Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-06-13 · Heft 1556 (13.6.1923) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1556 (13.6.1923)
Date
1923-06-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980637--15066-3001859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Wi e h: Zürn Abholen in der Expedition, II.,Tabor»tr.l-3, oder in einer Verschleisstella ' (Trafik) monatl. Kv 28;000 MitPoBtversandförWiena. Oesterr. monatl. K 28.009 ■; •; t; ' >;!. Tschecho-Slowak ei: Mön. K17. Ungarn: Mob, K600. Jugoslawien: Mon« Dinar 40. P o l e n: Mob. Mk.l5.000.Deutschland: Mon.Markl5.000. Fr ankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 MT Nachsahlungan °WW bai Preiterhohunjrao Vorbehaltes . wmmmmmmmwmammtmmtmsi Ar. ISS« Balkan mH Ruhrfrage. -y. Wien, 18. Juni. Der enMsche Premierminister Baldwin hat sich entschlossen,. vorläufig im Unterhaus keine Erklärung zur deutschen st-eparalionsnote abzugeben. Die in Aussicht gestellte Interpellation ist nicht erfolgt. Nach englischem parlamentarischem Brauch heißt dies, daß die Regierung in schwierigen Verhandlungen steht, die durch eine öffentliche Besprechung pro und kontra ungünstig beeinflußt werden könnten. Es A inzwischen auch bekannt geworden, daß die englische Regierung von der Voraussetzung ausgeht, einen Bruch mit Frankreich möglichst zu vermeiden, trotzdem aber alle Anstrengungen macht, in dem Reparationsstreit eine Kompromißformel zu finden, die zwischen den Forderungen beider Streitparteien eine mittlere Linie zieht. Der Vorschlag Englands baut sich auf der Bereitwilligkeit des Kabinetts Cuno auf, dir finanzielle Leistungsfähigkeit Deutschlands durch eine Sachverständigenkommission prüfen zu lassen. Würde diese Expertise eine Einigung unter des Alliierten möglich machen, dann würde England in Berlin die Einstellung des passiven Widerstaiwes der deutschen Behörden im besetzten Gebiet anvaten. Da aber Frankreich die Resistenz im Rührland schon jetzt als Vorbedingung für Verhandlungen beseitigt sehen will, so würde in diesem Punkt die Gefahr eines Scheiterns der englischen Bemühungen liegen, eine Gefahr, die bei der gegenwärtigen Weltlage direkt zu der so lange zurückgedämmten Katastrophe des europäischen Kontinents führen müßte. r Daß die Konflagrativn nicht schon jetzt eingetreteu ist, hat man einzig nick) allein der Tatsache zu veäanken, daß Englandan dem BündnsK.mit Frankreich festhält und dadurch mäßigend wirken kann. Dieser -Notwendigkeit hat England große Opfer gebracht mtäv obgleich es in seinem polmschen Konzept auch den Fall der Trennung der Entente vorgesehen hat, Iritt-es doch trotz aller Belastungen von diesem Verhältnis nicht zurück,'durch das es die französischen Mackitgclüste an erträgliche Grenzen bindet. Das Emareifen Englands hat denn.auch eine neuerliche ichrrffe Abweisung der deutschen Propnsitionen durch Ü'oin>'are. hintangeholten und eine Prüfung ihrer Einzelheiun durch alle Kabinette veranlaß'. Eine Unterstützung fand England durch Belgien, dis gerne seine im Ruhr.aebiet stehenden Truppen der kommunistischen Infektionsgefahr entziehen moryre, und durch Italien. Mussolini wünscht keine Engagements im Nochen. Er hat Jxa Senat deutlich erklärt, daß Italien keine Verschiebung der im Versailler Vertrag festgelogten Machtverhältmsse dulden könne. Das ist natürlich nicht aus einem pazifistischen Herzen heraus gesprochen, obzwar der faszistische Most, der sich vor einem hctlben Jahre noch so. wild gebächete, immerhin eine Gärung zu einem milderen Wein durchgemacht hat. Italiens Orientierung zielt auf den Balkan und es ist sicher, daß Mussolini, als. er seine Rede hielt, von dem Gewitter, das sich in Bulgarien zur Entladung fertig machte, mehr wußte, als mancher andere. Für die nächste Zeit wird der Balkan auf der Tagesordnung Europas veMeiben und sie in einem sehr gefährlichen Sinn beeinflussen. In Bulgarien ist mehr geschehen als die bloße Entthronung einer Diktatur; der Sturz Stanchnlüskis ist der Sieg des mazedonischen Komitatschitums, mit dem das bewaffnete Militär und das nationalistische Bürgertum verbunden ist, er ist eine Bedrohung der mühsam erreichten und doch so schwankenden Ordnung auf dem Balkan. Die. Mazedonier, deren Chef Todor Mexandrow heute in Sofia gebietet, können sich mit.Serben und Griechen nicht versöhnen und, .sie sind darum die natürlichen Verbmndetendes saszistifchen Tatendranges. Mussolini will'alle Komplikationen am Rhein vermeiden, weil er seine Kräfte auf dem Balkan konzentrieren will. Diese Umstände wirken zusammen, um die'Spannung in der Reparationskrise ein wenig zu lockern. Auch Frankreich ist auf. dem Balkan interessiert, und .es wird aus diesem Grunde dem Einflüße der englischen Regievnng keinen, stärkeren Widerstand entgegensetzen, als ihm die innerpolitischen Rücksichten auferlegen, Die Foch- Lerondesche Konzeption des Blocks vom Baltikum bis;um Balkan schivebt jetzt nach der bulgarifchen Reboluiion in der. Luft und muß sich auf eine gründliche Revision gefaßt Machen.'Dies bedingt, daß auch für, Fränkceich das Bündnis mit Englcmd w.ieder einen aktuellen Fnhalt. bekommt, .und daß,, wenn Deutschland mich: Arch ünstotige Aktionen seine Situation verschärft, hie Keparvtionsfräge' in ihr entscheidendes Stadium tritt. ♦\ Igchtch. r t a I liÄf UorM.^P' Ure Rumani e n, Bulgarien Monatl, 90 Lei bezw» Lewa« S chw ei z und da«übrige Ausland monatlich Frq».3 Redaktion n. Administration Wjen, II., Taborstrasse 1*~3 Telephone: 44-0-38.43-3-19, ab 6 Uhr abds.19-483,16-301 Tel- Adr.t .Mcrgenseitupg* Wien . ‘ Oesterreiehisches PestSpukrkassen - Konto Nr.. 150.693 fflfen, Mittwoch. 13 , 8mrt 1923 S. zahrsmg M “ " der Hakenkreuzler, Versammlung des Hauvtverbandes der Zndustrie. Ler Priistdent gefteht neuerlich, -ab der Berbaud die antikeaMschen FronMmdfer und HelmwÄre» besoldet und jiidücher Seid dam verwendet. Wie angekündigt, hgt gestern nachmittags im großen Sitzungssaal des Industrie- Hauses die Vollversammlung des Hauptverbandes der Industrie staltgesunden. In dieser Versammlung wurden, wie wir erfahren, von Seite Mehrerer jüdischer Industrieller die Mitteilungen der „W i e n e r M o r g e nzeitung" zur Sprache gebracht, daß ans den Beitrügen der Verbandsmitglieder antisemitische Organisationen subventioniert werden. Die Beschwerdeführer forderten, daß das Präsidium diesem Unfug ein Ende bereite. Sie erhoben als Juden Einspruch dagegen, daß mit Geldern, die auch von jüdischen Mitgliedern eingehoben werden, Radauautisemiten und Pogrombanden Unterstützt werden. Die Interpellanten nahmen aber auch als Industrielle dagegen Stellung, daß die Organisation der österreichischen Unternehmer durch die Besoldung bewaffneter Kampfverbände, deren te«; aktionärer und illegaler Charakter feststehe,, die Gefahr des. Bürgerkrieges herausbZ> gaben fich keine Mühe, den sachlichen Jnhalt der Beschwerden zu. eütkräfteü. Sie beschränkten sich daraus, die bekannten Phrasen vom „Schütze des Eigentums" und der „Gefahr des Bolschewismus" . zu wiederholen. Der Präsident erklärte, daß der Verband nur Formationen unterstütze, die der Staatsgewalt unterstehen. Als solche bezeichuete er die Frontkämpfer und die Heimwehren. Demgemäß beharrt also die Leitung aus ihrer schmählichen Haltung und es wird nunmehr Sache der Regierung sein, im Interesse; deS inneren Friedens und des Ansehens Oesterreichs einzugreisen. Die Versammlung, in der diese Aygelegenheit behandelt wurde, fand bezeichnen» derweise - unter Ausschluß der Oeffentlichkett statt. Den Vertretern der Presse würde dev Zutritt verweigert. Selbstverständlich wird es den Leitern des Hauptvervaudes nicht gelingen, ihr Tun und. Treiben der Kritik «üv Kontrolle der Oefsentlichkeit auf diese Wtise zu entziehen. Mit zugestutzten Eommnniques und mit Ableugnungen wird dieser Skandal nicht ans der Welt geschasst werden können. Was der Hauptverbaud mitteilt. Nach der Begrüßungsrede des Präsidenten wurde Me jüngste Presseerklärung, des Hauptvyrbandes über die Verwendung von Orgawsattons- Feldern zum Gegenstände einer Eärterung gewacht, fernex Ar Frage der Unterstützung^ von. Mw^formaflonen grundsätzlich' von den versMMckMr - Dtelluntz .genommen. Schließlich, wiederholte Präsident!.ur^b a n dre berÄts mchv^ .iw Wege der .Pivess^ ErfolA. - Äeüßerun^,' bäß Ver HcnWKMlnd' b^. JndDrie' Oestervichs natro.nalsozialistifche erh,ättde picht unterstützt, weil' in .'M-'Mch. wirtschaftKpolrtrscher. Hinsicht MndenKen verfolgen, welche den.. Interessen der österreichischen Industrie,e n t sch r e d e n zuwi.de rlaufe». Der Präsident stellte ferner fest, daß der Hauptverband sich' rücksichtlich der Verwendung seiner Mittel einzig und allein von dom Prinzrpe leiten lasse, die Gesamtinte reffen der Industrie fernab von jeder Politischen Richtung zu fördern. Diese Erklärung des' Präsidenten wurde unter großem Bei- - fäll m i t allen gegen 15 Stimmen zur Kenntnis, genommen. Sofia, 12. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Dem gestürzten Ministerpräsidenten Stambuliiski ist es gelungen, in Begleitung von etwa dreißig seiner Gtereuen aus Slavovica. ins Gebirge zu entkommen. Seine Verfolgung wurde mit mehreren Eskadronen Kavallerie ausgenommen. Im Landhause Stambuliiskis in Slavovica und in seinem Meierhofe bei Sofia wurden zahlreiche Waffen, B o m b e n, M aschinengewehre, überdies mehrere Millionen.in Schecks und Banknoten saisiert, darunter über eine Million in Schweizer Franken. Im Sofioter. Feuerwehrkommando wurden große Waffendepots entdeckt, die zur Bewaffnung der Orange- Garde bestimmt waren. Eine Untersuchung deckte eine Unmenge, von Beüveismaterial auf; welches in erschreckendem Umfange von der Korruption und den Schmutzaffären Zeugnis ablegt, die Stambuliiskis Regime sich zuschulden kommen ließ. Eine große Ueberraschung riefen aber im Publikum die Enchüllungen hervor, die in dem M e i e r h o f e Stambuliiskis gemacht wurden und die vom amüsanten Leben Stambuliiskis Zeugnis abgaben. In seinem Schlafzimmer wur- | den ganze Kisten Parfüm, Damenbatistwäsche und zahlreiche i pornographische Photographien vorgefunden, dar-! '' Stmnbulilrli entflohen. unter solche, die Stambuliiski mit der Gattin des Exministers Duparrnow zeigen, endlich zahllose Liebesbriefe erotischen Inhalts von Gattinnen seiner Ministerkollegen, mit denen er intime Verhältnisse unterhielt und'deren Männer dafür zu Ministern ernannt.wurden. EMinister Duparinow wurde beim Versuch, über die türkische Grenze zu entfliehen, verhaftet. . Die Stellung Jugoslawiens. . Belgrad, 12. Juni. (Tel. der „Wr. Movgenztg.^) In der Skupschtma gab der Ministcr des Aeuß-'.rn N in e ie über den Staatsstreich in Bulgarien ene .urze Erklär u n g ab, die darin gipfeltdaß I u g o s l a w i e n, das hinreichend: Beweise für seinen guten Willen geliefert babe. mit Bulgarien gute Beziehungen zu unterhalten, einer Verletzung des Vertrages, den Neuilly gegenüber nicht gleichgültig bleiben könne, und der Ueberzcugung Ausdruck gab, daß das Land in dieser Beziehung die Unterstützung seiner Fteurche mW der Veribsmdcten f-ubcn werye. , ,.( König i». 1 rxander kehrt mit Rü iücht auf die durch den bulgarischen Umsturz geschaffene Lajr näch Belgrad Sir Herbert Camuel von Beduinen überfallen. .London, 12. Juni. (Wolff.) „Daily Marl" meldet aus Jerusalem: Eine Abteilung britischer Gendarmen, die den Oberkommisfär Sir Herbert Samuel auf einer Meise in Nordpalästina begleitet hatte und sich auf der Heimreise befand, fiel bei Ain cI* Melebabin der Nähe der syrischen Grenze, in einen Hinterhalt. Drei Gendarmen wurden getötet, zwei verwundet. Die Angreifer dürsten beduinifche Räuber aus Syrien oder Transjordanjen sem. In amttichön Kreisen herrscht große Besorgnis - wegen der Sicherheit des O^rkoiMiffärs,.der.gegenwärtia mit .einer Eskorte von eingebörnen Gendarmen aus Palästina im Freien lagert. . Sir Samuel war, wie die ,^Vr. Mdrgenzeiiung" gemeldet hatte, in TransjoÄanien/ 'gewesen, wo ' er . in Amman an der Feier der UnabhÄlgigkeltserklämng des transjordanischen Staates teilgenonntten hätte. - Der Angriff, der von ettva 20 Räubern^auf.die Eskorte des OberkommMrs Sa mu el Verübt würVe, .hä-t bei Wadi Hin d a j, anscheinend - auf palästinensischrn Gebiet, stattgefunden ^69961

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.