Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1585 (12.7.1923)
- Date
- 1923-07-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Men, Donnerstag Wiener Morgenzettung. 12. IM 1923 Nr. 3866 geskltt, daß das Altmetall, unter wachem sich die akplodirrte Granate befand, aus der Prov'mzstM Papa hevvühikt. Für die Katastrophe wird niemand zur VeraM-worUmg glyogm werden, weil inan die verunglückten Arbeit«« aus die 'Gefährlich» feit des alten Geschoßmaterials aufmerksam gemacht hatte, Münchener MomentMer. München, anfangs IM. diese jedoch ein Geschoß fallen ließen. Kn verurteilter Kommunist. Budapest, 11. Juli. (Del. der „Wr. MorgemMing".) Das Budapsster Strafgericht verurteilte heute den Bäckergehilfen Josef'Gla über, der im Aufträge der Wiener u n g a r i s ch e n K o m m u n i st e u mjt einem falschen Reisepaß nach Budapest fuhr und hier eine kom-nnrnistische Propaganda entfaltete, zu 16 Jahren Zuchthaus. Sie Mißhandlung der frauzSfischen -Wer»« miffion iu Kernemet. Das Urteil. Wir berichteten seinevzeit über di« arge Mißhandlung, welche die Ofsiziersmiffion der Entente anläßlich einer Frffpektiosreise nach Kecskemet, der Hochburg des Massenmörders Hejjas, zu erleiden hatte, weil sie dort nach verborgenen Waffen forschen wollte. Die Ententevertreter forderten damals in gemeinsamer Demarche von der ungarischen Regierung eine entsprechende Geimgtmmg, doch Graf B e t h I e n glaubte die Sache mit einer bedauernden Erklärung abtun zukönnen. Da jedoch die EntenteVertveter auf die Ausforschung und Bestrafmvg der Rädelsführer dieses Massentmmrlts bestanden, war die -Regierung gezwungen, das Verfahren einMerten. Ms Ergebnis dieses Verfahrens veröffentlichte die ungarische Regierung vorgestern das folgende Kommunique: Im März d. I. wurde die unter Führung des italienischen Obersten Campagne stehende interalliierte Militärkommission in Kecskemet während ihrer Nachforschungen mach verborgenen Waffen vom Straßenpöbel -beschimpft und. mit Steinen beworfen. Auf Grund der durchgeWhrten Untersuchung wurden zwei Personen zu einer Freiheitsstrafe von je 100 Tagen, eine Person zu 69 Logen und zu einer Geldstrafe, zwei Polizisten wurdtznz-uje vier Tagen Arrest verurteilt, ein Polizeikomm-ifsär wurde von feiner Stelle suspendiert, zwei andere mit Geldstrafen belegt. Ein. Honvedoffizier erhielt eine schwere DiszWnavstvafe. Es ist jedenfalls sehr lehrreich, daß diese amtliche Meldung die Offiziere und die Organe der öffentlichen Ordnung mit dankenswerter Offenheit in die Klaffe des Straßenpöbels einreiht. - Mit Schwert und. Gewehrkolben. /In einem vor kurzem im Bürgerbrä-uMer abg-chaltenen ,-vaterländischen" Abend der terroristischen Gcheimorganisation ,/Reichsflagge", an dem natürlich auch ,-Vater" Ludeudorff teilnahm, eMärte der Führer des Kampfverbandes, Hauptinann Heiß, nach längerer Ausführung über Ziel und Ztveck der Bewegung: Nur mit dem GewchritoGen werden die Tore zur Freiheit eingeschlagen. Und sein Adjutant Leutnant Dechant fügte hinzu:. Wir wollen den Wchrgedanken in das Voll tragen, allen Widerständen zum Trotz. Wer erklärt, daß Deutschland die Schuld am Kriege -habe, der gehört erschaffen zu werden. „Die Reichsflagge" sei antisemitisch eingestellt und bekämpfe das Judentum und jeden anderen internationalen Schwindel. Die verlorene Freiheit könne nur mit dem Schwert in der Hand wiedergewonnen werden.- Eine Offenbach-Kampagne. Die Bayrische Mittelpartei, die ihre Verei-nsabende zumeist im Hofbräu abchält, hat im Landtag folgende Anfrage eingebwcht: Ist der Staatsregievung bekannt, daß die Landes'Mhne bei ihren Wandevvorstellungen es für richtig hält, gegenwärtig Oporettenstücke des Fvanzoisen Jacques Offenbach zu« Aufführung zu bringen? Ist der Staatsregierung bekannt, daß hierüber größte Erbitterung in weiten Kreisen herrscht, die sich in Störungen solcher Aufführungen begreiflicherweise zu entladen, droht? Ist die Staatsregierung bereit, sofort für Einstellung der Aufführung solcher Stücke französischer Autoren und für die Aufführung nur guter deutscher Stücke durch die Landesbühne zu sorgen? Die hiesigen Hakenkveuzler unterstützen diese Anfrage mit dem Bemerken, daß Offenbach auch Jude war, feine Musik daher das nationale Empfinden jedes tvahrhast Deutsch-gesinnten verletzen muß. Es erübrigt sich wohl, hierzu auch nur etwas zu bemerken. „Deutsche Taten." — Schundliteratur. In Professor Karl Brunner besitzt München einen vaterländischen Dichter, der mit seinen und seiner Mersreunde Ergüssen die Oeffentlichkeit in einer Sammlung „Deutsche Taten" belästigt. Die /-Frankfurter Ztg? brachte nun vor einiger Zeit die Meldung, daß der Fvrnkfurler Polizeipräsident diese „Deutsche« Daten" aus die Schuudliteratur gesetzt habe. Me ,ßÖ. Z. am Mittag" übernahm diese MeNmng und Professor PrmMer klagte nun — nicht etwa die „Frankfurter Zeitung", fortdevn die — „Berliner Zeitung". Der angMrgte Verantwortliche Redakteur wurde mm freigesprochen, da - mit dieser Meldung keine Beleidigung des Klägers, sondern nur die Feststellung eines Tatbestandes beabsichtigt tvar. Herr Professor Brunner hat nun mcht nur das Urteil, sondern auch die Prozeßkosten zu befahlen. Ein Porträt. Josef Stolz in g ist heute ReffortredcDeur für Antisemitismus im radauantisemitischen --VMischen Beobachter". Ms Stolzing noch auf den Namen Czerny hörte und als solcher iu Oesterreich den alles andere als deutschfreundlichen Staatsmann Grasen Thun unterstützte, war er Mitarbeiter des Berliner /Deutschen Volksrecht", übevwarf sich aber mit der Leitung diqses AutisemiteMättchens und ging zum Berliner ,Meinen Journal" über, in dessen Spalten er die antisemitischen Verhältnisse DeutsckMhmens ausführlich beschrieb. Die Antisemiten belohnten «ihn dafür mit eine« Tracht Prügel, so daß er Böhmen verließ und sich nun an der Isar' niederließ. Er -veröffentlichte damals folgende Erklärung, mit der er sich ein Alibi schaffen wollte: „Durch den Kampf ums Dasein gezwungen, hatte' ich die Stellung eines Redakteurs beim „Deutschen Bolksrecht" angenommen, das'heißt, ich war mehr als Korrekwr denn als Redakteur beschäftigt. Reichstagsabgeordneter Dr. Voeckel hatte mich engagiert, und es war ihm auch bekamst, daß ich mich von jeder antisemitischen Partei losgesagt hatte. Ich eMärte ihm zu wiederholten Malen, kein Antisemit zu sein. Ich habe auch nie Verrat an der antisemitischen Partei geübt, der ich weder als Parteimitglied, noch auch meiner Gesinnung nach angchöre." ~ Und heute -ist dieser GesinnuNgsaLrobat antisemitischer Sachverständiger des Hakenkreuzorganes, das er gemeinsam mit Machhaus gttt höheren Mve Hitlers zusammenschusterte. Polen. LionMche PMUna-Kousereuz!« Lemberg. Lember-, 9. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die zionistische Oeffentlichkeit unseres Landes steht heute im Zeichen einer ebenso imposanten als originellen Veranstaltung, der vor allem im Hinblick auf eine ganze Reihe aktueller Kongreßprobleme besondere Bedeutung zirjonrnrt. ES ist dies eine von sämtlichen auf zionistischem Boden sichenden Fraktionen, der „allgemeinen* „Misrachi" und Hitachduth-Gruppe, sehr zahlreich beschickte Palästina-Konferenz, die heute Vormittag im großen Saale des Vereines „Jad Charuzim" in Gegenwart des englischen Konsuls Whiteheat feierlich eröffnet wurde. Der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Alexander Hausmann,eröffnet« tue Konferenz mit einer längeren Ansprache, in derer auf den Bmst der' Situation in der zionistischen Gesamtbewegung verwies, die vor schwierigm Entscheidungen stehe. Dennoch blicken wir mit Zuversicht in die Zukunft, wobei uns die Tatsache vor Augen stcht, daß die englische Regierung nach wie vor fest auf dem Boden der Balftmr- Deklaration verharrt. Der Augenblick stelle an die Opferkrafl des Volkes die größten Anforderungen, denen gegenüber wir nicht versagen dürfen. Der englische Konsul begrüßte die Konferenz und gab die Versicherung, daß die englische Regierung von ihren bisherigen Richtlinien gegenüber dem Zionismus nicht abwsichen wolle. Er bezeichnet als die wichtigsten Bedingungen zwecks Realisierung des Aufbaues von Erez Israel auf Seite der Juden ausdauernde Arbeit, Verstand, Aufbietung der notwendigen Geldrniktelr und eine große Dosis von Geduld. Wenn diese Voraussetzungen eintreffen, dann werde auch der günstige Enderfolg nicht ausbleiben. Dann folgte die Wahl des Präsidiums, wobei alle bei der Konferenz vertretenen Gruppen gleichmäßig berücksichtigt wurden. Die Konferenz wählte die Herren Dr. Hausmann (allgemeine Gruppe), Dr. Hausner (Misrachi) und Doktor Schwarz (Hitachduth) zu Vorsitzenden. Hierauf erstattete Abgeordneter Dr. Reich ein eingehendes, schr beifällig aufgenommenes Referat über die Probleme der zionistischen Palästina- Politik. Wahl Sr. Ringels i« die ruter-arlamrntmi fche Union. Warschau, 10. Juli. (I. C. B.) In der Sitzung der polnischen Gruppe der interparlamentarischen Bereinigung sind zwölf Delegierte zu den in Kopenhagen zusannnentretenden Kongreß gewählt worden. Die jüdische Minorität wird burd) Senator Dr. M. Ringel vertreten sein. — In der Sejmkommission für militärische und auswärtige Angelegenheiten wandte sich Senator Dr. Ringel gegen die Behauptungen der „Gazette Warszawska", die Juden hätten die polnisch-tschechischen Beziehungen verschlechtert, energisch.. Pilsudsli Md SzeptW. Warschau, 10. Mi. (Tel. b. ,Mr. Movgentzeitung".) Wie die Blätter melden, wurde in ^der Ghrenaffäre zwischen Marschall Pilsudsk-i und KriHgsminister Szept i c k i ein Protokoll abgefaßt und die estdgül-tige Entscheidung in dieser Angelegenheit dem Präsidenten des Staates vorgelegt. Studienreise voluWer Ssfiziere nach Rumänien. Mls Bukarest wird uns'berichtet: Am 2. August werden 300 polnische Offiziere zu Studienzwecken nach Rumänien kommen. Die Einladung hierzu erfolgte anläßlich des Warschauer Besuches des Königs von Rumänien. An dieser Studienreise nehmen OffizierSstellvertveter sämtlicher polnischen Divisionen teil und stehen unter Führung des polnischen Generalstab s ch ef s R o z w o d o ws k i. In Aussicht genommen ist der Besuch der Städte E ze rnowitz, Jassy, Kischinew und .Bukarest. Bon hier begibt sich die Studienabordnung nach Siebenbürgen, wo die polnischen Offiziere etwa zwanzig Tage verweilen werden. Litauev. Ser Mische Ratioualrat. Kowno, 10. Juli. (I. C. B.) In ihren Resolutionen spricht die elfte Tagung des Jüdischen Nationalrates für Litauen ihre Zufriedenheit aus mit dem Ergebnis der letzten Sejmwcchlen für die jüdische Bevölkerung, sowie mit der Ernennung des Dr. Rosen bäum zum Minister fiir jüdische /Angelegenheiten. Es wurde beschlossen, die Legalisierung d:S Nationalrates anzustreben imd möglichst bald eine Nationalversammlung auf Grund des geheimen, direkten und proportronellen Wahlrechtes einzuberufen. In das Exekutivkomitee wurden gewählt: Vier Vertreter der Achduth, zwei Zionisten, drei Zeire Zion, ein Handwerker, ein Misrachist und ein Vertreter der Vollspartn. Rundschau. 2a« Haager zionWche Komitee. Haag, 10. Juli. (I. C. B.) Im Namen des Haager zionistischen Komiwes veröffentlicht Nehemia de Lieme einen Programmentwuvf der Haager zionistischen Oppositionsgruppe, der als Grundlage zur Diskussion fiir die nach Karlsbad einberufene Konferenz dienen soll. Wie schon gemeldet, hat das Haager zionistische Komitee für den 5. August eine Konferenz nach Karlsbad vinberufen, zu der Zionisten, die ganz oder teilweise mit dem Inhalt des Haager Manifestes und den im Programmentwurf dargelegten Grundsätzen einverstanden sind, eingeladen werden. Dem Komitee gehören an die Herren: I. H. Kann, Nchemiä de Lieme, Dr. M. Franken, Dr. Max Schlössinger, A. Simons und N> Torezyner. Für die IeatschvMfchen darf nicht propagiett werde«. Berlin, 11. Juli. In seinem Erlaß.vmn 12. Mai d. I. über die DurchsjühAdng des Verbotes der deutschivMischen Fvedheitspaktei -hatte -der pve-ußrche Minister des Innern für den Fall von Wahkmsschreibungen besondere Anordnungen in Aussicht gestellt. Wie der amtliche preusfische Pvesse- Äenst mitteilt, weist »der Mnister nünmehr' für dtzn Fall « von Neuwahlen Nie GLmemdevertreWrvgen auf folgendes hin: Infolge des Verbotes und dev ArWftrng där Deutschvölkischen Frecheitspcrrbei ist jede Wer-bung für die Partei als solche mit den Bestimmungen des Gchetzes zum Schutze der -Re-PuMk unvereinbar deshalb unzulässig. Auch dürfen WlaGdorschläge als KerMvyrt nicht die Bezeichnung der verbotenen! und auWÄöjsten Partei -tragen. Jode Mitwirkung oder HeranFichMtz jeder etwa vochandenim Orgamsation der DeMHMMm Freiheits- Partei zur VorbeveÄung und Durchführung, dev Wahl ist nnzuläffig. Wahwepsammlungen Wlwen Weder von der verbotenen Partei, noch von einem. QrgvM' devWen emiberuftn werden. w (* H < i * t I ( m devtschvöMfcher 8hr> München, 11. IM. Franz v. PuLtH-amyer, der vor einigen Monaten wegen Lockfpitzeltmns und Verdachtes der MiEevschast an der Evnwrdung des SdMnten Bau« .verhaftet, spAsv aber gegen eine Kaution von fünf Millionen Mark auf Men Fuß gesetzt worden ist, wurde in diesen -Tagen in einem Münchrer Fremdenheim neuerdings verhaftet, und zivar «wegen eines S i-t t l i chkeiLsverbrecheus. > Kn vernrteNer Mordhetz«. Berlin, 11. Mi. Hier stand der deuiWvMschL Schriftsteller Lebius vor Gericht unter dev Anklage, -in. dev antisemitischen ,MaatKHüvgerzeitung" einen Artikel veröffentlicht zu habtzn, in dem der Satz vorkam:' „Die Inhaber ^deutscher Firmen, die Mt Frankreich arbeiten, wüßten ermordet werden." -Lebius -war vor einiger Zeit bereits angeklagt gewesen, weil er zur Ermordung des demokratischen Politikers Helmut v. Ger lach a-ufgefovdert -hatte. Lebius gab während der Verhandlung an: Die Aufforderung zur Ermordung sei nicht wörtlich gemeint. Auch lebe man nicht in normalen Zeiten. Das Reich könne seine Bürger nicht schützen. Infolgedessen müßten die Bürger sich selbst schützen. Der Staatsanwalt vertrat den Standpunkt, es sei Tatsache, daß der Angeklagte tu der Zeitung zur Ermordung aufgefordert habe. Das Vorgehen 'des Angeklagten sei gemeingefährlich, da man oft genug erfahren habe, lvie derartige Aufforderungenverwirrend gewirkt haben. Der Staatsanwalt trvgte sechs Monate Gefängnis. Das Gericht hielt eine strafbare Handlung für vorhanden- und erkannte auf drei Millionen Mark Geldstrafe. Rach - Hakenkreurler-Ra«!«. Paris, 11. Juli. Nach einer Meldung des Havas-Burequ^ aus Brüssel begab sich, der „Derniere Heure" zufolge, der deutsche Geschäftsträger in Brüssel, Rüdiger, gestern zum Minffter des Auswärtigen, um sich bei ihm über den auf ihn durchgesi'chrten Ueberfall zu beschweren. Seine Angreifer sind, der Brüsseler Metenant, Sekretär der Koloitialgefellschaft, und enr Amerikaner namens Perren. Jaspqr erklärte, daß die Urheber des UeberfalleS angeklagt und den Gesetzen genräß werden bestraft toerden. Er sprach, Rüdiger das Bedauern der Regierung aus und. erklärte, das; Belgien sich -seiner Verpflich-