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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-21 · Heft 1564 (21.6.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1564 (21.6.1923)
Date
1923-06-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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SWWW Wiener Morgenzeitung. 21. Juni 1983 Nr. UM Gin Konflitt zwischen Polen und Ianzig. Ausweisungen Danzig, 80. Juni. (Wolfs.) Wie das Danziger Telegraphenamt mitteilt, hat Polen feit gestern den gesamten Telephonverkchr mit Danzig eingestellt. Zugelassen sind nur Sta-atsyespräche. Der Teilegraphenverkehr ist nicht unterbrochen. Danzig, 20. Juni. (Wolfs.) Da die Danziger Behörden 16 Polnischen Staatsangehörigen die Beschäftigung in Danzig verboten haben, hat die polnische Regierung die Ausweisung von 16 Danziger Staatsbürgern aus Polen angeovdnet. Der Danziger Senatspräsident hat in einem Schreiben dagegen Protest eingelegt und hierbei auf die gegenseitige Verpflichtung verwiesen, wonach bei Meinungsverschiedenheiten die Entscheidung des Oberkomm ifsärs des Völkerbundes auzurufen sei. Der Senat sei bereit, die Beschäftigung von Polen in Danzig zu als Repressalien. gestatten und erwarte die Rücknahme der polnischen Ausweisungsbefehle. ZeNgows«. Warschau, 19. Juni. Die Polnische Telegraphenagentur setzt den Meldungen Berliner Blätter, daß das polnische Kon* sulat in Berlin auf Weisung der polnischen Regierung Mschlossen worden sei, und daß General Zeligowski einen von oflfizieller polnischer Seite gebilligten Staatsstreich gegen den Freistaat Danzig plane, ein formelles Dement, entgegen. Das polnische Konsulat in Berlin erteile nach wie vor Visa für Pässe an deutsche Staatsbürger, die sich nach Polen begeben wollen. Was die Stadt Danzig betrifft, so handle es sich bloß um Maßnahmen rein zoll, politischer und verwaltungstechnischer Natur. Der Ausbruch des Aetna. Fünf Lavaftröme. ' Veite 4_ Ofen, Donnerstag Rundschau. Sie Markkatastrophe. Die Besprechungen mit den Banken. Berlin, 20. Irma. In den Unterredungen zwischen dom Reichskanzler und den namhaftesten Bankenvertrerern kam einmMg die Ar.ficht zmn Ausdruck, daß die letzte Dollarsteigerung terne wirtschaftliche und politische Bvvechtigung habe und weit über jenes Maß hmausgogaugen sei, das selbst durch eine Pessimistische BourteAung der allgemeinen Lage berechtigt wäre. Es wurden sodann Maßnahmen für eine erneute Stützung der Mark erwogen, über die die Beratung heute zunäW im Zeichen Kreise forgef.etzt wurde. In teu Rahmen dieser Eüvägnngen ist vor allem die sckt geraumer Zeit schwebende Frage der DeÄiseugentralisrevung gezogen worden. Der Widerstand der Bankwelt gegen diese Maßt ahme scheint angesichts der katastrophalen Entwicklung der letzten Tage a u fgegeben zu werden. Außerdem sollen Maßnahmen geplant sein, die auf siner Art freiwilliger Selbstbeschränknng der BanKoÄt in begug auf das Bailutengsschäft beruhen. Eine neue Dollarschatzanleihe? Bei diesen Beratungen haben auch Erörterungen darüber stattgofunden, ob es möglich sei, zur Stützung der Devisenfonds der Reichsbank zum zweiten Male eine Dollarschatzanleihe autzunehmen. Me Bsppvechnngen über diese Frage sir-d noch nicht aibgcschloffen. Man sei jedenfalls der Meinung, daß eine solche Anleihe mit cimvm Zeichnunyszwanz ve-rfchen werden müsse. Die Arbeitslosigkeit. Nach einer Uetbersicht des ,ZayckbkÄ" über die ArbeitslosWeit in DerÜfchlcMd hat der Ruhveinlbvuch außerordentlich verischärfend auf die ErwerbAchi^keit etrngewirkt. Ans einer ÄatistÄ, die in 306 deutschen Stabten ausgestellt worden ist, ergibt sich, daß man am 17. Februar 95299, am 7. April 161.525, am 5. Mwr 21ZLZ9 und am 2. Juni 197.690 Arbeitslose zählte. Die Gesamtzahl der gegenwärtig in Deutschland unterstützten Erwerbslosen beträgt etwa eii.»e halbe Million. Die stärkte ArbeÄÄosigPsit herrscht in den Gegenden rund um das besetzte Gebiet, da sich hier die durch den Rühreinbruch horvovgernfenen Absatz- und RohstMchwierigkeiten besonders bemerkbar machen. Frankreich schränkt feine Forderungen ein. Paris, 26. Juni. (HavaS.) „Echo de Paris" erfährt, )ie französische Regierung habe ihr in bezug aus die E i n-> tellung des passiven Widerstandes ins Auge;efaßte Programm eingeschränkt. Sie werde sich mit >er Zurückziehung der seit 11. Jänner von Berlin in die Beamten ergangenen Verordnungen und Weisungen sowie mit der EinstelbuGg der materiellen Zuwendungen des Reiches für das ituhrgebiet begnügen. Eine Aenderung des jetzigen Be- -etzuugsregimes würde jedoch nur nach Maßgabe fcter siir >ic Reparationen bewirkten Zechlnngen eintreten. Aaldwin Über die Rnhürife. London, 20. Juni. (Wolfs.) Der PaÄamentsberichterstatter des ,/Daily Expreß" meldet, daß Premierminister B a l d w i n gestern eine Abordnung der Arbeiterpartei und des Bergarbeiterverbandes unter Führung Ramsay Macdonalds empfangen habe, um mit ihr die Frage der Kohlenindustri« zu erörtern» Hierbei habe er eine Erklärung abgegeben, wonach augenblicklich in Europa die Regelung der Ruhrsrage von grundlegender Wichtigkeit sei. Soweit ein Mensch irgend etwas tun -könne, werbe er seine ganze Arbeit dazu aufwenden. Die Lage rm Ruhrgebiet berühre die englische Industrie nachteilig und je eher sie geregolt werde, desto bester sei es. Die übrigen Blätter bringen keine Meldung Aber diesen Empfang. „Times" erklären, die Abordnung sei ersucht worden, keinerlei Mitteilung über die Unterredung zu machen. Regelung der englisch-amerikanischen Schulden. Washington, 20. Juni. Das englisch-amerikanische Schuldenfundierungsaötommen ist heute durch Vertreter der britischen Botschaft und des' Schatzamtes unterzeichnet worden. Re Mimische Politik. Kowno, 19. Juni. (Tel. de»r ,Mr. Morgenzeitung".) Der wiedengewähtte Präsident der Manischen Republik Stulginski erklärte in seiner ArtMsrede rm litauischen Parlament, daß dieses genötigt sein toerlbe,. sich mit der Frage der pol-nisch-litauischen Grenze und der Memelfrage zu belasten. Er fügt hinzu, Litauen halt« -daran fest, daß die gegenwärtige Lage in Memel erhalten bleibe und werde, unbekümmM um den Protest der Entente, die Verfassung des Gebietes von Mmvel nicht ändern. Die innere PMA des litauischen Sejm fft durch das Bemühen der chrüstlich-demokvatlfchen MvhcheÄ gekennzeichnet, die Mische parlamentarische Vertretung gänMch zu isolieren. Bei der Nomimerury der MtAeder für die einzelnen ParlamentskomMiffionen hat die Mehrheit sich bemüht, die Wahl jüdischer Deputievter zu verhindern, wck) außer Dr. Rosen b aum, -der in die Jndustriekommiflion gewählt wurde, sitzt auch kein jüdischer Abgeoödnster in den Kommissionen, während die deutschen, russischen und poibnstchen Abgoorldneten, deren Zahl geringer ist als die der jüdischen, fast in jeder Kommission vertreten sind. , Die Mchchoit des Ätarrstchev Schn ist bestrebt, den Mrnoütüteniblock dadurch zu sprengen, daß die Juden ifoviert werden. Es ist ihr gelungen, die Deutschen und Russen für ein Mbschwenlken von dem bisherigen gsmeir.smnen Minaritätenblock zu M«men; mit dm Polen wird noch vechaüdeft. Rom, 16. Juni. Nach den im Laufe des Nachmittags vingetroffenen Nachrichten, dauert der Ausbruch des Aetna unvermindert fort. Auch Giarre ist bedroht. Die Räumung der Stadt 'hat bereits begannen. An der Ostseite des Aetna hat sich ebenfalls ein neuer Krater geibildet, ebenso auf der Westseite. Beide Krater stoßen ununterbrochen Lavamassen aus. Li n gu ag l o s sa scheint unrettbar verlöre n. Der Hauptstrom der Lava ergießt sich gegen Cero und vernichtet die Kulturen vollständig, indem er sich immer weiter ausbreitet. Mau glaubt, daß das Hochplateau des Monte Nera geborsten ist, denn nur so läßt sich dir Schnelligkeit und die Ausdehnung des Lavastromes erklären, die alle biherizen Erfahrungen übertrifft. Der Nebenarm der Lava hat P a s s o di Sciara erreicht, die Landhäuser vernichtet und die Feigengärten verbrannt. Die Lava ist 200 Meter vor Castiglione angelangt. Die berühmten Lustgärten dieser Stadt sind ihr bereits zum Opfer gefallen. Cero wurde um 2 Uhr früh von der Lava erfaßt. Die etwa 20 Häuser dieses Ortes sind zerstört. Nachmittags hat die Lava wieder einen rascheren Borstoß unternommen, nachdem sie nachtsüber zu stocken geschienen hatte. Vulkanologen haben sich geäußert, daß die neue Ansbruchstelle in der Nähe des Kraters vom Jahre 1879 liege. Das Schicksal des bisherigen Ministeriums für jüdische, Ange-le gen heilen ist noch nicht bestimmt. Es sind zwei' MüWhkoiten vorauszuschen: entweder wird an die Spitze dieses Ministeriums wieder Herr Friedmann traten, gegen den» wie bekannt, die jüdische Bevölkerung Stellung genommen ha( ober es soll ein MBstoriium für Vie Angelegenheiten sämtlicher nationaler Minderheiten geschaffen und das jüdische Mi-nPe-rium liquidiert werden. Frankreich und der »Man. Poris», 19. Juni. (Havas.) Bei der Verhandlung über einen Antrag aus Herabsetzung des Kredits für die französische Botschaft beim Vatikan, griff Ministerpräsident Poincare in die Debatte ein und erklärte, die Regierung übernehme die ganze Verantwortung für die Aufrechte chaltung der Botschaft. Die Frage fei vom Trennungs ges etz ganz unabhängig. Zahlreiche Staaten, die kein Konkordat mit dem Vatikan abgeschlossen hätten» seien gleichwohl beim Vatikan vertreten, der ein Mittelpunkt für politische Informationen sei. Seit der WiederherstellMg der Botschaft habe Frankreich in verschiedenen Fragen die Unterstützung des Vatikans erhalten, so in den Verhandlungen mit Spanien, -bei der Rückbevufung des Kardinals Bertram aus Oberschlesien -wegen seiner dortigen deutschfreundlichen Tätigkeit und bei der Ernennung des Bischofs Raymond zum Almosenier der Mheinarmee, der zur Beruhigung der Gemüter diel bei getragen habe. Der Senat lehnte den Antrag auf Herabsetzung des Kredits mit 170 gegen 117 Stimmen ab. Re Lage in Bulgarien. Ministerverhaftungen. Sofia, 20. Juni. Die früheren Minister des Kabinetts Starnbulnski, Turkalow, Manolow und Tourow wurden verhaftet. Damit befinden sich sämtliche gewesenen Minister der Regierung Stambulriski mit Ausnahme Obvws, der sich gegenwärtig in Prag anfhält, m Haft. Der Prager Gesandte WM nicht znrücktreten. Prag, 20. Jum. Me ,Aravo Lidu" erfährt, weigere sich der ehemalige bulgarische Gesandte Daskalo w, das Gesandtschaftsgebäude zu verlassen und dem rmvernannten Gesandten zu übergeben. Die Angelegenheit werde durch die ExterritoriälM, die das Gesandtschastsgebüude genießt, kompliziert. Die erste Zeitung ln Transjordanien. Sofort nach der Proklamation der Unabhängikeit Transjordaniens begann die erste Zeitung in der Hauptstadt dieses Landes, Amman, zu erscheinen. Die erste Nummer ist der Schilderung der Unabhängigkeitsfeier gewidmet. Die Zeitung ist das offizielle Organ des Emirs Abdullah von Transwrdanien. L. B.) Man zählt hier ungefähr ein halbes Dutzend neuer Ausbruchs' stellen. In der Nähe des Monte Piccllo, ungesähr eineinhalb Kikom-ek'r vom Ansgangspunkte,- öffnete sich eilt Erdspalt gegen den Monte Militi und gegen Kote 2060. Von hier ans läuft der Lava-strom längs der Äavabahn -vom Jahve 1921 und ergießt sich dann in nordöstlicher Richtung über Montasoue und Piano del Frelici. Schließlich erstreckt er sich noch bis Piano di BEamelate in der Richtung gegen Giarre. Vor Linguaglossa hat sich der Lavastvom in fünf Teile geteilt. Ans Catania wird heute mittags gemeldet: Die Lavamasten haben sich vor Linguaglossa in ein Seitental ergossen. Sie sind dadurch für den Augenblick von diesem Orte abgelenkt. Das geräumte Gebiet beträgt 100 QnadratkAometer blühendsten Landes, das von 50.060 Einwohnern bewohck wird. Die Histstätig-keit hat im ganzen Lande begonnen. Mussolini, der heute aus FLorenz in Rom ang. kommen ist, hat seine Reise nach Sizilien fortgesetzt. Erdbeben in Norditalien. Aus Pisa (20. d.) wird gemeldet, daß he-u-te um 9 20 Min. früh leichte Erdstöße beobachtet worden seien. G wurde kein Schaden angerichtet. Tagesbericht. Warum jetzt? Die Innsbrucker Nachrichten" Melden: Ans Grund des Landtagsbeschlusses vom 12. Mai d. I. Hot die Tiroler Landesregierung zum Zwecke der Förderung des Fremdenverkehrs und zur Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit des Tiroler Gastgewerbes ein Uebereinkommen mit der Gastwirteorgavisation getroffen, wonach die bisher bestandene Fremdenwohnabgabe in Tirol gegen Zahlung eines von dm Gastwirten zu leistenden Abfindungs- Pauschales für das Jahr 1923 aufgehoben wird. * Warum geht es jetzt? Offenbar darum, weil es mit dem Fremdenverkehr in Tirol durchaus nicht so glänzenw aussicht, wie die Vermieter geglaubt haben. Die Leute haben sich nicht um die Wohnungen gerauft, sie haben nicht gebeten, ihneir doch um Gotteswillen eine Kammer für so und so viele Millionen abzulassen, sondern die Fremden, wozu auch Wiener und Juden zählen, sind einfach ausgeblieben. Die Wohnungen — teuere sowohl als billige — stehen leer inrd die Tiroler Spekulanten mit frischer Luft stehen da und kratzen sich hinter den Ohren. So haben ste sich die Sache halt doch nicht vorgestellt. Also hebt man die Fremdenwohnabgabe aus, die man bisher als unerläßlich bezeichnet hatte. So ist es recht. Jetzt müssen nur noch die Hakenkreuze und die Hetzplakate verschwinden und die antisemitischen Maulmacher still tvebden — dann kann es in Oesterreich auch wieder einen Fremdenverkehr geben. Ae Mene» AM« für die Jüdische Kolonialbank. Die Ende Mai b. I. begonnene Aktion für die Placierung der Aktion der Jüdischen N a t i o n a l b a n k in Wien hat bereits die ersten Erfolge zu verzeichnen. In den wenigen Wochen wurden bei sechzig Parteien über 600 A k t i e n in größeren und kleineren Partten placiert. Diejenigen Aktienerwerber, welche den Betrag für die von ihnen gezeichneten Partien voll gezahlt haben, sind bereits im Besitze der Aktienstücke, die ihnen direkt aus London zugegangen sind. Die ratenweise zahlenden Zeichner werden ihre Stücke 10 bis U Tage nach Abstattung der letzten Rate ebenfalls aus London erhalten. Der Wiener Vertrauensmann der Jüdischen Kolonialbank und des Zionistischen LandeSkomiteeS für Oesterreich, Herr M. A. T e n n e n b l a t t, wird diese Arbeit, im Wege persönlicher Besuche bei den in Aussicht genommenen neuen Zeichnern fortsetzen, da sich diese Arbeitsweise bisher noch als die beste bewährt habe. . . Wilhelm führt Weg »ege« dke Wel. Die »Este Beschäftigung des Exkaisers. Witheilul, Deu-t'schlands Exkaiser, der Deutischlaud ünS tiefste Unheil gestürzt und es verstanden hat, sich rechtzeitig , zu behaglichem Dasein auf Schloß Dorn in Sichecheit ru

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