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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-24 · Heft 1597 (24.7.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1597 (24.7.1923)
Date
1923-07-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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I Seit» 4 Wien, Dienst«« Pik«. Keine Umbildung des Kabinetts. Marschau, 23. Juli. (Del. der Mr. Moltzenzeitung".) Dre in den letzten Lagen in der Presse verbreiteten Nachr chten über eine Umbildung des Kabinetts wenden von der „Gazeta WarszawSla" als völlig ans der Lust gegvisten bezeichnet. Prügeleien im Krakauer ZudendlertÜ. Kcaka«, 23. Juli. (Tel. der „Wr. Mvrgenzeitnng".) Im Mischen Werte! (Kazm^rz) kam cs in der „Br-eitkN Gasse" ZN wüsten Schlägereien zwischen Passanten und Juden. Es wurden zahlreiche Personen verMnudet. Der Polizei Kkickug es ktst nach heftigem Kampfe, die Angreifer zu verhcifteu, wobei eiu Polizist schwer verwundet wurde. D!« Ursache dieser Prügeleien ist noch unbekannt. Rumänien. Ae Sinata-Konferenr. Bukarest, 23. Juli. (Tel. d. „Wr. Movgenzeitung".) Der rumänische Minister des Aeußern Dnea erklärte Pressevertretern, die Auslaudspresse habe die Bedeutung der Konferenz Von Sinaia übertriMlt. Die Konferenz sei schon vor einem Jahre in Belgrad beschlossen worden. Die Außenminister der kleinen Entente versammeln sich alljährlich zum Gedankenaustausch über aktuelle politische Fragen. Diesmal empfängt Rumänien die Vertreter der kleinen Entente. Me Lansanner Konferenz habe zwar ständige Fühlungnahme ermöglicht, man müsse aber doch in Sinai« die künftige Haltung vör Zusammentritt der Völkerbundtagu-ng festlegen und in erster Linie die Frage der u n g a r t f dfji t it Anleihe durchberaten. Ferner sind die Hindernisse für eine Annäherung zwischen der T s che ch o - Sl o w ctkei und Polen zu beseitigen. Wenn der Friede in Lausanne unterzeichnet ist, wird auch die Stellung Griechenlands zur kleinen Entente erwogen werden. S e n s a t i d n e ß, sind in Sinaia nicht zu erwarten. Die Tagesordnung der Konferenz enthält zwanzig Punkte, darunter auch wirtschaftliche Fragen. Cm besonderer Fachausschuß reist demnächst nach Prag ab, um mit tschechischen Kailsleuten über Zahlungen zu beraten. Die Antwort arff das nach Prag Mitgeteilte Belgrader Programm steht noch aus. Minister Duca teilte weiter mit, das rumänische Korngspaar beaHchtige, im September Belgrad zu besuchen und dann nach R o m und Paris zü reisen. Mauen. HK Anerkennung Liiauen» durch Amerika. Kottnio, 22. Juli. (I. C. B.) Der Vertreter der aus LitalienstwmmeMen Juden in Amerika, Mr. Kamaiko aus Chicago, ist in Korona einHetrosfen. Er brach!« Dokumente mit, durch die die Bemühungen der amerKanWen Inden für dt- Anerkennung Litauens durch die amerikun'fche Regtevung de-« stätigt werden. Mr. Kamaito harte ein« Besprechung mit dem Minister für jüdische Augelegercheiten Dr. Nasenbaum und wird im Laufe der nächsten Woche vom Präfitzeuien der Republik empfangen werden. Ha« Budget der jSdischea Ministerium». Kowno, 28. Juli. (I. C. B.) Der litauische Ssjm hat dar Budget des Wäschen Ministeriums in der Höhe von 78,600 Ltt bestätigt. AeuwMen kn dm Mscheu Gemlade«. Kowno, 32. Juli. (I. C. B.) Mnffter Dr. Rofeirb aum hat für die jüdischen Gemengen ganz Ätmwns Neuwahlen ausgeschrieben, Sie am 27. mch 36. September stattfinden sollen. Gleichzeitig weiten wahrscheinlich auch die Wahlen in die Mische Nationalversammilnug staftsindett« PaWi-ll. König Faisul i« Amman. Jemsatem, 32. Juli. (I. C. B.) Der König von Mesopotamien, Farsul, begibt sich nächste Woche nach Amman, um seinem Bruder Abdullah, dem Emir von'Transjordanien, einen Besuch ültzustatteu. Diesem Besuch wird große politische Bedeutung zugeschr leben. ' Me ArM-erkonflikte in Jaffa. Ueber die bereits gemeldeten lärmenden Konflikte unter der jüdischen ArbeiterisckM.in Jaffa berichten die ,Limes": Die m i s r acht st tsch en Arbeiter hatten wegen eines Hausbaues in der Aüenibh-Straße einen Kontrakt geschlossen. Der Rat der Jaffa« r Arbeiter war darüber ungehalten und versuchte am letzten Montag eine Unterbrechung der Arbeit. Die Polizei von Tsl- Aüviw, die sich als zu schwach erwies, die Ordnung herz-ustellen, zog englische Gendarmerie heran. Diese zeigte sich allzu energisch. Eine Anzahl Arbeiter wurde verwundet, 38 verhaftet. Die Sache trug keinerlei politischen Charakter. Die Verhafteten wurden sämtlich von einem arabischen Richter zu einer Woche Gefängnis verurteilt. * Am aller Welt» Stockholm, 23. JiM. Ein von G o t h e u b a : q kommender Eisenbahnzug ist' mit einem den Bahnkörper' übersetzenden Autobus zusammengestoßen. Hierbei wurden acht Personen getötet und 19 verletzt. Berlin, 23! Juli. Ab Mittwoch wurde der Straßenbahntaris ans 6000 Dlark erbobt. Eine Umstsicckrrte wird 9M Vtark kosten Wiener: Morgenzeitung. _24. IM 1323 Nr. 16W Der Mhardt Prozeß. PriMssiu Hchemahe-Sehrlngeu vor dem Staatrgerichtshos. Leipzig, SS. Juli. (WM.) Heute begam vor dem Staatsgerichtschof unter Mifangreicheu Sicherheitsmaßna-hmen der Ehrhardt-Prozeß. Schon lange vor Beginn der Verhandlung siaM eine große Menscheümenge vor dem großen Sitznngsaal des Reichsgerichtes und wartete Ms Einlaß. Die Kontrolle ist äußerst scharf. Als Zeugen sind unter änderen geladen: Obevpwsident Noske, Reichsgerichtsrat Dr. Metz, Genemlleut-- nattt a. D. v. OlderShauseir, Generalleutnant Bernhard v. H ü I f c u aus Potsdam. Als Richter fungieren Senatsp.räsidetti Dr. S ch in i d t als Vorsitzender, zwei welkere Berufs richtet und als Lai enr ichter unter anderen Reichsminister a. D. Wisfell. Die Anklage wird von Oberreichsänwalt Ebermeyer und Reichsauwält Neumann vertreten. Verteidiger sind Rechtsauwalt Schneclein (München) und Dr. Krake (LeWg). Vm den Angeklagten ist nur Prinzessin Margarete v. Hohenlohe-O eh rin gen erschienen. Auf Antrag des Oberrekchsanwalts wird beschlossen, die Verhandlung g-egen Ehrha rdt-Llebig Md Prof. Schlösser austzuscheiden. Prinzessin Hohenlohe macht bei ihrer Vernehmung Angaben Wer ihr Vorleben und erklärt, sie habe Ehrhardt auf dem Schloß ihres Onkels in Oberschlesien kennen gelernt. Zur Zeit des Kapp-Putsches sei sie in Berlin gewesen, doch habe sie von der Rolle Ehchardts keine rechte Kenntnis gchccht. Nach ihrer Aebersiedluttg nach, München habe sie Chvhardt wieder getroffen und mit ihm einen freundschaftlichen Verkehr gepflegt. Aus Vorhalt des Vorfitzenden, dag sie doch gewußt haben müßte, daß Ehrhardt steckbrieflich verfolgt sei, erwiderte sie, sie habe geglaubt, daß Ehrhardt mit der Annahme eines anderen Namens, ein anderer geworden fei und daß die Angelegenheit Ehrhardt damit erledigt fei Der Vorsitzende Mt ihr vor, daß sie beschworen habe, den Aufenthalt Ehrhardts nicht zu kennen und mit ihm in keinerlei Verbindung zu sichen. Schließlich erklärt die Angeklagte, daß sie krauck gewesen sei und sich in großer Aufregung befunden habe und daß sie bei ihrer Vernehmung an die Möglichkeit einer Unwahrheit nicht gedacht habe. Rechtsanwalt Schl«lein sagt als Zeuge aus, die Prinzessin sei von einer unglaublichen Weltfremdhe i 1 Untersuchungsrichter Metz schildert die Einvernahme der Prinzessin Hohenlohe. Die Prinzessin habe sich zunächst aus veliglösen Gründen geweigert, einen Cid abzulegen. Irrwischen habe er von der Politzei erfahren, daß in ihrem Hause ein gewisser Horst v. Eschwege wohne, undxer habe diesen vorgeladen. In öesseit Gegenwart habe nun die PrinMin erklärt, daß sie einen Eid äblegen wolle, aber nicht einen religiösen. Mittlevwcise sei dem Zeugen die Mitteilung gemacht worden, daß Herr .Horst idsntifch fei mit dem Konsul Altmanu. Da er nun gewußt habe, das; dieser Konsul Altmanu Ehrhardt sei, 'habe er seine Maßm-hnien getroffen. Ist einer Unterredung niit Ehrhardt habe er diesen ausmerksam gemacht, daß er die Pflicht habe, die PrinzSsstn vor den Folgen eims^Meineids zu bewahren. Daranshill habe Ehrhardt der Prinzessin eine entsprechende Botschaft zukommen lassen. Zeuge erklärt, er halte die Prinzessin, die ohne Batet und Mutter ausgewachsen fei, für ein bedauernswertes Opfer ihrer Vereinsamung, das unbewußt unter den Einfluß Ehrhardts geraten sei. Uru 1 Uhr wurde die Verhandlung unterbrochen. tmmmmmrnmmBBammmmgmmmBHmmammmtmatamitmmtatmm Rundschau. Vorstoß der bayrischen Monarchisten. Bayern als Slnrmbock gegen Hie Weimarer Versassung. Miiüche«, 23. Juli. Der Verfassungsausschuß des Landtages befaßte sich in seiner heutigen Sitzung mit der Abänderung der Bestimmungen der bayrischen Verfassung betreffend das Volksbegehren und den Volksentscheid. Die Redner der o pp os i t i ö tt t X l c n Parteierc wiesen darauf hin, daß m der Herabsetzung der für das Volksbegehren notwendigen Stimmenzahk eine schwere g^fahr liege, weil das Volksbegehren zu allen möglichen Zwecken mißbraucht werden könnte. Der De'nrokrat Doktor D trr betonte gegenüber der Regierungsvorlage, man wisse nur zu gut, was gewisse Kreise in Bayern Vorhalten. Ihr Ziel sei, dis deutsche Bersassnngsfrage anfznrollen und Bayern so^herzurlchten, daß es znm Stnrmbock gegen die jetzige ReiHsverfassuUg verwendet werden könne. Das B a m b e r g e r P r o g r ä m m der Bayrischen Bolkspartei sei in vollem Umfang zum Regierungsprvgramm Bayerns geworden. Die Forderung in diesem Programm, daß die Bestimmung der Staatsform den einzelnen Ländern Überlassen werden soll, sei von überaus weittragenden Folgen. Man erreiche damit das, was P o i n c a r e w ü ns ck) e, eine Lockerung des Neichsgesüges, deren selbstverständliche Folge die Autonomie im Rheinland sein -Müßte. Minister.des Innern. Dr. Sch Wey er verwahrte sich gegen die Behauptung, als ob die Regierung mit der Vorlage bestellte Arbeit geliefert habe. Demgegenüber erklärte Dr. D i r r, daß die ganze Geschichte von den geheimen Verbänden ausgegangen sei, die, Nachdem sich ein gewaltsames Vorgehen als undurchführbar erwiesen habe, fetzt den Parlamentarismus einspannen wollten. . Bei der A b st i m M u n g wurden die Leiden ersten wichtigsten Artikel der Vorlage, die die Herabsetzung der für die Volksbegehren notwendigen Sti mmenzahl enthalten, mit den Stimmen der . Bayrischen Volkspartei gegen die Stimmen der. übrigen Parteien angenommen. AMachse« der radikalen Bewegungen in Lentschland. Berlin, 23. Juli, Wie bereits mehrfach berichtet, wird tm Reiche eine Abwanderung, der Wähler von Ven ge- Mätzigten zu den radikalen Parteien beobachtet. Einen Beweis für diese Abwanderungen Liefern die .Hungerrevolten, die soeben in Bres'lau und in Oberschlesien stattgesunden haben. Sie tasten erkennen, daß den sozialdemokratischen GewerkschaftMhrern von einem Teil der Arbeitenden die Gefolgschaft gekündigt ist. Es steht fest, daß die B r e s l a u e r U n r u h e n nicht bloß eine Revolte gegen das Unternehmertum und den Handel, sondern au ch gegen die GewerkschaftsleiLungen warSn. Der Breslauer Metallarlbeitevstveik ist gegen das Verbot der Gewerkschaften ausgebrochen. Charakteristisch ist, daß mehrere hunderte gewerkschaftlich organPerte Breslauer Straßenbahner zur DentschnationaleN Partei Wergetreten sind, um sich dem gegen den Willen der Gewerkschaftsführer ansge-brochenen Trauspvrtariöeitevstreik anschließend zu können. Jy, Oberschlesien ist bereits eine Einheitsfront z w^s chem d4m L l ubs- und Rech ts radbkal e« hergestellt. Große Teile des unter denn Hakenkreuz marschkrerrden oberschlvsischen Selbstschutzes haben sich mit den stvsikelchm? oberschleGKetz.Avbeiteru MdarijK. «rklÜrt. In Gleiwitz und Beuthen haben sich je zwei Kompagnien des nationalen Selbstschutzes mit den Streikendeil verbunden. Besprechnnge» über eine Rrichsgoldanieihe. Berlin, 23. Juli. Wie die Blätter melden, haben heute im Re ichsft na »Ministerium Besprechungen Wer die Auslegung einer Reichsgoldauleihe begonnen. Es handelt sich zunächst um die Prüftrng von Vorschlägen, die darauf hinauslaufen, daßdas Reich eine werOeständige, auf GoldMark lautende Anleihe ausnimmt, die in Papiermark nach Dollarkurs einzuzahlen wäre. TeEmingeschSste dev ReichSbank. Der Rerchswirtschaftsminffter hat d!e Reichsbank errNächtigt, Termingeschäfte in ausländischen Zah l u ng s m it teI n-u nd D o lla r scha tza n we rs ungen ohne Einhaltung der Eiuheitskuvfe abzuschließen sowie DevisLNbauken zu gestatten, nach näherer Bestinrmung der Reichsbanl für deren Rechnung Terminkäufe abzuschließen. Rnhe in Breslau. Breslau, SS. Jtlli. (ITÄ. der WieEv Morgeiczeitung".) Der Msnähmszustand über BreSlau ist,honte wieder aufgehoben worden und die Ruhe überall hergestM. Der durch die' UnrM-en cmgerichtAe Schaden wird auf d r 11 V i e r t e l B i l >l i o n e u Mark geschätzt. Etwa 200 Geschäfte wurden geplündert und beschädigt. Die' Zahl der Toten 'beträgt fünf,, die der Verletzten fi'mßzchn. Aushebung der Konsirkatlo« der Shnagogen in Rußland. Moskau, 31. Juli. (I. E. B.) Die Etzekutide der jüdischen Gemeinde in Moskau unter Mhrun-g des Herrn A. Fuchs hat sich an den Vorsitzenden des Moslkauer SowjetK Ka mell ew wegen AushMmg der Konfiskation der Synagoge n geiwendet. Ka mene w erklärte, es soi bereits ein ZiMrlar erlassen worden, daß die Konfiskation der Synagogen. aufhören soll. Er versprach auch, das Ersuchenum Rückgabe der konfiszierten Synagogen zu erwägen. Der gewesrne Minifterpriiftdent Luvu» gestorben. Perpignan, 23. Juli. (Havas.) Der frühere Mnistev Präsident Charles D-up u Y ist in Jl(e°sm-la-Det gestorben. Me Wische HilfrMigteit in der Ukraine. Paris, 22. Juli. (I. C. B.) Der Odessger Chirurg, Professor Silberberg, ist auf der Reise zum inter-- nationalen Chirurgenkongreß in Paris ein-, getroffen. Professor Silberberg ist ein Mitglied der von der - jüdischen Welthilfskonferenz in die Ukraine eirtsgndten Delegation und wird dem Exekutivkomitee in Paris einen Be-, richt über die Hilfstätigkeit in der Maine erstatten. Prv^ fessor S i l b e r b e r g ist überrascht, daß man in Europa und Amerika der Ansicht sei, die jüdische Hilfsarbeit in Rußland sei nicht mehr so dringend wie früher. Er weist, mit Ziffern und einem reichen Tatsachenmaterial nach, daß das Ende der Hilfstätigkeit eine Katastrophe herbeiführen würde. Professor Silberberg lvirdsich nach dem Chirurgen- ' kougrcß nach Ma r ienb ad begeben, wo er cm der Sitzung des Zentralrates der WtzWWrtchÄßi

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