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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-12 · Heft 1555 (12.6.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1555 (12.6.1923)
Date
1923-06-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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I Sfce. Ifi66 Men, Drenstag Wiener Morgenzeitung? 12. Juni 1923 ’ Seite L Me Zmelen des Exkaisers Karl. Reue Details. - Die Klage des Mar Habsburg abgewiesen. p» ' "— .... 1 "" ~ " ~"~r— ' BerfMwckiUlNg war cm Rendozvous aller PogrompolMer. In der RvduerÄste bvfmchen sich nacheinander: K u n is ch a k, Wader, Riehl und JerzabeT. Am Schluß begrüßte die BerisammMmg m'rt Mrmffcher Bogeistevung und Heilrufep der: BuudeskcmKer Dr. Seipel, der zu ei«« Ansprache das Wort evgviff. Er bezeichrrvte als Zweck des Wehrlbundes, die Wehrmacht wieder zum Dolle MückzufGr«« ihr die Stzmtzathien des ganzen. DoilleS zu erlverbe«. Tschechoslowakei. Die ungarische Spiouage in der Slowakei. Preßburg, 10. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Im Zusammenhang mit der Spionageaffäre des kürzlich in Leutschau verhafteten ungarischen Leutnants Szabados wurden auf Grund seines Geständnisses in der Ostslowakei Massenverhaftungen von zumeist der ungarischen ChristlichsoMlen Partei angehörenden Personen vorgenommen. Unter den Verhafteten befinden sich unter anderen der Parteisekretär Municzek mit den Parteimitgliedern der Schneidermeister S t r a k a und der Riemer Munrcky. Der Wachtmeister der tschecho-slowakffchen Armee Daniel D e ck m a n n, ein Ungar, wurde in dem Momente verhaftet, als er den Direktor der oppositionellen Parteien, Oskar Petrogall, in Leutschau besuchte. Bei letzterem wurde eine Menge von A k t e n beschlagnahmt. Bei 200 Personen sind in die Spionageaffäre verwickelt. _ Polm. Konferenzen der polnische« Gesandteu. Warschau, 11. Juni. (P. T.-A.) Wie die Blätter melden, sind die auswärtigen Vertreter Polens für den 12. d. nach Warschau berufen worden, um mit dem Minister des Aeußern, Sejda, die gegenwärtige internationale Lage zu erörtern. HM« - Nachfolger Pilsudslis. Warschau, 11. Juni. (Tel.-Konrp.) Der Staatspräsident hat die Demission Pilsudskis vom Posten eines Gerreralstabschefs der polnischen Armee angenommen und z« seinem Nachfolger General Stanislaus Haller ernannt. AuZ Paris wird uns gemeldet: Bekanntlich hat der verstorbene Exkaiser Karl im Lause der Jahre 1919—1921 seinem Generaldirektor Baron Bruno Steiner de Valmont Sen Auftrag erteilt, aus dem gemeinsamen Besitz der Familie Halbsburg-Lothringen Bffouts zu verkaufen. Ein Teil dieser Kostbarkeiten wurde von einem Konsortium „La perlesro" für die Summe von 3,160.000 Schweizer Franken erworben, ein anderer Teil von den Juwelieren Jacques und Josef Bienenfeld im Jahre 1921 um 2,609.000 Franken gekauft. Wogen dieses Juwelenhandels wurde bekanntlich vor einigen Tagen Baron Steiner und seine Frau in Paris über Anzeige des Erzherzogs Max verhaftet. Erzherzog Max hat gegen die Brüder Bienenfeld vor einem Schiedsgericht eine Klage überreicht, in der erklärt wurde, daß die beiden Baronin Steiner 10 Prozent als sogenanntes Schmiergeld übergabetl, damir sie die Juwelen, billiger erhalten, und forderte vom Schiedsgericht die Verurteilung der Brüder Bienenfeld zur Zahlung einer Summe von vier Millionen Schweizer Franken als nachträgliche Entschädigung. Die Beklagten erklärten, daß weder ein Beweis noch eine Bestätigung dem Gerichte vorgelegt wurde, daß die Brüder Bienenfeld Baron Steiner bestechen wollten, die angeblichen Provisionen wurden der Baronin Steiner ausbezahlt, die vollständig unabhängig von ihrem Manne Geschäfte betrieb und sich für ihre Dienste durch Provisionen entschädiget: ließ. Baronin Steiner hat auch den Schmuck des Grafen Berchtold an verschiedene Pariser Juweliere zum Verkauf ausgeboten und sich als Juwelenagentm in der Schweiz und in Paris betätigt. Nachträglich hat die Baronin Steiner die Brüder Bienenfeld geklagt und von ihnen eine Provision verlangt, deren Hohe die Beklagten als phantastisch bezeichnten. Augenscheinlich spielte die Baronin unter einer Decke mit ihrem Manne, der bei diesen Geschäften eine nicht minder unfäre Rolle gespielt hatte. Aus der Klagebeantwortung der Brüder Bienenfeld geht hervor, daß Baron Steiner durch eine; geschickte Finte, ^'"7 ' » er legte den Brüdern Bienenfeld ein fiktives Offert des Juweliers He.ne sh vor, nicht weniger als 900.000 Franken von Bienenfeld erpreßte. Bienenfeld erklärt, er habe damals durch Vermittlubng des Steiner von Kaiser Karl ein Perlenkollier, das sogenannte Rosenkollier, und das Goldene Blies mit dem Diadem gekauft und dabei noch infolge der eingetretenen Baisse aus dem Juwelenmarkt Geld verloren. Die Brüder Bienenfeld erklärten in ihrer Klagebeantworturrg resümierend, daß sie bei diesem Geschäft korrekt vorgegangen sind und die Zurückweisung der Klage des Erzherzogs Max fordern. Das Schiedsgericht hat nun folgendes Urteil gefällt: In Angelegenheit der Gesellschaft „Perlesco" haben die Brüder Bienenfeld als Kapitalisten (Geldvorstrecker) gehandelt, ohne bei den Käufern der Perlesco zu intervenieren. Was die Geschäfte der Brüder BienonfM» mit Exkaiser Karl anlangt, geht aus dem durchgeführten Verfahren hervor, daß die Herren Bienenfeld gemäß der üblichen Geschästsusancen gehandelt halben und daß ihre Haudkmgsweife keinerlei Schaden für die kaiserliche Familie verursachte. Unter diesen Um» ständen sei es unmöglich, zu einer Verurteilung der Herren Bienenfeld zu gelangen, und es müsse auch die Forderung nach einer Entschädigung zu rück gewiesen werden. Die Kosten des Schiedsgerichtsverfahrens sind von dem Vertreter der Familie Habsbuvg, dem Erzherzog Max von Oesterreich, zn tragen. Durch dieses Urteil ist die Angelegenheit der Brüder Bienenfeld zivilrechtlich erledigt, die Strafuntersuchung gegen Baron Steiner und dessen Frau wird hierdurch nicht tangiert und geht über Auftrag der Schiveizerffchen Gerichte werter. Ungarn. D« Karolyi-Prozeß. Budapest, 11. Juni. <TA. der ,Mr. Mortzenzellung".) honte begann vor der königlichen Tafel die Bernfungsyerhandliung im Konfislationspvozeß geigen de« Grafen Michael Karoilyi. Das erstgerichkliche Urteil hat bskarmMch im Februar dieses Jahres den Verfall! des KaroWschen Vermögens zugunsten des Staatsärars Msgchprochen. Bei der heutige« VechaMung beantragten die Verteidiger Karolyis, sämtliche MÄgMdor der cheürraKgen Karotlyi-Regiermrg unter Anllloge zu stellen (darunter auch den gegenwärtiger» Nckeckaiuimiinister Szalbo -Nag hat ad), doch verwarf die Tafel diesen Antrag. Ferner erklärte die Verteidigung, der Artikel des Friedensvertrages, welcher die Verfolgung von Personen wagen ihrer p-ollitifchen Hal'timrg im Kriege unterste, müsse auch aus Karcklyi QigÄvendet werden. Ae DerhaMnng wurde unter AnsM-uß der QchfenMchÄeit geMet. Der «Me ZustlMMer. Budapest, 11. Juni. (Del. der ,Mr. MongenMiAmg^.) Aihg. Emil Nagh, MiiMed der Regierungspartei, wurde heute vom Reichsvevweser Horchy in Gödöllö zur Audienz Mpfangen und zum Justizmin ist er ernannt. Er gehört xu den reaktionärsten Vertretern des Großgrundbesitzes. Rundschau. Re ßrSffmms des litauischen Cejm. (Von unfrrern Korrespondenten.) K o w n o, 6. Ami. Heute fand die feierliche Eröffnung des neugewählten Sejm statt. Der Staatspräsident eröffnete mit einer längeren Zlnsprache die Session. Sodann werden die Abgeordneten auf die Verfassung beeidigt. Die rechten Parteien und die Abgeordneten des polnischen Klubs werden von eitlem katholischen Geistlichen vereidigt. Die jüdischen Abgeordneten leisten .den Eid in hebräischer Sprache. Bei der darauf stattgesundenen Wahl des Präsidimns wird der Kandidat der rechten Parteien, Abg. Tnmenas, mit 54 Stimmen MM Präsidenten gewählt. Nach .der Wahl des Präsidiums wird eine Reihe von Kommissionen gewählt. Vom Jüdischen Klub wurde Abg. Garfunkel in die Mandatskommissiorr und Abg. Fink elfte in in die GeschäftsordnnnMvrmnffsum gewählt. Der Jüdische Klub ist bereits konstituiert, zum' Präsidenten wurde Abgeordneter Rosen bäum bestimmt. Die Konstituierung wurde bereits dem Präsidium des Schm bekanntgegeben. In der hiesigen Presse wird eine heftige Fehde gegen den Jüdischen Nationalrat wegen des Bulletins des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris geführt. Das genannte Komitee hat vor ungefähr drei Wochen ein besonderes Bulletin über die Lage der Inden in Litauen herausgegeben, in dem die politische und wirtschaftliche Lage in Litauen auf Grund der letzten Ereignisse geschildert, wie auch der Widerstand der jüdischen Oefferrtlichkeit gegen den ihr aufoktroyierten jüdischen Minister Fr iedmann dargelegt wird. Die offizielle litauische Telegraphenagentur ,Mta" hat in einem Covmmmque den Mischern Nationalrat beschuldigt, dem Komitee Material zu einer antifemitrfch'eA Propaganda geliefert zu haben. Der Nationalrat erwiderte hierauf m einem offiziellen Comnmnique, ttaß das genannte Bulletin vom Komitee der jüdffchen Delegationen herausgegeben wurde. Nachdem aber der Inhalt des Bulletins in Mischen Kreisen bekannt geworden ist, beweist die Mische Presse, daß die BeschuMgungm der Telegraphenageutur Mta" ganz grundlos streu, da das Bulletin in objektivster Weist die tatsächliche Lage dev Wischen Bevölkerung in Litauen ohne jedwede TeM>enz gegen den litauischen Staat schilderte. Daß die Lage der litauischen Juden ungünstig fei und Anlaß zu Klagen gebe, sei eigentlich nur Schuld der gegenwärtig herrschenden natronaldemokratischen Partei iu Litauen, die nichts anderes äks die Berjvlguug der Juden bezwecke. Mische- Geld fiir Horthtz? Poffsestimmen aus Amerika. Die Meldung der „Wiener Morgenzeitmrg", daß der ungarische Mnisterpräsident Bethlen imd der Finanzminister Kallay in Paris von dem dortigen Vertreter des jüdischen Bankhauses Kuhn, Löb u. Co. imd in London von Mitgliedern des Bankhauses Rothschild empfangen wurden, was auf Anleiheverhandlungen schließen läßt, hat in der amerikanischen Presse lebhaften Mderhall erweckt, und msbesondere in der jüdisclM Presse durchaus begreifliche Entrüstung hervorgerusen. Die amerikanischen Blätter halten es für geradezn unmöglich, daß sich der Sohn Jakob Schiffs, des Gründers des Bankhauses Kuhn, Lob u. Co., desselben Jakob Schiffs, der im Jahre 1905 ebenso wie das Londoner Haus Rothschild dem judenblutrünstigen Zarenregrme die Anleihe verweigerte, die es dann doch von einem, den: österreichischen Juden Taussig, erhielt, daß Schiss und Rothschild die Tradition ihrer Häuser vergessen hätten. Das Now-Aorker Tagblatt ,Ihe Day" (Der Tag) schreibt: „Eine Anleihe für die Horthy-Negierung, welche die schändlichste mib reaktionärste von ganz Europa, die Regierung des Weißen Terrors, der Brutalität der spanischen Inquisition, der Grausamkeit des Zarenregimes ist, und deren Politik nur Unterdrückung und Verfolgung heißt, bedeutet die Fortsetzung dieser Politik, die verstärkte Fortsetzung des Terrors, die Fortsetzung der jüdischen Leiden, die Vermehrung der schrecklichsten Verfolgungen der Juden." „The Jewish Gazette" schreibt: „Das alte Sprichwort vom Gelbe, „Non ölet", wird nn wirtschaftlichen Jargon der Gegenwart „Neutralftät des Kapitals" genannt. Darin gleichen sich das jüdische und das nichtjüdische Kapital. Wenn das Bankhaus Morgan, das in Kriegszeiten Englands Finanzagent in Amerika war, und dessen Einfluß hauptsächlich Amerika zum Kriege gegen Deutschland trieb, vor nicht langer Zeit den Plan fassen konnte, für Deutschland eine internationale Anleihe zu arrangieren, und deshalb mit dem von ihm so geliebten Frankreich, für das Morgans S<^vefter schon seit drei ^Jahren einen Hilfssonds^sammelt, in Streit zu geraten, warum sollte es nicht möglich sein, daß jüdische Bankhäuser für gute Zinstn nngarffchen Pogromantistmiten Geld leihen? Es wäre vielleicht verwunderlich, daß sich der ungarische Mnisterpräsident gerade an jüdische Bankhäuser wendet «nd nicht zu den christlichen Bankhäusern geht. Aber man darf nicht vergessen, daß die ungarffche Regierung genau über den Geist der Erniedrigung unterrichtet'ist, welcher in gewissen, sogenannten hochstehenden jüdischen Kreffen herrscht. Es ist gar rftcht lange her, daß Herr Otto Kahn, Teilhaber der'Firma Kuhn, Lob n. Co., in NewHork eine begeisterte Hymne auf die heldenhaften Magya.rev und ihre Regierung gesungen hat. Die ungarischen Minister haben wahrscheinlich damtt gerechnet, daß gewisse jüdische Geldmagnaten sich hochgeehrt und geschmeichelt fühlen werden, daß die erwachenden Ungarn zu ihnen um eine Anleihe betteln kommen. Das ist ein Beweis, daß die Antffemiten sie, die reichen, jüdischen Assimilanten, mit anderen Augen ansehen als die große Masse der schmutzigen Juden. Mtt dieser Ghettopsychologie haben Wohl die ungarischen Antffemiten gerechnet, als sie direkt zu deu Mischen Bankhäusern gingen. Warum sollten sie erst im christlichen Bankhaus Morgan, dern ein Land wie Ungarn unter seiner jetzigen Regierimg keine geschäfttichen Sicherungen bieten kann, anüchambrierm, wenn sie stolz in das jüdische Bankhaus eintreten konnten? Bekanntlich macht der größte Antiseinit lieber Geschäfte mit einem Juden als mit einem Christen, denn ein christlicher Bankier sieht sich den Kunden erst genau darauf an, was er wert ist, und der christliche Adelige ist bei ihm genau so ein sterblicher Mensch, wie er. All das aber fällt beim jüdischen Geldmagnaten weg, bei ihm ist der Arttffemttismus eines ungarischen Gentrhadeligen kein Fehler, sondern vielleicht sogar ein Vorzug. Mag die Wett sehen, daß jüdische Bankiers neutral sind, mag sie aber auch wissen, daß jüdische Bankiers von Anttsemiten anders behandelt werden. als gewöhnliche Jrrden. Die Visite des ungarischen Aliinisterpräsid ente rr bei den Vertretern jüdischer Bankhäuser war gut arrsgedacht. Sie baute darauf, daß jüdische Bankiers so gern vergessen, daß es ein jüdisches Volk und eine jüdische öfferrtliche Meinung gibt." Ae blutige» Borgimge i« Dortmund. Minf ZivMsten Von Franzosen erschossen. Dortmund, K. Juni. (WvU.) Wegen der Erifchveßung zweier Unteroffiziere der fvanzösischen Besatzung in der.letzten Nacht wurdet: der stellvertretende PolizeLpriffDent Mavtinus sowie der stellvertretende Oberbürgermeister Fluhme.verhaftet. Im Latlife des gestrigen Abends und m der Nacht sind in Dortmund fünf Zivi4persoren erschossen worden. Die Truppen Wohlfeile Woche! Regenmfintet . . K 125.000 ■ Lelnamwaren, Waschwaren, f Stoffe, Wäsche — sehr büftfig B Schiffmann u-wBmiwia II., Taborstraße 49 Telephon 47-1-7® En gros En detatl zmmiemmsMmmmmmmm

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