Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1585 (12.7.1923)
- Date
- 1923-07-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 6 Men. DönnerNay. Letzte Nachrichten. Salimiiits Erktörungen. Paris, 11. Juli. Der „Temps" meldet <ut§ Londvrl, nach 'Vi iiteiluii-geni aus offt^ielkit Kreisen werde die morgige Erklärung der englischen Regierung folgende Punkte enthalten: 1. Insanlntentritt einer iuternarioualen Eachoerständigenkonimission zur Festscstmug der .Zi'hltlngsfähigkeit- Deutschlands. Die Reparationskommission soll - keineswegs ausgeschciltet werden, sondern durch ein neues Organ Aufklärungen erhalten, dessen sofortige Schaffnug die englische Regierung übrigens nicht verlange. 2. Eittstellnug de-> passiven Widerstandes unter d'er Bedingung, -daß Denrfchlaud in administrativer und wirtschaftlicher Hinsicht seine Freiheit in den besetzten Gebieten wieder erhält. Der 3. Punlr besaßt sich mir der Frage -der Sicherheit Frauttcichs durch Schaffung eines Garant! epatt-eö der Weftmächte nmer den Auspizien des Völkerbimdes. 4. Die Einberufung einer Konferenz verschiedener 'Mächte, .arniner D-entschlands. zur Erörterung der Wiedergutmachungen und' der Sicherheit Frankreichs ist eine Altrcgung, deren Verwirilichu.ng noch in weiter Ferne liegt. Vereine, Boriräge und SersamMnage«. fi o u i* $ I c u i i )> S v o r r u n E t l! b. B o i c 11 i o u: In bcr -.nn 1).?. natt^efunbeneu Vollvrriammlnug wurde folgende Sekrionsleinmg gewählt: Sektionsleiter: A. Grünwann: Stellvertreter: B. Zehn: Boxwart: Ing. St. Screvrenik; Z.engwan: H. Kl'eppner. Als Trainingstage werden weiter Mittwoch und Samstag belasten. Das Jngenöreserat des Lanüeskomiiees fteln test, bat; cs der gestern an dieser Sie Ne mitgeteilten Aktion zur Gründung eines iilduchen Wandcrbundes (-veiler) fernsteht. Whm mü A«st. Kunstuachrichte« aus Psliiftina. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Die iu den Räun;cn des Bezal-el vcrausta-tteie Kollettivausstellu-ng des '.vlalerS Abel Pann lxrtte einen großen Erfolg. Paun hat sich schon vor dem Kriege mit seinen biblischen Gestalten einen bedeutenden Namen gemacht und erzielte während des Krieges mit einer Ausstellung seiner Bibelserie behütenden Erfolg. Tie letzte Ausstellung ist das Ergebnis seiner Arbeiten in Palästina, selbst und seine Bibelgestalren sind nicht nur Zeugnisse Iseiner hohe;: Kunst, sondern auch seiner originell jüdischen Auffassung der Gestalten der Bibel. Die Gesellschaft zur Förderung palästinensischer Knust in Jerusalem lwschloß, diese Bilder auch einem drüteren tnnstverständigen Publikum zugängig zu machen. Die Ausgabe eines Pau u-Bibelalbwms in einfacherer und in Prachtausgabe ist in Vorbereitung. Die schon vor längerer Zeit geplante hebräische Oper iu Jerusalem ist durch die Ankunft des Künstlerpaares G o l e n k i n in Palästina feiner VevwiMchung nähcrgerüor. Golenkin war zwanzig Jahre hindurch Kapellmeister uub Chordirigent an der Petersburger und nachher in. der Odessaer Oper, während seine Frau mehrere Fahre hindurch Solosängerin an -der Petrvgrader Oper war. Golenkin war trotz seiner großen Erfolge in Rußland stets von der Sehnsucht erfiillt, seine Fähigkeiten zugunsten der palästmeusischen Musikkultur zu. verwerten. Als er vor vier Fahren nach Odessa kam, gründete er mit Bialik und mehreren heb/räischrn Schriftstellern und Künstlern die Gesellschaft „Ehisajon", mit dem Zwecke, -für die palästinensische Bühne -das erforderliche dramatische und musikalische Material vorzübererten. Diesem Zweck diente auch seine damals veröffentlichte Schrift, die eine Kritik der ".Stängel der europäischen Bühnen war und die Richtlinien ' vekauntgab, die ihm für seine Tätigkeit um Palästina vorschwebien. Unter seiner Leitung :ind Aussicht wurd-en die Opern „Faust", „Hugenotten", „Löhengrin" und andere Opern werke ins Hebräische übertragen. Am den Theatern. In den £ a m merspie! en tvielt Erika Gläsnrer nur mehr an drei Abenden in „G r e t dt e n". In der R .e n a i s s a n c e - B ü h n fand gelten*, die letzte Äorsrellunchder diesjährigen Spielzeit statt. Die nene Spielzeit beginnt am Donnerstag den 26. Juli. Im N a i m u n d t h e a t e r raub Dienstag die 22. Aufführung der überaus lustigen Posse „14 Tage A r r e ft" bei total 'ausverkauftem Hause statt. Die gesamte Künstlerschar, vor allen Frau W e r g i n z, die Herren G l a w a t s ch und L i ch t e n b e r g, ließen alle Register ihres erquickenden Humors Wielen und das dankbare Publikum folgte willig ihrem tollem Neberurut. Es gab Blumen und zahllose.Hervorrufe. Es lvar festliche Stimmung wie bei der Erstaufführung. - Jüdische Operettenabende. Samstag den 14. und Sonntag 'oh 15. d. veranstaltet ein unter Leitung des Direktors Deutsch stehenden Ensemble im Metropolit) eater im Prater zwei Operettenabende. Zur Aufführung gelangen Samstag „K o l N i d r e", Sonntag „S n l a m i t h". Mr diese Veranstaltung gibt sich großes Interesse kund. Karten an der Theaterkasse. Literarischer Rezitativnsabeud. Samstag den 14. d. veranstaltet der jüdisch-literarische Arbeiterv r r e i n I l a f um halb 8 Uhr abends im Saale der Toynbee- Halle, 20. Bez., -Denisgaffe 33, einen großen literarischen Rezitativ nsabend, bei dem die Mitglieder der Freien jüdischen Volksbühne R. W e i ß b e r g, M, Preiß, B. S e g a l und W.' R a p p a p o r t Mitwirken werden. Wiener Morgenzeitung. Wteilmgen aus dem PubWM. ßioeh-IVlieder : VH., Neubaugasse 26 2 : uJi., Taborstrasse 13 ■ H U ■ Die altrenommierte Firma, welche dar. bekannte „ESriOCfo** b * MietäSP“ erzeugt, ©PÖ?i?N®t zur Bequemlichkeit ihrer ■ h Kunden eine Verkaufsstelle jj * IU Taborstrasse 18 £ Q am 3. Juli 1923 « > B MMBBIBBBBSlBBMBBiBBtBBSQßH&lSSSBIBtlBBEIISBtBBllflB « STAUBMÄNTEL ©WEBAHE.-ANZÜGE Beruf?!,-Iciderfabrik Oipcssb^pd vii.8liWM8l.ssl 34-0-25 L. & C. HARDTMUTH'8 K8H-I-N00B- BLEISTIFTE MEPHISTO-KOPIERSTIFTE . ANERKANNT UNERREICHTE FABRIKATE ZU HABEN IN ALLEN BESSEREN PAPIERHANDLUNGEN i 36a ssnsaaaBBaBai „Die Meistersinger von Nürnberg". Die ant 1. d. abgesagte Freilichtansfühmng der „Meistersinger von Nürnberg" findet am Sonntag den 15. d, ans der Hohen Warte statt. Mitwirkcnde: Frau Acihaczeck, die Herren Jever, Mai kl, SaMer, Rittersheim, Frischlev usw. Restliche Karten heim First Vienna Footballklub, 9. Bez., Hotel Union, und bei Kehlendorfer. (Entgeltlich.) GerichtssM. Sie „Raffe" der Wehrmämer. Bor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Favoriten, Bezirksrichter Dr. Karl Hermann Mülle r, hatte sich vor {urjem der Zugsfühver der Wehrmacht 'bei der Bvigade- Artillerie-MteÄuntz Wien Nr. 2 Franz Lengfellner wegen Subordination imd Amts-chrenbeleidigung gegeirüber dem Stabshauptmann Matthias Gruber, Batteriekommandant, zu verantworten. Der Takbeistand des ungewöhnlichen Falles, der mit der Frage der Rasse der Wehrmänner be>r der Volkszählung in Zusammenhang steht, war folgender: Hauptmcmn Matthias Grüber hatte dem Mrtschaftsnnteroffizier Johann Kühn'berger die Worfung erteilt, er möge »in die Vo'lkszählungsblätter in de n Fällen, tvo die Rubrik „Rasse" nicht ausgeMt erscheint, als Rasseibezesthnung „arisch" hineinschreiben. Da alle Leute seiner Kompagnie christlich-katholisch waren, könne die Einsetzung des Wortes ,-arisch" ohne jede Folge erfolgen. Kühn'berger kam dem Befchl nach mrd setzte das Wort arisch in die betreffende Rubrik ein. Lengfellner, der zufällig ins Zimmer zu Kühn'berger getreten war, bemerkte: „Es ist ungesetzlich, lvas du da tust." Kühnberger hat nmr tatsächlich das von ihm eingesetzte Wort „aris^ wieder durchgestrichem Leugsellner wurde lvegen dieses Vorganges zum Rapport bestellt. Der Haupttnanu Gruber fragte ihn, ivarmn er den von ihm an Kühnberger ergarvgenen Befehl hintertrieben habe. Len'gftllner erttgagtreie, daß, wenn diese Eintragung geblieben wäre, dies eine Urkunidenfälschung bedmtet hätte. Dies veranlaßte die Militärbehörde zu einem disziplinären Vorgehen gegen Lenafeltner und gkeichzoitiger Anzeige an die Staatsanwaltschaft znm Einschreiten geigen detr Genannteu. Dieser verantwortete sich bei Gericht dahin, daß er alt dem Vorgehe,t des Hauptmauues bloß Kritik geübt Habe, denl, er (der Hauptmaun) ivar nicht berechtigt, au den Zählblättcrn, nachdem sie vo,t der Mannschaft bereits abgegeben worden loareir, noch irgend welche Veränderungen — auch nicht durch nachträgliche Zusätze — vorzlmehruen. Federmanit sei für die Ausfüllung des B.olkszähluugsbogens selbst verantwortlich. Der Verteidiger des Arrgeklagten bezeichnet das Vorgehen des Hanpttmmnes für unkorrekt, was .dieser zu proivkollieren bittest Ter als Zeuge vernommene Haupimaun Matthias Gruber gab an, daß die Verfügung der Regierung auf den roten Beilagen, die Rast'c anzn-geben, für ihn Befehl lvar, als Batteviekolmnaudnt dafür zn sorgen, daß dieser Aufforderultg nachgekommen lvevde und die voll- IVN 8 K A C H I. WIE N Hesefia fid@nn@p$$ag €S©n 12. Julii 7 Uhr abends im Festsaal des Hotel Continental,-II., Praterstrassc 4 Redner: Oberrabbiner Colonel Jakob Malt* und Rabbiner %.* SriseBmann aus Jerusalem 12. Juli 1928 Nr. 1888 ständige und richttze Ansfüllnng anch^bezüglich Rasse zu vemnlassen. Für die klaglose Ausfüllung in allen Pmckten habe er sich für verantwortlich gehalten. — Nach durchgefiihrter Verhandlung erkannte Bezirksrichter Müller den Angeklagten der Subordination schuldig und verurteilte ihn zu fünf Tagen bedingter Arreftstrase, von der Anklage der Aultschrenbeloidlglung^wurde er freigesprochen, da der Fall einer Jdealkonkurrenz vorlioge. In der Begründung führte der Richter aus: Es ist die Subordinations- Verletzung schon durch die Form, in der die angebliche „Kritik" vorgenomrnen wurde (Fälschung, von Urkunden), gegeben. Eine solche Fälschung liegt aber überhaupt nicht vor, weil der Haupimaun die bestimmte Ueberzeulgmvg gehabt hat, daß in seiner Batterie sich nur Anigehövige der „arischen Rasse" befunden haben. Hohuigg wegen Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe angeklagt. Die StaatsarNvaltschaft hat gegen den Präsidenten dev österreichischen Staatsparteß Kuno Hoynigg, als dert Herausgeber und damals veranttvortlichen Redakteur der Zeitrmg „Die Monarchie" eine Anklage wegen Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe erhoben und die Anordnung einer Hauptverhaitdlung vor dem Landesgericht Wien 1 als Schwurgevicht beantragt. Die Veranlassung nur Erhelntug dieser Anklage war für die Staatsbehörde in der Nlumncr der „Monarchie" vout 16. Juni 1922 gelegen, durrb den Leitartikel „Warum mißfällt uns die Republik" und durch «iiien Satz in dem „Ein Ruf all alle" betitelten Artikel, in welchen! eine Verhöhnung nnd Beschimpfung der bestchenden republikanischen Staatssornl erblickt wird. Die inkrtminicrtr Nu'.rnner der „Monarchie" wurde vorläufig b e s ch ll a g n a h m t. Äuito Hoynigg weigerte sich unter Berufung auf das Neda?- 1'ionsgeheimnis, die Verfasser der beanständeten Artikel zu neuneu, erklärte jedoch, die Verantwortung für den Inhalt iiu übernehmen. Volkswirt. Gestempelte Krone --- 0.0082 Centimes. Auszahlung Wien — 0.0081'U Centimes. In Zürich notierte die österreichische Krone . . 0.0081V. (0.0082 am 10. Juli) die österr. gestempelte Krone 0.0082 (0.00821/., am 10. Juli) die tschechische Krone . . . 17.37'/-- (17.42'/2 am 10. Juli) die Mark .. 0.0023 ( 0.0021 am 10. Juli) Holland. 224.50 (227.- am 10. Juli) New-Iork. 576— (579.50 am 10. Juli) London . 26.38 ( 26.45 am 10. Juli) Paris •••••»•«• 34.30 ( 33.90 am 10. Juli) Mailand. 25.— ( 24.60 am 10. Juli) Belgrad........ 6.25 ( 6.10 am 10. Juli) Bukarest 2.90 ( 2.87 am 10. Juli) Sofia... . 5.50 ( 5.60 am 10. Juli) Budapest.. 0.063/4 ( 0.06V« am 10. Juli) Warschau.. . 0.0040 ( 0.0045 am 10. Suli) Sie Krise der tschecho-slowakischen dolitik. Handel»- Von Dr. Alfred Oberländer (Vvmm). Die Handelspolitik der tscyecho-slowäLischetr RcpMi^ befindet sich in einer schweren Krise. Die Unterbrechung der Bertragsverhand'lnngen uitt Frankreich, der Zollkrieg mit Belgien, die Agitatiou, die iu Holland gegen die Rati- Merung des letzter! Handelsvertrages mit der Tschecha- Slowakei entfaltet lvird, werfen ein grelles Licht ans n,tsere handelspolitische Lage. Es darf nicht vechchlt «lverden, daß das Ausland schon ilange lebhafte Beschwerden gegen unsere Handelspolitik Die Wovwürfe, die das Ausland gegen uusere .Han-, delspolitik erhebt, sind sattsam bekannt und es wird ge-; nügen, sie zu streiftn. Die tschecho-stowäkische Republik hat, mit den für ihren HandcksveMhr beideutsamsten Staaten' Meistbegünstigungsverträge unter gleichzeitiger Festsetzung von mchr oder minder großen Einfuhrkonüngeitten abge-, schlossen. Die Vertragsstaaten weisen mit Recht darauf hin, daß die,Meistbegünstigungsklausel der tschecho-slowakischen Republik eine leere Formel chne prakttschen Wert Mieben ist, da die Dschecho-Slowakei bisher keinen Konventionaltarif einführte, sondern die gleichen autonomen Sätze gegen alle Staaten anwendet, gleichgültig, ob mit ihnen, ein Meistbegünstigungsabkommen abgeschlossen wurde oder nicht. Dazu komme, daß die Zölle der Tschecho-SlMvakei eine exorbitante Höhe aufweisen, die weit über das in anderen Staaten übliche Matz hinausgehe. Die Tschecho- Stvtvakei habe ihre Zollkoeffizienten ungewöhnlich erhöht und, als sich der Kurs ihrer Währung spmng'haft besserte, die Koeffizienten nicht wieder herabgesetzt, so daß die tschecho-slotvakischen Zölle ein Mehrfaches der Goldparität betragen. Die Einftlhrkontingente, die die Tfchecho- Slotvakei Letvillige, seien viel zu niedrig, so daß schon hier-, durch die ausländischen Waren vielfach vom ffchechoflotvakrschen Markte ansgefchlosfen werden. Eine völlige Unsicherheit werde in die handelspolitischen Beziehungen mit der Ts che cho-Slowakei schließlich durch das System der Manipulationsgebühren getragen, die cs der tschechoslowakischen Regierung ermöglichen, auf administraüvem Wege den Zollschutz nach Belgien zu erhöhen.' Die geschilderten Einwendungen gegen die Richtung unserer Handelspolitik werden solvohl von den Weststaaten als auch von den Nachfolgestaaten der chemaligeu öfterreichlsch-ungarifchen Monarchie gemacht. Daß Frankreich, und Belgien zuerst praktische Folgerungen aus ihren Ijcufc