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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-02 · Heft 1606 (2.8.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1606 (2.8.1923)
Date
1923-08-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Teile 1 Wien, Donnerstag der reichsdeutschen und ^^cho-flckvakischeri NationalfoKia-. Men agitiert. Die Mtionalsozialisten .der Tschecho- Slowakei cutf^mben ihre Abgeordneten und Senatoren Mt Parteitag Mch Salzburg. Den Abschluß des Parteitages wird ein Empfang der Teilnehmer drtrch die Stadivertretung von Berchtesgaden Än, wo ein Vevbrüderungsfeft der Nationalsozialisten,: Oesterreichs, Deutschlands und der Tfchecho-Sloivakei stattfinden soll. Lrlanbrreise der Kanzlers. Der Bundeskanzler hat sich gestem zu kurzem Erholungsaufenthalt nach Kalwangin Steiermark begeben. Herr Buching« interimisttscher H«rerminister. Der Bundespväsident hat an den Bundeskanzler nachstehendes Schreiben gerichtet: „In Anbetracht der zeitweiligen Vechindevung des Bundesmmisters für Heereswesen Karl Vaugoin betraue ich den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft Rudolf B.u ch inger für die Dauer dieser Verhinderung gemäß Art. 73 des BundeDerfasfungsgesetzeS mit der Vertretung des Bundes immsters für HeeveSweseri. Wien, am 30. Juli 1923. Harnisch _ Seipe l." Tschecho-Mowakei. Rechtshilsevertröge. Prag, 1. August. (Tel. d. „Wr. Morgenzeittmg".) Wie die „NaroVnr Listy" erstrhr-en, gehen die Verhandlungen der Tschecho-Slowakei mit Deutschland über den gegenseitigen Rechtshrlfevertrag ihrem Ende 'entgegen. Mit Italien fei das Abkommen bereits abgeschlossen, aber noch nicht ratifiziert. Das gleiche gilt auch für Polen. Das Abkommen mit O e ft e r r e i ch wird nach der Regierungsverordnung vom 19. Marz 1919 durchgeführt. Das Abkommen mit Südflawien erliege noch beim Ministerrat. Schwere Anklagen gegen de« SrMchosKordae. Prag, 1. August. (Tel. fc. ,Mr. Morgenzoitung".) Das nationalsozialistische ,Meske Slovo" hat vor einigen Tagen . den Prager Erzbischof Dr. K orda e beschuldigt, wahrend des Krieges fwidenkerische Postangestellte, die felddienst« tauglich waren, denunziert zu haben. Da die klerikalen Blätter auf diese Anwürfe nicht reagiert haben, wiederholt „Ceske Slovo" feine Behauptung und sagt: ,Mr beschuldigen den Exzbifchof dieser unehrenhaften Tat, damit der Aktionsausschuß der tschechischen Volkspartei den Erzbischof zur Einbringung der Klage zwinge." Das Zentvalorgan der tschechischen BoASpartei ,Mdove Lisch" teilt mm mit, daß der Erzbischof gegenwärtig außerhalb Prags weile und nach feiner RAkkichr antworten werde. Der Lohnstreik km Sstnmer Revier. MShr.-Oftran, 1. August. Ueber Initiative des Ministeriums für öffentliche Arbeiten wurden die Verhandlungen zwischen den Grubenbesitzern und Bergarbeiter» zur Beilegung des Lohnstreiks ausgenommen^. Der Negierungsvertreter betonte, daß Staat, Unternehmer und Arbeiterschaft dazu beitragen müßten, um die so notivendige Herabsetzung der Kohlenpwise zu ermöglichen. Der Vertreter der Unternehmer lehnte die Vorschläge der Regierung an die Unternehmerschaft ab. (Der wichtigste Punkt ist dabei die Frage der H erabsetzung der Kohlenst e u e r. — Anm. d. Red.) Der Vertreter der Arbeiterschaft dagegen lehnte eine Herabsetzung der Löhne ab, da die Preise für die lebenswichtigen Bedarfsartikel nicht zurückgegangen feien. Die Verhandlungen wurden ergebnislos abgebrochen, ste sollen im Ministerium für öffentliche Arbeiten fortgesetzt werden. Jugoslawien. Außenminister Rlnrlc über die ungarische Anleihe. Die Einmütigkeit der kleine» Entente. Ter Korrespondent des „Az Gst" hatte in Sinaia eine Unterredung mit dem jugoslawischen Außenminister N inc i c* Dieser erklärte, daß zwischen ihm und den Ministern B e n e s ch und Du. ca in allen aktuellen Fragen, so auch in drn großen europäischen Fragen, volle Einmütigkeit herrscht. Die kleine Entente habe in den letzten zwei Jahren bei allen sich ergebenden Zwischenfällen, unter anderem auch bei den zwei Restaurationsversuchen derHabsburger und anläßlich der rumänisch-ungarischen Grenzkonflikte, ihren Friedenswillen in nachdrücklichster Weise bekundet. Auch angesichts der letzten Ereignisse in Bulgarien war die Auffassung der kleinen Entente eine vollkommen einheitliche. Ueber die Möglichkeit einer Konsolidierung der Verhältnisse in Bulgarien äußerte sich Nineie sehr Pessimistisch. Im Falle der Gewährung einer Anleihe an Ungarn — fuhr Nineie fort — ist die Regelung der Kontrollfrage von höchster Wichtigkeit. Man könnte wohl hierbei an bas österreichische Beispiel denken, doch liegt der Fall in Ungarn ganz anders. Die österreichische Regierung hat den guten Willen zur Einhaltung der Verträge gezeigt. Diese Regierung war v ertratrensw ürdig. Von Ungarn hingegen läßt sich nicht das gleiche sagen. , ' Ten Lausanner Vertrag hat Jugoslawien ans dem Grunde nicht mitg «fertigt, weil zur Regelung der _ Wiener Morgerrzettung. stehende Londoner Vertrag ruft der Türkei aus dem -Jahre 1914 besteht. Es liege kein Grund vor, diesen Vertrag beiseite zu legen. Der Vertrag von Lausanne regelt die Fragen, die sich ans dem Weltkrieg und dem türkischgriechischen Vertrag/ ergeben haben. Wi.rhoffen jedoch, daß ,daS von uns vorgeschlagene Sonderabkommen babd zustande kommen wird. Die nächste Konferenz der kleinen Entente dürfte in vier Monaten in Belgrad stattfinden. Ungarn. Sine vorWergegstugene Regierungskrise. Bethlen erzwingt die Annahme einer Regierungsvorlage. Budapest, 1. August. (Tel. der „Wr. Morgeuzsiiung".) Die heutige Sitzung der ungarischen Nationalversammlung nahm einen stürmischeu Verlaus und hätte beinahe den Sturz des Finanzministers Dr. Kallay zur Folge haben können. Die Regierungspartei hatte nämlich die Valorisierung der Vermögensuud Einkommensteuer mit dem Fünfundzwanzigfacheir des Steuerbetrages des Jahres 1621 beantragt. Die Opposition verlangte die Ablehnung des Antrages und richtete heftige Angriffe gegen den Finanzminister, weil dieser eine so wichtige Berfügsung in die Jnidemstitätsvörlage. „nnschümggölu" wolle. Auch Mitglieder der Regierungspartei sprachen gegen di< Vorlage und verlangten den Rücktritt des Finanzministers. Besonders der frühere Vizepräsident der Nationalversammlung Josef Bottlik, Albg. Szabo und Staatssekretär Karl Schandl fanden scharfe Worte gegen das Vorgehen und die Politik des Finanzministers. Die Sitzung myßte unterbrochen werden. Ministerpräsident Graf Bethlen rief die Regierungspartei zu einer improvisierten Konferenz zusammen, in der er mit s e i ne r Abdankung drohte, falls die StenervalorisierungÄvorlage nicht angenommen werden sollte. Nach dieser. Konferenz wurde die Parlamentssitzung fortgesetzt und die Regierungsvorlage mit einer geringen Stimmenmehrheit angenommen, wobei jene Mitglieder der Regierungspartei, die der Landwirtegruppe «»gehören, vor der Abstimmung den Sitzungssaal demonstrativ verlassen hatten. gulammenkunft zwischen Bethlen »ndBeuesch. In Wiener, poMilschon Kreisen waren gestern Nachrichten verbreitet, daß Graf Bethlen und Dr. Benesch Kveös ReMierung der in Si-l.aia Wer die ungarische Anlirihe gefaßten Beschlüsse eine Zusammenkunft in Wien abhalten würden. Hierüber bedichtet uns unser Budapester Korrespondent: Budapest, 1. August. (Tel. der,Mr. Mvrgenzeitung".) Zur Nachricht über eine mögliche Zusammenkunft Genesch-B.ethlen in Wien teilt ,^udapestt HiÄap" mit, daß Miniistevpräsident Graf Bethlen eventuell nicht nach Wien, sondern nach Prag reisen wüL, um dort mit Benasch zwecks Realisierung der in Sinaia Aber die ungarische Anleihe gefaßten Beschlüsse in Verbindung zu treten. Das genannte Blatt, welches der Regierung nahe steht, betont, daß die Gewährung der ungarischen Anleihe eigentlich im Intereffe der kleinen Entente stehe, da Dr. Benesch in London von Lord Curzon die Auskunft erhalten habe, daß die kleine Entente selbst keine Ausländsanleihe erhalten kann, bevor die ungarische Anleihe nicht gewährt würde (?). Iw bezug aus die von der kleinen Entente gestellten schweren Bedingungen fordert das Blatt den Ministerpräsidenten aus, eher auf die gange Anleihe zu verzichten als die politische Unabhängigkeit zu opfern. Sine Razzia. Budapest, 1. August. (Tel. der ,ßk. Morgenzeitung.") Die Budapester Polizei veranstaltete gestern eine Razzia in der Umgebung der Börse und beschlagnahmte fremde Valuten im Werte von zirka 40 6 Millionen Ungar. Kronen. Ungefähr achtzig Personen wurden verhaftet. Polen. Der Minist« für Argrnrresorm. Warschau, 1. August. (Del. d. ,Mr. Morgenzsituilig".) Der letzten Plenarsitzung des Sejm wurde die Ernennung des bishevigen Sejmvizepräsideniten Osiecki (Witos- Partei) zum Minister für Agrarreform offiziell mitgeteilt. Die Danzig« Frage. Danzig, 1. August. (Del. d. „Wr. Movgtznzeitung".) Angesichts der gespannten Lage hat der Danziger Senat verschiedene Vorkehrungen zum Schutze des'Freistaatterritoriums gegen äußere oder innere Verwicklungen und Unruhen getroffen. Wie verlautet, sind auch einige Einheiten des in Riga stationierenden englischen Flotte n* detachements zum Schutze Danzigs nach dem dortigen Hafen ausgelaufen. Da man in Danzig selbst auch kommunistische. Demonstrationen befürchtet, 'wurde die Danziger Schutzpolizei verstärkt und' in erhöhte Bereitschaft gestellt. Sehr b^eichnend ist die Stellungnahnre des Organs des Danziger polnischen Generalkommissärs, der „Gazeta Gdanska", zu den befürchteten Unruhen. Das Blatt schreibt: sollten tatsächlich Unruhen ansbvechen, so würden sie wahrscheinlich gegen die jüdische Bevölkerung gerichtet fein; daher kann Polen den kommenden Dingen ruhig entgegeufehen." Nach der Ansicht des dem polnischen GeneraÜomwissär so nahestehenden Blattes kWN .es WWtz MMMg.Ä MM W 2. August 1923 Nr. tm '"■1 1 ■" ■ —.. .. eigenen Bürger in Lebensgefahr kommen, da es do ch n u r I u d e n sind. Oder weiß am Ende das zitierte Blatt Genaueres iiber die Art, wie die in Danzig befürchteten Unruhen organisiert werden sollen? Die Habsburger-Güter In SahbM. Warschau, 1. August. (Tel. d. „Wr. MovgenzeitMg".) Die Außenkmmnission des Sejm behalndelie in ihrer letzten Sitzung neuerlich die Frage der Güter des Erzherzogs Karl Stephan in Saybusch, die bekanntlich, da dvS Kabinett Wiios die betreffs der Freigabe dieser Güter von der Regierung SikoM eingegangenen Verpflichtungen nicht übernehmen wollte, zu einem diplomatischen Konflikt zwischen Polen und Spanien und im Zusammenhang damit zum Rücktritt des polnischen Gesandten in Madrid geführt hatte. Die Sejmkommission nahm mit Stimmennrehrheit, um die Freigabe dieser Güter zu ermöglichen, folgende Resolution an: „Die Außenkommission nimmt mit Rücksicht darauf, daß der polnische Staat in der Frage der Sahbuscher Güter bereits früher engagiert worden ist, die Erklärung des Außenministers zur Kenntnis, daß dem Sejm ein Gesetzentwurf vorgelegt werden soll, wonach von dem Krön- und Privatbesitz der früheren Herrscherfamilie in Oesterreich-Ungarn und ihrer Mitglieder, der bereits Eigentum des polnischen Staates ge-' worden ist, die polnische Regierung im ganzen oder znm Teile die Güter derjenigen .Habsburger ausnehmen darf, welche polnisches Bürgerrecht besitzen." Dadurch wird Karl Stephan Habsburg, der polnischer Staatsbürger ist, in absehbarer Zeit wieder in den Besitz seinem Sahbuscher Güter gelangen. Sroßfeuer in Rawarnska. Lemberg, 1. August. (Tel. der „Wr. Morgenzeituug".) In Rawaruska ist ein Brand ausgebwchen, der, von heftigem Wind begünstigt, in kurzer Zeit große Dimem sionen annahm. Ungefähr vierzig Häuser in der inneren Stadt sowie die Synagoge sind abgsbrannt. Die Zahl der Obdachlosen beträgt fünfhundert Der Sachschade ist sehr groß. PaNMa. Die arabische Delegation aa die britisch» Kabinettrkommission. London, 31. Juli. (I. E. B.) Der Präsident der a r a» bischen Delegation Musa Kazim Pascha ha? sich an den Vorsitzenden der britischen Kabinettskom Mission mit' einem Briefe gewendet, in dem er aus führt, die Araber hätten die Einsetzung ver KMnettskom. Mission als etiteu Schritt zur Lösung des Palästina. Problems beivachtet. Die DelMtion Littet, von der Kommisiion möglichst bald angehört zu werden. Rot nab Streifs im Rahrgebirt. Berlin, 1. August. (Wolfs.) Nach einer Meldung fco „Kölnischen Zeitung" verschärft sich im Ruhrgebiet der LeLensmittelmaugel. Die Wochenmärkte machen einen geradezu t r o st l o s e n Eindruck. Wie die Blätter aus Essen melden, ist im Bezirk Ober- Hausen eine neue Streikbewegung' ausgebrochen- Tie Oberhausener Bergarbeiter fordern eine einmalige Beihilfe von fünf Millionen Mark. Die Kommunisten treiben eine lebhafte Propaganda für eine gem-ein same 'Aktion der Bergarbeiter. Schwere Ausschreitungen in Sachsen. Berlin, 1. August. Das „Berlimr Tageblatt" meldet aus Dresden: In verschiedenen Orten des sächsischen Erzgebirg.es, in Zwickau, Lauter, Aue und dem schwarzenbergischen Bezirk, haben sich in ven letzten Tagen schwere Ausschreitungen ereignet. Die Fabrikanten sind, durch Drohungen und Gewalt genötigt worden, di« Forderungen der Arbeiter zu bewilligen. Ein Fabrikant wurde halbtot geschlagen und mehrere andere Industrielle schwer mißhandelt. Die Regierung, die gestern noch in einer Polemik gegen den Reichsminrster des Innern die Unruhen in Zwickau für gegenstandslos erklärt hat, sieht sich heute genötigt, nritzuteilen, daß sie die Wiederholung der Ausschreitungell mit aller Entschiedenheit zu verhindern 'entschlossen sei. Sie hat ein starkes Schutz Polizeiaufgebot in die betvessenfcen Bezirke entsendet. Neu-Wied, 1. August? (Wolfs.) . Die gestern von den Franzosen bei der Reichsbenksielle Nelr-M>i-od befchlagttci'hente Summe beträgt etwa 40 Milliarden Mark. Die Franzosen hoben gestern auch das Rasselsteiner Eisenwerk besetzt, wo trotz des Protestes der WevkSlei-tung 17. Milliarden Mark Ächngelder beschlagnahmt wurden. Neuerliche BrotpreirerMnvg in Berlin. Berlin, 1. August. Der erst heute in Berlin in Kraft getretene Preis für markenfreies Brot von 58.000 .Mark ist für morgen bereits auf 64.000Mark erhöht worden. Es ist dies die dritte Broipreiserhöhung in dieser Woche. Allgemeine Amnestie in der Mrkei. Konstantinopel, 1. August. Wie die Blätter mevdeb. wird die Regierung nach Natifizierung de8 Frieldensvertrages em-e allgemeine Amnestie Massen.

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