Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1591 (18.7.1923)
- Date
- 1923-07-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Ctefe 4 Wien, Mtttvo ch Urteile in Mordfällen, U amhdenl, ob das Opfer ein Graf ade; bloß ein Jude war. Was die M ajestä tsbeleidi gu ng s> Prozesse cinbelangt, so hat deren Zahlwährend bet 68jährige»r Herrschaft Franz Josefs nicht die hohe Zahl erreicht, die die Zahl d-r Prozesse wegen Beleidigung de« NeickMrerwesers in den letzten drei Jahren aufweist. Rodner unterbreitete mehrere Resolut i o n s a n trag e, welche die Wiederherstellung der Schwurgerichte, Aufhebung verschiedener Ansnahmsgesetze, ausnahmslose Amnestierung sämtlicher politischer Verbrecher urü> Revision der Angelegenheit der Emigranten dnrch eine parlamentarische Kommission sovdern. Ae Finanzresorm. Warschau, 17. Juli. (TÄ. der „Wr. Morgen zeitung".) In hiesigen fmantzpolit>ischen Kreisen verlautet, daß ein ausländisches Fmanz'konsortium dem Finanzminister ein Anlriheaugebot in der Höhe von einer Milliarde Schweige:.. Franken gemacht habe. Zur Deckung dieser Anleihe sollen dem erwähnten Konsortium die TatbcS- und Spirrtusmonopole verpfändet werden. Die Anleihe soll zur Gründung einer Emissionsbank verwendet werden._ .' . Litauen. Münster Lr. Nosenbaom und die Müderheürsrage. Kowno, 17. Juli. (Tel. der „Wr. Mörgen'zeitung".) Die letzchin« abgehaltene Tagung des Jüdischen Nationalrates hat das Programm des neu ernannten Ministers für jüdische An» gelogenheiten Dr. Rosen bäum akzeptiert und ihm ein Vertrauensvotum erteilt. Minister Rosenbanm erklär: in der Presst, daß er es für fek>e vornehmste Pflicht erachte, auch für dir Forderungen der nicht jüdischen na t ro n al cn Minderheiten einzutretm. In der Debatte über das Expose des Ministerpräsidenten Galwanauskas erklärte der Vertreter des polnischen Klubs, daß die Polen in Litauen die Erteilung eir.er vollen nationalen Autonomie fordern. In hiesigen politischen Kreisen verlautet, daß ans Initiative des Ministers für jüdische Angelegenheiten Dr. Rosenbaum in der nächsten Zeit dem Parlament ein entsprechendes Gesetzesprojekt zur Lösung der Mmderheitsfragm in Litauen vorgelegt werden wird. Rundschau. Bor dem13. zioMenkougreß. Di« Jewish Agench. Kowno, /.17. Juli. (Del. »der ,M. Morgenztg.") Die hier tagende Konferenz der Zimristischen Organisationen hat über Antrag des Abg. Dr. R abrnsohn den Beschluß gefaßt, ihre Kongreßdelegierten zu beauftragen, am 13. Kongreß fSr die Forderungen der amerikanischen Zdmfften nMitveten mü> der neuen Exekutive die Vollmacht zur Zustmmmchetzung einer gemischten Jewish Agency zu erteilen. Eine Rede Dr. SoloiSejtstWs. London, 17. Juli. (Del. der „Wr. Morgerytg.") Dr. SÄowejtschik, Mitglied der Zionistischen Exekutive, der imf dem Kongreß über die Frage der Jewisch Agemch referieren wird, erklärte in einer Rede, daß er für die Zusammensetzung einer gemischten Jewish Agency — jedoch mit emgeMankten Kompetenzen und Vollmachten — sei. Er sprach sich auch gegen die Forderung der Amerikaner aus, die Verwendung und Verwaltung der Keren Hajessod-Fonds der Jewish. Agency zu Wergoben. Die Kongretzwahkn in Pole«. Malchau, 16. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg") Der Wahlkampf zum 18. Kongreß hat bereits begonnen. Die Gruppe des Äbg. Gr ün ba u m (Al hauüszmar — gegen die ame«k<mischen Reformforderungeh) entfaltet eine starke Propaganda in Wort und Schrift. Für die Zeit der Kongveßwcchlen wirdvonihr eine eigene Flugschrift herausgegeben, in der gegen die Heranziehung nichtzionistischea: Kreise zur Jewish Agmcy schärfftens Stellung genommen wird. Bon den 50 Kongreßmandaien dürfte die Grünbaum- Gruppe rm Wahlkampfe 80 bis 36 Mandate gewinnen. Re illterparlameutarische Souferenr in Kopenhagen. Kopenhagen, 17. IM. (Tel^Komp.) Die große interparlamentarische Konferenz, die in dichem Jahre in Kosten-' Hagen stattftndet, hat gestern ihren Anfang genommen. WS Parlamentarier aus allen Ländern sind erschienen. Auf der Tagesordmmg der .Konferenz stehen Fragen wie die parlamentarische Kontrolle der Außenpolitik, die Frage der nationalen Minderheiten, die AbrSftemgsftage, über die Lord Robert Eeeil sprechen wird. Ire panslawWsche Srientkeruag der neue« bulgarischen ReAeraag. . Bukarest, lii.Jnli. Das Orycm der Bauer npariei rn Zara, „Aurora", erfährt, datz die bulgarische Negierung den gegenwärtig in Berlim werkenden Miljuk>ow. eiulud, nach B ulgarien zu kommen nnd die Führung. der ruff.si scheu Emigration in Sofia zu übernehmen. Diese Einladung wird als ein :Symptom der Jwtmsll<Uv i stt^ch^n Or tett-t r evnm g-dre-r Z^a nik o w -Reg ier,n n g Aeweriei.Das Eintreffen Miljukows in Sofia 'werde demüächst.'er-' ^rqwtet. Wiener MortzenzeitunK. London,. 17. Juli. Das Reutersche Bureau erfährt, daß die V o rb e re i t un g der b rit i f ch e n A n-tw o r t an Derrtschlaind und der begleitenden Wlantelnote an die Alliierten die britischen Sachverständigen noch immer beschäftige. M verlautet, die Mantel Note werdr davlegen, aus welchen Gründen die britische -Regierung -glaube, daß die deutsche Note eine Antwort verdiene. Die Mantrlnvte werde ferner im allgemeinen auSemandersetzen, welche Schritte zur Lösung des Reparationsprobl-ems für nötig gehalten werden. Berlin, 17. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Wie das berliner Tageblatt" a-rrs Paris berichtet, wird der englische Antworten t w u r f auf die deutschen Vorschläge veröffentlicht werden. Der englische Reparationsplau dagegen, der erst von den Verbündeten beraten werden muß, soll geh2 im gehalten werden, um nutzlose Diskussionen in der Presse zu vermeiden. Ae Vorgeschichte der krklürung Baldwins. Paris, 17. Juli. (Havas.) Der „Matin" schreibt unter der-Ueberschvift „Wie Robert Ce eil wiederum die Entente vordiale gerettet hat", der Wortlaut der englischen RegievungserMimng, der ursprünglich von Lord Curzon verfaßt war, sei von einer solchen Heftigkeit gewesen, daß sie zum sofortigen Bruch der Entente geführt hätte. Lord Ceeil hcGe, von BaMviin unterstützt, die Initiative M Wlehnung des Entwurfes Curzons ergriffen.. Er sei so weit gegangen, Ehrhardts Komplicen. Berlin, 17. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg/^) Die Untersuchung der Flucht Ehrhardts hat, wie die Blätter aus, Leipzig melden, ergeben, daß Ehrhardt tatsächlich unter den Gefänßnisbeamten HeffeMelfer gehabt haben muß. Mehrere Beamte des Aufsichtspersonals wurden verhaftet. Der Direktor des Gefängnisses soll jedoch nicht wegen einer etwaigen Beihilfe zur Flucht von seinem Posten suspendiert worden sein, sondern wegen feiner verspäteten Benachrichtigung des sächsischen Justizministeriums und des Oberreichsanwatts. Berlin, 17. Juli. (Tel.-Komp.) Zu der Flwcht Ehrhardts schreibt der „Vorwärts": Von der so Mt wie feststehenden Tatsache abgesehen, daß Ehrhardt mit feinen Helfershelfern Leipzig auf einem in unmittelbarer Nahe der Gefangen, anstatt wartenden Automobil verlassen hat, haben di« bisherigen Nachforschungen kein positives Ergebnis gezeigt. Immerhin scheint man in Dresdner amtlichen Stellen aus b^timmten Gründen der '.Auffassung zu sein, daß Ehrhardt die Gossen des Reiches nicht hiriter sich habe, sondern sich in Deu bf-chland v e-r st-e ä t halte und einen günstigen Zeitpunkt zum Ueber-, schreitender Grenzen abwarte. Bersthiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß er sich nicht nach-SM«eutschl<md gewendet habe, sondern daß.er den-Weg nach Norddeui:sch.lam'--eirrschkng, wo er, vor allem in Me cklemb-u rg und in PVMmd^rn^ . zahlreiche Archanger zahle. In wÄtever Entfernung von LeWg dürste noch # zweites Automobil zur Ablösung bereit gestanden Mn, mit dem Ehrhardt -dann -seinen jetzigen Unterschlupf erreicht habe. MtÄarüeiterstrieL in Tchlefir«. Breslau, 17. Juki. (Tel. der „Wr. Movgmztg.-") Die Arbeiterschaft aller dem Verband schlesischer MetallindustriÄIer angchöviger Fabriksbetrvöbe hat -gestern beschlossen, in den Aus-- stand zu treten. Dem Verbände gchören fast sämtliche großen Betriebe Schlesiens mit vielen tausenden Arbeitern M. Ae Schlacht des Srküienr. London, 17. Juli. Das Reutaffche Bureau meldet aus Pietermavitzburg: .Auf dem Kongreß der Mwfvikmvischen Partei wies General S muts aus die verworrene Lage Europas hin. Die Eüwpäer wüßten, wie man Krieg sühve, sie wüßten aber im Gegensatz zu den Südafrikanern wüch-t, wi-e m am Frieden machen müstse. Wenn Europa sich nicht erhole und die großen Absatzmärkte, insbesondere diejenigen Englands, nicht wiederhergestellt würden dann werde Großbrüamrien mit feiner Bevölkerung von35 Millionen inein-e furchtbareLage kommen. Redner billige durchaus die Haltung des britischen Premierministers. Es sei seine Absicht, aus der kommenden b r r tts che n Reichskonferemz im Namen Südafrstas die Sch-l^cht des Friedens zu kämpfen. - . i Mer Srmrose» ln Ientschland festgehalten. Parks, 17. Juli. (Hüvas.) Nach dem „Eolai^ halbe Mimsterprästderrt Poincave die Liga für die M^nfcheUrechte vevstandigt, daß' vier Franzten in DeuffchlcM widEechtlich fest gehallten würden. Ar rnsMr Freiheit. Berlin, 17. Juli. Die ,M>Mche Zeitung" meldet aus NawGork: Die Lage in Rußland beschäftigt fortgesetzt die amerikanische Avbeiterföderation. Ihr Führer G o m p e r s veröffentlichte gesteM einen offenen Brief, an die Senatoren King und Le dt, worin' er folgende Fragen stellt: 1. Gibt es in Rußland P-r e ffs,e-jfv.eih-e>it wwd Postgeh^imnisise? 2. Hat die Arbeiterschaft das Recht, sich ohne Zustimumng der Regiemng zu organifieren? 3. Sind die Mitglieder her Sowjetbehördem gleichzeitig aüch Mitglieder " dev Dritten Iutevnationale? ' * , 4. Bis zu welchem Grade dulden die Sowjetbehördeu die P-ropagamda der Dritten Internasionolle-i 18. Jlttt 1983 Nr. WA) seine Kollegen zu fragen, ob sie glaubtelr, daß England'beresi sein würde, gegen Frankreich Gewalt zu gebrauche n, -um dessen Zustimmung zum britischen Stanli^uM. durchzuisetzen. Die Antwort habe einhellig verneruemd gelautet. Schließlich sei der Kabinettsrat der Ansicht geiwosen, daß die einzige mögliche. Folge der Annähme des WovÄanteS Cucho-nS die fein würde, einen Bruch herbeizusühren, der Frankreich jede Freiheit gelben würde, Deutschland niederzrffchmettem. Das ist, sagt der „Matin", gerade das, tvaS die englische Regierung um jeden Preis vermieden wissen will. . Piincarer Rede. Paris, 17. Juli. (Havas.) ,/Petit Parvsien" meldet attV London: Die Blätter berichten, daß eine halbamtliche französische Mitteilung eintzelau.sen sei, worin festgestellt wird, daß die Rede des Ministerpräsidenten Po ineare in Senlis vor den EMärungen 'das Premierministers BalVwin und des Außenministers Curzan, vom letzten Donnerstag niedergeschrioben gewesen sei, nnd daß daher die Abfassung, wonach die Rede eine Erwiderung ans diese EMärungen. darstelle, nicht am Platze sei. Botschasterempsänge in London. London, 17. Juli. (Havas.) Außenminister Cuvzokt hat gestern den frangöfischen uuv hierauf den italienischen Boffchaster empfangen. Der a m e r ik a n i s ch e Botschafter in London, H a r v e y, wird sich, wie endgültig.feststeht, iu einigen Wochen auf seinen Posten zuruckbegeben. 6. Ist der Rätestaat wirklich eine Republik? 6. Sind die Sowjets gewillt, ihre ä u ß e r e n V e r» pflichtungen anzuerkenn'en? 7. Wünscht die Sowjetregierung wirklich, von den fremden Regierungen anerkannt zu werden? - 8. Mrd den Gästen der Sowjeiregiernug wirklich Gelegenheit gegeben, Rußland zu sehen? 2er öowjetvertteter i« Rom. Moskau, 17. Juli. (Molff.) Nach einer Meldung der Russischen Telegraphenägeutur ist zum russischen Vertreter in Rom Jordanskij ernannt worden. * Aus Mer Wett. Madrid, 17. IM. (Havas.) Durch eine Explosion schlagender Wetter sind >m Baltasara dreigehn Berglvuche getötet wocken. Bukarest» 17. Juli. (Ovient-iRMo.).tDiie große radiotelegvaphffche Station von Groß Wardein ist nunmehr seMggesbelli. Zahlreiche Persö-MchSsrte-n hatten, Gelegenheit, in der Station ein Ködert der Pariser Oper, dasaus radio-. tMphonischom Wege überMrttckt wurde, anMhören. Paris, 17. JullüMavas.) Nach dem ,Mho de Paris" ist in der Modemlie der Wssenschafben die Wtterlu-ng gemacht Wochen, daß Kvsi lftanMdsche Aerftte eine vorbeiWende Impfung gegen Masern svftmdsw hätten. , Habile, clss. IM. Wber Hallle und ssire weitere Umgebung ging heute nachmittags ein schwerer Hagelsturm nieder, der einen großen Teil der Ernte vöMommon vernWete. Ktlag.enifar ti, 17. IM. In der Migen^ LandesirrewanslM stieß gestern MchmittcW ein Megling. der eirver. iKommisfion vorgesührt werdm sollte, dam Weiger M Mes^vv in den Hals, wodurch die Schlagader ldurchtwnnt Wurde und der Tod säst augenMckW ointrat. Tagesbericht. Mett Laras gestorben. Der Sekretär -er Joint-^Zentrale. London, 16. IM. (Tel. der,Mr. Moogeltzeitimg".) Herr Mlbevt Lineas, Sekretär des amevrkmrischen Ioin: Distri-. lbutüm ConmMae, »der sich im Auftrag dichvv Mssorganisation in dm letzten Wochen in England anshielt, ist anr 13. d, i« London im lMer von» 64 Jahren gestorben. Für den gstdWm Rati omüfonds. Eine 5000 Pfund-Spende des Herrn Mond. Aus London wird uns berichtet: Sir Alfred Mond überreichte dem NatioMlsondsbureau einen Scheck aus 6000 Pfand als Spende für den Keven Kaljemeth l'Jsrael. Es ist dies der dritte Scheck ans dieselbe Summe, den Sir Mond dem Nabionaillsonds Pr Zwecke des LaMMfes in Palästina übergÄen hat. Im ganzen hat Sir Alfred Mond für. diesen' Zweck 25.000 Pfund -göffendet. 2ie Zudenmission kn London. Die Messe j« hebräischer Sprache. A>äs London wird uns geschrieben: Die Iudenmissiott beginnt sich in London wieder auszubveiten. Arff einer letzchi» lab,gehaltenen Versammlung von Missionären wurde beschlossen, der jüdischen Eigenart mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Es wird nunmehr au jedem Freitag abends. eine And ach : in heibräffckM Sprache abgchatten; am SaWatmorgon wird die Messe in hebräischer Sprache gelesen. Außerdem werden, Kurse in hebräischer, Mischer und >deutscher Sprache vevanstältet. Die kinwandermg nach Amettla. Das Wettrennen um die Quote. Aus New-Nork wir uns geschrieben: Am 1. Juli begann deü neue Termin für die Einwandemngsquote des kommenden Jahres. Dieser Zustand Vvvanlaßte die verschiedenen Schiffsahrtsgesellschaften, eine förmliche - Wettfahrt ihrer Passagierdampfer zu veranstalten, da jedes Schiff als erstes in den .Hafen - emlaufen wollte, um sich der mitführenden Auswanderer rasch/