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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-10 · Heft 1583 (10.7.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1583 (10.7.1923)
Date
1923-07-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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VAK* Wien, DkjrZlcig Wiener Morgenzeitung. 10. Juli 1923 Nr. 1585. Mb. 5iahan, den größten Eindruck habe auf -ihn der Kckmpf -Mit den reaktionären Politischen Parteien in Bayern gemacht. Der PopuRre bayrische Sozialdemokrat Karl Auer, der irrtümlich für einen Juden gehalten wird, halbe ihm gesagt, daß augenblicklich in München zirka 4000 bayrische Arbiter organisiert seien, um die nationalsozialistische Gefahr abzuwchren. BemerkenÄvert sei, Laß diesen Abwchrgrupp'm mich Arbeiter angehoren, die Mitglieder der christlichen Gewerkschaften sind. Der Herausgeber der täglichen Zeitung „Der Toy", Mr. Morris Weinberg, der Europa im Aufträge des amerikanischen Jmrmgvationsdepartements beucht, erklärte dem Korrespondenten, den größten Eindruck habe auf ihn die moralische Stärke des Judentums in Osteuropa und teilweise auch in Zentvaleuropa gemacht. ,^Jch befürchte leider, daß die Tendenz zur Abfchwächung des Mischen Gefühls im amerikanischen Judentum immer mehr zum Ausdruck kommen wird, mtb daß die weiteren Generationen immer mehr das Mische Bewußtsein verlieren. Auch in Frankreich und Italien habe ich ein Judentum gefunden, das im natiowckn Sinne tot ist. Lediglich in Polen, Oesterreich und den Nachbarländern habe ich eine jüdische Generation gesehen, welche unsere nationale Zukunft in sich verkörpert." Zur Einwanderungssrage erttärte Mr. Weinberg,' es sei nicht wahr, daß hunderttausende Ostjuden nach Amerika gehen wollen. Abgesehen von den Personen, die zu ihren Verwandten herüberfahven, handelt es sich in Osteuropa um 50.000 bis 60.000 junge Leute, die tüchtig, arbeitsfähig und arbeitswillig sind und die ein glänzendes Mertschemnaterial für die Immigration darstellen. _. Tagesbericht. I« Gang zum Herzl-Grabe. Eine eindrucksvolle Demonstration. — 20.000 Teilnehmer. Von herrlichem Wetter begünstigt, fand Sonntag den 8. d. aus Anlaß des Todestages Theodor Herzls der übliche Zug der Wiener Zionisten zum Herzl- G r a b e a m Döblinger Fr i e-d h v fa statt. Im Sinne der letztwMgen Berfügun-g des Führers, an seinem Grabe keine Reden zu hatten, ist es geheiligte Tradition geworden, star-mm am Grabe z-u defilieren. Die Feierlichkett, länglich anfti diese Grabwanderung beschränkt, macht um so tieferen Eindruck. Lange vor dem festgesetzten Termin begann die.. Ansammlung der Teilmhmer des Gvochgcmges aus den ihnen zugÄvttsenen Purckten. Die für die Ehren-Grabwache bestimmten Vertreter der Studentenschaft, .des Ghaluz-Verbandes arid der Ingendhünde hatten sich schwn um die achte Morgenstunde vor dem Friedhofstor gesammelt und ncchmen, nachdmr. die Ordner ihre Plätze bezogen hatten, vor Beginn der Feierlichkeit an dem Grabe Aufstellung. Ueberdies wurde der Zugang und der Abgang der Grabstätte vonPalästmchPionieren, darunter zahlreicher Erprobten, die bereits in Palästina gearbeitet haben, flcmkrert. Ueberraschend groß war die Beteiligung d^er jüdischen Jugend, die in geordneten Zügen und in ihren schmucken Wcmdertrachten aus den einzelnen Bezirken jum Ausstellungsort. marschiert kamen und einen herzevsreuettden Anblick boten. Pünktli^um dreiviertel 10 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Er wurde von der jüdischen Akademikerschaft, die im jWsch-^ckadeMschÄr Landesverbände organisiert ist, eröffnet. Darm folgte die österreichische Zionistische Leitung mit ihrem Präsidenten Herrn Dr. Desider Friednrann an der Spitze, die in Men weilenden Mitglieder des Zionistischen Aktionskomitees, die Wdisc^nattonalen Mandatare und Funktionäre. Die Manvpel der Mau-Weiß- Jugend, geführt von einer ansehnlichen Schar „Alt- Plau-Weißer", der Bund jüdiffcher 'Jugendwanderer, die jüdischen Sportvereinigungen, die jüdische Turnerschaft schlossen sich cm diese Gruppe der Führer, und dann folgten die Zionistischen Organisationen der Wiener Bezirk. Der Ag, an welchem sich auch Deputationenaus Proviuzorten, unter anderen solche aus dem Burgen lande, beteiligten, bot einen imposanten Eindruck und bewegte sich in musterhafter Ordnung zum Friedhose. Die Defilierung am Grabe währte sünseinviertel' Stunden. Es hatten mit den.Nachzüglern rund 20.000 Menschen m stutmmer ^rerbietung das Grab Herzls passiert, als die eindrucksvolle, wüMge Demonstration 'beendet war. Die Jugendbünde zogezr vom FMchofe auf die Wanderschaft in die Umgebung Mens, die übrigen Teilnehmer fanden genügend Wagen der Straßenbahn 'bereit, da die Direktion der ele-Ürischen Straßenbahn für entsprechende Berstärkung des Verkehres in mustergültiger Weise gesorgt 'hat. Bor Ausbruch des Zuges und nach Verlassen des Friedhofes wurde für den Jüdischen Natiro- , nalsonds, gesammelt und ein ansehnliches Ergebnis Me jüdische Haodwerkerschuk kn Lodz. 28jähriges Jubiläum. Aus Lodz wird uns berichtet: Die hiesige jüdische Handwerkerschule feiert in diesem Jahre das 26jährige Jubiläum ihres Bestandes. Diese jüdische Gewerbeschule bildet einen üoeraus wichtigen Faktor in der Entwicklungsgeschichte der Stadt Lodz und der Lodzer Judenschaft. Die große industrielle ■ Entwicklung von Lodz vollzog sich im Verlaufe des letzten Jahrhunderts mit Riesenschritten. Heute zählt Lodz mehr als hunderttausend jüdische Seelen. Die aus 'den umliegenden Städten. und später auch aus den entferntesten Winkeln Polens und Rußlands zugewanderten Juden fanden hier einen Erwerb, doch beschäftigten sich die meisten ausschließlich mit Handel. In der Stadt entstanden allmählich große Jndutrte- und Handelsunternehmungen, die es rasch zu großem Ansehen und Weltmf brachten, der Müßte Teil der jüdischen Bevölkerung jedoch bestand aus kleinen Händlern, Handwerkern und Luftnlenschen. DaS Schulwesen stand auf einer niederen Stufe, da einerseits die russische Regierung jedes Bildungsstreben unterdrückte, andererseits die Rückschrittlichkeit unter den Juden jeder weltlichen Bildung abhold war. Aber gerade die mächtige Entwicklung der modernen Industrie Lot auch für die jüdische Jugend den Ansporn zur Erwerbung, moderner Bildung und bewog schließlich die . ärmere jüdische! Bevölkerung, zur produktiven Arbeit überzugchen. So entstand die von Israel PoSnanski ins Leben gerufene Bewegung zur Gründung einer jüdischen Schule für allgemeine Bildung mit modernen Lehrfächern und Hcrndwerkerkursen, die schließlich im Jahre 1893 zur Eröffnung einer nach dem Vorbild der besten ähnlichen westeuropäischen Gewerbeschulen errichteten-Schule führte, die unter dem-Namen „Talmud Thora" ihre Tätigkett begann. Die Schule wurde gleich nach ihrer Eröffnung mit den modernsten Lehrmitteln ausgestattet und erreichte unter der Leitung des inzwischen verstorbenen Direktors Kahaare, späteren Direktors des jüdi- 'chen Lehrerseminars in Charkow, die höchste Stufe. Die Schule genoß überall das größte Ansehen und eine große Zahl der herrttgen jüdischen Bürger von Lodz, die im Handels-und Gewerbeleben der Stadt eine Rolle spielen, sind aus dieser Schule hervorgegcmgen. Die Absolventen dieser Schule haben, als sie zur Selbständigkett gelangten, auf dem Gebiete der Gewerbe in Lodz viele Reformen durchgeführt. Groß ist auch die Zahl derjenigen ehemaligen Schüler dieser jüdischen Anstatt, die heute in Amerika, Afttka und in zahlreichen europäischen Städten es als Gewerbetreibende zu Ansehen brachten und in ihren neuen Wohnorten neue Industriezweige schufen. Die ersten Absolventen verließen am Ende des Schuljahres 1898, also vor genau 25 Jahren, die Anstalt. Ein Komitee chemäliger Schüler dieser jüdischen Gewerbeschule fordett mm in ° einem «Aufrufe alle gewesenen Schüler der Anstatt auf, dieses Jubiläum in entsprechender Weise zu feiern. Ueber die Einzelheiten der zu veranstaltenden Feier gibt Herr I. Galubowirz, Lodz, Pomorska 25, Auskunft. Sie Wische Not im Men. 6000 jüdische Kinder obdachlos. Nach Mttteülungen der jüdischen WeltWÄonfereuz befinden sich gegenwärtig in'der Krim ungefähr 6000 jüdische Kinder, die keinerlei Aufsicht genießen. Die Zcchl der jüdischen schutzbMvvftigen Kinder in der Krim beträgt etwa 30 Prozent der GasauttAcchl, während, die jüdische Bevölkerung der Krim nur 17,5 Prozent der GesamGevöMevung ausmacht. (I. C. B.) Ae Hilfeleistung i« »er Meine. Dem Berliner. ZentDaWowittee der Gesellschaft Ose wird berichtet, es seien in der Ukraine in der letzten Zett sieden Sanatorien für 300 jüdische Kinder und 85 verschiedene medizinische Anstalten eingerichtet worden. Am 1.. Juli fand die ErWmng eineS großen Sanatoriums in der Nahe van Odessa statt. Der Eröffnung wohnten auch Vertreter der Sowjeidchörden, der Nansen-Delegation und des uikraimschen Roden Krestzes bei. Wie ans Warschau berichtet wird, haben sich die WfsgcheMschaften Ose in M-alystvk und die jüdischen sanitären Bevemie QstgaWens mit der GefellschaftToz vereinigt. dttte Lrdlmngsstrafe für Blummer. Die Distziplinarunterfuchung gegen den früheren Direktor der UniversiMMnzliLi Dr. Bl um au er wurde gestern beendet. Dr. Blmnauer wurde in dem Punkte, der den Anlaß zur DissipttnarunteÄsuchurvg gab, das heißt in dev Bericht^ung gegen den gewesenen Rektor Riehl, zu einer Or dnunysstrase vermteU. In Hwei Punkten erhielt er einen Verweis, in den übrigen Punkten erfolgte ein Freispruch. Re Aufhebung der Platzkarten. Vom 1b. Juli ab werdm aus den österreichischen Bundesbahnen die Platzkarten albgeschaifft werden. Dieser Beschluß des Bundesmimsteriums für Verkehrswetsen wird vorläufig nicht begründet und das gemannte Ministerium stellt für die nächsten TM eine ausführliche Begriündung dieses merAvürdigen Beschlusses in Aussicht. Die OöffenMchkkeit Lars gespannt sein, wie das Ministerium diese Maßnahme, von der das reisende PublMmn in empffMicher Weise bet rossen wird, zu rechtfertigen suchen wird. Uns scheint es, daß hier wieder einmal das Kind mit dem Bade ausgegoss-Mi wurde. Sicherlich war die Art und Weise, wie die Ausgabe der ^sstlaParteu gchanldhabt wurde, wett von einem Jdsalzustand, entfernt. Nächtelang mußte man sich vor den Schaltern im Messepalast und im VerkchrsbuVeaU anstellen, um einen Platz für einen bestimmten Zug zu erlangen, und eine Reise aus den österrrichiischen Bundesbahnen bedeutete, bevyr man überchaupt noch zum Reisen kam, eine schlaftose Nacht und Eoses Stehen. Es konnte auch passieren, das; man, endlich beim Schalter angelangt, die tröstliche Versicherung be>kam, es seien für diesen Dag überhaupt keine Karten mehr zu halben. Aus die Mßslände in der Ausgabe von Platzkarten ist in der Presse wiederholt hingewicfen worden. Diese, eines nu>dernen Reiseverlchrs unwürdigen Zustände^ scheinen nun dem Berkehrsnrimstermm unangenehnr gewesen ZN sein, und, um ihnen am Cnd-e zu machen, schafft man einsach die Platzkarten überhaupt, ab, Auch mit der jetzt so 'beliebten SparsanrEeit läßt sich eine Maßnahnre. nicht ^begründen, Pie eine MckfichtSkosigkeit gegen das zahlende ReisepubWum bedeutet. Wenn gespart. werlden soll, dann soll es nicht ans Kosten jener geschchen, die chiließlich im Einncchmenkorr-tv Msever Bahnen eine wasont-. liche Rolle spielen. Mit dieser Maßnahnre ist dem. reisenden PMiLum natürlich nicht geholfen. Der Kamps um die Pilatzkarte wird damtt nicht aus der Welt geschasst, sondern er wird M-r in einen Kampf um den Platz verwandelt, der sich, wie es vovauszusehen ist, in der häßlichsten Form nun aus dem Perron und in den EisenbahnKiigen abspie-len wird. Das Ministerium für VerikÄ)rswesenallerdings wird von diesem Kampfe, den das Publikum selbst auszntragen haben wird, in keiner Weise betroffen. Mr die Herren am grünen Tisch gibt es einfach keine Platzkartenfrage und auch keine Platz- 'rage mehr. Mt einem Eomwunigue schaffen sie unangenehme Tatsachen aus der WÄb— olles übrige mag sich das WbMnm sMi auslfechben. Re Regelung »es FutzgSugerverkehrr. Seitens der BevussveMnde der . Kvaftlwagensührer wurde gÄegentlich einer Vorsprache bei der Polizeidirebtion daraujf Htt.-Mwieisen. daß Lvi Verkchrsnwfällen durch Kraft- Wagen in viel>M Fällen reicht der Lenker allein schMdtvagend sei, vielmehr auch das Publikum ein Mitverschullden treffe, welches die Fahrbahn unter Mißachtung^ der gelt enden Vortschristen und mit großer UnborsichtiAeit beniitze. Wenngleich die meisten Unsälle durch zu rasches urd uuvo-rsichbiges Fahren der Auiolenlker verurfacht werden, so muß doch aus Grund amtlicher Wchvnchmungsn auch die Berechtigung der Beschwerde der Chauffeure anerkannt werden, weshalb die Poliizoidirektion die bereits w'iederhollt verlaMarten Bestimmungen der Fahr- und Gehordnung^ nachstehend neuerlich ir.» Erinnerung bringt: Das Gehen in der LäugSvichtung der Fahrbahn ist verboten. Das Betreten oder Ueberischveiten der Fahrbahn soll mit der nötigen Vorsicht, und zwar auf dem kürzesten (geraden) Wege von einer Straßenseite zur anderen in der Fortsetzung des GMteigeS und womöglich r.mr bei Straßenkreuzungen erifolgen. Bor dem UeberMeven der Straße ompfichlt es sich, nach beiden Richtungen Ausschau zu HMen. Namentlich beim Ueberlfchreiten der Straßenibichngleise ist daraus z>l achten, ob nicht ein Jbrodj einen Stvatzenbahnzng verdecktes Fahrzeug herankommt. Das Auffpvinigen aus scchrende Straßenbahnwagen m.d das Abspringen von sdlchen^ ist wegen der damit. dewuickenen Gesährdung der körperlichen Sicherheit zu unterlassen/Schließlich kann nicht geduldet werden, daß Gruppen von Personen aus der Fahrbahn plaudernd stehen Aeiben sowie daß einzelne Passanten unlbeWmmert um foe» Verkehr Zeitung lesend aus der Fahübahn gehen. Die Sichecheitswache wurde angewiesen, jene Fußgänger, die durch ein vorschriftswidriges BeMtzen der FahMchn den FuhrwerksjverMr.bsckr.irächtigen, zur Anzeige zu bvmgen. Re LebevMittel«SMe. Der Besuch der Mjärkie war gestern, wie seiden Montag, schwach, die Beschickung sehr reichAch. Trotzdem ist keine Verbilligung eingetneten. In der^ GroßmarAhalle. langten 17 Waggons vevschiedener Fleischgattungen ein, darunter sehr viel^ Ri-ndfteisch. Auch der gestrige RindermarLt war genügend -beschickt. Kleim LolalchrmÄ. Sormtcvg. vormittags wurde in der, Wohnung des Prb vatboa-mten Paul Herschmann, SchMeulfÄdlgasse, ein Wöhnungseinbmch verülbt, wobei Wertsachen im Betrage von 16 Mllionen geraubt wurder.». Gestern mittags arbeitete der ' Hiffsarbeiter Joses Z im merk im städtischen ElMvMätswerlk in der. Nobilegasse an einem Gerüst und kam .dabei m>it der StaMtwomleitung in Berührung. Er stürmte in die Di-eife und winde mitschweren Brandwundentot vorgchundeu. Gestern vormittags beugte sich der Schaffner Franz> 'Schulrauch während der Fahrt gegen Kagran zu weit über die Brüstur.g des Wagens, stieß mit dem Kopse gegen einen Ävitnngsmast und erlitt mchrlfvche Werletzunge-u. In der Nähe des Aspangdahnhoses wuwde gestern der' HiWrribeitler Josef Biber von dem Ärtb-eitskyllegen Johann Hell mann durch einen Messerstich am Bauch erheblich verletzt. Nach den Erzählungen der beiden hatte Hellmann mit' seinem Taschenmesser gelspielt und es i>m Schertz gegen Biber' geschleuldevt. * Die Retter. Es bricht einem das Herz, wenn man den jüngsten Aufruf des freiheitlichen Hilfsvercins für deutsche Studenten liest. Abgesehen von aller wirtschaftlichen Not ist es hauptsächlich die Gewissensnot, die dem wackeren Hilfsverein so entsetzliche Sorgen macht. Es ist aber auch wirklich schrecklich. Wohin, um Wotanswillen, soll denn das führen, wenn die wahrhaft deutsch rutd freiheitlich Denkenden — in rührender Bescheidenheit nennen sie sich' selbst die Ernstesten und Besten —, also diese Edelsten im politischen Parteikampfe, der auch die Universität ergriffen hat, an die Wand gedrückt werden. Einfach an die Wand. Auf der einen Seite drücken die Anttsemiten, auf der anoeren die Jüdischnationalen. Und für wahre Freiheit und Deutschtum bleibt dann kein Platz. Zum Glück ist aber der brave Hilfs- Verein da. Ja, wenn der nicht wäre! Wie schlimm würde es dann mit der deutschen Freiheit aüssehen! So aber paßt er schon auf, haß den deutschen Studenten, die aus feine Hilfe angewiesen such, nichts geschieht. Er paßt schon aus, der Hilss- Vevsin, daß der christliche Student davor bewahrt werde,- einem gewalttätigen und skrupellosen Antisemitismus Folge leisten zu müssen (wer muß?) und ihm schließlich atcheimfällt. Er will es aber auch verhüten, daß ein jüdischer Student gezwungen werde, ,chie deutsche Kultur des väterlichen Hauses §u verleugnen und in die jüdischnationale Betvegung zu geraten." So, jetzt weiß man, was der Hilssverein eigentlich will. Er ist also der Retter, sozusagen die fteiwillige Red tungsabteilung ftir alle tentschfiihlenden Juden. Denn es ist kaum anzunehmen, daß der Verein mU seinen seelenretterischen Bestrebungen bei den christlich-deutschen Studenten viel An-

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