Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-07-30 · Heft 1603 (30.7.1923) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1603 (30.7.1923)
Date
1923-07-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980684--15595-3002435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Etazeftnnnmer K700 Wien? Zum Abholen in der Expedition,II.,Taborstr,1*3, oder in einer Verechleiutelle (IVafUc) monatl. K 28.000 SltPestvereand iurWienn. etrterr. monatl K 28.000 rener Tseheoho-Slowakei: Kon. K17. Jugoslawien: Mon.Dinar40. PolentMon. MkJJO.OOO.Deutschland: Mon.Mark50.000. Frankr« Belgien: Monatl. Free, 8 MT Naeht«iiUnff«a *V0 bei Prabcrhöhungefl vorbenalt« Nr. 1803 Tnchncho «Slewikll ( tichach. K1.- Italien: Monatl. lOLire, Rumänien Mön.90 Tel, ^Bulgarieh Mon. 75 Lewa, S c h w e i x und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Men. Montag. 30. 8ali 1933 M Demonftration für den Weltfrieden. Hakenkrenzler provozieren einen Kr 32 Landern, irr 120 StäÄtett EntzlanSS, irr Franke i ch, in Amerika, m Japan und in Australien haben gestern gequälte Manschen Wider den Krieg demwnstrrert. In allen Sprachen stieg gestern aus dem Erdenrund der heilige Schwur zum Himmel empor: „M wieder Krieg!" ' Millionen Menschen haben gestern dieser Gelöbnis geleistet und auch in Men standen gestern, vormittags etwa 5000 Menschen vor dem Rathause, um kundzutun, daß sie den Krieg verabscheuen. . Die Versammlung. Um 10 Uhr begann die Versammlung. Von drei Rednertribünen sprachen zahlreiche Redner zu der Menge, unter ihnen Frau Zella H ertzka, die einen Appell an die Frauen, richtete, den Krieg zu verhindern. Die Frauen müssen sich weigern, die Arbeit'der Männer zu tun, wenn diese ins Feld ziehen, die Frauen müßten gegen den Krieg streiken. Lebhaft begrüßt, bestieg der Franzose d e Marquette, der in französischer Sprache gegen Militarismus und Krieg sprach, während an einer anderen Stelle gleichzeitig Mr. Janadas Wakerdas, Mitglied der Regierung in Bombay, fpvckch. Zwischenfälle. Noch während die Versammlung tagte, tarn, es zu Zwischenfällen. Ein Hakenkrenzler hatte Provoziert, worauf zahlreiche Versammlungsteilnehmer sich gegen das sreche Bürschchen wendeten..Die Polizeiarretierte den Stänkerer mit dem Hakenkreuz und behütete ihn so vor 'Mgeln. Auch aus der Ringstraße war eu; Hakenkrruzbub arretiert worden. ' ' '. ' •' ' Der Demonstrntionszng. lim viertel 12 Uhr war die Versammlung zu Ende und die Teilnehmer formierten sich zu einem Zug, der bis zum Schwarzenbergplatz ging. Voran eine riesige Aufschrift: „Nie wiederKrieg!" Eine Menge Tafeln mit Plakaten und Aufschriften gegen das Schandmal der Menschheit., Als der Zug etwa zur Hälfte passiert hatte, begannen etwa dreißig auf den Stufen des Burgtheaters aufgestellte Hakenkrenzler, lauter halbwüchsige Buben, plötzlich die „Wacht am Rhein" zu singen. Sie kamen nur bis zu ,-Sch'wertgeMrr und Wogenprall". Dann stürzten sich die Demonstrationsteilruhmer auf die stechen Provokateure, denen sofort die Lust zum Singen vereng. Hätte die Polizei nicht sofort einen Kordon gebildet, so hätte den hakenkreiuzlerischm Mistbuben ihr „Schwertgeklirr" nichts geholfen, da sie dem „Wogenprall" der erbitterten Menge kaum standgchälten hätten. Belagerte Stänkerer. Die Leute waren über die Tatsache, daß dreißig unreife Jungen eine Kundgebung für den Frieden in so roher Weise zu stören wagten, aufs äußerste erbittert und belagert en die von der Polizei geschützten Melden Krawall. — Mit Revolvern «ad Knüttel« gegen eine Friedensversammlung. Burgtheater. Ms die Hakenkrenzler sahen, daß sie ohne Prügel nicht vom Platze kommen würden, versuchten sie zn unterhandeln, und einer versuchte eine Rede zu halten. Schließlich erbarmte sich Städtrat Sperser ihrer Not und forderte die Menge auf, dk Hakenkrenzler übziohen zrk lasten, jedoch unter Polizeieskorte, nach der — Wachstube. Dies geschah. Mit Revolvern gegen Friedensfreunve. Schon während der ^entzn beim Burgth'eater hatten sich die Hakenkreuzler verschiedener Waffen zu entledigen versucht. Ein Polizeibeamter fand hinter einer Säule etwa zwanzig Ochsenziemer und drei Revolver. Noch bei der Eskortierung legten die Burschen eine unglaubliche Frechheit an den Tag. Ihr Kommandant befahl in militärischem Tone hierauf „Vergatterung", worauf die edle Brigade sich zum Zuge formierte, der, von Wache und Ordnern umringt, auf die Wachstuibe Schottenrmg ging. Auf der Wachstube wurden die Angehaltenen im Beisein des Stadtrates Speiser nach verborgenen Waffen untersucht und die Tatsache, daß man eine Menge Gummiknüppel, Ochsenziemer, weitere zwei Rev o lv er sowie E b e r z ä h n e z u m Boxen fand, beweist, daß man es keineswegs mit harmlosen Buben zu tun hatte. Ilebrigens wurde auch eine Person beim Burgcheater durch einen Stichi n dev Rück'en. verletzt. Wer der Täter ist, konnte nicht festgestellt werden. Die Jünglinge benahmen sich auf der Polizei schr selbstbewußt. Sie wißen genau, daß ihnen nicht viel geschehen wird. Die Ausrede, man habe die Waffen zum „persönlichem Schutz" gebraucht, genügt vor Gericht immer zur Rechtfertigung. Freilich ist in diesem Falle wohl zu beachten, daß sie von den Friedellsfreunden keine Angriffe zu befürchten hatten. Die Hakenkrenzler erklären übrigens, sie hätten nicht gegen die Friedenskundgebung. demonstriert, sondern nur gegen Öfe französischen Re dner. Es sei aber eicht vergessen, daß die bayrischen Brüder der Hakenkrenzler zu Spionagezwecken recht gern französisches Geld genommen halben. Die Friedenskundgebungen im Auslände. London, 29. Juli. (Wolfs.) Gestern ist im Hydepark wie alljährlich eine große Kungebung gegen den Kriege veranstaltet worden. Zahlreiche Redner hielten. Ansprachen an die Menge. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, in der die allgemeine Abrüstung durch Zusammenarbeit der Völker mit Hilfe eines vervollkommneten Völkerbundes verlangt wird. Auch in anderen Teilen Englands wurdien zahlreiche ähnliche Kundgebungen veranstaltet. ■ ' Berlin, 29. Juli. (Privat.) Hier fand heute vormittags eine Kundgebung mit der Parole „Nie wiü»er Krieg!" statt, die einen vollständig ruhigen Verlauf nahm. beim Mutige z«samaensWe in einem Berliner Berlin, 30. Juli. (Tel. der ,Mr. Morgenzeitung".) Die vollständige Passivität der Regierung hat, wje in parlamentarischen Kreisen verlautet, nunmehr bei fast sämtlichen Parteien den Ruf nach dem Rücktritt der Regierung laut werden lassen. Nur die Frage, wer Enno ablösen soll, hat dm Regierungsiwechsel bisher verzögert. Hinter den Kulissen finden allerdings fortgesetzt - Verhandlungen zwischen den Parteien statt, da man allgemein der Meinung ist, daß nur eine auf breiter Basis gebildete Koalition imstande lväve, den verfahrenen Karren wieder ' flott zu machen. So kommt es, daß fast allgemein von - eiper Koalition zwischen Sozialdemokraten, Demokraten, Liberalen, Zentrum bis zur Deutschen Bolkspartei gesprochen wird und miau am meisten an den in sämtlichen Kreisen außerordentlich 'beliebten Präsidenten des Reichstages, Loebe, als Reichskanzler denkt. Ms sein Außenminister wird Dr. Stresemann genannt, währeltd der bisherige preußische Minister Severing, der sich in den gegenwärtigen aufgeregten Zeiten als Mann von Besonnenheit und Energie erwiesen hat, als Reichst n n e n m i n i st e r in Aussicht genommen ist. Zum F i n a n z m i n i si e r wird Doktor Hilsferding propagiert. Die von der Regierung angekündigten Maßnahmen hatten zur Folge, daß die angesagten kommunistischen Demonstration e u, denen man.mit großer Besorgnis entgegengssehen hatte, im großen und ganzen ruhig verlaufen Md. In Berlin und Potsdam kam es zwar an einigen Stellen zu größeren Zusammenstößen, die jedoch durchras besonnene Eingreifen der Politzer sofort l o kä l i s i e rt .uatib unterdrückt werden konnten. Die von dell L-iniksradÄalen propagierte. Diktatur verklang ungehvrt. In den vielfachen komlnunistischen 'Bevsammlurrgen wurde nKst dem Rücktritt der Regierung die Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds.19-483,16-301 Tel-Adr.: .Morgenzdtung“ Wien Oesterrmcbischea Postsparkassen- {Conto Nr, 150.693 5. Zahrgang nnsrusmlg etttec »tocttctutuwtttt gefordert, wobÄ die Redner die Unterstützung Ruß lands in Aussicht stellten. In den 27 Versammlung en^haben sich nach zuverlässigen Schätzungen der Polizei ungefähr 150.000 Personen, darunter sehr viele Jugendliche, eingefunden.. Die Sozialdemokraten hatten sich diesen Demonstrationen ferngchalteu. 'In der Hochburg der Kovmmnisten, in Potsdam, wo naturgemäß Ne Versammlnngstätigkeit eine sehr starke war,'kam es zu größeren Zusammenstößen mit der Polizei, weil die Demonstranten Mene gemacht hatten, die dortige Villenkolonie zu plündern. Diesen Versuchen wurde um so energischer entgegengetreten, da sich in der Vornacht in Neuruppin blutige Unruhen ereignet hatten. In diesem V o r o r t e B e r l i n s hatten sich, durch die ungeheure Lebensmittelverteuerung erregt, große Menschenmassen zu Plünderungen der Lebensmittelgeschäfte hinreißen lassen. Die emschreitende Schutzpolizei mußte von der Waffe Gebrauch machen und nahm mehrere Verhaftungen vor. Die Kommunisten zogen in der Stärke von ungefähr 6000 vor das Gefängnis, um dort die F r e i l a f s n n g der Verhafteten zu erwirken. Da. die Demonstranten eine drohende Haltung Annahmen und versuchten, das Gebäude z u stürmen, mußte die Polizei eine Warnungssalve abgeben, die aber keine Wirkung zeitigte. Die V Polizei schoß in die an stürm ende Menge, wobei nach den bisherigen - Feststellungen fünf Personen getötet, neun sch wer. und ungefähr 15 leicht verletzt wurden. Eine größere Anzahl Demonstranten, wurde verhaftet. Das Gefängnis wurde sodann bon'einer größere n A rlzahl Schutzpolizei besetzt. Ansonsten ist es gestern nirgen ds zu größeren Ruhestörungen gekommen und auch im R n h rg e-! b i c t und R h e i n l and verlief der Tag voll stä n d i g ruhig. , London, 30. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Es ist wahrscheinlich, daß morgen im Unterhaus eine große Debatte in Ner Reparationsfrage stattfinden wird, da die R e g i e r u ng damitrech.net, daß, noch heute die französische und belgische Antwort Eintreffen wird. Es wird erklärt,,daß Bald-. Win im Unterhaus eine wichtige Erklärung abgeben wird. Ramsah Macdonald hielt gestern in einer Versammlung eine Rede, in der er erklärte, daß die englische Arbeiterpartei mit Freude von der neuen Politik der Regierung Kenntnis genommen habe. Sollte nicht unverzüglich in der Reparationsfrage etwas unternommen werden, so würde eine Revolution in Deutschland ausbrechM. Me Konserear voa Anaia. Sinaia, 29. Juli. Nach dem ersten Zusammentrikl der Konferenz wurde folgendes amtliches. Communigue ausgegeben: In der Eröffnungssitzung wurde die allgemeine L ag e eingehend besprochen und in allen Punkten volle Einmüt igle it festgestellt. Die Geschlossenheit der Kleinen Entente als Faktor der Solidarität und des Friedens ist auf diese Weise neuerlich erhärtet worden. PE. 30. Juli (Tel. d. „Wiener Atorgenztg.") Der Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" berichtet aus Sinaia: Zwischen allen Außenministern wurde in bezug auf die Balkanpolitik volle Einigung erzielt. Betreffs Bulgariens wurde eine Verständigung erreicht, die alle Möglichkeiten in, Betracht zieht. Bezüglich Ungarns hat die Konferenz beschlossen, sich an den Beschlüssen der Botschafterkonferenz über die ungarische Anleihe zu halten, doch dürste diese Anleihe nicht für Rüstungen oder Propagandazwecke verwendet werden. Die Konferenz fordert A u f r e ch t e r h a l t u n g der Ko ntr ollkom m issivn, die die Abrüstung in Ungarn zu überwachen hat und wünscht eine Beteiligung der kleinen Entente an dieser Kommission. Eintreffen des polnischen Außenministers. Der polnische Außenminister Pelz ist gestern in Sinaia eingetroffen, wo er sofort mit den anderen Außenministern sin Beratungen über die Außenpolitik eilt* trat. Ein Ausbau der kleinen Entente wurde nicht beschlossen, daher auch die Aus'nahinc Griechenlands nicht diskutiert. ,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.