Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1603 (30.7.1923)
- Date
- 1923-07-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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l*mt ’ Men, MoMg '■ WrÜsch'ämWmiische Verhandlungen. KvtrstMinspel, 30 Juli. (Tel. d. Wr. Morgen-tg.") Dte m -a«sanne begonnenen chrkisch--»meMnischsn SÜw*,. haMungen werden m Kon siqytiyoptzl MeWoM wrch«r. Die Amerikaner verlangenuni-cr onibetcnt, daß dis für dr» am«s?Aau>Hchen Schulen und Spich! nanysnd-M BedcmfSg-gttytMLe zollfrei in di? TnM emgesi'chrt werden Grmen. remiWo« drs tSrlischen KmgZMMerr. KoAstauttuapel, 30. Juli. (DÄ. d. „Wr. Wotgonzi^.") Dar kvi-iMnrr.'ister R i z a Bei fy.it d c m i ssionier t, weil er bei den letzten Wahlen in di« NatieMversammlung durchs gefallen ist. PNlstdeot Harding erkrankt. Seattle. 38. Juli. Präsident Harding äst auf seiner Reis« evkraM, und mutzie bei seiner Ankunft im Womit etckl da- Bett auffuchen. Dir Aerzte stellten eine leichte Brrgiffung mit verdorbenen Nahrungsmitteln feft. Morgan in Smvtza. London, 29. Juli. Wie das Reutersche Buvecm ciusj Naw-Norl meldet, nimmt man dort <m, daß Morgan! während seiner Europaoeise sich mit europäischen und dem gegenwärtig in Europa weilenden amerikanischen Bankiers' über die wirtschaftlichen Verhältnisse Leü Welt besprechen wolle. He Balera kandidiert. Lovdsa, 30. Juli. (Tel. d. ,Mr. Movgsnztg.ch Der irische ÄationMieRstjhrer De Valero beabsichtigt, in Kava bei den Crsatzwcchlen als republiranischer Kandidat nuszunetrn. Sin Wahierfaig der Smachende«. DudepG. 29. Juli. Sonntag fanden in Czegled die Ersatzwahlen in die Nationalversammlung statt. Gewählt wurde der «transiente Jourralist Stephan Lendvai, der Kandidat der Erwachenden Ungarn, der einige Tage zuvor eine Wahlversammlung der Regierungspartei, in der auch einige Minister das Wort ergreifen wollten, sprengte. LrndhaiH ist'ein rücksichtS- und,.gewissenloser Vertreter 'der Judenhetz« in Ungarn. Bor einigen Tagen wurde vom Abgeordneten P a k a t» in öffentlicher Sitzung der Nationalversammlung über Lendvai erzählt, daß er sich im Kriege durch Vermittlung eines Mischen Journalisten vom Frontdienst M befreien wußte. ' ' Hakenkreuz-Kavallerie. München, 28. Juli. Im „Völkischen Beobachter", der wrch b«n Verbot fetz! wieder erscheint, werden von dem Führer eines Kavalleriezuges «Hsmalige 'Kavalleristen «deutschvölkischer Gesirmung Wm Eintritt in den ,MvallEzug" aufgefmdert. Hitler scheint also bei der Ramvgung" aus die Mitwirkung berittener NatwuaSsozialisten nicht verzichten zu können. «m iller Belt. Gheisfleld. 29. Juli. In einem KohlenlbLvawerk bei Rvtherham erfolgte eine Kohlenstüluboxplosion. Man befürchtet, daß 28 Arbeiter ums Leben gekommen sind. Daris, 89. Juli. Die sozialistische Partei und die Gewerkschaften baden am Jahr-eStag der Enmwduna Jauves' geistern me Gedenkfeier veranstaltet. Für die deutschen Sozialdemokraten sprach Dmr Sender. Paris. 28. Juli. In der Wohnu-n-a des gewesenen Bot.schafters in Lo-nidon, Paul Eambon. wurde ein Einbruch ousMihrt. Wie das „Journal" zu wissen ylmridt, war der Äw« deS DtelbstachleS, sich in den Besitz wichtiger Schriftstücke zu scheu. Brüssel. 89. Juli. Anläßlich des 2a Jahrestaiges der Gründung des belgischen GewertschaftsLundes fand gestern eine große Kundgebung statt, an der 100.000 Personen teilnahmen. Kein Zwischenfall. _Wiener MorgenzMMs. Ile Wieder Krieg! Pst? Mine Gchar von JdMistey hytte sich Sksterß, äist nWnttzff JaWstage' heS' KvisgMtzjMS^ Unter Vieser Papvch vor den; Rathmch vgrsAnmE, um gegen Krieg und Militarismus zu demonstpeyeri. Nie wieder Kriegs'Me ein heiliger ^Schtzvur stieg dieses Gelöbnis 8er IveniM zum Hirnmol empor. Denn wenige, viel zu wenige waren es, die sich gestern eingefundeir hatten, zu der Kundgebung gegen das ent- «Uebel der Menschheit, gegen die größte Schande tur. Tausende und Llbertausende hätten' es sein müssen. Eilte heilige Wallfahrt aller, die durch Krieg und Militarismus gelitten haben, hätte diese Kundgebung sein müssen, sind wie ein sehnsüchtiger, inbrünstiger Schrei der Menschheit hätte es zimr Himmel aufjubeln müssen: Nie wieder Krieg! Nie, nie wieder! Alle die Unglücklichen, denen der Krieg die Gesundheit geraubt hat, die Aermsten der Krie-gso-psn, jene, die nicht nur mit ihrem Gute, sondern auch mit ihrem Mute den Tribut gezahlt haben, die Tausende von Krüppeln, hätten gestern mit dabei sein müssen. Mütter hätten ihre Kinder hinführen müssen, um ihnen zu sagen: „Scht, das ist der Krieg! Seht diese Blinden, diese Einbeinigen — das ist der Krieg! Nie, nie wehr wieder!" Frauen, die noch das Leid, um den ermordeten Gatten oder Sohn im Antlitz tragen, hätten aufstehen und, den Versammelten das Leid entgegenschveien müssen, das ihnen der Krieg geschlagen. Es war nicht so. Eine kleine Schar von Idealisten, Bekennern, trat zu einer gewiß machtvollen, imposanten Kundgebung zusammen. Aber gerade die, die hätten dabei sein müssen, haben gefehlt. Vor allem hat man nicht den berühmten „ehernen Schritt der Ärberterbatailloue" gehört, der ans der Ringstraße erschallt, wenn es um weit kleinere Dinge geht als um Menschheitsp'roblenie und Weltideen. So war der Schrei, der der Erlösungsschrei aller hätte sein sollen, nur das.Gelöbnis einer kleinen Schar. Aber der Schwur .,Nie wieder Krieg!" wird darum doch gehört werden. Mögen es heute noch wenige sein — in einem Jahre werden es mehr sein und in ein paar Jahren sind es viele. Vielleicht wird es in ein Paar Generattonen für alle gleichmäßig heißen: Nie wieder Krieg! Freilich, leicht wird dieses Ziel nicht zu erreichen sein, denn noch sind die, die die Massen nicht aus der Hand legen wollen, zu 'zahlreich, noch spukt in den Hirnen der jungen Menschen das Zerrbild der blutigen Glorie, noch wollen jene, die den großen Krieg heraufbeschworen haben, die Fehler, die sie gemacht haben, durch neue Kriege wieder gut matten. Und vergiften mit ihren Lehren die Jugend, der sie eine verlogene; Romantik des Schützengrabens einzureden versuchen. Noch regiert in den Gemütern die Phrase.des Krieges, der Vergeltung mrd des Völkermordes. Und so muß es die edelste Aufgabe der Frauen unserer Tage sein, ihre Kinder in dem Gedanken des „Nie wieder Krieg" zu erziehen. Dann wird ein neues Geschlecht heranwachsen, in dem das Wort vom Frieden keine leere Redensart mehr, sondern ewige, glückliche Wahrheit sein wird... fl—*. Internationale Beratung über die Kriegsverftümmetten. Ju Genf beginnt Dienstag im Internationalen Arbeitsamt die zweite Tagung.der Sachverständigen, die mit der Beratung der die K r i e g sverstümmelten betreffenden Fragen betraut sind. Auf der Tagesordnung steht namentlich dis Frage des Arbeitsnachweises. Bon den zehn Millionen Kriegsversttirmnelten sind' acht Millionen als Lohnarbeiter beschäftigt, da ihre Invalidenrenten nicht zum Lebensunterhalt ausreichm. Tagesbericht. »er SulldesprWent in Bavgakelu. In Badgast ein wurde gestern ein Kriegerdenkmal enthüllt. Zn dieser Feier hatte sich auch BunbeSpräsideut Dr. Ha int sch eingefunden, der bei der Enthüllung deS Denkmaleine Rede hielt, die eine Kundgebung für Leu 'Frieden war. Den Abschluß der Festlichkeiten bildete ein Trachtenfest, bei dem Bewohner aller salzburgischen Gaue vor dem Präsidenten defilierten. Las öalj wkrd teurer. Mil Beschluß dom 17. Mai 1923 hat der außerordentliche Kabinettsrat dem Bundesmimster für Finanzen die Erinächtigung erteilt, die Salzverschleißpreise und die bei der Eirrfuhr von Salz zu entrichtende Monopolabgabe in der Zeit bis 31. Dezember 1924 gemäß d'em Wiederaufbaugesetze nnt der Beschränkung festzusetzen, daß unter weitestgehender Einschränkung der Gestehungsk osten der den Ertragsvcrhälinissen vor dem 1. AuMt 1924 eMsPrechrnde Monopolerlrag erreicht wird. Aus Grund dieser Ermächtigung treten mit Wirksamkeit vönr 1. August 1923 nachstehende Preise per Kilogramm unverpacktes Satz, löko Saline, in Kraft: Luxussatz 5609 Kronen, Tafelsatz 4000 K., Viehsalz und Viehsalzlecksieine 2000 K., Fabrikssalz 1. Sorte 1400 K. Pasitte Rxstfteaz auf der Straßenbahn. Seit Samstag mittags befinden sich die in der-sogenannten Bübinec -Organisation vereinigten Straßenbahnbediensteten in passiver Resistenz. Die Situation hat sich' seither nicht geändert und es haben zwischen diesen Bediensteten'UN d der Gemeindeverwaltnng sowie der Spitzenorganisallon noch keine birek ten Perhandluirgen stattgefnnden. , In einer am Sa instag abgehaltenen Sitzung der Gewerkschaft der Straßenbahner wurde der Beschluß gefaßt^ den Verkehr unter allen Umständen in eirrer Weise aufrecht zn erhalten, daß das Publikum nicht beeinträchtigt werde. Dies geschieht auch überall. Die passive Resistenz ist im Betrieb der Straßenbahn glücklicherweise kaum z u b e m e r k e n. Auf einzelueu besonders überlasteten Linien wie auf den Gürtellinien, ergeben sich infolge der durch die Resistenz verlangsamten Äbrechnungs- und Uebergybsformalitäien in den Remisen und an den Endstationen temporare Stockungen. Im wesentlichen aber verläuft der Verkehr vollkommen ohne Störung. Der passive Widerstand besteht hauptsächlich darin, daß sich Schafftrer und Fahrer, die der Babinec-Organisation augehören, genau an die Vetriebsvorschriften halten. Unter den^ Bahinec-Leuten wird eine Agitation für einen eventuellen Streik entfaltet. Verhandlungen, die gestern zwischen dieser Gruppe und der Gewerkschaftskommission stattfanden, führten zu keinem Ergebnis. Eine Gruppe ist dafür, bereits he^te mit dem Streik .30. Ms 1983 ftv. IW : U beginne n- Mm hasst jedoch, daß die Führer die Leute von dsetzm' Writh abhalten werden. Im Fasle bj}8 Streiks haben sich hiy sozialdemW'qtischen Werkstättenarheiter bereit erWrt,. Fahrdtzilst zil machen. Den TobfeW kimgebracht. Gpll'stbeWlldsgWy einer Sträflings. In der Strafanstalt Garsten verbüßt der Äitfsg^b^iter Franz Eigner eine dreijährige schWre Kerkerstzaft»Uglrer ließ sich vor einiger Zeit vorführen. W eine Aussage zu machen. Dauu gab er folgende Erklärung zu PrataM: Sr. hatte früher einen Freund und Spießgesellen, einen gewissen „Kart Hör n y", der mit ihm manch« Straftat vorübt hat. Im Frühlung 1919 war nun Eigner verlobt. Da beging Ho ruh an ihm den Verrat, der Braut von Eigne «8 Vergangenheit zu erzählen. Die .Folge war, daß sich die Braut von ihm abwendete. Als das Eigner tvahrnahm, ivurde in ihm ein mächttger Haß gegen Horny, daft er als Zerstörer seines Glückes ansah, lebendig. Als nun im Jrun 1019 Eigner und Horny gemeinsam an einem warmen Taa sir einem Teiche der Gegend von Neüwaldegg badeteu, erwachte in Eigner der Gedanke, den „Freund" umzubringen. An einer tiefen Stelle stieß er den Horny, der deS Schwimmmens unkundig war, ins Wasser. Horny sank unter, ohne wieder zum Vorschein zu kommen. Eigner fügte hinzu, daß Hornh . Fleisthhailergehilfe gewesen und im Jahre 1896 oder 1896 in Wien geboren sein soll. Diese Selbstbeschuldigung Eigners teilte die Strafanstaltsdirektion dem Sicherheitsbureau mit. Alle Bemühungen, Näheres über den angeblich ermordeten Horny zu erfahren, sind bisher ergebnislos geblieben. Ein Karl Horny, auf. den die Daten passen, konnte nicht ausfindig gemacht werden. ._ Meine LolalchrmK. Aus Furcht vor der Prüfung beging am Samstag der AMrige Lechn'iker Eduavd K. Selbstmord. Im Geschäft des Jtllweliers Sie-gmund Hamburg wurde Friedrich Wimmer, ein 'berüchttgter Ladendieb, verhaftet, als er rm Begriffe war. 31 goldene Kotten zu stehlen. Der Vovstand der Pvodnkttvgenossenschaft für Aufzugbauien, Franz Czuberka, hat ieinkchsi'ertes Geld rm Betrage von 14 Millionen unterschlagen. Der 67jährige HilsSarboiter^ Martin Pokorny hat sich an ttnem zwolfjährigm Kinde unsittlich vergangen. Sonntag albends ist im ersten Kafftzeha^tS im lPrater -der Kaufmann Josef Markus, DavitMffe S9. inlfrckge Lungrnbkttungsn bewußtlos zusammen gestürmt und während des TvanS- Pottes durch die Rettmtgsgesellschaft in daS Allgemeine Kran- Kenhairs verschieden. . _ * Unter tragischen Umständen ist gestern der 66jährig^ Sekretär des polnischen Tempels in der Leopoldsgasse Adolf Saif.gestorben. Dort sollte gestern mittags eine Trauung stattfinden. Das Brautpaar war zur Stelle, aber der Rabbiner fehlte. Um der Berlegercheit ein Ende zu bereiten, fuhr der Sekretär im Automobil zum Stadttempel in der Seiten-- stetteugasse, um dort einen Rabbiner auzusprechen. Schon auf der Fahrt wurde, er infolge der Aufregung von. Unwohlsein befallen. Am Ziele der Fahrt kam er nahezu bewußtlos an. Man rief die Rettungsgesellschaft, doch war der Sekretär schon vor ihrer Ankunft einem Schlaganfall erlegen. * Eine brennende Geldsendung. Freitag nachts geriet . ein Postelektromobil in der Gerstnerstraße vermutlich infolge 5ttrrzschmsseS in Brand. DaS Feuer ergriff auch mehrere mit Geld gefüllte Sacke. Der Chauffeur und der milfahrende Posinirterbeamte warfen die Geldfäcke sofort auf die Straße und traten mit den Füßen den Brand auS. Passanten überschütteten den brennenden Vorderteil des Autos mit Wasser und löschten so das Feuer. Die Höhe des Schadens ist bisher nicht bekannt. * Entmenschte Eltern. Am 25. d. starb die zwölfjähritze Hermime Krarochwill, Tochter des Straßenbaynschaffners Fvanz Kvatvchwill unter Ve r gifi u na s e r sch e twot n* gen. Durch die Erhebungen wurde festgestellt daß da8 Kind, oaS idiotisch veranlagt war, von den Eltern schlecht gehalten wovden ist und nichts m Ei s en bekommen h>at. Das arme Kind mußte auf der Straße Speiseabfälle auflesen. So hat es am 24. d. einen halbverfaulten Fisch von der Straße aufgehoben und verzehrt. Die Staatsanwalischast wurde verständigt und die gerichtliche Oeffnung der Leiche beantragt. DaS Jugendamt Ottakring wurde in Kenntnis gesetzt, damit Vorsorge für das zweite zehnjährige Kind deS Ehepaares getroffen werde. * Landstreicher Sinclair. Der Weltbühne wird aus New- Yott berichtet: „Vielleicht interessiert es Sie, daß llpton Sinelairs Belchaftung aus politischen Gründen nicht aufrecht erhalten werden konnte. Dafür wurde er sofort wieder wegen „Landstreichers" vechasstet. Die tschecho-slolvakischen Dukaten. Das Amtsblatt meldet: Das FmanzMinisterium hat von den Künstlern I. Bendo und O. Spaniel, deren gemeinsamer tschecho-slowakischer Dukatur im Wettbewerb den ersten Preis erhielr. das definitive Modell bestellt, nachdem in der staatlichen Münzpräge in Kremnih die Prägung der tschecho-slowakischen Dutaten durchgeführt wird. " Redigiert von Dr. Sanel Beer: Verevbbare Krankheiten. 3'üi Volke spricht xwn vies von Veverbbar:.', /»rrünkheileu und zählt zu diesen insbesondere die Syphilis, die TMeMlose und den Krebs. Die Utedizinische. Wissenschaft ist sich über das Wesen der Vererbung gar nicht so klar, als daß bereits bestirnte Gründe und Leitsätze besttsuden. JiMufalls ^zeichnet die Mrdizin oder Hasser die , junge Wissenschaft der Vererbungslehre die oben gemunten KrarÄseiten sicherlich nicht als vererWar. Von rein erblichen KraM-kijen gibt es nur sehr wenige, n.auche Autoren leugnen sogar die Vererbung eines Leidens unb nehmen nur die Möglichkeit der Ar'-.-ge einer 5? rauchest