Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1590 (17.7.1923)
- Date
- 1923-07-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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jB&e *4 Wien, Dienstag Menev Morrgenzer'iung. 17. Juli 1923 Nr. MY Polen. ZMsche Schulausftellmg. Warschau, 16. JE (I. C. B.) In Anwesenheit von Vertretern der Mischen Anstalten in Warschau und vieler Raste iftmd am 10. d. die feierliche Eröffnung der Ausstellung »er weltlichen jüdischen Schulen in Polen statt. Die Austeilung nimmt 16 Säle in Anspruch. Jüdische Lerchen für das Warschauer anatomische Justiert. Aus Warschau rn-eldct I. C. B.: Enve Delogatiou jüdischer Studenten hat sich abermals an das Warschauer RaOirat mit der Aufforderung gewendet. die Jrage der Zustellung iübischer Leichen an das anatomische Institut zu erledigen, die Angelegenheii soll in einer gemeinsamem Sitzung des llaibitzrnates mit Vertretern der Strrdentenschast beraten veuden. MunItionseOloston in KrsMevm. Schwerer Materialschaden. — Keine Opfer an Menschenleben. Belgrad, 16. Juli. (Tel. d. ,/Wr. Morgenzeitung".) Sestern nachmittags ereignete sich in eurem Objekt des Arsenals in Kragujedac erne ExPlosion.statastrophe. Es explodierte aus bisher unaufgeklärter Ursache eine alte Seemine. Die Explosion griff weiter um sich und dehnte sich auf das benachbarte Mu nitionsdepot aus. Die Detonationen riesen in der Stadt eine Panik hervor. Die Bevölkerung flüchtete aus den Häusern in 'die Umgebung. Zehn schwere Granaten siiogen in die Stadt, wo sie großen Schaden anrichteten. Belgrad, 16. Juli. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeiümg".) Die Explosionen jm Munitionslager von Kragujedac dauerten bis 6 Uhr abends an. Der angerichtete Schaden ist sehr groß. .In der Stadt wurde durch eine Granate rin Kaffeehaus Zerstört, und auch an Häusern wurdet^ starke Beschädigungen verursacht. Opfer an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Einige Personen wurden schwer verletzt. m Paris, 16. Juli. (Havas.) Präsident Millerand Hat &it rurnänischen Mnistevpräsidenten Bratianu empfangen. Das Mertel Romrma bet Jerusalem. Das in Jerusalem am Ende der Jaffaer Straße entstehende Viertel Romema macht rege Fortschritte. Auf diesem Platze, einem der höchsten Jerusalems (830 Meter über dem Meeresboden). Mr es 05 Bauparzellen. Zehn Häuser sind bereits jetzt im Bau. Bo-m Viertel Romema ftchrt unter anderem ein gerader Weg nach dem Oelberg. Die Wegebau arbeiten werdet: von dem Misrad laawodot ziburioth ausgesührt. In der Nähe der Siedlung befindet sich die größte Wasserzisterne Jerusalems, von der aus das Wasser durch Rohrleitungen der Stadt zugesührt wird. Inmitten der Siedlung ist ein Gedenkstein errichtet mit der Inschrift, daß an dieser Stelle die Stadt Jerusalem den britischen Truppen am 9. Dezember 1917 übergeben worden ist. Kirjath Samuel. Trotz der Krise schreitet die bauliche Entwicklung des neuen Mertels in Liberias, Kivjath Samnü, rege fort. Auch die Negierung hat dort eine größere Bauparzelle erworben und ein schönes Wohnhaus für den Regierungsdertreter Krischewsky errichtet, das diche Woche vollendet wunde. Die Regierung dürfte dort auch bald ein großes, alle VerwaltungEpartements UMsaffendes Regierungstzebäude erbauen. neue Wiener Herabsetzung der Fahl der Mandate. - Da die WaMen des Wiener Gemeinde rate s und der B e zirk s v e r t r e t u n g en gleichzeitig mit der Nati-onalratAvcchl im Oktober vvrgerwrmmn werden sollen, hat der Magistrat die hief-ür notwendigen Gesetzentwürfe ausgearbeitet. IN erster Linie muß der Gemeinderat, Neffen Wahlperiode erst im Frühjahre 1921 endet, aufgelöst werden. Hiezu ist ein Landesgesitz erforderlich. Die Wirksamkeit der Auflösung soll am zwanzigsten Tage nach der Neuwahl eintveten. Mit den« gleichen Tage werden auch - die Bezirksvcrtretimgcit aufgelöst. Ein zweites Gesetz ändert mehrere Bestimmungen der G emeimdeversassung, indesandere wird die Zahl der Gemeinde rate von 165 auf 12 0 herabgesetzt. Die Zahl der BezirksverEretiu,'<ngs Mandate ' bleibt unverändert. Das umfangreichste Gesetz ist die neue Gemeindewahlordttung. Sie lehnt sich hinsichtlich des Wortlautes an die am Mittwoch dom Nationalrate beschlossene Wahlordnung an und übernimmt, dort, wo es möglich ist, die Beftimnmngen wörtlich in der Art, daß im Gesetz eine größere Anzahl von Paragraphen der NationalratsWahlordnung einfach zitiert werden. Diese Anlehnung verfolgt den Zweck, im Wahlverfahren für die verschiedenen öffentlichen Bertretungskörper die möglichste Gleichheit zu erzielen, die sowohl für die Bevölkerung, als auch für die das Gesetz anwendenden Bchörden Er vorteilhaft fern kann, insbesondere aber bei der gleichzeitigen Vornahme der Wahlen im heurigen Jahre besonders wichtig ist. Wahlrecht und Wählbarkeit stütz so wie bei der Nationalvatswahl geregelt, nur kommt noch dazu das Erfordernis des ordentlichen Wohnsitzes in Wien am Wahlausschreibungstage. Die Wahlbehörden sind so wie in der bisherigen Gemeindewahlordnung die Sprengel- und Bezivks- Wahtbehörden und die StadtwahWehövde, wobei die Sprengel-Wahlbehörden den Ortswcchtbehövden bei der Nationalvatswahl gleichkommen. Der -Entwurf der Gemeindewahlovdmrng sicht keine ständigen Bürgerlisten, wie sie die -NatEalMswaWm^ vovschreibt, vor, vielmehr soll vor jeder Wahl eine eigene Wähleri st e behördlicherseits angelegt und dem ReNamationsvevfahren zugvMdegÄegt werden. Üeber die Reklamat ioarem soll in erster Instanz der Magistrat, in zweiter Instanz eine Berufungskommission entscheiden, die, ähiMch wie die Bemfungskommisflontzn nach der NattoMvcckswa'Hl-- vödnuug, unter Vem Vorsitze des BüÄgevmvisters oder des von ihm aus den rechtskundigen Bewnten des Mpgr- Erlangen, 16. Juli. (Wölff.) Gestern fauch hier «ne Zusammenkunft der Vereiuügten Vaterländischen Verbände statt. Gleichzeitig -hielt der Arboiterturnverern fein 26-jähriges Sti-ftu-ugsfest ab. Im Laufe der 'Kundgebungen ist es zu heftigen Zusammen stöben zwischen den beiden Parteien gÄommen, wobei auf beiden Seiten mehrere Personen verletzt wurtzm. Fasziftische Ausschreitmme«. Rom, 16. IM. In Florenz -vyrden neun den Popolavi und den katholischen Organisationen gchörige Häuser von Faszisten zerstört sowie oppositionelle Zeitungsdruckereien vernichtet. An verschiedenen Orten fanden Kundgebungen für Mussolini und gegen die Kammer statt. Ntuffolini sandte cm die faszistischen Funktionäre ein in energischem Tom gehaktenes Telegramm, in welchem er die sofortige AMSftwfchmrg mtb Bestrafung der Tater anNnd-igt und erklärt, der Faszis-mus habe tiefe Achtung vor der katholischen UeberzeuMNg und könne derartige tadslnswerte Ausschreitungen nicht billigen. Die Popolari verharren in ihrer Opposition. Rom, 16. Juki. DaS PräMmn der ParlamentSfraktion der Popolari-Partei hat folgende neun Abgeordneten aus der Fraktion a u sge s ch loss em Cavazzoni, Bassallo, Marino, Martrre, R-werti, Ferri, Matteo, Genili, Mauvö . und Signorvrn. Die Ausschließung wird damit begründet, daß dre Genannten in -tec gestviMl Mtzr dcke an die Nationalratswahlordnung. strats bestellten Stellvertreters aus sechs, höchstens zwMf Beisitzern besteht. Die Wahlv o rs chl äge sind so. wie für die Wahl für den Nationalrat 51t erstatten und werden analog behandelt, nur tritt an die Stelle der Kreiswahlbchörde die Stadüvahlbehövde. Auch die Bestimmungen über das Abstimm u n g s v e r f a h r e -n sind im wesentlichen die gleiche^ wie bei der Nvtionalratswahlovdnung. Das Ermittlungsverfahren bleibt unverändert, wie es in der bisherigen Gemeindowähl« ordnung war. Es findet also nur eine einmalige Ermittlung nach dem D'Hontschen System statt. Die Wahl des Bürger-meisters soll mit absoluter Stimmenmehrheit im Gemeinderate vorgenommen -werden. Für die vom Ge-meinderate zu wählenden Vertretungskörper (Stadtsenat, Ausschüsse ustv.) ist wie bisher her Proporz vorgesehen. Die Wahl der Bezirksvertvetung, des Bezirtsvorstehers rmd semes Selltvertreters soll gleichfalls nach den Bestimmungen der bisherigen Gemeindowahlordmig vor sich gehen. Für die Wahl in diesem Jahre werden Sonderbesttmmungen vorgesehen, indem schon im Gesetz bestimmt wird, daß sie am selben Tage, wie die Nationalratswahl, vorzunehmen ist, und auch der Wahl ausschreibungstag für den National rat für sie zu gelten hat. Sie soll auch auf Grund des richtiggesteillten und abgeschlossenen Wählerverzeichnisses für den Nationalrat durchgeführt werden, so daß die Auflegung einer eigenen Liste rmd ein abgesondertes ReMmationsverfahsten für diese Wahl erspart wird, jedoch dürfen - Wahlberechtigre, die ihr Wahlrecht mittels einer Wahlkarte ansüben, also zrW Beispiel, Wahlberechtigte, die am Orte ihrer Berussausübung wählen, nur dann ihre Stimme auch für die Wahl des Gemeinderates. und der Bezirksvertretung abgeben, wenn sie ihre u Wohnsitz in Wien haben, da sie ja sonst für die Gemeindewahlen nicht in Betracht kommen. Uebevdies wird der Stadtsenat als LandesregieMng -ermächtigt, im Ginvernehnren mit der Bundesregiermmg durch Verordnung weitere Vereinfachungen M bestimmen!, die infolge der gleichzeitigen Vornahme der Wahlen möglich sind. Vor allem -wird anzustreben sein, daß die gleichen Kommissionen tä tig find. Die Vorlage wurde gestern an die Gemeinderäte versendet und soll Freitag den 20. d. im zuständigen Ausschuß, Montag än 23. d. im Stadtsenat mch Dienstag den 24. d. im Landtage verhandelt: werden. gcerung günstige Haltung eingenommen haben. Neue Lüge« Wer die „Protokolle der Wchea von Sion*. Die vöWsche Presse kündigt die bevorstehende Veröffentlichung eines neuen großen Werkes von Alfred Rosenber-g (ein getaufter Jude) Wer die Herkunft der „Protokolle der Weisen von Zion" an. Wie man aus den Auszügen aus diesem neuen Werk, die bereits im „VMschen Beobachter" veröffentlicht sind, ersehm vcmn, behauptet der Verfasser, die „Protokolle dar Weisen von Zion" feien von A-cha'd H-a am unter Mitwirkung von Theodor H^rzl und Max Nor-bau geschrieben worden. , In diesem Zusammenhänge ist es angebracht, zu erinnern, daß einer der Führer der Völkischen, Graf R e v e n t l »w, von Achad-Haam gerichtlich belangt wurde und seine Behauptung, Achgd Haam wäre der Berfasfsr der Protokolle, zurrückziehen mußte. AMsemttische Stimmungen in der Statt« Amee. Berlin, 15. IM. (I. C. B.) Die Berliner russisch-monarchistische Zeitung „Rul" meldet,. der Kommandant der ruffi-' schen Südarmse, Frunse, habe in seinem amtlichen Bericht festgestellt, daß die Rote Armee von Antisemitismus durchdrungen sei und hierin der Men zavistischen Armee gleiche. Ein anderer russischer Armeekommcmd.nrt, Woroschilow, soll, nach der Behauptung denselben Zeitung, dem revolritionären Rat mitgeteilt haben, daß er beschlossen habe, in seiner Armee keine jüdischen Offiziere zu Kommandameu zu ernennen, da diese Ernennungen unter den Soldaten der Roten Armee ErbittMmg Hervorrufen. Der Kronpririz Nagt den Mntzischen Staat. Berlin, 16. Juli. Wie der ,^0-kalMVeiger" berichtet, hat der Mheve Kronprinz beim Landgericht O e l s gegen den Fimawzmini.ster als Vertreter des pveuWhen Maates eine Klage auf FestsMrmg seines Eigentums an der Hervschvst Oels erhoben. M Protest der grlMchm Patriarcheu vo« gerusalem. Rom, 1B. JE. Me aus Athen gemeldet wird, hat der griechische Patriarch von Jerusalem au den-Dbe'rchv'Mmissar einen Protests gegen die orchodoxen Ärmerner überreicht, die den S t a t u s a -n 0. ÄM he88gen sSttickten -vevietzt ^-hätten. Die rheinischen Separatistett. Berlin, 16. Juli. Die ,^8. Z. am Mttag" meldet aus Mainz: Man wmmt hier an, daß die Verlängerung der Sperre bis zum 26. Juli mit den Plänen dor Separatisten in Zusammenhang stehe. Man werde mcht überrascht sein, wenn in dm allornächsten Tagen der Bersnch gemacht werde/ die rheinische Republik auszurusen. Der Militärputsch und die Aktion der SonderbüM-er werde von der Bevölkerung spfort mit dem G»u-eralflrvrL beantwortet -werden. Lord ßrewe «ach London abgrreift. Paris, 16. IM. (Havas.) Der britische Botschafter Lord Crewe ist nach London abgereist. Athen, 16. Juli. (Havas.) Oberst Plastiras ist in Kreta emgetroßen, wo sich ein griechisches Geschwader bereits seit einigen Tagen beflndet. Die Mfahrt des Geschwaders nach Kreta beunruhigt die öffentliche Meinung in hohem Grade. Wie verlmltet, beabsichtig? Admiral Hadschikiirislos die Republik Kreta zn proklamieren. Der Wische Pavillon aus der msftscheu lattdvitttschastlichett Ausstellung. Riga, 16. IM. (I. C. B.) Wie die Misch-komumnisti-sche Zsi-tunig „Emes" imitteilt, beschäst!-§t sich das nidische -Kommiffavia-t mit fbctt Borbvreitu-ngen für die Tei-lnahnve an der allrussischen landwirtschaftlichen -Ausstellung. In ein-onr jüdischen Pavillon wird alles vmgesüihrt werden, was dm Zustand der Landwivtschast unter ^den Juden vor der Revolution -lind jetzt charakterisiert und die Aussich im für die ZMnvft anzotgt. Aus aller Welt. London, 10 von Aarmouth der j It. Infolge Nebels sind auf der Höhe edische Danmpser „Eldorado" und der asten der drei Dampfer . Rom, 16. Jnli. Die Mtwe Garibaldis ist in E a pr-eva gestoMn. Hamburg, 16." Juli. (Tel.--.Komp.) Durch den aut Sonntag abends über einen Großteil NovddeutschlandS hereingebrochenerc Gewittersturnr wurden auf der Alster! sieben Mtter zum Kentern gebracht. Durch den Ruderbund und Polizeiboote wmbeu 90 Pevsöneu gevettet. BMaMmsrnmauama