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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-06 · Heft 1579 (6.7.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1579 (6.7.1923)
Date
1923-07-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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' Wfc 4 Mett, Freitag RÜMchlmT^ Lärmszeuen im drnttstze« Reichstag. tic Unterstützung rechtKrMkaker Elemente durch die bayrische Berttn- 5. Juli. (Wolfs.) Im Reichstag begründete Abgeordneter Unterleitner (Sozialdemokrat) einen Antrag seiner Partei auf Aufhebung des AnsnahmszustandeS in Bayern und richtete dabei außerordentlich scharfe Angriffe gegen diebayrifche Landesregierung. Er warf ihr vor, daß sie rechtsradikale Elemente unter st ütze, die offenenLandesverrat betrieben. Eine Regierung, die gemeine Verbrecher dulde, müsse jede Autorität verlieren. Aus den Kreisen der Bayrischen Volkspartei erfuhr der Redner heftigen Widerspruch, wobei es z n lärmenden Szenen kam. Nachdem ein kommunistischer Redner sich dem Antrag angeschlossen hatte, wurde dieser dem Rechtsausschuß. überwiesen. Der „Vorwärts" meldet, daß die bayrische Regienmg min» mehr auch die „Fränkische Tagespost" und den „Fränkischen Volksfreund" in Nürnberg verboten habe. Sonrit seien sämtliche sozialdemokratischen Zeitungen von der bayrischen AuSnahmezustcmdsvevordnung betroffen worden. Der Ruhrkrieg. Der Duisburger Sabotageakt. Paris, 4. Juli. Entgegen der bereits dementierten Darstellung, die von deutschen Blättern über das Attentat auf den belgischen Militärzug bei Duisburg verbreitet wurde, wonach das UnMck durch die zufällige Explosion eines in einem Waggon 3. Klaffe befindlichen GasbchAters verursacht worden sei, wird von der Agonce Havas ausdrücklich sestgestellt, daß es sich um einen neuen Akt ausgesprochener Sabotage und ein verbrecherisches Atterrtat haMe, indem eine Bombe in einem Wagen des Zuges medergslegt wurde, durch deren Explosion 19 belgische Soldaten getötet und 40 andere verwundet worden sind. Weitere Besetzungen. Jülich, 5 Juli. (Wolfs.) Die Zuckerfabrik m Ameln wurde gestern von einem belgischen Kommando besetzt. Die vorhandenen Zuckermeugen von etwa 40 Waggons wurden beschlagnahmt. Esten, 5. Juli. (Wolff.) Die hiesige ReichsSanffAiÄe ist heute abermals von den Franzosen besetzt worden. Die Großbanken haben geschloffen. Die Akttön soll wegen Mchtbefolgmrg der Verordnung Deguttes zu der Dedisenverordrmng der Reichsregierung e^olgt fein. AnHÄchnimg des Geuevals Degoutte. Paris, 5. IM. Dem GenevÄ Deyoütte ist das Grvßkreuz der Ehrenlegion verliehen worden. Re sieben Mainzer Todesurteile brstMst. Berlin, 5. Jwli. Wie die Matter ans Düsseldorf meiden, äst das Revstionsges-uch der vom Mainzer Kriegsgericht wegen angeblicher Sabotageakte zum Tode Veruvtellten Gaste, Maurer, Grnber, Hahne, Schneider, Dreier und Vveh sowie des zu Lebenslänglichem Zuchthaus vewrteAten Lauch und deS zu fünf Jahren Gefängnis verurteilten Kobler heute vom RevifionSgericht der frcmzösstchen Rheinarrwee in Düsseldorf nach kurz« WerhaMung verworfen worden. Streik der Beriiuer Bauarbeiter. Berlin, 6. JÄi. Sämtliche Ackeüer des Berliner Hochvnd Aefbaugswerbes haben in Ausfichrung des gestrigen StrMboschlusses heute die Arbrit niedergelegt. Auch die Arbeiten auf der Rock-Südbcchn ruhen, Streit der Metallarbeiter. Berlin, 5, Filii, fei. tet „Wiener MorgeiHeitung".) Die heutige Abstimmung drr Arbeiter der Metallindustrie ergab eine Dreiviertelmehrheit für den Streik, lieber den Beginn des Streiks wird die Streikleitung heute abends Beschluß fassen. Ae „Abrüstungen". Amerika will seine Lustschiffe verdoppeln. Paris, 5. Juli. Die „Chicago Tribuna" berichtet aus Washington, das Heeres- und Marinsamt beabsichtige, ein neues amerikanisches Luftrustungsprogramm aufzustellen. Zugrundegelegt werde das Bedürfnis, New- Aork und das Industriegebiet dos. Atlantischen Ozeans gegen einen etwaigen Angriff aus der Luift zu schützen. Dieser Plan würde es twraussichtlich notwendig machen, sowohl für die Armee Äs auch für die Marine den LuMenst zu verdoppeln. Das Armee- und Marineamt erklärt, daß es kein Wettrüsten mit Frankreich und England beabsichtige. Es handle sich nur um die Küstenverteidigung. Die amerikanische Küste sei von einer großen Anzahl von Flugzeugmutterschiffen bedroht, die die alliierten Mächte besäßen. Faban für eine SrgünMng des Washingtoner Abkommens. London, 6. Juli. Reuter meldet aus Tokio: Bon zuständiger Seite wird erklärt, das Marinedepartement habe seine Attachees angewiesen, in nicht formeller Weste Großbritannien und Amerika bezüglich des Vorschlages zu sondieren, eine Dreimächtekonferenz abzuhalten, welche M Aufgabe h^ben solle, das Washingtoner Abkommen zu ergänzen, ohne auf seine Ratifizierung durch Frankreich und Italien zu warten. Der Grund liege in finanziellen Erwägungen, da die Iustandhalung von Schöffen, die nach dem Abkonn':cn abgebrochen werden sollen, unnötige Kosten verur-' iMe. Wiener Morgenzeitnns. 0. Juli 1923 Nr. MV Me nanonalsoziatistische Feme. Re Mordblllne der Hakenkreuzier. Die Völlige Aufklärung der Hakenkreuzleroffäre im Neulengbacher Walde ist im Gange. Es sind bisher insgesamt 35 Personen verhaftet und tc§ ist bemerkenswert, daß die in den letzten Dagen vorgenommenen Bechaftu-ngen Personen betreffen, die man nicht mehr Äs unreife und verführte Innigen bezeichnen kann. WahrfcheiMch wird heute über die Bechafteren die gerichtliche Untersuchungshaft verhängt werden, doch bleiben sie noch weit« im Gewahrsam de r Polizei. Die «Ergebnisse der llnterfuchung haben naturgemäß auch in dm politischen Kreisen große Sensation erregt. Die Regierunig hat der Polizei den Anstrag erteilt, mit der ganzen Mockgesellschaft im Wien auiMnäuimen. Es wird sich aber nicht «umgehen lassen, daß die Nachstwschllmgen auch in der österreichischen Provinz betrieben werden. Die Natiomlsozmlsttstche Partei, die allgemein und ohne Rücksicht Äs -der Herd dieses Beoschwörevtums bezeichnet wird, bleibt nach wie vor dabei, daß sie mit den Mördern nichts gemein habe. Aber es konnte noch immer nicht aufgeklärt werden, wieso N ov o sat 44 Tage nach dem Mord von der Partei vongäladen wecken konnte. In der Wohnung Novosats hat imcm, wie schon 'berichtet, einen Ring der Brigade Ehrhart gefunden, deren Chef bekanntlich sich in Leipzig in Haft befindet. Ferner wurde eine Stampiglie des ' natioualfozialsttischen Ocknerkommandos gefunden, welche Äs Wappenbild einen Helm mit dem Hakenkreuz Aeigt. Der Mord selbst scheint he-uie i>n feiner Veranlassung ziemlich aufgeklärt. Karger stand im Verdacht, den Sozialdemokraten^ ober auch monarchistischen Verbänden Mitteilungen über die Geheimoygamsation gemacht zu haben. Er wurde deshalb von den acht Mitgliedern der Gruppe Novosat in zwei Verhandlungen zum Tode'verurteilt und Novosat selbst erhielt den Auftrag, .das Urteil auszuführen. Wie sich die Tat selbst voltzogen hat, konnte bisher nicht sestgestellt werden. Dagegen ist uachgewiesen, daß die Gruppe Novosat und Schlayeter unter dem Befehl des Oberleutnants Lechner stand, der von der Leitung der NationÄsoziÄsttischen Partei in München nach Wim geschickt worden war, um hier die Sturmtrupps zu organisieren. Äechner kommandierte die bekante Schießübung auf dem Exlbevg; Äs er damals während des Zusammenstoßes mit der A-rbetterwehr von Gendarmen einyefchlossen wurde,- übernahm an seiner Stelle der nunmehr.gleichfalls verhaftete HeinÄch Freund, angeblich aus CP-rMovütz, den Befchl. Die Person dieses Freund stt noch im Dunkel gchüllt. Auffallend stt, daß ereine« französischen Paß besitzt uüd «ms dem Rnhvgebiet kam. In seiner Wohnung hat man morüvückögevwei-se keme Kleider und Wäsch« gesunden. Er war der Leiter dos von einem gewissen Gwack Rößler, einem Magazineme der Bem» Mck iJudustrieerfockernis G. m. b. H., gegvürckÄven Schlageter« Verbandes. Man fircht jetzt ans dem Lagerplatz iüeser GeMschaft in der Ziegöwfengafse nach etwa versteckten Waffen. Alle Verhafteten waren eifrige Besucher der^ mW schroKWhen BwfammttMgen und ebenso eifrige Löser der antisemitstchen Presse. AnS ZeAungen hotten sie sich Weisungen für ihre Wordplän-e, und es wird eine ganze «Aste von Nwnen SÄpoaÄVt, deren LrägM im Interesse der dvustcheu Sach« Erledigt" wecken sollten. Es. sind durchwegs die Namen van Re Frage der ««eüemmag Sowjetrußlandr durch Suglaud. Lorckou, 5. Juli. Das Ren-tevsche Bureau^ 'Meldet: Die Sowjetvegievung hat bisher ihre Anerkennung seitens Englands nicht angefucht. Falls sie dies tun sollte, würde England fordern, daß vorher genügende Beweise geliefert werdendaß die Sowjetregierung die in ihrer letzten Note mchaltenm. Versprechungut durchzuführen gesormen sei. Amerika «ud Rablaad. Moskmr, 4. Juli. In Moskau ist eine Gruppe amerikamfcher Senatoren und angesohmer Vertreter der amevAanischen Industrie eingÄwffen. Unter den Gästen »befinden sich S a nelaer, Präsident der Sanclaerschen Naphthagesellschast, welche auf der Insel Sachalin eine Konzession erhalten tjat; Albert Full, der frühöve Jlmenminiister der Vereinigten Staaten; Robert Law, Präsident der Bavuwells Mphthages-ellschast. ScmÄaer erklärte Journalisten Mgenüber, der Hauptzweck feiner Reste sei, Erkundigungen an Ort und Stelle Wer die Finanzlage Sowjebvußlands einzuziichen. In bezug auf 'das WerhNtnis der Versmigten Staaten zu S-owijetvuß'land wies Sanolaer darauf hin, daß die öffentliche Meinung Amerikas immer 'Mchr für die Anerkennung der Sowjetvegievung eintritt. Die amerikanische Regierung müsse mit dieser Tatsache rechnen und ihre PoM! Sowjetrußland gegenüber ändern. Die Wiederaufnahme der Beziehungen mit SowjetruMmd werde jedenfalls erfolgen, weim bei 'den amerikanstchen Wahlen die lfortschMlichen Elemente den Sieg davantragen werden. Bom Bölkttivndrat. Gens, 6. Juli. In der heutigen Vovnrittagssitzung des Völkerbundrates /berichtete der japanische Botschafter A d a t e i über den Stand des Streitfalles zwischen Ungarn und Rumänien bezüglich der Expwpriation des Grundeigentums solcher ungarischer Grundbesitzer in Siebenbürgen, die nach dem Vertrag von Trianon zu Rumänietr gehören. Er empfahl Personen, die von der Wiener vöKstchen Presse ÄS Jrckeu-amd Judengenossen, Äs Nvvembervevbwcher beschimpft werde«. Die Mitglieder der Derrororgamisationen kanuteu d-e« Zweck ihrer Verbünde. Der Gedanke des Mordes hatte für sie nichts Erschreckendes. De Erhebungen im Sichecheitsburewu wecken mit einer großen Anzahl von Kriminalbeamten mit größtem Eifer durchgefilhrt. Gestern fanden die Einvernahmen der vechaf-, teten jugendlichen Personen statt, die bei der Perbustrierung fejstgeinommen würden, da man sesGellen muß, inwieweit sie von der Mvckabsicht des Möckers Kenntnis hatten. Im Zuge der Erhelbungen wurden geftem weitere acht jugendliche Personen, die der Trutztruppe ,Mchlagoter" angeW-ten, perÄstriert, da nran möglicherweste auch von ihmn erfahren kann, ob Novosat sich einen vo»n ihnen gegenüber bezüglich des Mordes an Karger geäußert hat. Insgesamt^ befinden sich also 8 5 Personen in polizeilichem Gewahrsam. Bon den gestern angchallenM Personen hat keiner das Alter von 22 Jahren überschritten. Bezüglich des Gestencknistses Novosats stt keine weserrtlich. Veränderung zu verzeichnen. Er behaupte noch immer, daß er die Tat nicht allein, sondern im Verein mit einem zweiten Manne verübt hat, ilber dessen Person er keine weiteren Angaben macht. Die Recherchen Wecken fortgesetzt. Abends wick uns gemeldet: Die llntechuchumy fchvint fich dem Abschluß zu nähern. Im Laufe des gestrigen Tages wurden rMüerKche Hausdurchfuchunigen vorgenommen, -die jedoch kckn besonderes ReisnAat brachten. Mchrene Personen, die wegen des Verdachtes der Gehei»nlbüindÄoi zur Pdlizoi twrgeladen waren, wurden nach kurzem Verhör in Haft genomman. De Angellegenhoit des Mordes und der dawrt verbrmdenen politischen Frage dürfte heute den Natümalrat beschäftigen. Die Soziailldamockraten haben die Absicht geäußert, in» der hvniigen Sitzung eine drimglliche Anfrage an die Regierung zu richten, m der sie volle AüMarung über die Märe fockem. LSbl, dev Krrkholrk. Im ,M«uen Mener Dagjblatt", dessen ChefredMeur der gewulfte Jtcke Hchvat Lb-bll stt, steht im gestviym MtavtiW, der sich mit den Umtriicken der Hakkenikvörtzler befaßt, folgender wchllgeilungener Satz, der augenscheiullich eine' Persiflage des Herrn Lölbll stt. Es Wick darin siegendes gesagt: ,Me Herren llrsm -von der Großdeutschen und JerzabÄ von der GhvPlichsoAvÄen Partei treten bedenkenlos als Träger der vAkstchen RassenpolM in ihrer gehäss«igsten FormuTievung auf; es gibt fromme chvstMchsozialle Blätter, die der Rassenhetze die Mauer machen, Moohll, soweit wir unterrichtet sttck, die kath-oilische Kirche die Zadgehörigkeit znm Christentum an >ben Empfang des Sakramer'ts d^er Taufe knüpft, nicht aber <m den nnerbringilichen Nachweis einer nebelhaften ralslfenreinsn Wbstamimnlng. Des« Datffachen^ stttd sWbstverstänMch auch weiteren Kreisen bekannt und haben, in erster Linive unter der Judenschaft, aber auch kt fovstchvittlich gesinnten, gut christlichen Kreisen unkliebsame Beachtung gchlvnderr." mmaammmammmimmmmmammmmmmmmm gefaßten Beschlüsse. Graf A p p v n y i erklärte, es sei eine juristische und Politischs »Unmöglichkeit, daß das nationale rumänische Recht internationale Verpflichtungen außer Kmst setze, und verlangte, der Rat möge die, AngelogenhÄ dem ständigen intevnaüonÄen Gerichtshof im Haag unterbreiten. Der rumänische Gesandte in London Titule s c u verwies auf die Brüsseler Berhaudkmgen und erklärte, Ungarn habe Zugeständnisse gemacht, die man nicht mehr zurückziehen könne. Die Expropriation der Großgrundbesitzer sei eine große soziale Maßnahme im Interesse Rumäniens. Nach einer Pmse legte Hymans (Belgien) eine Resolution vor, in der die Anerkennung der Brüsseler Beschlüsse empfohlen und die streitenden Parteien ausgesordert werden, sich im Interesse des Friedens entgültig zu verständigen. De Resolution wurde eirsttnnmi^ angenommen, wobei sich Gras Apponyi der Stimme enthielt. Der ungarische Bevollmächtigte gab schließlich ein« Erklärung zu Protokoll, wonach seine Regierung die Enrp- ' fehlung des Rates n i ch t a n n e h m e n könne, da in Brüssel keine endgültige Einigung erzielt worden fei. De Regierung behalte sich daher alle Schritte vor, dir mff Gruni der Bestimmung der Verträge und des Völkerbundpaktes unternommen werden können. Re siamrlots d» RoS. Toulouse, 4. Juli. (Havas.) Heute hat hier der Pro-» zeß gegen die Camelots du Ro i begonnen, die wegerr des Ueberfalles aus Caillaux augeklagt sind. Unten anderem wu-rde Caillaux als Zeuge einvernomimen, dev den Hergang des Urberfalles sä)Werte. Nach »dem Verhör der Angeklagten, von denen Gvelot als der Hmlptbeschuldigte die ganze Verantwortung auf sich nahm, beantragte der öffentliche Ankläger strenge Strafen gegen die Beschu-Wigten. De Berhandlung Wick morgen fortgesetzt. Der Prozeß g«det. Paris, 5. Juli. (Tel.-Konch.) Jnr Prozeß Judet forderte der Staatsanwalt l e »b e n s! ä n g l i ch e

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