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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-29 · Heft 1602 (29.7.1923) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1602 (29.7.1923)
Date
1923-07-29
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wt. IMS Wen, Sonntag ■ Wiener Morgenzr»«««. SM m Milliarden für die Ausgestaltung Mens. Sin drittes Ratstandsprogramm der Gemeinde. Die Erwartung, daß der Sommer einen Rückgang der Arbeitslosigleit bringen werde, hat sich leider nicht erfüllt. ES ist im Gegenteil vorauszusehen, daß der Winter neuerlich eine industrielle und wirtschaftliche Krise bringen wird, in deren Folge auch die Zahl der Arbeitslosen steigen dürfte. Die Gemeindeverwaltung, die durch die Schaffung von zwei NotstarWprogrammm nach Kräften bemüht -ivar, der Arbeitslosigkeit in Wien entgegenzuwirken, tritt nun mit einem dritten Notstands-Programm hervor, dessen Umfang die beiden vorhergehenden ubertvifft. 311 Milliarden Kronen sollen neuerlich ausgewendet werden, um den während der Kriegszeit eingetretenen Verfall der Straßengebäude und sonstigen gemeinnützigen Anlagen sowie den noch aus der Zeit der christlichsozialen Mißwirtschaft zurückgebliebenen Schnrutz gründlich zu beseitigen. Wohnhausbauten. Für Hochbauten gelangen 70 Milliarden Kronen, für Zuschüsse an die Siodlungsgenossenschaften 27 Milliarden Kronen und für den Bau von Kernhäusern, der ein- .sachste Type der Siedlung, 3 Mlliarden Kronen zur Ausgabe. Bor allen: sollen die bereits i-m Bau befindlichen Gemeindehäuser vergrößert und in vielen Bezirken Wohnbauten errichtet werden. Ueber sechs Milliarden Kronen sind für die weitere Ausgestaltung der städtischen Bäder vorgesehen. Davon entfallen vier Milliarden Kronen auf die schon im Bau begriffenen Volksbäder in Me i d l i n g und Ottakring, die derart ansgestaltet werden, daß sie zu den modernsten Bädern Mens gezählt werden können. Im Czartorhski-iPark in Währing wird ein neues Kinder fr eibad errichtet. Für die vollkommene Instandsetzung des Neuen Rathauses sind in dem dritten Notstandsprogramm 1235 Millionen Kronen enthalten. Ferner werden in verschiedenen Amtshäusern große Reparaturen vorgenommen. Für die Errichtung neuer und die Ausgestaltung schon bestehender Gartemmlagen find' weitere 1915 Millionen Kronen vorgesehen. Es ist geplant, in Fünfhaus, Mineiostraße, eine neue Gartmanlage samt Spielplatz und in Ottakring aus der Kath'arinenruhe einen schon lange gewünschten Sitzplatz herzurichten. Zu den schon bestellten Gartenbänken kommen weitere 500 hinzu. Mit einem Aufwands von 405 Millionen Kronen wird eine Anzahl von Spielplätzen gärtnerisch ausgestaltet. Die Spielplätze in Margareten (St. Johann-Gartenanlage), in Meidling (Steinbauergasse) und in Floridsdorf (Meißnerstraße) werden mit Einrichtungen versehen, die ihre Benützung als Eislaufpläs'e ermöglichen. Eine begrüßenswerte Neuerung ist die Einführung des Schulkinos und die Gemeinde wird in fünjzchn Schulen der» Film als U n t e r r i ch t s m i t t el verwenden. Für das Schulwesen werden weitere Aufwendungen von 2 Milliarden Kronen erfolgen, die.für Instandsetzungen der verschiedensten Art dienen. Eine bedeutende Ausgestaltung erfahren .die Jugendämter, Kindergärten und Waise n Hausse v und weitgehende Verbesserungen werden in den städtischen Pflegeanstalten dur'chgeführt. Für diese Investitionen sind insgesamt 20.500 M i lliünen Kronen vorgesehen. Das Barackenlager in Grinzing, das gegenwärtig als Kinderheim dient, nähert sich dem Ende seiner Lebensdauer. Die Gemeinde wird nun an dieser Stelle eine neue Anlage im Villen st il erbauen. Das neue Kinderheim wird 400 Pfleglinge fassen und 12 Milliarden Kronen kosten. In allen Mener Bezirken soll die Straßenpflege verbessert werden. In diesem -Jahre gibt die Gemeinde für Straßenherstellung bereits 91 Milliarden Kronen aus und nun sollen noch weitere 18.6 Milliarden Kronen hinzukommen. Sobald das Schotternmterial aus dem jetzt erworbenen Persenbenger Porphyritw erk zur Verfügung steht, wird die Wiener Straßenpflege den Friedensstknd, vor allem was die Makadamstraßen anlangt, übertroffen haben. Ein umfangreiches Programm fft auch für die Oelung dcr Straßen vorgesehen, wodurch die Stanbplage sehr wirksam bekämpft wird. Am 1. September 1923 wird in Men die öffentliche Beleuchtung den F r i e d'e n s sta n d erreicht haben. Darüber hinaus soll nunmehr die elektrische Beleuchtung aus achtzehn öffentlichen Plätzen und wichtigen Straßenkreuzungen initatttett werden. Das Ende des Mistbauers. Schon gelegentlich des Budgets wurde beschlossen, den: Mksöbauer energisch an den Leib zu rücken. Nun sollen die neuen Koloniagefäße für noch 80.000 Parteien angeschafft werden. Es werden dann am Ende dieses Jahres rund 160.000 Wiener Haushalte nach dem neuen System der Kchrichtabfuhr behandelt werden. Damit ist ein Drittel aller Wiener ta feg* mm DM« «Mr, gliedert. Die Staubplage wird ferner noch durch die Anschaffung von fünfzehn weiteren Autosprengwagen bekämpft werden. Auch die Markthallen und Schlachthäuser werdeneine weitere Ausgestaltung erfahren. Ein. Betrag von 2800 Millionen Kronen ist für die Ausgestaltung des Friedhofwefens und des'Krematoriums in dem neuen Programm enthalten. Schließlich wird für Reparaturarbeiten an den F e u e r w e h r g e b ä u d e n und Ausbesserungsarbeiten an Kraftwagen und Feuerwehrpumpen ein Betrag von 636 Millionen Kronen veranschlagt. Auch die städtischen Unternehmungen sind in diesem dritten Notstandsprogramm mit einer Ausgabensumme von 80 Milliarden und 320 Millionen Kronen vertreten. Dabei ist hevvorzuheben, daß von dieser Summe nur 10.4 Milliarden Kronen ans Betriebsmitteln, verteilt auf zwei Jahre, gedeckt werden, während der Rest von rund 70 Milliarden Kronen auf Jnvestitionskredite verrechnet wird. In erster Linie kommt das Elektrizitätswerk, das nicht weniger als 37 Milliarden Kronen für neue Arbeiten ausgibt. Rund 3500 Millionen Kronen werden davon für den Ankauf von fünftausend neuen Zählern ausgegeben. Für den Bau von Fernleitungen zum Anschluß an die Mlsserkraftwerke sind 19 Milliarden Kronen vorgesehen. Ausgebaut soll weiters das Kessebwerk der Ueberlandzentrale in Ebenfurth werden, wofür ein Betrag von 2,5 Milliarden Kronen notwendig ist. Größere Summen erfordert noch der Ausbau des Kabelnetzes und verschiedene technische Ausgestaltungen. Mit einem Betrage von 23 Milliarden und 390 Millionen Kronen beteiligen sich die städtischen Straßenbahnen an dem dritten Notstandsprogramm. Hier ist vor allein der Bau einer neuen Linie aus der Schmelz zu nennen, die von der Felberstraße durch die Schweglerstraße über die Camillo Sitte-Gasse in die Linie Herbstst r a ß e geleitet werden wird. Im Zusammenhang mit dieser Linie steht die Führung einer weiteren Linie durch den Czartoryski-Park in Währing, die bis zur Stadtbahnhaltestelle Gersthof führen wird. Mit dem Bau dieser zwei Linien ist dann eine gerade Verbindung von Rudolfsheim über die Schmelz, Ottakring, Hernals (Rosenstem- Hormayrgasse) Wonach Gersthof hergestellt. Dadurch wird nicht nur der Gürtelverkehr stark entlastet, sondern^ auch eine gute Verbindung mit diesen Bezirkstellen hergestellt. Die Linie 2 von der Schwarzspanrerstraße foll durch die Günthergasse, Hörlgasse bis zur Liechtensteinstraße über Schottenring—Kai verlängert werden. Im Zusammenhang damit steht die Errichtung einer Schleife beider Rettungsgesellschaft mit einem Kostenaufwands vor: 800 Millionen Kronen. In der Fadoritenstraße wird die Gleisanlage ausgebvut und in der Lehmgasse eine Schleife errichtet, was 1,2 Mlliarden Kronen kostet. Bon großer Wichtigkeit für den Verkehr nach Mauer ist die Legung eines zweiten Geleise s. Schließlich wird noch in der Vorgartenstraße eine neue Geleise« schleife gebaut werden. Mit einem Betrage von 11.900 Millionen Kronen beteiligen sich die städtischen Gaswerke an dem neuen Programm. So wird um 1,9 Milliarden. Kronen eine Gebläseanlage im Gaswerk Simmering errichtet, wodurch Betriebsstörungen im Gaswerk Leopoldau ausgeglichen werden können, da dann von diesem Merk das erzeugte Gas nach Simmering geleitet werden kann. Runä 5300 Millionen Kronen werden die städtischen Lagerhäuser auflvenden. Davon entfallen 4 Milliarden Kronen auf die Ausgestaltung des Bahnhofes in der Prateranlage und die Errichtung von drei Magazinen. An nächster Stelle steht mit einem Betrage von 1950 Millionen Kronen das städtische Brauhaus und schließlich beteiligt sich die städtische Leichenbestattung mit einem Betrage von 780 Millionen Kronen ebenfalls an dem neuen Notstandsprogramm. Der Finanzausschuß wurde bereits für Montag zu einer Sitzung einbevusen und am Dienstag wird diese Vorlage den Stadtsenat beschäftigen, der während der Ferien das Bewilligungsrecht des Gemeinderates ausübt. ES wird dann sofort an die Ausführung aller im Notstands Programm enthaltenen Arbeiten geschritten werden. Die Mvorltiitenfrsge. Eine internationale Konferenz. Ziü-ch, 27. Juli. Die Konferenz des refo r m i e x i e n Weil 1bnndes hat vorgestern die Minori'tätenpvob'lemeZentral- und Nordeuropas behandelt. Das Hauptgewicht Vieser Frage liegt im MnderheitsprMem. Wie aus den Berichten hervorgcht, werden die Minderheiten in den verschiedenen Staaten sehr ungleich lbchandelt. Am schlimmsten gcht es ihnen in Rumänien, das sich offenkundig nicht an die Mindrrhettsverträge HM. Der Sekretär des Freundschaftsbunides der Kirchen, Reverend R a m s a y (London), wies darauf hin, daß «8 im Interesse der einzelnen Staaten selbst liegen würde, ihre Minderheiten zufricdenzivstellen, um sie mit der neuen Staat-- 29. Full 1923 .Seit« , Sie Sette der „MraMm" w Maftiks. Von meiner Reise in Südafrika. Bon Pere'z Hirsch dein. Es ist keine jüdische Sekte, d'eren traurige Geschichte io^ hier erzähle, wenngleich man in Europa die Sache so umgestellt hatte, als ob eine Gruppe von Juden gegen die südafrikanische Regierung sich aufgelehnt und eine Revolte angezettelt hätte. Es ist die tragische Geschichte einer christlichen Negerselte, die beschlossen hatte, .sich und ihre Religion, die ihnen von allerlei christlichen Missionären vermittelt worden war, zu läutern und von allen Schlacken zu reirrigerl. Diesen Negergruppen, dieser von der christlichen Welt am meisten unterdrückten Menschenrasse ist die Lehre von der ewigen und reinen Liebe völlig unverständlich, und selbst der primitivste Zweifüßler fühlt irgendwo in einen: Winkel seines Herzens allerlei Fragen sich regen, wenn der Missionär ihm seine Lehre vom Gottessohn und seinen großen Wundertaten einzuimpsen versucht. Schon die Tatsache, daß der Kaffer sich so viele Weiber ins Haus nimmt, als zx in der Lage ist, dem Vater des Mädchens für das Weib zu bezahlen, ist ein großes Hindernis für die Verbreitung der christlichen Lehre. Am schwierigsten jedoch ist es, dem schwarzen Menschen, die Lohre von der Gleichheit der Menschen beizubringen, während er mit seinen eigenen Augeir sieht, daß die Menschen eben nicht gleich sind und daß diese Gleichheit zwischen den weißen und den schwarzen Menschen schon gar nicht vorhanden ist. Diese U.eberzeugung von der Ungleichheit der Weißen und der Schwarzen hat auf die Neger so tief eingewirkt, -aß sie die Grundlage für eine Legende bildete, wonach Gott allein die Schwarzen auf eine niedrigere Stufe gestellt hat als die Weißen. So erzählt eine Kafferlegende: Es lebten einst zwei Brüder. Beide waren weiße Menschen. Da sprach zu ihnen Gott eines Tages: ,^ch gebe euch hiermit ein Buch, in welchem ihr die Lehre finden werdet, wie ihr euer Leben auf Erden zu führen habt. Seht zu, daß ihr diese Bücher wohl behütet." Der eine der Leiden Brüder trug das Buch stets auf dem Kopf. Der andere hingegen trug es an sein Herz gedrückt, bannt er es nie vermisie. Plötzlich ging eines Tages ein Wolkenbruch nieder. Der Bruder, der das Buch an seinem Herzen trug, behütete es, damit es nicht durch den Regen zu Schaden komme. Der andere, jedoch, der sein Buch auf dem Kopse trug, war viel schlechter daran. Der Regen fiel prasselnd auf das Buch, die Blätter zerfielen nrüt von dem wertvollen göttlichen Geschenk war nichts übrig geblieben. Da ertönte die Stimme Gottes an beide Brüder: „Du, der du mein Buch ans Herz gedrückt trugst und es dadurch vor Regen und Verwüstung schütztest, wirst zum Lohne 'dafür der weiße, der starke Mensch bleiben. Du hingegen, der das Buch, das ich dir anvertraute, aus dem Kopfe trugst und es dadurch der Vernichtungaussetztest, wirst ein Schwarzer werden und bist verdammt, ewig deinem weißen Bruder untertänig zu sein." Solche Traditionen sind in der Atmosphäre der christlichen Mssionäre und ihrer Lehren entstanden. Aber das wahre, in seiner natürlichen Urkraft pulsierende Blut will nichts von unbegrenzter Unterwürfigkeit -wissen, und im Hirn des schwarzen Christen, der selbst zum Missionär seines neuen Glaubens geworden ist, erhält diese von den Missionären gepredigte Gnade Gottes eine ganz andere Form, und eine neue Werbekrast. Der schwarze Missionär Enok, der Gründer der Sekte ,^J-sraeliten in Südafrika", lvar ein Schüler der amerikanischen Misfionsabteilung der göttlichen Kirche. Aber Enok hatte eine reiche nimmermüde Phantasie. Er wurde viel von wunderlichen Träumen heimgesucht und gab die neue Lehre aus seine eigene Art seinen Schülern und Schülerinnen weiter. Besonders zwei Freunde waren es, die für das weitere Schicksal der Jsraelitens-ekte des schwarzen Missionärs Enok verhängnisvoll werden mußten. -Eines Nachts träumte er noch, er sehe, wie auf der Spitze eines hohen Berges ein riesengroßer Stein sich loslöste nnd den Berg hinunterrottte, immer tiefer und tiefer, bis er schließlich 'am Fuße des Berges mit furchtbarer Wucht alle Menschen, die da drunten lebten, zerschmetterte, daß sie den Tod fanden. Und in einem andere:: Traum sah Enok, wie ein Babun (eine in. Südafrika bekannte Affenart) mit zwei weißen Ziegen in einer: Kamvf geriet, der damit endete, daß' der Babun die Ziegen in Stücke riß. Enok fand bald die Deutung des Traumes. Der Babun, das sind die schwarzen Menschen, und die zwei weißen Ziegen sind das Sinnbild der zwei weißen Völker, welche in Südafrika herrschen. Diese Träume bestärkten Enok in seinen Zweifeln an der Lehre, daß der weiße Mensch der stärkere, der gerechtere sei. In seinen Träumen sprach zu ihm der Gott Jfraels, und ex -loar überzeugt, daß dieser Gott Israel ihn: zu Hilfe kommen werde, selbst wenn der weiße Mensch ihn:. Enok. dem schwärzen Missionär, die Zweifel :nit Feuer und Schwert wird aus dem Herzen reißen wollen. Enok und sein Anhang siedelten sich in ei nein Cwbiet Kaplands an, das danmls eigentlich noch nienwud'en angchörte. Sie zogen ein« Grenze, bauten eine Stadt aus, die Residenz Enoks, von wo er, umgeben von einer großen Zahl Getreuen, seine neue, geläuterte Lehre verkündete. Es war ein wahres Schlaraffenleben, das sich hier etabliert hatte. B ulhae, diese neue Residenz Enoks, gestaltete sich . t« Mer Gtoidt des natürlichen Liebeslebens. Zweifler:: ge-

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