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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-09 · Heft 1582 (9.7.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1582 (9.7.1923)
Date
1923-07-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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/.Mt» --■—-*-r, »fea,Sjtaasg » »" . ' I ->»».. -'■-■■■.- ■ > TU' ' Bar einem Generaylreü in Berlin. Berkd». 8. IM. Durch den Abbruch der Lohy» verhandlunge» der Metallarbeiter droht der Metallarbeitevftrerk zu. einem Generalstreik zu werden. Trotzdem die StreiKassen durch die Geldentwertung fast leer sind und vor allem der StreiKville 'bei der. großen Waffe aus dem gkerchen Grunde sehr schwach ist, dräsgen linksradrkale Kreise - durch eine putschistisch« Propaganda zmn Genercch'treL Berlin. 9. Juli. (Tel. der „Wr. MovgeuzeittMg".) In der gestern adgohaltenen Ärsamurlung der radikalen Betriebsräte wurde als grundsätzliche Bedingung für den Abbruch des Streiks die Forderung aufgestellt, in der ersten Iuliwoche einen Stundenlohn von 25.000 Mark, in der zweiten Iuliwoche einen solchen von 30.000 Mark zu ^wahren. Sollte diese Fordevmrg bis zum 14. d. nicht erfüllt werden, dann wird die ge-, famte Berliner Arbeiterschaft, m den Generalstrei k' treten. Einigungsverhandlungen. Der Arbeitsm-inifter hat die Streikleitung der Metallarbeiter für heute nachmittags zu Einigungsverhandlungen ungeladen, die von der Streikleitung angenommen wurden. SriMmng ei«« öfterreichlsch-orientMchen Hendelikammer. Wie wir erfahren, ist vor kurzem eine österreichischorietttalischs Handelskammer in Wien geschaffen worden, die sich die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und den Mohanunedanischen Ländern zu fördern und zu diesem Bsh-u.se hier und im nahen Orient eine intensive Propaganda zu entfalten zur Aufgabe stellt. Die Tätigkeit der Handelskammer wird durch Aktionskomitees in Kvnstantmopel, Angora und anderen mohammedanischen Zentren unterstützt werden. Zum Präsidenten der Handelskammer wurde Minister a. D. Homann gewählt. Die Handelskammer, die ihre Tätigkeit bereits ausgenommen hat, besitzt ihre Bureaus in der Hofburg. > Me Seiet am Herzl-Srab. . Wik Mjährlich, zogen auch gestern! die Zionisten Mens KM. Grab« Theodor Herzls aus dem TMlinger Friedhof. Es war Nicht nur «ine Gedenilseier für den verewigten Führer, dem Schöpfer des KionMschen Gedankens, sondern ss war auch ein« imposante Manifestation dafür, wie dieser Gedanke im jüdischen Vovke gewachsen ist, wie sv an Kraft und Umfang im Laus« der Jahre gewonnen hat . Von strahlendem Sommerwettev begünstigt, begann dev Aufmarsch um eindiertel 10 Uhr dovinittaB. Mva 20.000 Menschen waren gekommen, um. das Andenken Hevzls zu ehren. Di« Feier war schlicht und einfach. Keine tärrenden RckdeN, keine großen Morte — nnr wirklich« Andacht und ümeve Ergriffenheit, Bis etwa 11 llhr vormittags dauerte die Feier, dann vollzog sich der Abmarsch in der gleichen mustechoften Ordnung, wie der Aufmarsch. Bei der Feier war das ganze zümisöWe Wien vertreten. Die verschiedenen Vereine mit ihren Standarten, die gesamte Jugend, die Studenten waren zahlreich verstnnrnelt. Von keiner. Seide wurde die Würde der FeieMWeit gestört. ' i .'Mf. Wuii Iw Verlaufe der Demonstratio« wurde eine grStzere Auzahck von Perfanen, zumeist Fpont. ^rkWtzt.'ss ■ ' . ■* . -! Auch S1 P-ttz-iorrgilme. darmrstr der vom Bezlrvcholizyikovrmiffariat Pvigitteug« an Ort und Melle entsendete Polizeikonziptst Pr, Kolk-' mann und zwei kettende Slcherhettswachßeqchte erlitten Verletzungen verschiedenen Grades. Zwei Personen Mt wegen Verbrechens der schweren körperlichen Beschädigung und der -öffentlichen GewalMigkeit verhaftet. Die Ausforschung der Übrigen Beteiligten, pW denen einige bereits arretiert waren, jedoch der SicherhettS-vache wieder entrissen wurden, ist im Zuge. Zer Blimaner. Der verschwundene Akt. . Obwohl Herr Blumauer vor kurzem wieder in seine Amts räume in der Universität, aus welchen man ihn für immer verschwunden geglaubt hat, zurückgekehrt ist, obwohl Herr Blumauer aus dom Prozeß über die Stoffaktton der Universität im strahlenden UnschuldsMde, rein wie eine Lilie, hervorgegangen ist, beschäftigt sich der heutige „Montag" mit ihm in einem längeren Artikel, dessen Inhalt schwcht zu der Ehrenrettung des KanzkeidirektorS der Universität passen will. Das genannte Blatt erzählt eine höchst dunkle Affäre'von einem verschwundenen Akt, in dem allerhand für Herrn Blumauer nicht besonders ehrenvolle Tatsachen enthalten sein sollen. Nach dem „Montag" erzählt man sich in UmvevsitätSkrersen, daß Professor W e t t st e i u und andere hochstehende Persönlichkeiten im Jahre 1917 wegen einer Affäre, die gegen Herrn Blumauer schwebte, in der Statthalterei vorgesprochen hätten, und darauf sei der Akt BA 8, Zahl 787-7-3 ex 17,. der sich mit Herrn Blumauer beschäftigte, verschwunden. Dieses Gerücht hat folgende Tatsachen zur Grundlage: Bor dem Hause,, in dem Herr Blumauer wohnte, ist zux Zeit,' da die Universität ein Kriegsfpital war, sehr oft voll bepackt der Universitätsfiaker erschienen -und lud Kisten, Säcke und Körbe bei Herrn Blumauer ab. Die Leute des Hauses und der Nachbarschaft zerbrachen sich lange Zeit über diese geheimnisvollen Transporte den Kopf, bis eines Tages ein Zufall Aufhellung brachte. Es fuhr nämlich ein Handwagen bei Herrn Blumauer vor, mit Sacken und Kisten beladen, einer der Säcke riß und auf die Straße rieselte Reis, bekanntlich eine Seltenheit in der damaligen Kviegszeit. Der Vorfall hatte einen großen Menscherttmflauf zur Folge, da die Leute natürlich darüber sehr verärgert waren, doch Herr Blumauer einen ganzen Ballen Reis aus irgend einem du-M-en Wege zugeführt erhalte. Die Sache hatte ein Nachspiel. Die Polizei ging ähr »ach und Herr Blumauer wurb-r wegen LeberMnttelaushäufumg vom Magistrat zu der damals auHerordentlich hohen Geldstrafe von tausend Kr-vnen verurteilt. Herr Blumauer rekurrierte an die Statthalterei und dort ist der Akt mit der genannten Zahl auf irgend eine unerklärliche Weise verschwunden. Herr. Blumauer scheint gute Arbeit geleistet zu haben, denn Bürgermeister "Reumann wollte es sich nicht versagen, das Verfahren gegen Blumauer wieder aufnehmen zu lassen, aber die Menstücke warm so zur Gänze verschwunden, daß man ' sie ni cht mehr rekonstruieren konnte.' ' . - " : , Fronttämpfer stttb Arbeiter. Schwere g«sammenstSße in der Brkgittena«. — Zahlreiche Verletzte. Gestern vormittags fand in der Pfarrkirche auf dem AlttrheMgenplatz Im 20. Wiener Gemeindebezirke eine feierliche Glockenweihe statt, die unter starker Beteiligung ohne Zwischenfall verlief. Etwa 150 Frontkämpfer, die an der Feier teilgenommen hatten, zogen sodann durch die Donaueschingenstratze ab, um in ihr BereinSheim tt« 2. Wiener Gemeindebezirk zu gelangen. Schon iM der Donaueschingenstraße wurden die Frontkämpfer von dort angefammelten Sozialdemokraten mit SchMöhrufen und Schimpsworten empfangen und verfolgt. In der Dresdnerstraße, woselbst die Zahl der Demonstranten aus mehrere hundert angewachsen war, stellte sich die Sicherheitswache zwischen beide Parteien, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Die Demonstranten wendeten sich nun gegen die Wache, bewarfen sie mit Steinen und wollten den Frontkämpfer« nachd ränge«. Zugleich ertönten aus ihren Reihen Hvrnsignale, worauf aus den Nebengassen zahlreiche GesinnungSgenosir« herbeiEen. Die Menge durchbrach nun gewaltsam den Wacheriegel und stürmte gegen die Frontkämpfer lvs, von Venen sie einige mißhandelte und bewarf sie mit Steinen. Mit Mühe nur gelang es der Sicherhertswache, die beiden Parteien Neuerlich zu trennen. Ecke Dresdnttftküße und Rtwdbahnstraße, woselbst sich abermals eine größere Anzahl von Sozialdemolraten angesammelt hatte, kam es wiederum zu einem Handgemenge zwischen beiden Pckmien. Auch hier wurden aus der demonstrierenden Menge gegen die Frontkämpfer Steine geschleudert und diese zugleich mit Stöcken geschlagen. Schließlich konnte die Sicherhettswache, die selbst in große Bedrängnis geraten war nur» deshalb zum persönlichen Schutze von der Waffe Wei todttche AutomobilunfSlle. Zwei Tote, drei Schwerverletzte. In unmittelbarer Nähe von Traiskirchen ereignete sich gestern ein furchtbares AutorrrobilunMck. Ein mit Wiener Ausflügler« besetztes Auto fuhr mit riesiger Wucht an eitttk« Prellstein an und stürzte in den Straßengraben. Dem Ehaufseur drang der Volant in den Leih; er erlitt so furchtbare Verletzungen, daß er a u f d e r S t e l l e tot war. Von den übrigen Insassen des Automobils wurden d r c i P c r s o u e n, zwei Herren und eine Dame, schwer verletzt. Der eine erlitt eine Berit e tzü n g d e r W t r b e l s ä u l e. Die Verletzten wurden in das Lttsdsrfer Spital, bezw. in das Sanatorium Löw nach Men gebracht. Das Unglück soll dadurch herbergeführt worden sein, daß die große Staübentwicklung, die gestern infolge des ungemein starken Automobilverkehreß auf der Straße nach Baden herrschte, denr Chauffeur die Sicht erschwerte» So übersah, er einen Prellstein, der zieyilich weit Über den Rand der Straße hinausrogte. Gr versuchte noch im letzten Augenblick, den Wagen zurUckzureitzen, aber da war eö schon zu spät. Im Wagen befanden sich der Wiener tzutfabrikant Halb au GeV hart in Gesellschaft seiner Schwägerin und seines Neffen. Nach den bisherigen Erhebungen hat Herr Halban Gebhart den Wagen selbst gelenkt,, während der Chaüsseur neben ihm Platz genommen Hütte. Ein zweite« Unfall Sei LrniStlnchen. In der NÜhe von Traiskirchen hat sich gestern noch ein zweiter Unfall ereignet, Ein Radahrer stieß mit einem Anlomobik zua ru m e n, geriet unter die Räder des Wagens und erlitt ebettSgefährliche Verletzungeu. Nach eMM anderen Meldung soll der Radfahrer unmittelbar nach dem Unfall gestorben sein. u, Wr'rsss w« "Dt. Tanel Bear.' - Mtransfufiu«. Zu eistet der' rmraWgstchr, uMevsPrechanden, wenn auch derzeit noch viel umstrittenen BchaMumSversahren gehört die in letzter Zeit vielfach angewendete .Bluttransfusion. Man vevswht damntsr die künstliche NebevsWhvumg von Wut eines Iich'rvÄMws in den OMnismus eines anderen. Die BmttvcmSftHon wiÄ in erster Linie bei . schweren Blutverlusten Mvqchvendet. Sowhl der Chirurg als auch der FrquenarKt und Geburtshelfer machen ausgiebigen Geibpauch von dieser Methode. Starke ltzbenOedrohende Blutverluste kmnmen besonders best Vmrchhöhlenschwangevschcrst vor, wobei es durch' ZervMmrg der stützenden Eihüllen zu starker BkrtansawnchMg ün kleinen Becken konunt,. aber auch bei schweren Entbindungen als Folge des nmngelhcrften Zusammenziehens des schlaffen Gebävorgaus oder bei tteffitzonldvm Mutterkuchen. Eine schon fast ausgeblutete Fr-cyr kann KvOfeiUvs unter Umstanden durch eine sofortige NachfüNnng der GHäße mit Blut eines Spenders gerettet werden. Bei der Bluttransfusion spielen jedenfalls, im Vergleiche Mr Kochsalzemgietzuug, außer der Menge deS^ eingeflossenen Blutes, die. gewöhnlich nicht sehr groß ist — bis ein Mertelliter etwa —, aackere Momente eine gewichttge Rolle. Die eingebrachten Blutdesta-ndteile sind Sauerstoffträger und gehen deu Anveiz mr BilDung . von neuem Blute.. Auch der Dhiruvg hat oft mit bedwWhen Mutungen aus dem Magen und Darm oder mit starken Blutverlusten bei Unfällen zu tun. Auch «hier haben einzelne Kliniker von der UebeMittmg von fremdem Blute gute Erfolge gesehen. Besonders aus dem Gebiet der MustvauWeiten wird von der Bluttransfusion häufiger Gebrauch ge-, macht. Es handelt sich hiebei um die schwerm chronischen. Anämien mit der Mrhft^vgrößevunll, wobei die heute geübte Röttt?geickestraWMg oft verschtt. WaS die Methode betrifft, die bei ttzr Bkutüberlettung in Verwendung steht, so ziehen einzelne Aerzte die unmittelbare Uebertragung des Blutes von dgnr Gesäße des Spenders in die Vene des Empfängers knittels eines entsprechenden Schlauchsystoms vor. Man kann aber auch das Blut mittels einer Spritze, pxa. Beispiel -einer Vene am Arm entnehmen und es sofort, bevor es gerinnt, in die Bene des Pattenten ernspritzen. Das ist die einfachste Methode. Selbstverstcdydiich birgt diese Behaüdliung gewisse Gefahren Es körmen sich an die Bluttransfusion gewisse Schädigungen knüpfen. Don leichten Kopfschmerzen abgesehen, kommt es bisweilen zu Krämpftn, Ueber, in ungmcNchen Fällen bilden sich Gerinnsel in der Blittbahn, was zu schweren Erscherrmngen Anlaß geben kann. Wer aber einmal den Eindruck des lebensretteriden Eingriffes ashobt hat, wird die Bluttransfusion trotzdem nicht scheuen. Gewiß ist große Vorsicht und Uebuug von Seiten des Arztes notweMg. Es tritt aber an den Arzt noch die sehr wichtige Frage heran, woher das Blut für den Pattenten zu nchmen ist. Jn^ Amerika, wo das Verfahren viel häufiger als bei uns bei den verschiedensten Krankhetten Verwendung findet, hat man die Frage sehr praktisch a Man hat dort beständig auf den Kliniken Blutr bereit. Diese Leute find in stärckiger ärztlicher Beobachtung. Sie müssen frei von Duberkulbfe, Syphl- . lis und anderen Jnfekttonskrankheiten sein, da dtlrch das Blut sonst die Krankheitserreger übertragen werden könnten. Eine andere Art der Blutüberleitun-g ist die Autvtransfusion, worunter man die Uoberführung des normalen Blutes desselben Jndividuunls von einem Körperteile m einen anderen versteht. Bei Blutleere des Gehirns oder des Herzens wird das Blut von den Beinen, die nicht so empfindlich gegen Bfitimangöl sind, durch Abschnüren von den Zehen aus den Mtvalen Ovgünen zugeMrt, Diese Form kann nur ein Notbehelf sein, bis eben die andere Methode i« einem Spitäle durchführbar ist. Auch der Geburtshelfer macht bisiveilen von der Autottanssusior: bei starken Blutungen, . zum. Beispiel, bei Ba-uchhöhlen- Wvangevschaften, Gebrauch, indem er das ausgetretene Blut auSschöpst, und nach Vorbehandlung und Entfernung der Gerlnnungsmassen der Pattentm wieder einspritzt. __ Ärztlicher Fragekasteu. rve. bealitiMMn Mltzn BmWGMöÄuM tzim.ttKmaUa- MeWchMtü Mcht., Man Mß den MtiMM' lönüeve. Zelt veaoachten und öftet MMuchen. Besottidsrs wichtig . ■Ift Dvlnperaturrnefsima und Gewichtskouttolle. — M. B. 14. GM en in der MeiMbe-M. M übet vSLanüegLMtwn Geschwuren M den MMMstMu sehr vördächttg. GenMsste, istsutrvlle durch Alzi . öriMÄ mMvudig. — GchMseln VdS, MliKlWs'm den ersten ÄlMnStnotMen muß vsn Mwgcht'auf ^MMürnö SMtliS sttveckeiu Das Wbrige «MW man voml HLuSavzt. Ätsorate Mutier. Das sWchüs Wen im Kiawer ist auf schlechte Eltzichmg ztmichuMren. Schm M das »Kind <in bißchen äuchmgern. ignorieren M es, wMN .es nicht ißt, «einige Zeit. Das Kind wird sich dann vefstm. wnm es nicht - dechätisäM wwd und nicht mehr Gegenstand der beständigen Beobachtn-ng ist.

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