Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1572 (29.6.1923)
- Date
- 1923-06-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgenzeitung. 29. Jum 1923 Kr.«,! Nie. in MelSenburg. dekgluftiibehörden. «Me * - y \ ' a«t gwan jpmfyM^ane dev imerrurttsnale» Kveldite. Mr. ALkLnson ßW« Schdch, nichts kömtte Leu WÜevbuÄ» dvrr Berk «.fofligte« Sttmtm voiUtömÜcher madjcjt, oätt tÄc Befl^nrch CuWpeS ton tati Mpd«ck der RÜ»swMv»eri. Me NnkLige der poMßchen LoiMÄGon wtmdm eLttßrrmmig angenommen. Der Pväisidevt Bavo« Aderswart lbqMSwunschl« «e Brrsamttlmq M der erzieüen Giwitzkest und jpvach die Hoffnung aus, daß anchbie Staaten M den^Keicheu vesHSHMHeo Resultaten kommen würden. Nach Bespr^haug verschiedener Fragen der, Abrüsdmg, der doppelten StaatÄürgerschoft, der rvWhew MchMnge in Klrmaflen, des BMerVundpaktes nüd dschl. wurde beschlossen, die nächste Versammlung nn Hang «nd die nächste Hauptversmmnlnng in Lyon abguholtrn. Pvasidemt Baron Lltzielswänt Motz den Kongreß mit dem Dan? an die österreichische Regierung. ... ZugoslMie». Sos Attentat gegen Pafic. Der Racheakt eines entlasse»«» Beamten. Belgrad, 28. Jum. Gel. der Mr. MorgenyeÄvng".) Der richtige Name des Attentäters ist Milutm Rajnc. Sein Bat er, ein reicher Kauflnann aus Velrka Gradiste, mutzte zur Zeit der Obr enovic o?ls Anhänger der Dyi.astie Karageorgievic aus Serbien fluchten. Er wendete sich nach Ungarn und ließ sich mit seiner Frau, einer gebürtigen Ungarin, in Budapest nieder. Nach dem Sturz der Dynastie Oörenovic kehrte er nach BÄgrad zurück. Die Mutter des Attentäters gibt an, ihr Sohn habe ein solides geführt und sich nicht um Frauen gekümmert. Die poNzeiärztttche Untevsuchlmg stellte fest, daß er an ererbter und erworbener Syphilis leidet. Raste war Mit Med der Uebernahmskömmission für Reparationslirserrmgen auS Deutschland und längere Zeit in P a f f a u tätig, wo er einen Gehalt vor.» 2100 franyösischen Franken bezog. Er wurde entlassen und meldete sich beim Staatssekretär im Ministerium des Aeußern GavriLovic, den er um seine abermalige Anstellung bei der Reparationskommission bat. Der Staatssekretär habe ihm geantwortet, Ministerpräsident Pasie wolle davon nichts wissen. Raste beschloß hierauf in seinem Aerger, das Attentat sofort cmszuDhren. Politische Momente scheinen bei der Ausführung der "Tat nach bisher bÄannten Daten nicht mitgespielt zu habe«. Der Bruder des Attentäters ist BanDirüktor m I^zram. lieber das Attentat wird noch bekannt, daß Paste, als der Attentäter die Schüsse gegen chn richtet«, seinen Kops so zur Seite neigte, daß er nur von den GiasMitiorn der zeckwchenen Scheibe seines AutomoHllS an der linken Hand leicht verletzt wurde. Dagegen verletzt« der Attentäter bei seiner Festnahme einen PolizSiagenten schwer. MnPerprMwnt Basic stieg sofort aus dem AutomolbL aus und ercklavte der Menschenmenge, es sei ihm nichtgeschchen. DrS Mental wurde au derselben Stelle verübt, an der am 39. Juni 1921 der Kommunist Spare eine Bombe gegen den damaikigen Thronfolger Alexander geworfen hatte. s Die Nachricht von dem Attentat vechrrtteto sich «üt Blitzesschnelle in der ganzen Stadt, und große Menschemnvny« sammelten sich vor allen- RödcMonen, besonders vor vom Wohnhaus des Ministerpräsidenten, an, wo ste Manifestationen bereiteten und sich erst zerstreuten, als bÄannt wurde, daß er sich wohl befinde. Ministerpräsident Pasie wurde foifört nach dem Mentat in seinem Auto irfeine Wohnung gebracht. Gin ärztlicher Konsilium stellte fest, daß seine Bmwundungen nicht ernster Natur seien. Immerhin hat man zur Vorsicht auch eine Schutzimpfung gegen Starrkrampf (Tetanus) vorgcnommsn. Eine sranMche ««leihe. Paris, 28. Juni. (Wovss.) Der Kammewusschuß für auswärtige Angelegenheiten hat gestern den Bericht Wber die WaMrgtoner Vereinbarungen betreffend dke Einschränkung der Seerüftungen angenommen. Der Ausschuß erteilte ferner seine Zustimmung zu einer der süds-law ichen Negierung zu gewahrenden Anleihe von 3 0 0 Millionen Franken. Ungar«. Las Urteil gegen Karolyi beMlgt. Budapest, 28. Jum. Die Königliche Tafel hat das Urteil der ersten Instanz, wonach bas Vermögen des Grafen Michael Karolyi auf Grund des Gesetzes Mer den Vaterlandsverrat dem Staate anheimfällt, 'bestätigt. In der Bsgvündumg des Urteils wird darauf verwiesen, daß die ungarische Judikatur zwar keine ausgeprägten Bestimmungen für das Wesen des Hoch-, und Vatevlandsverrates aufweist, Karolyi aber nichtsdestoweniger als Hochverräter zu betrachten ist. Er sei im kritischesten Augenblick des Krieges durch pazifistische Schlagworte zugunsten des Feindes eingeschritten. Es ist wahr, Laß es der gesetzliche König war, der Kavölyr zum Ministerpräsidenten ernannt hatte, doch habe er, als der König ihn seines Eides entband, die Macht dem ungesetzlichen Nationalvat übergeben. Gegen dieses Urteil kann binnen 15 Tagen ein R ev is i o nsgesu ch an die höchste Instanz, die königliche Kurie, eingereicht werden. Die Verteidiger Karolyis werden von di^'l". - echte Gebrauch machen.. zalaegecheg. Budapest, 28. Juni. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Ein in Zalaegerfzeg Internierter hatte sich wegen der Inszenierung"eines H uwg-e Vst r e i k s vor dem Appellations- Berlin, 28.- Juni. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Auf ausdrückliche Veranlassung des mecklenburgischen Ministerpräsidenten Stelling hat die Schweriner Polizei drei neue Verhaftungen in Zusamenhang mit der Parchimer MordaMre vorgenommen. Es handelt sich um den Oberleutnant Fr ick«, wohnhaft in Berlin-Wannsee, den Oberleutuant v. Lewis, Bezirksleiter der Roßbach-Organisation in Parchim und um den Rittergutsbesitzer Schnüttgens in Nmhof bei Parchim. Bei ihren Ernvttlungen hatte die Polizei ein größeres Waffendepot auf dem Gut Neuhof entdeckt, darunter ein Maschinengewchr, mchrere Revolver und zahlreiche Munition. Gleichzeitig werden auch die Nachforschungm durch die politische Polizei in Berlin mit Nachdruck durchgeführt, da. nach den bisherigen Ermittlungen sich der Verdacht zu verstärken scheint, daß gerade hier in der Reichshauptstadt weitere Teilnehmer und Mitwisser an diesem Racheakt der mecklenburgischen Roßbach-Leute zu suchen sind, Gestern haben in Berlin zahlreiche Hausdurchsuchungen bei verdächtigen Personen stattgefunden, bei denen zum Teil mnfcmtzwiches Material Ver Beschlagnahme verfiel. Aus Mecklenburg wird dem „Vorwärts" berichtet: Me Bemühungen der sozialdemokratischen und demokratis^en Regiemngsmttglieder Mecklenburgs, der mecklenburgischen Pnffchelemente Herr zu werden, sind stets an dem passiven Widerstand der mecklenburgischen Justizbehörden gescheitert, die fast ausschließlich aus Männern der alten Regierung bestehen. Wiederholt waren aus Anlaß von Wassenfunden Verhaftungen durch die Polizei vorgenommen worden, fast immer aber wurden die Verhafteten wenige Stunden nach ihrer Vorführung vor den Richter wieder außer Verfolgung gesetzt. Kein Wunder, daß dis Roßbach-Leute immer dreister auftraten. - : - ~; gevichtshof w Raab zu verantworten, nachdem er vor Monaten vom Gerichtshof in Zalaegerszog sreigesprochert worden war. Statt feiner aber langte beim Gericht das folgende vielsagende Telegramm an. „Der Internierte Detsider Andorbr benahm sich gestern rabiat und aufrührerisch und provozierte de« Gebrau ch der Waffe. Seine Vorführung kann nicht erfolgen!" Sie Putschisten.! Budapest, 28. Junli. We die Matter mMen, hat die Polizei die Unterfuchung in der Angellageicheit der Mitglieder des ,-Kulturbundes der ungarischen Vergangenheit" abgeschlossen und Dheoidov KovaeS samt 18 Genossen wegen des Berigehens gegen die SicheHckt des Staates sowie wegen fra»chlÄvser GAamng m Präventivhast genommen. Pole«. «rrhandlmrseu Witv»' mit dm nationale« Minderheiten. Äärschatt, 28. Ju-ui. (DÄ. der ,Mr. Mrpgecheitiung".) Mdristerpräfident W i t o § hatte eine längere Konferenz mit den Bevbvetem der Deutschen im Schn, Haßbach und Klinka. Me einige polnische Blädüer, darunter auch Kurijer Pols k i, beachten, steht diese Konferenz im Z-ufammerchang mit den Bemühungen bat Regierung, mit den nationalen Mindecheiten eine Art Burgfrieden zu schließen. Die oppvfitionelle Presse, besondtrs die bit polnischen Linksparteien, benützt diese Kon- Ifsvenz mit den Deutschen zu neuen Angriffen auf die Regierung. -.<ES fchÄnt nun in Wahrheit Witos hauptsächlich darum zu gchen, durch einen Pakt mit irgenemer der nationalen Minderheiten die Möglichkeit eines rveuerlühen, gonteinfamen Zusammengehens dieser Gruppen'-» verhindern. Ob dies angesichts des Umstandes, >daß das Numerus claufus-Projekt trotz der Versicherung des Schn-Präsidentm Ratai, er werde alle Mittel anwenden, daß das die MindechÄten beeinträchtigende Gesrtzesprojekt in der gegenwärtigen Schnsession nicht auf die Tagesordnung gelange, noch immer auf der Tagesordnung stcht, möglich fein wird, ist eine andere Frage. Außer den Deutschen haben noch keine anderen Mmoritätenve-rtreter Konferenzeinladnugen erhalten. Rundschau. Poinmre Mer die Anerkenn««» öowteturßlonds. Paris, 28. Juni. Im Laufe der Budgetdebatte in der Kammer trat der kommunistische Deputierte Berthon für die AnerEennung der Sowjetvogierung ein. Ministerpräsident Poincare erwiderte, die Lage sei unverändert und er habe keine Kenntnis davon, daß die Sowsttregiemug sich erboten hätte, die französischen Inhaber russischer Anleihe- Papiere zu bezahlen. Die allen übrigen Bedingungen für. die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen vorausgehende ist 'die Anerkennung der Schulden. Ich sage nicht, die Bezahlung, sondern die Anerkennung; denn wir haben stets dem augenblicklichen Zustand des Landes, mit dom wir verhandelten, Rechnung getragen. Aus aller Wett. Athen, 28. Juni. Der ökumenische Patriarch hat beschlossen, Konstantinopel zu verlassen. Er soll vorläufig auf dem Berg Athos Aufenthalt uÄMen. Sofia, 28. Juni. Die amnestierten früheren Minister Malinvtw und Dr. Dauew sind heute in Sotsia eingetraükeu. < Die Roßbach-Organisation in. Mecklenburg häk sich den Namen Verein landwirtschaftlicher Berufsausbildurlg bergelegt. Charakteristisch ist, daß dieser Verein bereits fett geraumer Zeit durch das Staatsministerium aufgelöst tvar, jedoch seine Tätigkeit noch weiter fortsetze. Dabei wurden bis in die allerletzten Tage von dieser sogenannten Wwicklungsstellel immer neue Kräfte geworben und auf den mecklenburgischen Gütern untergebracht. Diese Kräfte wurden von der Berliner, beziehungstoeise Wannseer Rotzbach-Zentrale vermittelt. Der übrigens durchaus Militärische Aufbau der Organisation wurde nach wie vor aufrechterhalten. ES fanden weiter unter dem Deckmantel von Sportfesten jeden Sonntag militärische Uebungen statt. Ebenso von Zeit zu Zeit, etwa alle vierzchn Tage, geheime Führerberatungen, zu denen nur die zuverlässigsten Elemente, das heißt ausschließlich ehemalige Roßbach-Leute aus der Baltikumzeit, zu gezogen wurd en. Das Berliner Polizeipräsidium teilt mit, daß die in to» Parchimer Mordsache wegen Begünstigung festgenommeneu Perisonm heute dem Gericht vorgeführt wurden. Es handelt sich um die in der Roßbach-Zentrale in Berlin-Wannsee wohnenden Vertraüten Rostbachs Ludwig Richter und Bernhard Rudolf. Ihnen wird zur Last gelegt, daß sie einem der Mordteilnehmer nach begangener Tat eine Unterkunft vermittelt und ihm 30.000 Mark Reisegeld gegeben haben. Bemerkenswert ist, daß Richter den betreffenden Mordteilnehmer zur Uebernahme des Geldes in das frühere Bureau der deutschvölkischen Freiheitspartei in Berlin bestellt hat und daß der Mordteilnehmer wegen seines weiteren Unterkommens von Rudolf an einen bekannten Führer der Deutschvölkischen Freiheitspartei in Hannover verwiesen worden ist. Tagesbericht. Ei« internationales Schachturnier in MShrlsch« Sstran. An dem internationalen Schachturnier in Mahrisch-Osttau, das morgen den 30. Jmi im Betriebshotel in Witkowitz beginnt, nehmen folgende Schachmeister teil: Dr. Emanuel Lasker, Dr. T a r r a s ch (Deutschland), Spielman«, Reti, Dr. T a r t a k o w e r, G r ü n f e l d, Heinrich Wolf (Wien), Hromatka, Prokes (Prag), P o k o r n y (Brünn), Bogoljubow, Selesnjew (Rußland), Rub inst e i n (Polen), E u tv e (Holland). Me man in Sesterreich den Fremdenverkehr hebt. Antisemitische Rohheitsakte in Friesach in Kärnten. Ein uns bekannter, seit Jahren in Wien wohnhafter jüdischer Kaufmann begab sich vor einigen Wochen nach Friesach in Kärnten, welchen Ort ihm verschiedene Geschäftsfreunde empfohlen hatten, um dort eine Sommerwohnung zu suchen. Auf seine Umfrage wurde er an einen gewissen Scheriau verwiesen, welchem in Friesach die Zuweisung von Wohnungen an Sommergäste anvertraut ist. Als unser Gewährsmann sich nach einer passenden Wohnung erkundigte, wurde er zuerst gefragt, ob er Semit sei und als er diese Frage bejahte, erklärte ihm besagter Scheriau, daß man in Friesach Juden. Italiener und Tschechen nicht haben wolle. Nach dielser freundlichen Auskunft blieb dem Wiener Kaufmanne nichts anderes übrig, als auf den nächsten Zug nach Wien zu warten und die Heimreise anzutreten. Aber während seines bloß einige Stunden währenden Aufellthaltes in Friesach hatte er noch Gelegenheit, die gastfreundliche Gesinnung der biederen Kärntner kennen zu lernen. Er wurde nämlich auf dem Marktplatze des Ortes sowie auf seinem Weg zum Bahnhof in rüdester Weise als Jude beschimpft und sogar bedroht, wobei sich namentlich ein Vertreter der Friesacher Honoratioren, der Arzt Dr. Hans Hinr i ch s, durch seine ordinäre Pöbelhaftigkeit hervortrat. Von anderer Seite meldet man uns: In Schl ad min g werden Sommerwohnungssuchende in erster Reihe danach gefragt, ob sie Juden seien. Den Juden wird die Aufnahme verweigert und die Vermieter verlangen die ehren wärtl i ch e V e r s i ch e r u n g, daß es sich bei . den Wohnungs^ werberri um christliche Parteien handle, wobei sie sich noch Vorbehalten, in: Falle einer Täuschung in diesem Punkte das Abkommen rückgängig zu machen. Angesichts solcher Erscheinungen dürste es dem Landesverband für Fremdenverkehr einigermaßen schwer faUcu, bei in- und ausländischen Juden um Rettung der derkrachten Herwigen Sommcrsaison zu werben. Man frnm dem jüdischen Publikum nur dringend, empfehlen, aller! jenen Gcgcnderr auszuweichen, wo die Hakenkreuzpropagando in solcher Weise die gute Bergluft verpestet. Fst die Akademie eine Meste wert? Herr Mfted Montier ist der Gatte etm ehemails go feierten Pariser Schönheit, Mad-comr Aurel, die heute mit ihren 60 Jahren noch Triumphe feiern will, und neben ihre» Bemühungen, mit Resten ihrer einstigen Schönheit noch der«, rmversehrsie Blüte vorzutäuschen, in Paris durch ihre etwat seichte Feuilletonschreiberei belamrt ist und durch ihre Dow n-erstagempfänge es verstanden hat, von sich reden zu machen Ihr Gatte, der.erwähnte Herr Moriier, ist reich, hat sch» wenig zu tun und geizt ebenfalls Mch Lorbeeren. Daher R tätigt er sich schon durch eine Reihe von Jahren als Verfasse ebenso idealistisch hochfliegender wie langweiliger Tragödietz die er mehr mit Geld als mit guten Wovten amh Kwe Wk