatte, in die peinlichste Situation gegenüber der Nachbarin brachte. Bei der Polizei behauptete nun Liechtenberger, daß er den Kaufpreis bereits dem - Gatten der Verkäuferin bezahlt habe, was sich jedoch bald als unwahr und erfunden erwies. Gestern war Liechtenberger beim Strafbezirksgerichte 1 wegen Beirnges angeklagt. Auf Grund des Sachverhaltes verurteilte der Richter den niHterschienenen Angeklagten nur wegen Veruntreuung zu zehn Ta gen strengen Arrest. Wenn man eS zn eilig hat. Aus der Nachtschicht kommend, wollte Eduard Klinger, vom Ler-Wagen abspringend, rasch einen Zug der Elektrischen beim Deutschen Volkstheater besteigen; da bei der Haltestelle ein großes Gedränge herrschte, drängte er sich in größer Hast durch und stieß dabei . den 76jährigen Pfründner Heinrich Artner, einen gebrechlichen Mann, beiseite. Der Pfründner stürzte zu Boden und erlitt leichte Verletzungen. Klinger, der vor dem Strafbezirksgerichte 1 wegen Gefährdung der Körpersicherheit angeklagt war, versicherte, daß er an dem Mann beim Auffpringen nur ganz leicht anqestreift sei. Richter: So ein alter Mann ' ist halt schwach. Bei aller Eile dürfen Sie doch nicht die Leute niederrennen, die Ihnen im Wge ftctjcit. Der Beschuldigte erklärte sich bereit, dem Verletzten einen Schadenersatz von 20.060 K., ' den dieser ansprach, zu leisten, und wurde vom Richer unter Annahm-s. äußerster Milde zu 20.000 Kronen Geld» ‘fisgfe immtk