Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1556 (13.6.1923)
- Date
- 1923-06-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980637--15069-3001862- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Amman 1× ep/1044017
OCR text
UM .;• Men, Mltyvoch --~Z Ätsche Bevölkerung wD an dem Aufbau des Staates teilnchmen und wird e» nicht duBdsn, daß mm» sie an dieser LoÄnchme hindert. Am Berlicwse der Debatte Sam es zu scharfen Ausemandersetzungsn Mischen Senator Kr-Hza^ »vwSkf, einem «hsmattgen KMgenossen des Ministerpräsidenten Witos, und dem Ministerpräsidenten. Der deutsche Senator HaSbach erklärte, daß er ebenfalls »ein Vertrauen zur gegenwärtige« Regierung haben könne, weil das gegenwärtige Kabinett für die fragen der na^ion-alen Mnderheiden kein BerftünSmiS zeige. In seiner Antwort eMärie Minister« President WitoS, daß die Beschulldigung, als ob di« Regierung die nationalen Miwderhetttzn verfolgen möchte, unbegründet sein. Besonders stark rmmnenttevi wird in den hiesigen politischen Kreisen der Austritt der Senatoren Jan Steckt und deö gewesenen Mmistechräftdenkm Nowak aus der WitoS-Partei. Die genannten Senatoren haben sich in der Parlament starGei als Wilde etntvagen lassen. „Faust, Scheiterhaufen und Eisen". Warschau, 10. Juni. <!T«l. der ,Mr. Mvrgenzeitung".) Unter dem Titel „4,800.000 Juden in. Poben" veröffentlicht der beLmnte Antisemit Mrton' CholomiewSki in der „RyectzpvSpÄ'ita* einen Artikel, daß die Juden Polen überfluten und dort eine viel größere Anzahl anSntachen -als in anderen europäischen Landern. Es sei daher nur ein Mittel zur Soßung der Judenfrage möglUch: ,/Durch Faust, Scheiterhaufen und Eisen" müssen die JMtzn derart behandelt Werl« den, daß sich ihre Zahl in Polen verringert. Sie Rechtsbeschröukungen der 3«den. Warschau, IS. Juni. (Del. der ,0c. Moryentzttz.") I» der letzten Ssjrnfttzrmg kam es bei der ersten Lchmg «G bereits vor fast drei Jahren eingebrachten Gesetzes auf Aufhebung da^roch aus der rassischen Aera her bestehenden N^chtsbesMänkunge« der Juden in Polen zu einer lebhaften Debatte. Abg. Prhlucki. wies darauf' hin, daß der von der Regierung eingebrachte Gesetzentwurf nicht die völlige Anfhckung der Rechtsbeschränkung für Juden enthalte, wie z. B. die Schiwurfrörheit der' Geisüichen, die Vormundschaft über Kinder anderer Konfessionen, die gesetzliche Geltung von Dokumenten, die jüdisch ober hebräisch geschrieben sind. Abg. Hartglas wies auf die fortwährende Verschleppung dieses Gesetzes hin. Zu einer Kontroverse kam es -wischen'dem kommunistischen Abg. Krolikowski und dem orthodoxen Deputierten Kirschbraun, »da7'WlÄowski die Mische OHhodoxie und insbesondÄ» deren Tagblatt beschuldigte, durch ihre DenumFiationenMe Schließung Ävr Schulorganisatiou „Unsere Kinder^^ veraMtzt zu haben. Der Gesetzentwurf wurde dann der B erfass« ngs ko Mission ü berwiesen. Im weiteren Verkvufe der Sitzung wurde ein DrmglichkertSantrag des Abg. Prhlucki wegen der Verweigerung einer Kanzesseion für eine Schule mit jüdischer Unterrichtssprache ab ge lehnt. Rumänien. 8inler.M der antisemitischen Studenten. Aus Bukarest meldet J. C. B.: Eine ans Vertretern des ExekuWomitees der rumänischen Studenten zusammengesetzte Delegation überreichte dem Unterrichts minist er ein Memorandum, in welchem der vorläufige Verzicht auf den Numerus : lausus und die Bitte ausgesprochen wird, daß die Kurse und Prüfungen sofort beginnen mögen. Hingegen Divd im Memorandum die strengste Ueberprüfung der Dokumente und Zeugnisse der StuÄiten gefordert. Die Delegation erklärte, daß das Mmorcr-rchum 'im Einverständnis' mit der rumänischen Studentenschaft in den neuen Provinzen abgesaßt würde. . Prof. Sorga «nd die Akademie der Wissenschaft«». Wegen eines Konfliktes in.der Worischen AbteÄung' Ser Akademie der Wissenschaften hat der bekannte libevale Borkämpfer Professor Jorga auf seine Mtgliedfchaft in der Akademie -der Wissenschaften Verzicht geleistet. Die' Demission Jorgas, die wegen Ernennung des fich in der politisch-ajnitisemitkschen Bewegung 'betätigenden Ingenieurs Vals zum Mtgtted der Akademie erfolgt ist, wich in Rumänien sehr stark Mauert, da Jorga ' ein Gelehrter von internationalem Ruf sei und feine Der missiosn. in initernaUoualen Krvifen Peinlichen Eindruck Hervorrufen müsse. ' Paliistina. Kne Wisch-arabische Frikdeusseier. ÄllS Jmvftdm meldet das I. C. B.: Mn l. ch.- wurde n feierlicher Form der Friede« Mschm der Wischen Be« völkeomdg in Petach Tikwah ,v»di der Araberschast. in den Nachbarorten geschlossen. Der. Feier wrihnten der Vertreter der Regierung, Vertreter sämtlicher-jüdisch« gamsationen PaWstdnaS und die arabische« Scheichs. , der Nachbarschaft Petach DAwahs bei. Im Zusammenhang mit diesem FriedmSschdch wurde der Scheich Abu K i.s H k, der wegen seiner Uoberfälltz aus Petach Dikwch km -Jahre 1921 gu einer lang« Gefängnisstrafe veMrieilt worden, war, aus drm «qtzmgmS entlassen. ' - lastmaS Ku k Wd' iKckohM e ier vrhtvWn den EhMidel Eolonas, K«nmEdam der-'eßHWmErPeeV"(I..' Wiener Morgettzeitung. Der Vatikan gegen stngland «nd dar Mische Seim. , Mmsignore BürlassinaS Hetze in TrarrSjordanien.. Jerusalem, 10. Juni. (I. C. B.) Der bekannte Be« kämpser der Mischen Position in Palästina, der vömischkatholjsche Patriarch Monsignore Bar lass in a, setzt seine 'antizionistische Propaganda fort. Während seines jüngsten Be-i fucheS in der Hauptstadt TransjochanienS Amman erklärte Barlasfina in einer öffentliche« Ansprache im Re« gierungshaus, der Papst denke sich Palästina als muselmanisch» christlichen «nd arabischen Staat «nd stehe deshalb dem Zionismus negativ gegenüber. Er fei überzeugt, die Araber würden ihr Ziel erreichen, wenn sie ihre Politik auf ein einheitliches Ziel richten würden. Einen außerordentlich erfolgreiche« Schritt in dieser Richtung bedeute der Boykott der letzten Wahlen in den gesetzgebende« Rat Palästinas. Die arabische Föderation. Aus London wird uns gemeldet: Der diplomatische Vertreter des Königs Hussein von H-eldischas, Dr. Naji el Assil, ist in London eirgetraffen und Märte einem Korrespondenten der ,Dimes",' König Hussein sei schr erfreut, eine Allianz nÄ England md dadurch auch mit den Alliierten geschlossen rn haben. Dadurch sei ihm die Geilegemheit geboten, die Araber des früheren ottouvar.ffchen Reiches unter das Banner einer geeinigten arMschen Nation zu sammeiln. Dies könne am besten erreicht werden durch eine freundschaftliche -Zusammenarbeit Mschen MMa und London. Dr. Naji ekl Ässrl drückte sein B ed a u e r n aus über den Umstand, daß iüe Araber tn Palästina den Vertrag mißverstand er.« haben. Es wurde bisher nirgends der Text deS Vertrages veröffentlicht upd alle Mitteilungen beruhen nur auf Vermutungen. Sobald a!ber die bisher unzufriedenen Araber in Palästina und Aegypten aufgeklärt setin werden, dann würde die Opposition als gegen« standÄos verstummen. Amerikanisch-mMche Wlrtschastrbezlehuage«. MoÄau, 1ü. Jwni. Der hier eingetroffene Vorsitzende der Nsw-AorLer HarS>etlNcrmmer, Busch, betonte in einer Unterredung mit Vertretern der Moskauer Presse die Notwendigkeit, die Atmosphäre deS gegenseitigen, Mißtrauens Mschen Amerika und Rußland zu zerstreuen, um die wirtschaftlichen Beziehungen wiedvcherzustellen. Busch unterstrich die Tatsache, daß zwischen Amerika und Rußland keinerlei politische Gegensätze bestehen. Das amevikamsche Kapital sei wenigeran den Expori- und Jmportoperaitionen Rußlands interessiert, als daran, sich an der Entwicklung der russSschen Industrie, besonders der Brennftossgewinnung beteiligen zu können. Sie mffische Antwortaote an Saglaad. Moskau, 11. Juni. (R. T. A.) DsHÜscherin vichtete an die englische Regierung, in Beantwortung der Note CuvzonS vom 29. Mai, eine Antwortnote, in der die Sowjetregierung als Resultat des bisherigen Austausches von Memoranden fessstellt, daß in vier Streitfragen, nänEch in der Frage der Briese Minsteins an den engs-ischen Vertreter in Moskau, in'der Fischsangsrage, in der Frage der Entschädigung für die Repressalie«. geM zwei enMche Agenten, sowie in der Frage der gegenseitigen Nichteinumischung, einem Einverständnis beider Regierungen nichts mehr rm Wege stehe. Was die Propagaybasrage anlangt, die im engkffchen Monrorandmn. als die w i ch 1 i g st e S t r e i t f r a g e bezeichnet. Wird, sei die Sowjetregierung bereit, den von der englischen Regierung vorgüschlagenen umfassenderen Wortlaut als GruMage der beiderseitigen Verpflichtungen anzunehmen. Die SoWjÄregiemng wünsche nur den ChaMter der Gegenseitigkeit in dieser Frage zu präzisieren, und Mar in dem Sinne, baß in Zukunft die Unterstützung monarchistischer, weißgard ist isch er und überhaupt aller gegen Sowjetrußland ur-.d dessen VeMMeien gerichteter Umtrielbe durch die englische Regierung sowie die Regierungen der enMchen Kolonien, Dominions, Protektorate ustv. ausbleiben Msse. Bezüglich der Abberufung der r u s s is ch e n B e r it r e t e r in T e h e r an, und Kabul gslaübe die Söwjetr'egierung, daß so außerordentlich wichtige Maßnahmen nur als Resn'ltat' einer gemeinsamen und' tatsächlichen Untersuchung der gegenseitigen Beschuldigungen vovgenoMnen werden könne. Die Sotwjetvegierung Würbe ebenso wie Gwßbritannien einen Abbruch der Handelsbeziehungen für.ein großes Unheil betrachtet?. Eben deshalb habe sie derart weitgehende Zu'gestäuduisse gemacht. Sine froaMchr Handelsdelrgation in Moria«. Moskau, 11. Juni. Die gegenwärtig in Moskau weilende französische Handelsdelegation vertritt große wirtschaftliche Pe-rbänbe. An der Spitze der 'Delegation stehen der offizielle Vertreter der Pariser -Bhrsr' Dupe.rset mch Leon GueSde sowie Vertreter der jgroßen Naphthagesellschaft Feretti. In einer Unterredung erklärte Duveriset, die Dolegqtior.' .vertrete eine Reihe von -fränMlfchen Handels- und J-ndustvieunternehmungen, die mit M.- mit 13. IM 1923 ' M - bedeutenden Fiuanzjkreisen in BeMwuntz stehe« und MM., sich auf eine einflußreiche politische Gruppe. Al Delegation habe bereits die Unterhandlunge« mit dü Sowjetregierung binnen mch sei mst schr weitl gehenden Vollmachten auSgestattel,.wn d-esÄbe» zu Eirde zu sichren. Duveriset gab der Hchfnumg Ausdruck, daß die Verhandlungen, die auf einer sehr breiten Gründe läge geführt werden, einen eUfolgvoichm MschlVuß finden werden. Der andere Führer der fvanzjösifchen Delegation, GueSde, Märte, er sei erstaunt über die FortschrAe der Wirtschaftlichen Mcdevaufrichtung in Rußland. Die in der Delegation vertretenen Gruppen seien entschlossen, der gegen Sowjetrußland gerichteten Lügenkampagne entgegenzutrelen und sich für die politische Anerkennung der Sowjetregierung einzusetzen. Die Delegation stütze sich auf große, französische Banken/wie Credit National, Banque Franeo-Argentinienne^ usw. . . Seratang der Konzeffionsfrage i« Laasonae. Lausanne, 12. Juni. <Tel. der ,Mr. Morgenzeitung".) Die alliierten Delagaiionschelfs sind heute Vovnrvttags mit Jsmet Pascha wieder zusammengetreten, um die Frage der Konzessionen zu prüfen. Jsmet Pascha erklärte, ' daß er nicht die notwendigen Vollmachten besitze, um über diese Fräße it.* Lausanne zu verhandeln, da gegenwärtiig riber diese« Gegenstand in Angora mit den Vertretern der Konzessionäre unterhandelt wird. Er Wat dagegen damit einverstanden, daß die Frage den Sachverständigen zur Pvüfung überwiesen wird, damit die von den Alliierten Vorgeschlagene Formel ir.- eine' verstäMiche Fassung gelbracht wird. Die Alliierten erstatteten hierauf offiziell Bericht über ihre Forderungen betreffend die Konzessivne«. Qe* dann wurde die Sitzung aufgehoben. Sine türkische Note Bier die Soupoufrage. Lausanne. 12. Juni. (Schweiz. Depeschen-Agentur.) Die von Jsmet Pascha den Alltterten übergebene Note ist sehr ausführlich gehalten. Einleitend wird auf den guten Wlllen der Mrkei und auf die -im Interesse des Friedengemachten Zugeständnisse, besonders auf diie Aufgabe der Forderung gegenüber Griechenland, hingewiefm, und auf die Zugeständnisse der Alliierten, die diesen Verzicht ermöglichten. Die Note bchchäftigt sich sodann eingchend mtt der wirtschaftlichen Lage der Türkei, und erklärt, e8 sei der Türkei einfach nicht möglich, die Tilgung de« ottomanischen Schuld in Goldwährung zu gewährleisten. Die Türkei hätte die Bezahlung der Coupons in türkischer Währung Vorschlags« können; sie tat e8 nicht und gab damit einen wetteren Beweis ihres gnte» Mllens. Zum Schluß verlangt die Note die soforttge Bestimmung der Devise, in welcher die Rückzahlung der Couponsichergestellt werden soll«, das heißt, in französische» Franke«. Seatscher Protest gegen die SinMrnag der FraaleawShrmlg Im SaargeÜet. Berlin, 12. Juni. Wvlff.) Die deutsche Regienmy hat an die Kommission des SaavgebieteS tmt Note gerichtet, itz der sie gegen die Einführung deS französisch«,» Franks« als alleinigen gefetzkichm ZaMnySnMelS im Saangebiet protestiert. Die Note nimmt Bezug auf den deutschen Protest aMßlich der Bevortmung Wer die Muhebung aller Gebühren im Eisenbahn-, Post-, TÄeyvaphew. und Tel-ephonverkchr und die Zahlung alle» Gehälter und Löhne' boi der Post- und Telsgraphenverw^ in Fra «Len, und' stellt fest, daß die neue Verordnung eine noch West Wpvere Verletzung des Versailler Vertrages darstelle. Ser Generolftreit in Sberschlchvk Berlin, 18. Juni. (Tel^Komp.) Entgegen de» auMchen Mittsillmgen üb« sine Besserung der StreAlage in Oberschllesim berichtet., die Blätter, die Loge hebe sich im Laufe deS gestrigen Nachmittags so verschärft, daß sie einem tatsäch- Nchen Generalstreik Mchkcmmve. Die Belegschaften der EiseWcchnlweÄstätten in Gl e iwitz haben noch im Laufe der Nacht die Aribett wieder ausgenommen. Nach PMisch-lOberfchlieften hat der Streik noch nicht ülbergegriffen. Blutige zwkscheufMe im Ruhrgebiet. Dortmund, 13. Juni. Gavas.) In der Nacht zmn 11. d. leisteten deutsche Zivilpersonen der Mlffovderung einer französischen Patrouille, sich zu zerstreuen, keine Folge. Nach dergo'blicher Warnung gab die bedrohte Patrouille Feuer, wodurch sechs Deutsche getötet und mehrere verwundet wurden. Dortmund, 13. Juni. (Wolfs.) Unter dem sechs von den Franzosen Erschossenen befindet sich auch ein Schweizer Bürger. Recklinghausen, 13. Juni. (Havas.) Eine sranzvsi s ch >■ Schildwache ist erschossen worden. NationalsozialWsche Pogrompropagoada Sberschlefien. Aus Breslau meldet I. C. B-: In der letzten Zeit vcbreiten nationalsozialistische Agitatoren massenhaft Pogron'.- schristen. Die Agitatoren reisen in Autos durch das Land und werfen H.etzproflamatiönen unter, die Leute, in welchen von jüdischen Geheimversammlungen, gefährlichen jüdischen Anschlägen sowie von Schändung christ licher Mädchen durch Juden die Rede ist.UnterzeichnLt.siN':- bicfc Schrift vom „Bund aufgeklärter Arbetter". Auf Antre' ‘ des Breslauer Bundes jüdischer Frontsoldaten wurde qec' einige der Verbreiter der Hetzschriften dtt VerleMndünLt..