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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-17 · Heft 1560 (17.6.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1560 (17.6.1923)
Date
1923-06-17
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Sfee. 156Ö Wen, Sonntag ganzen Gemeinschaft verloren, es ist daher nur recht und bMg, daß die Reichen, denen die Banknotenpresse zu statten kam und deren Reichtum zum größten Teile sogar der Vermehrung der BanknotM, der Inflation, zu verdanken ist, die Kleinrentner wenigstens teilweise entschädigen. Gewiß, eS gibt auch viele reiche Juden, die durch eine eventuelle Ausgleichsabgabe einen Teil ihres Vermögens einbüßen müssen. Aber es ist gerade der tragische Irrtum unserer Feinde, daß sie das Judentum mit dem Großkapitale, mit dem Reichtum identifizieren. Man sieht nur die Juden, die in den Automobilen herumfahren und die Jüdinnen, die im Kaffeehause mit ihren Boutons Protzen, man sieht aber nicht den jüdischen Arbeiter, den kleinen jüdischen Händler und Gewerbetreibenden, den armen jüdischen geistig Schaffenden, die aus dem kärglichen Verdienste kaum ihre Familien ernähren können. Heute Sonntag, 9 Uhr vormittags, findet im Rathause. eine Massenversammlung der Besitzer von Kronenwerten, wie Kriegsanleihen, Renten, Spareinlagen usw. statt. Es soll dort gegen das himmelschreiende Unrecht, welches der schaffenden Schichte unserer Bevölkerung zugefügt wurde, protestiert und die Annahme des von Dr. Z a l m a n verfaßten Gesetzentwurfes verlangt werden. Die . Kleinrentner marschieren in Zügen von den Bezirken um 2 Uhr aus und werden um halb 6 Uhr nachmittags, anläßlich der Ueberreichung des Gesetzentwurfes, am Parlamente vorbeimarschieren. Es wäre sehr zu wünschen und zu begrüßen, wenn auch möglichst viele unserer Volksgenossen an dieser Kundgebung teilnehmen würden. Der Oeffentlichkeit würde hierdurch bewiesen werden, wie viele der von gegnerischer Seite immer als Hauptnutznießer des Krieges hingestellten Juden durch dieses „Stahlbad der Völker" um den allergrößten Teil ihrer Habe gekommen sind. T. L. Herr Arnold Neubroch, Direktor der Anglo-Austrian Bank Limited, hat seine Stelle. im Verwaltungsrate der Oesterreichischen Alpinen Morrtangesellschaft niedergelegt. (Entgeltlich.) Oesterreichische Hypothekenbank, Wien. Der bisherige Direktor der Depositenbank, Herr Leopold Kohn, wurde zum leitenden Direktor der österreichischen Hypothekenbank bestellt und gleichzeitig in den Verwaltungs- und Direktionsrat dieses Instituts berufen. (Entgeltlich.) Die Alpine-Affäre. In parilaimenitarischen Kreisen verbautet, daß die Regierung die Absicht habe, sich von den beteiligten Banken und KoMernteilMihmeru die Verträge betveiffend die Käittowitzer Bergjbau-A.-G. Äs auch die mit der Union Europeene et Finar.eiere in Paris gcjschlöffene Veveinbarungen Vovlegen zu lassen, um dabei die in der OeUentilich- Cetif einer abfälligen Kritik nnte^ogenen Vorgänge einer Ueberprüfung zu untewiÄhen. Kredite für die polnische Industrie. Aus Warschau wird den „Polnischen Stimmen" berichtet: Seit JahresaNftl.ua erhielt die Polnische' Industrie au staaMichen Krediten insgesamt 1600 Milliarden. Hiervon gelangten 1119 Milliarden durch die staatliche Darlehenskasse. 300 durch die Lcmdesbonk und 52 durch die PasstsparkaKe zur Auszahltona. ' Von der Lödzer Textil-Jndustrie. Aus Lodiz wird den „Polnischen Stimmen" 'berichtot: Im abgÄau'sener- Monat wurden nach LM zur Verarbeitumg durch die hiesige Industrie 549 Waggons Baumwolle und 177 Waggons Wolle oingchührt. WieAeir Moegenzeituns. B8nen>Koininlsslensgeschiifl und Wechselstube MAGIE) & Co. Wien, B., Hohenstaufengasse 11 4027 In domsselbben Z«sitalbsschm>it>t wurden aus DM ins Inland und ins Ausland Mammen 576 Waggons Banmwollganzsaibrilkate und 116 Waggons Wollfabrikate (jeder Waggon zu zehn Tonnen) ausgeiführt. Im Monat Mai hat der Textlillwarenhand-vl eine tveseMiche BeläbiMg erfahren. Die Versorgung gestaltete sich gestern sehr leicht, da das GM bis fünf AchtÄ Prozent reichlich angelboten war. Der ungarische Saatenstandsbericht. Laut dein vom Ackerbauminlstevium verösfeutilichten Saatenstandslberichit zeigt sich infolge der langen Trockenheit an den HerMEen ein,, geringerer, an den Frühjahrssaaten aber ein größerer Rückgang Cs bestche jedoch alle Hchsnung, daß die jüngsten starken Niederschläge den Rückgarg Wieder wvttnvachen. Die Wsizensaaten sind im allgemeinen gut entwickelt, die Roggensaaten befriedigend. Die Stimmung auf dem Fiuanzmarkte aestaibtete sich für Bankenwerte sehr fest. Oesterreichische Kredit. BanDverein und Depositenbank waren geifragt und höher. Erhöhung der deutschen Stahlpreise. Berlin, 14. Juni. (Wolfs.) Der geniemschastliche Richrpreisausschuß des Deutschen Stahlbundes' >befchloß auf Grund der erheblichen Markverschlechterung seit der letzten Preisvegelung und sonstigen Verteuerung (Kohlenpreiserhöhung. Betrielbsmateriakvertene-rung usw.) eine Steigerung der Stahlbund-Richtpreise für Dhomas- Handelsgüte um 30 Prozent. Die russische Getreideausfuhr. Lant bisherigen Berechnungen können im laufenden Jahre nicht weniger Äs 2.6 Millionen Tonnen aus Rußland exportiovt werden. Mrse für landwirtschastWe Produtte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Der Saaienstand in den Sukzessionsstaaten wird eine Nuance ungünstiger beurteilt. Speziell der Stand der Haferpflanze scheint wenig zn befriedigen. Aus diesem Grunde steht Hafer im Vordergründe des Interesses. Die durch die vorjährige Trockenheit mißratene inländische Haferernte bot dem inneren Werte des Haferpreises fortgesetzt eine Stütze. Durch die in den Wintermonaten angelangten reichen rumänischen Bahntransporte verursachten einen Preisdruck, so daß der Konsum in der Lage war, eine Zeitlang seinen Bedarf zu billigeren Preisen zu decken. In dem Momente aber, wo die statistischen Verhältnisse wirklich zum Vorschein gelangten, haben sich Preise erhöht, zumal die nicht günstigen Meldungen über die kommende Haferernte stimulierten. Die feste Preistendenz in Hafer übertrug sich gestern auch ans Mais und Futtergerste, die gleichfalls Preisbesserungen erzielt. Das Geschäft m Braugerste ist dem Stillstand nahe, oa es sowohl an Angebot wie an Nachfrage fehlt. Wie verlautet, sollen in der Tschechoslowakei höhere Preise erzielt werden sein. Durch die Ermäßigung der Budapester Mehlnotierungen hat sich der Zlbsatz für Mehle hier womöglich noch verschlechtert, es ist begreiflich, daß die Kauflust der Mühlen für.Weizen und Roggen eine minimale bleibt, obwohl man in beiden Artikeln neuerdings billiger ankommen konnte. Von amerikanischen Provenienzen ist das Lokooffert in Manitoba unvertreten, dagegen ist Rosafe zu 12,86 bis 12,90 holl. Gulden waggonfrei Hamburg offeriert.. Der Mehlmarkt liegt weiter sehr matt. Die ungarischen Mühlen haben ihre Forderungen neuerdings ermäßigt, wodurch die Forderungen der zweiten Hand weiter herabgesetzt wurden. Der Konsum ist diesen Vorgängen 17. IM 1923 Seile f, über ziemlich teilnahmslos und beschränkt sich auf kleines Käufe in Weizenmehlen, wobei naturgemäß gute Marken be^ vorzugt werden. Besonders flau liegen Brot- und Roggenmehle^ für welche Käufer beinahe fehlen. Von Nebenprodukten fet; erwähnt, daß sich für Bohnen/ bessere Kaufnachfrage zeigte In Hülsenfrüchten ist im allgemeinen sehr wenig Verkehr, ob»! zwar man in Bohnen zu etwas billigeren Preisen, in rumäni-- schen und russischen Großlinsen bis zu 2000 K. billiger ankommen konnte. In Rauhfutter steht der Markt Weiterhirt unter dem Druck oer reichen ungarischen Offerte. Es notieren pro Kilogramm ab Wien (exklusive deÄ Pauschalwarenumsatzsteuer): Weizen inländischer 3625 bis 3725 K., amerikanischer 4160 bis 42000 K., Manitoba 4200 bis 4300 K., Roggen inländischer 2860 bis 2950 K., Gerste inländische 2550* bis 2650 K., tschecho-slowakische 2700 bis 2900 K., 1.20 bis I. 30 tschech. K. ab Marchegg, Futtergerste 2300 K., Mais jugoslawischer 2650 bis 2660 K., rumänischer 2600 bis 2650 K., Cinquantin 8300 bis 3400 K., Hafer ungarischer oder rumänischer: 2760 bis 2900 K., Reis italienischer 7800 bis 8000 K., Burmä 6300 bis 6400 K., Siam 7600 K., Bruchreis 4200 bis 4400 K.> Buchweizen 3060 bis 3100 K., Hirse 2700 bis 2850 K., Hirsebrein 5700 bis 5700 K., Mohn 15.500 bis 15.800 K., Kümmel holländischer 64.000 bis 66.000 K., Weißbohnen ungarische 3800 btSi 4100 K., Buntbohnen 2700 bis 2800 K., Kocherbsen ungarische oder rumänische 3600 K., geschält 7000 bis 9000 K., Stofe«; rumänische klein 3000 bis 3500 K., russische oder rumänische grost II. 000 bis 12.000 K., Kartoffeln inländische 420 bis 650 K.,; tschecho-slowakische 370 bis 420 K., Zwiebeln ägyptische 2900 biSi 3000 K., Rollgerste fein 4400 bis 4600 K., mittel 4100 bis: 4300 K., grob 3600 bis 3700 K., Stärke: Weizen 9000 bis' 9500 K., Reis 7800 bis 8200 K., Kartoffel 6000 bis 6200 K.. Malz rumänisches 4300 bis 4400 K., Malzkeime 1900 bis 2000 K.' Biertrebern 1500 bis 1600 K., Wicke 2800 bis 3100 K., Zucket rübenfchniten entlaubt 1700 bis 1800 K., Leinsaat 4200 bis 4500 K., Hanfsaat 5300 bis 5600 K., Preßheu österreichisches 1850 bis 1900 K., Preßstroh 1000 bis 1100 K. ab Station- Preßheu ungarisches 1100 bis 1200 K. und Stroh 850 bis 950 Sij ab Grenze, Weizengrieß, inländischer 6500 K., Weizenmehl inländisches 6000 bis 6100 K., ungarisches 5400 bis 5600 K., 2.5tf bis 2.60 tschech. K. Kochmehl inländisches Iler 6300 bis 6400 K., Brotmehl inländisches In 4700 bis 4800 K., Futtermehl la 2200 bis 2300 K., Roggenmehl la 4500 K., tschecho-slowakisches 70%to 1.60 bis 1.70 tschech. K.. Weizenkleie inländische 1350 bis 1400 K.. ausländische 1300 bis 1350 K., Roggenkleie 1400 K. Bon den Warenmörke«. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung",) Zucker. Die Tendenz erfuhr auch am Schlüsse der Woche Mb-, schwächungen und Uchechtzsche Ware in GaniKvaMon ab Grenze uinivevzollt, unversteuert ist um: 5 bis 20 Punkte billiger. Mb> Lager Wien ist eine PreisernräßiMUÄ von 300 bis 400 K.1 zu verwich neu. Die Auslandsmärkte verkehrten meist in ruhiger Haltung, - sie waren weiter abhängig vom New-Aorker ZuckermaM. In England schwankten die Preise für weißen Zucker im Rahmen von 6 Dollar pro Cwt. ans und alb bei germMn- Geschäft. Die ZuckersiedereiM hielten sich von.Ankäufen in- Rcchlware mchr oder weniger zurück, da ihr Wigang in fertiger! Ware weiter zu wünschen übrig ließ. Am Pa risse r Zucker-! markt drückte greifbare Ware aus die Kurse. Das Geschäft voll-! zag sich in ruhigen Bahnen. Antwerpen sowie Amsterdam! meldeten meist ruhige Markte bei Keinem Vermehr. In New- Aork herrscht hinlsichtllich der gegen die Zuckertermiinlbö-rssen zu! unteunchmenden gerichtlichen Schritte zurzeit Ruhe, da das! Gericht die Verhandlungen bis zum Oktober verschoben hat.I Die sichtbaren WMuckervorräte lbetragen zuWrt! 3,494.560 Tonnen gegen 3,820.050, beAv. 3)505.200 Tonnen: Allgemeine Depositen-Bank gegründet 1871 « Aktienkapital u. Reserven: Rund 24 Milliarden Kronen «; nSSeÄSe1»3? Wien« Ä,, SSesBaottesnaifssasfite 1L n. Taborstraße 7 Telephon Nr.: „Serie 68520“, an Sonn- und Feiertagen nur 61676, Hauptstraße 10 Bank-o. Ufeolisleriiaos Sciiwarzeiibergplatz, Wien» (., Kolowratrlng 14 - Z^ntralwecliseistabe I., Freyung 6 iv.wiedÄrtei 10 V.Relnprechtsdorferstr.62 XIII. Breitenseerstraße 6 PHIalene Bad Aussee, Bad Ischl, Badea bell VII. Mariahüferstr. 74b XIV. Marlahilferstr. 196 Wien, Bleibarg, Bregenz, Czernowitz, Eisen-. VII. Kirchengasse i XIV. Sparkasseplatz 1 Stadt, Graz, Innsbruck, Jadenburg, Knittelfeld,: VII. Neubaugasse 44 XVII. Ottakringerstr. 84 Kufstein, Lambach, Leoben, Liezen, Linz, MiateW VIII. Josefstädterstraße 64 XVII. Hauptstraße 155 bach,Mödling,NeunldrchenOberhollabrunn,Ried1 X. Favoritenstraße 103 XVIII. Währirigerstraßq84 Salzburg, St. Gilgen, St. Pölten, St.Veit a. d.Gl.J XI. Hauptstraße 50 XXI. Hauptstraße 45 Steyr, Villach, Vöcklabruck,Wels,Wr-NeustadtJ XII. Koppreltergasse 2 Exposlturen: Badgastein, Rotten mann, St. Johann im Pongau! XIII. Hauptstraße 3 Besorgt sämtl. Bankgeschäfte u. industrielle Transaktion. 2003! Gopriyght 1928 Siachdruc! verboten. hyALöwit.Verlag,Wien-Leipzig . (14. Fortsetzung.) Zn Polens WAdem. Rvnuln von I. Opatofchu. Autorisievte llebertragung aus dem Jüdischen von S i e g f r i e d Schmitz. ,^Jch Hab' so Angst vor deimur Ba:ter." Krauchst nicht Angst haben, Rachel!" ^kber dein Vater ist reich!" „Deshalb?" „Und ich bin eine Pächterstvchter . . „Gch', sprich nicht so, Rachel! Wenn dn w'illst, sage ich niorgen denr Vater, daß ich dich lieb habe; gut?" „Nein, sag' chm nichts!" „Warum?" ,-Weil ich ein armes Mädel bin! Und'dein Vater . . ,Mas, mein Vater?" . Rachel grub ihre weißen Zähne in die Ustterlippc und umfaßte Mordechai mit beiden Händen: „-Hast dn mich lieb?" „M-eine Rachel!" „Sehr lieb?" „Mein Kätzchen!" „Und wenn er nicht will?" ,Mr?" „Dein Vaters ^r wird wollen!" „Und wenn nicht?" „Wenn nicht?" ,Mirst dn mich sitzen lassen?" ,^Jch — dich? Niemals^". ,Mein guter Bub!" . Sie Whten fich. Mordechai ^uchm Rachel ans den Schoß. / ,Mem mein Väter nicht wMen wird, so gehen wir beide fort, Rachel; gut?/^ . „Gut!" ' . ■ „Wir werden in der Waldhütte wohnen. Ich will frisches Heu schneiden, die gantze .Hütte will ich' damit an- Men und wir beide weHn «ms ms Ken, wie ins Wasser. Sichst du, so!" . Sie streckten sich auf das Moos hin. Mordechai legte Rachels schwarzen Kopf, der mit weißen Lindenblüten über-- sät war, auf seinen Schoß, riß einen Pilz aus der Erde und kühlte mit dem feuchten kühlen Hütchen Rachels glühende Wangen, ihre müden Brauen. Rachel schloß die Augen und verzog die Unterlippe: „Ich will nicht in der Waldhütte wohnen. Sie wevdm uns fangen..." Mo denn?" „Wir wollen in der .Hohle wohnen!" „Dort wohnen doch böse Geister!" „Hast du Angst?" Plötzlich sah Mordechai Funken vor den Augen. Er wandte den Kops, um zu sehen, woher die Ohrfeige gekonimen war; da brannte schon eine zweite auf seinem Gesicht, daß er fühlte, wie ihm alle Zähne im Munde wackelten. Er sPraW auf. Der Vater, in Heind und Weste, eine Kappe auf dem Kopf, stand vor ihm und schrie. Seine Worte klangen abgehackt, als fielen sie einzeln ans dem Mund: ,/Dn wirst Äa keine guten Jahre halben, dn Verräter Israels! Ich will dir zeigen, dich mit Mädels bei Nacht hermnzuschleppen! Zn einem Schuster will ich dich geben, du Taugenichts dul Wenn du dem .Vater nicht folgen wMst, so gch', wo der Pfeffer wachst!" .Mordechai stand da, die Fäuste geballt und fühlte das Blut in den Schläfen hämmern; in der Gegend des Herzens tmrrde es ihm sonderbar hohl, als wäre von dort etwas herausgerifsen worden; er hielt sich mit aller Gewalt zurück, um sich nicht auf den Vater zu werfen, obwohl er gewiß war, daß es nicht leicht sein würde, dmr Vater beiKniomnien. Jnldessen hatte der Pächter, ivelcher Movdechais Vater gefolgt war, die Tochter beim .haar gefaßt und schleppte sie unter Geschrei heimwärts. Mordechai vergaß, daß der Vater dastand und daß er chn erschlagen könne;. mit einem Satz sprang er den Pächter wie M wildes Tier an, warf ihn nieder und würgte ihn: »-Schlagen willst du, schlagen?!"- Mit Mühe riß ihn der Vater vom Pächter los; blutrot 1 im Gesicht, die Fäuste geballt, nüt zitternden Knien stand Mordechai da und firhlte: Jetzt, fetzt werfe ich 'Mich auf den Vater. Er'schnaubte wie ein geplagter Hund: „Vater, da wird gar nichts helfen, auch Prügel nichts ich werde Rachel heiraten!" ' „Nicht so lange ich lebe, Mordechai," — der Vater! drohte mit der Hand — ,/vorläufig bin noch ich der Vater! und ich habe, glaube ich, noch etwas zu reden, du Tauge-! nichts! Zum Teufel will ich dich jagen, hörst du? Schande! willst du mir antun?" —schrie der Alte und faßte Mordechai! bei der Gurgel. ,Mbend begraben will ich dich lieber, als! Simche, den Pächter, zum Schwäher haben!" ,-Laß los!" Mordechai ritz sich aus den Händen des> Men. „Laß los, wenn du nicht willst, daß ich eine Sünde! begehe! Geh' lieber nach Hause, Vater, die Wut frißt wj nur; ich kann nicht gutstehen für mich, Vater! Gch' nach! Hause."- - ' ’ „Den Vater willst du schlagen?" fuhr der Me auf undging auf Mordechai los. Mordechai sah sich um; erblickte -einen Ast, riß ihn ab,, . daß ein Stück Rinde mitging, und drohte: Totschlägen will ich jeden, der mir unter die Hand^ kommt!" Der alte Abraham wich zurück. Er schaute auf Mor»! . dechai, der mit dem Ast in der Hand dastand, und dachte: daran, daß er selbst nicht besser gewesen war, daß der Sohn dem Vater nachgeriet; es war schon immer so bei ihnen in der Familie. Nicht umsonst gehören sie zum Priester-- stand. Sein Zorn verrauchte. Als Mordechai sich beruhigt hatte, ivar keiner mehr im Wälde. Müde irrte er zwischen den Bäumen uruher, warf imnier wieder den Ko'pf empor, als wollte er ntente Bienen verjagen, und blieb stehen. Lange Zeit stand er unter einem Baum und horchte gespannt; er wollte wissen, ob es in seinen Ohren so sauste, oder ob der Wald rauschte. Das Geräusch kam von allen Seiten — von den» Bäumen, vom Himmel, von der Weichsel. Aus dem Bauern-» -Wald drangtzn unterdrückte Geräusche wie Flügelschlagen ' und Zähneknirschen. Tief im Wald schrie ein.Kanz; es klang kläglich wie Kinderweinen. Im Schein des Mondes blinkte bald da, bald dort zwischen den Bäumen die Weichsel aus und leuchtete -wie Wolfsauigen; Mordechai fühlte, wie ihn kalter Schweiß bedeckte und vor Schreck erklomm er einen alten Baum. (Fortsetzung folgt.)

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