Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1584 (11.7.1923)
- Date
- 1923-07-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 SJWftluoü05 Settiebsmitzrrfolg der österrMischen Bonder- Fi'w den Monat Mai stellen sich die vorläufig ermittelten ßerkehrscinnahmen insgesamt auf 164.316,7K.100 K. Gegenüber den aus dem Jahresvovmrschlag ermittelten Mo natsvoranschdtla.g>Sbetr8gen Kr die verschiedenen Einnahmell von insgesamt 334.749,067.000 K. stellt sich das vorstehende Vqgeüms um insgesamt 41L7SM.900 K, u nyünstiger. MsteSsW der passiven Widustaoder der Beamten. Dom Reichsderbmrv der öffentlichen Angestellten wird durch die Korrespondenz Pappenheim mitgeteilt: Mt Rücksicht darauf, daß sich der Achterausschuß der vereinigten^ Organisationen auf ein Mndrstprogramm zeeinvgt hat, daß derzeit in materieller Hinfichtuur eine nuWe Forderung besteht, deren Durchsetzung Sache aller im Achtevausschuß vertretenen Organisationen ist, hat der Reichsverband der öffenüichen Angestellten die Einstellung des passiven Widerstandes beschlossen und die chm angeglieder^n Organisationen, beziehuWswerse Fachgestllschaften hiervon verständigt. Dieser Beschluß ist auch dm Parlamentarischen Parteien zur Keimtnis gebmcht worden. Es wurde Vorsorge getroffen, daß mit dem heutigen Tage die passive Widerstandsbewegung, die vor 14 Tagen eingesetzt hat, abgeschlossen wird. Der Reichsverbcuch der öffentlichen Angestellten war die erste Bundesangestelltenorganisation, welche an die Regierung mit Forderungen hevangetrsten ist. Um zu einem Einvernehmen mit der Regierung zu gelangen, hat sich nun der Reichsverband den im Achtrrlomitee vertretenen Organisationen angepaßt. Die von der großdeutschen Leitung des Reichs-Verbandes ausgegebene Losung ist nur Von einem kleinen Teil der öffentlichen Angestellten befolgt worden. Im täglichen Leben spürte man nur wenig, in letzter Zeit fast nichts von dem paffwen Widerstand. Seipel Wer die Sanierung. Der BundesbcmKer Dr. Seipel hat am letzten Sonntag in einer öffentlichen Bevsanrml'mvg in Grein Wer die; Sanierung gesprochen. Er bekannte sich a-ls Optimist, ,/der glaubt, daß dann, wenn alle sich überzeugt haben, daß man das SanierungZwerL gar nicht mehr zerstören kann, eine Zeitt kommen wird, in der alle ine Gegensätze zurückstellen und endlich einmal mit Beiseitesetzung aller engeren Wünsche für ihre Person und für chre Part«, mit Hintansetzung aller : Politik bloßer Schlagwor t e, wirklich die Hand ans Werk legen, damit wir möglichst rasch zum Ende unseres Sanierungswerkes kommen. Damm handelt es sich jetzt. Niemand wird heute mehr, wenn di« Mehrheit des Volles trotz aller Opfer wie bisher zu uns und unserer Sanieruugspolitik halt, unser Sanierungswerk hmdern können. Aber das könnte geschehen, daß es mühsam und schleppend vor sich geht» und daß damit die Triode der Sanierung hinausyeschoben wird. Das hieße aber, daß auch die Zeit der Opfer und Lasten, die wahrlich schwer genug sind, noch verlängert würde. SScim heute einzelne für sich oder ihren Stand von der Regierung etwas verlangen, so seien Sie überzeugt, daß diese Wünsche, wenn es menschenmöglich ist, erfüllt werden. Wenn sie Wer nicht erfüllt werden können, dann seien Sie noch mehr überzeugt, daß das Heil und die Auskunft -unseres Vaterlandes es fordert, daß man die Erfüllung aus eine bessere und günstigere Zeit hmausschiebt." Zschecho-SlotvM. * Masaryk Besuch i» Paris. Paris, 10. 'IM. Der PrüsLdeni der tz'checho-floWaMcher« Republik Masaryk wird im Oktober in Paris einen offiziellen Besuch aüstatten. Die sranzösische Regievnng fordert von der Kammer zu seinem Empfang einen Kredit von 280.000 Franken und sagt in der BegrüMln^ der Gesuch Masarhks werde dem französischen Volle Gelegenheit geben, einen Patrioten zu feiern, dessen Anstrengungen Mammen mit deren der Entente darauf gerichtet waren, die Dschecho- Sloiwcckei zu befreien. RumSnieu. Ae gMrdeteu Mischen Schule« ln Siebenbürge». Wie wir dem „Ufkelet" entnehmen, hat die - rumänische Unterrichtsvenwallung nahezu sämtlichen jüdischen Schulen, insbösondere den Mischen Mitbslschulen und Lyzeen und auch--der Mittelschule -des jüdischen Kulturvevbandes Tavbuth das Oeffentlichkettsrecht entzogen. Dadurch ist den meisten Mischen Kindern in Siebenbürgen der MitteHchMelsuch unmöglich gemacht. ,IMet" weist darauf hin, daß diese Verfügung der Regierung die Indenschaft um so härter treffe, als kurz vorher ein Ansuchen von jüdischer Seite, die Mischen Schüler an den staatlichen und konfessionellen Schulen der anderen Konfessionen von der Wicht, am Sabbat und den jüdischen Feievtagm in den Schulen zu schreiben, zu enthelben, zürn ckgewie.sen wurde, Ha nun der überwiegende Teil der Inden Siebenbürgens -der orthodoxen und konservativen Richtung angehört, ist es ihm ohne Opfer der UeberMtguug unmöglich, die Kinder in die MMschule zu schicken. Um aus dieser jüdischen Schirlkrise einen Ausweg zu finden, wird für die nächste Zeit eine allgemeine jüdische Schulkonferenz der Juden Siebenbürgens und des Banats nach Ksimsenibüvg einberusen wevden. TOIviivU IVivtjjvltjjCttWltß« Ml SR ACH I, WIEN Morgen Donnerstag den 12. lull 7 Uhr abends im Festsaat des Hotel Continental, II., Praterstrasse 4 Redner: Oberrabbinet" Colonel Jakob Melr und Rabbiner I» Fischmann aus Jerusalem Ungarn. Gesetzliche SinMrung der Welrenvalnta. Budapest, 10. Juli. Mit Rücksicht auf die Entwertung der ungarischen Krone hat der Justlzminister heute Airei Gesetzentwürfe in der Nationalversammlung Angebracht, wonach Hypothekavschulden nicht nur in Geld, sondern auch in Weigenwert sicher-gestellt werden sollen. Weiters wird besttmmt, daß saumselige Schuldner, die aus dem Niedergang der Krone Nutzen ziehen und ihren Verpflichtungen absichtlich nicht Nachkommen, zm Zahlung einer Entschädigung verhalten werden, die 10 Prozent über den Diskontsatz, gegenwärtig also 28 Prozent beträgt. Bas kommunistische Komplott. Budapest, 10. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bu-r.) Die National- , Versammlung hat heute den Antrag auf Verlängerung der Sitzungszeit angenommen. Abg. Eszt e rgalyo S (Soz.) pro-testter-de im Laufe der Debatte gegen die von einzelnen Blättern veröffentlichte Meldung, wonach die sozialistische Partei an dem kommunifttschen Komplott teilgenommen habe, und erklärte, die? Sozialidemokratew -wollen niemanden verteidigen, der kommunistische Agitation betreibe, und müssen sich dagegen verwahren, als ob ihre Partei mit konmiuniisbifchen Verschwörern irgendwie in Verbindung stehe oder aus Moskau Geld' erhielte. Wenn ein derartiger Verdacht gegen sozialdemokratische Abgeordnete bestehe, möge man ohne Rücksicht auf das JmmunrRtsrecht sofort das Verfahren gegen sie einleiten. Das Haus setzte sodann die JndemnitätSdebatte fort. übte Grauatenerplofion in Budapest. Budapest, 10. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Im Keller eines Hauses auf dem Elisabeth-Platz «ist heute vormittags eine Explosion erfolgt, die wahrscheinlich durch ein in altes Eisen geratene Granate verursacht worden ist. Zwei Arbeiter wurden schwer, zwei leichter verletzt. Die gemeldete Explosion hat sich, wie ein späterer Bericht besagt, in den Kellerräumen der Ungarischen Metall- Import- und Handels-A.-G. ereignet, die von einem Zwischenhändler einen größeren Posten Altmetall, darunter auch ausgemustertes Kriegsmaterial, übernommen hatte. Bei der Schlichtung des Materials explodierte ein nicht entladener Zünder, wobei sieben Personen verletzt wurden. Zwei von ihnen sind nachmittags gestorben. Rundschau. 8in Führer der Hakenkrrirzlrr. Berlin, 10. Juli. Gegenwärtig findet der Prozeß des Generals Water gegen den „Vorwärts" statt. Generäl Water war der Kommandant der Reichswehrtruppen in Westfalen während des Kapp - P ut s che s und Führer gegen die Aufständischen im Ruhrgebiet, die nach dem Kapp-Putsch in Westfalen eine Sowjetrepublik errichten wollten. Der „Vorwärts" hatte seinerzeit gegen General Water schwere Anklagen erhoben und unter anderem behauptet, daß der General nicht nur während des Kapp-Putsches eine zweideutige Rolle gespielt, sondern auch nach dem Putsch sich in illegalen Organisationen, die die Wiederherstellung^ der Monarchie bezwecken, betätigt habe. General Water hatte seinerzeit gegen den „Vorwärts" deswegen die Ehrenbeleidignngsklage erhoben, und die Verhandlung endete damit, daß das Blatt zu einer geringfügigen Geldstrafe verurteilt wurde. .Nnnnvchr findet der Revisionsprozeß statt. Interessant ist, was über die gegenwärtige Tätigkeit Waters im Zusammenhänge mit den illegalen Orgnifattonen festgestellt worden ist. Aus der Vernehmung des Ministers des Innern S e v e r i n g, der nach dem Kapp-Putsch und während des Aufstandes im Ruhrgebiet als Reichsimb Staatskommissär in Westfalen fungierte, ergibt sich, daß General Water auch derzeit als einer der prominentesten Führer der illegalen Organisationen in Deutschland gelten kann. Der Minister sagte unter anderem auf Befragen des Verteidigers des angeklagten Redakteurs des „Vorwärts", daß Water in amtlichen und außeramtlichen Kreisen als Persönlichkeit gilt, die häufig und mit Erfolg den illegalen Organisationen Geld verschafft. Sedering bestätigt weiter, daß es in Hamburg und in'Schleswig-Holst e i n eine Organisation gibt, die vor einem neuen Putsch nicht zurückschreclen würde und eventuell auch den Kamp: gegen die Reichswehr aufznnehmen entschlossen wäre. General Water gelte als Exponent der radikalen Richtung dieser Organisation, des sogenannten „Heimatbundes". Ans den übrigen Mitteilungen ergibt sich gleichfalls, daß General Water zu den exponiertesten Anhängern der reaktionären Bewegung gezählt werden kann. Nach feiner Uelberzeugung hatte General Watter vom Knapp-Wenteuer vorher zwar keine Kenntnis, jedoch belaste eine andere Tatsache Watter sehr. Ms nämlich die Kapp- . Regierung am 14. März ihm, Severing, anfforderte, nach Berlin zu kommen, um das Reich 8 wirtsch af 1 sam 1 zu übernehmen, sei ihm das betr-effeu-dr Telegramm durch das Wattevsche Weaha-Livki. s -k ommanh-o übsmmtteLt -wordm. 11. Juli 1928 Nr. 1694 Watter fei auch sehr verwundert gewesen, daß er den Ruf nach Berlin äblehnte. llaber die gegenwärtige Tätigkeit Walters äußerte Severmg, daß er nach dem Ergebnis der bisherigen Untersuchung der Mann fei, der für -illegale Geheimorganifationen Geld zufamwengebracht habe. Diese Berbindimg zu den Gcheimorganifationen habe 'bis in die ^letzte Zeit hinein 'bsstanden. Der sozialdemakvattsche Landtagsabgeordnete Rogierilngs- -oat Woldt sagte aus, daß gerade die zweideutige Haltung Wa titlers für das «Blutvergießen, das später erfolgte, verantwortlich sei. Meffen verurteilt. Leipzig, 10. Juli. (Wolfs.) In dem Prozeß gegen den Kapitanleutnaut Tillesseu, Ingenieur Sundmeier, Kanfntann Graf, Volontär Seffuer und den Studenten W?.gelin wegen versuchter Befreiung der Kapitänleutüants Boldt und Dittmaraus, wurde Tillessen zu einem Monat Gefängnis und Wegelin zu 300.000 Mark Geldstrafe tatt zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Die anderen Angeklagten wurden frei gesprochen. Die Lebeurmittellrawalle i« Potsdam. Berlin, 10. Juli. Wie die Blätter melden, ist nach den Lebensmittelk'ra.wallen am gestvigen Vormittag die Läge in N o w a w e s bei Potsdam wieder ruhiger ge- Ivovdett. Cs kam zlvar noch auf ikn Straßen hier -und da zu Ansammlungen vor den Le'benSmittelgeschästen, doch wurden durch zahlreiche Polizeipatrouillen Ausschreitungen verhindert. Auch das Rathaus, in 'dem zwischen dem. Magistrat und Vertretern der Gewerkschafteir Verhandlungen siattsanden, mußte von der Polizei vor der erregte n Menge geschützt werden, die in das Gebäude einzudringen versuchte. In den Verhandlungen versprachen die Gölverk- ' chastsvertreter, -dafür zu sorgen, daß, wenn keine Wucherireise mehr gefordert würden, die Tumulte sich nicht wiederholen würden. BelgWe Hakenkreuzier. Berlin, 10. Juli. Die jß. Z. am Mittags meldet au^ Paris: Aus Brüssel wird dem „Echo de Paris" gemeldet, -daß gestern abends gegen 7 Uhr der deutsche Geschäftsiräzer, als er das Botschafisgebäude verließ und sich nach Hause begab, von zwei-friiheren belgischen Frontkämpfern, darunter eiirem Reserveoffizier, überfallen 'und mit Faustschlägeu bearbeitet wurde. Auf die Rufe des deutschen GefclMsträgers kaur das Personal hinzu. Die Polizei wurde alarmiert und führte die beibcu Belgier nach der Polizeistation, wohin ihnen der deutsche Geschäftsträger folgte. Der Polizcikoiuuüssär stellte die Persönlichkeit der beiden frühererr Froirtlämpfer fest und ließ sie hievarff ftei. Im Verlaufe ihres Verhöres erklärten sie, daß sie so gehandelt hätten, um dem deutschen D i p l v \\i a i c u ein Lehre zu geben, da er am verftosseneu Sonniag die Manifestanten, die gegen das Attentat von Duirimrg protestierten, verspottet habe. Fudetr Freispruch. Paris, 10. Juli. (Tvl.-Komp.) Judet hielt wo.d) der Verteidigungsrede seines Anwaltes eine kurze Ansprache, in der er erklärte: „Ich habe Ihnen schon gesagt, daß ich nicht hierher gekommen bin, um meine materiellen Juteresst'.', sondern um meine E h r e zu v er te i d i g e n. Ich lege die Sarge um meine Ehre in Ihre Hände." Die Beratung der Geschwornen dauerte nur eine Viertelstunde, worauf Judet mit elf gegen eine Stimme .freigesprochen wurde. Sodann beschloß das Gericht, Judet die Kosten für das erste Verfahren aufzuerlegen, zu dem Judet bekanntlich nicht erschienen war, und in welchem er m contumaciam zu lebenslänglicher Deportation veruricilL wurde. Es handelt sich dabei nur um eine Summe von einigen hundert Frauken. Judet verließ sofort nach dem Freispruch das Gerichisgebäude. Kn Lgtzpttscher Prinz in London «schoffeu. London, 10. Juli. (Reuter.) Der ägyptifche Prinz AlL Kiamel Fahmi Bey ist in einem Gang des Holelri „Savoy", in dem er mit smmr Gemahlin wohnte, mit cinci: Schußverletzung aufgcfundrn worden. Der Prinz ist ine Spital gestorben. Kämpfe in Tramiordauien. Lolston, 10. Juli. (Havas.) Wie die „Times" ou5 Da, maskus melden, sind bei einem Zusanlmenstos; zwischen zwe) Stämmen in Transjordanien etwa 100 Persorren getötet worden. Bulgariens PolM. Eine Erklärung Zmikows. Sofia, 10. Juli. Ministerpräsident Zankow cröricrtv in einer längeren öffentlichcu Rede das Progranmi der neuen Re-gierung. Zu -unseren Nachbarn, sagte Zankow, wollen wir, ohne Ausn-Hin-e, in sraundsthaftliche Bezichungen treten. Jnsbeison-deve gegenüber J-ugo fl-a Wien haben wir dev aufrichtigen Wunsch, die Beizichungeu guter Nachbarschast zu befestigen und zu vertiefen. Unsere Besiehtingen zu R u nt änicn find gut und wir Haffen, sie noch inniger zu gestalltem Was die Türkei anbelangt, s-o sinid die lebhaften wirtschaftlichen Beziehttn-gen, die zwischen den beiden Ländern bestehen können, eitle feste Bürgschaft guter Nachbarschiaft. Gegenüber GriechenIa«b hindert uns nichts, mit ihm ans dem Fuße gllter Nachbarschaft^ zu leben. Es ist jedoch hoch an der Zeit, daß unsere Nachbartt begreifen, daß im Interesse -der Ruhe auf dem Balkan unid des Heiles -der Ballalt-Völler Btllgarien vom Zugang zum freien Mee-r nicht ansg-sschil-ossen werden