Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1599 (26.7.1923)
- Date
- 1923-07-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette S '' Wien, Donnerstag Staat Verantwortlichen Partei. Wie sie damals gelogen hatte, so lügt sie heute. Sie und ihre Partei scheinen ihrer Sache bei den Wahlen nicht so ganz sicher zu sein, und so muß wieder die Fälschung her. Mt ihnen gehen die Hakenkreuzler aller Riten, und in deren Schatten die internationale Sozialdemokratie, die sich an Chauvinismus nicht übertreffen läßt. Cs ist gut, daß überall Klarheit wird. Die Juden wissen, daß sie auf ihre eigene Kraft angewiesen sind. * von unserem Jerusalemer Korrespondenten. Jerusalem, den 17. Juli 1923. Palästina steht im Zeichen des Kongresses. §r beherrscht seit Wochen die Diskussion in Versammlungen u-rch in der Presie. In der vergangenen Woche fand in Jerusalem eine Versammlung der Vertrauensmänner des Nationalfonds statt, um Beschlüsie über die künftige Politik des Nationalfonds im Zusammenhang mit der bevorstehenden Weltkonferenz des Nationalfods zu fassen. Die Konferenz sprach ihr Bedauern darüber aus, daß die Zionistische Organisation und Presse dem Nationalfonds nicht mehr die Aufmerksamkeit schenke, die ihm gebührt. Die Konferenz sprach sich gegen eine Vereinigung des Keren Hajessod mit dem Keren Kajemeth aus und verlangte statt dessen eine innige Zusammenarbeit, die am besten dadurch erzielt werden würde, daß die Zentrale des Keren Hajessod nach Palästina verlegt werden würde. An Stelle -er zwanzig Prozent, welche vertragsmäßig der Keren Hajessod dem Keren Kajemeth hätte abgeben sollen und nicht bezahlen konnte, verlangte die Konferenz die Einbeziehung des Nationalfonds in das regelmäßige Budget, so daß der Nationalfonds nach einem von der Konfererh festzusetzenden Schlüssel seine Einnahmen zugewiesen erhalten würde. Welche Sympathien die vom Keren Kajemeth durchgeführten Siedlungen auf genossenschaftlicher Grundlage der palästinensischen Sache in der Welt einbringen, dafür mag ein Brief zeugen, der dieser Tage aus Paris in Jerusalem anlangte. Der bekannte Nationalökonom und Genossenschaftler Charles Gide, der schon wiederholt seiner Teilnahme an der Entwicklung Mischen Lebens in Palästina durch Bücherspenden an die Nationalbibliothek in Jerusalem Ausdruck gegeben hat, sandte an Dr. A. H i llmanu, den hebräischen Uebersetzer seines Hauptwerkes, ein Vorwort für die hebräische Uebersetzung, wv er sagt: Obzwar dieses Buch würdig befunden worden ist, in viele Sprachen übersetzt zu werden, so halte ich es auch für eine besondere Ehre, daß es jetzt in die älteste, und ehrwürdigste aller Sprachen übertragen 'wird. Mir als einem Nachkommen der Hugenotten, die an der Bibel erzogen worden sindsii-st Palästina ein heiliges Land, und mein Herz schlägt höher bei dem Gedanken, daß es sich erneuert, nachdem es 1900 Jahre von seinen Kindern verlaßen war. Ich bin glücklich, mit den Chaluzim zusammen durch dieses Buch att der Erneuerung des Landes Mitarbeiten zu können, in deffen landwirtschaftlichen Siedlungen und neuen Städten der Gedanke der Kooperation zur Tat werden wird. Mögen eure jungen Menschen aus diesem Buche das ferne Echo eurer Propheten vernehmen. . . * Im Zusammenhangs mit den Aufgaben des National- ,'onds wird Wohl auch wieder die Frage des Erwerbes neuer Ländereien gestellt werden. Und da mag es angebracht sein, einer Statfftik, welche David Joffe im „.Haporl hazair" veröffentlicht, größeve Publizität zu geben. Evez Israel umfaßt in seinen gegenwärtigen Grenzen 1,514.038 Hektar, davon sind 501.404 Hektar allein bebaut, 308.146 Hektar sind ertragssähig aber unbebaut und 704.488 Hektar sind nicht anbaufähiges Land: Berge, Wälder und Sümpfe. Nun berechnet Joffe, daß 15 Prozent der letzteren Landstrecken, -das sind 105.675 Hektar, Sümpfe sind, die durch Austrocknung in fruchtbarste Langstrecken verwandelt werden könnten. Rechnen wir diese Landstriche mit den anbaufähigen zusammen, so ergibt sich, daß 413.821 Hektar unbebauten anbaufähigen Landes 501.404 Hektar angebauten Landes gegenüberstehen. Mit anderen Worten: von 915.225 Hektar anbaufähigen Landes sind 45 Prozent nicht angebaut. Es bedarf, meint Joffe, keiner besonderen Einsicht, um zu erkennen, daß diese 45 Prozent unbebauten Landes eine ständige Gefahr von Krankheiten und Mäuseplagen für die übrigen 55 Prozent Boden, Menschen und Erde, bedeuten. Wicht der Regierung ist es, diesen jungfräulichen Boden urbar zu machen, was auch für eine lange Zeit ein einträgliches Unternehmen wäre. Das Wiener Palästina-Amt. Heute, 6 Uhr abends, findet im Sitzungssaale des Zionfftiischen Landeskomitees für Oesterreich, 2. Bezirk, Täborstraße 20a, im Rahmen einer Sitzung der Paläst i n a - A m t s - K o m m i s s i o n ein Referat des Herrn Dr. Nahum Blauer mit anschließender Diskussion über „Probleme der bevorstehenden Palästina-Amts-Konserenz" statt. An dieser Sitzung können auch Nichtmitglieder her Kommission als Gäste teilnehmen. Die Resolutionen der Misrachi-Räbbiner in Polen. Warschau, 24. Juli. (I. C. B.) Die Konferenz der, misrachistischen Rabbiner Polens spricht in ihren Re- Wiener Morgenzeitung. einberufenen Kenessio Gedahlo die Autorität ab, im Namen des gesamten religiösen Judentums aufzutreten. Diese Versammlung sei nur eine Konferenz der Agndas Jrsroel. Sie drückt aber die Hoffung aus, daß es doch gelingen werde, alle Kräfte des orthodoxen Judentums für die Arbeit für das jüdische Volk, die Thora und das jüdische Land zu vereinigen. Die Konferenz wendet sich an den 18. Zionistischen Kongreß mit der Forderung, alle Mttel zu ergreifen, um die Verletzung der Mischen Gebote in Palästina zu verhindern. Die Konferenz bezeichnet es als eine Gefahr, daß in vielen Mischen Schulen die Bibel nicht gelehrt wird, und beauftragt das Zentralkomitee des Misrachi, der Schukfrage besondere Aufmerksamkeit zu schenken und ein misrachistisches Schulgesetz zu schaffen. Die Konferenz protestiert gegen die Verfolgung der jüdischen Religion in Rußland. Sesterreich. Irr Berater der Tabalregke. Wie wir gestern berichtet haben, ist Herr Aldibrandi, der Generaldirektor der italienischen Tabakregie, zum Berater des österreichischen Tabak Monopols ausersehen. Die Ernennung eines Beraters geschieht auf Wunsch der Kreditgeber Oesterreichs und der für die Völkerbundanleihe garantierenden Staaten, da nach den Genfer Vereinbarungen die Bruttoeinnahmen der Tabakregie einen Teil der Pfänder zur Sicherung der Völkerbundanleihe bilden. Aus Wunsch dieser Kreise beabsichtigt Generalkommissär Dr. Zimmer- man Herrn Aldibrandi einzuladen, ein Gutachten über die österreichische Tabakregie auszuarbeiten. Wie wir bereits gestern berichtet haben, handelt es sich um keine Kontrolle dieses Staatsbetriebes. Ir. Zimmerman und die Bnndestheatrr. Im Zusammenhang mit der Burgtheaterkrise - wurden in den letzten Tagen dem Generalkommissär Dr. Zimmerman Aeußerungen zugeschrieben, wonach der Staatszuschuß fiir die Staatstheater eingestellt werden müsse. Es wird nun ausdrücklich festgestellt, daß ’ Dr. Zimmerman weder eine solche Aeußerung getan noch ' sich in irgend einem Stadium der Burgtheaterkrise in diese Angelegenheit eingemengt habe. Dr. Zimmerman hat auch nicht die Absicht, in Hinkunft auf die Verwaltung der Bundestheater persönlichen Einfluß zu nehmen. Er ist sich der kulturellen Bedeutung der Staats- . theater wohl bewußt und wird sich bemühen, diese Institute , auf ihrer vollen künstlerischen Höhe zu erhalten. , Sie österreichische Anleihe in Rvmiinien. Wie ans Bukarest gemeldet wird, sind in Sieben»! bürgen und im Banat auf die österreichische BAkerbmidanleihe annähernd 35 bis 40 Millionen Lei gezeichnet worden. Jmaltrumänischen Königreiche war das Interesse nicht groß, jedoch in der Bukowina wurden namhafte Beträge gezeichnet. Das Buch des Pentha-Tull. . Auf der Suche nach Beweisstücken für den „jüdischen Imperialismus" istdie „Reichspost" jetzt auf den Gedanken verfallen, die dümmsten Dummheiten der unterschiedlichen ‘ Indenspiegel abzuidrncken. Gestern hat sie einen niemals geschriebenen Aiuftuf Adolf Cvernieux in die Arbeit genommen. Wir können es uns ersparen, darauf weiter einzugchen. Bezüglich des Herrn Landau erfahren wir, daß sich die näheren Angaben in zwei antisemitischen Handbüchern befinden. Das genügt. Es wird gelogen, daß sich die Balken biegen. Wo bleibt di« Fortsetzung aus dem Buch des Pencha- Dull? Ungarn. Rationalverteidignngrdetachements. Ein rechtsradikale Organisation. Budapest, 25. Juli. (Tel. der „Wiener Movgenzeitrmg".) .In der heutigen Nationalversammlung berichtete der sozialdemokratische Abgeordnete Karl Peyer auf Grund von Originaldokumenten über das Bestehen einer rechtsseitigen illegalen Organisation, der sogenannten National Verteidigungsdetachements. Diese Detachements bestehen trotz der mehrmaligen Ableugunng seitens der Regierungsstellen und üben Rechte wie militärische Behörden aus. Sie verteilen Fragebogen in allen Häusern der Stadt, fordern in diesen Daten gegen sämtliche politisch nicht ganz -verläßlichen Personen ein, erheben.' aber auch statistische Daten über die militärischen Verhältnisse der ■ männlichen Bevölkerung, über die im Besitze der einzelnen Privatpersonen befindlichen Waffen -und Munition. Diese Detachements halten regelmäßig Uebungen ab, und gerade in diesen Tagen ist ein g-ro ß ange-legte 8 Uebungsmanöver in der Umgebung von Czegled im Gange. Das Bestehen dieser Organisation nt sehrschädlich für Ungarn. Das Traurigste aber ist, daß der Minister des Innern, die hohen Beamten -der Polizei und die Richter die Ausschreitungen dieser Organisationen nicht nur *b n I* den, sondern auch fö rd er n. Ae lllain-AWre. Budapest, 25. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeit-ung".) Bckannt-llch har d?e Instimümstlr- -.nter -tev Einwirkung der Affär.« Ulai n der Sraa:Sanw"-Uschast dic Weisung crvüu, e-:gei. alle jene öffentlichen Funküouäie d'e Anklage zu erheben. ^'.Aktien zu. einem Vorzugspreis crllal'.m haben. Wie verlautet, soll -das Versähvon bereits gegen acht 26. Juli 1923 . M UW zwei Großbanken tverden die Bücher rev>idi>eLj werden, um das nötige Beweismatevial herbsizuschcchfen. Pronay fordert weiter. Budapest, 26. Juli. (Del. der ,Mr. Movgsrzertmig".) OberstleutMut Paul Pro nah, der bekainnWich Vie Msung seiner ritterlichen Angelegenheit mit dom. Mnsitoypväsidvnden B e t h l e n nicht zur Kenntnis nahm, hat heute dem Ministerpräsiidenteni seii.e.neuen Sekundanten geschickt. Aaron Daniel gestorben. Budapest, 25. Juli. (U. T. K. B.) Der gewesene Handels« minister Baron Ernst Daniel ist in Balatvnfüred im Alter von 80 Jahren gestorben. RumSrüen. Stndentenkongreb. . Bukarest, 21. Juli. (I. C. B.) Der Kongreß der rumänischen Studenten ist für 'den 20. August nach Kla u s e n b u rg einberufen worden. Wen. Der Mische Klub gegen die Finanzpolitik der Witos-Regiernng. Warschau, 23. Juli. (Tel. der ,/Wiener Morgenzeitung".) In der Finanzkommission erklärte Abgeordneter Farbstein, namens des Jüai'chen Klubs gegen das BermögenSst e N e r p r o j e kt zu stiumlen, dr -der Jüdische Klub zur gegenwärugsn Regierung und ihrer Finanzpolitik kein Vertrauen habe. Dentschland fälscht französische Kommnnalbons? Ein mysteriöser Vorfall. Paris, 26. Juli. Ein gewisser Papazian aus Smyrna präsentierte am 20. d. an den Schaltern des Finanzministeriums eine Million Kvmmunalbons, wie sie währender deutschen Invasion von besetzten französischen Gemeinden ausgog-eben worden sind. Die oingeleit-eten Erhebungen führten zur Verhaftung Pa Pazians und seines Komplicen D o m erg u e, die behaupteten, die Bons von "einer belgischen Bank schalten zu haben, sich jedoch weigerten, diese Bank zu nennen. Heute vormittags verhaftete nun die Polizei auch einen Deutschen namens S ch w i eheste i n, Lei den: zwei Millionen Kommuna-lbons gefunden wurden, die er seinen Helfershelfern übergeben wollte. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Bons in Deutschland her gestellt worden sind. Unheilvolle Seichen der zeit. Eine Rede Lloyd Georges. London, 36. Juli. (Wolfs.) Lloyd George sagt in einer Rede in einer methodistischen Versammlung: Die Zeichen der Zeit feien t-vü'be und unheilvoll. Die Nationen bereiteten sich auf neue Krieg e vor. Die stark seien, wollen sich keinem unparteiischen Schiedsgerichte unterwerfen. England habe MM) Menschen im Kriege verloren und zchn Milliarden ausgsgeben. Ohu'e Englands Unterstützung wäre Frankreich in der Lage Deutschlands. England wolle, daß die Repavationsfvage einem inteunat-ioualen Sachverständigenauss-chuß Vovgelegt werde. Frankreich sei damit nicht einverstanden -und gche seinen eigenen Weg. Bevor sich diese Stimmung Frankreichs nicht ändere, würde kein Friede sein. Der Völkerbund werde seinen Namen erst dann verdienen, -wenn Deutschland, Rußland und die Vereinigten Staaten ihm angchövten. Die rnsstschen Flüchtlinge in Bulgarien. Sofia, 24. Juli. (Bulg. Del.-^Ag.) In: Hinblick auf dir Bemühungen gewisser russischer Krieise, die in Bulgarien lebenden -russischen Flüchtlinge an der Rückkehr in die Heimat zu hindern, sieht sich die bulgarische Regierung gezwungen, -neuerlich zu erklären, daß sie dem Werke der Repatriierung russischer Flüchtlinge sympathisch gegenüberste-he und daß sie daher ke ine Handlung dulden 'werde, die sich ihren diesbezüglichen Absichten in den Weg stelle. Die russischen Müchtlinge genießen bezüglich ihrer Rückkehr in die Heimat volle Handlungsfreiheit. Die bulgarische Regierung wird ihre Politik der Nichteilmn-ischunig in innere vusiische Fragen sortsetzen und erwari'ot, daß die M-ssische Regierung dieselbe Haltung einnchmen werde. Uebrigens werde die bulgarische Regierung eine Einmischung in innere Fragen des Landes nicht -dulden. Die Lügen der Lord Dougla«. New-Aork, 24. Juli. (I. -E. B.) Der -frühere Sekvetäl Rasputins, Simonowitsch, ein Jude, der jetzt in New- Nork lebt, erklärte -einem Vertreter des „Morni-ng Journal" -über die Vevleumdungen des Äovd Douglas -im Zi>-s-ammenhan-ge mit dein Tode Kitcheners, daß nur -d-er Zar von der Reise Kitcheners nach Rußland Kenntnis hatte. Dieser habe in angeheitertem Zustande seinem Höfling Boyakov davon Mitteilung -geinocht, -der es dem Prinzen Andronnik-otv, der als Abenteuerer und deutscher Spion galt, weitergeg-eben hat. KaM gegen de« Kv-KlN-Klan. New-Nork, 24. Juli. (I. C. B.) Aus der Tagltng des altÄ /Ordens -der Ir-la-nder forderte -der Präsident Mr. Derry zum Kampfe -gegen 'den Ku-Kux--Klan -aus und ersuchte um Unterstützung der Anti-Klan Uuity Deagne. Nicht die Juden, Neger. . Katholiken seien gefährdet, sondern die arnerrikaüisihe Freiheit IsGe Wr-KW,