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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-29 · Heft 1602 (29.7.1923) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1602 (29.7.1923)
Date
1923-07-29
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1602 SBUti, Sonntag Wiener: Morgenzeitung. ' 36. Jlcki^SW Seite 11 tet. Seit einigen Tagen fantt man nänüirh im Österreichischen Serkehrsbureau Prospekte bekommen, iit welchen mau auf das oävmste eingeladen wird, sich die durch die letzte Eruption »es Aetna heimgesuchten Gegenden auzuseher». Nur 16n0 Lire nklusiv« Verpflegung kostet der ganze Spatz, der sensations'- »iierigen Touristen in dem Prospekt angeboten wird. Es ist pottbillig. Für 1600 Lire oder zirka 4,6 Millionen österreichische Krone»: kan»» man Elend und Jammer in Masse sehen. Denn man bedenkt, daß ein Sitz zu einer Jeritza-Premiere beinahe auch so viel kostet, ist das wirklich nicht viel. Wo bekommt man noch für dieses Spottgeld so viele irrende Mütter, )ie nach ihren Kleinen suchen, verzweifelte Gatten und Väter, »or Schmerz wahnsinnig gewordene Menschen, weinende Kinder, Hunger, zerstörte Existenzen, rauchende Trümmerhaufen — wo bekommt man so etwas noch für 1600 Lire zu sehen? Wie gesagt, das Verkehrsbureau hat sich da ausgezeichnet. — tzs hat einmal eine große Zeit gegeben, in welcher weit i»n Osten, in den Wäldern und Schluchten der Karpathen blutige Schlachten mit Hunderttausenden von Toten geschlagen wurden. Noch dampfte das Blut der für Habsburgs Ehre Gefallenen, als sich schon Neugierige einfanden, ttm die Stätten;u sehen, wo sich Menschen auf höhere»»: Befehl gegenseitig zerfleischt hatten. Die Aasgeier ließen sich auf die Schlachtfelder nieder. Und als es hieß, daß die Franzosen Touristen auf die Schlachtfelder führen, da war man sehr entrüstet darüber. Nun aber macht unser Verkehrsbureau für dieselbe Sache recht nfrig Propaganda, macht das Elend zur elenden Schaustellung für Leutedie nichts Besseves zu tun haben. Nur 1600 Lire i»»klusive Verpflegung! Nichts wird vorenthalten! Alles wird gezeigt! Auf, zur fröhlichen Fahrt nach dem Aetna-Gebiet! Der Aetna hat also nicht umsonst gespien, und es würde -»jemanden wundern, wenn er cmgsichts dieser Gemütsathleten für 1600 Sine und Verpflegung wieder zu speien beginnen vürde... ' g—d. * Abstammung des MenfchM vom Galamander. Auf dem in London tagenden Weltkongreß der. Physiker entwickelte der amerikanische Forscher Dr. Crille (Cleveland) eine neue Abstammungstheorie, in der er auf Grund bestimmter physikalischer und elektrochemischer Vorgänge nachzuweisen suchte, daß der Mensch wahrscheinlich aus der Klasse niedrig entwickelter Seetiere, wie die Seesterne und Salamander, hervorgegangen sei, da aus diesen Lebewesen auch heute noch neue Abarten entstehen. Nähere Untersuchungen haben ergeben, daß der Mensch auch von der in den .Hunbstageir und in der sauren Gurkenzeit mit.großer Regelmäßigkeit auftauchenden Seeschlange abstammt, eine Theorie, die ebenso viel Wahrscheinlichkeit besitzt, wie die Salamandertheorie. Das beste Plakat. Für ein Plakkat Hst es von enMei» dender WichtiMt, daß es sofort und in nachdrücklicher Weise einen gewünschten Eindruck hervorrM, da ja die Micke nur mefftens kurz und flüchtig darantf ruhen. Die Psychologie hat sich daher vielfach mit der Fra>ge beschäftigt, wie das beste Plakat gsstältet' werden müst. Neue wichtige Ergebnisse brachten darüber die Versuche von Dr. Hans Piorkowsti, über die er in der ^Umschau"" berichtet. Die Versuche wurden vorgenomjitcit mit einer Serie von fünf Bildern, bei denen die Darstellung immer mehr vereinfacht und stilisiert war. Bei dem ersten Bild, das die Szene ganz naturalistisch darstellte, schwankten die Anlagen außerordentlich. Das Bild wurde weder seinem quantitativen Inhalt nach »roch in seinem BedeutungsiichÄt richtig erkannt. Die feinen zeichnerischen Einzelheiten wirkten augenscheinlich ablemend. Dagegen führte,das voMomimen vereinfachte fünfte Bild zu durchaus eindeutigen und klaren Ergebnissen. Eine auf die einfachsten Elemente zurückgeführte Zeichnung wird also sehr Vilel schneller und besser begriffen und wieder ervannt als das gleiche Thema in naturalistischer Ausführung. Anders war es bei den äschetischen Eindrücken, indem die genauer ausaeführten Bilder besser gestehen. Danach würde also ein gewisser Gegensatz zwischen dem Schönheitsurteil und dem Zweckmäßigkeitsurieil bei Plakaten bestehen. Der Verfasser stellt den allgemeinen Satz auf: „Bei Plakaten und Inseraten läßt sich eine Wivkungssteigevung er- Sn, wenn man durch Betonung wesentlicher Teile und lassuny von für das Verständnis unwichtigen Bestanden eine Vereinfachung der zeichnerischen Limerrführung durchführt, deren Grenze dort liegt, wo die beabsichtigte Ge- Mtaufsassung nicht mehr zustande kommen würde. Diele Wirkungssteigerung bezieht sich sowohl auf die sinnliche Einwirkung, wie auch auf die gedächtmsmäßige Verarbeitung und das Wivdeverkmnen." Man kann daraus folgern, daß der expressionistische Stil, der sich bewußt von der Natur entfernt, für ReKamezweke geeigneter ist als der impressionistische, der einen genauen Natureindruck Wiedersehen will, und tatsächlich haben ra auch Expressionisten vorzüOiche Plakate geschaffen. * Die Zentenarfeier der Royal Asiatic Society. In dieser Woche feiert die berühmte Royal Asiatic Society in London ihr hundertjähriges Jubiläum, an dem auch der Kronprinz von England teilnÄhmen wird. Delegationen von Schweftergefellfchaften auf dem Kontinent, von Aanerika und verschieidenen Gegenden Asiens fi»»d angemeldet. Die verschiedenen Sektionen (die semitische, fumeriische, hettitische, ägyptische, indische und islamitische) halten dann ihre besonderen Sitzungen ab. Dabei wenden Revuen über die wichtigsten Leistungen der Gesellschaft gehalten, und über deren Gründer, den Sanskritisten Henry Thomas Colebrooke, den Professor Horace Hayman Wilson, der 33 Jahre lang Direktor war, und endlich den berühmtesten der englischen Orientalisten, Generalmajor Sir Henry Rawlinson. Gegenwärtig zählt die Gesellschaft etwa 1006 Mitglieder rmd 34 ausländische Ehrenmitglileder, und besitzt eine stattliche Bibliothek mit über 30.000 Bänden und Manuskripten. Wtteilmgm ms de« * AJtJkJbAA A Mb*..«’ h." -f .' ,»> ,, W« [» 1U1UUUX UU1 1UXUU1UUUU UUlllSj f. ist der kunstvoll gearbeitete Original - Figöffofmer 284 „Henriette Juno44 aus der Kunstwerlcstattc Ime. Meiairietfce IV. Margaretenstrasse Irene Mayer Dr. med. Benö Kohn Bratislava Wien empfehlen sich als Verlobte Im Juli 1923 Milla Snbal Thürnthal Siegfried Stiassny Wien XX Verlobte Wien, im Joli 1923 Anlässlich der Vermählung unseres Ausschussmitgliedes und Bibliothekleiters Herrn Josef Langenauer mit Frln, Anna banger gratuliert und wünscht einen herzlichen yfö Die Vereinsleitung der Volksbibliothek Zion Möbelfabrik J. Spira Feine °>- 18D, III., MMWM 1—3 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse TEPPICKHßUS DRUCK & Co. VS., MarSahilfarstraße 79 1A Stets größtes Lager in Teppichen, Vorhängen, Tischdecken, Bettvorlegern sowie echte Knüpf- (ic$j£ Smyrna-Teppiche „zum Raimund-Theater“ VI., Wallgasse 32 (hol der MarlahilferstrasBe) Grosses Lager in Schlaf-, Speise- und Herrenzi B mern nur gediegener Ausführung! 757 Komplette Einrichtungen, Hartholz, von K 3,000000 aufwärts Kulius-u. JusfizfaSare u. Barette liofert in schönster Ausführung die bekannteste Speiialßrma 235 DffnniC Zivil. UDd Uniformechneider lUJIlULi UULIJMEilS Wien, II. Taborstr. 54. Tel.45-6-29 Gegründet 1866- Große Auswahl feinster Stoffe für MaBbestellungen Klubmöbel zu Fabrikspreisen in bester Qualität hei Alfons ScMotterb eck Wien, VI., Gumpendorferstrasse 111. Telephon 54-46. *07 TRAGE MARK durch den neuen hygienischen Sfrumpfschoner nADOS Sie enpaf an Zeit und Seid! Alleinige Erzeugung und Generalvertrieb: . 5EG5 Ges. m. d.Wies, IV., Lwiednor Hauptstrasae 69 » Telephon 54-2-47J Schriftsteller und Journalisten in Warschau einen Festabend, an dem sich die Zionistische Exekutive, die Mische Kulturliga, der Verein Mischer Schauspieler, das Lehrerseminar und die Gesellschaft für jüdische Kunst beteiligten. Eine Ehrenresolution für den Jubilar wurde unter stürmischem Beifall angenommen. * Einreife in das neu besetzte Gebiet des Deutschen Reiches. Zur Einreise in das neu besetzte Göbi-et bedürfen auch ' österreichische < Bundesbnraer eines sogena»»uten saus-costduit. Die bezüglichen schriftlichen Ansuchen sind an den General Co»nma»»dant des Dwisions d'Occuipation de la Ruhr, DiiWdorf, oder an General Eommandant la Tete de Pont de Düsseldorfs zu richten und müssen Aufschluß geben über den ReiseHweck, die ungefähren Daten der Ein- und Ausreise sowie über Grenzübertritte und beMichtilgte Reiserouteir. Namen und Adressen von Personen, welche besucht werden solle»» oder in der Lage sind, Mer den EinreiseweOer Auskünfte zu erteilen, sind anAufiihven. Außerdem sind ein die Identität des Einsenders nachweisendes Dokument, zwei Photographien und das nöti-ae Wltjporto zuziMch einer. AuSfertigungsgebühr von derzeit 2000 Marik beitzuMießen. * JupilaumSfeier für Baal Machschowes in Warschau. »ich >des 89jährigen SchriftstellerjubÄäums Baal I schowes veranstaltete der Verein der Wische» 1 * Ableben Henrik F. Braunsteins. Aus Paris »neldetchJ. C. B.: Am S-onntag den-28. d. wurde Henrik F. Braunst e i n ain Friedhof Bayneux in Paris z»» Grabe-- getragen. Braunstein war einer -der tätigsten Zionisten- Frankreichs. * Eine Schlägerei wegen Sabbatentweihung. Aus War. schau berichtet inan dein C. B.: Als am Sainstag nach- »nittagZ mehrere jüdische lunge Le»»!? mit Zigaretten durch die Hauptstraße von Polonic? äingeu, wurden sie von einer Gruippe Chaffidim ansgesoroeri,' die Zigaretten wegKüwevfen. Da diese sick t^-igerten,^ -entstand eine blutige Schlägerei und die P.'li,',.i mußte eingreifen. * Die jüdische Laubstummenschule in Warschau. Die jüdische Taubstnmmenfchule in Warschau ervffnete eine Schule für taubstumme Kinder vom 7. bis zum 18. Lebensjahre. In die Schule werden Knaben und Mädchen aufgenmnmen. a -Umwandlung einer Synagoge in ein Kino. Aus Warschau meldet I. C. B.: In de»»r »»»folge der Abwanderung des jüdi-;y vvi'cntcutcö »nährend der letzter» /cc jetzt j»»de»»reineu Stäotch,".» Ksioi»; i I» Posen ist eine'Synagoge zur Ver. steigeritng gelaugt u»»d soll setzt in ein Kino umgewandelt werden. „Krtrjer Poz,»anski" »st dariiber sehr erfreut. * Eiustellung der Lebensnrittelpakets deS IdgeSkorn. Aus Moskau meldet I. E. B., daß das jüdische gesellscyaftliche Komitee (Jdgeskorn) seine Abteilung für Leüensrnittelpakete aus- Wsen wird. Dvr TranKport von Kleider»» »md Geld nach Rußland wird beibchalten. Der Veamtenstand tvird verringert. * Filrn dvs Jüdischen Hilsswerkcs. Am 24. d. fand im Notenturmikmo die Prefsevorsührung des Propagandailms „Opfer des Hasses" statt, der jn Vertretung des . B unidesm inisteri »»ms für soziale Verwaltung Herr Sekt ionsrat Dr.^ Wenzel anwohnte. Der Film schÄdert das Schicksal eures jüdischen Fabriksdirektors, den blinder Haß von der heimatlichen Scholle vertreibt u»»>d ihn feiltet ganzen Familie beraubt. Nur zwei E»»>kelki»»der bleiben »hin erhalte»», mit denen er unter schwersten Entbehrungen flicht. Völlig herab- »evom-men und seelisch -gebrochen gelangen diese Opfer »nensch- - sicher Brutalität nach Wien, »vo sie die Liebe ihrer Stammesbrüder warm umfängt und ihnen eine zweite Heimat gewährt. Die beiden Kinder finden Aufn-ahlne in de»n Waisenhaus in Baden und vergessen in ihrer glücklichen Einfalt gar bald die furchtbaren Erlebnisse,, die ihre jungen Gemüter auswuhltci». Die Vorführung wurde von -den Anwesenden mit großen» Beifall aufgenmn-men. Die Uraufführung des Filn»s findet heute statt. * Der hebwische Verlag „Ha-Sefer". Der höbräische Verlag „Ha-Sefer"-S. D. Saltzmann ift in die Hände einer neu-cn in London unter der- Firma „The Hebrew Publishing Company Hah'eser Ltd." eingetragenen Aktiengösellschaft ütbergegangen. Gründer sind I. Naiditzch, N. Nassatissin, W. Iabotinslv, S. D. Saltzmann und Josef Cowen (die drei letzteren sind Direktoren). Redakteure: W. Jabotinsky und Dr. S. Per-lmann. Technischer und komwerzreller Leiter: S. D. Saltzmann. — Der Verlag beabsichtigt, in der nächsten Zeit zu veröffe»ttlichen: 1. Lehrbücher des Hebräischen irr don europäische»» Sprachen. 2. Wörterbücher (Fremdsprachen —Heibrätsch und Hebräisch—Fremdsprachen). 3. Unterrichts- und Hilssbncher für die hebräische Schule. 4. Kirltutzbibliothek (Einführung in die Mythologie, Weltliteratrrr, Weltgeschichte und Philosophie). - 8. Allgemeines Konversationslexikon. 6. Iw>geMiter-atr»r in UÜbersetzungen. Die mersten Bücher werden illustriert erscheinen. .' * Chaluzreserat des ZioviMschs« LandeskomtteeL, 3. Bez.. Taborstraße 20a. Freie Stellen: 2 Stellen für ausgebildete Weber, 1 Lehrstelle für Tapezierer. Gesucht wird: 1 Lehrstelle für Elektrotechnik. Fortsetzvug der Sommer-RS»m««ss-NeM»fer Sei A. Gemgrsß A. G. 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Bez., AiÄbeitzerMse 37, erstflafsige TapezierermÄbel aller Art z»r außer-ordentlich billigen Preise»». (Entgeltlich. MchereiMuf. Dr. Waguus SirschfelA» „Sexualität und K r i rn i u a l i t ä t". Interterritorialer Verlag „Renaissance", Wien. 8a-wig Lroser» »Die Wahrheit wird euch frei mache n". Ster« im Osten-Verlag Pichl, Wien, VI. 6366

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