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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-31 · Heft 1604 (31.7.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1604 (31.7.1923)
Date
1923-07-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1604 Wien, Dienstag Wiener Mörgenzeitung. 31. Mi 1923 Seite 3 Fords „Ler internationale FM" in polnischer Sprache. ' Warschau, 29. IM. (I. C. B.) Das antisemitische Buch Henry Fords: „Der internationale Jude", das wichtigste allwelttiche Problem, ist in polnischer Ueberfttzung erschienen. Die „D w a G r o s z Y" des Herrn PaLerewsli und die ,/Rzeez Pospolita" empfehlen täglich das Studium dieses Buches. Rumänien. Me MinorMensrage. Bukarest, 26. IM. (I. C. B.) Zwecks ©totfotum der Lage Ler Minderheiten ist hier eins Kommission des Völkee- Lundes orngetvoffe-n. _ 1 Litauen. Mr die Regelung der WW-lltaulsche« Beziehungen. Berlin, 29. Juli. (I. C. B.) Mr. S. B. Komaiko ans Chicago, der sich in Litauen um die B-essermrg der jüdiischlitanischen BeMchungen bemüht hat, toel gegenwärtig in Berlin. Mr. S. B. Komaiko, der Präsident der arwerManHschtitanischen Handelskam-mer ist und gleichzeitig im jüdischen öffentlichen Leven steht, hat der litauischen Republik große Dienste geleistet, indem er bei der amerikanischen Regierung zugunsten Litauens intervenierte. Während seines Aufenthaltes in Litauen hat Mr. Komaiko mit hervorragenden litauischen Besprechungen gehübt, in denen er die Notwendigkeit einer gerechten Regelung der Minorit ätensrage betonte. Mr. Komaiko wurde vor seiner Abreise vom Präsidenten der litauischen Republik empfangen. Während des Empfanges wies er daraus -hin, daß" Amerika den WelÄvieg für Ae Befreiung der kleinen Völker geführt hat und daß Litauen als ein infolge, des Krieges entstandener ©toot sein Staatswesen auf der Freiheit der Minderheiten ansbauen müsse. Der Präsident dankte Mr. Komaiko für seine. Bemühungen um das Wohl Litauens. - Wahlen zur Mischen Rationalversammlnng. Kowno, 30. Juli. (Tel. der ,Mr. Movgenzeitung".) Der jüdische Nationalrat hat für den 27. und 28. September b. I. Wahlen zur ersten Jüdischen Nationalversammlung in Litauen ausgeschrieben. Ganz Litauen bildet einen gemeinsamen Wahlkreis. Zu wählen sind 90 Mitglieder. Sämtliche Juden find wahlberechtigt. Die Kandidatenlisten sind bei den Gemeinden einKmeichen. Die gesamte Mische Bevölkerung wird zu einer aktiven Teilnahme aufgefordert. Die Nationalvevsamwlung wird einen neuen Natwnalrat zu wühlen haben. , Sie Lage der zioaistischen Kolmlen. London, 30. Juli. (I. E. B.) Die sonst antisemitische Zeitung ,>Dai'lY Mail" bringt eine Notiz des Jerusalemer Korrespondenten über die gegenwärtige Lage der jüdischen Kolonien in Palästina. Die von den Zionisten gegründeten Kolonien seien jetzt in einem viel günstigeren Zustande als bisher. Die allgemeine Depression um Handel und der Verlust der Märkte sei für die schlechte finanzielle Lage der älteren Kolonien, die nicht unterstützt lverden, verantwortlich. Aus der Tatsache, daß ein Teil der von Dr. Weizmann in Amerika gesammelten Gelder für die Gründung neuer Kolonien verwendet werden soll, sei zu schließen, daß die bereits bestehenden schon aus eigenen Füßen stehen können. Die wichtigste Aufgabe der Zionisten sei gegenwärtig, den Einwanderern landwirtschaftliche Arbeit zu verschaffen. Ae Konferenz von Sinaia. Sei« SiatM Polens und Griechenlands r« die »eine kntente. Sinaia, 29. IM. (Orient-Radio.) Den wichtigsten Gegenstand der heutigen Beratung der Konferenz bildete die Aushebung des Generalpfandrechtes auf das ungarische. Staatsvermögen, die zur Erleichterung einer zur Sanierung der ungarischen Staatsfinanzen auf- Knnehmenden Anleihe erforderlich ist. Die Delegierten stimmten in dem Wunsche überein, daß Ungarn der Weg zur Entwirrung der gegenwärtigen Schwierigkeiten unter der Bringung erleichtert werde, daß Ungarn das derart erhaltene Geld weder für neuerliche Rüstungen noch für Zwecke irgendeiner irvedentistischen Propaganda benütze. Ungarn habe noch nicht ganz ab ge rüstet und seine Regierung habe sich als unfähig erwiesen, die Tätig" #eit der nrodentistischsn Vevüiniguivgen zu verhindern, die Gewalt gegen die Nachbarstaaten predigen und Revanch-egedanken hegen. Diesbezüglich wurden praktische Sicherungen festgesetzt. In der Frage der Bulgarien gegenüber zü befolgenden Haltung herrscht Uebereinstimumng darin, daß> kerne Ursachen vorliegen, das gute Nachbarverhältnis nicht fortzusetzen, solange die neue Sofioter Regierung ihre Versprechungen einhalte. Der tschecho-flowakische Llußemninlster Dr. B e n e s ch und der' rumänische Außenminister Duta haben bereits vor Beginn der Konferenz in mehreren Unterredungen erklärt, daß von einem Eintritt Griechenlands und Polens ' in die kleine Entente keine Rede sei und daß nur über das gegenwärtige und über das zukünftige Veri hältnis der kleinen Entente zu den erwähnten beiden Län« dern ein I d e e n a u s t a u f ch gepflogen werde. Der polnische Delegierte P i l c z ist Sonntag aus Warschau in Sinaia eingetroffen. Er hat für die Konferenz keine Vollmachten, t . doch hat Polen schon von Anfang an den Wunsch ausgesprochen, an der Konferenz teilzuuchmen. In ^rumänischen Kreisen bestärkt sich die Ansicht, daß Pilcz nur zur rumänischen Regierung entsandt worden sei. Nichtsdestoweniger wurde er von Dr. Benesch empfangen. An der heuMen Schlußsitzung der Konferenz nahm auch der rumänische Mnisterpräisident Bratianu teil- Ungarn soll saniert werden. Paris, 30. Juli. In einem Bericht aus Sinaia an den „Matin" schreibt Henry Jouvenel, der tschecho-slowakdsche Minister des Aeuhern Dr. Benesch werde von Sinaia mit dem Mandat abreisen, dem Grafen Bethlen die Bedingungen bekannt zu geben, unter denen die kleine Entente der Aufhebung des Generalpfandrechtes zuftunmm werde, wodurch die ungarische Anleihe ermöglicht werden soll. Wenn im Laufe der Besprechung zwischen Dr. Benesch und Graf Bethlen die Bedingungen angenommen werden, dann dürfte ein Abkommen getroffen werden, das in vielen Punkten dem Genfer Protokoll über die Sanieruna O e st e r r e i ch s ähnlich sein werde. . ßngland und PMstina. Ende dev tüvkrschen Ansprüche ans Mesopotamien und Palästina. London, 28. Juli. (I. C B.) Bei der Abstimmung über das Budget des Kolonialamtes im Unterhaus in der Sitzung vom 25. Juli - erklärte der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Mr. Ormsby Gore, daß der in Lausanne mit der Türkei abgeschlossene Vertrag die türkischen Ansprüche auf Mesopotamien und Palästina endgültig erledigt habe. Ueber die Nordgrenze des Vilajets Mos.sul werde zwischen Großbritannien und der Türkei ein freundschaftliches Abkommen abgeschlossen werden. Sollte aber innerhalb neun Monaten, vom Tage der Räumung von Konstantinopel, kein Uebereinwmmeir Zustande gebracht werden, hätten beide Parteien zugestimmt, daß der Völkerbund die Frage entscheiden soll. Während der letzten drei Jahre, erklärte Mr. Ormsby Gore, habe sich das Kolonialamt dauernd bestrebt, die Ausgaben zu verringern. Als Folge des mit der Türkei jetzt abgeschlossenen Vertrages werden drei Bataillone sofort aus Mesopotamien zurückgezogen werden. Auch die Garnison in Palästina werde verringert werden. Mr. Ormsby Gore schloß: Er habe nichts mehr hinzuzufügen, nachdem er bereits ausführliche Berichte auf die gestellten Fragen erteilt habe und eine ausführliche Darstellung seitens des Herzogs von Devonshire gegeben worden sei. Wie die italienische Telegraphenagentur „Volta" berichtet, werden, nachdem der Friedensvertrag unterzeichnet' worden ist, in Kürze zwischen Frankreich und Italien Unterhandlungen beginnen wegen der Rechte der italienischen Bürger in den Ländern der früheren Türkei, die jetzt unter französischem und britischen Mandat stehen. Die Mandate für Palästina nnd Syrien, die vom Völkerbund ratifiziert worden sind, werden sofort. nachdem eine Verständigung zwischen Frankreich und Italien erzielt sein wird, in Kraft treten. Keine Diskussion des Palästina-Mandats in dev Mandatskommission des Völkevbnndes. Göns, 28. Juli. (I. C. B.) Die gegenwärtig in Genf tagende Mandatskommission des V ö l k e r b u nd e s sollte unter anderem auch den Bericht Großbritanniens - über die. Verwaltung Palästinas während des verflossenen Jahres prüfen. Die Kommission hat aber beschlossen, sich mit der Frage der Mandate der Klasse A nicht zu beschäftigen, da diese noch nicht völlig in Kraft sind. Das Mandat über Mesopotamien ist noch nicht vom Völkerbund ratifiziert worden) die Mandate über Syrien und P alästina sind zwar vom Rat ratifiziert worden, es wurde aber seinerzeit vereinbart, daß sie erst dann in Kraft treten, sobald Frankreich und Italien zu einem Einverständms betreffend Syrien, gelangt sind. Die Schwierigkeiten zwischen Frankreich und Italien sind noch nicht beseitigt worden und es wird darum weder das palästinensische noch das syrische Mandat als vollgültig angesehen. Die avahische Resistenz. London, 28. Juli. (I. C. B.) Die a r a b i s ch 2 gation erklärte bei ihrem Eintreffen in London einem Reuter- Korrespondenten gegenüber, daß die Weigerung der Araber, im P a l ä st i n a C o> u n c i I unter den gegenwärtigen Umständen, mitzuarbeiten, entschieden sei. Kein Araber werde Mitarbeiten. Der nächste Schritt sei die Weigerung der Bezahlung der Steuern, über die ein Kongreß entscheiden wird. Der Hedschas-Vertrag, .sagte die Delegation, sei vom arabischen Kongreß verworfen worden, da der in Jerusalem veröffentlichte Auszug Bestimmungen für Palästina enthielt, die den arabischen Forderungen widersprechen. Die Delegation wstl von der Kabinettskommission angehört werden, bevor eine Entscheidung in diese»- Fragen getroffen wird. x Delegierte der palästinensischen Arbeiterschaft bei der Moskauer Ausstellung. Aus Jerusalem meldet I. C. B.: Ben Gurion und Mr. Ruthenberg haben sich nach Moskau begeben, um als Delegierte des Palästina-Arbeiterverbandes (Histadruth Haovdim) der Moskauer landwirtschaftlichen Ausstellung beizuwohnen. Wie gemeldet, hat die Histadruth Haovdim die Einladung der Sowjetrcgieruug, einen speziellen Palästina-Pavillon einzurichten, angenommen. Randschav. Der Gesundheitszustand Hardings verschlechtert. Jran-iS-o. 30. Juli. (HovaS.) PrPd-iit H a rb r n g ließ Mitteilen, daß er seine Reis nach Kalifornien aufgebe. Dieser Entschluß wurde nach einer Besprechung der Aprzte und der Ratgeber Hardings gefaßt, deren Gegenstand der Gesundheitszustand des PMdenten bildete. - $11 der Umgebung des Präsidenten wird erklärt, daß der Gesundheitszustand des Präsidenten Viels ch l e ch t e r sei, als man allgemein angenommen habe. , Der Arzt des Präsidenten veröffentlichte spät abends ein Bulletin, welches besagt, daß neue Syniptome festgestellt wurden und die Anzeichen einer Komplikation eine neuerliche Beratung der Aerzte notwendig mache., Amerldmlsche Financiers in Kuropa. PMS, 30. Juli. Der „Matin" verweist darauf, daß sich gegenwärtig eine Reihe von Vertretern der amerikanischen H o ch f i n a n z in Europa aufhalten. Sowohl Schatzsekretär Mellon/ der sich seit zwei Tagen in Paris befindet, als auch Morgan hatten bei ihrer Abreise nach Europa erklärt, daß sie sich nicht mit politischen Fragen befassen werden. Bankier Otto Kahn mietete eine Villa in Biarritz, wo er den Sommer zu verbringen gedenkt. : Die Bankiers Charles Sa bin und James Speyer seien gleichst...'s auf der Reise nach Europa begriffen. ■: Sine Botschasterbesprechung l» London. Ldttdvn, 30. Juli. (Reuter.) Die Botschafter Frankreichs, Belgiens und Deutschlands haben für heute abends eine Zusammenkunft zu einer Besprechung mit Lord C n rz o n vereinbart. Man hält es für wahrscheinlich, daß die Regierung ihr bisheriges Still sch wpi gen über die Verhandlungen nicht fortsetzen werde. Es bestätigt sich nicht, daß Lord Curzon gesagt habe,- er wünsche die Antwort Frankreichs innerhalb einer gewissen Zeit zu haben. Bulgariens Politik. Sofia, 30. Juli. Ministerpräsident Zanto w hielt in V a r n a eine große politische Rede, in der er das Programm der Regierung entwickelte. Die neue Regierung, sagte der Mnistechräftdent, baue ihre Politik auf der loyalen Durchführung des Friedensvertrages auf. Niemand inr Lande denke daran, einen Krieg. zu unternehmen. Er besprach sodann die Maßnahmen zur Verbesserung der inneren Lage sowie agrarische und Jnidustriegesetze und kündete eine wirksamere Verteidigung der Interessen der arbeitenden Klassen an. Der Ministerpräsident schloß seine Ausführungen mit einem Appell an alle gesunden Kräfte des Landes, die Regierung zum Wohle des Vaterlandes zu unterstützen, um eine Wiederkehr des gestürzten Regimes umnüglich zu machen. Sofia, 28. Juli. Nach langwierigen Verhandlungen ist es endlich gelungen, die angestrebte Fusionierung der bürgerlichen Blockparteien mit der vom Ministerpräsidenten Zaukow geführten Vereinigung zustande zu bringen. Die politische Einheitspartei führt den Namen „Partei der demokratischen Eintracht" und macht sich das Programm der Zcrnkow-Partei zu eigen. Mt Ausnahme der Nationalliberalen Partei, deren Wih- I rer R'adoslaw ow ist, sind alle bürgerlichen Parteien I in die Fusion erngetreten. iommerokkasioni Regenmäntel . 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