Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1581 (8.7.1923)
- Date
- 1923-07-08
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. IM Men, Sonntag Grotzer Sommek>RS«m«ngsverkmf A, Gernsroß A.G. In allen Abteilungen äußerst preiswerte Angebote. Darunter seiest folgende 28 Serien besonders hervorgehoben: Dame n- Bade - Anzüge uns Kreton K. 36.750, - 48.750, 56.260, 61.760. D <i.tn e n - S p o r t - G ü m nr i - H a u b e n in reicher Farben- und Dessinauswahl. K. 12.350, Herren-. Badehosen aus gestreiftem Kreton K. 13.000., Kinder- Bade- A n z Üge aus Kreton Größe ,VI. K. 26.000 mit K. 2600 Größensteigerung. PrimaL»inen-Spangenu n d Schnürhalbs ch u h e, weiß, runde Fornr K. 46.000 und-68.000, moderne Spitzfornr K. 76.000, schwarz, ntobetue Spitzform K. 80.000. Bengaline in allen Farben, 80 Ztm. breit, K. 45.000., Rohs e i d e gestreift, fiir. Wäsche, 80 Ztm. breit, K. 64.000. PongiSiMprimä, reine Seide, 90 Ztm. breit, K. 68.000. Kammgarn-Cheviot e, 130 Ztm. breit, reine LLolle, K. 39.800. PrimaWafch-Boile. vorzügliche Qualität, reiche DessinmlSwahl, licht und dunkel, K. 11.600. 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Dez., Karajaugasse 20, Bechammlung. Redner: U. Groß und Adolf Pinkas. Urania. Heute 6 Uhr: (Großer Saal): Wild-Afrika. 8 Uhr (Großer Saal)': Bei ter Ureinwohnern Lbustvaliens. der ..Wir«« Morgenzeitung". Für Mens» academica judaica (bisher 5,155.232 K., 8 tschech. ft.* 10 Schilling, 100.050 Deutsche Mark): O. S. 50.000. Für jüdische Blinde (bisher 736.720 K., 50 tschech. K., 45 Dinar): Ungenannt anläßlich Steinstellens nach unserem Großvater 50.000. Für Pogromwalsen (bisher 646.677.70 K., 6 Schweizer Franken, 424 tschech. K.): Dr. Jakob Braun, Piesting, 600. Für Nasche «ilse (bisher 171.376 K., 6 tschech. K.)r S. W. 6000, Gelübde 51.000 K. Für alle zwei Schwestern ' (bisher 660.000 K., 6 tschech. K.): . L. S. 6 tschech. K. Für jüdische KeldengrLbe« am Jeniraifrie-hoj (bisher 300.000 K.)r Leo Kohn XVII1 100.000, Ungenannt 200.000, * Spendenausweis. Durch Prof. S. Braslavsky wurden an verschiedene jüdische Institutionen 8,500.000 K. verteilt: 3,600.000 K. von Herrn Morris Bergman, Bowery 80, Netv» Aork; 5,000.000 von Frau Genia Ueberall, 609 Montyomery Str., Brooklin. Literatur. An MS auf neue Ascheinnnren -jüdifch-mtzfttscher und verwandter Ltteratm. Von Ernst Müller. Trotz des wachsenden, teilweise auch nur sensationellen Zeitinteresses für Gegenstmude, die irgendwie an das „Mystische" grenzen, kann von wenigen jüdischen Erscheinungen dieses Gebietes immerhin gesagt werden, daß sie aus besseren als nur „literarischen" Motiven hervorgegangen sind. Als ein aus reiner Liebe zum Gegenstände entsprungener und recht origineller Versuch, auf kabbalistischer Grundlage eine eigene Philosophie zu entwickeln, zugleich mit der Tendenz einer persönlichen Uebereinstimmung der tiefer verstandenen biblischen mit modern naturwissenschaftlichen Anschauungen, kann das Buch „Versuch einer Einführung in die Philosophie der Bibel" von Meier Munk*) betrachtet werden, das Her bereits gewürdigt wurde. Als eine verdienstvolle, für das Emporschöpfen der kabbalistischen Literatur wertvolle Arbeit ist die Herausgabe der „S e f e r h a - B a h i r" durch Gerhard Schote m,**) zunächst in deutscher Uebersetznng hervorzuheben Das Buch selbst — in verhältnismäßig gutem Hebräisch geschrieben und seiner Entstchung nach vielleicht in einem gewissen Zusammenhänge mit dem Buche Sohar stehend, worauf auch sein Name hinzudeuten scheint — enthält vor allem viel von alter Buchstäbenmhstik, sogar mit physiologischen Zusammenhängen, und halb midraschische, halb mystische Deutungen von Bibelstellen. Darckenswert sind in den: Scholemschen Buche die vielleicht zu reichlichen Anmerkungen, die über eine weitere Zusammenhänge innerhalb der kabbalistischen Literatur orientieren *) Verlag E. Wiener, Kattowitz, 1923. **) Als Dissertation erschienen in Berlin. Selbstverlag. 8. Juli 1923 Seite 9 »vollen, um so mehr, als ja bekanntlich diese überhaupt auch in bezug auf ihre Druckwerke (sehr vieles ist ja nur in Handschriften enthalten) sehr wenig inhaltlich durchforscht ist. Jeden, falls liegt viel. wissenschaftlicher Ernst schon in der Tendenz eines solchen Buches, wenn auch der Verfasser gegenüber dem Wesen der Kabbala selbst noch keinen geklärten Standpunkt gewonnen zu haben scheint. Gleicher Ernst kann leider einem anderen jüngst erschienen Buche: „Erotik der Kabbala" von Georg Langer*) nicht nachgerühmt werden, obwohl der Verfasser von. seinem. Gegenstände sichtlich ergriffen war. Doch erscheint hier das große Gebiet in eine einseitig verzerrende Beleuchtung gerückt: die psychoanalytische. Es lag ja eigentlich recht nahe, ein gewisses Modeinteresse auch an sozusagen kabbalistischen Dingen einmal in Zusammenhang zu bringen mit der herrschenden Methode, der Psychoanalyse. Eine richtige Kritik des Buches erfordert nur eine Prinzipelle sachliche Feststellung betreffend die Möglichkeit einer solchen Beziehung überhaupt. Tatsache ist, daß die Polarität der Geschlechter in kosmisch-geistigem Sinne einen bedeutsamen, ja, einen zentralen Platz in der Kabbala, namentlich im Sohar, einnimmt, ja, daß auch die Vereinigung von Mann und Frau geradezu als heiliges Symbol auftritt, und diese religiöse Weihung der ehelichen Liebe, die auch weit über die Kabbala hinausreicht, war es nicht zum mindesten, was dem religiösen Judentum geradezu den Stempel höchster Reinheit in. sexueller Hinsicht ausprägt. Gerade hieraus aber ergibt sich, daß nicht wie der Verfasser behauptet, die Talmudisten eigentlich eine Art Psychoanalytiker wären,. sondern daß dieser ganzen Einstellung die Deutungsweise, welche der Verfasser in das religiöse und speziell in das kabbalistische Judentum hineinträgt, geradezu entgegengesetzt ist. Hier bildet doch, wie man die Sache auch drehe und wende, die Sexualität oder Homosexualität im physiologischen Sinne den Mittelpunkt, die erst durch „Sublimierung" (ein . beliebter Terminus der Freudschen Schule) in andere psychische, in soziale, künstlerische, religiöse Impulse umgewandelt wird. Dort aber erscheint aus einer vollen geistigen Weltanschauung heraus, welche natürlich auch die Urpolaritäten des Daseins kennt, auch die geschlechtliche Liebe entsprungen. Diese kann als irdische Verdichtung (das Gegenteil von Sublimation) von jener betrachtet werde», wenn sie nicht, was selbstverstäMich, ihren Weihecharakter ins Gegenteil umkehrt, den Mächten der „anderen Seite" verfällt. Man braucht nur mit diesen Voraussetzungen an das Buch heranzutreten, um seinö Mißdeutungen allenfalls — als solche zu verstehen, wie die einzelnen wertvollen Stellen zu würdigen. Dernr schließlich wird der Verfasser, der viele Einzelheiten liebevoll zusammengetragen hat, von seinem Thema selbst sortgerissen, und man freut sich immer) zwischen viel Widersinn auch Perlen hervorschimmern zu sehen, zu denen unter anderem auch zwei kleine, bislang wenig brannte, chassidische Erzählungen gehören. Nicht eigentlich kabbalistischen Inhalts, doch jenem wunderlichen GreUizlanid augchörig, worin die Vollkssage hie und' da mit mystischen Vovstelliumigen verwandt erscheint, - sind die nicht ganz richtig so bezeichn-eten Kabbalistischen Geschichten": den sechsten Band vom ,Morn Judas" bildend, aus dem Nachlasse des verstorbenen Micha Josef Berdiczewski,**) der nicht nur ein» hervorragender hebräischer Novellist und Essayist, sondern auch der gründlichste Kenner und beste Darsteller der jüdischen Sagenwelt war, in der deutschen Usbertragu-rvg seiner Frau herausgegeben. In den ,/Sagen der Juden" lm-c im ,Morn Judas" liegt ein reiches Material vor, an welchem der Myjhenfo-rscher einerseits die verbindenden *) Vertag Josef Fleisch, Prag. **) Erschienen int Insel-Verlag, Leipzig. Rermscheinimsen rm Wischen Geschichte. Von Dr. N. M. GleWr. Aus den letzten Monaten ist eine Reche von historischen NeuerschMunigen zu verzeichnen, die erfvenbicherweise darauf Hinweisen, daß auf dem Gebiet dev jüdifchon GeschichMviffeuschaft intenfide Arbeit geleistet wi'rd. Unter diesen verzeichnen wir vor allem das Erscheinen des zweiten Bandes der „Geschichte der Inden in Polen und Rußland" von Dr. Jois^f Meiseil. Der zweite Band dev MeWschen Arbeit*) bchandeli den Zeitraum von. den KosakenärGtänden bis zum Untergang der Mischen Autonomie im Jahre 1764. Der Bersaffer benmht sich, diese Periode des Verfalles der unter recht schwierigen Bediugilngm nn 16. und 16. Jahrhundert ausigebauten Gemeindeautonomie. in mögliMt Maveur Lichte darzustellen, wobei er den soziMoirtschaMchen und kulturellen Verhältnissen besondere Beachtung schenkt. Im Eingang dieses Bandes ent-! wirft MeisÄ düs schaurige BM der Juldenschlächtoreien, die, . von den Kosakenhorben E h m i e l n i c ü i s veranstaltet, das . jüdische Gemeinde-- und Wirtischafislebw für Jahrzchnte hinaus zerstört haben. Ganze Gemeinden verschwanden und die Mriigen, die siä) retten konnten, haben sich »reit bis ins 18. Jchrihundevd hiwien kaum erholen können?- Die Folgen dieser Periode waren für die Mnisch-UkrainisckMtanWe Judenschaft sowohl in wirtischcchMcher als auch in Mtnveller Hinsicht geradezu katast rophal. Fast 700 zerstörte Gemetuden und etwa 200.000 erschlagene Juden waren das Fazit der traurigen >Kosakenherr!schast, die 270 Jahre später abermcks das jüdische Leben in der Miraine debastierte. Zahlreich e' Mische - Fvücht-; linge »ränderten aus der Ukraine aus und wurden auf diese! Weise Träger der Mischen Kubtur in Deutschs and, Jta- *) Dr. Josef Meisel: .Meschichte -der Jude:: in Polen . Bpnd. .PMM, E..A. Mhw-etMe. u. Schn, l i e n und Holland. Die westeuropäische Judeuh.vit wurde von: Geiste dicher geflüchteten polnischen Talmitdisten lange Jahrzehnte hindurch erfüllt, und dank ihnen feierte hier die jüdische Gelehrsamleit eine Regenerierungsperiode. Um der Judenschaft, in Polen zu helfen, vereinigte sich die.Judenischaft Westeuropas zu einer gemeinsamen Ret'tUngsaktion. Jüdische Gemeindenwie Livorno und viele andere, hoben von Hren Mitgliledern eine besondere Steuer in der Hölhe von 0I5 Prozent des Cinlommens ein, um die in Gefangenschaft geratenen Brüder losznkaufen. Trotz dieser und ähnlicher Hilfsaktionen konnte sich die polnische Jndenschaft von den Schlägen, die ihnen eine langjährige Kriegsperiode versetzt hatte, kaum erholen, und späteren Restanrationsversuchen gelang es nicht, die zerrüttete wirtschaftliche Lage wieder ins Gleichgewicht zu bringest. Außerdenr begann auch in diesem Zeithnnkte die Periode der scharfen Gegensätze gwischm der städtischen BevöMerung unid den Juden, Verf-ol>gungen durch Klerus und Bürgerschast, Anschuldigungen gegen die Juden wegen Hexerei und Zauberei, BlutanMagen und die ersten Vorboten einer judenfeindlichen Literatur trügest zur Verschlechterung der La>ge nicht unwesentlich bei. Nicht besser erging es den Inden unter AnMst dem Dritten (1733 bis 1763), der kein besonderer Judenfreurtd. war und die Juderr nicht anders als eine „unwürdige"' und ,/scheußliche" Nation begeichnete. Kaum daß sich die Gemeinden von den Schlägen Chini-elnivkis erholen konnten, vrachear neue HajdamakenEufstäude aus, deren Treiben das schreckliche Judenblutbad in Um a n die Krone aufsetzte. Meisel schildert sodann die Lage der russischen Judenschaft in diesem Zeitraum und widrnet die letzten Kapitel seiner Darstellung -den kulturellen Justchtdert, -wobei er das Schulwesen und das Mische Haus- und GeNtvindeleben beson- , ders berücksichtigt. Die Schla:ßkapitel'behändeln das Eindringen der sabbatianischen Bewegung nach Polen und ihre Ausläufer — die Frankisten. Mn spezieller. Abschatitt ist der Schilderung .der theoretischen Vorläufer des ChaMdisanus und dessen Begrürder ,/Bescht" gewidmet. Mit diesem Band, der die gesamte -Literatur berücksichtigt, erfüllt der Verfasser seine lAchgabe, sein Werk kann einem Jtlden, dev die Geschichte der polnisch-Mssischen Judenheit im 17. und 18. Jahrhundert kennen lernen will, empfohlen-werden. Die Anmerkungen am Schluffe' des Bandes bieten dem Leser einen Wegweiser durch die recht zahlreiche» Literaturnachweise. * Die Balfour-DMäration hat Palästina im fc-cm Intern essenkreis der breiten Milscheu Oeiffvntlichkeit gerückt.' Sch-einbar auch unter diesem Eindrücke hat Prof. Samuel Krau §*) den Versuch uuiernomuten, eine Gsschichte des. Mischen Palästina z>u schröiben. Jedoch bietet bie Lektüre nicht, was der Titel verspricht. Während Prof. Krauß von 1<50 Seiten seines Buches 88 der Sch-ilderung Palästinas bis zur römischen Herrschaft widinet und fodan-n m-chvere Seiten den Kulturver-. hältmssen in diesem Zeitraum, begnügt er sich nur mit einer sehr knappen Schildernng der Geschichte Palästinas' unter der römischen Herrschast und im Mittelalter. Gerade diese Perioden sind jedoch, im Gegensatz zu . denfrüheren, dem Mischen Leserkreis so gut wie unlbekaunt; es mich daher wundLru-chMen, daß der Verfasser die türkische.und arabische Zeit so stissMtteriich hcrndol-t. Die BeweMNg des Jelhuda Hachasid und die „Palästina-Aktion" in den Jahren 1723—1724 hätten eine ansfühMchere Darstellung verdient, um so mehr als gerade in den Menev Archiven zahlreiches Material, das auf die Wertheiwerschen Palästina-IStiftungsn Bezug hat, zu finden ist. Hätte der Verfasser die neuesten Napoleon-Forschungen mehr berücksichtigt, so würde man über Napoleons Verhältnis zu Palästina viel mehr erfahr«:, als man den knappen 19 Zeilen auf Seite 36 en-tnehnren kann. Zumindest sollte der Aufme-vffanÄeit Prof. Krauß' die Arbeit Paul Naphaels ,Monapavte et le Sivuisme" in ,/La Revolution. Franoaife"- nicht entgangen sein. Sellbft G. Hölschers Reines Büchlein enthält auf Seite 62'eine auf diel bessere:: Tatfachenkenntnissen' fundierte - Darstellung Mer Napoleo:! nick Palästina. Auch die Schildertnng Palästinas seit dem Jahre 181.l bis * Prof. Dr. Samuel 'Krauß: „V'ier Jahrtanstnide Mischen . MlMms". I. Kaachmmms Verlag, FvanGurt a. M., MS.