Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1563 (20.6.1923)
- Date
- 1923-06-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.iTpi^H'*^£W wnspr*’* T VV* v^v^j ,'^fy> »t^n^fv?^'1:Tf *?'<*' W’j* 'y*f s|f* *' *vv*4 * * * &«. 1563 Wien, Mittwoch " Ächechg-MWM. Kongreß der Aioniste« in KarMhUAßkMd. Mus Uzhorod wird uns gemeldet: Sonntag den 17. d. stmv hier ein Kongreß der Zionisten Karpathornßiands statt, an welchem 62 Delegierte als Vertreter von 10 6 Ortsgruppen teilnahmen. Aus den vorgetogten Berichten gcht' hervor, daß die Heuer erachteten sechs h e v r ä i s ch e n S ch rill eu von 529 Schülern besucht werden, 700 mußten wegen Raummangels abgewiesen werden. Die Konferenz -brachte zum Ausdruck, daß die Zionistische Organisation in Kapathorußland sich auch politisch betätigen müsse. In einer Oiesolution wird die Loyalitätzur tschecho-slowakischen Republik zum Ausdruck gebracht, jedoch von der Regierung eine /größere BerücksichtigMlig in kultureller und wirtschaftlicher Beziehung,, eine Bessevrmg der sanitären Verhältnisse, die Berücksichtigung der jüdischen Bevölkerung bei der Bodenaufteilung und die Anerkennung einer Vertretung der Partei in Parlament und Gemeinden gefordert. Die Konferenz befaßte sich weiters eingchend mit der' P a 'l ä st i n a- Frage. TprachmkonMin der Fngenimrlammer. Prag, 1?. Juni. In der gestrigen Bollversanrmlnuig der ffchecho-ftowakffchen Jngenieurkammer wurde die vom Präsidium ausgecrrbeitete Geschäftsordnung, die wegen der Einführung der r e i n t s ch e ch i s ch e-n Geschäfts s p r a ch e den Rücktritt 'der deutschen Kannnermitgliederhervorgerufen hatte und auch vom ArbeitAministerimn als gegen das Sprachengesetz verstoßend nicht genehmigt worden war, neuerdings angenommen. Die deutschen Kammer- Mitglieder hatten die Vollversammlung nicht anerkannt und darum auch nicht 'besucht. Nur eine Abordnung deutscher Jnge-nieure nahm an der Bersannnlung teil. Ihr Vertreter gab eine Erklärung ab, in der es heißt, daß die deutschen Mitglieder die Versammlung nicht anerkennen und an den Vorstands- Wahlen nicht t^ilnehmen können, da man in gesetzwidriger Weise die deutschen KammermiMieder nicht rechtzeitig, bezichungsweise nur in tschechischer Sprache von der Einberufung verständigt hatte. Wegen des Ausdruckes „gesetzwidrig" wurde der Redner znr Ordnung gerufen. Bei den hieraus vorgenonrmonen Wahlen tvnrdon für die zurückgetretenen deutschen. Kammerräte neue deutsche Räte gewählt. Ungarn. Horthyr Hadm-Helden. Budapest, 16. Juni. (Ml. der „Wr. Morgenzeitung".) S-onnt-ag fand auf der Mavgaveteninsel eine seltsame Feier statt. 1238 Frontkämpfer wurden zu Helden geweiht. Die Festrede. Gellt der Pogrombischof Zadraweez. Nach chm. begrüßte Hort hh Äs Generalkapiitän des Heldeükapitels die in zwei Rechen ausgestellten Adepten, die er mit drei Schwertschlägen zu Helden lveihte. Pie Formel, die hierbei gesprochen wurde, lautet: ,Mre fei dem gerechten Gott, den unsere Ahnen Hadur nannten. Im Namen Hadurs Mage ich dich zum Helden!" Me mit Namen Verlesenen erhielten ein Heldenabzeichen. Wiener Morgenzeitung. Wiener Morgenzeitung Leopcltistadt Bezirkssektion Zionistische Donnerstag dpn 21. Juni 1923, präzise 8 Uhr abends, im Cafe Fetz er, II., Praterstrasse VORTRAG r.sn: Wieflerjfidisehe ieisehen von einst (Jüdische Gestalten aus dem alten Wien) GömM geht md bleibt. Budapest, 19. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die Regierungspartei hielt heute abends eine Konferenz ab, welche formell den aktuellen Gesetzesvorlagen, in Wirklichkeit aber der Klärung der Kräfteverhältnisse inu-erhalb der Partei galt. Vor Eröffnung der Konferenz teilte Mg. Julius Gömbös dem Ministerpräsidenten Bethlen mit, daß er von der Vizepräfidentenstelle der Regierungspartei a L da n-k e. Ju der Konferenz der Partei verlas sodann der Vorsitzende Johann Mayer den Abdankungsbrief, in welchem Gömbös erklärt, auf seine Stelle als Geschüstsführender und als Vizepräsident zu verzichten, jedoch behufs Erhaltur-g der Partei vorläufig einen beobachtenden Standpunkt einzunehmen. Die Partei nahm die Abdankung debattelos zur Kenntnis. Iie MyaratimrdiHeschs. Budapest, 19. Juni. (U. T.-K.-B.) Wie erinnerlich, ist die Havas-Depefche über den Beschluß der Reparationskommisfion in Angelegenheit des ungarischen Anleiheanfuchens v e r st ü m m e l t in Budapest eingetroffen, da gerade der >w i ch t i g st e S a tz aus dem Text gefehlt hat. In einer an die Agentur Havas gerichteten Zuschrfft erklärt nun das französische Po-stministerinm, die durchgeführte Untersuchung habe ergeben, daß der Fehler dem französischen Postdienst zur Last falle. Das Ministerium gibt seinem lebhaften Bedauern über diese schwere Unrcgelmäßidkeit Ausdruck und erklärt, daß die schuldigen Beamten im Disziplinarweg bestraft worden seien. (Ob diese Mitteilung wahr ist, wird sich erst aus französischen Blättern feststellen lassen.) Sie Konfiskation des KaroMche» Vermögens. Paris, 16. Juni. (Havas.) Wie die Blätter berichten, hat die Liga für Menschenrechte gegen das Urteil der ungarischen Gerichte, wodurch Kar olyi. feines Wernrögens für verlustig erklärt wird, Protest erhoben und die französische Regierung ausgefordert, r a s ch z n handeln, um die Ausführung des. Urteiles zu verhindeM.das. gegen, die, Grundsätze 'des Rechtes verstoße. . ' Bakntenanfgeld bei Auslandsreise«. Budapest, 19. Juni. (U. T.-K.-B.) Auf Anordnung der Devffenzenträle werden von heute angefangen für. Auslandsreisen Devisen und Valuten nur mit einem 25prozentigen Aufgeld ausgefolgt. 20. Juni 1923 Seite) Wck. An Gesetz ms ötöbtrermeitermg. Warschau, 19. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) In den Beratungen des S c j m nimmt das von der Regierung > cingebrachte Gesetz, wodurch sie das Recht erhalten soll, Städte! mit den umliegenden Dörfern zu vereinigen, einen breiten Raum ein. Diese Verwaltungsmaßnähme hat einen politischen - Hintergrund, welcher der Regierung für kommende Wahlen einen besseren Boden schaffen soll. JnZbefondeve sollen' damit ■ die nationalen Minderheiten, vor allem die Inden, in ihrem Politischen Einfluß geschwächt werden. Wenn näMich Städten: mit Mischer oder ukrainischer Mehrheit einige ' Dörfer mit: überwiegend^polnischer Bevölkerung zugeischlagen werden, so wird die städtische Mehrheit von> dem ländlichen Zuwachs überstimmt. Der Antrag der RegiertztM hat bei den jiidischen* Vertretern einmütige Ablehnung gefunden. Interessant ist, daß die b ä ue r l i ch c n Ab ge o r d n e t e n zusammen mit den Juden g e g e n das Gesetz stimmten, da es den Landgemeinden, welchen die Vereinigung mit den Städten bevorsteht, einen Zuw^achs an Lasten auserlegt, denen keine eutsprechenden Vorteile gegenübersteihen. Bei der Abstimmung wurde das. Gesetz in zweiter Lesung mit den Stimmen der Rechten und der Sozialdemokraten gegen die Stimmen der Piast-Partei und der Linken angenommen. Antisemitismus und jüdisches Geld. Aus Marschcni wird uns geschrieben: Bei den kürzlich vorgmomimenen Wahlen in' die „Bratni-a Pomoc" einer sozialen Hilfsorganisation der Stnden-tenischast an der Warschauer Universität, die ausschließlich von jüdischem Gelbe erhalten wird, wurden unter 13 Vertretern acht Delegierte der Organisation gewählt, welche als ihr Programm den Ausschluß der Juden von der Bratnia Pomoc bezeichnen. Die sozialistischen Vertreter erhielten drei, die Vertreter der fortschrittlichen Jugend zwei Mandate. Msudski schreibt Memoire-n. Wie die Lydzer „RepnAika" MitteA, beabsichtigt der frühere Polnische Staatsches P i lsudski ein Memoirenwerk herauszugeiben, in welchem er eine Reihe von politischen, wirtschaftlichen und militärischen Problemen Polens behandeln wird. Das Blatt will diese Nachricht aus dem Mavschall nahejstshenden Kreisen erfahren haben. RumSvien. Reise des Königs nach Polen. Bukarest, 16. Juni. Das rumänische Königspaar reist morgen nach Warschau ab und wird vom Ministerpräsidenten Bratianu und dem Minister des Aeußern D u c a beAvitet. Lttauev. Re StaatsdröWeNtenwM. Kowno, 19. Juni. S t u l g i n s k i ist wieder zum Ltaaispräiftdenten gewählt worden. Wohlfeile Woche! Regenmäntel « . K 125.000 B (jlainn. LeSnenwaren, Waschwaren, f Stoffe, Wäsche — sehr bBISSg n l Schiffmann II., TaborstraSe 48 Telephon 47*1-73 Eh gros - Len defaüS Hochwasser, Lawinen, Steinstürze, aber auch strenger lleber M«vah»unWe md deren BerhLluns. Bon Oberbaurat Ing. K. Selrgrnann. Jeder große Fortschritt der Menschheit ist mit Blutopfern erkauft, jede große Erftndung kostet Menschenleben. Der letzte gewaltige Sieg der Zivilisation, die Eroberung der Luft, hat zahlreiche Märtyrer geschaffen, deren Reihe, wie wir es leider oft genug erfahren müssen, keineswegs abgeschlossen ist. Es kann daher nicht wundernehmen, daß auch die Eisenbahn, welche mehr als jede andere Errungenschaft das Weltbild umgestaltet hat, viele Opfer erheischt und leider immer wieder fordern wird. Seitdem Eisenbahnen gebaut wurden und betrieben werden, haben sich Unfälle ereignet, und sie sind es, die mit zur Vervollkommnung der Anlagen und Betriebsmittel gedrängt und geführt haben. Bei den vielen Umständen, welche auf den Verkehr einwirkell, und die sich mitunter jeder Voraussicht entziehen, sind die Unfälle äußerst mannigfaltig; es soll in folgendem versucht werden, sie in ein System zu bringen und die Mittel zu erörtern, Ivel che zu ihrer Vorbeugung dienen. Ein kleiner Teil der Eisenbahnunsälle ergibt sich aus Gebrechen an den Betriebs Mitteln, dem rollenden Material. Jede Lokomotive, jeder Waggon muß zeitweise untersucht werden und je größer die Inanspruchnahme des Fahrzeuges ist, desto kleiner sind die Zeitintervalle zwischen diesen periodischen Revisionen. Infolge dieser sorgfältigen Beauffichtiguug der Betriebsmittel, deren Fabrikation auf höchster Stufe angelangt ist, sind Unfälle dieser Art ziemlich-selten. Das Heihlaufen eines Waggons, ein' Maschinendefekt oder das Reißen einer Kupplung bedeuten zwar für den Reisenden ein lästiges Umsteigen und eine unerwünschte Verspätung, können aber nicht als Unfälle angesehen werden. - - Dagegen wird ein größeres Kontingent an Unfällen durch Mängel am Bahnkörper hevvovgerufen. Diese können verschiedener Art sein. Hier sollen zuerst die Mängel besprochen werden, welche sich mehr oder weniger der menschlichen Voraussicht entziehen, Elementareveignisse, mit denen der Streckeningenreur ständig im Kampfe liegt. Frost und vreles andere sind seine oft tückischen -Gegner. Die Beschädigungen der Bahnlinien durch Hochwässer komnren dem Publikunr durch Berkehrsunterbrechungen häuffg genug zur Keimtms. Größere Unfälle ans diesem Anlaß sind erfreulicherweise nicht oft zu verzeichnen, da bei - jeder Bedrohung der Strecken durch Unwetter und langandanevnden Regen sofort eine verstärkte Bahnaufficht einsetzt. Eine Katastrophe wie die von Mönchenstein (Schweiz), wo eine Brücke, deren Widerlager vom Hochwasser unterwaschen, unter dem rollenden Zug eingestürzt ist und eine größere Anzahl von Menschenleben gefordert hat, ist in der Geschichte der Eisenbahnen ganz vereinzelt. Auch die Lawinengefahr kann durch rechtzeitige Vorkehrungen auf ein Mindesünaß reduziert werden. Steinstnrze sind bei unseren Gebirgsbahnen ziemlich häufig und es ist nur durch intensive Bewachung gefährdeter Strecken im Verein mit baulichen Herstellungen möglich, diese Gefahr zu bannen. Von den vielen Wienern, die sich alljährlich an den Usern des. Traunsees erholen, werden nur wenige wissen, daß auf der Sonnsteinlehne ständig eine zahlreiche Arbeitspartie für ihre Sicherheit sorgt; lose Steine, welche herunterzukollern drohen, werden untermanert oder mittels Eisenbändern versichert, andere, deren Fixierung untunlich evschemtz, werden unter Anwendung aller Vorsichtsmaßnahmen in Zugspausen herabgelassen, endlich werden zum Auffangen von Steingerölle — wie auch von ,Lawinen — Sch-utzfänge errichtet oder Leitwerke hergestellt, welche den Zweck haben, zu Tal gehende Lawinen oder auch Steinschläge in eine ungefährliche Richtimg abzuleiten. Auch Galerien, wie sie der Wiener von der Semmeringbahn her kennt, dientzn. zum Schutz gegen die Gefahr von oben, von welcher der die Bevglandschaft bewundernde Reffende in der Regel nichts ahnt. ' Schienenbrüche kommen nicht oft vor und sind selten der Anlaß zu einem Unglück; nur strenger Frost kann verhängnisvoll werden, da er wahrscheinlich durch chemische Einwirkung auf den Stahl eine große Sprödigkeit des Schienemnaterials verursacht, wobei> Brüche unter der bewegten Last erfolgen können. Auch hier kann nur erhöhte Wachsamkeit Schutz bieten. , Zu den Unfällen, die in Gebrechen per Bahnanlage ihre Ursache haben, sind auch solche zu rechnen, welche in- , folge falscher Weichenstellnng entstehen; doch ist bei diesen oft ein Versagen des Personals oder auch der Weichenstellanlage zu verzeichnen. Diese Ereignisse sührerl uns schon zur Besprechung der eigentlichen Eisenbahnunglücksfälle und der Zusammenstöße^ Vorher sei zunr besseren Verständnis einiges über die Fahrordnung gesägt. ’ Die Grundlage der Verkehrsabwiüluug bildet der Fahrplan, welcher von der Verwaltung einerseits nach-den Bedürfnissen der Frequenz, andererseits entsprechend der Leistungsfähigkeit der betreffenden Linie erstellt wird. Hiezu dient das sogenannte G r a p h r k o n (Bildfahrplan), in tvelchem die Zeit als Abszisse (von links mach rechts), die Entfernungen als Ordinaten (von oben nach unten) in einem für die praktische Uebersicht geeigneten Maßstab anfgetragen werden. In dieses Karree werden nun die Zugstraßeu diagonal, entsprechend der vorgeschriebencn Geschwindigkeit eingezeichnet. Es ergibt sich zweierlei: bei eingeleisigen Strecken zunächst jene Station, in welcher ztvei Züge, die einander entgegenfahren, sich begegnen oder kreuzen, ferner bei ein- und doppelgeleisiger Bahn die Station, in welcher ein rascher fahrender Zug einen langsam fahrenden Zug überholt und ihnr vorfährt. Auf Grund dieses Graphikons lverden die Dienftfahrordnungsbücher des Personals verfaßt. Solange nun der Verkehr sich fahrordnungsgemäß abwickelt, ist ein Unfall so gut wie ausgeschlossen. Erst wenn durch Verspätungen die Regel gestört und an Stelle des vollständig in allen Einzelheiterr durchdachten Fahrplans die Initiative des Personals tritt, beginnt die Möglichkeit eines Unfalls. Unsere gesamten Signaleinrichtungen, Sicherungsanlagen, Telegraph und Telephon haben die Aufgabe, eine gefahrlose Durchführung des Verkehrs auch im Falle der Abweichung von der Fahrordnung — wie sie während und nach dem Kriege die Regel war, zu gewährleisten. Zusammenstöße zweier Züge auf offener (eingeleisiger) Strecke zähleir glücklicherweise zu den größten Seltenheiten; ein Fall wie R o t t e n m a n n, durch unglückselige Verkettung von widrigen Umständen herbeigeführt — wie übrigens die meisten Unfälle — ist eine durchmrs singuläre Erscheinung. Eine Zugskreuznng wurde mit FahrordnmD"