Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1602 (29.7.1923)
- Date
- 1923-07-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1602 Wien, Sonntag Wiener Morsenzettung. Das Archiv der Zionistischen Organisation hat seit der Karlsbader Jahreskonftrenz, für die Letzimabig ein Bericht über seine Arbeiten erstattet wurde, seine Tätigkeit in gewohnter Weise, aber nt einem weiteren Umfange als bisher fortgesetzt. Die Möglichkeit hierzu wurde dem Archiv dadurch verschafft, daß es anfangs 1683 räumlich von dem Berliner Bureau der Exekutive getrennt und mit seinen SaniMiutilgen in eigenen Räumen nntergvbracht werden konnte. Der Aktensammlnng des Archivs, die den Grundstock seiner Sammlungen bildet, wurden in der Berichtszeit die reponierten Mten des Hanpbbureaus des Keren Kajemeth l'Jsrael, die bei dessen Verlegung nach Erez Jlsrael nicht mit überführt wurden, einverleBt. Die WtensamMlnng umfaßt jetzt mit rund 7000 Aktenstücken die Men der Zionistischen Zentralburecius Wien, Köln und Berlin, des Krxpenhagener Bureaus der Zionistischen Organisation, die erwähnten Mten des Hauptburoaus des Keren Kajemeth, Teile von Akten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und ihrer Justi, tuiionen sowie LMi'ch Aktensammlungen aus Ptivatbeisitz. Der Zeitungssammlung des Archivs gingen auf Anforderung fast alle neuerscheinenden Mischen Zeitungen der Welt in einem oder mehreren Exemplaren zu. Ihre Zahl betrug etwa 100, so daß die Zeitungssammluny des Archivs fttzt etwa 250 Mische Zeitungen und Zeitschriften in allen Sprachen aufweist. Die Bibliothek des Archivs wurde in der Berichiszeit um mehrere hundert Bände vergrößert. Das Palästina-Archiv, eine Sammlung von Nachrichten über die Entwicklung Palästinas seit dem Ende des Krieges, wurde in der Berichiszeit in seinen Grundlagen fertiggestellt. Es umfaßt annäl)ernd 100 Abteilungen Mit Nachrichten Wer die politischen, wivtschastlichen und kulturellen Fortschritte Erez Israels in dem letzten Jahrfünft und wird ständig Lurch die neueingchenden Nachrichten ergänzt. Auch die kleineren Sammlungen des Archivs, seine Bestände an Bildern aus Palästina und Palästina- Karten, haben in der Berichtszeit eine erhebliche Vergrößerung erfahren. Die Benützung des Archivs ist im dauernden Steigen begriffen. Besonders häufig wird das Archiv von den Berliner Zionistischen Bureaus für den laufenden Geschäftsgang und für pMizistische Arbeiten benützt. Bon den wissenschaftlichen Arbeiten, die im letzten Jahre von Privatpersonen mit Hilfe des Archivmaterials angeftrligt wurden, erwähnen wir eine Arbeit über „Die Entwicklung der Jüdischen Kolonialbank" und eine zweite über ,I>ie völkerrechtlichen Ergebnisse der natronaljüdischen An eigenen Publikationen hat das Archiv in den letzten Jahren zwei veröffentlicht. Eine dritte Publikation befinket sich in Vorbereitung. Ae zionistische Weltorganisation. Ans dem »ericht der zionistischen tzrekutive an de» 13. zioniftenkongreß. a) Landesverbände. Die Organisation umfaßte während der Berichtszeit 47 PaudeSveMnde, und zwar je einen m sagenden Ländern: Amerika, Argentinien, Aegypten» Belgien, Beßarabien, Brasilien. Bukowina, Bulgarien, Kanada, Chile. Danzig. Dänemark, Deutschland, England, Estland, Fiume, Frankreich, Ostgaliizien, Griechenland, Holland. Italien, Kugoslawien.Lettland.Litauen- Kowno, Litauen-Wilna, Luxemburg, Mesopotamien, Mexiko, Norwegen, Oesterreich, Palästina, Persien,' Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden, Schweiz, Sibirien, Südafrika, Transsylvanien, Tunis, Tschecho- Slowakei. Türkei, Ungarn. Venezuela. Westgaligien. Hiervon sind die Verbände Luxemburg, Mexiko und Venezuela im Lauft des 'letzten Berichtsjahres entstanden^Der Landesverband in Fiume hat seine Tätigkeit eingestellt. Der organisatorische Zustand der Verbände in Spanien und Portugal läßt viel zu wünschen übrig. Aus Persien, dessen iLandeZverbaud unter der Ungunst der Verhältnisse außerordentlich zu leiden hat, fehlen seit einiger Zeit Nachrichten über die dortige zionistische Arbeit. Dem Landesverbände in Ungarn ist durch eine behördliche Verfügung die legale Grundlage der Existenz, um die er sich gegenüber starken antizwmsiiscb.'n Tendenzen jahrelang bemühte, entzogen worden. In Rußland, das leidert noch immer von der Teilnahme an der alig-nteiuen zionistischen Arbeit abgeschnitten ist, stehen die legalen H'mderniffe einer Belebung der zionistischen Tätigkeit im Wege. Die im Ausland weilenden Zimristeu Rußlands und der Ukraine haben sich unter Leitung des Be-rliuer Merkas eine besondere Organisation geschaffen. Die Zionisten Mesopotamiens haben mit Schwierigkeiten äußerer Natur zu kämpfen, die dank der inneren Stärke der dortigett Verbände hoffentlich bald überwunden ^werden können. In Frankreich bestand eine Zeitlang neben dem Landesverbände eine selbständige Gwlppe für Qstfrankreiich, mit dem Sitze in Stvaßburg. Bor kurzem sind Schritte zmn Anschluß dieser Gruppe an den französischen Geftmtverba.ud, der sich auch aus die zionistischen Gruppen der französischen Kolonien erstrecken soll, unternommen tvorden. Westgalizien bildete eine Zeitlcvng 'einen Bestandteil des Polnischen Verbandes, hat sich jedoch nach dem 12. Kongreß wieder als selbständiger Verband konstiituiert. In Palästina waren wir mit ziemlichem Erfolge benäht, die Fown für eine Zusamnrenftssung der dortigen Zionisten zu finden, da der übliche Rahmen eines Landesverbandes sich für die 'besonderen Bevhältuisft Palästinas nicht eignet. Uruguay hat sich dem Landesverbände Argentinien angeschloffen. Die Entwicklung der meisten Landesverbände war während der Bevichtsperiode recht befriedigend. Wenn auch die Gesamtzahl der organisierten Zionisten in dieser Zeit numerisch keine Steigerung evfuhr, so ist doch hinsichtlich der Intensität der zionistischen Arbeit und der Befestigung ihrer organisatorischen Grundlagen bei den meisten Verbänden ein guter Fortschritt zu verzeichnen. An diese,u Prozeß der Kvnsolidtertmg haben vor allem die europäischen Verbände ieilgenommen, die trotz der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse ihre feste Position innerhalb der zionistischen Bewegung wie auch im jüdischen Leben erfolgreich bchauptet und zum Teil verstärkt haben. Eine Ausnahme bilden die kleinen Verbände einiger, insbesondere der romanisch sprechenden und der skandinavischen Länder, die erst die Apathie ihres Milieus durchbrechen müssen, bevor sie die zu selbständiger Existenz notwendige Kraft gewinnen könnsn. Einen erfreulichen Fortschritt, hat in dieser Bezichung der italienische Landesverband zu vecheichwen. Die überseeischen Verbände haben sich im Laufe der letzten zwei Jahre in sehr befriedigender Weise entwickelt und sowohl an Größe wie an Intensität ihrer Arbeit zuge-« nommen. Sie haben nicht nur finanziell, sondern auch politisch BedsütendeS geleistet. Außer den bewährten Organisationen Nordamerikas und Südafrikas sind die jungen Verbände Südamerikas zu erwähnen, di« attf Grund der bisherigen Leistungen zu großen Hoffnungen berechtigen. Die zionistischen Verbände des Orients durchleben gegenwärtig eine Zeit der Krisis, die zum Teil in äußerett Gründen ihren Ursprung hat. Wenn diese überwunden ist, ist von diesem Zweig des Judentums, dessen latente nationale Energien nicht zu unterschätzen sind, noch vieles für unsere Belegung zu erwarten. b) Gruppen. Die Exekutive stand in direktem Verkehr mit 38 zionistischen Gruppen in Ländern, in denen keine Landesverbände bestehen, und zwar 2 in Algier, si in Marokko, 8 in China, 5 in Indien, 1 in Aden, 1 in Japan, 3 in Holländisch-Jttdien, 2 auf den Philippinen und 11 in verschiedenen Zentren Australiens und Neu-Seelands.' Don den europäischen Ländern ist nur Finnland in der eigentümlichen Lage, feinen organisierten Landesverband, sondern nur zwei lose Gruppen zu besitzen. In Syrien wurde aus Grund unserer Bemühungen die Bildung einiger zionistischen Gruppen in Angriff genommen. In Marokko sind vor gewisser Zeit äußere Schwierigkeiten gegen die zionistische Tätigkeit aufgetaucht, die zu beseitigen wir bemüht waren. Mit besonderer Genugiuung müssen wir unserer Gruppen in Australien und Neu-Seel and gedenken, die ihre Verpflichtungen gegenüber dem Palästiua-Aufbaufonds gewissenhaft erfüllen. Es ist zu hoffen, daß mit der Intensivierung des zionistischen Lebens auch die gegenwärtig losen Gruppen sich mit der Zeit dort, wo die lokalen Bedingungen es zulasten, zu L a udesverbänden zusammenzuschließen werden, was sowohl für ihre Tätigkeit als auch für ihren Verkehr mit der Leitung von großem. Vorteil wäre. cs Sonderverbände. Die Organisation zählt gegenwärtig fünf Sonderverbände, und zwar Misrachi, Poale-Zion, Order of Aneient Maccabeans, Hitachduth und Zeir'e Zion. Die letzten zwei Verbände, die schon seit der Londoner Jahreskonferenz 1620 de facto den Sonderverbänden gleichgestellt waren, haben, im Jänner 1923 vom Aktionskomitee die formelle Anerkennung als solche erhalten. Wir verkehrten nicht nur mit den Zentralen dieser Verbände, sondern auch mit ihren Landesgruppen, insbesondere in-den Angelegenheiten, die den Schekel und die Kongreßwahlen betrafen. Unsere direkte Korrespondenz mit diesen Laubesgruppen hat vielfach zu.deren Belebung beigetragen. Der Sonderverband Misrachi zahlt gegenwärtig 28, Poale Zion 15, Hitachduth 16 und Zerre Zion 10 Landesgruppen. 26. Juli 1923 Seite 5 * JVienJ, JViUiprelmarkt 2t %Jflc*leles Jßohes, K&stumeSjJflanleaux, ißeagGfvns et&oumires STelefon 3Lb 7. August gelangen Original 3?ariserZModelle zur Vorführung Vor dem 13. SioMerrkonsreß. Amerikanische Delegierte. Aus New-Dork wird' berichtet: Der Redakteur der „Jewish Daily News" aus New-Dork Mr. Gedalicch Bublik und Mr. Leon Kamaiky sind am 24. d. an Bord der „Reliance" nach Europa abgereist, um dem 18. Zionistenkongreß beizuwohnen. Die arabische Delegation in London. London, 27. Juli. (I. C. B.) Die palästinensisch-arabische Dlegation ist am 23. d. in London eingetrosfen. Sie wird sich an die Regierung mit dem Ersuchen wenden, von der zur Beratung der Palästina-Verwaltung eingesetzten Kabinettskommission angehört zu werden. Weltkonferenz dev Poale Zion. Berlin, 27. Juli. (I. C. B.) Die sechste Weltkonserenz des jüdischen sozialistischen Arbeiterverbandes Poale Zion findet vom 27. bis 31. d. in Berlin statt. Brief aus Hamburg. Bon Dr. B. Suler. ' Hamburg ist vor allem Handelsstadt. Die erste Deutschlands. Eine der stärksten Zirkulationsadern der Weltwirtschaft, trägt die Elbe auf ihrem breiten Rücken täglich Dutzende von Dampfern, beladen mit den Erzeugnissen deutschen Gewerbefleißcs, zum großen Ozean hinaus und bringt täglich ebenso viele Schiffe, vollgepfropft mit den Produkten des Erd-, Tier- und Pflanzenreiches der anderen Halbkugel in den riesigen Hasen hinein. Es ist kein Wunder, tocint. dieser mächtige Güteraustausch der alten Hansastadt mit den großen Comptoirpalästen und den vielen großen und plumpen Lastwagen ihr eigenartiges Gepräge gibt und auch den Geist ihrer emsigen Einwohner stark beeinflußt. Der Handel, der Ex- und Importgeist ist derjenige, der alles hier beherrscht und der Kaufmannsstand, der „ehrbare Kaufmann", ist der Tonangebende in der Gesellschaft, der Bürgerschaft und der Politik. Die Juden Hamburgs, welche sich fast' durchwegs im Handel betätigen und zum Teil auch darin führend sind, stehen ganz unter dem Banne dieses merkantilen Geistes, dem sie mit einem nur den Juden eigenen einseitigen Enthusiasmus hingegeben zu sein, mit Haut und Knochen sich verschrieben zu haben scheinen. Während der christliche Kaufmann noch für Dinge, die außerhalb des Zauberkreises von Kauf und Verkauf, Kalkül und Spekulation liegen, wie Literatur, Kunst und Sport, Interesse und Muße hat, scheint der hiesige Jude ganz im Geschäft aufgegangen zu sein. „Ware", „Termin", „Devisen" — das sind die Götter, welchen er vom frühen Morgen bis spät in die Nacht dient. Der fromme Jude hat zudem noch seinen Gott, den alten Gott „Jßroels", der hier aber zum Gotte „Agudaß Jßroels" geworden ist und dessen Konto er mit peinlichster Genauigkeit führt. Und das Gros der Hamburger Juden ist fromm, sogar sehr fromm. In keiner Stadt Deutschlands wird der Sabbat so streng gehalten, sind die Synagogen so stark besucht, ist der Ritus so patriarchalisch, wird so viel und so streng koscher gegessen wie in Hamburg. Mag sein, daß die Spekulation, welche ja die Basis der meisten hiesigen Geschäfte bildet und deren Erfolge oder Mißerfolge .von der Laune unsichtbarer Gewalt abhängen, die hiesigen Juden in die Arme innerer Religiosität getrieben hat, daß sie aber zum größten Teil auf einen hartnäckigen Konservatismus sich versteift haben, hat.seine historische Ursache. Wie bekannt, war Hamburg die erste große jüdische Gemeinde (nach der kleinen in Seesen), welche unter dem Einfluß der des alten Judentums müde gewordenen Hochfinanz dem „reformerischen" Gott einen „Tempel" bet sich baute, wo die ersten Prediger Klee und Salomon, nachdem sie das „Unbequeme" in den verdeutschten Gebetbüchern gestrichen, in von Phrasen aufgeblähten und von falschem Pathos getragenen pastorenmäßigen Predigten sich redlich Mühe gaben, eine goldene Brücke zwischen Judentum und Christentum zu schlagen, welche aber nur von der jüdilerokkasion! Regenmäntel » K 125.000(f/flftn. Lelnenwaren. Wasch waren" Stoffe, Wäsche, sehr billig [Schiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En cSetai,