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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-26 · Heft 1599 (26.7.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1599 (26.7.1923)
Date
1923-07-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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YK. 1599. Men, Donnerstag Wiens« Morgenzeitung. 26. Juli 1923 Sette 5 Unregelmäßigkeiten im Bewand der ischverinvaliden. MWranch mit Unterschriften. - Prinifionen von Spende«. Ans Gmnd mchvftr'Her AnKvigen wiiod im Wiener SiHecheitsbüwaü eine umsirMeiche Untersuchung gegen den Berbaunv der Schwerinvaliden und Hilflosen Oesterreichs in Wien durchgeMrt. Die Anzeigen behaupteten, daß der Vorstand des Vereines Heinrich Gallos mit dem Faksimile der Unterschrift des Bundesministers für soziale Verwaltung Schmitz in der gröblichsten Weise Mißbrauch treibe, indem er sogenannte Bittbrieiff des Vereines, die er durch Agenten verbreiten ließ, mit dem Nachdruck der Unterschrist des Bundesnrimsters versehen ließ, so daß bei dem betreffenden Spender der Anschein erweckt wurde, als ob dev Minister tatsächlich jeden dieser Bittbriefe beglaubigt habe. Weiters hat der Verband eine Propagandaabteilung am LerchenfelderMtel 34'gegründet, die bchLEch gar nicht angemeldet war und ebenso wie der Hianptverband znm Sammeln keine behördliche Erlaubnis hatte. Aus diesem Grunde war es auch möglich, daß vor einiger Zeit ein Delegierter des Hanptvevbandes, dev in B a d e n auf Grund eines solchen Briefes und eines Schreibens, das von dem Bürgermeister der Stadt Baden befürwortet war, Sammlungen vovnahm, augehalten wurde. V wurde ftstgsMt, bo§: der Mann sich eigenmächtig die 'Unterfchriftstampiglie des Bürgermeisters hatte anfertigen lassen, da er unter Vorweisung des Schreibens mtt der Unterschrift de8 Bundesmimsters Schmitz den Bürgermeister gleichfalls um seine Unterstützung für den wohltätigen Zweck gebeten hatte, die ihm dtsser auch schriftlich zusagte. ANf Grmrd dieser Zusage deS Bürgermeisters wurde dann eigenmächtig eine Stampiglie mit der Unterschrift augefertigt und die betreffenden Schreiben signiert. Die Erhebungen gestalteten sich äußerst schwierig und ergaben, daß der Verband tatsächlich seinerzeit beim BundeSmiuistev Gchntttz Vorgesprächen hat und daß der Bundesminister dann in einem Schreiben erklärt hatte, daß er diese Mion nach Möglichkeit unterstützen wolle. Auf Grund dieser schriftlichen Zusage nun hat däNn dev Verband sich eigenmächtig eine Kopie der Unterschrift des Vundesmiwksters Herstellen lasftn und die Bittbriefe damit versehen, Außerdem wiesen jedoch diese Bittbriefe auf der ersten Sette in der rechten Oberen Ecke die Wktenzahl der Magistratsabteilung 49 aus, so daß es den Anschein erweckte, als bedeutete dies die Zahl der Genehmigung der Gemeinde Wien, während sie in Wirklichkeit bboß die Geschäftszahl der Statuten war. Der Vorstand Gallos gab bei seiner Einvernahme an, daß er im guten Glauben gehandelt habe als er die Kopie der Unterschrift des Bundesministers Herstellen ließ, da er annahm, daß der Brief, den der Minister an den Verband richtete, und in dein er seine Unterstützung ansagte, auch für die breite Oeffentlichkeit bestimmt sei. Im Zuge der Polizeilichen Erhe'büngen, die jedoch nicht abgeschlossen sind, wurde auch eine eingehende Überprüfung der Geschaftsgeharung vorgenommen und dabei ftstgchellt, daß die Agenten des Vereines, wie dies auch bei den meisten anderen Vereinen der Fall ist, Provisionen bis zu 40 Prozent des eingesammelten Betrages erhalten, und fomit dem Verein selbst an tatsächlich erzielten Einnahmen ans diesen Sammlungen ein verhältnismäßig geringer Teil übrig bleibt. Da nun der Verein auch sonst mit sehr hohen Spesen arbeitete, war es kein Wunder, daß, wie die Überprüfung der Geschäftsbücher ergab, er seit den letzten Monaten mit einem großen Defizit arbeitete. Es wurden nunmehr vereinsbehördliche Maßnahmen zur Mstellung dieses Unfuges getroffen und es wird nach Abschluß der Erhebungen die Anzeige an die Staatsanwaltschaft erstattet «werden. * Eine Demonstration von Schwerinvaliden. Gestern vormittags demonstrierten etwa 200 Schwerinvalide-, welche einer neugegründeten Organisation angehoren, in der Uuivevsttätsstraße vor dem Ge'bäude, in welchem sich die Redaktion und Druckerei des „Abend" befindet, weil dieses Matt in der letzten Zeit die Neuorganisation und ihre Leitung angegriffen hatte. Das Blatt hatte die unter Leitung eines gewissen Gallos stehende Bereinigung beschuldigt, mit heu Hakenkreuzlern Verbindung zu halten. Die Invaliden sammelten sich Mischen 9 und halb 10 Uhr auf dem Burgplatz und marschierten in geschlossenem Zuge langsam über die Lowelbastei auf die Ringstraße über den Rathausplatz und durch die Rvthausstraße in die Universitätsstraße, wo sie in der Allee gegenüber dem Gebäude Aufstellung nahmen. Sie entsandten eine zehngliedrige Deputation (durchwegs krüppelihafte Leute) und erwarteten deren Rückkehr. Als der Sprecher der Deputation mitteilte, daß die Erklärungen unbefriedigend gewesen seien, begaben sie sich auf. die andere Seite der Straße vor das Gebäude und demonstrierten. Die Kausleuie ließen die Rollbalken der Geschäfte herab. Die Demonstranten entsandten eine'zw eite Deputation, die erst gegen halb 12 Uhr zurückkehrte und mitteilte, daß die Verantwortlichen Leiter nicht anwesend seien. Die Redaktion hatte den Abdruck der vorbereiteten Erklärung verweigert. Der Sprecher der Deputation forderte die Vevsamamlteit auf, sich ruhig zu entfernen. Die Demonstranten folgten der Aufforderung und entfernten sich. Me verteile« sich die Gemei«deratrma»date auf die Bezirke? Der Wiener Landtag hat gestern die neue Gemeinde- Wahlordnung beschlossen, in der auch auf Grund der bisherigen Ergebnisse der Volkszählung die Zahl der auf die einzelnen Gemeindebezirke entfallenden Gemeiuderatssitze bestimmt wird. Der neue Gemeinderat wird nicht mehr ans 166, sondern nur aus 120 Mitgliedern bestehen. Bon diesen 120 Mitgliedern entfallen auf die Innere Stadt zwei, gegenwärtig vier, auf die L eop oldst ad t neun, gegenwärtig zwölf, auf die Landstraße Neun, gegeuwärtg dreizehn, auf die Wieden drei, gegenwärtig fünf, auf Margareten sechs, gegenwärtig neun, auf Mariahilf drei, gegenwärtig fünf, auf Neubau vier, gegenwärtig sechs, auf die Josefstadt drei, gegenwärtig fünf, auf den Alsergrund sechs, gegenwärtig acht, auf Favoriten zehn, gegenwärtig zwölf, auf Stinmeriug drei, gegenwärtig vier, öitf Meidling sieben, gegenwärtig neun, auf Hietzing neun, gegenwärtig elf, auf Ruvolfsheim fünf, gegenwärtig sieben, auf Fünfhaus drei, gegenwärtig fünf, auf Ottakring elf, gegenwärtig vierzehn, auf Hernals sechs, gegenwärtig acht, auf Währing sechs, gegenwärtig acht, auf Döbling drei, gegenwärtig fünf, auf die Brigittenau sechs, gegenwärtig acht, auf Floridsdorf sechs, gegenwärtig sieben. Artzaftimg eines Nestaudmite«. Gestern vormittags wnride auf eine Artzvige des bekkannten chemMgen ungarischen Obergeispans Julius von Szemzö im Ense Egerländer der Kunsthändler Karl Schätz artzchaRen, weil er, wie die Anzeige beifa.De, dein Oberigesp.au einen Betrag Von 60 Millionen Kronen fl«*, stöhlen hat. Der AngchlMene wurde in das GichechörtÄnrean gebracht. Er gab cm, daß von einen: Diebstahl keine Rede sein Wune, -daß er jedoch ln seinem Knr.schmMunigsgefchäsit von dem Obergespan v. Gzemzö Gelddarlehen in der Höhe von 36.000 tsch>echischen Kronen und außerdem M Stück verschiedene Cfsektenpapiere übernoinmen habe. Nach seinem Geständnis hiait er diese Wertpapiere, nm dem Ober* gespM die Züsen für das Darleihen zurückzalhlen zu können, verklauft und Vevimtrönt. Von dem erhielten Erlös von 11 Millionen KvoNen hat er dom Oberigespan dann eine Millliün als Zinsen änsgöfoW. In den Mttagsstmidm traf auch von der Obevftaidthanptimannischaft iit> Brrdapest ein Telegramm «in, das belsagt, daß der Wichtige Karl Schtatz wegen Bsrnw. ireunng von 70 Mülltonen ungarischen Kronen und 35.M) tschechischen Krone tr gosnch-t wird und zu verhaften sei. Die Erhebungen sit.d im Zuge. Sin «MardlmSieWahl im Hstel Pashaar. Gestern wurde int Hotel Panhans auf dem Semmering ein großer Schmuckdiebstahl mit einer Schadenshöhe von etwa zwei Milliarden Kronen verübt. Ein unbekannter Tater drang in die versperrte Wohnung einer im Hotel logierenden ungarischen Familie, die sich zu dieser Zeit int Speisesaale aufhielt und entwendete kostbare Juwelen und Schmuckgegenständc, darunter eine Perlenschnur und ein Paar Boutons Mit großen Brillanten. Der Verdacht, den Diebstahl verübt zu haben, richtet sich gegen einen Mann, der unter dein Rämen Marquis Ferrari seit einiger Zeit im Hotel wohnte und nach dem Diebstahl ohne Begleichung seiner Hotelschulden verschwunden ist. Jas Mts«M«sM bei KMngSkM«. Mutter Md Kind dem Gatten in den Tod gefolgt. Aus WemrMsustM wird uns berichtet: Wie erinnerlich, ereignete sich am 1. Juni bei KottiNghrnnv ÄN AntomobilunglÜck, dem der Ehansfeur Heinrich Tschürk Und sein Mffahver Hausmann znm Opfer fielien. Das Ärtto, das sich auif einer Fchvt Nach Wien bosand, NM vor? der Mederlage der Daimlerwerke Ehassis zu einer Karosserie abzuholen, iküiNl bei einer Kurve httder KotttngbrunN infolge des Regen- WÄtiers Ms dottt schlÄpfvigen Boden ins Schleudern Md übevWuig sich Mßerdem infolge eines PnouMa-jMeDts, so daß düe .Insassin herausgoschloudert wurden. Tschürk Md Hausmann wurden getötet, ein dritter Insasse namens Czüzek schwer vorletzt. TsHwk hMteMeß eine Frau urd ein zweijähriges Kind. Die Gattin, Frau Magdaiena DsckM, äußerte wiederholt nach dem MMcksfall, daß sie das Leiben ohne ihren Mci>un wicht mchr ertragen könne. Am 30. d. hÄ sie sich nmr Mit ihrem zwoijähLigen Kinde Mihmdedt Schritte MÄechallb der YWgen Rbthschen MnnitüonsfabriE in VtzN Mühlbach gestützt. Sie wurde nach einer Stunde, bereits als Leiche geborgen. Das Kind kbNnte erst «ach Met Tagen äufgvfnnden werden. Die Loicheir wtttden m die Toteickaiunier des hiesiM allgemeiu-en Kranst-ttlMilses Mkfühvt. r^’MKKJsxMntaaaaagaMammmmmmn^tmmmemtmamKmmammamimaamaamamammmmmmmmamtmKä Veralwgguwg der Blowlstiichew Bankbeamten GARTENFEST Samstag «San 28. Juli, J/ä5 Uhr nachmittags XIX., Hohe Warta Nr. 7 Programm: Lieder zur Läute, Chansons etc. Mitwirkend: Kolfscher und andere - Anschliessend Tanz 1 Karten an der Kassa des Hotel de France, 1., Schottenring und Buchhandlung L 6 w i t, Wien, L, Rotenturmstrasse 83 Letzte Nachrichten. Nadir ««sgekesert. Graz, SS. Zu«. Di« „Tagespost" meldet aus Belgrad: In der heutigen Sitzung der Sknpschtina wurde der Bericht des Jmmnnitätsausschnsses über die Auslieferung mehrerer Abgeordneter, darunter auch des Abgeordneten Na die, verhandelt. Der Bericht wurde mit Stimmenmehrheit angenommen. Alle beschuldigten Abgegeordneten, ausgenommen die SlVgeordneten Kraft und Gfoka Popovie, werden dem Gerichte ansgeliefert werden. Die Sitzung wurde hierauf geschlossen und die Skupschtina bis znm 20. September vertagt. Rekonstruktion des Kabinetts Muffoliai \ Aenderung der Jnnenpolitir? Mailand, 25. Juli. (Tel. tz. „Wr. Morgellzeitung".) Nach dem „C o r r i e r e d e l I a S e r a" spricht man in politischen Kreisen von der Möglichkeit einer Rekonstruktion des Kabinetts Mussolini. Federzoni soll das Ministerium des Innern und Ginratti das Verkehrs Ministerium übernehmen. Heranziehung der Gewerkschaften. Rom, 25. Juli. (Tel. d. „Wr. MovgerHeitung.".) Zn der Uttterredüng Mussolinis mit dem Leiter des Ausschusses des allflemeinen Gewerkschastsbundes verlautet, daß Mussolini seine Vers itw illigke it bestätigt habe, die Vertreter der organisierten Arbeiter zur Mitaribeit heranznzrehen. Voraussetzung sei aber, daß der GÄverlkschasts'bnUd unpolittsch und solbständig fti. Die Leitung des Ge-Werkschaffsbundes beschloß, möglichst bald einen Generalrat zur Beratung der neuen Gewerkschastspolitik einzuberusen. * Rücktritt zum Judentum. Herr David GotteSmanN, Fabrikant, 6. Vez., Schmalzhofgasft 12, der im Jahre 1919 ans dem Iudetttrzm ansgetreten ist, hat im Jänner v. I. seinen Rücktritt vollzogm. * Zwangsverwaltung beim „Moment". Das Warschauer Kreisgericht hat ün PrWß Noah Preluh gegen den „Moment" ausgesprochen, daß der „Moment" liquidiert werde. Die Administration wurde von dem chvistlicherr Aidvokatep Katkowski übernoUtnlen. Die übrigen Mittrchaber sind von der Vcrwaltllng beseitigt worden. * 6200 jüdische Familien ln Elsaß-Lothringen. Nach der leyten Statistik werden in Nsaß-Lothringen 6200 jüdische Familien gezahlt. * Aufnahme von AörzteN ln städtischen Tuberkulosefürsötgestelltztti Bekanntlich baut die Gemeinde Wien ihre Tnberkulosefürsvrgestellen abermals aus und find daher mehrere Stellen für Tuberkulosefürsorgeävzte zu besetzen. Gesuche um .eilte solche Stelle sind bis lättgsteüs 1. September 1923 an das 'städtische Gesundheitsamt in Wien, 1. Bez., Rathüusstraße 9, p. senden, wo auch nähere Auskünfte erteilt werden. Zu erbrittgeu ist die Präxisberechtiguug im Jnlande, nachgewiesen werden Utuß fertier die ö st e r r e i ch i s ch e Staatsbürgerschaft und die bisherige Verwcn-dilNig sowie die spezielle Ausbildung in der Klinik der Tuberkulöse, eventuell auch im Fürsorgewesen. * Amtlicher Wetterbericht. In den nördlichen Alpen herrscht schönes Wetter, Steiermark ist stark bewölkt, lieber Frankreich und Deutschland ist der HlNtyM bedeckt. Ein Regenstreifen zieht vom Kanal lsuer durch Deutschland. Voraussage: Ziemlich trüb, Gewitterneigung, zeitweise regnerisch. Meto MMrmik. In einer Fabrik in Evdberg explodierte gestern heia» Verladen ein Schwefelsaurebehält er. Zwei Personen erlitten s ch w e r e V e r ä tz u n g e n. Der Theatevarbeiter Karl Reiner bedrohte seine Geliebte mit Erschießen. Das Mädchen flüchtete. Reiner schoß sich auif dem Wahringer Friedhof eine Kugel in den Kopf und verletzte sich lebensgefährlichnd -4 , Wiener KomOsitthaUs Vor ausverkauftem Haufe fetto öeftcllt die 60. Aufführung der .MäschiNenstüMer" statt, Dia Herren Rodenberg, HofmanN, Hofbauer, Winterberg, Schueidethan stnd Pord, sowie Fräulein Rundt und Seetyaler mußten MzähligeiUal für die vielen Hervorrufe danken. Bus n« Theatern. Ap ollotheater. Während des Monats August erfolgen die baulichem llmgestaltuu^eu zur Umwaudlnutz des Theaters in ein modernes Operettentheater. Die nächste Theatersaison.. wird mit. der Erstaufführung. vöü Oskar Straus' „Die törichte Juugftüu^ eroffuei. Die JulzenierUUg leitet Oberrsgissem Ludwig Stärk, die musikalische Leitung liegt in den Hüntzötz Zr- Kapellmemers Schönbaumsfeld.

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