Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1565 (22.6.1923)
- Date
- 1923-06-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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W»» 8HBI, fftritoj) GeMssaal. Nn antisemitischer Hand. Der Wione>r HotMeisitzor Gustav Alt ermann,?7. Bez., ddenwalidMerswaße 16, befand sich in der Wsih-- lachtZseit und auch noch später am SoMnoving; or wohnte ul Hotel ErKevzog Johann. Am 29. Dezember machte er in Heisellfchaft oiinisger Hoteligäiste einen LliuWug in das Schützens am Sonnwendstean; llm die MttagszM trafM sie rcnsMst ein. Um dieisMe Zvvt kamen drei in Intervalle ahrenÄe SchM-on mit Wiener Gästen aus dem Suldbahnhotel uu S>c>lmneviing beim Schutzhaus ani SonnwenüPöin an. Die iebenjährige SchMsrin Litt Ma sch kl er, Tochter eines Wimer Fabrikanten, betrat a!ls erste die Schutzhüüe, ihr follgte dorr Louis Back. Mch einiger Zeit begab sich das Mädchen rurn Fonster, um Mchschau zu halten, ob der Schlitter? mit ihrer Mutter schon käme. Da sprang der Hund des Herrn -llltevmaun an der Kleinen herauf und biß sie in die rechte öanv. Litt Adaschler hatte BeÄetznuger? eMten und es mußte l)r ärztliche HÄfe zutsil tverden. Die Gendavnrevie, die von X'.u Vorfall Kenntnis erhalten hatte, erstattete die Anzeige tudie Staatsanwaltschaft in Men und diese erhob geigen x'n Hotetter die Anklage. Hierüber fand nun in den setzten Tagen bemn BetzirLsigertcht Fnnjhaus DeMsrichter Doktor Koell-ner) die Berhandbung statt. Der AngeMagte lvar zur Vechandlung nicht erschienen und sie wurde in seiner Ab-- Wesenheit durchgefuhrt. Im Strafakt heißt es, daß der Hund zeirwei-ttg bösartig sei und daß er, wem? er nicht gereizt werde, niemanden etwas tu?. Die Äs Zeugin v'nwernommene Litt Maschler gab an, daß der Hund nicht genügend beaussichl-rgi lvar, er lvar nicht angsbunden, lief frei herum. Ms man Herrn Mermann Vorwürfe machte. daß er den Hund licht genügend verwahre, hat er sich nicht etwa entschuldigt, sondern wurde noch groib und bsni-erkte unter anderem: ,/Daher gehören nur Ar>ier, Nichtarier haben hier nichts zu t un." Dieses ungehörige und grobe Benehmen habe die Stimmung gegen den AngeKagten noch «lehr erbittert. Bezirksrichter Dr. Koellner verurteilte den Anasklagten zu einer GeWsLoafe vor? 200.000 Kronen. Als erschwerend nahm der Richter an, daß der Angeklagte keineswegs für seine strafbare Handlungsweise wgeudeiu Bedauern zeigte oder sich ontschnGigte, sondern noch grob wurde. Ter AngMagte hatte einen Boten geschickt, der ihnr das Urteil überbringen sollte. Als ihn: der Richter das Urteil bekanntgab, zeigte er sich hiervor.' allscheinend schr befriedigt. 8in verurteilter Pogromhetzer. Aus Budapest wird gemeldet: Anläßlich des Attentates, ws der Beamte der Wiener Kommerzialbank Karl Eßlary inr Jänner dieses Jahres an seinem Vorgesetzten, dem Prokuristen der Bank Andreas Friwaldßky auf dem Deak-Ferencz-ter verübt hatte, veröffentlicht „A N ep" einen Artikel, der von antisemitischen Ausfallen strotzte. Es hieß da unter anderem, sie Juden behandelten die Christen als ihre Sklaven. Die Juden Hetzen die Chrfften gegeneinander und ergötzen sich mit neronischer Grausamkeit und Perversität all den Gladiatorenkämpfen der einzelnen Christen, sie selbst aber verprassen das (Seit) der Christen und schwelgen in Ueberfluß. Die Staatsanrvattschaft erhob gegen beit Verfasser dieses Artikels, den Jouriralisien Stephan Tnrcsany die Anklage wegen Verbrechens der Aufreizung gegen die jüdische Konfession. Hierüber fand die Verhandlung vor dem Strafgerichtshofe unter dem Vorsitzende des Kurialrichters Dr. T ö r e k y statt. Tnrcsany erklärte, er habe den inkriminierten Artikel in öffentlichem Interesse geschrieben. Der Gerichtshof erkannte Stephan Tnrcsany des Vergehens der Aufreizung zum Hasse gegen eine gesellschaftliche Klasse für schuldig und verurteilte ihn zu einem Monat Gefängnis. In der Begründung des Urteils wird hcrvorgehoöen, daß der Angeklagte die Sünden und Fehler einzelner jüdischen Schichter:, so beispielsweise der Bankbeamten, verallgemeinert und der Gesamtheit der Juden zugeschriebcn habe. Der Verurteilte meldete die Berufung an. Volkswirt. Gestempelte Krone — 0.007872 keutimes. Auszahlung Men — 0.0078 7S Centimes. In Zürich notierte die österreichische Krone 0.00781/* (0.0078'/., am 20. Juni) die österr. gestempelte Krone 0.00787a (0.0078V, am 20. Juni) die tschechische Krone . . . 16.71 (16.72 am 20. Juni) die Mark ...... . » 0.0045 ( 0.0046 am 20. Juni) Holland. , . 218.20 (218.60 am 20. Juni) New-ZIork. , , 556.50 (556.62 am 20. Juni) London ...... . , 25.71 ( 25.72 am 20. Juni) Bans ....... t , 34.75 ( 34.70 am 20. Juni) MäilMd ...... # , 25.40 ( 25.30 am 20. Juni) Belgrad....... . . 6.85 ( 6.30 am 20. Juni) Bukarest ...... 2.70 ( 2.70 am 20. Juni) Sofia........ . . 7.30 ( 7.25 am 20. Juni) Budapest. - * 0.067, ( 0.0674 am 20. Juni) Warschau ...... . . 0.0045 ( 0.0040 am 20. Jimy Sie Levifeupreife. In Z ü r i ch wurde gestern die Reichsmark 0.V0L5 gegen gegen 0.0046 notiert. Die Devise Parts erhöhte sich von "44.70 auf 34.75. Die D ev if v Belgrad besserte sich von 0.30 auf 6.35. und die D e v r s e S o f t a von 7.25 auf 7.30. Die polnische Mark hatte eine Steigerung von 0.0040 auf 0.0045 erfahren. Die ö st e r r e i ch i s ch e g e st empelte te r. o n e sowie Zahlung Wie» wiese» unveränderten Preisstand <mf. Wiener MorgenzeMrns. M. sFmü 1923 Nr. 1863 In B e r l i n ist der Doll a r von 123.690 ans 126.931 gestiegen. Hingegen schwächte sich das P fun d von 603.487 auf 585.582 ab. Die tschechische Krone besserte sich VZ 3760.50 auf 3815.26, die polnische M a r k von 111 auf 120 und die gestempelte österreichischeKrone von 171.55 auf 179.55. Im gestrigen Wiener Clearing erzielte die R e i ch s m a r k eine kleine Besserung von 49.50 auf 63 Heller. Dagegen waren P f u n d n o t e n eine KlMgkeit billiger erhältlich. Die übrigen Devisen und Valuten bewegten sich zumeist auf dem letztgemeldeten Stand. Nachstehend die offiziellen Notierungen: eiearingfcnrse der Österreichischen Nationalbank vom 21. Juni 1928. Devisen (Schecks und Auszahlungen) Amsterdam!, 1 holl. Guldea Agram 1 jug. Kronen , , . Belgrad 1 Dinar . Berlin 1 deutsche Reichsmark Brüssel 1 belgische Francs . Budapest 1 ungarische Kronen Bukarest 1 Lei.. Chrlstlanla I norweg. Kronen Kopenhagen 1 dänische Kronor London 1 Pfund Sterling . Madrid 1 Pesetas . . . . Mailand 1 Lire ...... New York I Dollar..... Paris I Francs ...... Prag 1 tschecho-slow. Kronen Sofia I Lewa . Stockholm I schwedlscheKronor Warschau 1 polnische Mark . Zürich 1 schweizerische Francs Kurs vom so. Toni Zins fi 4 6 6 8 4*1 6 6 5 3 327„00— 327600.-32730//.- 327900— 5'/, 10335- 11365,- 10335.- 10365— 6 3216.- 3224.- 3206.- 3214.- 4 70985.- 71135.- 70985.- 71135. - 5 4394.— 4406, - 4374.- 4386— 5 2127.- 2133.- 2125,- 2131.— 7*/, 934,- 936.- 934.- 936— 4‘J. 18580.— 18620.- 18630.- lfttfo.- 6 0.76 (1.80 0.57 0.61 3 12740,- 12770,- 12740.- 12770— s Geld Ware Geld Ware 27810.— 27910.- 27810.- 27910.« 811.- 813.— 804.— 86.- 811.- 813.- 804.— 806.- 0.545 0.585 0.515 0.545 3714. 3726.- 3704.- -3716. - 7.25 7.35*) 7.65 7.75 344.- 346.- 345.— 347.- 11585.- 11615.- 11585.- 11615.— 12485.- 12515.- 12685,- 12715.— Noten Amerikan. Noten v. 5 Dollar anUv, „ „ kleinere . . . Belgische Noten 100 Francs . . Bulgarische Noten zu 1000 Leva . . . ,100.. „ » w kleinere. . . Dänische Noten 100 Kroner , . Deutsche Noten zu 1000 Mark. , » >» •> 100 , » » » , kleinere. . . » Engl. Noten von 5 Livrest. aufw, „ kleinere. Französische Noten 100 Francs . Holländische Noten 100 Quiden . Italienische Noten v. 100Lire aulw. „ „ kleinere . . . Jugosl. Noten ungest. zu 1000 Dinar n , , , 100 . „ kleinere . . Norwegische Noten 100 Kroner . Polnische Noten v. 500 Mark aufw. „ r kleinere.... Rumänische Noten zu1000u.500Lc1 * kleinere , . . Russ. Noten (Roman.) zu 500 Rubel » » n n 100 s „ B „ kleinere . . Schwedische Noten 100 Kronor , Schweizerische Noten 100 Francs. Spanische Noten 100 Pesetas . . Tschecho-slow. Not. v.lOOOanfw, » „ kleinere Ungar, Noten (neue Em.) zu lOOOKr. „ «zu 10.000 Kr. » . . » , kleinere . . . . , 7OS50.— 70950.- 70650.— 70950.- 70550.- 70850.- 70550.- 70850.- 3655.- 3685.- 3645.- 3675— 913.- 917.— 913.- 917— 893!- 897!- 89Ü- 897— 12340. - 12460. - 12540. - 12700. - 0.53 0.61 0.495 0.575 32530o!- 32530o!-- 3256ÖÖ!- 326600— 325100.- 325100.- 325400.- 326400— 4335.- 4365.— 4315.— 4345— 2766\— 27860.— 27660.- 27860— 3182.50 3197.50 317L80 3187.50 3162,50 3177.50 3152.50 3167.50 801.- 805.- 794.- 798— 790,— 794!- 786!- 790— 11450.- 11510.— 11450.- 11510— 0.70 0.78 0.51 0.59 0.65 0,74 0.47 0,55 354.— 356.- 355.- 357— 334.— 336.- 335.- 337.- —!— —!— —!— 18370.- 18450.- 18420.- 12645.- 12705,- 12645.- 10210.- 10270,- 10210.- 2110.- 2120,- 2108.- 21(8.- 2115.- 2103.- 6.40 6.60 6.90 .6^5 6L5 6F5 ) Aus Auslandsabgaben nichts übernommen. 18500.- 12705.- 10270,— 2118.- 2113.- 7,10 *7,05 Bndapester WlNschastsberlcht. Bud ckp est, Mitte Juni 1923 Der Sturz der Krone dauert fort, jetzt sind wir bei 0,7 angelangt, geht's auch noch tiefer? Es scheint, daß die Entwertung hier keine Grenzen hat, was zum großen Teil ans die Deflationspolitik zurückzusühren ist, indem für Produktions- Zwecke kein Geld gegeben, dabei aber für andere Zwecke große Vergeudung getrieben wird. Die Teuerung wächst, ohne daß ihr die »Kompetenten Kreise" Einhalt tun könnten oder auch nur wollten, vielmehr gehen sie mit dem Beispiel voran (stehe Koinmunal-Nachrichten). Im jüngsten Berichte war die allgenieine Verteuerung wit Monate Mai mit 12 Prozent angegeben; dies ift3auf Grund authentischer Daten auf 18,9 ProMt richttgzustellen. Der Juni brachte bisher (außer den separat gemeldeten Preiserhöhungen) folgende Steigeningen: Brot und Kleingebäck, nachdem die Bäckeraussperrung mit einer Zoprozentigen Lohnerhöhung endete, die selbstredend auf das konsumierende Publikum übertragen werden mußte, Fleisch, Fett, .Kartoffeln, Paprika, Gemüse, Obst (Marillen 1000 K. pro Stück), Welzen ist bis über 3000 K. im Preise gestiegen, der Mühlentrust erhöht täglich die Preise. Die fixbesoldete Klasse lebt in noch nie dagewch'enem Elend, während auf der Börse ohne Arbeit Millionen verdient toer'oen, aber auch Handel und Industrie auf die tnindere Notierung der Krone nicht daraufzahlen, indem die Kaufleute sich die Kursdifferenz, noch bevor sie eintrat, durch vorheriges Erhöhen der Preise eskomptteren ließen und die Fabrikanten in dieser Hinsicht auch nicht nachlässig sind, Staatsfinanzielle Nachrichten. Die Auslandsreise des Ministerpräsidenten und des Finanzministers hat, wie auch vorauszusehen war, keinen greffbaren Erfolg gehabt; bas einzige, was die zwei Staatsmänner erreichten, war, daß die Entsendung einer aus Entente-Fachleuten zu konstituierenden Kommission beschlossen wurde, welche die Daten der Schilderung des Grafen Bethlen zu überprüfen hatte. Es hieß, daß diese Kommission Mitte Juni hierherreist, doch scheint sich die Sache in den Sand verlaufen zu haben. Wie verlautet, trägt sich der Finanzminister rmt der Absicht, die Kriegsanleihe-Papiere rückzulösen, zu welchem Behufe neun Mlliardcn erforderlich sind. v Eine aus dem Schtveizer Bankverein, dev Schweizer Bankgesellschaft imd noch anderen kleineren Banken bestehende Gruppe gewährt dem ungarffchen Staate gegen Garäntte der Budapester Großbanken eine Anleihe von einstweilen ^ehn Millionen Franken. Ueber die Wohnungsbau-Mion wird nach tvre vor viel gesprochen. Von amtlicher Stelle wird wiederholt betont, daß schon zum Herbst eine entsprechende Anzahl von Kleinwohnungen übernehmbar sein toird. Außerdem haben sich die Großbanken, Fabriksindustriellen, der Bankierbund sowie die Kaufmännische Landesveremigung erbotig gemacht, für 20 Prozent der Angestellten Wohnungen zu erbauen, sofern sie vom Staat zu diesem Zwecke ein Darlehen von fünf bis sechs ' Milliarden Kronen lotete Steuerbegünstigung bekommen. Die Regierung hat der Nationalversammlung die Jude«« nitätsvorlage unterbreitet und beanspnicht von der Gesetzgebung — unabhängig von den seitens des Fmanzsenates für zwei Monate bereits bewilligten 20 Milliarden — Gutheißung eines Kredites von 60 Milliarden Kronen. Der Mav, die ständig mit Defizit zu kämpfen hat, gewährte der Staat ein Darlehen von 1600 Mllionen Kronen. Die Regierung hat die „Beteiligung" getaufte Zuckerstener wieder um 200 K. Pro Kilogramm erhöht und damit dem Kartell Anlaß gegeben, die Preise neuerdings zu erhöhen. Nachdem die dreiprozenttge Verkehrssteuer durch drei bis vier Hände entrichtet werden muß, ist jedes Kllogramm um ungefähr 230 K. teurer geworden^ Auch die Zündhölzchensteuer ist erhöht worden, welchem Umstande die Verteuerung dieses Arttkels auf 40 K. pro Schachtel zu verdanken ist. Es ist außerdem rwch die Erhöhung der Krankenkasse-Gebühren im Zuge. Allgemein geklagt Wird noch immer darüber, daß der Staat und seine Betriebe, wie die Ung. Staatsbohnen, Staats. Eisenwerke usw. die Rechnungen über öffentliche Lieferungen, wenn überhaupt, erst nach vielen Monaten begleichen, so daß die Lieferanten zumindest enormen Zinlsenverlust erleiden. Kommunal-Nachrichten. Im Stadthause wird fleißig gearbeitet. Im Durchschnitt entfällt auf jeden Tag eine Steigerung. Hundesteuer aufs LOOfache, Elektrische Bahn ab 16. Juni um 50, Gasbeleuchtung und elektrischen Strom um tveitere 33,83 Proz., Mistfuhren usw. Die Vorlage über die neuen, an dieser Stelle bereits geschilderten Verzehrungssteuern ist angenommen worden. — Magistratsrat Vajna, Leiter der hauptstädtischen Verpflegssektion, ist mit der Verpflegspolttik der Stadt schr zufrieden. Derselben ist nänilich zu verdanken, daß nicht der ganze Kartoffelvorrat,' mit dem Spekulatton getrieben wurde, verfaulte, sondern nur mchrere hundert Waggons. Ein gutes Geschäft ist zu verzeichnen, nämlich daß es der städtischen Gasfabrik gelungen ist, sich in Form einer Anleihe Kohlen-Reservevorräte zu sichern; der Prinz Windischgrätz hat nämlich bei einem ausländüschen Konsortium, bestchend aus den Häusern, Hansen u. Co. Neuerbürg, sowie Societe Annen Etablissement Neuerburg S. A. einen Kredit von 246.000 Pfund erwirkt, welcher Betrag in 10 Halbjahrsraten zu je 39.000 Pfund zu amortisieren sein wird; die Kommune soll 150.000 Tonnen Kohlen bekommen, außerdem wird für Reserven bis 30.000 Tonnen gesorgt. Die städtischen Wasserwerke hatten ein Defizit von drei Milliarden Kronen „aufzuweisen", allerdings auch ein Erfolg dem ehemaligen vielgeschmähten liberalen Regime gegenüber. Zunr Ueberfluß ist noch die Idee aufgetaucht, die Brnckenmaut, welche noch zu Beginn des Karolyischen Zeitalters abgeschafft wurde, wieder ins Leben zu rufen. Einer der Magistratsherren brachte noch die erfreuliche Nachricht, daß der mit drei Millionen Kronen veranschlagt gewesene Bau des Hungaria-Quellc- Pavillons bisher 20 Millionen Kronen kostete. Banken- und Aktiengesellschaften. Bilanz-Nachrichten: Die Realitäten, Bau- und Holzindustrie A. G. bezahlt eine 25-, die Franklische Eisenhvf A. G. eine 75prozentige (150 K.), die Ung. Deutsche Bank A. G. 40 K. Dividende. Die Ung. Fiat Automobilwerke A. G. hat bei einem Stammkapital von fünf Millionen 2,2, die Allg. Beschafftmgs- und Cransport-A. G. (5 Millionen Kronen Stanynkapital, 20,57 Millionen Kronen Bruttogewinn) 423.000 K., die Buchverlags-Handels A. G. (1 Million Kronen Stanrmkapital) 689.000 K. Reingewinn zu verzeichnen. Sensationell wirkte die Bilanz der Anton Drcherschen Bierbrauerei A. G., die bei einem Aktienkapital von 27 Millionen Kronen im letzten Geschäftsjahre^ ihres Selbstbestandes — bekanntlich gehört sie jetz^ der unlängst konstituierten Bierkonzentration an brutto 250 Millionen Kronen verdiente, wovon allerdings über 17 Millionen Kronen für Zinsen abgehen, und zum Schluffe blieben 12 Millionen rein, was einer nahezu 46Prozentigen Fruktifizierung gleichkommt. In dem Prozeß, den die Kommerzialbank wegen noch im . Frühjahr 1914 pro Herbst gekauften 30.000 Pfund bei dem Börsengerichte gegen die Verkehrs-, bezw. Eskompte-Bank anstrengte, wird das Urteil erst gegen Ende Juni gefällt, nachdem zwischen den zwei Banken Unterhandlungen e'mgeleitet wurden, die wahrscheinlich zu einem Ausgleich führen werden. Die noch vor länger als 20 Jahren angeordnete Liquidation des im Jahre 1869 gegründeten Budapester-Bankvereins ist beendet. Die Gläubiger erhielten 70 Prozent ihrer Forderung, noch in gutem Gelde, indem die letzte Quote im Jahre 1913 ausgezahlt wurde. Stammkapital-Erhöhungen: Kalman.Böhm, Faßfabrik A. G. von fünf auf zwölf, Frankl Eisenhof A. G. von 86 auf 72, Ung. Allg. Maschinenfabrik von 50 auf 75, Ung. Deutsche Bank A. G. von 100 auf 200, Budapest Leopvldstädter Sparkasse A. G. von 120 auf 160 und Lloyd Bank A. G. von 600 auf 1000 Millionen Kronen, mit welchem für die hiesigen Dimenlsionen riesenhaften Aktienkapital diese Bank allein dasteht. Neue Unternehmen: Englische Geldmänner errichten unter der Firma Globe Textilwerke in Vac eine Spinnerei mit 70.000 Spindeln, außerdem eine groß angelegte Zwirnerei. — Die Athenaeum Druckerei errichtet irr Gemeinschaft mit der Franklin Gefellfchaft mit' 60 Millionen Kronen Stammkapital eine Buchverlagsanstalt unter dem Namen „Afra". — Neugründungen außerdem: Emil Epstein Schuhfabrik A. G. mit 20, Kabelfabrik A. G. mit 15 Millionen Kronen Stammkapital. Sonstige Nachrichten aus Industriellen und kommerziellen Kreisen. Das unter dem Namen „Donapalais" bekannte Hotel Ritz unterhandelt mit einer ausländischen Gruppe, die eine größere Aktienanzahl übernehmen isoll. Den hiesigen Assekuranz-Gesellschaften ivurde doch erlaubt, Versicherungsgeschäfte auch in ausländischen Werten zu schließen; einige größere Arrangements kamen bereits zustande. Dusan Tabakovies, der Herrgott de« zur traurigen Berühmthmt ge-