Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1569 (26.6.1923)
- Date
- 1923-06-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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«LASS Wim, Dienstag Wiener Morgenzeitung. 26. 1923 Seite'- ■ igftttbe&Mmg wirdnoch im-Sanft dieser Woche ^en Mmifierrät beschästigen wM-voraussichllich im Laufe n^LKKerr Woche im /Parlament echchigt werden. llugarn. ReBudavefter SkmWelden. Die FM-Vich-Pwetei hmchrvmWeri, Budapest, 28. Jum. (Del. der „Wr. Morgen-eitu-nv") Die Ware dev Brüder Kovacs erregt tmünev größeres .'Aufsehen. Es sollen sehr hochgestellte Staatsbeamte kompro- WttLvvt sein. Mm sagt, daß sogar der Obeirstadchauptmann von Budapest Nadosy in die Angelegenheit insofern ver- WiMt ist, als er dieser verbrecherischen Organilsation gegonülber nicht wit dar seinem verantwortungsvollen Pasten entsiprechendeln Energie eutgegengstPsben ist. Es.ist schr wahrscheinlich, daß er Vvu seinem Posten wird Milden müssen. Außer dem Mg. Franz Csigany: .Md noch vkive andere PoAiiPer - kompromittiert, so. dev Schwager Stephan Friedrichs, Barnabas Havady, Johann Polk und andere Angestellte der Friedrich-Parteii soiwite eine Reihe von, Abgeordneten, deren Namen noch geheim gehalten worden. ' . ttd&Mo die Pläne der WÄtderZW>eigien Berbwch.e'rbande veröffentlichen die . Blätter geradezu iungl>anlb'lich>e Emtzelhchten. Man kann Miellen, daß im Falle der Durchführung auch nur eines Teiles der Pläne Budapest schr böse Zeiten erledb hätte. Bis. jetzt fand man bei Vers,chiedeiven Teilnehmern an der Beschwörung beinahe 60 Kilogramm Ekraf i t, die ans den Bleständen der Artillerie entwendet Worden waren. Insgesamt Wurden 33 Personen als MitschnldUge in Gewahrsam genommen. 'Abg. Görnvös Protektor uni» Leiter der Mördcrgruppe. Budapest, 26. Jnnti. (Del. der ,Mr. Morgenzettung".) Die Untersuchung der Poolizei gegen die Verschwörergruppe der Brüder Kovacs dauert fort und fördert immer neue Einzelheiten zutage. Die gefundenen Zündschnüre. Zeichen jenen, deren Reste in: Elisabethstädter Klub gestmden worden sind. Solche Zündschnürle hat aber in Ungarn nur das Pionierdepot der ungarischen Nattonalarnwe. Mit diafer FesPellnng fft die Untersuchung allerdings zu einem schr heiklen Punkt gelangt. Die Polizei hat keine Befugnisse, sich in militärische Angelogenheliten eingnmischen und ist gezwungen, die weitere Untersuchung den Militär,ischien Bchörden W Merldssm. Dig Brüder Kovacs und ihre verhafteten Komplitzen berufen sich 'auf militärische Persönllchkeiten, von denen sie die Spreng-« mittel und Waffen erhalten haben. Diese Militärs verweigern aber der Polizei jede Aussage und Re militärische Untere snchnng wird, wie bisher inrmer, mit einer Niederschlag gung der peinltichon Affäre enden. Die größte Sensation ruft die Vorladung des Abg. Gömbvs zur Polizei hervor. Die Terroristen gaben an, daß sie riach den Instruktionen des Abg. Gö mdü s haM'lten. GÄinibös wurde Mehrere Stunden lang einviernornmen. Ueber seline Angaben verweigert-die Polizei ebenso tvie über die übrigen jode Aus-« kunst. Das Gebäude der PolizeidiMtion ist seit Donnerstag unter Bewachung. Die Polizei ließ die .Akten über das Elisa-i bethstädter Bombenattentat sowie über die Ermordung des Klaviierf-abrilkcnrten Reisurann von der Staatsanwaltschaft zurückholeir und begann eine nErliche Untorstlchnng. Die Brüder Kovacs wurden seinerzeit indiesen IMrdn als Täter eruiert. Die Zeugen zogen aber unter dem Drucke gewisser Personen ihre Aussagen zurück. * Wie verlautet, Leisteten die Brüder Kovacs auch der rnnlänischdn Staatspolizei Spitzelldienste und zeigten Nvchriere Ungarn, die im Menste dev ungarischen itdedentistischen Propaganda standen, den rumänischen Behörden an. Eine Explosion. Budapest, 26. Juni. (Del. der ,Mr. Morgeu-zeitung".) In der Billa des Budapester Rastauratvnrs IKeszey in .Siosol explodierte eine größere Menge von Sprengmitteln, die dort oingelagert war. Die Polizei behauptet, die Sprengstoffs wurden noch im Jahre 1919 von roten Soldaten 'bei* Billa, verborgen. Polen. Der Kampf gegen den Flnanzminifter Grabski. Warschau, 25. Juni. (Tel. ft. ,Mr. Movgenzeitung".) In der Flnanzkommission des Sejm gab FinMWrrnister Gr ab skr eingehende Erklärungen über die Mittel, die das Finanzministeriu-m im Kampf gegen die Valutaspekulation iu Auwendung gebracht hat. Er mußte dabei festsbellen, daß die Regien und Revistollen, welche in Warschau auf Valutenhändler geniacht tvurden, sehr geringen Erfolg gehabt hatten. Bon der Entziehung des Devistnrechtes der Banken verspricht sich der Minister anscheinend mchr. Ueber die -weiteren-Mttel erklärte er, sich noch wicht äußern zu können, da dies noch verfrüht wäre. Das Einbezichen der Banken 'N den Rahmen der offiziellen DevisenWigkeit wird, wie der Minister hofft, der Staatskasse die Dispositionsmöglichsieit über 2 Millionen Dollar geben, »vovon die eine Hülste sofort eingezogen, die andere bei den Banken zur Dispofition des Finairzministers bleiben soll. Für Luxus wäre sollen keine Devise n mehr ausgegeben werden. Die Erklärungen des Ministers im Pleuum des Sejm wurden verschoben. Die Angriffe gegen Grabski, dessen Verordnungen als völlig unzulänglich bezeichnet, werden, gehen weiter und politische Kreise bezeich- Gin schwarzes Kabinett in Seftewich? Bauer und Kraus. Der Hakenkreuziführer Oberst Bauer, der, wie die „Wiener Morgenzeilung" in der Vorwoche berichtete, in Wien weilt, hat in einer Unterredung mit einem deutschböhmischen Schriftsteller einiges über die Pläne Ludendorffs mitgeteilt. Er sagte unter anderem: General Alfred Kraus hat vor cimger Zeit die Unvorsichtigkeit begangen, in einem rekomma,r.«dierten Schreiben an sine reichsdoutsche Stelle vollständig falsche und restlos auf Erfindung beruhende Behaluptungen über meine Arbeiten in Oesterreich und Wer meine Ziele aulsizristellen. Er mußte wissen, daß in dem A uyenblick, da er den Brief zur Post brachte, die Gefahr einer Jndiskretior.» bestand, die auch' richtig erfolgte. Es ist lächerlich» zu behaupten, ich hätte jemals ,-den Plan siner bayrifch-vsterrsichisch-ungarischen Union mit den Wittslsbachern an der Spitze- und unter Los,Lösung Süddeutschlands vom Reiche" vertreten. Ich kann offen erklären, daß, da General Ludendorff eine solche ,/Lösung" Mehr.t und keine' andere als eine . grohdeutsche anstrebt, ich schon aus diesem Grunde keine anderen Ziele Verfölgen könnte. Aber gerade meine Tätigkeit in Oesterreich ist ja, gartz i«m Gegenteil zur Behauptung des Generals Kraus, aus die Erhaltung dessMein als selbständigen Staat bis . zur großdeutschen Lösung der Anschlußfrage gerichtet. Wir machen keine Extratouren, weder r.ach rechts noch nach kirks, darüber wünsche ich keinen ZweM gu lassen. Gewisse Kreise in Bcchern und Deutschösterreich haben allerdings für ein süddeutsches Reich unter Führung von Wittelsbach.Propaganda betrieben. Aber wir haben mit ihnen nicht gearbeitet, .sondern im Gegenteil sogar ihr Treiben ausgedeckt rmd sie vor- Anfang bis zu Ende in Wort und Schrift bekämpft. Der augenWcklich in München stattfindende Prozeß, in den alle diese Elemente verwickelt sind, gibt uns recht und zeigt, welche üblen Pläne und Beziehungen von diesen Leuten gehegt wurden. Die Behauptungen des Generals Kraus sind daher r.üchts als Phantasiegöbiilde. Gbenso verhält es sich mit. meinen angeblichen Plänen mit Mussolini, den: russischen General Biskupski und mit den angeblichen Aspirationen gegen .die Mn einen Wechsel in: FinaMmnistevimn als nahe bevorstehend. Als Nachfolger wird nöben den bereits mehrfach gemurrten Kandidaten Michalski, Senator Szarski (ein Täufling, der eigentlich Feintuch heißt), auch der gegenwärtige Handelsminister Kücharskr, genannt, dessen Ressort dann der nationaldenwkratifche Abgeordnete W i e r z b i c k i, ein Vertreter der Gvoßindllstvie, . übernchliten soll. Diese Konrbinatio,n hängt von den Koalit-iorrsgenossen der Nationaldemokraten, der Witos-Gvnppe, ab. Numems clausus und Fknanznot. Warschau, 25. Juni. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) In der Dienstagsitzung des Unt er richtsau sschuss e s wird ftrs Numerus c l a u s u s - P r o j e k t zur dritten Lesung gelangen, welche darüber entscheiden soll, ob es vor das Plenunr kommt. Interessant ist, daß der Antrag auf EinfÄhrung des Numerus clausus als Novelle zum Hochschulgesetz formuliert ist und Lei den Gesetzesuovellen bei der parlamentarischen Behandlung bisher drei Ausschußlesungen nicht Mich waren. Der Antrag dürfte, wie die Dinge liegen, auch in der dritten Lesung angenommen werden. Warschau, 25. Juni. (I. C. B.) Me in politischen Kreisen verlautet, wünsche man in Regierungskroisen, daß die Numerus clausus-Borlage erst in der Herbstsesfion im Sejnr erörtert werde. In Anbetracht der schlechten Finanzlage Polens, des neuerlichen katastrophalen Sturzes der polnischen Mark und des Bedürfnisses nach ausländischer Finanzhilfe befürchte die Regierung, daß die Einführung gesetzlicher Beschränkungen gegen die Mische Bevölkerung einen schlechten Eindruck im Ausland machen würde.' Zer rumänische König in Warschau. Warschau, 25. Jnm. (Tel. der „Wiener Akorgenzeitirng".) Das rumänische Königspaar ist heute vormittags aus L e m b e r g, wo eine feierliche Begrüßung stattgefunden hatte, in Warschau eingetroffen. Zum Empfang hatten sich der Staatspräsident Wojciech o w s k i, der frühere Staatschef Marschall P i l s u dski, MnisterpräsÄent Witos, der Kriegsminister, der Generalstabschef und Vertreter des diplomattschen Korps eingefunden.' Zugoslawim. Der serbisch-kroattsche Konflitt. Graz, 25. Juni. Die „Tagespost" meldet aus Agram: Etwa 1500 Anhänger der Radic-Partei wollten Sonntag vomittags eine Bereinsversammlung abhalten. Sie wurde von der Polizei verboten. Bei einem genteinsamen Mittagessen hielt R a d i c eine Rede, worin er betonte, das Bersammlungsverbot be- Tschecho-Slow-akei. Me dies« Dimge liegen erste-uk fast drei Jahre zurück, und seitdem hat sich ja dir Lage etwas verändert. Außerdem ist aber auch da alles, was General Kraus behauptet,- rfftlos fälsch und irreführend. ,Me können beruhigt sein," schloß Oberst- Bauer seine Unterredung, ,)wir sind keine Phantasten, sondern wissen mit den gegebenen Tatsachen zu rechnen, die allerdings nicht gerade besonders erfreulich aus-» sehen." ' Diese Aeuße-rungen sind sehr interessant. Sie erbringen zunächst den merkwürdigen Nachweis einer Brieffpionage in* Oesterreich, die offenbar so gut angelegt ist, daß sie automatisch funktioniert. Aus den Worten des Obersten gcht hervor, daß diese Briefspionage von Beamten betrieben wird, und daß die Existenz des schwarzen Kabinetts dem Ring der Wissendm bekar.nt ist, denn sonst könnte ja Bauer nicht vom General Kraus, vorauss-etzen, d a ß e r w i s s e n mußte... Hoffentlich finden der Bundeskanzler, der Vizekanzler als Minister des Innern und der Berkehrsminister die notwendige Energie und die notwendigen Beamten, um: diese Angelegenheit austzMärer.'. Das fchtte noch, daß die HakenkreuFler die rekommKldierten Briefe öffnen, lesen und den Inhalt irgendeinem Bureau am Schillerplatz Mitteilen! Auch die politffchen Bekenntnisse des braven Obersten rnüssen genauer unter die Lupe genoanmen werden. Sie berusen sich mit vollem Recht cmf den Münchener Hochverrats- Prozeß, der die interne Spitzelei aufgedeckt hat. Es ist die Geschichte von dem zerbrochenen Topf. Die Pläne mit Mussolini, Biskupski und in der Tschecho-SlÄvakei sind „angLblich". Aber sie liegen fast drei Jahre zurück. Hatte also General «Kraus doch recht? Nein, es ist alles „restlos falsch und irreführend". Einzig wahr ist, daß diese Häkenkreüzler keine Phantasten sind. Das beweisen die Herren Richert und Henry Ford. Hitler kommt nach Wien. Seit gestern sieht man wieder die Plakate mit dem Haker.kre.uz und dem frechen Inhalt der Pogromhetze. Es wird angMndigt, daß H i t le r, der Fremrd L«u d e nd o r ff s und Mach haus' Anftroggleber, in einer Berfanrm'lurg der Nationaffoziällisten sprechen wird. sieben diesen AufMfen ladet der Erdball mit dem' Bölkerbnndring zur Zeichnung der Anleihe für Oesterreich ein.' deute einen vollkommenen Boykott der Idee des Einvernehmens mit Belgrad. Belgrad irre sich, wenn es..glaubt, daß Radic dem Vorbild Stambukiiskis folgen wird. Nach Belgrad.-zu. gehen, wülche für die Kroaten bedeuten, daß' sie anerkennen, daß die kroatische Natton und die kroati-. sche Sonveränttät nicht' mehr bestehen. ' Das kroatische Volk ist bereit, sich die Freihei zu erkämpfen und will nicht mehr unter fremden: Drucke stehen. Bor einer Demisston Sir Herbert Samnels? London, 24., Juni. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) In Lortdoner politischen Kreisen wird erklärt, die . bevorstehende Ankunft Sir Herbert Samuels in England sowie der Umstand, daß der Gouverneur von Jen:- salem Sir Storrs gleichfalls hier anwesend ist, schaffe die Möglichkeit eitler e-ingohenden Aussprache in: Kolonial-' Ministerium über die Polttik Großbritanniens in Palästina. „Ev e n i n g Standard" will wissen, daß wmi eventuell auch mit einer Demission Sir Herbert Taumels rechnen muß. In Wirklichkeit erscheint die Situatior: des O'be-rkommMrs schwierig. Die Araber verharren trotz der ihmn ftemtdlichen Politik in scharfer Opposition, die Juden, die in manchen HaMungen der Regiwnng während' der letzten Monate mit Recht eine Gefährdung der natiormlen Heimstätte erblicken, bekämpfen zwar nicht direkt Sir Herbert Taumel, sind jedoch andrerseits mit ihm nicht ganz einverstanden. Die britische Regierung endlich scheint nicht immer nachdrüMch die Politik ihres palästinensischen Vertreters zu unterstützen. Jedenfalls ist die Nachricht von Sanruels bevorstehendem Rücktrttt nur mit Vorbehalt aufzunchnien, da die endgültige Entscheidung natürlicherweise vom Ergebnis der Londoner Besprechungen abhängig ist. Der intransigente arabische Kongreß. Jerusalem, 21. Juni. (I. C. B.) Dere in Jaffa tagertde palästinensisch-arabische Kmigreß nahn: einer: Protestbeschluß gegen die Palästina-Politik und die an R u t h e n b e r g erteilte Konzession für die Ausnützrmg der Wasserkräfte Palästinas an. Der Kongreß forderte ferner, daß die RegieMng den Verkauf von22Dörferr: in der Nähe von B eis an an Juden nicht bestätige. (Es handelt sich hier anscheinend um Bodenkauf von jüdischer Seite.) Der Kongreß hat Musa Kazim Pascha zum Präsidenten gewMt. (Bekanntlich war Mufa Kazim Pascha der Führer der arabischen Delegation in London, die seinerzeit in der englischen Ooffentlichkeit eine intensive antizionistische Tätigkeit entfaltete.) Wohlfeile Woche! 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