Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-07-28 · Heft 1601 (28.7.1923) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1601 (28.7.1923)
Date
1923-07-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980682--15569-3002407
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

' Wien, Samstag Mitteilungen aus dem Publikum. ' -ARZT-- der fixe Stellung in Amerika amutreten bat, benötigt 100 Dollar (7 Millionen). Gibt Gold und eingerichtete Wohnung als Sicherstellung und sahlt nach einem Monat 120 Dollar eurilck. Aus Dankbarkeit auch _ Einreiaebewilliauna nach Arnerikammmmmmmmmmm^ Süd-und flülsenfrttilite II., Karmelitermarkt oss Milch und (Dein nt». wmmmmmmmmmm ll.» Leopoldsgasse 31 Rundschau. Lrauerseler ffir Sr. MarmsrÄ in Paris. Aus Paris berichtet das I. C. B.: Die zionistische- Föderation Frankreichs veranstaltete am 19. d. eine Trauerfeier für Dr. Alexander Marmore!. Es sprachen Hillel Zlatopolsky, Dr. Jakobsohn, M. Kleinikoff und Rabbiner Sturz». Mr. Ab. Goldberg sprach im Namen der amerikanischen Zionisten. . Englands Abhstngigkeit von feinem Industrie idftem. London, 27. Juli. Premierminister Bald wirr kam in seiner gestern in Glasgow gehaltenen Rede auf die Abhängigkeit Englands von seinem industriellen System zu sprechen und sagte, die Hoffnung, die man sich bei der Beendigung des Krieges gemacht habe, habe sich nicht erMt. Der erste Schritt, der gemacht wenden müsse, um die Desorganisation der ausländischen Märkte zu bekämpfen, sei die Regelung der Reparationsfrage mit den Deutschen. Eine Besetzung in der islrt, wie sie gegenwärtig im Ruhrgebiet in Kraft sei, habe dieselbe Wirkung auf den internationalen Handel, wie wenn man eine Kl-inge seines Taschenmessers in ein Uhrwerk hineinstecke. Der'internationale Hand el sei ein äußerst fe i ner Mechanismus. Die Menschheit lerne jetzt um einen riesigen Preis die Grundlehren des wirtschaftlichen und des Wechselverkehrs kennen. Infolge des Standes des Wechselkurses sei es immer schwieriger, finanzielle 2C6* machungen mit dem Ausland zu treffen und den internationalen Handel in Gang zu erhalten. Großbritannien habe bisher unter der Verwirrung in Europa nicht gelitten; t9 fange aber jetzt an, darunter zu leiden. Wenn die gegenwärtige Lage nicht geändert werde, so werde bald die Zeit kommen, wo.Mitteleuropa für die Einfuhrgüter keine Zahlung mchr leffttzn könne. Das Ergebnis würde ein immer weiter f o rt s ch r e i t e nder Zusammenbruch des rnteruationalen Handels sein, Länder wie England, die vom Ausfuhrhandel abhängig seien, würden die größte Last zu tragen haben. Außerdem würde es keine Reparationen geben, solange die finanzielle Stabilität nicht erreicht sei. Auf die Dauer werde wohl Rußland dasjenige Lgnd fein, das . die deutsche Ausftchr zum größten Teile absorbieren werde, vorausgesetzt, daß man eine solche überhaupt erwarten /könne. Welchen Erfolg der erste Schritt in 'der Regelung des Reparationsproblems habe, könne er nicht sagen. Er könne nur wiederholt darauf hinweffen, daß die Regierung keine Anstrengung unterlasse, um eine Regelung zustande zu bringen. Er habe aber nicht die Alacht, allein zu entscheiden. Besuch des amerikanischen Arbeitsministers im Rilhrgebiet. . Paris, 27. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der amerikanische Arbeitsminister Düvis ist in Paris angekommen. Davis erklärte,-daß er auch das Ruhrgebiet besuchen werde, um dort die Fabriken zu besichtigen und mit den Arbeiterführern zu sprechen. Er bedauerte, daß viele 1 Amerikaner, die,nnr wenige Wochen sich in Europa aufhalten eigentlich nur mit Politikern sprechen, sich berechtigt glauben, E u r o p a R a t s ch l ä g e zu erteilen und sich als ko-rnpetente Vertreter der amerikanischen öffentlichen Meinung hinzustellen. Nie türkische Rationalversammlnng. Angora, 27. Juli. Da die Abgeordnetenwahle tt in die Nationalversammlung noch nicht beendet sind,- wurde die Einberufung der neuen NakionawLrsammlung auf ben 12. August verschoben. Mustafa Kemal wird in der Eröffnungssitzung den Vorsitz führen. Die Nationalversammlung wird sich Ende August mit dem F r i edcnsii ertrag von Lausanne beschäftigen. ' Sie HEildischen Wahle«. Amsterdam, 27. Juli. Die heutige» Wahlen ln die echs Kammer, die zum ersten Male nach dem Proportional- Wahlsystem erfolgt sind, haben folßenbes Resultat ergeben; Katholiken 16 (bisher 21), Orthodoxe 8 (14), Christlich-historische Partei 7 (7), Sozialisten 11 (3), Freiheitspartei (Unionliberale) . 5 .(1), Freisinnige Demokraten 3 (4). ■ . ®ettett Morgenzeitung. 28. Juli 1983 Settels Mer de« In Währing hat sich gestern nachts eine blut'vge Ghetvagödie abgespielt, eines jener Drarnen, die im Men der NachlkvieMeit leilder nicht-mchr zu den Seltenheiten zählen. Nicht alle enden blutig, Viele finden ihren Abschluß im &e* richtAsaall. Es ist ein Drama des Wiener WohnungSelends. Zwei Menschen, voll von glühendem Haß gegeneinander, fitttt) geMmgen, Jahre um Jahre neLeneinanlder im engen Raum dev gemeinsamen Wohnung zu leben, ohne Möglichkeit, sich voneinander zu befreien. Tausendfach sind die seelischen- und körperlichen Qualm, denen diese Drmjch'vn ausgesetzt sind., Jeder Dag bringt neue Schikanen, Streit und Wutausbrüche, Haß und Bosheit ersinnen tätlich neue Leiden — bis es eines Tages zur Katastrophe kommt. Bor einigen Wochen erst hat ein Mann sein« Frau, von der er geschieden ist und mit der er trotzdem zusammenleben mußte, umgebracht. Gestern hat sich ein ähnlicher Fall Eignet. Der Kellner Hytha hat seine Fvau durch Revolveffchüsse, lebemsgetfährlich vorletzt. Schon lange wollte die Frau von dem Manne fort, Vox dem sie sich gMrchbet hat. Die Wohnungsnot zwang sie zum Meiden. Sie mußte mit ihm sogar im selbe» Zimmer wohnen und auf der Polizei riet man ihr) gegen den Mann die Anzeige wegen gefährlicher Drohung zu erstatten. Gestern Wh hätte Frau Anna Hycha wieder zum Kommffs-aviat Währing kommen sollen, um die Maßnahmen gegen ihren Mann zu besprechen. Inzwischenaber hatte sich das Unglück schon ereignet. Hytha erwartete vorgestern abends die Rückkehr seiner Frau, die, um möglichst wenig mit dem Manne allein zu sein, abends ausging und erst in der Nacht heimlchrte. Ms die Frau gestern nachts nach Hause kam, empfing sie Hycha mit BeschimPfiMgen. Bald darauf hörte man im Hause drei Schußdetonationen, und als die Polizei in die Wohnung eindrang, sattd man die unglückliche Frau mit schweren Schußverletzungen in einer Ecke kauernd auf. Sie war bereits bewußtlos. Der Gin Gatte schiebt ans seine «Mn. Mann ging mit dem Revolver im Zimmer aüf-mch ab' und befand sich in großer Erregung. '' Die Verletzungen der Frau sind sehr schwer. Ein Schuß war ihr in die linke Schläfe gedrungen, die beider anderen Schüsse chatten sie an der Schulter und am Ob er arm Me die Tat geschah. Der Kellner Hytha schildert'die Tat soLgendermaßen; Nach 12 Uhr nachts hat er seine Gattin, die bereits schlief, aufgeweckt und sie wegen des Ausbleibens zur Rede gestellt. Die Frau hat ihm geantwortet, er solle sie in Ruhe lasten.; Schon während sich die Frau schlafen gelegt hatte,- war er zum Tisch gegangen und hatte MschiWsLriefe geschrieben, weil er angMich entschlosten war, einen Selbstmord zu begehen. Als nun die Frau nichts von ihm wissen wollte, ging er zum , Kasten, entnahm ihm einen Revolver und trat dann mit des Waffe in der Hand m das Bett seiner Frau. -Ms die Frau ihren Mann erblickte, entspann sich ein Kampf, in dessen Verlauf der Kellner drei Schüsse losfeuevte. Nach dem ersten Schuß, der in die Schläfe der unglücklichen Frau drang, flüchtete sie sich in eine Ecke des Schlaiszimmers. Dann folgten der zweite und der 'dritte Schuß auf die Hilflose. Der Kellner Hytha behauptet, daß er sich nach der Tat selbst erschießen wollte, daran jedoch durch die bereits erschienenen PolizeibearMn gehindert wurde. Diese Verantwortung erscheint nicht sehr glaubwürdig. Die Ehchölle. Die Nachbarn des Ehepaares schildern das eheliche Zun sammonleben der beiden in grellen Farben. Bon der Wuchmwg der Hytha ertönten jeden Abend Hillferufe uwd das gellende Geschrei der Frau. Wiederholt haben sich einige Hauspavteien der Fau angenommen und sie a-sis den Händen ihres Mannes befreit. Tagesbericht. Geistige Zusammenarbeit. In Genf ist gestern unter dein Borsitz Bergs ans die internationale Kommission für geistige Zusammenarbeit zu einer Konferenz zusammengetreten. Sie bestätigte Bergson als Präsidenten und Len Engländer Murray als Vizepräsidenten. Die Kommission nahm verschiedene Berichte über den Stand der geistigen Arbeit in den einzelnen Lägern entgegen. Sie Gemeinde und die neuen Forderungen der Straßenbahner. ' Cm Teil der Straßenbahner hat bekanntlich an die Gemeinde wieder Forderungen gestellt, deren ErMung eine bedeutende Erhöhung des Straßenbahritarifes zur Folge hätte. Die Gemeinde PerhorvesKievt aber jede Daviserhohnng und würde maßvolle Wünsche ganz gerne erfüllen. Aber unter den StraßerOchnevn, welche irr mehrere Orgmiffatione-n gespalten sind, herrscht Uneinigkeit und die Gemeinde ist nicht in der Lage, untren Organisationen zu verhandeln, wblche außerhalb der Gewerkschaft, der die Majorität der Straßenbahner angehört, stehen. Die Gewerkschaftskommission hat sich unter gewisten Bedingungen bereit erklärt, die Verhandlungen mit der Gemeinde zu führen. Es hängt nun vom Verhalten der sogenannten unpolitischen Organisation ab, ob die Gewerkschaftskommistion in die Lage kommt, mit der Gemeinde über die Forderungen der Straßenbahner zu verhandeln. Kommt zwschen den Organisationen keine Einigung zustande, - so würde die Gemeinde, auf dem Standpunkte stehen, daß keine verhandlungsberechtigten Körperschaften vorhanden sind, da zufolge früherer Gemeinderatsbeschlüsse nur mit der Mehrheit der Bediensteten zu verhandeln ist.v In jedem Falle wird aber die Gemeinde, so wird im Rathause mitgeteilt, gerechtfertigte Wünsche erfüllen^ ohne daß die Tarife erhöht werdenmüssen. , ■- —-- r Beendigung der Arbeiten in HeMgenstadt. Die Entwässerung des Heiligeristädter Teiches ist gestern mittags nach zwanzig Betriebstagen (einschließlich Nachtarbeit) beendet worden. Eine nochutalige Tieferstellung der Pumpe, um den letzten Rest von etwa 10Ö0 Kubikmetern zu fördern, würde sich bei den hohen Kosten nicht lohnen. Durch Mramnung dev Uferböschung gegen die Mitte des Teiches wird der Wasserspiegel gehoben und' unter Beibehaltung der alten Pumpenstellung der Rest in einigen Purnpstunden bewältigt sein. Ber große Diebstahl aus dem Semmering. Auf der Spur der Tater. Die Erhebungen über den großen Juwelendiebstahl in -den Zimmern des ungarischen Großgrundbesitzers Halmos im Hotel Panhans werden eifrigst, sowohl von dev Gendarmerie als auch der Wiener Polizeidirektion fortgesetzt. Die Art und Weise, wie der Einbruch ausgeführt worden st, brachte die Polizei auch auf die Vermutung, daß es sich nicht um die Tat eines einzelnen handelt, sondern um ein Komplot, das von einer Verbrechergesellschäst durchgeführt wurde. Es scheint, daß bereits früher die Verhältnisse der Familie Halmos ausge«. kundschaftet worden sind und dann erst der angebliche Udo Ferrari-Marguisse aus Genua den Diebstahl aus- Mfuhrt hat. . _ ' Protest »egen einen Wischen Friedhof. Aus London wird dem I C. B. berichtet: Der Distnktsrat von Edmonton hat beschlossen, gegen die Verfügung des Gesundheitsministerinms, 19 Acker Land für eineil jüdischen Friedhof zu überlassen, Protest erhöhen. Conneiler Perrh sagte, es sei schrecklich, die Juden weinen zu hören. Die Kinder von Edmonton seien durch die Flugzeuge während'des Krieges genügend erschreckt worden. Ein anderer sagte, er wolle nicht bei fernem Fenster sitzen und meilenlange jüdische Leichenzüge sehen. — ' - Los PorMritgeschstft der Gemeinde Wien. Eine Beschuldigung gegen Siadtrat Breitmr. Wir haben vor etwa vierzehn Tagen berichtet, daß die Gemeinde Wien den größten Teil von Wien der Porphyrrt-, Syenit-. und Sandindustrie A.-G. durch Kauf an sich gebracht hat. Die, Gemeinde gelangte 'dadurch in den Besitz eines Stein-- und Schott-esnateriails, welches nach sorgfältiger Prüfung durch Sachverständige für den Straßenbau viel vorteiHafter ist als es däs brshevtze Material war. Im Gememderat wuvde auch ffeinerzett, als die Angelegenheit zur Tsiskuffion stand, der Kauf der Wtien und der Eintritt der Gemeinde in die Gesellschaft einstMmrig gutgcheißen. Nun beschuldiigte em hiesiges Morgeniblatt den St-adtrat Breitner, welcher diese Transaktion mit dem Beüw-altungvat der erwähnten Gesellschaft durchgeisühvr hat, geradezu der Korruption, todil zu dieser Zeit sein Bruder Rechtsanwalt Dr. Feier Breitner Verwaltungsvat der Gesellschaft war -und seine Aktien vordeilhaft verkaufen konnte. Es underkiegt gar lemem Zweifel, daß' diese BeschMigung, welche übrigens der gegenwärtige goschäftsführende Wizeibürgermeister Emmerling in siner schaff gchaltenen Berichtigung an das Blatt gestern vorläufig.zurückwies, aus Gründen einer durchsichtigen Wahltaktik erhoben wurde. Dr. Felix Breitner gehörte, als das Geschäft mit der Gemeinde abgeschlossen wurde, schon viele Monate vopher dem Berwaltungsrat der Gefellschast nicht mehr an. Wohl besitzt Dr. Breitner von den 8M Stück Porphyritaktten >170 Stück, die er seinerzeit als Mchtsanwalthonorar erhallten hatte. Er bot. sie auch der Gemeinde zum KMse an, aber Stadirat Breitner lehnte von vornherein das Anbot ab. Stadtvat Breitner komnlt Montag von Berlin, wo er gegenwärtig weilt und wohin ihm auch über die Airgelegenheit. berichtet wurde, nach Wien zurück. Er wird damr zu der Angelegenheit Stellung nchmen. HF* He ute Samstag ELITE-TAG Aut offener ParfcbOhne und das, grosse VarBÄW-SeneatlonspPOBMinH« ® SfciOÄiC^SlB|#S^ LlitiUirkEsrt. Yolksbelusti{;unpen, Tanz, ‘'orianclc?chlaclit etc. etc ' tteeiin, ','..7 l'Iuh KD« 'Oriandoli- 8'COII 9865995422

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.