Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1601 (28.7.1923)
- Date
- 1923-07-28
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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0eSe ÜÖ Wien, SamStsg . ...—— —_ mal schon fj&t Europa von Asien Erlösung gelernt. Aber diese Erlösung ging wieder verloren. NnS schreckt kein Mißerfolg, und!vir vechanden, Jahrt<msond.e zu warten. Bon der jüdischen Jugend wird es abhängeri, ob sie sich' und die Welt erlösen will aus ruhelosem und doch toten: Leben, ob sie sich und die Welt befreien will von drücken-- ‘ den, blutlosen Gespenstern, die das entgeisterte Europa Niederdrücken. Wir, die wir an eine Glichest des Geistes und an ihn glauben, sind vielleicht zu früh geboren. Aber nichts verrnaig uns zu schrecken. Was wir 'wollen, ist nur, daß unter den stürzenden Schloten Europas, unter seinem ganzen in sich zusammenbrechenden Schutte nicht auch die jüdische Jugend begraben werde. Denn dieser Tag wird kommen, wenn sich nicht alle, deren Blut vorn Osten stammt, besinnen, einander bei Len Händen fassen und zurückzuychen, dorthin, woher schon einmal die Befreiung kam und wo ihrer, alles harrt. Chawerim wechaüverst! Der Osten ruft: Befreien wir uns von Europa! Reißen wir uns los von dem Jagen und Rennen, von dem Neoventod und der Seelenuuruhe. Wir sind ein ausevwähltes Volk. Das legt uns eine schwere Pflicht auf. Und wenn wir sie erkennen, so müssen wir sagen: Es gibt mt einen Weg, den nach Zion. Aber Zion ist der Geist des Judentums-, seine tiefste Verkörperung. Wollen wir diesen Weg gehen, so rmissen alle Brücken abgebrochen werden, die nach Mizraim führen. Nichts hinter, alles vor uns. Die Idee im Blut und im Herzen, so werden wir eins mit allem Geist, und aller Geist ist von Osten. b— Zioniftenkongreß und zionistische Fugend. (Einige Bemerkungen zum kommenden Zionistenkongretz.) Es ist eine traurige aber wahre Erscheinung, daß die zionistische Jugend sich zum Kongreß, der einzigen demokratischen Körperschaft , der Zionistischen Partei, fast indifferent verhalt, und doch werden aus den Kongressen Fragen und Probleme behandelt, deren Bedeutung für den Nachwuchs der Zionistischen Partei — der Jugend — nicht klein ist. Abgesehen von den auf jedem Kongreß zu behandelnden allgemeinen Fragen, bietet gerade der kommende Kongreß eine Fülle von Fragen, welche fast einzig und allein Sache der Jugend wärmen. Ich meine die.Frage der Hachscharah und Al iah. Die Chaluzorganisation — die organisatorische Form der sich für Palästina vorbereitenden Jugendlichen — ist noch bei weitem nicht.in den Reihen der jüdischen Jugend derart populär, daß sie sämtliche für Palästina sich vorbereitenden oder ernst interessierenden Jugendliche umfassen. Und deswegen ist die Vertretung, welche der Hechaluz auf den Kongreß auch vielleicht haben wird, noch immer nicht 'die Repräsentanz der sich für Palästina interessierenden Jugend, geschweige denn der gesamten zionistischen Jugend. Denn außer der Chaluzorganisation werden wir am Kongreß vielleicht zwei oder höchstens drei Vertreter finden, welche ausgesprochene Bevollmächtigte der zionistischen Jugend sein werden und die mit ihrem Leben, Streben und Wünschen wohl vertraut sind. Die oben erwähnte Frage der Mäh und Hachscharah wird, was wohl nicht zu verkennen ist, von ernsten, erprobten und älteren Zionisten-behandelt werden, während das zu behandelnde Objekt — die Jugend — nicht zur Sprache kom- ' men wird. An dieser Tatsache' trägt kein anderer als wir allein die Schuld. Dort und da, hüben und drüben, ist die traurige Erscheinung nicht zu übersehen, daß im Moment der Kongreßwahlen die Jugend von den zionistischen Landesverbänden ganz unbeachtet bleibt. (Besonders trifft dies bei den allgemeinen Zionisten zu.) Doch wi^wichtig und ersprießlich wäre es, wenn am Kongreß auch Bevollmächtigte der zionistischen Jugend Mitwirken könnten, besonders in tten brennenden Fragen der Allah und Hachscharah. Die Wichtigkeit dieser zwei Dinge steht heute außer Zweifel. Die sogenannte „kulturell-geistige Tätigkeit" der Jugendgruppen hat sich überlebt. DieseFormderJugendvereinigung ist nicht mehr die im jetzigen Moment erforderliche. Heute gilt es, die Jugend praktisch für Palästina vorzu bereiten, wenigstens die reifere. Dies erkennen sämtliche Führer der zionistischen Jugend allerorts bereits voll und ganz an. Und daß diese Frage auch gleichzeitig ein wichtiges Problem der ganzen zionistischen Bewegung ist, wissen wir alle. Denn nebst den Mitteln, die natürlich sehr wichtig sind, ist auch das Men scheu material zu berücksichtigen. Es muß ein Reservoir geschaffen werden, von welchem Herzl im Judenstaat spricht, welches je nach den zur Verfügung stehenden Mitteln immer dirigiert werden kann. Wenn diese wichtige Frage an der maßgebenden Stelle der Zionistischen Organisation erörtert wird, fehlt die Vertretung der nach Tausenden zählenden jüdischen Jugendlichen, die noch immer nicht in einer Chaluzorganisation formell organisiert sind — dank der Verworrenheit der Organisationsformen in der Zionistischen Partei — und welche dennoch als ihr höchstes Ziel die Auswanderung ans dem Galuth betrachten. Ein großer Teil der Schuld an diesen Zuständen fällt den Jugendführern zu, welche da meinen, der Verkauf von Schekalim sei eine ganz unwesentliche Sache, für die die Jugend einfach „keine Zeit habe". Der Schekel bleibt aber schließlich. der Weg zu einer Vertretung am Kongreß. Auch werden unsere Jugendlichen wenig über . die Wichtigkeit eines Kongresses belehrt, was übrigens leicht zu verstehen ist, da Geschichte des Z: o n i smus in den Gruppen (ich spreche aus Erfahrung) wenig beachtet wird. Wiener Morgenzeitung. Wettbewerb * zur Ausschmückung eines jüdischen Jugendheims. Gruppe I: zeichnnngen. Gruppe II: Malereien. Gruppe III: Plasttten. Gruppe IV: Laubsägeu. mdere Holzarbelten. Die Arbeiten sollen bis 20. August l. I. dem Sekretariat des Jugendrestrates, 2. Bez., Taborftratze 59, übergeben werden. Ein vom Jugendverbanb bereits ernanntes Preisrichterkollegium wird über die Zuerkenmmg der Preise entscheiden. I. Preis: Herzl« Tagebücher. II. Preis: Mische Geschichte vou GM. Ui. Preis: Eine Gordon-Plalette. Außerdem 1b Trostpreise. Der Verband der zionistischen Jugendgruppen Oesterreichs hat, den «erwähnten Amständen Rechnung tragend, doch in letzter Stunde Schritte unternommen, um aus Oesterreich einen eigenen Delegierten am Kongreß zu haben, welches auch gelang. Wäre das Interesse und der Boden hierfür bei den Gruppen vorbereitet, die Jugend Oesterreichs wurde sicherlich einige Delegierte entsenden können. Und nicht nur für die lokalen Verhältnisse ist es'bedeutsam, es ist auch für die Zionistische Organisation wichtig, den, Kongreß derart zu sehen, daß alles, was an der Wiedevaufrichtung eines nationalen Heimes in Evez Israel interessiert ist, vertreten sei, besonders trifft es Lei der Jugend zu. Mögen wir die Konsequenzen aus den erwähnten Umständen ziehen und der zionistischen Jugend im Galuth, ich spreche zu der Jugeud aller Länder, den Kongreß als das darstellen, was er ist, als unsere höchste I n st a n z und nicht etwas Nebensächliches. Wien, im Ab 5683. Josef Lanczener. Ire Idee des Zudentnmr. Wir können nur bereit fein. Aber bereit fein, heißt nicht unentwegt warten. Bereit fein heißt, sich und dir anderen zu dem großen Selbstbswußtsein des Judentums erziehen. . . Bereit fein heißt noch mehr: Es heißt, die großen Tendenzen des Judentums in unserem persönlichen Leben verwirklichen. Die Tendenz der Einheit, indem wir unsere Seele zu einer Einheit bilden, daß sie fähig werde, Einheit zu konzipieren; die Tendenz der Tat, indem wir unsere Seele mit Unbedingtheit erfüllen, auf daß sie fähig werde, die Tat zu bewähren; die Tendenz der Zukunft, indem wir unsere Seele aus dem Getriebe.der Zwecke losbinden und sie hm wenden auf das Ziel, auf daß sie fähig werde, der Zukunft zu dienen. Wir lesen in Jesaias: „Die Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet Jahwe seine Bahn!" Bereit sein heißt: Bereitend Aus Martin B u b e r: „Drei Reden über das Judentum". Rütten u. Löniug. Frankfurt a. Main. Ler Bettler. Kommt ein armer Mann herein. Silberweiß die Locken, Schüchtern klopft er an und bleibt An der Schwelle hocken. Langst sind in dem trüben Aug' Trotz und Stolz erloschen, Stumm streckt er die Hände aus, Fleht um einen Groschen. Ist ein Mensch 1 Die Krön' der Welt, Ist der Schöpfung Zierde — Und zerrt selber in den Kot Seine Menschenwürde. Muß kein Käferlein im Wald Hungern, darben, stieren — , Nur der Mensch, die Krön', die Krön', Bettelt an den Türen. (Aus dem Jüdischen von Hugo Zuckermann.) _ Abram Reisen. Wilna «nd Wie«. ■ Wir lesen unter diesen: Titel in: Wiluäer ,/Tog": „Die zionistische' „Wiener Morgenzeitimg" hat in letzter Zeit eine Beilage für die Jugend eröffnet. In der letzten Nummer dieser Beilage findet sich ein begeisterter Aufsatz eines Schulmädchens über das Kmdersoumal,/Nrin.inke Beirnelech" (hewusgogeben von der Zionistischen Schulorgrnisation Wilna). Es folgt dann eine Kritik an der Teilnahmslosigkeit der Wilnaer Juden am ihrem Schülwerk, dem die Begeisterung des Wiener Kindes gegenübergeltellt wird. 28. Juli 1923 Nr.1601 Wir können hierzu nur bemerken: Die jüdische Jugend wird, .ungeachtet aller Teilnähmslosigkeit und allen Hindernissen znm Trotz ihren Weg zu gehen wissen; sie wird fick) ihre Schule zn bauen und zu echalten verstehen, sie wird auch jenseits deren Rahmen das Volkstun: in sich durch Anschluß an alle großen Juden aller Zeiten lebendig werden lassen, und so zum Endziel aller Erziehung gelangen: zur harmonischen Persönlichkeit und zur Unterordnung unter die großen Ideen Volkstum und Menschheit b— Joses Grob: „Mische BollsNange". Vor einigen Tagen führte mich mein Weg zur Kultusgemeinde durch den Räbensteig. In diesem kleinen, unanschnlichen Gäßchem gibt es drei jüdisch? BuchihaMungeu. Bein: ersten Michevfenster hemmte ich meinen Schritt, um die neuesten Waren des Geistesmavktes anzusehen. Ein schmuckes Heft mit geschmackvoller blau-weißer Verzierung zieht nreine Aufmerksamkeit an. ,/Jüdische Volkskläuge" nennt es sich. Josef Grob, der Herausgeber, ist ein gelungener Humorist, als Reporter jüdischer Zeitungen bekannt. Ich habe ihn schon am Vorlesetisch bei Lion und sonstigen jüdischen Veranstaltungen angetrchfen, wo buchstMich jeder vorgelesene Satz Lachstürme hervorgerufen hat. Ich kaufe das Heft und am Nachmittag erschallen die Klavierklänge in einem kleinen Kreis junger Zionisten. Grobs Arbeit ist nicht originell. Die Melodien sind allbekannt. Jüdische Lieder verschiedensten Wesens, Ghettoweloltzien, Hofifnungskläuge, shnagogaile Tendenzen, sind mit künstlerischer Hand sr> zusammengestellt, daß der U-Vbergang eine harmonische Konsequenz wird. Wer jüdisch fühlt, wird diese Leistung bewundern, Ich kenne Juden, die ihrem Volke entfremdet sind siver kennt keine?), die für alles Verständnis haben, aber jeder jüdischen Färbung mit Höllenangst ausweichen. Im politischen Leben sind sie mit der Stelle des letzten Anhängsels zufrieden, wenn das Programm nur das Wort „jüdisch" vermeidet. In der Literatur begeistern sie s'ch für die stumpfsinnigsten Possen, in der Musik pfeifen sie den letzten Gasserhauer nach. Sie sind das Opfer einer Erzishungstendenz, die ihnen das Rückgrat gebrochen hat und sie gewinnt, das ,/Jch" zu verstecken und sich unter fremdem Wasen überall einzuschleichen. Gräbt man bei diesen armen Verirrten tief, sehr tief nach, so entdeckt man sehr oft zur angenehmen Ueberraschung verschiedene Mische Kräfte. Jeder zionistische Agitator, kennt aus seiner Tätigkeit solche Fälle. Auch der seinem Volk am meisten entfrentdete Jude wird beim Vorbeirauschen der „Volksklänge" sich einer Rührung nicht erwehren können. Das Gefühl arbeitet unter Ausschluß der Verstanldeskräfte. Wir kennen seine Wege nicht. Mit dem Liede kann man alles erreichen, ,-sogar Palästina aufbauen". Grobs Atbeit ist die beste Agitationsleistung im Kampfe um die Erweckung des jüdischen Völksbewußtseins. Wer einmal wie ich mit geschlossenen Augen die packenden, ins Tiestte eindringenden Töne gehört hat, wird dem Zusammensteller für seine Arbeit dankbar sein.' Wenn Jrldenkinder auf grünen Wiesen nach stundenlangem Marsche rasten, sollen sie die „Volksklänge" singen. ,^Jn Tal und Wald und Feld" sollen durch junge Judenstimmen die tränendurchtränkten Melodien des Ghetto und die hosfnungsschweren Klänge der Zukunft verkündet werden. Aron Schwert fi nger. Vom Sinn des Lebens. Lange leben, heißt gar vieles überleben, geliebte, gehaßte, gleichgültige Menschen, Königreiche, Hauptstädte, ja Wälder und Bäume, die wir jugendlich gesät und gepflanzt. Wir überleben .uns selbst und erkennen durchaus noch dankbar, wenn uns auch nur einige .Gaben des Leibes und Geistes übrig blÄben. Alles dieses Vorübergehende lassen wir uns gefallen; bleibt uns nur das Ewige jeden Augenblick gewärtig, so leiden wir nicht an der vergänglichen Zeit. Redlich habe ich es mein Leben lang mit mir und anderen gemeint und bei allem irdischen Treiben immer aufs Höchste hingeblickt. Wirken wir immer fort, solang es Tag für uns ist; für andere wird auch eine Sonne scheinen, sie werden sich an ihr hervortun und uns indessen ein helleres Licht erleuchten. Goethe an Auguste Stolberg (1823). Mitteilung des Zngendreferater. In der Zeit vom 29. Juli bis 20. August bleibt dar Sekretariat des Jugendreferates geschlossen. — Auf Wunsch der Jugendgruppen wird der Termin für den Wettbewerb zur Ausschmückung, eines Wischen Jugendheims bis Sukkoth 5684 verlängert. Vriestaften. Nch jehvdi. Jiddische Beiträge können wir nicht bringen. Wenn Sie keinen Einspruch erheben, erscheint Ihr Artikel in der nächsten Nummer in deutscher Uebersetzung. — F. S., Wien VN. Leider nfcht brauchbar. Versuchen Sie doch Prosa. — M. g. Sp. Antwort erfolgt brieflich. — L. P., Wien II. Wir danken für Ihr Schreiben. Eine Aufnahme in eine Mädchengruppe ist derzeit schwer möglich, da die meisten nicht in Wien weilen. Wenden Sie sich nach dem 20. August an Herrn Dr. Klaber, 1. Bez., Vorlaufstraße 4, täglich von 2 bis 4 Übr nachmittags, Telepho- «7-2-2? —- Arjeh S. Leider unverwendbar. Aber senden Sie nur weiter ein. Es wird sich schon noch etwas finden. — Lublin. Sie haben ganz recht. Die Beschäftigung mit den jüdischen Volkssagen ist fü< die Jugend in jeder Beziehung nützlich. — St. B. Versuchen Sie e8. Wenn Sie glauben, die Jugend müsse sich mit der sexuellen Frage beschäftigen, so schreiben Sie doch darüber. Es wird schon gehen. — Benzion. Kommen Sie einmal in unsere Sprechstunde Es werden Ihnen dort alle gewünschten Auskünfte erteilt werden. — Witzbegierig. Wir nennen Ihnen: Buber, Reden über da? Judentum (eben in Gesamtausgabe erschienen). Sie werden darin alles finden, was Sie interessiert. — Jakob L. Eine solch- Zeitschrift gibt es, und zwar „Der Jude", im Jüdischen Verlag Berlin. ÄKWHiiitHw vv. „II.vuVIIVII irOUUlTUJCU stützet ab Dienstag den 81. tz. -nicht mehr Daborstvaße 1, somtze Tähorstvaße 20 a (Zionistisches Landeskomitee). Md Mar v bcvlb 6 bis haM 7 Uhr Mt.