Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-06-24 · Heft 1567 (24.6.1923) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1567 (24.6.1923)
Date
1923-06-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980648--15189-3001993
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

'trfr,*\^•Ä'Pff"WJ^TKrjJj»',^S-MWft VK\ *) -"sn ^.xn ^>»>7.fiW*vl .>*‘,nmjD r,‘.**i i',nw -s-r>,- m «jih <t,; \ Kr. 1567 •••!-- v;n:;. MHtt, Sonntag steht wirklich eine Gefahr für die Juden Rumäniens,!>aft einzelne Notabeln ihre Wortführer werden, daß sich rine Assnnilationsclique breit machen wird, daß die ftuben Rumäniens keine politische Vertretung in ihrem Zinne haben werden. In Erwägung aller dieser Umstände ist es zeitgemäß, daß die nationalbewußten Parteien der rumänischen Juden sich Zusammenschlüßen und sich auf ein g e m e i n s a m e s P r o g r a m m einigen. Die Gefahr, die sicherlich int Anzug ist, müßte alle Parteien zu einer Politik der Tat vereinigen. Denn schließlich gehört ihr die Zukunft und nicht der Uniunea, die nichts anderes ist als eitre schlechte Kopie der Alliance Israelite Universelle, aber ohne Geld. Oesterreich. Aus dem Nationalrat. Für Mittwoch vormittags ist 8er Finanzausschuß zu einer Sitzung emberufen worden. Auf der Tagesordnung steht zunächst das P r i v a t b a h n e n a n gelte l l te n a b b a u g e se tz, das schon eimnal 'den außerordentlichen Kabinettsrat beschäftigt hat, dort jedoch wegen >es Einspruches der Sozialdemokraten nicht zur Erledigung gelangte und nun als Regievungsentwurf dem Nakionalrat zugeht, ferner die Ergänzung des Steuern- und Gehührengesetzes, das die Durchfühmug - von Fusionen der Aktiengesellschaften erleichtern soll, nnd schließlich die beiden gestertl von der Regierung angebrachten Vorlagen über die Oester re r chis che lllationalbank, -von denen die eine sich mit der Tilgung Ser Darlehensschuld des Bundes an die Nationalbank und V\i zweite mit der Auflösung der österreichischen Geschäftsführung der Oefterreichisch-ungarischen Bank beschäftigt. Ser Kongreß der Bölkerbundlige». Heute sindet im Zevomomensaale der Hofburg die feierliche Eröffnungssitzung der Vollversammlura der Völterbundligen-Union statt. Die Vorbereitung;u dieser Tagung hat die unter dem Präsidium des Botschafters a. D. Dr. C. Dumba stehende österreichische Lölker'bundliga durchgesührt. Die Feier beginnt um halb 1Ü llhr vormittags. Sie SöldneraMee des FndustrieLenverbandes. Die gestrige kommunistische „Rote Fahu e" veröffentlicht charakteristische Detals über die Aufstellung Lnd Anwerbung harenkreuzlerischer Sturmtrupps, welche aus den Subventionen des Fndustriellenverbandes erfolgen soll. Danach ist Mit der Anwerbung arbeitsloser Arbeiter ein gewisser Ludwig Kotter beauftragt. Die Bureaus der Werbest eilefür diese Sturmtrupps beftnden sich in den früher amtlichen Räumen, 1. Bez., Elrsabethst r a ß e 9, tvelche, wie erinnerlich, die Regierung den Stativ nalsozialisien zur Verfügung gestellt hat, and ün Hause Mat rosen gaffe 9. Nach den Angaben des genannten Blattes erhalten die Zlrbeitsloserr sofort eine L e b e n s m i t t e l z u b u ß e von Mehl, Schmalz, Zucker lind anderen Dingen, wenn sie sich verpflichten, den Häkenkreuzleru beizutveten. Kotter sei selbst Kommandant der Wiener Morgenzeitung. Schuhe! 11 zweiten Hundertschaft des ersten Zuges dieser Stuvmtvuppen und es seien bereits einigeArbeitslosenf o r m a t i o n e u aufgestellt. Außerdem wird den Auzuwevbenden die Vermittlung gut bezahlter Hilfsarbeiter st e l l e n versprochen und die Haketrkveuzler erhalten v o m S t a a t e selbst die Möglichkeit zu dieser Antverbung, indem sie durch staatliche Stellen Mr BermiMung von Hilssarbeiterposten für die Wasserkraftwerke in Tirnitz beauftragt. Man darf begierig sein, zu erfahren, was die Regierung zu diesen Behauptungen der ,Moten Fahne" zu sagen weiß. Me Beschwerden der Arbeitslose». Vorgestern fand eine außerordentliche Sitzung der Industriellen BezrrMommission statt, in der die Vertreter der Arbeiterschaft , ihre Beschwerden gegen die Kontrolle der Arbeitslosen und über die Streichungen aus der Liste der zu Unterstützenden vorbrachten. Es wurde eine Ueberprüfung der einzelnen Fälle zugesagt und die Ausgabe von Merkblättern an die Arbeitslosen in Aussicht gestellt, in welchen diese über ihre gesetzlichen Rechte aufgeklärt werden sollen. Ser Waffengebravch. Die „Arbeite^ertung" veröffentlicht einen Erlaß des Heeresmin isters Vaugoin an die Brigädekomnmndanten, in dem er darauf hinweist, daß in der . jüngsten Zeit ausrückende Truppen von der Menge verhöhnt und beschimpft wurden. (Es -handelt, sich um die Kundgebungen der Arbeiter gegen die SoldÄten, die an der Fronleichnmnspvozession teilnahnven.) Ws vorbeugende Maßnahme verweist er auf eine Bestimmung des Dienstregelme.nts des. k. u. k. Heeres, wonach in solchen Fällen von der Waffe Gebrauch zu machen sei. . . , Langsam aber sicher kommen wir in jene herrliche Zeit zurück, da man gegen Leute, die Brot wollten, mit Salben vorgegangen ist, da junge, schneidige Reiteroffiziere sich im Kampfe gegen den „innerey Feipd" so billigen Ruhm holen konnten. ' Nmmerma« inspiriert. GerurMoimnistär Dr. Zimmermmr besichtigte in Begleitung des steirilschen Landeshauptmannes Dr. R inte len die Hochöfenanlagen in Münichtal und dann «inen TeÄ des Tagbaues aus dem Erzberg, wo gegw Mittag eine umfangreiche Gesteinssprengung vorgenommen wurde. Nachmittags wurden die Hüttenwerke in Donawitz besichtigt, wobei die sozialen Einrichtungen der Alpine Montangesellschast und verschiedene, die Arbeiterschaft betreffende Fragen besprochen wurden. Abends trafen GenevcMmnnlistär Doktor Ziimmeummr und Landeshauptmann Dr. Rintelen in Graz ein. 24. AM 1928 . Seite 3 Pole». Der Sejm gezen die Bekiiachsimgder Antisemlismus. Warschau, 23. Juni. (Tel. d. ,Mr. MorgeMitrmg".) Während der Erörterung der Ereignisse.am 11. Dez«Mer> 1922, die bekanntlich zur Ermordung des damaligen > Staatspräsidenten Narutowicz führten, brachte im Namen des Jüdischen Klubs der Abg. Schipper 'folgende - Resolution, ein: - „Der Sejm fordert die Regiemng auf, mit aller Strenge die Agitation zu unterdrücken, tvelche zu Ausschreiinngm gegen Iu>den auffovdert, da solche Aktionen, die gesetzliche Ordnung untergraben und nur eine Maske für die' Bestrebungen sind, die gegenwärtige Verfassung zu! stürzen." Obwohl der Referent Abg. Tug nt auf die schädliche Tätigkeit der nationaldenwkvatifchen Presse und der! Hetzovganifationen hingewiesen 'hatte, konnte -wwer er noch! der Sejm es über sich bringen, gegen die Iuderchetze . auftutreten. Die Resolution Schipper wurde ebenso wie ein schon in der Vevwaltnngskonrmisiion gestellter Antrag, der nationaldetnokrattschen Hetzorganisation „Rozwoj" energisch auf den Leib zu rücken, gegen die Stimmen der nationälet» Minderheiten, der Sozialdetnokraten nnd der Whzwoleutegruppe, abgelehnt. Pole« und Jeutschlaud. Berlin, 23. Juni. Mv deutsche Regrevuug hat der polnischen ReMerung eiine Verbalnote übersandt, als Erwiderung äuf eine Verbalnote der polnischen Regierung, wovin gegen di« deutschen Rechtsvevwcchrungen anläßlich der Entscheidung.Wer die Teilang Oberschles iens und der' Unterzeichnnng des G e nf e r A!bkommens bei der deutschen Regierung Protest echoben worden war. Die deutsche Regierung betont in der Verbalnote, daß sie «ihre Rechtsverwahrung gegen diejenigen Mächte .gerichtet /hätte, die die Vwantwovtung für die Teilung Oberschlesiens trügen. Die deutsche ReigiernNtz erkenne daher den Protest der polnischen Regierung nicht als be-rechtigt an und «Märe, daß sie sich der polnischen Regierung gegenüber ans dem Boden des Ge nfer Abkommens halte. Ae Schlich««- der Wische« ArßetteMÄrv in Pole«. Aus Warschau meldet J. C. B.: In Beantwortung der Interpellation des jüdischen Sejmklubs wegen der behördlichen Schließung der von der jüdischen Arbeiterkulturorgauisatiou „Unsere Kinder" erhaltenen Schulen wies der polnische. Innenminister in der letzten Sejmsitzung darauf hin, daß diese Schulen einen Parteicharcckter tragen. Einer Delegation, die den Innenminister in dieser Angelegenheit besuchte mld ihn bat, die Maßnahme gegen die Schulen ausznheben, da in denselben viele Tausende aruw jüdische Kinver ihren Unterricht genießen, gab der Mirrisler eine verneinende Antwort. Auch die Bitten, die Liquidation der Schulen hinauszuschiebeu, wollte der Minister nicht erfüllen. Män betrachtet nun die von der Organisation „Unsere Kinder" erhaltenen Schulen als endgültig liquidiert. Wohlfeile Woche! Regenmäntel . . K 125.000 ■ Leinenwaren, Waschwaren, f Stoffe« Wäsche — sehr billig l Waren- F Schiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-78 Cn gros En detail BwawiBiWPjiriiin an Die alte Menkarikatur. Die Karikatur ist üicht allem als Kunstwerk zu werten, sondern lveit mehr noch als soziologisches Phänomen. Sie drückt gowissermaßert die Beziehungen zu ihren Objekten nicht bloß aus dem Schaffen des Künstlers, sondern auch aus ber allganreinen Meinung Mer die karikierten Personen und Dinge aus. Daher muß die Karikatur nicht unbedingt schmähend sein, sondemt man findet in der karikaturistischen Kunst aller Zeiten neben dort . aus dem Ressentiment gebovnen Karikaturen auch solche, die das Sentiureut ausgelöst hat; häufig sind sogat/ die beiden Grundernpfindungen in einer Karikatur vereiulgt. Die Karikatur unterscheidet sich von der Porträtzeichnung (um bei der Pevsonenkarikatur zu bleiben) dadurch, daß eine bestiminUe charakterPische Eigenschaft der davgeftellten Person oder eine Sunune solcher Eigenschaften, die für das Charakterlbild einer Person bezeichnend sind, so hevausgearbeitet werden, daß sie in der Darstellung bcherrscheird« sind und so die Harmonie der bildlicherr Erscheinung „Mensch", auf tvelche das Porträt in: künstlerifcheil Sinne hinarbeitet, zugunsten des Spezialcharakteristikülns aufgehoberr wird. Die ältere Karikatur hat^ich für die Erreichung dieses Zweckes häufig symbolischer Beifügungen bedient. Dies muß festgchalten werden, um zu verstehen, daß die ältesten uns bekannten Judenkarikaturen zum Unterschied von den heute in der Judenkarikatur angdwenÄeten Fratzen und Larven durchaus normale Porträts zeigten; das Charakteristische der alten Jüdenkarikatur ist dann stets.das der Gestalt beigegebene Symbol. Dieses erst bringt die Beziehung der Umwelt zu den Juden zum Ausdruck. Die ältesten Judenkarikaturen, die ans dem dreizchuten Jahrhundert stammen, sind plastische Karikaturen, ein Zweig, der in der Folgezeit immer mehr in den Hirntergrund trat. Diese Karlkatunen sind — und das ist bezeichnend dafür, daß die katholische Kirche die Beziehung der Allgemeinheit den Inden sozusagen zur ständigen Aufreizung verewigen ließ — auf Kirchen angebracht worden. Me variierten ein und dasselbe Thema, nämlich den Juden in Beziehung zu. dem Tier zu fetzen, welches gerade durch die mosaische Gesetzgebung als unrein bezeichnet wurde und dessen Unreinheit im äüßeMchen Sinne in der ganzen Welt sozusagen als Fabelbeispiel dient. Es ist das Thema von der „Judenfau". Der frühesten plastischen Karikatur dieser Art begegnet man am Ende des dreizehnten Jahrhunderts am Dom zu Magdeburg und von dort machte sie den Weg durch ganz Deutschland. Luther beschreibt die ans dem fünfzehnten Jahrhumldevt stammende Darstellung der Judensau an der Pfarrkirche zu Witteüberg. Auch auf dem Rathaus von Salzburg befand sich, wie aus den Ratspvotokollon feststellbar ist, eine solche Darstellung. Sie scheint in Dentischland auf Kirchen und Rathäulsern stark vlevbreitet goloejeu zu sein und war auch an französischen und flämischen Kirchen zu finden. .Es lvar immer die gleiche Art der Darstellung, sie zeigte eine Anzahl dorr Juden in imliger Beziehung zu einem.riesigen Mutterschwein. Der Witz der deutschen Obrigkeiten, welche auf diese Weise die Jirden herabsetzen und ständig gegen sie anfreizen wollten, erschöpfte sich damit. In flämischen Kirchen findet man'verschiedene andere Spottdarstellungen auf die Judenhäufig in Holz geschnitzt, am Chorgestühl. Aber auch sie symböltsioven den Spott aus die Juden durch deren Beziehung zu irgendmiem unreinen Tier. Als sich .in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahchunderts der Holztafeldruck entwickelte, hatte der Spott über die Juden Gelegenheit, sich in einer neuen Form auszüleben und benützte sie auch sofort. Das auf dm Kirchen verwendete Motiv wurde beiibehalten, wenn auch variiert, mit Qbftönlitäten versehen, ansgeschnmckt und . mit verschiedenarttgm Legendm verbunden. Es ist" interessant, daß die älteste Profandavstellung durch Holztaselldrucke eine antijndifche Karikatur ist, und zwar das Blatt vom großen-. Judmschwem. Alle anderen Fla chholzschnitte der frühestm Druckzeit sind religiöse Darstellungm. Mit diesem Blatt beginnt in Dmtschland und in Europa die graphische Karikatur überhaupt. Ihr Anfang ist eine antijüdische Spottdarstellung. Ein weiteres Thema der ältesten Jndenkavikatur ist. 'das von „Der Juden Badstub". In diesem Motiv wird metaphorisch das GeMeihgeschäft der Juden durch, eine Bvdestnbe, aus der man tvesentlich erleichtert sortgeht, zum Ausdruck. gebracht. Auch hier begegnen wir einer großen Anzahl von Varianten. Die Tätigkeit des ,^3riefnralers" — so nannte man im sechzehnten Jahrhundert den Karikaturistm — ersetzte dem zumeist des Lesens unkundigen Volke die Wugschrist satirischen Inhalts und hat daher für die Aufr-eizung der Masseninstinkte gegen die JNden große Bedeutung. Neben den genannten Themen kommen in der Frühzeit der Karikatu-r als Spotchemen auf die Jacken das Thema vom Mischen „Kipper und Wipper", das die Tätigkeit der Juden im Münzwese.n zum Gegenstand der graphischen Satire nrachte sowie das Thema vom H o fjuden vor, gegen den sich in der Zeit des absoluten Reginunts, das immer eines Hofjuden als .Handlangers bedurfte, der Haß der Masse richtete. Erst in. verhältnisrnäßig später Zeit, nämlich im achtzehnten Jahrhundert, gesellte sich ein neues Thema hmzu, das vom Juden als feigen und schlechten Soldaten. Das hing damit zusammen, daß die Juden erst.spät (am frühesten bÄannNch in Oesterreich) zum MMtäMenst herangezogen wurden. Ein Thema, das weit seltener war, aber ganz besonders dazu diente, den Haß gegen die Juden zu schüren, war. für die graphische Karikatur, die sich gegen die Juden richtet, das .Ri'tuallmord- und Hoftienschä.ndungsthewa, Es war in der Zeit der gezeichneten Zeitung Mich, auffällige Ereignisie, Msondevlichkeiten, vor allem Verbrechen bildlich darzustellen und in Form von Wugblättern auf Gasten zu . verbreiten. Derlei antisickische Flugblätter gibt es viele, über Judenverbreummgen, Ausweisungen und dergleichen, und insbesondere über den sogenannten „Ritualmord" an dem Knaben Simon von Trient. Gerade dieses Thema lvntde oft mit andevrn Themen der Juden- ’*..‘■—yl - wr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.