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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-26 · Heft 1569 (26.6.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1569 (26.6.1923)
Date
1923-06-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wiener MorgenzeVLung. 26. Juni 1923 Nr. 1661 Ae UmMmg der Fewish Agency. Ane Rede Weirmanns aus der gahreskonferenz der amerilauMen zionisten. Seite 8 Wien, Dienstag Die Minoritätenkormnission. Fast die Hälfte der Mitglieder sind Ungarn. Mit nachlässiger Faulheit sitzen sie ixt und sprechen ein miserables Französisch. Mer sie sprechen m einem fort. Sie sind alle international. Nicht pkxt vorteilhaft bekannt. Um PolM zu machen, sind sie gerade gut germg. Sie wollen auch diesmal im Trüben fischen. Es wird geheimnisvoll geflüstert. Zum Schluß handelt es sich ja doch nur darum, was ihnen zu Haufe eingepaukt wurde. Den großen Plan kennt natürlich bereits jeder Dürstcher. Es soll der Welt imfdisputiert werden, daß es den imgarischen Mnoritäten in den Nachfolgestaaten schlecht geht. Eine Art Jrredentamacherei. Und in Budapest glaubte man, geschickt zu sein, rls man als erstes Geschoß vorige Woche die Verordnung über die völlige Freiheit der Minoritäten erließ. Nun, tzar so dumm ist die Welt außerhalb des imgarischen Globus doch nicht. Diese Verordnung muß auch jenen verdächtig sein, die es nicht wissen, daß es in Ungarn außer den Deutschen, , welche die stärksten Stützen des christlichnationalen Wurfes sind, nur noch eine jüdische Minorität gibt. Ob in der Minoritätenkommission jemand sein wird, der sich der verfolgten jüdischen Minorität in Ungarn erinnert, ist kaum wahrscheinlich. Herr Dr. Gratz wird sich gewiß nicht erinnern, obwohl es ihm, seitdem er nicht „PleniPotentiär" in Wien ist, so-schlecht geht, daß er sogar für das offizielle Budapester „Judenblatt", für den „Pester Lloyd", arbeiten muß. A. B. Von L. Moses. Tie Vorbereitungen zur Kenessia Gedolah sind in vollem Gange. Jur Clul dieses Jahres (16. bis 26. August) soll dieser Kongreß der Agudath Jisroel in Wien tagen -- ursprünglich war er schon für den Elul des Jahres 1914 in Aussicht genommen —, und die Anhänger der Aguda erwarten von ihm eine großartige Heerschau des thoratreuen Judentums. Allerdings ist ein großer, ja der größte Teil dieses Judentums der Aguda nicht besonders hold, und so rührt diese nun allenthalben, eifrig die Werbetrommel. In vielen Wiener Bethäusern wurden Vertrauensmänner aufgestellt, ohne daß man immer daraus geachtet hätte, in der Auswahl der Vertraueuspevsonen und in den sonstigen Agitationsmitteln die Reinheit des Prinzips zu wahren. Die Agrcka kündigt Delegierte aus. aller.Herren Länder zu ihrem Kongreß an, wobei es freilich auch vorkovrrnt, daß sich unter diesen Ländern auch solche befinden, in denen eskaum ein „Minjau" gesetztzstreuer Juden gibt. Die Aguda will um> jeden Preis, ihren Anspruch auf Vertretung in der Jewish Agency durch, den Hinweis auf eine Massenbewegung unterstützen, und zur. Erreichung dieses Zweckes ist sie in der Auswahl ihrer Mittel durck^ aus nicht wählerisch. Es kann Nicht schwer fallen- Hunderttausende von Anhängern aufzuwersen, wenn jeder Neugierige,. der beim Eintritt in eine Versammlung den von ihnr geforderten Regiebeitrag zahlt, ganz gegen seinen Willen zum Anhänger der Aguda gestempelt wird, da ein-e geschickte Regie seinen Regiebeitrag zur Aguda-Kopfsteuer stempelt In diesen Versammlungen selbst laßt die Aguda, um Stimmung zu machen, mit Vorliebe Redner aus dem Osten aufmarschieren, und sie läßt sie sogar über Palästina-Arbeit sprechen. Auch der Versuchsballon einer Verständigung mit dem Misrachi auf der Grundlage gemeinsamer Aufbauarbeit in Erez Israel ist in Amerika aufgestiegen. Doch dazu müßte die Leitung der Aguda.erst ihre AufrichtiMt erweisen und es müßte sich zeigen,'daß nicht nur zum Zweck des Seolenfänges, sondern in Würdigung der Wünsche der jüdischen Massen, ihren wirklichen Vertretern aus dem Osten dauernd das Wort überlassen und der Weg zur Tat für die Zukunft des Volkes eingeschlagen wird. Bisher ließ man noch immer die Delegierten ans dem Osten nach Herzenslust über Palästina sprechen und, wenn dann die. Herren der Leitung wieder hübsch unter sich waren, wußte man sich in gedrechselten Communiques um alle Verpflichtungen zu positiver Ar-, beit in Erez Israel herum-«drücken. Am Beginn der Judenemanzrpätion stand das von Napoleon denr Ersten nach Paris emberufene Synedvion. In der damaligen Judenheit waren die Meinungen geteilt und es zeigte sich alsbald, daß diejenigen recht hatten, die ein Synedrion außerhalb Palästinas, ein Shnedrion, das nicht den Mittelpunkt eines auch politisch geeinten jüdischen Volkes bildete, für die jüdische Geschichte für wertlos hielten. Wenn nun dir Agudath Jisroel an die uralte Institution der gr-:ßm Versammlung der Kenesset hagedöla, anknüpft, wobei sie allerdings selbst im Gefühle ihrer Unzulänglichkeit aus der stolzen Kenesset eine bescheidene Kenessia macht, dann muß sie auch die notwendige Voraussetzung der Einheit des Volkes und seines Verbundenseins mit dem Heimatboden akzeptieren und sich damit ganz auf den Boden der durch den Zionismus geschaffenen Tatsachen stellen. Bisher konnte die Aguda nur den Ersatz einer wirklichen jüdischen Volksbewegung bilden und sie hatte auch ihren Institutionen nur Namen zu geben, die einen Ersatz für die Namen der ihnen vorbildlichen zionistischen' Institutionen. bilden sollten. Erst wenn die Aguda auishören wird, Ersatz zu sein, kann die Keness'.a Gwo.'ah den Auftakt zu dem iftbijdjeu Weltkongreß bilden, der der Jetvifh Agency die breiteste demokratische Basis geben und die Kräfte des ganzen Volkes für den Aufbau von Erez Israel sammeln' soll. Wenn dann alle .Hintertreppenvolitik ausgehört haben wird,' wird auch das arabische Volk erkennen, daß es 'bei dem entschlossenen Willen des ganzen Mischen Volkes nur noch eine MgWM sWMGWU vM VM #t,. Aus Now-Hork meldet I. C. B.: Die 26. Jahveskonferenz der Zionistischen Organisation Amerikas tmirde am 17. Juni zu Baltimore eröffnet. Mt 154 gegen 10 Stimmen beschloß die Konferenz, dem 13. Ziomstenkongreß die folgende Resolution zu empfehlen: ,/Die Zionistische Exekutive soll ermächtigt werden, gleichzeitig mit den Vorbereitungen für die .sofortige Einberufung des jüdischen Weltkongresses an die sofortige Bildung der Jewish Agency zu schreiten. Als Mitglieder sollen Vertreter von Organisationen, die am Aufbau P a I ä >st i u a s interessiert sind oder interessiert werden können, eingeladen werden." Die Herren Goldberg und Moritz Rothenberg verteidigten die Resolution, die vorn Vorsitzenden Louis LiipjsLy unterbreitet worden war. Abraham S. Scho me r unterbreitete einen Gegenvorschlag, daß der jüdische Weltkongreß baldigst emberufen werde und daß bis dahin die Zionistische Organisation als Jewish Agency fungieren solle. Dieser von mehreren Mitgliedern des Exekutivkomitees und von Delegierten unterstützte Gegenvorschlag wurde abgelehnt. In einer längeren Rede führte Dr. Weizmann aus, der Beschluß der Konferenz entspreche auch seiner Ansicht und er werde in Karlsbad für dessen Annahme eintreten. Er habe sich nur schwer zu diesem Entschlüsse durchgerüngen, leider aber hätten es auch die Balfour-Deklarativn, die Beschlüsse von San Remo und' das Paläftina- Mändat nicht vermocht, das jüdisch Volk mitzureißerv. Noch ein weiteres Jahr, wie das verflossene, könnte der Zionistischen Organisation das Rückgrat brechen. Unsere Fortschritte in Palästina sind ungenügend. Unbezahlte Lehrer und hungernde Ehaliuzim versetzen dem Mandat den Todesstoß und wer weiß, was sich ereignet 'hätte, wenn die finanzielle Krisis noch während der letzten Pessachtage angedcmert hätte. Der Mische Weltkongreß wird jetzt nicht alle Mischen Elemente einschließen können. Die Juden Rußlands können nicht hiukommen, und eine halbe Million Juden, die in Amerika arbeiten, sind noch unvorbereitet. Unser jetziger Erfolg ist den Ehaluzim in Palästina zuzuschreiben. Ein Zuzug bon 50.000 Chaluzim jährlich würde jeden für Palästina bekehren. Der Ruf nach dem Weltkongreß müsse aus einem Palästina komrnen, dessen Ruf. sich in Zahlen ausdrückt. Dr. WeiMamr erklärte weiter, Baron Edmund. Rothschild sei der ,Zionist Par exoelleftze", wenn er es auch nicht formell fei. Er, Weidmann, stehe hinter niemand im Glauben an das demokratische Prinzip zurück; aber unser Rücken muß gedeckt sein gegen diejenigen, die uns niederzustoßen suchen. Palästina ist ritte Insel im arabischen Meer, es muß Frieden haben mit seinen Nachbarn. Wir wollen unsere Einladung zur Mitarbeit an ehrbare Männer richten. Die Autorität der Zionisten in der Jewish Agency ist durch 50 Prozent der Stimmen gewahrt, aber die ZiomstWe Organisation muß einen Teil ihrer Bürde auf andere Überwegen und sich zu diesem Zweck an alle jene wenden, die mithelfen können. Dr. Schmavja Lewin sprach sich auf der Konferenz gegen die Abänderung der Prmzffnen aus, welche dem Zionismus keine neuen Elemente zuführen -würden. Für einen Vertreter des jüdischen Volkes seien keine Kompromisse möglich. Prof. Marburg berichtete über die durch seine Initiative entstandenen verschiedenen Komitees in Ameriw, die bei der Errichtung der biochemischen und mikrobiologischen Abteilung der hebräischen Universität in Jerusalem Mitwirken sollen. Die Konferenz nahm eine. Resolution an, in welcher Sir Herbert Samuel die Anerkennung für seine Politik ausgesprochen und erklärt wird, daß er alle Unternehmungen für den geistigen und wirtschaftlichen Aufbau des jüdischen nationalen Heims gefördert habe Dr. Weizmann ist bereits nach London abgereist. Volk. Es ist für unser Volk von nicht zu unterschätzender Bedeutung, welche Richtung in der Kenessia siegt und ob die Aguda, wenn es, wie vorauszusehen ist, die zionsfveundliche ist, diese Richtung dann auch einhält. Sesterreich. Reue Verhandlungen mit den Bundes« aNgestellten. Im Laufe des gestrigen Tages erschien beim Bundeskanzler Dr. Seipel über dessen Einladung der Vorsitzende des von beit Organisationen der Bundesangestellten ■ gewählten Verhandlungskomitees Oberinspektor König, um mit. ihm die Frage der Wiederaufnahme der Verhandlungen zu besprechen. * Auch der vierte Tag der passiven Resistenz der im Reichsverband organisierten' Bundesangestellten hat keine Veränderung der Situation gebracht. Von dem < passjtzM-. .Wlerstund, .vom dem .von. Merz ÄStWK LN. Die Stellung der Zionisten Polens. Aus Warschau wird uns berichtet: In der Schlußsitzung der Zionistischen Lartdeskrmferenz wurde von der zur Fassung einer Resolution eingesetzten Kommission folgende Wtehrheitsresolutivn, der die von uns bereits mitgeteilten Resolutionen Gottlieb nnd Grünbaum als Minderheitsresolution gegenüberstanden, eingebracht: „Von dem Standpunkt ausgehend," daß der Aufbau Palästinas die Aufgabe und das Werk des ganzen Mischen Volkes sein muß und in Uebereinstimmuug mit denr Text des Atandats, beschließt die sechste Zionistische Landeskonferenz, die künftige Exekutive der allweltlichen zionistischen Organisation sei durch den 13. Zionistenkongreß zu bevollmächtigen, die Jewish Agency in der Weise zu schaffen, daß der Eintritt in die Jewish Agency den Vertretern der großen jüdischen Organisationen in den einzelnen Länvern uuddc u wichtigsten allweltlichen jüdischen Organisationen ermöglicht tverde. Nach der Konstituierrmg der Jewish Agency ist der allweltliche jüdische Kongreß einzuberufen, dem die Jewish Agency verantwortlich zu sein hat." Der erste Absatz dieser Resolution wurde mit 66 gegen 51 Stimmen in nameMicher Abstimmung angenommen, der zweite Absatz, nachdem ein Antrag der Opposition, den Ausdruck „nach der Konstituierung" durch „vor der Konstitnierung" zu ersetzen, abgelehnt worden ivar, mit 63 gegen 45 Stimmen bei drei Stiimmentznthaltungen in namentlicher Abstimmung zum Bels chluß erhoben. Nach der Annahme dieser Resolution! erklärte der Präsident des Zentralkomitees Dr. Klumel sowie der Vorsitzende des Keren Hajessod in Polen Podliezewski und -das Mions- und Zentralkomiteemitglied Abg. Grünbaum, daß sie ihre Aemter niederlegen. Auch die Beamten der Landespartei gaben ihre Demission. Die Konferenz nahm hierauf einen Beschluß an, in dem die zurücktretenden Führer und Beamten aufgefordert werden, bis zum Ende des Ziomstenkongresses, nach welchem die Tagung der Landeskonferenz fortgesetzt wird, auf ihren Posten zu verbleiben. . Die Konferenz nahm zum Schluß folgende Resolutionen einstimmig an: - 1. Die sechste Landeskonferenz der Zionisten Polerrs stellt mit dem größten Bedauern feist, daß bisher die Ver-, pflichtungen bei der Mitwirkung am Aufbätr 'des. Mischen nationalen Heims in Palästina, welche in der Balfour-Deklaration und im Mandat ent- 'halten sirrd, verschleppt und nicht äusgeführt wurden. Die Zionistische Exekutive wird'aufgefordert, diesbezüglich die Nötigen Schritte zu unternehmen. - ' 2. Die sechste Zionistische Landeskonferenz Polens stellt: feist, daß die bischerigen föderativen Grundlagen, auf! denen.die allweltliche Zionistische Organisation basiert, zur! Schwächung der zionistischen Reihen geführt, dieaktiven Kräfte der Bewegung unter den verschiedenen zionistischen Gruppierungen zerbröckelt und ihre gerrreirrsamen Leistungen stark verkleinert haben. Das gegeuwärtigi- System des ScheTelverkauses und die Form der Wahlen , für unsere höchsten Instanzen bringen nicht die richtige Meinung der zionistischen Dessentlichkeit zum Ausdmck. Die Landeskonferenz fordert >da-' her von ihren Vertretern auf dem künftigen Kongreß die Durchsetzu-ng der Vereinheitlichung des Schekels und des Systems gemeinsamer Wahlen aller Zionisten aus der Grundlage des Proportionalsystems. 3. Durch die Delegierten Polens ist an den 13. Kongreß die Forderung zu richten, daß die Kulturarbeit in Palästina als. ein unbedingt nötiger Teil^ der Palästina-Aufbauarbelt betrachtet -werde. Nachdem die Konferenz noch in einer einstimmig angenommenen Resolution den Wunsch nach Bersch melzung der View zivnistrschen Organisationen^ in Polen (Kongreßpolen, Ostgalizien, Westgalizien und' Nandländer) zmn Ausdruck gebracht hatte, wurde sie durchs eine kurze Ansprache des Delegierten PodliSzewski geschlossen. kaum etwas zu merken war, nmchte sich auch heute überhaupt nichts fühlbar. Uebevall ging der Verkehr mit den Parteien und der Dienstbetrieb in den Aemtern ohtte Stockungen vor sich. Die Beteiligung der Beamtenschaft an der Aktion ist ziemlich gering. Post, Telegraph und^ Telephon, die Instttutionen, bei welchen sich ein passiver Widerstand am meisten auswirken müßte, arbeiten voll-- kommen nornral. Ebenso ist es im Zollamt, wo sich die Bewegung nicht auf den großen Verkehr überträgt. Am fühlbarsten ist der Widerstand noch inr Postsparkassenamt, wo der passive Widerstand von einem beträchtlichen Teile der Beamtenschaft ausgeübt wird. RMehr des Sektionschefs Schüller. Sektionschef Dr. Schüller ist in Begleitung der Ministerialräte Dr. Breza und Dr. Roller aus Paris zurückge'kehrt. Er erschien gestern vormittags beim Bundeskanzler und bei den Ministern für Aeußeres und für Finanzen, um über die eben abgeschlossenen Vechandluugeu betreffend beit Ha nd elsvertrag zwischen KBtzM-i'K u-A.- F-r Mjjyj

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