Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-07-11 · Heft 1584 (11.7.1923) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1584 (11.7.1923)
Date
1923-07-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980665--15379-3002200
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite S ' Mm, Mittwoch Wiederholt wurde auch au die Bevölkerung das Ersuchen gerichtet, die geschilderten Uebelständ: zu beseitigen, doch haben alle düse Auftmfe nicht die geringste Wirkung erzielt. Die Gerneiudeverwaltung appelliert daher noch ciautaC cm das so ziale Gewissen der Bevölkerung und an alle nnrirgebenden Stellen. Zugleich muß aufmerksam gemacht U'erdeu, daß im Interesse der Allgemeinheit alle auf Grund der geltenden Gesetze und Borschriften möglichen Maßnahmen, die eine vernünftige Verwendung des Wassers bezwecken, ausnahmslos angewendet werden. Re Lebensmittelmiirkte. Obwohl die Absatzmöglichkeit auf den Wiener Märkten uuu schon die Zweite Woche sehr gering ist, werden die Markte srlir gut beschickt. To erhielt gestern die Großmarkthalle wieder 38 Waggons verschiedene Fleischgatiungen, obwohl noch große Mengen, die bereits sehr unter dem Einfwß der warmen Witterung gelitten haben, nnberkanst sind. Trotzdem gehen die Fleischpreise nicht oder nur sehr wenig zurück. Rindfleisch ermäßigte sich im Großhandel um 1000 K. Pro Kilogramm, alle anderer Fleischgattungen notierten vollkommen unverändert. Der Kleinverkanf ist in der Großmarkthalle jetzt mit Ausnahme von Samstag außerordentlich gering. Der Naschmarkt hatte Rekordzufuhren an Gemüse aufzuweisen. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführeu, daß die Gärtner auf den Märkten der äußeren Bezirks fast nichts absetzen können. Die Erträgnisse der Schrebergärten machen sich auf diesen Märkten bereits stark fühlbare Eine Reihe von Gemüsearten wurde wohl etwas billiger, doch nicht in dem Rkaßc, daß sich die Kauflust durch die Preisnachlässe nenenswert gehoben hätte. Es blieben daher auch gestern wieder große Mengen unverkauft. Bon Obst wurden nur die wenig haltbaren Sorten, wie Marillen und Kirschen, etwas billiger. Auch Obst bleibt täglich in Maßen Mengen nnverkaust. Kleine Lokalchrouik. Der Gesellschafter Arnim Marion erstattete gestern eie Anzeige, daß seiner Frau, wie sie ihm telephonisch, aus Karlsbad mitteilte, vorgestern nachts aus ihrem Hotelzimmer, während sie schlief, durch einen Einschleicher Schmuck im Wert: von 250 Millionen Kronen gestohlen worden war. Gestern nachmittags fuhr ein Straßenbahnzug der Linie 2 in raschem Tempo um die Kurve beim Heumarkt. Die Private Fanny Einfalt wurde mit ihrer vierjährigen Tochter Gertrud: aus dem Wagen auf die Straße geschleudert. Die Frau blieb unverletzt, das Kind erlitt einen Bruch des linken Schlüsselbeines. In den Siemenswerken wurde gestern vormittags der Schweißer Josef Petz old infolge Explodierend eines Sauerstoffbehälters schwer verletzt. Der wegen gefährlicher Drohung in der Vereinsgasse verhaftete Hilfsarbeiter Heinrich Perthold zog während der Eskorte ein Messer und wollte sich cutf den Wachmann stürzen. Ein hinzukommender zweiter Wachebeamter konnte noch im letzten Moment dein Gewalttäter das Messer mit dem Säbel aus der Hand schlagen. Ter Fabrikant Robert S t r a ch e aus Warnsheim ersrattete die Anzeige, daß sein Chauffeur Steiner mir seinem Auto durchgegangen sei., Die Erhebungen ergaben, daß der Mann den Wagen in'Linz um 84 Millionen verkauft hat. Steiner wurde gestern in Innsbruck verhaftet. Der Kaufmann ' Wilhelm T a d e s, Dresdenerstraße 76, wurde gestern dem Landesgerichte eingeliefert, weil er dieser Tage eine falsche 1000 Lire-Note verkaufen wollte. * Oberrabbiner KoloneL Äakob Meir in Wien. Wie bereits mitgeteilt, werden Oberrabainer Kol. Jakob Meir und Rabbiner F i s ch m a n n aus Jerusalem morgen Donnerstag, 7 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Continental ivrechen. Man sieht diesem Meeting in hiesigen jüdischen Kreisen mit großem Interesse entgegen. * Die Zsr. Kuttusgemejnde gibt bekannt, daß die Fleischbank des Herrn Leo H a m m e r, 14. Be-., Dreihansgasse 27, unter ihrer Aufsicht steht. * Eimtein» Ehrerrvrüfi-ertt -es Efperantokongresses in Kassel. Ter III. Weltkongreß des internationalen Esperannst :nb und es Seunacicca Asocio Tutmonda findet vom 11. bis 15. August in Kassel unter Einsteins Ehrenpräsidentschaft statt. * Beim Baden ertrunken. Am 9. d.. nachmittags, unternahm der ISjährrge Alfred Siegmund Findl-er, 2. Bez., Schisfamlsgasse 5 wohnhaft, mit mehreren Kollegen einen Spaziergang nach Klosterneuburg. Bor Klosterneuburg trennte sich jedoch Findler mit zwei Kamnraden von der übrigen (Gesellschaft. um nach Kr i hendorf zn marschieren. Nach einer -halben Stunde kehrten jedoch die Leiden wieder zu der Gesellschaft zurück, und teilten mit, daß Findler seine Absicht -nach Zkritzendorf zu marschieren. durchführen wolle und daß sie umgekehrt wären. Als Findler in den nächsten Stunden nicht zurückkehrte, zogen die Burschen weiter, um ihn zu suchen. Dabei stießen sie crnt Marsche auf den MÄrtärposten «bei den Ponwns bei Klosterneuburg und dieser teilte ihnen auf ihre Frage nach ihrem Kollegen mit, daß kurz vorher ein junger Mann, auf den die Personsbeschreibnn'g ungefähr paßte, in den Wellen treibend und um Hilfe rufend gesehen worden sei. Trotzdem Leute sofort nacharschwomnren und in Zillen nachgefahren waren, tonnten sie den Unglücklichen nicht'mehr retten. * Der 300 Millionen-Einbruch am Lugcck. In der Nacht zum 21. Mai wurden in dem Hause. 1. Bez., Lugeck 7, die Geschäftsräume der UhrengroßhaMmvg Hugo Weiß u. Co. von Einbrechern heimgesucht, die Uhren und zahlreich.' Uhrgehäuse aus Gold und Silber im Gesamtwerte von 80» Millionen K' r oiien erbeuteten. Auf der Suche nach den Tatern ermittelten nun die Kriminalbeamtem, daß im Prater mehrere Eirrbrecher angeblich wegen der Beute aus dem Einbrüche <rm Lugeck miteinander in Streit geraten waren und daß die Hauptperson bei diesem Streite der Hehler >der Einbrecher bildete, von dom man jedoch nur wußte. Haß er 'den Spitznamen JÜDet böhmische Franzl" trug. Die weiteren Erhebungen der Polizei führten zur Verhaftung der Einbrecher. Es find «der Kutscher Rudolf Schoustal, der Hilfsarbeiter Rudolf Zita und der Rkisende Isidor Äottsleben, Ms Hehler wurde der Kaufmann Franz Prerovsky festge-nommen. Nach kurzem Leugnen gestarcken die Einbrecher den Diebstahl ein und nannten als Mitschuldigen noch den Agenten Heinrich Blumenkranz, der ebenfalls verhaftet wurde. Außerdem find an dem Einbruch und an der Verwertung der Beute -mehrere andere Perstmen beteiligt gewesen. Alle Verhafteten wurden dem Landesgevichte eüNÜieftrt. * Die Rot der Jrrgmftme. Der Aentvakat der geiftißchvübb mfc Das ÄoS der Jrrgm««e in Spcmk* Wiener Morgenzeitprig. Mitteilungen aus dem Publikum. CIHi Katz Nathan Mahler Pochvoloczyska Stanlslau Verlobte Wien, ira Juli 1928 diensten, die durch dis^ große Stagnation zur Arbeitslosigkeit verurteilt find, hat die Oeffendlichveit bisher noch nicht entsprechend 'beschäftigt. Die für 'den Wiederaufbau bewilligten Milliardenkredite sollen in erster Reihe Ar'beitsmöglichkeiten schäften und der großen Arbeitslosigkeit nach Möglichkeit steuern. Die mit Aufträgen betrauten Urtternchmungen beschäftigen jedoch nur ihr stark reduziertes Personal und schließen sich gegen Nenanfncchmen ab. Fast iiberall findet der stellenfuchende Jngoniicur versperrte Türen oder Wertröstnugen ans 'bessere Zeiten. Die Regierung, welche sicher an wm Abban der Arbeitslosigkeit im Ingenieurstande starkes Interesse hat, sollte die Vergebung ihrer Arbeiten von der Einstellung von Ingenieuren abhängig machen. Die Stellenvermittlung für Ingenieure mit Hochschulbildung erklärt sich bereit, in ihrer Geschäftsstelle, 1. Bez., Eschenbachgasse 9. -tveitere zweckdienliche Auskünfte zu erteilen. < * Falsche Lirenoten. Aus Budapest wird gemeldet: Die Polizei hat festgestellt, daß Balutaschleichhändler falsche italienische Noten su 1000 und 6000 Lire in den Verkehr gebracht haben. Eine größere Menge dieser falschen Noten wurde bereits verausgabt. Ein Teil der Fälscher hat sich nach Italien begeben, um die Falsifikate in größeren Posten abzusehen. Zwei Detrkrive wurden zu weiteren Nachforschungen nach Italien entsendet. Es ist 'wahrscheinlich, daß die Fälscher auch in Wien Verbindungen unterhalten, weil zwei verdächtige Personen, die mit der Augelegon'heitim Zusammenhang stehen, nach Wien zuständig sind. * Selbstmord der Gräfin Xaver« Ronikier. In Warschau hat sich Gräfin Ladern Ronikier im Schlafzimmer chrer sie^bzigjähriHen Tante Gräfin Mmtda Rouikrer erhängt. Xavera Ronikier war die Gattin, des Grafen Bohdan Ronikier, der vom Warschauer Strafgericht 1912 wegen Ermordung seines Schwagers ChrzairotiM zu einer mehrjährigen Kerkersiraft vemrteilt, nach dem Umsturz insgeheim Warschau verlassen hatte, um sich in Innsbruck niederHnlassen. Bekanntlich haben sich die Warschauer Behörden wiederholt an die österreichische- Regierung mit der Bitte um Auslieferung Ronmers goivendet, der mittlertvei'le auch aus Tirol verschwand und sich in der letzten Zeit in der Schweiz aushielt. Gräfin Ronikier hat, bevor sie den Selbstmord verübte, erklärt, daß ihr Mann unschuldig verurteilt, worden sei. * Eine Tochter Wilsons wird Journalistin. Wie Pariser Blätter aus New-Aork melden, wird Miß Margaret Wilson, eine Tochter des gewesenen Präsidenten der Vereinigten Staaten, in die Redaktion einer großen Nachrichtenagentur eintreten. * Der Aerztekongretz in San-Francisco. Wir lesen im „Exzelsior": Der Kongreß der „American Medical Association" tagte in der Vorwoche in San-Francisco. Diese Aerzte- Vereinigung umfaßt fast alle praktischen Aerzte der Union, sowie gut die Hälfte aller Gelehrten und Forscher auf medizinischem Ge-biete. Der Kongreß brachte ungemein fesselnde statistische Daten, ist aber noch weit wichtiger durch die Gründlichkeit. in welcher er die prominentesten medizinischen Vorurteile begräbt, Vorurteile, die auch in Frankreich noch bestehen, zum Schaden des Patienten, zum Nutzen, graduierter Charlatane, die dem Kranken das Geld aus der Tasche ziehm. Der Kongreß , konstatierte unter anderem, daß gut 90 Prozent aller Krankheiten, die angeblich der Spezialisten bedürfen, ohne, Schaden für den Kranken von dem behandelnden Arzt allein können geheilt werden, daß 92 Prozent aller chirurgischen Eingriffe erfolgreich im Hause des Patienten selbst vorgenommen werden können, ohne schädliche Wirkung für Eingriff wie Vernarbung. Man spreche davon unseren Chirurgen! Sie würden glauben, sich zu entehren, operierten sie anderswo als im Spital oder im Sanatorium! Diesen Ansichten zufolge besitzt Amerika nur 6370 Spitäler, nur 3291 Ambulatorien. Acht Millionen. Kranke fanden im Jahre 1922 in der Union Behandlung in, Spitälern oder durch Ambulatorien. * Beibehaltung der Platzkarten bei den D-Zügen der. Südbahn. Bei den D-Zügen der Südbahn werden mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse des Südbahnverkehres — insbesondere aus-die Notwendigkeit, im Transitverkehr e durch Jugoslawien ans Gründen der Zoll- und Paßkontrolle die Besetzung der Züge zu regeln — die Platzkarten auch ab 15.-b. i m bis h e r j g e n Umfange b e i b e h a l t e n. Dabei werden. die Reisenden besonders darauf aufmerksam gemacht, daß es bisher nahezu ausnahmslos möglich-war, bei den Südbahnzügen den.Platzbedarf zu decken. Das . vorzeitige Anstellen um Karten für Süd'bahnzüge bei der Vorverkaufs st -r l l -e ist sohin in den LZerhälticissen nicht begründet und entspringt -der Nervosität der Reisenden und den Geschäftspraktiken der professionsmäßigen Kavtenbeschafftr zur Erzielung größerer Vergütungen. * Die Gas- «nü Strompreise. In der kommenden Ableseperiode bleiben die Gas- und Strompreise unverändertr 2140 K. pro Kubikmeter Gas, für Strom bei dreiwöchiger Ablesung 511 K. bei Licht- und 308 5k. bei Kraststrom pro Hektowattftunde. Da in den letzten beiden Wochen die errechneten Gestehungskosten gefallen sind, ist bei der nächsten Preisfestsetzung am kommenden Dienstag eine Herabsetzung zu erwarten. * Amtlicher Wetkerberichi.. Das schöne Wetter hält in Europa bei stabiler Wetterlage an. In Oesterreich ist nur'in' Krems etwas Regen gefallen. Oestlich von Tirol hat die Temperatur 30 Grad nicht erreicht. Voraussage: Scho m w e t t e r anhaltend. ^__ Vereine, Borttiige imd Bersammlungen. I u g e n d v e r e i n A h a w a t h Zion, 2. Bez./ Ausstellungsstraße 18. Heute, 8 Uhr abends, Vortrag über Ch. N. Bralik.- Referent Dr. Hugo 5tnöpfmacher. — Sektion und. Tischgesellschaft Landstraße. Heute, halb 9 Uhx abends im Cafe Ilion, Löwengasse 39, Fortsetzung .der Debatte über die Fragen des XIII. Kongresses. Referent Oberbaurat Robert Stricker. Vorher: Wichtige Ausschußsitzung. Die Herren Dr. Ornstein, Dr. Benedikt, Zelnik, Bloch, Halpern werden' gebeten, bestimmt zu erscheinen. — Z i o u. Kult u rg r u p p e 20, 5tarl Meißlstraße 5. Heute, 8 Uhr, Portrag Herr Aron S ch w a r f l i n g e r: Theodor Herzl. . U r a n i a. Heute: 6 Uhr (Großer Saal): Bei den Ureinwohnern Australiens. 8 Uhr (Großer Saal)l König Dachstsin.^ Jugen-liche, die sich an der Gründung eines - jüdischen Wanderbundes fiir den 3. Bezirk beteiligen möchten, werden j ersucht, ihre Adresse an Adolf Heller, 3. Bez., Adamsgasse 4, Tür 8, schriftlich bekanntzugeben. ItWt. Amerika. Wir können Ihnen die Methode Tonssamt- Laugenschetd empfehlen. Die Lehrbriefe, erhalten Sie in jeder besserm Buchhandlm»- 11. Mi 1928 Nr. 188* Sühne und Kunst. Jü-ische Opereilenavende. Sauistag Len 14. b. und Sonntag den 15. d. veranstaltet ein unter Leimng des Direktors Deutsch stehendes Ensemble im M e t r o pol- T h e a t e r im Prater g w tzi O p er etteu ab end e. Zur.Auffiihrung gelangen Samstag o l N i d r v", Sonntag „S «l am i t h '. Für diese Veranstalfimg gibt sich großes Interesse knnd. Karten an der Theaterkasse. Aus den Theater«. V o l k s o p e r; Heute „B o c a e e i o" mit Fr. Besalla in der Titelrolle. In der N e u e n W i e u e r B ü h n e findet heute die Uraufführung des dreiaktiaen Lustspiels „A rn o r i n N i k o l sb u r g" von Annin Frteommu und HanS Kottow statt. In der Denaissancs-Bühne findet Donnerstag die erste Aufführung des Schwankes ,^aben Sie nichts zu verzollen?" von Maurice Hmnequin und Pierre Veber statt. ‘ Gerichtssaal. Gesetzlicher Schutz für Pogromplakate. . Der Buchhandlungsgchrlfe Frarrz Matzner hat den Praktikanten Salomon Silber st ein 'denunziert, daß er ein Hake-nkreuzplakat hevabniß. Die Staatsanwaltschaft erhob natürlich gegen Silbersteiin die Anklage wegen boshafter Sachbeschädigung fremden Eigentums (§ 468, St. G.). Gestern hatte sich Silberste-in vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Fänffhans, Oberlandesgevichtsrat Dr. Nehoda, zu verantworten. Auf die Frage des Richters, ob cm aus religiösen Motiven das Plakat hemntevgerissen habe, antwortete er: „Nein, denn ich bin konfessionslos und gehöre der Sozialdemokratischen Partei an." Ev gab an, daß ihn das Plakat wegen der „Verhetzung" und weil cs „unwahr" gewesen, was darauf stand, zum Abreißen veranlaßt habe. Richter: Wissen Sie über die Sozialdemokmtrsche Partei nähoves? — Angekl.: Ich weiß nichts näheres von der Partei, aber ich gehöre ihr drimoch an. — Richter: Ucberlassen Sie die Politik dem geveiften Alter, Sie sind viel zu jung, um sich dem politischen Getriebe hinzugeben; gehen Sie lieber Ihrem Bemfe nach und kümmern Sie sich nicht um Straßen- Plakate. Die Politischen Parteien istchen einander feindlich gegenüber. ^hristlichsoziale und Sozialdemokraten, ebenso die andercir Parteien bringen ihre Feindsieligksiten in Plakaterr zum Arrsdruck. Wenn nun jede Partei, der die Plakate der Gegner nicht passen, diese Plakate, eben weil sie ihr nicht passen, Herunterreißen würde, wohin sollte dies iführen? Der eiirzelne hat nicht das Recht, eine solche Harrdlung zu begeherr. Gehen Sie künftig Whig arr deir Plakateir vorüber und lassen Sie Plakat Plakat sein. Die Verfasser der Plakate, die Anstifter zum Herabveißen derselben bleiben straflos, weil sie unbekarmt sind, aber die Verehrten habei: sich strasgenichtlich zn verantworteir. — Der Richter beschloß, die Lmmundsnote des Angeklagten von der Polizei einzuholen, um im Falle der bisherigen Unboscholtenhe-it mit einer bedingten Verurteilung Vorgehen zn können. % Herr Oberlandesgerichtsrat N v h o da hat hier Worte gesprochen, die weniger den Angeklagten, als vielmehr die für diese Zustände Verantwortlichen Behörden richten. Monatelang hat die Staatsanwaltschaft die Hetzplakatc, voll der schamlosesten Verleumdungen gegen die Inden, voll von offener Aufforderung und Mord, Pogrom und Plündemng, geduldet, ohne auch nur einen Finger zu rühren. Es Nngt recht liberal, zu sagen, man möge sich um diese Plakate einfach nicht kümmern. Dein guten Beispiel, daß die Behörde in dieser Bezichnng leider gegeben hat, ist schwer zu folgen. Hätte die berufene Behörde rechtzeitig ihre Pflicht getan, dann wäre der junge Angeklagte gar nicht dazu gekonrmeu, gestern vor dem Richtiev zu stehen. Freilich hätte dieser auch leinte Gelegenheit gehabt, sich nach rechts und nach links hin zu saldieren. Weil sie als Jüdin geboren wurde. Vorgestern fand in Budapest, wie uns dort dort berichtet wird, eine Gerichtsv^ Handlung statt, die eine laute Anklage des ganzen Horthh-Regimes ^darstellt. Als Klägerin erschien Frau Wilhelme Graad. die wegen ungesetzlicher Entziehung ihrer Trafikkonzession den Staat auf Schadenersatz in der Hohe von 1| Millionen ungarischer Kronen klagte. In der Klage wird ausgeführt. daß sie seit einer langen Reihe von Jahren ans der Andrassh-Stvaße eine Trafik betrieb und sich eines so guten Leumrmds,erfreute, daß ihr so--; gar im selben Lokal die Führung einer kleinen Post. : filiale anvertraut wurde. Plötzlich teilte ihr die Finai^ hchörde in einem knappen Bescheid mit, daß ihr die Trafik entzogen und einer Witwe namens Bavga übertragen wurde. ■ lieber ihre Beschwerde wurde ihr damals mitgeteilt» daß der; Gatte ihrer Nachfolgerin auf dem Kriegsschanplatz gefallen und die Witwe darum auf die Trafik angewiesen fei. Demgegenüber toeiit die «Klägerin nach, daß Bavga überhaupt nicht erm gerückt war, die ganze Kriegszeit über im Finanzministerium ' eils Beamter tätig war; überdies befindet sich die Witwe Barg» in sehr guten maüeviellen Bechä'ltmssen. Hingegen fei der Gatt, der Klägerin fast voUtandig Wind und fest vielen Jahren 'bettlägerig krank. Sie zicht aus dom ganzen Bor-gehen ihr gogenüber den Schluß, daß ihr all diese Mgerochtfertigkeit mir deshalb zugefügt worden fei. weil sie, wie sie jammernd ansvrrst zufällig als Jüdin geboren wurde". Der Rechtsvertreter deZ geklagten Fiskus ging gar nicht auf das Meritum der Frage ehn' sondern focht die Kompetenz des Gerichtes an. weil für eine« Regierungsakt. für welchen die Regiemng oder das Finanz- Ministerium auf parlamentarischem Wege zur, Bercmtwovtnug gezogen werden kann, der Staat vor dem ordeEchen Gericht^ nicht geklagt werden könne. Das Gericht wie- «ach kurzer Be« -ratung MtvevstanÄlich die Klägerin ab und verurteilte sie no<ß »'bendrein zur Tragung der Prozeßkoften von 250.M K

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.