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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-13 · Heft 1556 (13.6.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1556 (13.6.1923)
Date
1923-06-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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» Aette z . Wien, Mittwoch me Piümeme ses sumM«- Bon Prof. Artnr Freud. U.? Der Rückblick auf die wesentlichen Beschlüße der letzten Zeit schien notwendig, um die Tendenzen autzuzeigenwelche die Zionistische Organisation in dieser Zeit verfolgte und um eine klarere Stellungnahme zu ennoglichen. Es ist das deutliche Bestreben kenntlich, einerseits den integralen Chavcckter der zionistischen Tradition zu er* halten und andererseits Mttel und Wege zu suchen, um im Sinne dev realen Notwendigkeit Äs auch der im Mandat eingegangenen Verpflichtungen die Gesmntjudenheit an den PcckHtia-Auskbau heranFuziehen.- Gin flüchtiger Blick lehrt, wie stark die Wirklichkeit hinter diesen Erwartungen AurücktzÄlivben ist, wobei noch die'Frage offen bleibt,, ob lvnd in welchmr Matze die Schuld hieran auf zionistycher Seite selbst zu strchen ist. Der feierliche Aufruf an' das jüdische Volk, vom.letzte«, Kongreß erlassen, blieb .zum guten Teil unlbeanürvrtet, der vor drei Jahren geschaffene Keren Hajessod hat in dieser Zeit kaum eine Million Pfund aufgebracht, während man in einem Jahre. das Fünfundzwanzigfache dieser Scknme herbeigeschvfft sehen wollte; .die Rückwbcknng dieses Zustandes zeigt sich in der prekären-Lage der gesamten Palästina-Arbeit, und auch die. arabische Frage, die nunmehr infolge der letzten Abmachungen zwischen dem englischen Kolonialamt und den ärabi- - scheu Staaten von Hodschas, Mesopotamien, und Transjordanien in ein neues Stadium treten will, erfordert ge-., breterischeme erhöhte zionistische Aktivität und. die ernste Ausmerksanckeit des Kongresses. . Die Problemstellung für den bevorstehend^ Kongreß' ist somit Nar gegeben und seine wichtigsten Aufgaben werde« es. unseves Erachtens sein, das politische Problem, zu prüfen, sowie , die Frage der Ausbringung' wirklich entsprechender Geldmittel für den Palästina-Aufbau und die Kreditinstitute urÄ ich. Zusammenhang damit die Möglichkeiten der Heranziehung der Nichtzionisten zum Aufbauwerk sachlich'und gründlich zu behandeln. Die Diskussion über die Probleme des - künftigen Ingresses hat bereits vor etlichen Wochen in der jüdischen Presse eingesetzt, aber jene ersten Aeußerungen trugen weit, mehr einen pevsönIicheN.qls. einen sachlichen Charakter. Im offiziellen Bulletin der Zionistischen Exekutive wurde darauf hingowiesen, daß der Kongreß die Aufgabe haben -wird, .zu prüfen, o b die h e u t i g e nF o,r men unserer Organisation und unserer Arbeit den Ausgaben des Augenblicks.noch angepaßt sind. Dieser Passus wird durch die Peyrganffatwns- Vorschläge" verstäMicher, welche der Präsidentder Exeku-, titze Dr. Weizwa'nu vor geraumer Zeli"geäußert hat.'. Bon einem in einem New-Porker jüdsschen Blatt erschienenen-Interview mit Weizmmm, welches dieser alsbald de-, mentiert.hat und das namentlich in der palästinensischen. Presse viel Staub ausgowivbelt hat, kann hier Abgesehen werden, schon weil Weizmanns Vorschläge aus seiner Rede auf der porigen Sitzung des Aktionskomitees und seinen Ausführungen auf der Konferenz der englischen Zionisten bekannt sind. Weizmann erklärt, daß bä aller Anerkennung für die bisherigen großen zionistischen Leistungen diese, an unserem Ziele gemessen, unzureichend siiÄ). Darum müßten jetzt neue Mttel und Kräfte , gewonnen werden, und man müsse versuchen, nichtziomfiische Kreise zur Mitarbeit heranzuzichen, wie es jetzt schon beim Keren Hajessod geschehe. Diese Mitarbeit könne nur.gewonnen werden, wenn man diesen Kreisen auch Rechte und einen. Teil. der Verantwortung einräume, und ha diese hauptsächlich Ms der Jewish Agench ruhe, müßte diesen Kreisen auch der Eintritt in die Jewish Agency er-, öffnet werden, da schon wegen der.nötigen Vorarbeiten mit der Abhaltung des Weltkongresses in kurzer Zeit nicht zu rechnen sei. Schließlich fordert Weizmann, wie auch aus den Stimmen der offiziellen amerikanischzionistischen Presse deutlich hevvorgcht, .daß.der Kongreß eine kleine homogene Exekutive wähle, welcher besondere , Vollmachten für die Wahl ihrer Mitarbeiter zu erteilen wären. Inzwischen ist, wie bekannt, die EinLcwung der zionistischen Leitung an die englisch-jüdische Repräsentanz, den Board of Daputies, und an die Anglo Jewish Association zu Besprechungen über die künftige Gestaltung, der Jewish Agency ergangen,. ein Schritt, der auf der eben abgchaltenen Aktionskomiteesitzung lebhafte Debatten.her-. vorgerilfen hat. Im ,Jewish ChromÄe" hat sich der Politische Sekretär der Monistischen Exekutive des näheren über diese Maßnahme, geäußert und sie mit den präzisen Verpflichtungen des Palästina-Mandats uüd dem Wunsche der zümistifchen Organisation begründet, alle jüdischen .Kräfte für das Palästina-Werk zu vereinigen. Wesentlich sei allerdings, daß die Integrität der Zionistischen Organisation nicht angetastet werde. Die Aufgabe, der Organisation neue Kräfte aufzupfrvpfen, müsse notwendigerweise ohne Aufschub . in Angriff genommen werden. Aus naheliegenden Gründen seien zuerst die enMch-jüdischen Vertretungen zu einem Meinungsaustausch eingeladen worden, es fei jedoch, anzunehmen, daß nach EntwiMmg der Situation auch andere wichtige Körperschaften zur Beratung hevangezogen werden. Um die Bedeutung der Aufnahme von Nichtzionisten in die Jewish Agency zu erfassen, muß man sich vergegen- : *) Siche „Wiener Morgenzeituch^ VchnM. Jum Wiener Morgenzeitung. 13. Juni 1923!♦ tznglond für ein Kompromiß in der Reparationsftage. - Frankreich bleibt mwerMMlu DI« Beschlüsse, des entzllsche» kabinettsrates. London, 12. Ktti.'M. der .,Mr. Morgenze!tung"ysi Der englische Kabinettsrat, der sich mit der deutschen Note/ und der Antwort der AlAerten gefaßtebeschloß, w're die Londoner Blätter melderi, eine AnregungauszUavbeiten, die denk französischen Kabinett übermittelt werden soll. Darin wird Crtgland erklären, daß die von Deuts chland an gebotene Reparationssumme allerdings unzureichend sei, und Dttrtschland wenigstens dasselbe bieten müsse, was Bonar Law seinerzeit auf der Pariser Konferenz im Jänner dieses Jahves gefordert hat. - Sonst aber könne das deutsche Reparationsangebot sicherlich .eipe.Ärpndläge für inter alliierte Besprechungen ViMn. si / ' Falls Frankreich jedoch abermals den passiven Widerstand eingestellt haben will, so wird England ein Kompromiß Vorschlägen, daß die Alliierten eine Sachverständigenkommission einfetzen sollen, die Deutschlands Leistungsfähigkeit festfetzen und sich auch mit der Frage der interalliierten Schulden und der Sicherheit Frankreichs beschäftigen soll. Wenn durch eine solche Sachvevständigenberatung eine Einigung unter den Alliierten zustande käme, wäre die englische Regierung bereit, die Ausgabe des deutschen Widerstandes - zu veranlassen. Die französische Auffassung. Paris, 12. JM.-,Die Agence Havas meldet: Das Mmsterimn. des Aeußern hat bis heut« mittags noch keinerlei amtliche Mitterlung über die Beratungen, der britischen Minister echa-sten. Im heutigen Ministerrot, der wie sonst an Dienstagen zuiämmentrat,. k-anr die durch die. Haltung ' der.britischen Regierung gHchaifsenen Lage nicht zur Sprache. Die französische Regierung wird ihre Entschlüsse erst fassen, : wenn die gestern von der Ag-cnee Havas veröffentlichten Informationen ihre Bestätigung finden..In diesem Falle ist es zweifelhast, daß die R e g i« r u ng den britischen" Vorschlag ein »eh men. werde, wonach die deutschen Vorschläge als GruMage einer Erörterung unter den'Alliierten dienen sollen, ehrte daß Deutschland den passivenWiderstand ausgibt. ' i - Me' man nt Wigen politischen Kreisen erfahren haben ' Ml, habe, britische NAerrttch.Me'^BffchHsse," aüff.die', sie. Mörn abends .Ne.-Ansingicksamreit richtete, noch in keine «LtzAflye' Form.- gÄrächtsiMe '.Minister werden teils zusam- : men, teils gesönderi, die Ptmfung der Fratze in sehr günstigem Geiste und Mit dem lebhaftesten Wunsche fortsetzen, mit Fvankreich und Belgien zu. ^iner befriedigenden Rogelnntz zu gelangen. Der gcstrigr Mmistervatbeschaftigte sich übrigens nur 'mit einer der Seiten der Frage und bedeutete bloß die Bestätigung d^s britischen ' Standpunktes Hinsichtlich tier betreffs des deutschen Memorandums cinznschlagenden Vorgangsweise. Der allgrmerne Tchrsider englischen Presse hinsichtlich der Wsrmg der Frage sst optimistisch. Nur einige Matter hüben gestern abends ZloMnentare veröffentlicht, um vermuten zu lassen, England «befinde sich nahe dem Bruche mit Frankreich. Man darf ihnen, nach ErKarungen. aus maßgebender Quelle, ein kategorisches Dementi entgegensetzen. Unterbleiben der Sachverständigenkommission? Dev Vorschlag des Zusammentritts einer Sachvevständi- - gMouMMon scheint nicht mchr giinstige. Aufnahme zu finden, da eine solche Konferenz nur zur F e st st e l l u n g eines neuen Unterschiebein den Standpunkten Englands und Frankreichs bezüglich der Zahlungsfähigkeit Deutschlands und der Methoden, die anzuwenden sind, um es zur Crfüllünig seiner Verpflichtungen zu zwingen, führen könnte. - Lord Curzons Besprechungen mit den Gesandten. London, 12. Juni. (Tel. der „Mener Morgen-eitung".) Vor deur Zusammentritt des englischen KabineitSvates empfing Lord C u r z o n nacheinander die französischen, bÄgischeit und italienischen Botschafter, um die Ansichten der Miierten über die letzte deutsche Note zu erfahren. Der diipüom-atische Mtarbeiter deS „Daily Telegraph", der Wer diese Konferenzen berichtet, spricht sich über die Mögilichkeiten einer eng« lisch-sraMsischen VerstnndUgung pessimfftisch aus. Der französische Botschafter habe erklärt, daß nicht nur jede interalliierte Unterhandlung unmöglich sei, wenn der passive Widerstand an der Ruhr andauern werde, sondern habe sogar gefordert, daß sich England, Frankreich und Belgien anschließe, um von Berlin die Einstellung des passiven Widerstandes zu verlangen. Deurschland hätte nicht nur Verordnungen, die ans den passiven Widerstand Bezug haben, zu widerrufen, sondern auch den Deutschen, die mit'den Franzosen und Belgiern zusammengearbeiiet haben, Straflosigkeit zu versprechen. Die deutsche Regierung hätte allen BehLrdeir der besetzten Gebiet« Befehl zu geben, bedingungslos mit den Besatzungsbchörden. zusammenzuarbetten. Wer auch wenn sich England einem solchen Schritte anschilösse, so seien. Vechandlungen nicht auf Grund der deutschen Vorschläge möglich, sondern einzig und allein auf Grund der französischen Vorschläge vom letzten Jänner. Frankreich eMärt von vornherein, duß es von diesem Plane auch nicht um em Jotu abweichen könne- Der Mitarbeiter meint, die englischen politischen Kreise seien über die unversöhnliche Haltung Frankreichs entsetzt gewesen. und hätten dies auch nicht vechchlt. Der belgische Gesandte sprach i.r etwas abweichendem Sinne. Er fordert« zwar gleich, falls die Einstellung des passiven Widerstandes als Vorbedingung für die Eröffnung von UntechaMungen, aber ohne dir einschränkenden Bedingungen Porncares. Besonders erklärte er nicht, daß die deutschen Vorschläge unannehmbar für eine Grundlage von Verhandlungen seien. Der belgische Gesandte überreichte Lord Curzon außerdem ein™, belgischen Reparationsplan und drückt« :.kAt ■ H<Wnn^a'uS--daA dieser von der zuMnstigen interalliierten Konferenz besriedigt werden möge. Der. * italienische Botschafter hatte mtt Lord Curzon nur eine Aussprache ohne konkrclc Vorschläge vorznbringen. Italien scheine ebenso wie England darauf bedacht zu sein, einen Mittelweg zwischen Berlin und Paris in der Frage des passiven Mderstandes zu finden. T icft Hoffnung sei aber, so meinte der Korrespondent, durch die Forderungen Poinoares aussichtslos geworden. Die englische Regirung könne nicht von Berlin die Einstellung des passiven Widerstandes fordern, wenn sie nicht gleichtzeitiig Berlin die Zusicherung geben könne, daß .Paris und Brüssel bereit seien, ecwisse Konzessionen zu machen, um di« deutschen Vorschläge ernschast in Erwägung zu ziehen. wartigen, daß die Jewish Agench die Stelle ist, welche das PoWina-Manbat als jüdische Vertretung gegenüber der Mandatarmacht beglaubigt und die also schon heute einen von der internationalen Politik anerkannten Charakter besitzt. Die Zionistische Exekutive als Jewish Agency ist ab-' hängig von den Beschlüssen einer demokratischen Organ!- - fation, eine Jewish Agmeh gemischten Charakters bedeutet unter Umständen die Depossedierung der Z i o,n i-ft i s ch e n O r g a n i s a t i o n. Man begveift leicht. den Wunsch, die einflußreichen Kreise der englischen Juden-. heit dem Palästina-Werk zu gewinnen, eine Notwendigkeit, der ein ausgesprochener politischer Zug änhaftet; aber es ist klar, daß es bei den englischen Juden nicht sein Bewenden haben könnte und daß die auf jeden Fall viel demokratischere Aguda Jsroel jenes Recht, um das sie sich ebenso angestrengt wie erfolglos gemüht hat, mit viel größerer Begründung in Anspruch nehmen kann. Es ist kein'Zweifel möglich, daß die Heranziehung der Nichtziomisten eine der dringendsten Llusgaben ist, daß jenenr, der sich zu Leistungen verMchtet, auch Rechte und ein. Anteil an der Verantwortung gebühre, aber diesen ' notwendigen Prozeß mit einer soforttgen Verwässerung -und Neutralisierung' der JewiH Agency emzuleiten, heißt - -n-icht einmal die Rückkehr zu Branders' einstigem Programm, ta. die Heranziehung nichtzionistischer Persönlichkeiten in die zionistische Leitung, die dem Kongreß untersteht, ohne Zweifel einem Zustand vorzuzichen ist, der die 'Bewegung Notvbeln ausliefern könnte, die sich nicht zu ihr bekemen und ihrer Kontrolle gar nicht unterstehen/Wenn ' also die Zionistische Organisation, in ihrer Integrität erhalten bleiben soll, wäre es nötig, einen eventuellen Eintritt von-Nichtzionisten in die Agench an genau stipuflierte Bedingungen zu knüpfen/ wobei es fraglich 'bleibt, ob dieser Versuch einen Erfolg verspricht. Es spitzt ^sich.alles-zu der Frage zu^.ob hie.Zionistische Organisation sin ihrem W %,] e n erhalten hleibtn kann,- wenn ihre Arbeit' letzten Endes völlig heterogenen Elementen ausgeliefert ist, wenn das wichtigste Recht des Kongresses, das. Bvdü-trecht, in Frage gestellt wird, wenn die Ernennung der poliiischen Vertretung in Palästina, die Verwaltung der jiw'lschen Kolonisationsarbeit, das jüdisch-palästinensische Kulturwerk, die Haltung in Konflikten mit der englischen und der Palästina-Negierung, der Einfluß in den zionistischen Banken, die Art der Verwendung aller Geldmittel einer Körperschaft anvertraut wird, in der -die einer ganz unzionistischen Ideologie Untertanen urch von keiner demokratischen Instanz kontrollierten jüdischen Notabeln mitentscheiden, die bisher keimtlei Beweise ihrer Bereitschaft für Palästina gegeben haben. (Ein weiterer Arttkel folgt.) Seftemich. Ser 6rfoIg der Anleihe. In London hat die Zeichnung auf di« östevreichische Anleihe 56 Millionen Pfund ergeben, was einer vierfachen Uebertzeichnung entspricht. In N e w-- Vork ist die österrvichische Anleihe ebenfalls mehr-, fach überzeichnet worden. Nach einem Telegramm des ^Bankhauses Morgan an Gemral-kommissär Zimmer-' man stcht der Kurs der Anleihe an der New-Horker Börseum einen Punkt über'' dem GmisfionskurS. J Me ,Mven«Ska Handelsbanken" mittM, P die fchw o d i-- sche Tranche der österreichischen Änileihe beveitS' in den- Mttagsstunden vieüs-ach überzekchnet gewsse«. Der Bnndeskanzier sShrt nach Warschau« Wie wir bereits bedichtet haben, wird Bundeskanzler Seipel noch im Laufe des Monats Juni «ach jWa.rfchan reifen. Das Datum stcht noch nW 'gLniim^ fest. Die polnischen Blätter wolle» wissen, daß der BmchB«? kamiler am 29. Jnni jn KtzMW Eintreffen

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