Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1590 (17.7.1923)
- Date
- 1923-07-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgenzeitung. 17. Juli 1923 Seite L Aneignung msfischer Deutlicher Depots. Aneignung rusfischer Deutlicher Depots. Vor eitrigen- Tagen hat zwischen der russischen und der Nr. 1590 Wien, Dienstag dsficftcidj* Mische Wähler und Wählerinnen! Sichert euer Wahlrecht! Nach der Annahme der neuen.Wahlordnung für die iMhlen in den österreichischen Natioualrat, mit denen zur Elchen Zeit auch die Neuwahlen in der: Wiener Gemeinderat stattfindeü sollen, hat der Wiener Magistrat mit der Aufstellung der Wählerliste KU beginnen. Er wird wcchrscheinlich eine Ausnahme der Wahlberechtigten von Hans zu Haus durchfiühren. Für diesen Fall ist es unbedingt notwendig, daß jeder Wähler und jede Wählerin die Pers onalftokumente sofort in Ordnung bringen und vorbereiten. Wahlibevechtigt sind die österreichischen Bundesbürger beiderlei Geschlechts, die am 31. Dezember 1922 ihr 20. Lebensjahr vollendet haben. Die Dokumente, «welche dbs Wahlrecht erweisen, sind: Meldezettel, Heimatschein, Zuständihkeitsdekret, Anstellnngsdekvet, Arbeitsbuch, HauSgeMfinnen-Ausweis. Die Dokumente sind auch für diejenigen vorznibeveiterr, welche sich auf Urlaub befinden. Dle Süddeutschen. Als erste Partei veröffentlicht die Großdeutsche Volkspartei ihren Wahlaufruf. Man -findet ihn im Wortlaut in den Indenblättern und vor allem hat ^sich die „Neue Freie Presse" 'beeilt, diesen E Schnorrbrief 'der „Klugen und Mäßigen" zu publizieren. Das ist weiter nichts Merkwürdiges, denn die IudenMtter find noch immer diejenigen gewesen, auf deren .LNjektivität" jeder Ritualmörder hat bauen dürfen. Der großdeutsche Aufruf ist ein jämmerliches GeftannM einer verkrachten Partei, die ganz genau weiß, wie es um sie 'bestellt ist. Diese Partei hat keine einzige positive Tat cmfzuweifen, sie ist immer nur im Schatten der EhrMichsvMlen gegangen und sie begibt sich jetzt in den Schatten des Herrn Riehl. Sie ist gvoßdeutsch, das 'heißt, sie strebt den Anschluß Oesterreichs an .Deutschland an. Es läßt sich darüber streiten, ob dieser Anschluß für beide Teile von Nutzen wäre. Aber wenn man Mr im -Programm führt und alle halbe Stunden lang -mit deutschem Gruß und Heil hochleben läßt, wenn man ihn als eine Lebensnotwendigkeit des deutschen Volkes betrachtet, dann darf man doch nicht an einer Koalition tMmchmen, hie den Anschluß durch die Genfer Konvention unmöglich macht. Wenn man großheutsch ist, dann darf man nicht mit Ungarn darüber verhandelt, wie man das deutsche Burgenland - wieder an Horthy zurückbringt. Und so weiter. Die Großdeutschen haben sich durch das WaWartell - mit Ehristlicksozialen und Sozialdemokraten ihren Mandatsstand garantieren lassen. Aber da das Mandat schließlich nicht diese Parteien, sondern die Wähler zu vergeben haben, so fühlen sich die Großdeutschen ihrer Sache nicht ganz so sicher und sie biedern sich den NafionaksoMlisten vom Schlage des N o w o s a t an. Für die Parteien, die mit den Großdeutschen zusammen den Betrug der Wahlordnung ansgeheckt haben, ist dies eine ganz gerechte Ueberraschung,. insbesondere für die So- KaDemvkvaten, die immer die politische Moral gepachtet haben und jetzt den Sturmtrupps mit dein Hakenkreuz Mandate sichern. Wenn man mit Hunden schlafen geht, so steht mau mit Flöhen auf. Die Reform der Bundesbahnen. Ueber das Eisenbahnreformgesetz ist gestern im parlamentarischen Unterausschuß, der zur Beratung dieser Frage eingesetzt worden war, e i n K o nt promiß erzielt worden. Den hauptsächlichsten Streitpunkt bildete die Neugestaltung des Dienstrechtes der Eisenbahner. Nach der gestern abgeschlossenen Vereinbarung soll bis 31. Dezember 1921 unter Mitwirkung der Angestelltenvertretnngen eine Neuregelung des Dienstverhältnisses geschaffen werden. Jnsolcmge eine solche Neuregelung nicht erzielt ist, bleiben die bisherigen Dienstvorschriften in Kraft. Das Gesetz wurde gestern im Unterausschüsse fertiggestellt und wird noch morgen vom Vollausschuß für die Plenarberatung im Nationalrat verhandlnngsreif gemacht werden. Flugverkehr zwischen Wien «nd Budapest. Budapest, 16. Juli. (II. T.-K.-B.) Als Ergebnis 2er im Vormonat in Wien geführten Verhandlungen zwischen Vertretern der ö st e r r e i ch i s ch >e n und der ungarischen Regierung ist.ein Abkommen üüye die Regelung des gegenseitigen Flugverkehrs zustande gekommen. Auf Grund dieses Abkommens hat der Flugverkehr zwischen Budapest und Wien heute begonnen. Eröjfsnet wurde der Verkehr mit einem sechssitzigen Junkcir-Wasserflugzeug der österreichischen Flngveck-chrsgesellschaft A.-G. Die Fokker-Maschinen der ungarischen Flugverkehrs A.-G. werden voraussichtlich' bereits nächste Woche vom -Flugplatz in Matyasföld regelmäßig starten Das erste Flugzeug ging heute um viertel 11 Uhr vormiit-ags von der Hydroplanstation neben der Franz Josef-Brücke nach Wien ab. Bei der Abfahrt war die ungarische Negierung durch den staatlichen Flugverbehrsdirektor Bassel und die österreichische Gesandtschaft durch den Gesandten Calice vertreten. Das Flugzeug nahm drei Passagiere mit und wird bei Nußdorf landen, von wo der Rückflug um 1 Uhv mittags cmgetreten werden soll. jugoslawischen Negierung ein Notenwechsel bezüglich der von- General Wrangel aus Rußland mitgenommenen und jetzt teilweise zur Veräußerung gebrachten Staats- und Privatdepots aus-den verschiedenen russischen Bankinstituten stattgefun'den. Nun hat, wie uns aus Belgrad mitgeteilt, wird, der Bankbeamte A. S elest an die Belgrader Regierung das Anls-nchen gestellt, gegen General Wränge! wegen Veruntreuung von privatem Eigentum die strafrechtliche Verfolgung einzuleiten. Seiest stützt seine Anklage gegen den General ans ein Beweismaterial, das zugleich ein grelles Licht auf die Geldquellen des weißrussischen Führers wirst. ' Seiest führt aus, daß nach dem Ausbruch der russischen Revolution im Jahre 1917 die provifovifche Regierung wegen der Unsicherheit der damaligen Berhciltnisse einen-großen Teil von Wertgegenständen aus den verschiedensten Staatsiustituten nach Süidrußland überführen ließ. So hat allein die Petrograder Bersatzbank, der Seiest angehörte, 680 Koffer mit'den Vevschiedeufben Wertgegenständen in Kubanj deponieren lassen, darunter auch vier Koffer nnt Ausstellungsgegenständen aus dem Museum Alexander des Dritten. Später hat dasselbe Institut weitere 700 Koffer mit WM) privaten Versatzgegenständen nach Südrnßland übertragen lasten. Nach Ausbruch der bolschewistischen Revolution wurden alle diese Gegenstände aus Kubanj nach Noworossijsk Merfü-rht, wohin später noch 276 Koffer aus Filialen der Staatsbcmck des südwestlichen Rußland, gebracht wurden. Bor dem' Aufgeben der Wrcmgel-Wktion wurden alle diese Wertgegenstände durch Wrangel-Leute nach Kotor in Jugoslawien transportiert, wo sie im militärischen Lager Benowv aufibewahri wurden. Zugleich mit dem Abtransport der letzten Wrangel-Soldaten aus der Krim wurden 63 Koffer mit Wertgegenständen, zumeist Eigentum von Privaten, nach Jugoslawien mitgenommen. Das Eigentum der Staatsbank.setzte sich inventarmäßig aus folgenden Posten zusammen: 1. Eigentum der Staatsbank: 7000 Kilogramm S-ilbermünzen, 1600 Kilogramm Messingmünzen, Wertpapiere im Betrage von rund 8 Millionen Goldrnibel, verschiedene Goldfcheine und Wechsel in der Höhe von 210 Millionen Goldrulbel. Außerdem zwei Müstliarden Papiergeld, der Ausgaben Koltschaks, DenMns, Skoropadskis, Petljuras und Wrangels. Schließlich Aktien und Coupons in einem hohen Betrag. 2. Eigentum von Prrvaten: 100 Koffer mrt Versa tzstücken und Depots, bestehend aus Brillanten, Goldurch Silbergege-nständen, weiters für' 140 Millionen Rubel Wertpapiere, die von ungefähr 60.000 Parteien in der Staatsbank deponiert oder versetzt würden. 3. Gold- und Silber münzen, ausländische Valuten, die von Jndustri-chirmen und Privaten bei! den verschiedensten Filaalen -der Staatsbankhinterlegt - worden waren. Endlich Dokumente, Testamente und andere Wertpapiere privater Personen. So lange Wrangel von verschiedenen Stellen des Auslandes die erforderlichen Geldmittel zur Fortführung seiner Aktion, beziehungsweise zur Jnst-andlhaltUng seiner Soldaten erhielt, griff er diese Depots trotz Drängens einzelner Generale nicht an. Als aber die Franzosen auf eine Ak- Tschechoslowakei. Regrlung der Sprachenstage in dm Kurorten. Prag, 16. Juki. Wie die „Prager Presse" erfährt, bereitet die Regierung die endgültige Regelung der Sprachenfrage in dm deutschen Kurorten T e plitz, Karlsbad und Franzens'bad vor, zu welchem Zwecke sie nnt den betreffenden Badoverwaltungen Verhandlungen eingeleitet hat. Sollten diese zu keinem Ergebnis führen, wurde die Regierung das bereits vorbereitete Kurortegesetz, das neue Sprachbesti-mmungen zugunsten der Staatssprache enthalte, im Herbst dom Abgeovdnetervhause vorlegen. Ms dahin würde gegebenenfalls die Staatsverwaltung die von den Gemeinden versehenen Kuvorteagenden übernehmen. llngkrn. Die nächsten Aufgaben der Erwachenden. Budapest, 16. Juli. (Tel. der „Wr Morgenztg") Im Wahlbezirke von Czegled, wo die Erwachenden Magyaren einen eigenen Kandidaten in der Person des berüchtigten journalistischen Pogromhelden Stephan Lendvay aufgestellt hatten, fand Sonntag eine Wahlversammlung statt, in welcher der Kandidat Lendvay, der Abgeordnete Ulain, sowie Paul Pro nah und Hejjas sprachen. Lendvay sagte in seiner Programmrede unter anderem, daß die Regierrrng die christliche Politk verraten und das Land in die Hände der Juden gespielt habe. Zwei Aufgaben stehen der Nation vor: die Entfernung daraufhin die Ueberweisung von Gelder n an Wränge! restringierten, begann Wrangel zunächst die 7000 Kilogramm Silbermünzen zu verkaufen. . Der Eoslg dieses Geschäftes bewog Wränget und seinen Finanzminister, die im Lager ausbewahrten Kisten zunächst einmal nach ihrem Inhalt „anzusehen". Dieses Ansehen hatte jedoch keinen besonderen Erfolg, de alle Gegenstände genau mit dem Namen ihres Eigentümers versahen waren, so daß sich die im selben Lager befindliche - Leitung der Staatsbank veranlaßt sah, sich dem Verlangen Wrangels nach Verkauf ei nzelner Gegenstände zu widersetzen. Wrangel ließ die Depotscheine der Eigentümer vernichten, um so'zunächst das ganze Eigentum „herrenlos" zu machen. Daraufhin, im Oktober IM, ließ Wrangel allmählich e-ine Kiste nach der anderen verwerten. Er tat dies, nachdem er der Staatsbankleitung zu ihrer Geruhigung eine Note überreicht hatte, worin er die Veräußerung als im Interesse des Vaterlandes gelegen motivierte und den. Eigentümern, soferne sie überhaupt noch eruiert werden könnten, volle Schadloshalt-ung nach Wiedereinsetzung des Zarentums versprach. Ms Vermittler dieser Transaktionen füngierten Hlitschijew und Ha.jdnkow, die die Gegenstände zumeist an Engländer (darunter soll sich auch der bekannte Sir Basil Z a-charosf Lesinden) verkauft haben. Um einen größeren Prosit herausguschlaaeu, haben diese beiden Wrangel-Agenten einen besonderen Schmugglerdienst eingerichtet, so daß sie die Wertgegenstände u n verzollt aus Jugoslawien direkt nach England bringen konnten. Wrangel griff aber nicht nur die Wertgegenstände, sondern vielfach auch die Dokumente an, mn mit diesen mehrere seiner Agenten mitdem zu seinen Plänen notwendigen Answeispapier zu versehen. Mit der Zeit wurde Wrangel immer kühner. Er streckte seine Häavde schließlich auch auf die Wertpapiere aus, die er, „um sie nicht brach liegen zu lasten", -der Verwertung zufü-hrte. Diese Tätigkeit konnte auf die Dauer den in Emigration leibenden rustischen Bürgern nicht veriborgen bleiben und so regnete es allmählich Anfragen solcher Emigranten an die Staatsbankleitung in Kutor, ob nicht auch ihre Wertgegenstände sich in Jugoslawien befänden. Me diese Anfragen wurden ausnahmslos auf Weisung Wrangels mit. der Phrase, beantwortet, daß die Staatsbankleitung wohl mehrere Depots ins Ausland gebracht habe, daß sie jedoch deren Eigentümer nichtkenne und deshalb keine -weitere Antwort über den Verbleib der angofragten 2>cpots machen könne. Iw Herbst 1922 hat dann Wrangel auch die m-itgesAhrten privaten. Versatzgcgrnstande veräußert. Wrangels Finanzminister Tschako-n-i! übernahm den größeren Posten- -der privaten Depots, ülbergab sie zum Teil dom Fürsten Dolgoruko-w und den beiden oben genannten russischen Agenten, die sie an ihre ständigen Abnehmer in England veräußerten. Der Ertrag belief sich ans 134.0-0-0 Plftum-d Sterling, was nur Aoei Drittel ihres Schätzungswertes betrug. Seiest hat, wie er in seiner Eingabe an die Belgrader Regierung mitteHt, gegen diese Malver- - sationen protestiert und mit deren Aufdeckung gedroht, weshalb er, zumal er auch die Emigranten nicht mehr-täuschen wollte, von Wrangel entlassen wurde. Seiest hat eine Aufstellung der noch vorhandenen Wertgegenstände zwecks ihrer Sicherstellung der Belgrader Regierung übergeben und sie ersucht, sofort eine Untersuchung gegen Wrangel und die Tätigkeit der in Kotor amtierenden- Petrograde-i: Versatz bank umgehend einzuleiten. der Regierung Bethlen und dann die Entfernung der Juden aus Ungarn. Mg. Ulain,- der übrigens Mitglied der Regierungspartei ist, erhob in der konkretesten Form die An-; schuldigung gegen die Nationalversammlung, daß ihre Mitglieder anläßlich der Kapitalserhöhung der Ungarischen Kreditbank und anderer Unternehmungen mehr als 300 Millionen ung. Kronen von diesen erhalten hatten. Hejjas teilte in seiner Rede mit, daß chm die Polizei das Erscheinen in der Volksversammlung verboten hatte, er jedoch erschienen sei, weil chm, außer dem lieben Herrgott, niemand zu befehlen habe. Dieparlamentarische Fraktion der sozialdemokratischen Partei beschloß, in der morgigen Sitzung die erwähnten drei Reden auf die Tagesordnung zu bringen und die Regiemng zu zwingen, das Verfahren gegen die Aufreizungen ernleiten zu lasten. Ml Rumems rlausus-Hetzer gestorben. Budapest, 16. Juli. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung-".') Der Mgeoämete Franz Us-etty ist heute plötzlich gestorben. Er gehörte der R-egiem-ngs'partei an und war einer der eifrigsten Vorkämpfer des aktiven Antisemitismus/ Er war seinerzeit in der Nationalversatmnlrrng Referent für den Numerus clausus. Aurfnhrsteihrtt für landwirtschaWche Produkte. Budapest, 16. Juli. (Tel. ft. „Wr. Morgen^itung".) Wie „Magyarorszag" von zuständiger Stelle erfährt, soll die Regierung beschlossen haben, dem jetzigen System der Ausfuhxeinschränknugen auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Produkte ein Enfte zu bereiten und die AuZsuhrsrerheit herzustellen. Regenmfintel . K 125.000|[)9MII. Lelnenwaren, Waschbaren Stoffe, Wäsche, sehr billig fSchiffmann II., TaborstraBe 48 TM epham 47-1-79 Bn gros En detail ion drängte n, Wrangel dies über mit Hinsicht aff ie damalige politisch-e Situation ablehnte, die Franzosen