Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1607 (3.8.1923)
- Date
- 1923-08-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Ukraine 2× ep/1001131
- Haifa 1× ep/1047930
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Nr. LM €5dk.4 WSm, FEq Wiener Morgenzeitüng. nach 12. Kongreß. Aiu dM Bericht der SioniWchen Srekutive. (Fortsetzung auS Nr. IM der „Wiener Morgenzeitung".) Das diesen Bestimmungen zugrunde liegende Prinzip einer mechanischen Rsgnliernng der Cimvanderung entsprechend der jeweiligen Zahl der Arbeitslosen in Palästina berücksichtigt durchaus nicht die tatsächlichen Bedürfnisse des Palästina- Ausbaues. Es wurde übersehen, daß die jüdischen Einwanderer salbst häufig neue Existenzmöglichkeiten stautinopel nach. Jaffa gingen und jedesmal 'MO bis 600 Palästina-Wanderer Mitnahmen, waren für den Passagierverkchr nicht eingerichtet. Die Immigranten wurden sehr schlecht untergebracht, und auch die Abffahrtszoiten wurden fast nie eingehalten, so daß die Jmrnigranen häufig mittellos und unter großen Entbehrungen in den Hafenplätzen warten mußten. Da es inzwischen gelungen war, durch Verhandlungen mit schufen und die industrielle. Entwicklung des Landes forderten. Die Einwanderung, die den Wohnungsmangel im Lande.schuf, tzat Ungleich die Baubewegung hervorgerufen, die Hunderten und Daustnden van Einwanderern Arbvitsmögflichkeit verschaffte. Andererseits ober muß fcetcmt werden» daß die schwierige Finanzlage der Organisation die jüdische Einwanderung nach Palästina beeinträchtigte. Wären größere Fonds gur Erschließung und Besiedlung der Ländereien, zur Gewährung von Darlehen an Handwerker und Gewerbetreibendeverfügbar gewesen, so hätte die Einwanderung bedeutend zunchmen können, und die Palästina-Regierung wäre dann auch mchr als jetzt zur Erleichterung der EinwanderungsrSQglichleiten geneigt gewesen. So aber mußte die Organisation Hsnderte von Jm-migranten in den Lagern mrshaüen, 'ohne chnen pwduktive Arbeitsmöglichkeiten verschaffen zu können. Daß unter so schwierigen Umständen die Einwanderung nicht noch geringer war» ist nur dem Unvergleichlichen Enthusiasmus und der Opfetwilligkeit unserer Chaluzim und sonstigen jüdischen Einwanderern zu verdanken. Die in allen Ländern jüdischer Auswanderung bestehenden zionistischen Palästina-Aemtcr erweisen den Immigranten alle nötigen Jnsormatiönen» sind ihnen bei Erlangung der Einreiseerlaubnis nach Palästina behilflich, sorgen für ihre Unterbringung und Verpflegung auf der Reise, beschaffen, wenn notig, ärztliche Hilfe und erleichtern den Auswanderern auf die Gepäckbeförderung und Geldüberweisung. Einige der Hmchtpalästing-Annter haben in der letzten Zeit ihre Tätigkeit besondernach -der Richtung ausgedehnt, daß sie alle Dransportangelegenheiten, die bisher du r ch private Gesellschaften besorg wurden, im Jntsresfe der Immigration selbst Attmchmen. Die Reisekosten der unbemittelten Palästina-Wanderer wurden von verschiedenen Organisationen aufgebracht. Die Zionistische Organisation bewilligt« im Jahre 1921—I960 1000 Pfund Sterling und irn Jahre 1922—1923 ISMMwnd Sterling (für ReifeunterstLtzrmgrn und für gewerbliche ÄusbWung van Ghaluzim). Die Verteilung der Beträge für gewerbliche Ausbildung evs-cklgte durch BÄmittlamg der Hechaluz-Qrganisation. Hätte die fm8n-ielle Lage, der Organisation dies gestattet, so hätte sie für Reifrunisrstützungen, besonders ober auch für die überaus wichtige handwerkliche und landwirtfch-rMche Ausbildung der Gha-Imziim gern erheblich höhere Beträge zur Verfügung gestellt. Im neuen Rechnungsjahr sind weitere 573 Pfund Stevling dafür . bewilligt worden. Von nichtzionistrschen Gesellschaften wurden ebenfalls wiederholt Beträge für die Unterstützung der -Palästina-Wanderer bewMgt. TeAs handelte es sich um lokale Komitees, die sich zm Erleichterung der Immigration bildeten, teils um zentrale jüdische Hilfsorganisationen. Im Juli IW wurde durch Initiative des Russischen Merkas in Berlin dort eine HilfsMtrÄe .für Al iah und Hachscharah gegründet, die zirka 2500 Pfund Sterling für diese Zwecke aufbrachte, hauptsächlich aus Mitteln der ukrainischen Föderation in London. Eine schwöre finanzielle Belastung der Palästina-Wanderer besteht in den sehr hohen englischen Disogebühren, die zu mindern bisher trotz wiederholter Bemühungen nicht gelang. Unsere Jmmigratkouszentrale . in Palästina sorgt für die Einwanderer vom ersten. Tage ihrer Ankunft. Es befinden sich zu diesem Zwecke Bureaus in Jaffa, Haifa und Jerusalem sowie ein Vertreter in Liberias. Die Beamten der JmmigrationszenLrale empfangen die Einwanderer auf dem Schiff, verhandeln für sie mit den Regierungsbehörden, leiten das Gepäck durch die Zollämter und veranlassen die Desinfektion der Personen und des Gepäcks. Einwanderer, die keine Verwandten im Lande -haben und mittellos sind, werden im Jmmigrcmtenlager ausgenommen, wo sie Verpflegung, Wohnung und ärztliche Hilfe erhalten, bis sie Arbeit in ihrem Bems finden. Dabei hilft die Jmmigrationszentrale ihnen wieder durch Gewährung von Darlehen zur Beschaffung von Wohnung oder Arbeitsgeräten und Waren, Reisegeld zu den Arbeitsplätzen usw. Me diese Beträge werden als Darlehen betrachtet, und der Immigrant muß einen Schuldschein unterzeichnen, durch den er sich zur Rückzahlung deS Betrages verpflichtet. Häujfig mußte die Jmmigrat ionszentrale auch Unterstützungsgelder für Kranke gewähren, für deren Versorgung eine besondere Kommission besteht, da nicht alle Einwanderer sogleich in die jüdische Krankenkassenorganisation eintreten. Die Eröffnung der rumänischen Reiseroute für die Palästina-Wanderer aus Polen und diejenigen» die aus dev Ukraine und Rußland via Polen -gehen, bedeutet eine wesentliche Erleichterung. In der ersten Ze-it nach Eröffnung dieser Route, die seit dreiviertel Jahren von einem erheblichen Teil der Immigranten benützt wird, zeigten sich allerdings noch große WWlM.Die rumänischen / Dampfer, welche. über. Kondom Triefte, LloP) bedeutende Fahrpreisermäßigungen durchzusetzeu, so wandten ich die Immigranten großenteils wieder der Triester Route zu. Ter Fahrpreis Triest—Palästina wupde für Emigranten aus Polen auf 1 Pfund 15 Schilling für die gewöhnlichen Schiffe und auf 3 Pfund für Schnelldampfer, (für Emigranten aus anderen Ländern auf 2 Pfund 8 Schilling, beziehungsweise 3 Pfund 12 Schilling herabgesetzt. Eine weitere Erleichterung auf der italienischen Route bedeutet die Aufhebung der Quarantäne in Triest und die Abschaffung des italienischen Durchreisevisums für Palästina-Wanderer. Das Entgegenkommen der italienischen Behörden und des Triester Lloyd wird wahrscheinlich dazu Iführen, daß ein erheblicher Du! der Wanderer ständig via Triest geht. Allerdings ist in letzter Zeit oirie neue Schwierigkeit dadurch entstanden,!daß die ägyptische Regierung der Umschiffung der Immigranten in ägyptische Hafen Schwierigkeiten bereitet. Das hat zur.Folge, daß die Immigranten nur mit de>r langsam fahrenden und häufig anlegenden Schissen reisen können, die von Triest nach Jaffa gehen, nicht aber mit den Schnelldampfern, die nach Alexandrien fahren. Kürzlich ist nun wiederum die rumänische Reiseroute mehr zur Benützung gekommen, seitdem es dem Bukarester P alästina-Amt gelang, die rumänische ^ch isffahrtsgesellschaft S. M. R. zur Einstellung eines guten und schnelle;! Passagierdampfers für den Transport der Palästina- Wanderer zu veranlassen. Dieser Dampfer, der pünktlich einmal monatlich von Konstanza nach Palästina geht, benötigt für Liese. Reise nur dreieinhalb Tage und der Fahrpreis beträgt 3000 Lei (etwa zwoieinviertel Pfund). Die Verhandlungen mit den italienischen wie mit den rumänischen Schiffahrtsgesellschaften werden fortgesetzt, um die bestmöglichen Bedingungen für unsere Immigranten zu erlangen. Das Palästina-Amt in Me». Neben seiner Auifgave als Landes-Palästina-Amt für Oesterreich hat das Wiener PÄästtna-Ämt als Durchgangsstelle für die aus der Ukraine, Polen, der Tschecho-Slowakei und Ungarn kommenden Wanderer, gemäß seiner Bestimmung als eines der zentralen Palästina-Aemter dev Zionistischen Organisation, an der allgemeinen Regulierung der Palästina-Wanderung Mitzuarbcitengchabt. Folgende Zahlen stellen einen kurzen statistischen Ausweis des Wiener Amtes über die Emigration durch Wien in der Zeit vom Mai 1921 bis 30. April 1933 dar: Dar englische Visum wurde beschafft für . . 980 Personen Außerdem trafen von auswärts (hauptsächlich aus Warschau) ein.• . . .5846 „ Somit wurden abgefertigt zusammen...... . 8325 Personen Die Zahl der beschatten Visa betrug: a) englische . 980 v) italienische . . ... 5945 c) österreichische .. ...... 4187 Statistische Spezifikation der 980 durch eigene Auswahl Beförderten: a) nach dem Familienstand: Einzelpersonen ....... 641 Köpfe Familien 100 mit. . . . . . . 339 0 b) nach dem Geschlecht: Männlich.. . . 636 tt Weiblich. 342 lt o) nach dem Alter: Bis 15 Jahren. .. 71 9t „ 26 ff »»»»»«» 851 ft „ 35 „ 376 tt „50 „ ••••»••• 134 „60 „ ....... 43 „ d) nach der Staatszngehörigkeit r Palästina .......... 852 „ Oesterreich. 142 tt Tschecho-Slowakei.. 2b tt Rumänien.. . . . 21 99 Polen. 196 Rußland und Ukraine ..... 166 •*«»■*••••« 27 „ Diverse ......... 50 H e) nach dem Beruft Landarbeiter, Leziv. Landwirte. . 183 „ Hilfsarbeiter, Lezw. qualifizierte Handwerker .. 262 „ Kanfleute und Industrielle . . . 160 „ Freie (akadem.) Berufe .... 135 „ Ohne Beruf (Hausfrauen, Schüler) 240 Endlich wurden während der angegebenen Zeit' etwa 1000 Personen (hauptsächlich Palästinenser) abgefertigt, denen Bisa nach verschiedenen Staaten .sowie auch anderweitige Unt?rlUitzuns>uttzjL,Mrüo- _3. August 1923 Gemeinschaftlich mit den Palästina-Aemtern Warschau und Triest hat das Wiener Amt mit dem Lloyd Triest in t Verhandlungen zwecks Verbesserung der Transportbedingungen lür die Palästina-Fahrer geführt. Das seit Jahren Lestchendt gute Verhältnis zu den irr Betracht kommenden Gesandtschaften und Konsulaten, vor allem zum britischen Konfulaie vwie zur britischen Paßstelle und zn de» österreichischen Behörde« ist unverändert aufrecht erhalten worden. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Hschsryara« -rage zugewendet. Das Wiener Palästina-Amt hat hierbei zunächst die Bemühungen des Wrltverbandes Hechaluz sowie der Chalnz-Oyganisation für Oesterreich zweck? Beschaffung, von landwirtschaftlichen und handwerklichen Ar« beitsmöglichkeiten für Chaluzim und Chaluzoth in Wien nach Kräften unterstützt, ferner einzelnen Chaluzim die fachliche Fortbildung durch Gewährung der Nnterhaltskosten ermöglicht. Die Fiirsvrg Einrichtungen des Palästina-Amtes wurden in starkem Maßein Anspruch genommen. Bis 31. Jänner 13S8 bestanden drei Heime für Palästina-Wanderer mi* 280 BeUlM. Als infüge -er im Oktober 1922 beginnenden Wanderung über Rumauicu ein starker Rückgang der Durch- Wanderung durch Wien eiugetrcten war, wurden zwei Heime geschlossen. Neben der Gewährung von Unterkunft in den Heimen erstreckte sich die Fürsörgetätigkcit auf die Abholung der in Wien einlrchsenden Transporte am Bahnhof, Hilfeleistung bei der zollamtlichen Abfertigung des Gepäcks, Beförderung desselben von: Ankunftszum Abfahrtsbahnhos, sanitäre Untersuchung der Wanderer durch einen besonderen Arzt und Unterbringung der Erkrankten in einem Wiener IKravken. Haas, in besonderen Fällen auch auf die Beschaffung von Mitteln für die Verpflegung und schließlich Gewährung von Reisezuschüssen in Form von Darlehen. In der Zeit von Mai 1821 bis Ende April 1923 wurden 748 Einzelpersonen und 96 Familien Reisedarlehen im Gesamtbeträge von 1241 Pfund 18 Schilling 9 Pence gewährt. Die materiellen Mittet für das Fürsovgewerk mußte das Amt durch eigene Aktionen aufbringen. Größere Beträge sind ihm von der Zionistischen Organisation in Kanada, der Hadassah-Frauen-Organisation in Kanada, dem Jewish Relief, Reconstruction and OrphanS Fund in Südafrika, der Niederländisch-indischen Zionisten- Bereinigung m Batavia, dem Jüdischen Frauenrat in Holland und anderen zugekommen. Sämtlichen Palästina-Fahvern wurden während ihres Aufenthaltes in Wien die einschlägigen Informationen erteilt, wo es nottat, Rechtsschutz gewährt, die Fahrkarten >sür die Weiterreise beschafft, und schließlich half das Palästina-Amt den Wanderern auch bei der Ordnung ihrer finanziellen Angelegenheiten. In besonderem Maße wurde das Wiener Palästina-Amt von kranken Chaluzim in Anspruch 'genommen, die ans Palästina zwecks Heilung nach Wien kommen. Diese Kranken wurden dör entsprechenden Spezialbehandlung zugeführt und mußten in den meisten Fällen gegen Bezahlung in Heilanstalten untergebracht werden. Das Handels- und Jndustrieresiort des Wiener Amtes führte ausj Ersuchen palästinensischer Z'nsft«- tntionen und Privatfirmen Einkäufe durch und tvar bestrebt, durch Erteilung von Informationen über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Erez Israel die Gründung von Unternehmungen in die Wege zu leiten. Im letzten Monate dieser Berichtsperiode ist eine Aendernng in der Palästina-Wanderung insofern zu verzeichnen, als der Haupfftrom der Palästina-Wanderung aus Osteuropa, der in den vergangenen Monaten seinen Weg über der, rumänischen Hafen G a l a tz nahm, wiedav über Wien—Triest zu gehen beginnt. Dies geht auf die letztens erwirkten bedeutenden Erleichterungen des italienischen Transits und des Transports ab Triest zurück. Die Weiterbeförderung dieser Wanderer von Wien wurde vom Palästina-Amte untergänzlicher Ausschaltung jeder privaten Transportgesellschaft durchgesührt. Die Legitimaiionskarten, die bisher zwecks Erlangung des österreichischen Durchreisevisum für Palästina-Wanderer gemäß besonderen Erlässen den österreichischen Regierung vom Wiener Palästina-Amte angchordert werden mußten, find jetzt auf Ersuchen des Wiener Palästina-Amtes für die Immigranten aus Polen abgeschafft worden. Karlsb a d, 2. August. (Tel. d. Wiener Morgerrzeitimg".) Seit gestern tagen hier die ersten Teilkonferenzeu des Kongresses. Es find bereits zahlreiche Delegierte eingetroffe«. Die amerikanische Delegation wird fünfzehn Delegierte zählen. Im Kurhaus ist eine Konferenz der Landeskommif fronen des Jüdischen Nationalfonds zufammengetreten. Im Sanssouci tagt die Weltkonferenz der Misrachi, während im Hole l P o ft eine v e r t r a u l i ch e B e f H r echnng des Keren Hajefsod stattfindet. Die Vorarbeiten zum Kongreß selbst werden mit allem Hochdruck fortgeführt-