Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1605 (1.8.1923)
- Date
- 1923-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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©tftc 6 " Men, Mittwoch - 7 mit Deutschland im Rahmen des Völkerbundes, dem Deutschland beitreten sollte. Eine enge geistige und wirtschaftliche, solidarische TätiMl Zwischen den Böllern Deutschlands und Frankreichs ist die Bordedingung für den Frieden Europas. Deutschland sollte wieder einen Botschafter nach Paris'schicken. Die französischen Friedensfverrnde übernehmen die Verpflichtung, für die Verdrängung der Gewaltpolitik mit allen Kräften ehrlich Zu wirken. Darm ergriff Prof. Einste: n das Wort und erklärte: Deutschland darf dieses Jahr nicht verstreichen lasten, ohne seinen Eintritt in den Völkerbund zu vollziehen. Der Weg über die Verhandlungen des VMerbundes ist der einzige, der es ermöglicht, in der Zeit, die uns noch zur Verfügung steht, dem völligen Ruin 51t entgehen. Die Msrmorek-Legeilde In der Fnvengasie. In der,^Fewish Gazette" erzählt S. E r dbevg die folgende hübsche Legende: - Zlls die Herzl-Legende bis zu uns Kindern in das vustische Städtchen gedrungen war, da war Alexander M a r rn 0rek einer der Helden dieser Legende. Man erzählte uns: In Paris sitzt der Dr. Marmore!, der ein Heilmittel gegen Schwindsucht erfunden hat. Er hat ein Wunder vollbracht. Nun wird kein Mensch mchr an der Auszchrung sterben. Der Wundertäter ist einer von jenen, die „nahe demköniglichen Thron" ihren Platz haben. Dieser Wundermann ging mit Herzt, um Erez Israel von den Türken für die Juden in Empfang zu nehmen. So erzählte es irgend jemand im Bech Hamidrasch zwischen Abend- und Nachtgebet und der Rabbi erzählte die.Geschichte den Kindern werter. Mit Marmorek — lief die Geschichte weiter — sitzt in Paris auch noch Dr. Nord aü. Er ist der große Stvafer, der alle, welche die Juden peinigen, geißelt und mit scharfen Worten straft. ' Wenn in unserem Städtchen von Paris die Rede war, so dachte man sich darunter immer die Hauptstadt des Kaisers Napoleon, der die Welt erobert hatte, und bereit war, den Inden Palästina zurückzugeben. Und ein besonders phantasievoller Jude unseres Städtchens wußte auch zu erzählen, wie es kam, daß man den Juden jetzt Palästina zurückerstatten wolle: Die einzige Tochter des Pariser Kaisers war plötzlich an der Schwindsucht erkrankt. We Symptome der Auszehrung hatten sich bei ihr eingestellt. Sämtliche berühmten Aerzte der Welt wurden zu ihrer Rettung herangezogen, aber alle hatten sie aufgegebm. Der Schmerz des Kaisers war grenzenlos. Da kam Dr. Marmorek, sah sich die Kranke an, gab ihr sein Heilmittel und die Tochter des Kaisers wurde gesund. Der Kaiser fragte Dr. Marmorek, welches Honorar er für die Heilung seiner einzigen Tochter beanspruche. Er bot ihm unermeßliche Schätze Goldes an und wollte ihn zum Vizekönig ernennen. Der wundertätige Doktor lehnte jedoch jede Belohnung ab und wies auch jede Auszeichnung zurück. .Als aber der Kaiser nicht abließ, in den Netter seines Kindes zu dringen, um ihn zur Anncchzne einer Belohnung zu bewegen, da antwortete Dr. Marmorek mit erhobener Stimme: „Mein Herr und König! nichts begehre ich für mich. Ha^üch jedoch Wohlgefallen gefunden in den Augen des Königs dann möge mein Lohn sein, daß mein Volk sein Land wieder zurückerhalte." Dies erzählten einander kleine und gwße Kinder in unserem entlegenen Städtchen, tveitab von jeder Politik und vor: aller: großen Geschehnissen auf der Weltbühne. . . SberrMlner Melr und die Agndah. Herr Benzion Tauber, derzeit im Misrachi-Bureau fn Karlsbad, schreibt uns zu einem von agudistischer Seite verbreiteten Bericht über den Besuch des Obervabbiners Jakob Meir aus Jerusalem im Buveau der Agndah: Als einer der Begleiter des Herrn Oberrabbiners, der während dessen Anwesenheit in Wien ununterbrochen in seiner Nähe war und mit allen seinen Handlungen vertraut ist, bezeuge ich, ' 1. daß es unrichtig ist, daß' Oberrabbiner Jakob Meir aus eigener Initiative das Zerrtralbureau der Agudah besuchte. Vielmehr ist richtig, daß Rabbiner Jakob Meir erst nach mehrmaliger Einladung und nachdem er sich mit uns beraten hatte, sich entschloß, dieser Einladung Folge zu leisten; 2. ebenso ist es unrichtig, daß Rabbiner Jakob Meir die Richtigkeit der Anschauung einiger Mitglieder des- G. A. zugegeben habe, daß als erste Bedingung für eine Verständigung mit Misrachi volle Absage und Loslösung von der zionisti- 'chen Organisatwn gestellt werden soll. Vielmehr ist es richtig, daß. Rabbiner Jakob Meir, wie er uns nachher erzählte, diese Bedingung zu rück gewiesen hat. Leon Bourgeois Mer den BölkerLund. In der französischen Presse und ganz besonders im „Tenlps" wurde der Völkerbund in letzter Zeit wiederholt sehr scharf kritisiert. Es wurde ihm außer den übermäßigen Auslagen auch der VorwuH gemacht, daß er sich häufig wie ein U-ebe rstaat gebärde und dadurch den einzelnen Regierungen große Schwierigkeiten 'bereitet. Nun widerte»: Leon Bourgeois in seiner Eigenschaft als ständiger Delegierter Frankreichs im Völkerbund in. einem längerem Schreiben an den „Temps" diese Beschuldigungen. Er weist ziffernmäßig nach/. daß der Personalaufwaüd und die Verwaltungskosten des Völkerbundes nicht übermäßig seien. Was den Vorwurf des Ueberstaates anbetrifft, weift Bourgeois darauf hin, daß die gegenwärtige Organisation des Völkerbundes ein solches Auftreten von vorw Herem ausschlicht. .Der Völkerbund -besitzt keinerlei Juitia- Wiener Morgerrzettrms- 1 August 1923 Nr. 160$ . "• ■—.i.i.i - ui >>>»< im. ...»■■■■« — » Die Rovosat-Berbiinde in Wien. Mehrere Verhaftete freigegeben. Die Enthaftung mehrerer Personen, die seinerzeit im Zusammeichang Mit der Neulengbacher- Mordaffäre und der dadurch bewirkten Aufdeckung von Mordorganisationen festgenommeu Word«: waren, hat in der Oeffentlichkeit begreiflicherweise großes Aussehen erregt und zu verschiedenen Vermutungen Anlaß gegeneu. Wir haben an kompetenter Stelle erfahren, das; die Enthasiuug mehrerer Angehöriger der Schlageter-Gruppe aus der Untersuchungshaft des Laudesgerichtes der: Tatsachen entspricht. Die Enthaftung erfolgte auf Antrag des Staats- .anwaltes Dr. Händler, der die Angelegenheit führt. Auf seine Weisung hat der Untersuchungsrichter Oberlandesgerichtsrat Dr. Kühlhofer alle diejenigen Personen entlasten, die ihm vom Staatsanwalt namhaft gemacht worden sind. Dies ist gleich zu Beginn der Untersuchung geschehen und im weiteren Verlaufe des Verfahrens wurden noch eine weitere Anzahl von Leuten enthaftet. Die Personen, die mit der Affäre Novofat in irgend «einem Zusammenhang stehen, befinden sich jedoch weiter in Haft. Gegen die auf freien Fuß Gesetzten wird die Untersuchung weitergeführt, und von einer Einstellung des Verfahrens gegen sie kann nicht die Rede sein. Unter den in Haft Belassenen befinden sich außer den an der NevkvuH Lacher Mordaffare Beteiligten auch die semergeit Vers hafteten reichsdeutschen Offiziere, wie Freund und Krüt g e r. Gegen alle Pechonen wird die Untersuchung wegen Mort^ beziehungsweise Mithilfe dazu und Geheimbündele^ geführt. Dort, wo keine Verbindung zu Novoscrt und seinen Komplicen besteht, wo es sich nur um Geheimbündelel handelt, wurde die Enthaftung verfügt. Im ganzen befinde^ sich noch, neun Personen in Untersuchungshaft. Bon anderer Seite erfahren wir, daß die Enthaftung auf Grund der Ueberzeugung erfolgte, daß gegen die betreffend den Personen nichts vorliege, was die Fortdauer der Unters suchungShaft notwendig erscheinen ließe. Ein Antrag, die Enü hafteten wegen Fluchtgefahr Mltcr polizeiliche Aufsicht zu stellen, liegt bisher nicht vor. Es war jedenfalls voraus zuschen, daß verschiedene, dem Landesgericht im Zusammen Hang mit der Neulmgbacher Affäre eingelieferte Personen entlasten werden mußten. Die Polizei hat als Borunterr suchungsbchörde einen viel strengeren Maßstab angelegt. Di» Polizei hat in Verfolgung der Angelegenheit natürlich jed» Spur verfolgt und alle Personen in Haft genommen, di» irgendwie mit der Sache in Verbindung standen und sich irgendwie verdächtig gemacht hatten. tivrecht.'Er kann nur mit Fragen befaßt werden, welche von den Regierungen selbst ousgehen. Eine Entscheidung kann nur durch den Völkerbundrat, das heißt nur durch die unmittelbaren Vertreter der Regierungen gefaßt werden. Für jeden entscheidenden Beschluß ist die Einstimmigkeit erforderlich, das heißt, daß die Opposition einer einzigen Negierung genügt, um einen Beschluß unmöglich zu machen. Man könnte also eher die Einwendung machen, daß dieses Vetorecht jeder Regierung die Arbeit des Völkerbundes zu paralysieren geeignet sei. Während der drei Jahre seit dem Bestände des Völkerbundes hat dieser nichte ineinzigesMal gegen diese vier Kardinalpunkte verstoßen. Hingegen kann er auf eine Reihe von wichtigen Ergebnissen Hinweisen, so auf die Aland-Affäre, auf den Fall Albanien, Oberschichten und a»f die Sanierung Oesterreichs. Aiesenbrand In Dentschböhmen. 1 126 Personen obdachlos. — 2 Millionen Schaden. Prag, 31. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) In der vergangenen Nacht wurde die Stadt Gör kau in Derrtschböhmen von einem großen Branvunglück heimgesucht. Gegen halb 2 Uhr morgens war in einem Hause der Vorstadt ein Feuer ausgebrochen, das infolge des anhaltend starken Windes mit rasender Eile auf die meist mit Schindeln gedeckten Häuser der Umgebung Übergriff. Die auf dem Brandplatze erschienenen Feuerwehren konnten lediglich die an den Feuerherd angrenzenden bedrohten Objekte schützen, die brennenden Häuser aber nicht mehr retten. Mehrere Personen, die bei den Löschungsarbeiten mithalfen, wurden durch die herabfallenden Balken verletzt oder erlitten schwere Brandwunden. Ein Feuerwehrmann gus Komotau erlag einer Rauchvergiftung. Durch den Brand sind 126 Personen obdachlos geworden. Der Sachschaden wird auf zirka zwei Millionen tschechische Kronen geschätzt und ist nur zum geringen Teil durch Versicherungen gedeckt. Den Feuerwehren gelang es erst in den Morgenstunden nach anstrengender Arbeit, des Feuers Herr zu werden. Die Ursache des Brandes ist noch nicht aufgeklärt. Die Bismarck-Feier. Ein Zwischenfall. Hamburg, '31. Juli. Anläßlich des 25. T 0 d e s t a g e s Bismarcks hatte der alldeutsche Verband gestern einen feierlichen Gottesdienst in der Grustkapelle in Friedrichsrüh veranstaltet. Die Predigt hielt Pastor R e u ß aüs Hamburg. Als er danach zum Sarkophag schritt, brach er mit einem leisen Aufschrei zusammen und war nach wenigen MgenMckeu verschieden. Die Feier wurde abgebrochen. Sine französische Schrift gegen MarschM Fach. Aus Paris wird uns berichtet: Die größte Sensa-. tion des Büchermarktes bildet eine glänzend geschriebenes Broschüre des berühmten Schriftstellers Jean de P ierref e u gegen den gefeierten Marschall F 0 ch, eine überaus scharfe Kritik der Tätigkeit des Marschalls und seiner militärischen Mitarbeiter. Der Verfasser macht ihnen unter anderem den konkreten Vorwurf, daß ihre unüberlegten Handlungen. überflüssigerweise Tausenden von tapferen Soldaten das Leben gekostet haben. Den tiefen Eindruck dieser Schrift illustriert die Tatsache, daß Marschall Foch sich herablassen mußte, in einer Gegenschrift sich und seinen Stab gegen die von Pierreseu vorgebrachten Anwürfe zu verteidigen. Allerdings hat Foch die Schrift nicht unter seinem Namen, sondern' a n 0 n Y.m herausgegeben, aber alle Welt woiß, daß jede Zeile dieser Verteidigungsschrift ans der Feder des Marschalls stammt. Man erwartet schon in den nächsten Tagen eine Replik Pierrefeüs, und Paris hat seine große Sensation. Das Duell Pierreseu—«Foch hat zunächst den .BnMändlern sicheren Nutzeg gebacht, Me Mensa — eine Somiine der Denlschvöttischen. Es gibt wieder einmal eine Universitätsasfäre in Wien, Wenn es sich auch nicht direkt um die Universität °als Bildungsstätte handelt, so steht der Skandal der Mensa aeademie^ doch mit diesem Institut, das in den letzten Jahren wiederhol^ der Mittelpunkt sehr unerfreulicher Diskussionen und Affäreg war, in emem Zchammenhang. Schon darum, weil der gleich-, falls nicht besonders rühmlich bekannte Professor S ch a t t e tu froh, der Rastenantifemit auf der Lehrkanzel, Präsident der; Mensa ist. Der „Tag" und der „Morgen" beschäftigen sich kn ausführlicher Weise mit diesem Skandal, der schon lange nicht mehr neu ist und der gewiß wieder dazu beitragen wird, das Ansehen der ersten österreichischen Universität im Auslände zg heben. In der Mensa acadenrica geschieht die Ausspeüsung nicht, tvie man glauben sollte und wie es den Statuten dieses Instituts entspricht, nach der Bedürftigkeit, sondern ausschließlich vom Standpunkte der Volkszugehörigkeit; und Rasse. Während man sich an der Universität bemüht, die Juden von der geistigen Nahrung auszuschließen, tut man e§ in der Mensa mit der leiblichen. Die Mensa academica ist jrwenrein, und nicht nur das, sie ist eine Domäne der deutfchvölkisfchen Couleurstudenten geworden, die unumschränkt herrschen und zur Ausspeisnng imr den zulassen, der ihnen paßt. Die Mensa acadenrica ist eine Wohlfahrtseinrichtüng,' die — man kann es ruhig sage:: — ausschließlich von ausländischen Spenden lebt, da ja die österreichischen Kronen kaum ins Gewicht fallen. Es entspricht also keineswegs den Statuten und es ist gcvrz gewiß nicht im Sinne der Spender, gehandelt, wenn die Mensa'zu einem Roservatrecht deutschvölkischer Radaustudmtei: wird. Unter den ausländischen Spen^ dern, die den Bestand der Mensa überhaupt ermöglichen, befinden sich eine große Anzahl von Juden, und es muß sehr bezweifelt werden, ob Liese mit dieser Verwendung ihrer Spenden einverstanden sein werden. Wie der „Morgen" erklärt, weigert sich das Kuratorium der Mensa, die Rechenschaftsberichte unL Protokolle der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Der Mißbrauch wird also, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit getrieben. Aus den Aeußerungen, die der Vizepräsident des Kuratoriums der Mensa, Obermedizinalrat Dr. 2 ö w e n st e i n gemacht hat, kann man die Vorgänge innerhalb des Kura« toriums nur vermutungsweise abschätzen. Soviel scheint aber festzustehen, daß Herr Schaltenfroh in der ganzen Mensaangeleg^heit keine besonders rühmliche Rolle spielt. Herr Dr. Löwenstem hat es sich übrigens Vorbehalten, nach seiner Rückkehr vom Urlaub die Vorgänge in der Mensa academica vor der Oeffentlichkeit ausführlich zur Sprache zu bringen. Neues vom Telephon. Numerus clausus für Gespräche. <Das BuNdeAmmisterium für Handel und Verkehr hak einige Bestimmungen free Telephon-, bezw. Gsbühvenovfrnung ckbgeänfrert. Die wichtigsten Bestimmungen, welche bereits mit 1. August'1626 in Kraft treten, sind: Die jährlichen Teilnehme rgeb ühren für Einzel-, und Gesellschaftsanschlüste bleiben unverändert, dagegen ist bei der Herstellung eines Einzelanschlusses eine einmalige Ausnahmsgebühr vou 1,200.000 K., bei der Herstellung -eines halben oder viertel Gesellschastsanschlusses eine solche von 600.000 K. Zu erlegen. Für die Herstellung jeder Neibenstelle ist die Ausnahmsgebühr von 100.000 K. zu entrichten. Diese Arlsnahmsgebühr'Ln echöhen sich aus das Doppelte, wenn die Herstellung eines Teilnchmeranschl-usses oder einer Nebenstelle bei Nachweis eines, begründeten/Be-r dü'r s n i s s e s außer der Reihenfvlge der Anmeldungen eufolgt, Bei ^Ges-ells'chastsansDüssen, Ivolche..an ein Aut.-Tslephönvermittlungsamt «mgefchlossen * sind, beträgt die durch- . MitUiche tzv» Lo-r 46 Minuten bei einem HaHe»