Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1590 (17.7.1923)
- Date
- 1923-07-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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91t. tffiO WS»i, DWSKtz Bor dem 13. zkMftenkonüreß. Pwg, 15. lJM. M. dev -Mme-v MoVgenMmg^ ,Zrmr Kongreß wrrrdm MH Mrttsvkmg der Hcmpüvahl- LMmrifston des ffchechbfflowakischen Ziorristffchen LanbeS-! veMindes gew-ählt die Herren Norbert Adler (Prap), >Dr. Emil MargulteS (LovLmeritz), Dr. Josef Rufeisen (MLHvffch-Ostvau), Dr. Mthrlim Gternbach (MMoevo), rrck> «Ls .ErsatzwMM Rabbiner Dr, Deszö Kl-e i n (Newtva). Besprechungen WetzmaMs mit Baron Rothschild. Wie die Londoner ,/Jewish Times" berichten, weilte Professor W-erzmernn einige Täge in Paris, wo er eine längere Besprechung mit Baron Ednrond Rothschild hatte, die, wie angeMMmen wird, die Arbeit der Jen in Palästina und die Znfmnmeufttzung der Jewrsh Zlgeney Fmn Gegenstand hatte. Die Zwmstffche Lairdesföderation von Frankreich hat der Wetzurannschen Politik betreffs -der Jewvsh Agency beigöpslichtet. Zu DÄegierten für den 13. Zionistenkongreh wurden die Herren Hllle'l Zlatopolsky und Dr. F i ldermann gewühlt. Nehemia de Lieme im Haag gewählt. Haag, 16. Juli. (I. E. B.) Mit gwßev SiimnlLnuubrheit wurde Herr Nehemia d e Li eme vom niederländischen Ziontstenverband zum Delegierten für den 13. Zionistenkongreß gewühlt. Schiveizerischer Zionistentag. Dev diesjährige Delegierbentag der schweizerischsn. Zionisten fand am 8. d. in Bern statt. Me erstatteten Berichte ergaben das Bild einer gesteigerten Tätigkeit. Der Kevm Hajessod weist verhältnismäßig gute Erfolge unter Zionisten wie unter Nichtzionisten aus. In Genf nmrde eine Ortsgruppe gebildet, die vorzüglich arbeitet. Dem AntisemitisiVUs in der Schweiz wurde besondevrs Augenmerk gewidmet. Beste Erfolge weift dev Natrow-kfouds ans. Der Präsident des Landesverbandes Dr. Felix Pin- I u § hielt ein übersichtliches Referat über die gegenwärtigen Strömungen im Zionismus, auf Grund seiner Eindrücke von der Dresdener Tagung der deutschen Zionisten; es endete mit ^nem Bekenntnis zur Weizmanns ch e -n Politik, der Erweiterung der Jelwifh Agench durch nichtzion'.stische Persönlichkeiten. Einen anderen Starrdpmikt nahm Herr A. I. R o m ein, der von Dr. Bans Kvhn und Dr. Marx bekämpft wurde. An dev weiteren^ Debatte beteiligten sich die Herren Adler, Born stein und D. S k I a r. Eine Resointio-n zugunsten dev Wetzmannschon PoMk, die ganz am Ende der Tagung eingeveiht wurde. konnte üer uruiudten Zeit wegen nicht mchv zur Abstimmung gelangen. — Als Vorort wurde Zürich bestimmt. Auf dem Kongreß werden die Herren Dr. Pintus, S. Lewin und Josef Bol lag dm VeMmd veritreten. Konferenz der Msrachi-Rabviner in Polen. Warschau, 16. Juli. (I. C. B.) Fünfundsiebzrg der angesohnsten Rabbiner Polens, die dem Misrachi rmgehören, sind in Warschau zu einer Konferenz zusammengetvetön. Auf der Tagesordnung^ stehrn: Die Gegenwartsarbeit der Misrachi, Verhältnis der Msra'chr zu anderen Organisationen, Verhältnis zur Keine ff iah Gedolah, Organisierung der Rabbiner, die Aufgaben dw Misvachi in Erez Israel und anderes. Die neue Zivilisation in Palästina. Große Begeisterung aus der .Konvention der amerikanischen Zionisten in Baltimore rief ein Brief George W. Gehmonrs, des Korrespondenten der „New-Tjork Evening Posll^, der unlängst aus Palästina -znvückgekehrt ist, hervor, Worin Sehmour sich als „MchPtden, aber kemeAveK iM Nichtzionfften" bezeichnet. ' In seinem Schreiben an die Konvention schildert Mr. jSeyNwur in glühenden Farben seine: Eindrücke in Palästina , lnnd fordert Amerika bringend-anf, auf die Meimmgett und Warnrufe Dr. Weizmanns zu achten, um die Archedlung der größtmöglichen Zahl von Pionieren in Palästina ZN'erzielen. Mit mcherovderMcher Bewunderung spricht er von den Arbeiten der wviblich-en Pioniere in Palkästina, die -dort Seite an Seite mit den Männern Schweriarbert leisten, indem sie beim Steinbrechen und Straßenbau! tätig sind und mtch' beim Häuserbau Magerer- und andere Arbeiten verrichten. Des weiteren habe auf ihn den jgvößten Eindmck die Tatsache gemacht, daß dort von 'den Juden fast gar keine Ve rb r e ch e n begangen werden. >,Dev nachhaltigste Eindruck, den ich in Palästina erhielt" schreibt Mr. Seymour unter anderem, „die tiefste Uebertzngung, die ich dort gewMn, nachdem ich es verlassen hätte, war, daß bei dem Wiedevausbmt dev jüdischen Nation auf festen Grundlagen eine msn, weniger komplizierte MMsativn geschaffen wird, -die eines Tages sogar geeignet fern Knute, unserem großen und selbstlosen Amerika als Muster FN dienen für neue Eingebungen und neue Ideen für ein großartiges, aber so heterogenes Staatsivesmr. Was michabev am meisten m sMästim^eMiWn- Hat, war dre Ur- Ißeüj dev Frauen. Ich fand' sie,'''an.-den Jasten.mrttragend gleich dm MNnem, Straßen Laueich, Sterne aus den Felbevn entfernend, Scheunen und Fcmmhäuser errichtend usw. Sie sind gWklrch, Äim AnfrAhten des Gerüstes 'ihres Raitional Home rMAig zu sein." ' Mr. Schnrouv eErt, .nach allenr, was er dort bevbachtm komrte, überzeugt zu fern, daß das von den Juden jmi WUüm sich gestellte Ziel erreicht werden wird. So WreLder-in der „New-Nork-Evening Post"' vom-16. Jtmr: Wkener: MoegMzettmrg. 17. Juli 1923 Seite 8 Gue Bluttat in der Znneren Stadt. Gräfin und Rittmeister. entstand^, die schließlich zu eimeM völligen: Bruch führten. Es kam auch zu Streitigkeiten wegen, der Wohnung, die Dovrtiel durch das Wohnungsamt auf ordern ließ. Der Prozeß wurde sö entschieden, daß die gräfliche Familie drei, Dovrtiel zwei Zimmer zugesprochen wurden. Es entstanden öfter Anseinaudersetzmtgen zwischen Franz Revertera und seinem Untermictcr, und gestem, nach einem solchen Disput, reiste Revertera plötz-. lich nach Salzburg. In seiner Abwesenheit hat sich in seiner Wohnung die schreckliche Tragödie abgespielt. Kurz nach -der Abreise' des Grafen wollte die Köchin das Essen austvagen, fand jedoch ihre Dienstgeberm nicht, vor. Das Zimmer des Rittmeisters tvar verschlossen, doch hörte die Köchin von dviuu-en Stimmen. Gestern früh, als sie ihren Dienst wieder antrat, fand sie das Zimmer, m dem der Rittmeister wohnte, noch immer versperrt vor. Sie verständigte den Sohn -der Gräfin und mit Hilfe des Hausmeisters drang man in das Zimmer ein. Aus dem Boden lagen nebeneinander die Leichen der Gräfin und des Rittmeisters, beide mit Schußwunden in der Herzgegend. linier der Leiche des Mannes lag ein Browning.. Nach dem Gutachten des Arztes dürfte der Tod schon vor mehreren Stunden emgetreten sein. Offenbar hat Dovr- ° tiel zuerst die Gräfin evschossen und dann die Waffe gegen sich selbst gerichtet. In der Instern Stadt hat sich Sonntag nachts eine blutige Tragödie abgespielt, deren Opfer die Gräfin Anna Revertera und der gewesene Rittmeister Rudolf Dovrtiel sind. Noch sind die Unrstäude der Tat nicht völlig aufgeklärt, und man weiß nicht, ob es sich um eine Lteüestragödie handelt oder ob es ein durch einen Streit hervorgevufener Mord mit nachträglichem Selbstmord des Täters war. Im Hanse, WoihbnMasse 22, wohnte die Familie des Grafen Franz Revertera. Zwei Zimmer der Wohnung hatte als Untermieter der Rittmeister Rudolf Dovrtiel inne. Nor etwa zwei Jahren war Graf Fvrnz Rebertera mit ferner Gattin Anna und seinem 16jährigen Sohn in die Wohnung, die er vom Grasen Walterskrrchen übernommen hatte, eingezogen. Fast zur gleichen Zeit lvar auch der Rittmeister emgezogen und auch in das von Revertera betriebene Geschäft als Kompagnon eingetveten. Nach einer Version faßte der Rittmeister m der; chönon Gräfin eine tiefe Reigmtg, '.'w jedoch von ihr anscheinend nicht erwidert wurde. Immerhin aber unternahmen die beiden oft gemeinsame Ausflüge, und die Bezvchunge«, die zwischen Dovrtiel mrd Frau Revertera bestanden, könnten die Ursache des blutiijert Dramas fein, das sich am Sonntag abgespielt hat. Nach einer audvven Darstellung beistanden zwischen dem Rrttmeffter und dem Grasen Revertera schon seit längerer Zeit MWeMgkeiten. Dovrtiel war Teilhaber des von Revertera' betriebenen Geschäftes. Schon vor längerer Zeit waren zwischen den beiden Kompagnons Differenzen geschäftlicher Natur ,^fch' kam nach Palästina in der Erwartung, dort den Traum dev Zionisten von der Schaffung eines Mffchen National Home zum Fchlschlagen verurteilt zu finden. Ich fand aber nicht nur, daß dieser Traum schon konkrete Formen anigeuommen hcch. soudem -daß er auch dazu bestimmt ist, vollkommen in Erfüllung zu gehen. Eine Reise durch die 55 Kolomen in Judäa, Srmaria, Ober- und Anter- Galiloa -hat mich davon überzeugt, daß die jüdische Nation, wenn auch llaugsam im Errtwickeln, so doch auf sicheren Grundlagen ausgebaut wird." Um den Geist der jüdischen Pioniere M illustrieren, schreibt Mr. Sehmour in der „New-Dork Evening Post": „Da ist zum Beispiel die kleine Ansiedluug N a h a l a l in Unter-Galiläa von einer Gruppe von Juden bearbeitet, deren Losungswort ist: „Palästina unter allen Bedingungen." Sie gebrauchen das Hebräische als Muttersprache und sind als Individuen ins Land gekommen, um ihr ständiges Heim in Palästina aufzuschlagen. Nichts als erm: Sintflut könnte sie zum Mauken bringen." mmmnsmammmmmmmammmmimmmum Im Alter von 69 Jahren ist Prof. Jerusalem Sonntag morgens in seiner Hützinger Wohnung plötzlich gestorben. Eine der bedeutendsten, vorn-chmften und edelsten Gestalten der Wiener Gelehrtengemeinde, einer der verehrnngsiwivridWen Juden schied aus dem Leben; ein herrlicher, schier unersetzlicher Mensch. Denn Figuren von solch menschlichem Vollwuchs und innerer Vollendung gab es seit jcher nur selten, gibt es in unserer Zeit fast keine. Eine ethische Persönlichkeit, die Liebe und Ehrfurcht erzwcmg. Aus dem -wundervoll durchgeistigten Antlitz konnte Man Gedankentiefe und Güte lesen. Er 'bleibt jedern unvevgeWch, der ihn jemals gesprochen oder gehört Hat. Hunderte Schüler hat er ausgebiildet und für Höhere Berufe vorbereitet. Sein Vorbild wirkte erziehlich; sein Leben war das eines wahrhaftigen PWosophen, der nicht allein. Ethik lehrt, sondern sie liebt. Die Wurzeln seines Wesens waren in den Boden jüdischer und griechischer Antike erngegraben. Sein Judentum schlug überall in seinen gelehrtm Werken und Vorträgenhervor. Cr schöpfte aus den Quellen dieser Völker und verfügte über ein gewaltiges Wiffen, das ihm eine Umverfalitcrt verlich, die ihresgleichen nicht leicht hat. Ein ' eisernes Gedächtnis machte ihn zum gedankenschweren Träger unglmMichor Erkenntnisfülle und Sprachenkunde, dazu kamen Scharfsinn und DcnstellrrngsAlnst. Sem Hauptgeibiet waren klassische Philologie und exakte Philosophie.. ErkenntNiMeoveKsche PrMeme bearbeitete er -in mchveven größeren Werken. Große Verbreitung und . .Uebevsetzmrg in mehrere europäische Sprachen erlebte se-rne cmsgegeächnete „Einkerbung dev Philosophie", die sogar ins Japanische übertragen wurde. Seine philosophischen Kollegien erfreuten sich stets großen Zuspruchs. Jerusalem war' ein unerschütterlich;%W!Uer umd muti-.ge.r Jude, der mit edelsstm Eifer für sein Volk und chdeffen höchste Güter eintvat und-die moderne Wiedergeburt von ganzem .Herzen "innerlich miterlebte. Wer ihm PersöMch näherstand, war unter dem Baun und Zauber seiner Persönlichkeit, wer sein SchMer war, denkt mit Glücksgejuhl an die Zeit, da er ihur zn Füßen saß und dankt dem Schöpfer dafür, daß es solch' einen Menschm gegeben hat. Jerusalem ging aus kleiner, echt jüdffcher Gemeinde hervor, lernte iu früher .Jugend BibÄ und Dcvlmud, 4var Schüler jüdischer Gellchrtev-MÄ»^^ bewabrte deren Traditionen mit Liebe bis an sein Ende; verfügte er doch ketztwillig, nach altjüdischer Weise bestattet zu werden. Es darf in seinem Nachruf nicht unerwähnt bleiben, daß neben ihm eine vortreffliche, hochgeistige Gattin in glücklicher Ehe lebte, die hem von ihr unendlich geliebten und verehrten Gatten tüchtige Kinder geschenkt und mit ihm viel Leid und viele Freude geteilt' hat. Ein sanftes Ende war dem abgeklärten, großen Phllosophen beschioden; er war eine Zierde des Judentums, der. Wissenschaft und der Menschheit. Dr. David Fmchtwcmg. * Das Leichenbegängnis Prof. Jerusalems findetmorgen um 10 Uhr vormittags im Döblinger Friedhofs statt. Ae franzWschen Rabbiner und der zionlsmur. Auf der in Straßburg am 26. und 27. Juni -unter Vorsitz -des Grand Nabbin von Frankreich stattgefundenen Jahresj Versammlung der französischen Rabbi nar wurde mit ' allen gegen eine Stnnme eine Resolution angenommen, wo-' nach die Bereinigung der französischen Rabbiner das religiöse und historische Band, das Palästina mit dem Ju'dentum derknüpft, anerkennt und feststellt, daß eine jüdische K0lonisalio» i int Heiligen Lande stets bestanden hat. Die französischen Rabbiner weisen darauf hin, daß die, nationalen und politischen Lehren des Zionismus, deren moralischer und ideeller Wert für Millionen unserer Brüder aner-' kannt werden muß, nicht in Uebereinstitmnung gebracht werden können mit den Prinzipien der französischen Juldenhoit' und mit den Begvissen, die diese stets von ihrer Pflicht gegenüber der Woltjnden'heit gehabt hat. Die Bereinigung der französischen Rabbiner würde mit Genu-gtuung die Schaffung öiner Gesellschaft zugunsten der Teilnahme der gesamten französischen Jndenheit am Wiederarffbau eines jüdischen Palästina' begrüßem Der ,/Jewish Chronicle" bemerkt dazu, daß diese Mblehnung des ZioniÄUlUs nichts anderes bedeute, als daß das französische Rabbinat die Emanzi-pativn als die beste Lösung der jüdischlen Frage nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen Ländern betrachtet und hofft,, daß die in Frankreich gefundene Lösung der Judenstage auch in anderen Ländern endgültig Oberhand gewinnen werde. Die Itznamitexplofio« in Grünbach. Wie berichtet, ist am Freitag nachts in der Werkskanzler des Kohlenbergwerkes in G r ü n b a ch am Schneeberg eine Dynamitpatrone explodiert. Es wurden gleich am nächsten Tage ztvei Kriminalbeamte der Wiener Polizeidirektion an die Explosionsstelle gesendet die im Verein mit der dortigen Gendarmerie die Erhebungen austahmen. Es wurde festgestellt, daß die Dynamitpatrone auf das Fenster des Bureaus des Direktors in der Werkskanzler gelegt worden waren. Zur Entzündung wurde sie durch eine Zündschnur gebracht. Durch die Explosion wurderr nur die Verschallungen der beiden Fenster der Werkskanzler im Zimmer des Direktors beschädigt. Ein Unfall hat sich nicht ereignet und cs ist niemand verletzt worden. Die Erhebrrngen der Gendarmerie im Bewirt mit den Wiener Kriminalbeamten haben bänglich des Täters bis jetzt zu keinem Positiven Resultat geführt, obzwar bereits eine Anzahl von Leuten perlustriert wurde, gegen die jedoch kein bestimmter Verdacht gefunden wurde. Seitens der . Werksleitung ist eine Belohnung von vier Millionen Kronen auf die Ergreifungdes Täters ausgesetzt. Waldbr'ände r« Zmrbmck. Wie aus Innsbruck gemeldet wird, ist gestern mittayS bei Matrei am Brenner durch Blitzschlag ein