Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-07-25 · Heft 1598 (25.7.1923) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1598 (25.7.1923)
Date
1923-07-25
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980679--15540-3002375
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 1595; Wen, Mittwoch Äölener Morgenzeitung. 25. Juli 1983 Seite 9 Absatz aus dein Jnlani>Snrarkt hat sich »oä'hronid der letzten MoMrtie ziemlich vegÄnläß-ia gestallet. Durchschnittlich ioerden im Jf-lcmd monatlich 22.000 Hektoliter reinen Alkohols zu KonsumOvecken abM'evt. während sich der Gesainiab'saß einschlieWch der zu technischen Zwecken verbrauchten Quantitäten an denaturierten Spiritus auf 34.000 Hektoliter beläuft. Der Abisatz ist durch prohibitive Maßnahmen in der Slowakei beschränkt. Der Export^ ist nur mit bedeutenden Opfern in be-- ■ schränAem' Maße ausvechtzUerhalteri, vorwiegend wird Trink«! spirA-us exportiert. Ms erschwerendes. Moment fällt für .den Export hauptsächlich der Mangel an Hassern ins Gewicht, weiter bilden aber auch die hohen Gestehungsrosten sowie der Valntastand ein Hindernis, namentlich für den Export nach den. Ländern mit eriwerteter Valuta. Für «den inlänldilscheu Bedarf wurde bekanntllich ein. Ialhreskonimgent von 400.000 HMolitern festgesetzt, während die Fabriken für den Export unbeschräM arbeiten dürfen. . Erhöhung der Einfuhrzölle in Polen. Die Wiener Handelskammer teilt mit, daß am 19. d. eine. Erhöhung der polnischen Einfuhrzölle vingetveten ist. Die bisherigen Koeffizienten von 11.260 und 16.000 fiitb auf 15.000 und 20.000 erhöht werden. Die Begünstigungskoeffizienten von 100, 500 und 1200 sind durch eine schon am. 18. d. wirksam gewordene 'Verordnung so geregelt worden, daß'sie in Hinkunft 10. 26 und 33,38 Prozent des höchsten Koeffizienten betragen sollen. Bei dieser Gelegenheit sind auch Verschiebungen einzelner Waren aus einer der genannten Gruppen in eine andere erfolgt. Nähepe Auskünfte sind in den nächsten Tagen in der Zollabteilung der Kammer erhältlich. Paketverkehr nach der Türkei. Die Wiener Handelskammer gibt bekannt, daß Paketen, nach der Türkei mit Fabrikserzeugnissen, insbesondere mit Drogen und Heilmitteln, eine Rechnung nrit genauen Angaben über Gattung und Preis.des Inhaltes beizugeben ist, weil sonst die Verzollung und damit die Zustellung verzögert wird. Handelsverkehr mit der Woiwodina. Oefterreichische Firmen, welche für den Absatz ihrer Erzeugnisse nach denr erwähnten Gebiete, wobei hauptsächlich Galanterie-, Mode-, Kurz, Manufaktur- und Eisenlwaren in Betracht kommen, Interesse haben, wollen ihre Adresse unter Berufung auf Z. 37.887 der Cxportabteilung der Wiener Handelskammer, 1., Bez^, Stnbenring 8, zur Weiterleitung an eine jugoslawische Bank mitteilm, welche die Vertretung österreichischer Exportfirmen übernehmen möchte. Eine Uhrenfabrik in Jerusalem. Ein Einwanderer ans der Schweiz, namens Railson, beabsichtigt die Errichtung einer Uhrenfabrik. Er hat bereits seine Tätigkeit begonnen und wird, in kurzem annähernd 60 Arbeiter beschäftigen können. Eine palästinensische Handwerkerbank. Die Handwerker ln Jerusalem und Tel-Awiw, die eine Genossenschaftsbank gemündet haben, beabsichtigen, die Aktien des Unternehmens in mtauenobMetzen. Wiener Warenbörse. . (Eigenbericht der ,Miener Morgsnzeitung".) Die Chemikalienmättte in Deutschland verkehrten wieder, in chrßerft fester Haltung. Die Preise folgten den Devisen und gingen zum Teil sprunghaft ^aufwärts.. Besonders pharmazeutische Chemikalien wurden stark angefordert und unter ihnen in erster Reihe Salizhlpräparate. Das Ausfuhrgeschäft ist weiterhin ruhig. Auf oem hiesigen Platze dauert die Geschästsstille an. Es Wird allenthalben Reserve beobachtet und für nur prompt lieferbare Ware ist Interesse vorhanden und Vorkäufe werden keine' getätigt. Gesucht waren Chlorkalk und Ameisensäure. Abgeschlossen wmden Kupfervitriol 98/99 zu 7600 K. ab Wien und inländisches Terpentinöl zu 27.000 K. Der Beeidete hatte Auftrag, Minium und Bleiglätte mit zusammen 6860 Kilogramm exekuttv zu verkaufen; zu dem AusrirfuttgSp reise m'eMen sich jedoch keine Käufer^ weshalb. , diese Artikel Freitag,' 12 Uhr mittags,' laut Art. 348 deS H.-G.-B. zum ö f f e n t l i ch e n Verkaufe gelangen. A n s g e b o t e n w u r d e n Aetzkalt 88/92 zu 12.560 K., Bleiglätte B. B. M. zu 10.100 K., Harz W. W. zu 6960 bls 6700 K., inländisches, dunkel zu 6000 K., Kupfervitriol zu 7600 Sf., Minium. Bleiberger zu 10.700 K>, Natrinmbisulfat 58/60 zu 16.600 K. tmiiftt Wien, Paraffin 50/62 gelb zu 6400 K., Ammoniaksoda 96/98 zu 3 Dinar transit Wien. Ö e l e n n d F e.t t e.. Technische Oele und Fette blieben unverändert. Sonst wurden dem-Markte zugeführt: Agmispeiseöl zu 17.400 K., Schweinefett pure lard Faßpackung zu 29.40 Dollar transit' Wien (4- 10 Punkte) und Kokosspeisefett in Fässern zu ltz.000 K. (- 600 K.) Kol o...»i a l w a r eZu unveränderten Preisen wurden ansaeboten Kaffee, Tee, Kakao-Produkte. Gewürze, -Reis und Kondensmilch. Zucker tendierte schwächer um 7l/s Punkte, Würfel und Kristall Notieren gleichmäßig 4.45 tschech. K. prompt ah Grenze nnd'ab Lager Wien je 12.400 K. (— 100 bis 150 K.), bosnische Plaumen . 95/100 in Kisten ermäßigten den Preisstand um 160 K. auf- 6200 K. Zum öffentlichen Verkauf, gelangten laut Art. 343 des - H.-G.-B. 50 Kisten (2620 Bouteillen) Stockkognak zu 33,700.000 K. verzollt und versteuert. ' . * . Zum öffentlichen Verkauf gelangen am 27. d., halb 11 Uhr vormittags, 11 Kisten zirka 460 Dutzend Feilen (Fabrik Höchst) und um halb i Uhr mittags 10.000 Kilogramm Gluckose. Mehmörtle i« St. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitnng") V o r st e n v i eh m ä,r k t, .Der Auftrieb belief, sich auf 3236 Schweine, darunter 1188 Fleisch- und 1348 Fettschweine. Außerdem, wurden noch 106 Schweine angemeldet, die erst am Donnerstagmarkt einlangen dürften. Der Provenienz nach waren 167 inländische, 473 ungarische. 1664 jugoslawische, 278 dänische, . 405 niederländische und 359 Stück aus dem Memelgebiete. Bei einer Minderzufuhr von 1400 Stück eröffnet© der Markt, in lebhafter Stimmung. Fettschweine sind um 3000 bis 3500 K. und Fleischschweine um 4060 bis 4500 K..pro Kilogramm gegenüber der Vorwoche gestiegen. ES notiertenFettschweine prima 24.000 bis 25.000 (25.500) K.. Baüernschweine 24.000 bis 26.000 K., alte Schweine 22.500 Lis 23.000 K. und Fleischschweine je «ach Qualität 25.000 bis 29.000 (80.000) K. pro Kilogramm Lebendgewicht. . . . P f erdemar kt.. ' Zum . gestrigen Markte wurden 226 Schlächter- und ' 350 Gebrauchspferde gebracht. ES notierten: Zugpferde leichte 3,500.000' bis 8,000.000 K., schwere 6,000.000 bis'. 13,000.000. K., Kutschpferde 4,000.000 bis 9,000.000 K., Pferde für Schlachtzwecke 4500 bis 9500 . K.. pro Kilogramm Lebendgewicht. Verkehr sehr lebhaft. Baumwollmartt. New-Porst, 23. Juli. Baumwollzufuhren in den atlant. und Golfhäfen 6000, im Innern 1000, Ausfuhr nach Großbritannien—-, nach dem Kontinent. 16.000. 'Lokalmarkt midäling: 23.40 (gestern 27.25). Tendenz: ruhig. — Termine: Juli 24.76, August 24.22, September 23.07, Oktober 22.68, .November- 22.48, .Dezember 22.36, Jänner . 22.13, Februar —, März ' 22.16, April —, Mai 22.12. ■ Prager Mrse. Prag. 34. Juli. Mach dem Mtü'rge'n starben Steigen,stellte sich am der heutigen. Börse eme Abschwächmvg ein. die «sich . namentlich auf dem Bankenmarkte fühlbar machte. Die Verluste der heimischen Bcmkpaviere betrugen A manchen Fällen bis ftu 30 Prozent, bei den Wiener Banken fast 16 K. In Translportnnierinchmen waren besonders Novdbrhnctktien fast, Jndustriiewerte lagen MieinheiÄich. Der Anlagemarkt bMwdöte auch heuie wiederum eine feste Haltung, wo sich namentlich Staatsp'apiere großer Nachfrage erfreuten. Exoten wiesen ebenfalls Kurssteiaemmgen auf. Der Schluß war für Anlagewerte schr fest, sonst abgeschwächt. Schluß! uw s e: Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken —.—, Böhm. Unionbank 430.—, Böhm. ESkomptebank 490.—, Böhm. Jndustrialbank 470.—, Zivnostenska Banka 494.60, Anglobmk 184.—, Oesterr. Kredit 186.—, Wiener Unionbw 236.—, Wiener Bankverein 126.—, Buschtiehrcwer Eisenbah» Lit. A —, Lit. B 214,—, FerdinandS-Norbbcchn 8000.— Prag-Dnxer 196.—, Aussig-Teplitzer Eisenbahn —! Nestomitzer Zuckerinoustrie I486.—, Vereinigte Elekttiritat Wirr 180.—, Brosche 1320.—, Kolmer Spiritus 1096.—, Königshofei Zement 1020.—. Breitfeld-Dcmek 434.—, Ringhoffer 720.— Simmeringer 162.—, Noihkosteletzer Textil 843.—, Alpini Montan 416.—, Poldihütte 520.—, Prager Eisen 1046.—, Oesterr Berg u. Hütten 2620—, Skoda 567.—. Jnwald 590.—. Ae Devisenkurse. Berlin, 24. Juli. (Devisenkurse.) — Amsterdam 161.994.-(186.657.60), Belgien 20.448.- (17.057.-), Chttstianit 67.431.— (56.666.—), Kopenhagen 72.219.— (61.047.—). StockhoÜr^ 109.726.- (92.668.-), Italienische 18.064.- <15.162.-V Äi* 1,895.250.— (1,596.000.-), New-York 412.965.- (349.126.—) Paris 24.738.— (20.648.—), Schweiz 73.716.- (61.645.50).Spanier» 58.852.50 (49.875.-), Wien 598.50 (498.75), Prag 12.468.80 (10.493.60), Budapest 28.82 (33.91), Sofia 4089.-(3391.60) Belgrad 4413.- (3690.50). ‘ , Berlin, 24. Juli. (Notenkurfe.) — Noten Dollar 412.965.- (949.125.-), Pfnnd 1,895.260.- (1,596.000.-). Jtali«. irische 18.064.60 (16.162.—), Polnische 255.— (331.—), Tscheche slowakische 12.468.60 (10.473.50), Oesterr. gestempelte 558.60 (496.76). Prag» 24. Juli. (Devisenkurse. — Dlitgeteilt dom Bankamte des' tschecho-slowakifchen Finanzministettüms.) — Berlin 0.80 (0.87V,), Zürich 696.25 (593.26), Pari, 201.12 (198.25), . London 153.25 (162.87), New-Aork 33.90 (33.22-/,), Belgrad 36.37 (35,62), Bukarest Wien 4.46-/, (4.46), Warschcür 1.80 (180), Agräm Budapest . 14.- (24.50), Jugoslawische 86.60 (35.50), Oefterreichische gestempelte Krone 4.47'/, (4.48), Polnische 1.85 (2.—), Ungarische —.— (19.—). Ln-apefk, 24. Juli. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 4224 bis 4424, Bukarest 57.— bis 64.—, Kopenhagen 1891 bis 1991, Christian!« 1747 bis 1847, London 49.440 bis 51.440, Berlin 0.0375 bis 0.0516, Italien 471.-bis 505.-, Paris 646.- bis 680.—, Prag 323.— bis 343.—, Swckholm 2870 bi» 3040, Zürich 1920 bis 2020, Wien 0.1620 bis 0.1690, Sofia 106.— bis 113.-, Belgrad 115.- bis 122.-, New-York 10.760 Li« 11.260, - Warschau 0.0730 bis 0.0870, Brüssel 636.- Lis 570.-. Agram. 24. Juli. (Devisen.) . Wien 0.1825 bi» —, Berlin 0.0230 bis —Budapest 0.65 bis , Bukarest 49.- bis Italien 413.50 bis —London 434.- bis —, New-York 9400.- bis —, Paris 660.- bis , Prag 283.- bis Sofia bis Schweiz 1685.- bis. —, Brüssel —bis —, Warschau 0.065 bis Amsterdam 3700.— bis —, Stoöcholm —. , Nelgraö» 24. Juki. (Devisenkurse.) London 434.26 bis Paris 661.-M —New-York 9426.- bis -i- Genf 1680.— bis —, Saloniki —bis —, Mailand 412.-bis-.-, Prag 283.- bis-.-. Berlin 0.022 bis —Wien 0.1930 bis , Bukarest 48.-bis-.-, Sofia 87.— bis —Budapest 0.75 bis Brüssel bis —, Amsterdam 3700.— bis —, Warschau —.— bis Warschau» 24. Juli. (Devisen.) Berlin 0.34, London 619.000, New-York 135.000.-, Prag , Men 1.90. Amsierbam» 24. Juli. (Devisenkurse.) London 11.71'/* bis 11.71»/«, Berlin 0.0006 bis 0.0006»/,. Paris 16.27V» bis 16.82-/,, Schweiz 46.40 bis 45.50, Wien 0.0036'/. bis 0.0036-/«, Kopenhagen 44.45 bis 44.65, Stockholm 67.37 bis 67.85, Christiania 41.26 bis 41.60, New-York 254.62 Lis 254.87, Brüffel 12.65 bis 12.70, Madrid 86.25 bis 36.46. Italien 11.07-/, bis 11.17*/,, Budapest 0.03 Lis Brief, HelsingforS 7.02'/, Lis 7.07*/-, Prag 7.62 bis 7.64. New-Aork» 23. Juli. (Devisen.) London 469Vi,> Paris 599.-, Berlin 0.02»/«, Mailand 487.25, Zürich 1783.-, Küpen- Hagen 1752, Stockholm2668.—,Christiania 1625,Amsterdam 3926 —, Prag 299.60, Men 0.14-/,. Budapest -»/.«, Bukarest 52.—, Warschau 0.07, Madrid 1483.-, Helfingfors 277.-, Brüffel 498.—, Kanada —mrter pari, Brasilien —, Argentinien —, Belgrad 107.—. Copyright 1023 i Nachdruck verboten, by R.L5wit-Verlag,Wien-Lelprig. (46. Fortsetzung.) 8n Polens WAdem. Roman von I. Opatoschu. Autorrsievte UebertrWung aus dem Jüdischen von Siegfried Schwitz. Seither bewachte der Hof den Rabbi stärker und ließ fast niemanden mchr zu ihm. So saß er schon das tfteizchnte Jahr einsam und allein; die Leuth des Hauses waren ihm zuwider und er lebte bloß mit sich. Und wenn der Trübsinn ihn besiel (was sehr oft geschah)/ dann schlug er mit den Händen die Scheiben aus und schnitt sich blutige. Wunden, riß das Fenster aus und mit seinem wibdmnwucherten Munde , jagte er alle von sich. Er fluchte der ganM Welt, sah aus wie ein Tier im Käsig. war schwer, zu glauben, daß der Mann, der nichts als Mt-, leid gewesen war, t&m ein Sünder näher stand als. ein Zadik, daß dieser Mann eingekerkert sitzen konnte, die Menschen.haßte und für sie nichts mchr als ein Scheltwort. hatte. ,-Seid so gut, Reb Jtsche!" Der Schammes öffnete die Tür zum Zimmer des RaM und ließ die Besucher eintreten. Der Rabbi kam ihnen entgegen. Movdechai zitterte und hatte das Gefühl, als würden ihm Hände und Füße abgehackt. -Der kleine. Rabbi mit wildumwucherten' Bart, der «ussah, als wäre er nie unter Menschen gekommen, mit wild, blickenden Augen, über . denen sich lange, Brauen wölbten, in bloßen Strümpfen, in der linken. Hand eine silberne Tabaksdose, der der Deckel feMe,.schaute auf Reh Jtsche, dann, auf Mordechai, roch an. der Tabaksbüchse und sagte dann halb zu sich, in unwilligem Ton: „Wer ist der Junge?" „Das ist ein Sohn Reb Abrahams, des Schreibers",, antwortete Reb Jtsche. .... .Der Rabbi runMe die gefurchte Stirn, um. sich zu erinnern, veMochte es aber nicht. Mit einer Handbswegmrg sprach er noch unwilliger: .gekannt, der Name ist mir bekannt, aber ich er-, innere mich nicht . . > --Ah," der Rabbi , fuhr sich plötzlich an die Stirn und reichte dann MoMchai die KanV, ,^etzt weiß ich schosi. Du solltest ein ordentlicher Junge sein, ich habe deinen Großvater gekannt . . . Heißt du vielleicht nach ihm?" Der RaMi rückte zwei Stühle zurecht, er selbst setzte sich aufs Bett. , , Das Zimmer war groß und hell. An den -Wänden lagen auf Regalien aus weißen, gehobelten Brettern unzählige Bücher. Bett, Tisch und Stühle — alles war aus den gleichen gehobelten Brettern geKirmnert, nichts trug Anstrich oder Politur. Auf dem Tisch lagen einige Tabaksdosen, ein Tintenzeug aus Messing, in dem eine Kerze stak, und ein paar. Gänsekiele. ,Deiwel Morsche, wo sind meine Pantoffeln?" schrie der Rabbi den Schamwes an, der an der Tür stand und waMe sich Mich au Reb Jtsche, „Umd du bist ein Wundertäter geworden! TreGst böse Geister aus, wie?" Verletzen senkte Reb Jtsche die Augen, wie einer, der sich schuldb^ßt fühlt, uM> antwortete nicht. Der Schammes brächte die Pantoffeln und wollte sie 'dem Rabbi auziHen; der stieß ihn weg und bückte sich'; aber es schwindelte ihn im Kopfe und >rr blieb langer als eine Minute in seiner gebückten Haltung sitzen. Langsam richtete sich der Rabbi auf und kraft'l^s, leidend,, nickte er Reb Jtsche mit dem Kopfe zu, als wollte er sich entschuldigen, daß er so schwach sei. ,,Sie haben .mich doch emgesperrt! Alle, alle, bewachen mich, sie haben noch immer Angst, meine Lehre tonnte die Kozker Chassidim vom rechten Wege äbbringenl Die Ochsen! Sie haben der Welt eingeredet, der Mensch hättr eine Sendung; wenn er die' wMich je gehabt hat, so chat er sie schon bange uns gegeben! Und wir Rabbinen, die wir die Welt vom Wilnaet Gaon und seinesgleichen erlösen wollten, wir haben die Sendung aus uns genommen und doch keine Kraftgehabt, Unsere Chassidim aufzuftellen und ihre Ohren zu schärfen; und selbst wenn sie geschärft worden wübm, fo -hätten sie alles, alles gutgläubig hingensmnren — auf fo NiedStufe ist der Mensch gesunken! Wähvetch^^Sprechens. traben Schweißtropfen aus des. -Rabbi ÄN s^men durchsichtigen SchMfen liefen die --Adew,M^^.^so!hen^ aus . wie Reaenwüvmer; die Brauen vÄeckkMdMAittzen, das Gesicht wurde bleich, farblos; Rrb Jtsche sprang auf, stützte des Rabbi Kopf in seine Hand und bat ihn: „Rabbi, wollt ihr vielleicht ein bißchen Wasser? Ihr sitzet zu viel im Zimmer! Kommt ein wenig auf den ^of hinaus!" Der Rabbi hob die Brauen, schaute Reb Jtsche lange mit träneNunterlausenen Augen an und antwortete dann kraftlos: „Sie Haben wich emgesperrt, dreizehn Jahre konnten sie ohne Mich auskommw, da werde ich jetzt nicht zu ihnen heraus!" „Aber Rabbi, ich gebe euch mein Wort, >dcrs Volk sehnt sich nach einem Wort von euch, es sitzt wochenlang in KozI nttd gelingt es einem auch nur, einen Blick auf euch zu werfett, so ist er glücklich! Das Judenvoll kommt zu euch auS ganz Polen. Kerner hat euch verlassen, RaM, sehet hin," Mb Jtsche Veutete mit der Hand zum Fenster, ,/der Hof ist voll von Chassidim!" Der Rabbi erhob sich; Reb Jtsche führte ihn zum offenen Fenster.!Zu zweit gingen die Chassidim im Hofe spazieren. Die Atlaskaftane blitzten in der Sonm, die langen, weißen Strümpfe stachen grell ab und blinkten vor Weißheit; die SchläferÄocken fielen über die Schultern. Bei näherem Zusehen konnte man merken, daß der Atlas bei manchen Röcken der Chassidim ausgerieben ivar, bei anderen war nur der Unterschlag geblieben. -Auf dom Grase — im Schatten — faßen Chassidim, spielten Karten, tranken reinen Spiritus und sangen so leise und innig, «daß jedes Ohr gebannt horchen mußte. Der Rabbi stützte beide Hände an das Fenster; it fühlte eine Leichtigkeit in sich, als wäre eine Hülle von seinen Augen gefallen; zum erstenmal seit Jahren jäh er auf seine Chassidim und fluchte nicht. Er sah, wie Chassidim regellos wie Tote, bloß mit dem Tallis-koton bedeckt, schliefen, sah, wie. der bloßfüßige Israel in Gedanken durch den Hof stürmte, das Käppchen mtf dem dicht behaarter Kopf hin- und lhervückte und die Hände rang, als wäre ihm großes Leid widerfahren. Dem Rabbi wurde etwas klar und er versann sich. Seine schwachen Augen konnten dal Blitzen der Atlaskaftane und das Leuchten der weißer Strümpfe nicht vertragen; er senkte die Bmuen, -v-rgaß daß jenrand hinter ihm stand, hörte dem Gesänge der Mkug> zu und sah sich mit einem Male in Pschyscha. (Fortsttzung fofet.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.