Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1560 (17.6.1923)
- Date
- 1923-06-17
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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y5eüe 8_ Wien, <Zü)nntcvg Volkswirt. Gestempelte Krone ----- 8.VS78Vkentimes. Auszahlung Wien ----- 0»§078Va Senümes. In Zürich notierte die österreichische Krone . . 0.0078V, (0.0078°/« am 15. Juni) die österr. gestempelte Krolle 0.0078*/, ( 0.0078'/« am 15. Juni) die tschechische Krone . . . 16.65*/, ( 16.66 am 15. Juni) die Mark. 0.0049 ( 0.0061 am 15. Juni) Holland. 218.20 (218.50 am 15. Juni) New-Dork. 556.75 (557.— am 15. Juni) London. 25.68 ( 25.70 ' am 15. Juni) Paris. 35.10 ( 35.35 am 15. Juni) Mailand. 25.62 ( 25.80 am 15. Juni) Belgrad. 6.10 ( 6.15 am 15. Juni) Bukarest.2.80 ( 2.65 am 15. Juni) Sofia.. 7.25 ( 6.95 am 15. Juni) Budapest. 0.07 ( 0.07*/, am 15. Juni) Warschau ........ 0.0065 ( 0.0075 am 15. Juni) Andmernde Marlpanll. In Zürich ist gestern die Reichsmark wieder rückgängig gelwchen und noliMe 0,0049 gegen 0,0051 am Vortag. Auch der französische Franken ging von 35,35 aus 35,10 zurück. Die ui.-garische Krone ermäßigte sich von 0,0760 aus 0,07. Hingegen stieg die Devise Sofia von 6,95 aus Ißo. Die österreichische Krone notiert 0,007850 gegen 0,007875 und Zahlung Wien erfuhr eine leichte Zllbschwächrmg von 0,007862 auf 0,007850. . In Berlin machte die Aufwäntsbewogung der fremden AcchLungsmittel geradezu unheimliche FoÄlschviÜe. So stieg der Dollar bei großen Schwankungen von .107.031 auf' 115.480, das Pfund erhöhte sich von 494.760 auf 568.676, der französische Franke« von 6658 auf 7331,66', die Lira von 4816,50 auf 5311,60. Die tschech ische Kro i>e stieg von 3152 auf 3491,25 und di« österreichische gestempelte Krone van M7,30 auf 166,30. In Wien fand gestern kein Cileaving statt. Ae Hcnrffe in Berlin. Die fvvtMchte Spannung der Krise im Rrchrgebiet. die auf eine fiirmUche Hunge-Mockode hmallÄlvuft. versetzte beute den DevHemnavkt in große Erregung. Die Reichsbawk war nicht in der Lag?, den sprunghaft steigenden Devisenkurssen irgendwie Einhalt zu gebieten. NaMem der Dollar hmte mittags Mt 113.000 gehandÄt wurde, stieg er an der Muse bis 160.000 und schwächte sich nach der cmMchen Notierung auf 11&0G0 oib. Die Dollarschatzscheine wurden pro Juni mit 119.0M, pro Iu'li mit 130.000 gcharLÄt. Im freien Verkehr waren WfÄten äußerst füst und gesucht. So wurden unter anderem gehandM: GoVdschmiedt 270.000, Qrenstem 260.000, Api 180.000, ObeÄbedmf 380.000, GellseMrchen 1,300.000, Paketfchrt 3904)00, Norddsuvscher Aoyd 152.000. Phönix 760.000, Otavi 905.000, Wiener Bankverein 12L00. OefterveichSsche KreditanstE lim bis 18J600, A. L G. 176.000 Äs mOOO. Ter Zwergstmdard der Valuten Mtteleuropar. Ein interessantes Phänomen vollzieht sich in wähmmgspolitischer Hinsicht jetzt in Mitteleuropa. Abgeschen von Vem furchtbaren Kurssturz der deutschen Mark, senken sich auch ohne jeden innigeren Zusammerchantz mit der Wirkschaft dieses Staates auch die Währungen zweier anderer Staaten. Die ungarische Krone bröckelt sucheffive ab. Ihr KurSmdeau wird immer niedriger. Auch die Polnische Mark -hat in den letzten Tagen Bn Weg nach abwärts eingefchlagen und ist in der Nähe des Wertes der österreichischen Krone stehengeblieben. Die österreichische Kwm allein ist der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht. Hier scheint sich allerdings eine nmmrchr dauernde StMWerarng m jeder Hinsicht vorzubereiten. Das Niveau, auf dem sich Ache StaMtsiemng vollzieht, ist bemerkenswert. Es ist der viertzchntaufendste TeA . des Friedensniveaus. Wenn man den Gang der anderen Valuten genau beobachtet, so kommt man unwillkürlich zur Erkenntnis, daß irgendwo in dieser Grenze sich auch das Niveau manch anderer Währungen Mitteleuropas bewegen wird. Wohl steht es noch nicht fest, ob nicht die deutsche Papiermark ’m bodenlosen Nichts verschwinden wird. Es ist aber auch nicht ausgefchLossen, daß rmmnchr in Deutsch, land eine Währungspolitik eingefchlagen wich, die ebenfalls eine gewisse Stabilisierung verheißt. Wenn man die einzelnen Stimmen der Wahrungs- Politiker im Reiche vernimmt, klingt aus fast allen der Tenor heraus, die Mark ungefähr um das jetzige niedrige Niveau zu stabilisieren, wenn auch der Gruudton zu hören ist, daß dieses Niveau nur um ein gecknges höher als es jetzt ist, sein dürfte. In Polen kulminiert Äe derzeitige Währungspolitik um den jetzigen Stand der polnischen Mark. Me Zukunft Ungarns in wahvMvgsPolitijscher Hinsicht ist vorläufig noch nicht zu übevschen, doch in genauen Kennerkreisen wich behauptet, daß auch Mer noch eine deutliche Senkung nach abwärts zu erwarte« fei. Die ungarische Regierung weiß eS seW noch' nicht, wann sie sich zu ernstlichen wühruugspolitischen Ma߬ Korbert Roih Wien, VII,, Marlahllforstrasse 88 a (Zitahof) Telephon 35-1-81 ^44 Wiener? Morgenzeitung nahmen werde aufraffen können. Der Gang der Dinge spricht dafür, daß in den: Moment, wo irgendwelche ausländische Kredithilfen oder eine stärker einsetzende Exporttätrgkeik die Jnaugurierung einer gewissen Währungspolitik tverde gestatten können, daß dann sofort mit einer Stabilisierung werde begonnen werden. Bei allen diesere Staaten ist das eine bemerkenswert: die Ansicht, die Papierwährung a l I z u stark zu heben, um ihr ein gewisses äußeres Ansehen zu verschaffen, ist geschwunden. Das Hauptstreben konzentriert sich jetzt fast ausschließlich nur. darin, den tatsächlichen Stand einer Währung zu fixieren und diesen Stand zu halten. Die Währungsansicht Raschms hat in den anderen Staaten keinen Anklang gefunden. Es beginnt sich allmählich die Meinung festzusetzen, daß dvs österreichische Atuster der Währuugstaktik das richtigste ist. Es kann ruhig gesagt werden, die Taktik der österreichischen Währungspolitiker wirkt in ganz Mitteleuropa musterangebend. Es ist vielleicht eine gewisse Genugtuung, daß Oesterreich in dieser Hinsicht von allzu gewagten Experimenten verschont wurde und daß es in richtigem Instinkt auch sofort dien richtigen Weg eingefchlagen hat. Andererseits muß man sich aber auch die Frage Vorlegen, ob dieser niedrige WÄhrungsstandard Oestevreichs, wie er nunmehr durch die Taktik aller währnngs-- politischen Faktoren Oesterreichs für absehbare Zeit fixiert wurde, auch tatsächlichderrichtigeist. Atit reiner nationalökonomifcher Logik ist gerade bei dtzn heutigen Geldberhältnissen ziemlich schwer, das Auskonrmen zu finden. Hier muß die Erfahrung der Praxis das ihrige dazu beitragen, um die Richtigkeit des Instinkts zu bestätigen. Die Empirie, verbmrden mit der Beobachtung des Währuugsganges in den übrigen mitteleuropäischen Staaten, kann hier die richtige Aufklärung bringen. Und da ist interessant, den Entwicklungsgang zu beobachten. In den Darstellungen der Krisentheyretiker, welche den Gang der einzelnen WirtschaftÄrisen genau studiert haben, kommt die Gesetzmäßigkeit der Krisen auch dari« zum Ausdruck, daß diese Krisen entweder vom äußersten Westen ihren Ausgang nahmen und sich daun allmählich Über Westeuropa bis nach Osteuropa überwälzten, mn dann von Osteuropa wieder über Mitteleuropa ihren Weg nach dem äußersten Westen, nach Amerika,, zu nehmen^ Oder die Krisen nahmen umgekehrt ihren Weg; von dem äußersten Osten nach dem Westen. Die InflationSevscheimmg, die Wertzerbröckelung der Währung ist sbensalls eine solche Teilescheirmug einer Wirtschaftskrise. Gerade die letzten Jahve haben hierin sehr wertvolle Ausschlüsse gebracht. Die WährungsAerklüstung, geradezu ihre Atomisierung, nahm ihren Ansgang im Osten Europas, in Rußland. Sie setzte sich etappemnüßig fort über Polen nach dem Herzen Mitteleuropas, Oesterreich, verweilte Hier längve Zeit und verbreitete sich von hier aus auf die anderen Teile Europas. Zuerst nach dem schwächer fundierten Osten Mtteleuropas, Jugoslawien und Rumänien, um nachher sich nach dem wiäschaftlich festeren Gebilde iw NoÄerv Mitteleuropas nach Deutschland, auszudchnen. Und geradeso wie eine Krankheit einen starken, gesunden Körper viel gründlicher hevnmrmt alS einen schwachen Menschen, gemde so hat diese WLHvungsMbröckelung den starken Mrtschaftskorper Deutschlands viel stärker erfaßt, wie die erst in wirtschaftlicher Entwicklung befindlichm übrigen Staate« Mitteleuropas. Die Eigenart der Währungskrise zum Unterschied von allen anderen Krisen besteht darin, daß, wägend die allgemeine Wirtschaftskrise die volle Wiederherstellung der Wirtschaft in jeder Hinsicht gestattet, die Währungskrise als solche die Währung derart alomifiert, daß sich ein ganzes Gebilde als solches, in diesem Falle das Goldgelb, nicht mchr Herstellen läßt, sondern nur die Moleküle zurückbleiben. ' Und gerccheso wie es nicht ratsam und Physikalisch verfehlt ist, Moleküle, die durch keine Kohäsion zusmmniengehalten sintp wieder proportioniert zu größeren Molekülen umzuformen, geradeso ist es bei der Währung nicht vorteilhaft und eine überflüssige Arbeit, die Atome der Währung M größeren Gebilden zusammmtzufassen. Sei es nun durch künstliche Stützung des Geldes oder durch andere wähvungspolitische Revolutionsmaßnahmen. Stchenlasien der Währungsatome ist MchbleiberÄ mit der StabÄisierung dieser Atome. Mes scheint bei den jetzigen BeichAtmsfen das Vernünftigste zu fein. Es ist nicht 'tvesentllch, ob die Wähvrmgseiuheit tatsächlich den GeldverhaÜmsien der Goldlander in ihrer Größe entspricht, daß also unbedingt eine Krone der fünfundzwanzigste %$i eines englischen Pfund ist. Cs kann auch eine _17. IMi 1928"-'_Nr.1«8 Krone der dreihunderttausendfte Teil des Pfundes! fein. An ihrer Wertung hat sie dadurch nicht erttgebüßt. Wenn sie nur iwch den heutigen währungs-, politischen Grimdsätzen — das Publikum ist durchw^H lnetallistisch gesinnt — in Gold zu einem gewissen Prozentsatz gedeckt ist. Inr Gegenteil, manchmal sind solche AtomlM)rungen sogar vorteilhaft, weil sich in ihnen die Stücke«! lung ausdrückt und weil damit namentlich in dem Haushalte des einzelnen eine viel detailliertere Kalkulation nröglich ist. Um nur ein Beispiel zu nennen: Eme Semmel kostete im Frieden vier Gvldheller. Trotzdem oigentlich nur ztvei Goldheller und einige Teile des Goldhellers ökonomisch zu bezahlen wären. Heute würden vier Goldheller nach dir! Goldparität 640 K. für eine Sennnelbetragen. Tatsächlich werden aber mlr 410 K. bezahlt. Schon darin kommt der Umstand zum Ausdruck, daß der einzelne bei gwßem Golde ein Zuviel gezahlt hat. Gei der Stückelung ist dies nicht möglich. Hier ist eine viel prözisere Bwechnmvg der Produktionskosten, des kaufmänüiischen Rabatts ufw. möglich. Danrit ist auch für das Emzeliudiviiduum eine Bervilligu-ng des Konsums und eine genauere Wertung des Emzelkonsums möglich. Ein Umstand, der bei der un'bediivgt notwendigen Sparsamkeit und der Wiederschaffung der durch den Krieg zertrümmerten Güter nicht außer acht gelassen toerden darf. Doch abgesehen von der Stückelungsmöglichkeit sind noch eine Unmenge andere Uvsachen, welche -dafür sprechen, daß die Währung bei den niederen Atomen bleibe. Dies wurde in Oesterreich instinktiv gespürt. Deswegen die Stabilisierung auf diesen! Niveau. Deswegen aber auch die Unwahrscheinlichkeit, irgendwie diese Goldkronenmoloküle durch forcierte Stützungsmittel, sei es von außen oder von innen, zu heben. Der S tan da rd ist den Verhältnissen augepaßt. Bei den anderen Staaten Mtteleuropas liegen die Der-, hältnisse nicht viel anders. Auch dort hat die Wirtschaft noch vieles nachzuholen, um zur Gesundung zu gelangen, In einzelnen ist der Krankheitsprozeß noch nicht zu Ende, wie in Deutschland, Jugoslawien, Rumänien und Ungarn« Die Krise endet dort geivühnlich gleichzeitig mit dem vollendeten Zusammenbruch der Währung. Der rmtürlichste Ausu>eg ist der, auf diesem niederen Standard stehen zu bleibep und die Stabilisierung vorzunehmen. So ist eZ wahrscheiw, lich, daß dieser Niedere Mhwngsstandard, der nicht nur in Oesterreich Fuß gefaßt hat, auch in Deutschland und iü den anderen mitteleuropäischen Staaten zur Grundlage! ihrer Währungspolitik gemacht worden wird. Was semerzett Südanrerika mit seiner Stückelung in Mlreis für die Währung Nordamerikas war, das bürfte mutatis mutandis das Verhältnis der mitteleuropäische« Währung zu den Währungen Westeuropas werden. ~ —g. Die Kleiurentnerbewegang md die Jude«' schuft. Die Folgen der Gelderrtivertung lassen sich jetzt nach der Stabilisierung der Krone genau übcrOücfcit« Die Inflation hat bewirkt, daß die Besitzer von Sachwerten, wie Häusern, ftemden Valuten,. Gold, Schmuck usw., nichts, die Besitzer von Kronenwerten, wie Kriegsanleihen, Reuten, Spareinlagen, Hypotheken, Versicherungspolizzen usw., alles verloren haben, und daß gewisse Spekulanten gerade infolge der Geldentwertung kolossale Reichtümet angehäust haben. Es ist daher kein Wunder, daß die Besitzer von Kronenwerten, die gewöhnlich mit dem Sammelnamen „Kleinrentner bezeichnet werden, sich gegen der Verlust ihres Vermögens zur Wehr setzten. Sett Oktober 1922 besteht die „Schutzaktion für Kroneuwerte", (1. Bezirk, Spiegelgasse 4), deren Leiter Rechtsauwatt Dr. Z a lman, Regierungsrat Brychta und Baurat Ing. Alexius Kern im Wege eines Gesetzes durchsetzen wollen, daß diejenigen, welche durch den 5lrieg und durch die Geldentwertung nichts verloren, insbesondere aber daß diejenigen, die gerade durch den Krieg oder durch die Geldentwertung reich geworden sind, eine Ausgleichsabgabe leisten, die zur gerechten Verteilung der Schäden der Geldentwertung mch zur Beschleunigung des Mederaufbaues unseres Staates z« dienen hätte. Dr. Zalmän hat auch einen Gesetze»^ Wurf ausgearbeitet, in welchem er den Versuch untere nimmt, die Frage der Entschädigung der Kleinrentner gleich-! zeitig mit anderen wichtigen svzialpolttischen Fragen zur Lösung zu bringen. Es handell sich bei der Kleinrentnerbewe-« gung um einen Kampf, den der Handelsangestellte, der Hoh^ knecht, das alternde Dienstmädchen, der Fabriks- und lattiM wirtschaftliche Arbeiter, aber mcch der Rechtsanwalt, Arzt, Ingenieur, Künstler, Handels- und Gewerbetreibende ustw, um ihre Existenz führen, die ihnen die Altersversorgung sicher« sollten. Die Stellungnahme der Judenschaft zu diesen^ Kampfe ist eindeutig vorgezeichnet. j Die Inden stehen auf Sorten der Klei«-, rentner nicht nur deshalb weil sie ftlbst ln allen Berufe« vertreten sind, somit selbst zu den Opfern der Geldentwertung gehören, sondern auch insbesondere deshalb, well der Kampf einer Idee gilt, die die Gerechtigkeit verwirklichen soll, Haben doch die Kleinrentner ihr Vermögen im Interesse dwj , Filiale Graz: Graz, Herrettgasse 7 296 8