Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1600 (27.7.1923)
- Date
- 1923-07-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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SM« MW, Fvekkkg "WULM Höpen, nicht um eine Telephottstelle bemüht hat, mag nicht iveiter Wunder nehmen. Und daß dieses Schallerbach in Oberösterreich gelegen ist, ist nur ein Grund mehr, sich zn wundern, -.venu es sogar schon Telephon gehabt hatte. Selbstverständlich gilt in Schallerbach imb Umgebung dis 'lngehörigkeit zum Judentum als eine Krankheit, die dort nicht geheilt werden kann. Im Vorjahr mußten einzelne jüdische Heilnngsnchende ans den Dörfern der Umgebung sogar Vinnen 2-1 Stunden äbreisen . . , Ans Ser Bergavgrnheit Mingers. Ein freund nnftreS Blattes schreib: uns: Die Mitteilungen in Ihrem Blaue über den Tänsling Tillingrr, der gleicii seinem Gesinnungsgenossen Paulus Maier einen Eid für die Wahrheit der Ritnaiinordbeschuldigung abzulegen bereit war, und nachdeu: er vorübcrgechei'.d als katholischer Priester gewirkt, wieder sich als Rabbiner ansgab, haben bei ienen, die das fraawürdioe P-erguügen Hallen, ihn während seiner Stndienzeir kennen zu lernen, seine besondere Neberraschnng hervorgerusen. Tillinger mar vor eiwa einem Bierleliahrhundert aus Galizien nach Wien geiommen und hatte, ausgerüstet mit den »otwe'ndigen Zeugnissen über eine entsprechende Vorbildung, Ausnahme als ordentlicher Hörer in der Wiener israelitischen ideologischen Lehranstalt gesunden. Einstige Kollegen Till Nigers erinnern »ich aber genau daran, das; der Rektor der Lehranstalt ihm vom ersten Momem an mit einem nrwerkeimdarcn Mißtrauen entgraenkam, das nicht nur durch das wenig -rLriranenerweckende Aussche:: des Seminaristelr, sondern auch durch dessen seltscune Wünsche und Gesuche bestärk: wurde. So richtete er einmal ei:: Gesuch an 'das Rekrokat, man möge ivm geflattert. nebst den Vorleinugeu über Philosophie, die von allen Suidiercuren au der israelitische,: theologischen Lehranstalt -besuch: wurden, auch die Vorlesnugen über katholische Rhetorik besuchen zu dürfen. Das ganze Wesen und Gebaren dieses jüdischen Seminaristen, von dem sich später herausstellte. das; er bereits tu Wien uon d c » 11 n rer^ n ü tz u n g e n gelebt, die ihm katholische t.polnis ch ei G e i sr l i ch e z u k o m nt e n ließe n, war dem Rkror so verdächtig erschienen, daß er, mir Hinweis aus o er schiede ne Anzeigen, die ihm gegen Tillingers nureligiöse Lebensweise;ngekommen wäret:, an das Kttratorittm der Lehranstalt mit dem Vorschlag herumrrar. Tillinger das Consilium abeundi zn erreilen. Bevor aper dieser Vorschlag ltoch erledigt war, mußte Till:i:ger es sich gefallen lasset!, aus au-deren Gründen ans der Zahl der Hörer der Lehranstalt gestrichen zn werden. Die ganze weitere Entwicklung -Tillingers bot aber nur eine Kette von Beweisen dafür, daß das Mißtrauet:, mir dem ihm :bcr Rektor begegnete, ein nur zu sehr begrnnd-e.es gewesen. Wenn Tillinger sch: den nach seiner Entlarvung ans der Rabbmerkonferen'z geleistete;! Eid. nie mehr einen religiösen Posten zu bekleiden, brechen will und unter dem Schuhe eine» presbyterischen Priesters einen eRabbin-erposten in Brasilienanstrebi, so ist er nur oerreu den Antezedenzien, uruer denen er seine Karriere iti Wierr an der israelitischen theologischen Lehranstalt — -die er so bald verlassen -mußte — begannen 'h-.tr. Er stand auch damals schon "n:er dem Schüße von Priestern, die nichts mit der jüdischen Religion zu schaffen hatten, und tvar auch damals.schon zn iedeu-. Meineid bereit. mn. „ßnMemrigsn" einer Humoristen. Sir Henrn Lucy, der sei: Jahrzehnten der Redaktion des pcii.-ii-chen WiM-ures „Punch" angchört und -in. diesem. Wihblau die parla-inemaritsche Figur des fiktive,n Parlamentsmiigl'redrs „Toby" M. P. (M'ütz-lie) des Parlaments) geichasftn hat, veröffentliche :m Berlage John Murray angebliche Tageöucherinnrrungen, die unter den: GosamttrLel „Tagebucherinnerutaen eines Journalisten" einen großen Leserkreis gesunden haben. Sir Henry, der im 78. Lebensjahre steht, verkehrte in seinem Leiben so zieriklich mit jedermann von Bedeutung und blick.- somit auf eine persönliche Erfahrung von in> gtw ähnlich er Vielseitigkeit zurück. In jctifc-u Tagebüchern, p'l-egt der witzig: Schr-iststeller mit Vorliebe die fiktive, angeblich orlebte Anekdote und erzählt unter anderem folgende ihm angeblich auverrrounen ..Erlebnisse" berühmter Leute. Der Polarforscher Sir Einest ShackleLou wurde in» Berttn dem Kuisc? Wilhelm den Zweiter! vorgestellt, und es wurde ihm vorher bedeurel. daß cs nicht üblich sei, dem Mcmarchen aus irgendeine Behauptung zn tvideersprecheu. Nach der Vorstellung „erkundigte" sich der Kaiser bei Shackleiou nach den Lebensgeiwohirhsiren der Eisbären -ir« der von Dhaü-!:wu bereisten Südpolregion. „Am Südpol gibt es keine Eisbären. Majestät," erwiderte Shackleton. „Ke-me Eisbären?" ries der Kaiser, warf Shackletou einen ver-n-.ichtsrt.den Blick zit uid fügte scharf hinzu: „Warum?" Als Mr. B-irrel in ferner EiHenfcha.fi als Minister dem. König in Balmoral bald nach der Krönung zugeterlt war, fand die Königin den Gast eines Morgens in der Bibliothek, während der König und die an-deren Gäste auf einem Jagdausflug waren. ,/Si.e hier?" fragte die Königin erstaunt. „Ja," erwiderte B'irrel, „ich hasse, Augenzeuge zu sein, wenn lebende Wesen getötet werden." Die Königin antwortete: Tann, hätten Sie ruhig ans die Jagd gehen körnen! Denn wenn Sie sich hinter den König gestellt hätten, wären Ihre lobenswerten Empfindungen nicht gekränkt worden!" Ein Admiral, der die Gewohnheit hatte, zu widersprechen, wurde einst der Körü gin Viktoria vorgestell-t. Die Königin sagte ihm in ihrer gutmütigen Art: ,^Jch höre, Aidmiräl, daß Sie jedermann wi-devsprechen, mit dem Sie reden?" — „Euer Majestät -sind nicht richtig informiert," antwortete der Admiral. „Ich tue nichts dergleichen!" Der älteste Sohn des gegenwärtiiget« Königs Georg, der fetzige Prinz von Walles, liebte es als Knckbe, sich von einer befreundeten Dame Märchen erzählen zu lassen, denen nicht bloß der Prinz, sondern auch feine jüngeren Geschwister zuhövten. Eimkes Tages, als die Dame im Buckingham-Palast ggfgiffle war, stürzte der Prinz mit seinem jüngeren Bruder Albert ins Immer und bat um das Mich« Märch'en. Allein die Dame sagte: „Heute üicht, ich. habe koine Jett, aber erzählen Sie selbst Jhrepr sürgereri Brüderchen -ein schönes Märchen!". „BerY tvell," antwortete der Prinz, .„das will ich tun!" »mb erzählte nun seinem Bruder da»? ' folgende Märchen: „Es war einmal ein Ms, armes Ehepaar, das in einer medvigeu Hütte ant Rande. einer schwarzen, tnoobchen, Heide lebte. Sie waren sehr arm, so daß sie nichs mehr zn essen hatten einen Dag und einen halben Tag lang. Der alte Mann hörte, daß seine Frau stvhule. „Was -ist dir?" fragte er sie teilnahmsvoll. „Ach, ich bin so hungrig," sagte sie, „und ich weiß nicht, was ich machen soll, um den Hunger zn stillet:." Der alte Mann dachte nach und sagte daraus: „Nun gut, ich werde dir sagen, was wir nm werden. Laß mich nur machen." Uid er erhob sich, läutete dem Bedieirwn, und als dieser ctmrat, befahl er ihnl, sofort einen großen Teller Nlit Butterbrot herei-nzubrittgcn." EM reizettlde Att-Kdote, die tatsächlich passiert seiu soll, erzähl: Sir Henry von L'loyd George aus der Zoll, da dieser Tchatzkanzler war. Lloyd George wollte m Castend einen abendlichen Besuch machet: unb liefe sich von einem Miietautomobil au eine bestimmte Adresse bringen. Ter Taxicäbchaufseur setzte dem Fahrgast am Tor eines großen Gebäudes ir Easteud ab und fuhr, nachdont er cittlo'fmt war, von dannen. Lloyd Georg: erkundigte sich beim Portier um die Adresse seines Freundes, wurde aber vout Torhüter grob angchahren. „Ich bin der Schatzkanster!" rief Lloyd George. „So?" antwortete der Vortie:. „Ist schon recht. Wir haben hier im Hanse schon sechs'. Hier ist die Landesirrenanstalt! Die Ausnahmskanzlei ist im ersten Stock, im Korridor rechts, dann lii'.7s, dann wieder r<chts die drittle Tür links, wie in der Poütik!" Käuserstreik. Die Fleischt-euerung ist gestern zum Stillstand aci'eun me». Nicht etwa, daß die F-leischhauvr eingcschen haben, es gehe nicht -aveiier. sondern weil es für die großen Fleischmengen an K ä u s e r n m a n g c l t c. Tie Käufer habert eS vorgezogen, lieber gar kein Fleisch zn kaufen, als so enorm teueres. Und da die Fleischvorräte in der Hitze nicht lange 'lieget» bleiben können, 'nt u fe i t u sich die Fleischhauer entschließen, mit den Preisen heru nt erzngehen. Man kann infolge des Ää.u ferst r e rkes mmehmen, daß die' Fleischpreise null für eine Zeitlang nicht Wörter steigen tverdeir. Die Einbrüche im Berliner Äaiserschloß. Wie aus Berlin gemeldet wird, sind die Einbrüche in das Kaiser Wilhelm-Palais aufgeklärt. Der Täter wurde verhaftet mtd ist geständig. Ein dritter Eittbruchsplan wurde durchkreuzt. Die Spuren führten auf bc.it zwanzig Jahre alten, aus Berlin gebürtigen Gelegenheitsarbeiter Paul W e sthousc. Gestern abends gelang es, ihn in enter Schankwirtschaft festzunchmen. Die Lebensmittelmiirtte. Die Aufwärtsbewegung der Fleischpreise ist gestern zum Stillstand gekommen, da der Fleilchkonsum überaus st a r k zurückgegangen und der Verkehr in der Großmarkthalle fast belanglos ist. Man glaubt deshalb, daß die Preise auch nicht mehr weiter steigen werden und daß die höchste Grenze An unsere geehrten Abonnenten! A:n 1. August beginnt ein neues Abonnement auf die ,Mleirer Movgetlzeitnng". Wir ersucherr daher, die Bezugsgebührerr mittels der zugegangenen Erlägsscheinc sofort zu überweisen/ Die Bezugspreise sind am Kopfe des Blattes ersichtlich. Um Mißverständnissen vorzubeugen, machen wir atlsruerksam, daß die ir: der Zeit von: 5. bis 20. August erscheinende Kongrehausgäbe der „Wiener Morgenzeitung" anläßlich des 13. Zionistenlongvesses int Rahmen unseres Hauptblattes erscheinen wird. Anse re stäirdigett Monnenten erhalten die 5kor:greßattsgabe ohne Aufschlag auf die normale Gebühr geliefert. Wir ersuchen unsere geehrten Abormentert, die Abonnementsgebühren so zu überweisen, daß wir spätestens am 3. August in den Besitz der Gelder gelangen, sonst müßten wir zu unserem Bedauern die weitere Zusendung der „Wiener Morgenzeitung" — auch der Kongreßausgabe — unterlassen. Separatn-onncrrrents auf die KtongreßausMbe. Für nicht ständig: Bezieher werden Separatabonnements unter folgenden Bedingungen entgegengenonlmen: Oesterreich.Kronelt 15.000 — Deutschland. Mark 20.000.— Jugoslawieir.Dinar 20.— Tschecho-Slowakei. . . . tschech. Kronen 10.— Polen. ..1 poltt. Diark 15.000.— Holland.. . holl. fl. 0.76 England.Schilling 150, Italien ..Lire 5.-- Amerika. Dollar 0.25 Frankreich uni) Belgien . . . Franken!— Rumänien.Lei 40.— Bnlgarien. Lewa 30.— Schweiz und das übrige Aitsland Franken 1.20 Bestellungen sind an die Verwaltung' unter gleichzeitiger Ueberweisung des Bezltgsprcises zn richte::. Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" ___Wien, 2. Bez., Taborstraß: 1 _ 37. Mss IKZ .. '"'M. WM --:---< der Steigerungen erreicht ist.. Gefrierrindfleisch stand in ge< nttgendetl Menge»: z:lr Berfügnltg, doch ist der Absatz trotz der; gutci: Qualität gering. Speck hat sich um 100o K. verteuert, sollst blieben die Preise sowohl im Großhandel als auch im Detailverkehr uuveränoert. Mn der Bahn sind in der Großmarkthalle gestern 14 Waggons angekommen, darunter sechs Waggonladungen Rindfleisch. Ans den Grünwarenmärktetl, die lebhafteren Verkehr mtf*' wiesen, sind die Preise für einzelne Gattungen, wie grüne Erbsen, Fisolet: und Gtlrkett, um,eilte Kletnigkeit zuruckgegangen, auch die Preise für inländische Kartoffeln haben sich unr 100 K. pro Kilogramm ermäßigt. Obst ist in großen Menget! altgeboteu. Besonders stark waren die Zufuhren von in-' ländischen, bnrgenländischen und' tschechischen Kirschen. Ebenso tvarett größere Sendungeit von Marillen, Pflaumen und Aepfel sowie von italienischcu Birnen, augekommen. Auffallend fäitvach sind Pilze vertreten. Auf dem Naschmarkte waren bl-^ Eierschwämme und Champigttons in kleinen Mengen zu seht Champignons kostetett 80,000 bis 40.000 K. pro Kilogramm Eier und Butter haben fetue Preisänderung erfahren. Wege»: eines Krebsleidens hat sich die 58jährigc Private Maria Joostak erhängt. Die 18jährige Hausgehilfin Anna H. hat sich wegeit 5lra:lkheit und Arbeitslosigkeit von der Brigittabrücke in den Donaukanal gestürzt. Sic wurde gerettet. Bei der Schlachthansbrücke imtrbe die Leiche einer unbekannten Frauensperson angeschwemmt, die acht Tage lang tm Wasser gelegen sein durfte. * Das Ncneste ist . . . Das Neueste ist nämlich, daß cs int Sommer heiß ist. Diese Tatsache ist Ztvar sicherlich nach den: verflossenelt Im:: sehr überraschend, aber sie besteht und man 'ist gezlvungen, sich mit ihr abzusinden. Die Art des Abfindens ist verschieden. Die einen besorgen es durch kräftiges Fluchen, die andere»: kaufen sick) eine Schwimmhose. Konziliante Naturen berbittden beide Methoden, iitbcut sie beim Einkauf besagter Schwimmhose fluchen, tvozi: sich ja schließlich auch ausreichetlde Gclegcirheit ergibt. Professiousmäßige Pechvögel beweiset: haarscharf, daß der Eintritt der »varmen Jahreszeit mit mathetttatischer Sicherheit am letzten Tage ihres Sommerurlaubcs zu erwarten sei oder daß das schöne Wetter bestimmt nur bis zu nt Anfang ihrer Ferienzeit »vähre»: kann. Die Gespräche uitb der Geist Wiens bewegen sich nm Neaumur mtd Celsius und die amerikanische Hitzwelle erregt die Gemüter »toch ivilder als die — leider nicht amerikanische Tcuerungs- »velle. Dollar, Tentperatnr und Preise »vellet: sich um die Wette, nur bleibt 'abzuwarten, ob alle diese Wellen auch ein Tal haben. Anhänger des hitndertjährigen Kalenders, die im Juiti eilten Sommer der bodenlosen Nässe vorausfaßten, erklärtet: nun, sie hätten altes gleich getvußt uttd wären keitteswegs überrascht. Die Salzkamincrgutwirte bekennen, daß ihre Gegend die reinste Wüste sei, in, der feit Menschengedettken kein Tropsei: gefallet: sei, cs »väre beim eine Freudenzähre über das Eintreffen eines der geliebten jüdjschen Kurgäste getvesen. Ter Herr Professor, der ans Grund verläßlicherJnforinationei: teils meteorologischer, teits finanzwirtschastlicher Natur (die letztgenannten erteilte die Frau Professor) beschlossen hatte, den Sommer in Wict: zn verbringen, beginnt begierig am .Himmel Umschau zu haltet: und begrüßt jedes Viertclkilowölkchen mit inniger Vefriedigmrg. Quer über den Stephansplatz aber wandelt ein Mann, der sich den Schweiß von der Stirne trocknet und jedem, der es hören ivill, -oder auch einigen mehr, versichert, früher hätt^ es halt so »vas nie gegeben, daß es im J»l: heiß gewesen sei. Das käme alles voi: der Republik. Ter Mann auf den: Stephansplatz hat viele Anhänger. Denn cs ist heiß, heiß, heiß. Uitb man ersehnt eine angenehmere Temperatur. Kater M u r r. * Die überanstrengten Deputierten. Kein Zweifel, sie »verdett geplagt. Ruhrbesetzung, Rüstungskredit, Reparatwnsfrage, Budget, Wehrreform, Steuernovellen, Wieoeraufbauverordnungen und »veiß Gott »vas ttoch alles die Deputierten an der Seine zu erledigen haben. Hub dies strengt an, strengt sttrchtbar an, strettgt vielleicht tvirklich s o att, daß matt es »tur dieser Ueberbeschästiguttg znzttschreiben hat, »varum die Welt eigentlich nicht zur Ruhe kommen kantt. Aber so geht cs natürlich tticht »veiter. Nicht, daß etwa die Welt zur ersehnten Ruhe kommen soll. Nein/aber die Deputierten sollet: ihre verdiente Ruhe erhalten. Ruhe, weut Ruhe gebührt. Und die Deputierten habet: sie sich erarbeitet. Daher will das Bttreau der französischen Kammer, lote „Petit Parisien" meldet, ::ach dein Zusammentritt des Parlaments den Vorschlag einbringen, bei Sitzungen bon längerer Dauer a'utomat: s-ch alle zwei Stunden eine Pause Volt ztvanzig Minuten einz::- schälten, um, »vie es fürsorglich heißt, der: Deputiertet: die Möglichkeit zn bieten, eine kttrze Zeit auszuruheit. Leider »vird nichts darüber erzählt, ob die Deputierten »väyrend der zwei Stunden, die für die „Arbeit" festgesetzt sind, auch wirklich im Saale seitt müssen. * Mnssolitlk tut Palazzo Veuezta. Der Fasgisnms schließt in sciit Resormprogramm anschcincttid auch das Dekorum ci'it; alle feilte Minister sollen in den prächtigsten Palästen Ronrs Aufnahme finden. Nachdem das Mi»ist«erinm des Aentzern von 'der Conlulta nach dem PctlaW C h i >g i übersiedeltc, soll die Pr8.sidentischa.ft des CotHMo sich im Palazzo Venezia niederlasseir: Musisoilini selbst, der nach langer Wohnungsisuche schließlich vom Senatspräisideuten Tit to ni in seinem Palast der Via Rascella Ausnahme fand, Iwt die Absicht, auch int Palazzo Venezia eimuizichen. Am Ausgang des Eorso sieht matt, aus die PiaWa di Veuezta müit'- dettd, ein riesiges Gelbäude, das auf beilden Seiten des Platzes seine Zinnen wie die einer gotischen Feste erhebt, ntit seinen Tlpitzbogensenstern. und seiner Tür in florenbiniischeM Stil. Dieser Palazzo Venezia wurde durch den, beuezianischen Papst Paul den Zweiten errichtet, dessen Li-Mugsaulfenthalt er wurde. Karl der Achte, König von Fvan-kreich, wchrvte dort! Später trat ihn Clemens der Achte der RepuMk Venedig ab, unt ihre Gesandten beim Heiligen Stuhl dort wohnhaft zu tnachen. Durch ein Schreiben Napoleons des Dritten wurde bei' Abfassung des BertrM^ von Villasranca der Palazizo Venezia, der an die Dogeuschast hätte Mvücksallen sollen, O e st e r r e i ch iibeÄasseu, das -dort seine Gesandtett beim Vatikan unterbrachte, bis er von Italien im Kriege unter Seguester gestellt turnte, obwohl Papst Benedikt dagegen protestierte. /