Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1565 (22.6.1923)
- Date
- 1923-06-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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/'Sk. im ' .. «L> Men, Freitag N •w Wiener Morgenzettung. 22. Juni 1923 Seite > kin Kreditinstitut der Mischen Kaufmannschüft. Ae Beamten gegen die Heute Segln« der tzasstve« Resistenz. WiennS aus Warschau berichtet wird, hat die gegenwärtig tagende Konferenz des Zentralvevbandes derjüdifchm Kaufmannschaft in Polen beschlossen, ein eigenes ' Kreditinstitut der jüdischcn Kaufmannschaft zu' begründen. Dieses Institut, das auf Grundlage einer Aktienbank ausgebaut sein soll, wird seine sämtlichen. Operationen in G o l d v a l u t a vornehmen. Als Vorbereitung zu dieser Gründung wurde bereits ein eigenes Lokal, ein Kveditinformationsbureau eröffnet, das vom Handelsministerium eine Konzessisn erhalten hat. - VaWiim. Ae AraderpolM der SberkommWrs. London, 20. Juni. (Del. der „Wr. Morgenzeitung".) Wie in außenpolitischen Kreisen verlautet, hat der palästinensische OhercköuümMr Sir Herbert Samuel vom Außenamt die Weisung erhalten, gegen die Araber energischer aüfzutreten. Seine bisherige Nachgiebigkeits-Politik gegen die Araber habe sich als nicht richtig erwiesen. SarmiÄ beähsichttgt nun, da die nuchammedanischen und christlichen Araber eine Beteiligung an dem palästinensischen Regierungsbeirat abgelehnt haben, einen Beirat ohne diese einzufetzen. . H Die jüdische Einwanderung im April und Mai. In Jerusalem wird offiziell bekanr.-tgegsben, daß im Laufe des Monats Mai' 983 Immigranten in PMftina eingetroffen sind. Palästina auf der britischen Ausstellung. In der letzten Sitzung des Palästina-KvmÄves der britischen Reichsausstellung winde:der Vorschlag angenomanen, daß das Komitee 500 Pfund der Zionistischen Organisation für ihren PMstina- Pavill-an, der eine HAste der PalÄsttna-Abdeilung auf der Ausstellung umfaßt, übevgöben soll. Viele a r a b ische Organifatwnen, die vingelüden wurden, sich an der Ansstellmvg zu beteiligen, unter ihnen der Mufti, die arab ische Exekutive, die muselmanisch-christliche Organisation sowie die avaibiifchen Halldellsovganiisatwnen in Haifa, Jasfe und anderen Städten haben auf die Einladung entweder gar nicht geantwortet oder owe ablehnende Antwort erteilt. Rundschau. Frankreich vor einer Ministerkrise. Die radikalen Minister wollen nicht gehen. Paris, 21. Juni. (Havas.) Der Vollzugsausschuß der Radikalen Partei nahm einstimig einen Antrag an, worin die Deputierten, die der Rgiernng Poincare das Vertrauen verweigert haben, beglückwünscht, und die Gewählten der Partei an die Achtung der vom Kongreß aufgestellten Regeln der Disziplin erinnert werden.' In dem Beschluß werden infolgedessen die Minister Sarrant und Strauß sowie der Staatssekretär Paul Lafont anfgefordert, in einem Kabinette, das sich auf die traditionellen Feinde der Republik stütze, nicht mehr mitzuwirken. Die drei gestern vom geschäftsführeniden Ausschuß der radikalen SoziÄisten und der radikalen Partei wegen des Ausschlusses der letzteren aus der RsgteMngsmehHert zuirn Rücktritt aufgeforderten Kabmettsmitglieder, Wohlfahrts- Minister Strauß, Kolonialminister Sarraut und Uuberstaatssekretär für Postimfr Delegraphenwefen Laffont, haben heute nach Schluß des Mmstervates den Journalisten übeveinstimmend erklärt, daß sie sich vom Ministerpräsidenten nicht zu trennen beabsichtigen. Wie nun die Blätter mckliden, hat KollouieNministsr S a rraut gestern abends auf einem Bankett der Kolonialunion erklärt, in einem Augenblick, wo gewisse Republikaner an der republikanischen Ueberzengnngslrene Poincare s zweifeln zu müssen glauben, sei er stolz, als RepubiWaner und Anhänger der Laiiengesetzgelbunig an der SeA-e des RrepMikaners Pomoare ««Zgnkharren. Heute haben, sich der Minister Strauß und der Staatssekretär Lafont der Erklärung Sarrouts angeschlossen. Wckter wird zu dem Bejschlluß des DollAuigsausschusses der Radikalen und der Sozialistisch-radikalen Partei noch gemeldet: Der Vollzugsausschuß beschloß, zehn Mitglieder, die trotz der gegenteiligen Entscheidung der Partei für die Regierung ihre Stimmen abgegeben hatten, vor den Disziplinarausschuß zu zitieren. Gegen die drei radikalen Mitglieder der Regierung wird dikße Maßregel erst dann zur Antvendung kommen» wenn'sie der AWordvvuny, zu demission'ieven, nicht nachkywmen- Die nächste Sitzung des Vollzugsausschusses findet am 12, Juli statt. ‘ Bor «eriindernngen im enMchrn Kabinett. Eintritt konservativer Vertreter. « London, 21. Juni. (Tel. der „Wr.Morgenzeitung".) M a c Kenn,« wird, wie hMolffWll versichert wird, be-vetts inv Icki ins englische Kabinett eintreten. Um für Austen Chamber» l a i n Platz zu.machen» soll, wie dem Außenamt nahestehende Kreist Versichern, der VtizeWnitz von Indien, Carl of Reading, in den nächsten Wochen durch den bisherigen Kolonien- Die Protestversarrrrnlrmg im Rathaus. Gestem «um halb 4 Uhr nachmittags versammelten sich die im Reichs.verba.nde der öffentlichen AngeMlten organisierten Staatsangestellten in der Bolkshalle, um gegen die von der Regierung geplante Verkürzung der Bezüge in energischester Weffe zu protestieren. Tausende von Beamten waren dem Rufe gefolgt und die große Halle konnte die Versammlungsteilnehmer nicht fassen, so daß auch der ganze »mite Platz vor dem Rathaus trotz des strönrenden Rogens von Menschen erfüllt war. Den Vorsitz der Versammlung führte Präsident Professor Schindler, der in einem nahezu einstundigen Referate unter fovttvähveniden scharfen Zwischenrufen gegen- Seipel und Kienböck über -die Vrchandlnngen mit der Regierung Bericht erstattete. Mit größer Entrüstung geißelte der Vorsitzende die Rede Kienböcks, die dieser vorgestern in einer christlichsozialen Versammlung gehalten hatte, als g e i s s e n l o s e D c m ago-gie und fand hierbei die vollste Z'ustimnmng aller Versammelten. Hierauf ergriff Direktor Schmidt das Wort und erklärte zunächst unter großem Beifall, daß sich die Angestellten infolge des Vorgehens der Regierung veranlaßt sehen, Freitag nur 9 Uhr früh in passive Resistenz zu treten, welche sich auf das ganze Bundesgebiet erstrecken »vird. Die Beaintenschaft, sagte der Redner, habe alle Anstrengungen gemacht, um den innerpolitischen Verhältnissen Oesterreichs Rechnung zu tragen und die Bevölkerung vor Schaden zu "bewähren, «daß aber alle Verhandlungen an -der starren Haltung der Regierung Seipel scheiterten und daher jede . Werantwortung für das, was nun geschehen werde, n u r die Regierung treffe. Er wandte sich insbesondere gegen den Bundeskanzler, dem er nachsagte, daß er aus einem Bezirk in den anderen eile, um. * salbungsvolle Reden zu halten. (Pfui-Rufe und Rufe: Jesuit!) Direktor Schmidt erklärte, daß -die passive Resistenz zunächst bei der Post, beim Telegraph und Telephon sühlbar werden wird. Die Eisenbahner ließen durch ihren Delegierten König den Versammelten Mitteilen, daß sie den Kampf des Reichsverbrndes gegen Seipel mit größter Sympathie verfolgen und im Falle die Regierung gegen die Beamten Vorgehen sollte, die Aktion mit ihrer ganzen Kraft unterstützen werden. Sodann wurde vom Verband der Akademiker in öffentlichen Diensten gegett das Vorhaben Seipels -Stellung genommen, der auf Kosten einer anderen «Katt-gvrie die 'Akademiker finanziell besser stellen wolle, was sie..mit.Eutrüstung a b lehnen. Vertreter >der'Beamtenschaft ick der Provinz nahmen gegen das geplante Or tsklasse n syst vm Stellung,' worauf alle drei Kategorien sich in ihrem Kampfe gegen die Regierung unter minister, bat Herzog von Devonshire ersetzt werden. Dann soll Chamberlain das. Kolonialamt übernehmen. Die nächste Tagung der Bollerbundes. - Genf, 21. Juni. Auf Ersuchen des italienischen Delegi^rten Salaudva beginnt die nächste Session des Vülterbundrates statt am 29. d. erst am 2. IM. Die vierte Völkerbundverfammlung wird am 3. September um 11 Uhr vormittags in Genf zusammen treten. Sie wird die Maßnahmen zur Kenntnis nehmen, die zur Ausführung der BeschUsfe der vorhergehenden Versammlungen angeordnet worden sind, insbesondere miit Bezug auf die Beschränkung der Rüstungen, die Eindämmung der Sklaverei und den kanadischen Vorschlag auf 8lbänderüng des Art. 10 des VMerlbundpattes. Erlliirnagen Baldwinr ikbrr die Rnhrlage. London, 21. Junli.. Im Unterhaus erklärte Premierminister Bald Win in Beantwortung von Anfragen, die britische Regierung habe keinerlei offizielle Bestätigung der Berichte, wonach Lebensmittelsendunigen - im- Rührgebiet behelligt »Erden. Pvnfvnby (Arbeiterpartei) fragte, . aus welcher Quelle das Foreign Office seine Informationen beziehe. Babdwin erwiderte, er Wune dies nicht sagen. Roden Buxton (Arbeiterpartei) fragte, ob er die Konfnlavbeamten zu Rate-gezogen Erden. Baldwin erwiderte: Ich zweifle nicht, daß das Foreign Office alle Behörden zu Rate zieht. Wedgwood stellte die Anfrage, ob es angesichts der ungeheueren Bedeutung dieser Frage im HütLlick auf die Möglichkeit des Ausbruches von Unruhen ausführbar sein würde, eine besondere Untersuchung darüber anzustellen, ob Nahrungsmittel zurückgehalten werden. Baldwin antwortete: Ich zweifle nicht daran, daß derartige Nachforschungen angestellt werden. Ich werde diesen Punkt erwägen. Frankreich« Bedingungen filr Dentschland. London, 21. Juni. Wie „Weftruinster Gazette" mitteilt, enthält die aus Paris bereits iu London oiitgelangte Antivort mtf die Anfrage der' atglifchen Regierung folgende Gesichtspunkte: 1., Frankreich ist >der Ansicht, daß die GaraMen. der «deutschen Denkschrift ungenügend seien. Eine lgewisse A n fsichit übeir die deutschen Zölle, die Eisenbahnen und Die Versammlung gen-ohnrigte sodann einstimmig folgm'öl Entschließung: „Die aut 21. Juni tagende Massenversammlung der Bundesangestellten billigt die Haltung der-Unterhändler dei Reichsverbandes .der öffenttichen Angestellten Oesterreichs de den letzten Lohnverhandlungen und spricht ihnen fite die zähl Verteidigung der Interessen der Angestellten den Dank aus Sie hält an den ausgestellten Forderung er fest und erklärt ihre Entschlossenheit, derer Durchfetzung mit allen gewerischastlicher Mitteln zu betreiben. Sie stimmt daher deur von Reichsverband angeordueten Pas s i v e n W i d e i st a n 1 zu und erklärt, «den Weisungen desselben unbedingt Folge zn leisten. Sie weist .den Versuch der Regstrung die Bundesangestellten durch -Zugeständnisse an einzeln« Gruppen zn trennen und dadurch dertit Widerstandskraft z» fchtvächen, mit aller Entschiedenheit zitrück und erivartet di vollste Solidarität aller öffentlich Angestellten 'bei Erkämp fu-ng besserer Dienst- und LebensverlMnisse." Die Resolution spricht schließlich dein Finanzminister Doktor-Kienböck die schärfste Entrüstung aus. Nichtbeteiligung der Sozialdemokraten. An der passiven Resistenz nicht 'beteiligt ist bisher der Bund der öffentlichen Angestellten (sozialdent-okratisch) und die der Gewerkschaftskommlsfion angegliederteit Staatsangestelltenorganisationen. „Wir lassen mit »ns reden," sagt Dr. Seipel. In «einer Parteiversammlung besprach Bundeskanzla Dr. Seipel auch die Beamtensrage und führte u. a. aus: „Unsereöffentlichen Angestellten rechnen uns vor, wie weit ihre Gehälter von der sogenannten Goldparität entfernt sind. Die Notlage, von der sie reden, ist nicht lbei allen gleich, aber ich kann leider nicht zweifeln, daß es vielen — rmd dazu rechne ich -in erster Linie die Familienerhalter — sehr schlecht geht. Wir beriefen die Vertreter der öffentlichen Angestellten zu uns, um «ihnen zrt sagen: Wir wollen fetzt den ersten «Schritt zu einer Besserstellung machen, doch ist dieser nur möglich, wenn wir züsammenhelfe^ alle Hindernisse zu beseitigen, die einem Sinlen der Preise entgegenstehen. Dazu erscheint die Abschaffung oder wenigstens vorläufige Suspendierung des Jndexgesetz.es nolwendig. Ohne daß iwrr unseren ganzen Saniernngsplan nmwerfen, können wir für jetzt nur einen bestinlmten Be'trog zur Verfügung stellen. Weil wir eben nur einen bestimmten Betrag zur V«erfügung habar, wollten wir ziterst den Familienerhältern heffen, «und zwar in steigeitden Beträgen, je nach der Größe der Familie. Wir machten konkrete Vorschläge, fügten aber immer hnM, daß wir über die Verteilung der Zniwendnngen mit uns reden lasfien. Einige Än^stelltenvertreter iwaren geigen diesen Vorschlag und so tvivd es nicht Schuld der Regierung sein, wenn vielleicht nach einiger Zeit auch die von uns mtgebotene Hilfe für die FamilienerhMer hinausigvschöben wird." bahnen. 2. Frankreich ist bereit, dl«-Besetzung des Ruhrgebistes in eine r i e d l i ch e, technisch« A u f s i ch t" zur Ue-bertvachltng von Sachlisserungen EMvandeln, tvenn die deutsche. Regierung ihre. Verordnungen, die den Widerstand im Ruhvgebiet verschärft haben, zur ü ckz\iehi und keine S u bventionsge'llder mchr an die Streikenden zahlt. 3. Die „technische Ansisicht" soll nur von ganz schwachen Truppen körpern ibegleitet sein. Frankreich :ift ferner bereit, eine Am n e st i e zu geitvährelt und sämtliche Verhaftetelt freizttlassen, wenn es die Geivähr dafür hat, daß diese .und die AusgewieseMn, denen die RüWhr erlaubt wird, «nichts unternehmen worden, «um der Wirksamkeit der technischeit iKommis- .sion bei der Durchführung ihra: Aufgabe Hindernisse in den Weg zu logen. 4. Frankreich ist «bereit, ein Moratorium zn gewähren. Protest der Schweiz wegen der Dortmnnder Schieberei. Bern, 21. Juni. Beim politischen Departement ist ein Bericht des schweizerischen Konsuls in Düfseldo rf über die Erschießung des Schweizers Schlee durch französische Soldaten in Dortmund eingetroffen. In dem Bericht wird beftätigt, daß Schlee am kritischen Abend promenierte. Das polittsche Departement ist bei der französischen Regierung durch Vermittlung der Gesandtschaft in Paris vorstellig geworden. Es hat eine strenge 11 n t e rf u ch n n g verlangt und Schadenerfatzfordenrngen gestellt. SrhShnng der denttche« Bahntarife. Berlin, 21. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitirng") Im Ausschuß des deutschen Roichseisenbahnrates sprach sich die Mehrheit für die von der Verwaltung vorgesehene E rhöhnng der Gütertarife um 250 Prozent ans. Eine Erhöhung der Personontarife zum 1. Juli dieses Jahres um 300 Prozent für,die erste und zweite Klasse und mu 200 Prozent für die dri'tte undwiertt Klasse wurde mit beträchtlicher Stintmettmehrheit, angenommen. Die Entscheidung des Reichsverkehrsministers steht noch aus. Es wird ferner eine abermalige Erhöhung, des Fahrpreises der Berliner S t r a ß e n b a h n angekündigt. Der- Fahrpreis soll fortan 1000 Mark, nach einer anderen Meldttng sogar 1600 Mark für die Fahrt betragen. die Industrie sei «notwendig, -besonders aber ein i.nter- Wohlfeile Woche! RegenrnShtai . . K 125.000 ■ Leinenwaren, Waschwaren, f Stoffe, wasche — sehr billig ■ m lilareih di Schiff mann IU Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En sros En detail großen- Beifallskundgebungen s oli da r i s ch erklärten. nationales Regime für die Aihei-n- und Ruhr«