Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1555 (12.6.1923)
- Date
- 1923-06-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekte 4 Wie«, Dienstag_ tut Stadtkreis wurden öcrftatft, ein Mnschin-engew'chr " und -etwa Hunden Soldaten besetzten das Stadthaus. An: Südwall ist starke fvanzüsi'fche Kavallerie postiert. Die Zahl der Verhafteten soll hundert Aberisteigen. Dortmund» Irl. Juni. (Wölfl.) Zar der Mordtat an len Fwei frcmKöislschen Offizieren wird von zrPandiger Stelle mit* geteilt, daß die Tat nicht von Deutschen verübt wurde. Die Geschosse, mit deren die Offitzierc getötet wurden, entstammen Gewehren oder Karabinern. Dortmund, 1L. Juni. (WoW.) Gestern abends wurden nach eingetretener Derkchrsfiperre die Passanten auf den Straßen von französischen Wachen beschossen, wobei, wie bereits gemeldet, fünf Deutsche getötet wurden. Diese Toten wurden zunächst an jener Stelle niedengeleyt, an der mar« die erschossenen sranzösischm Offiziere aiufgefunden hatte. Später wurden sie in das Luise-Hospital gebracht. Heut« ist die Lage im allgemeinen unveräirdert. Bor dem Eingang des Stadthauses ist ein zweites Maschinengewehr aufgestellt worden. Die im Stadthaus befiMichen Personen wurden mit Erschießung bedroht, falls sie sich am Ferst er zeigen sollten. Um halb 1 Uhr ist das Stadthaus von den Franzosen wieder geräumt worden. Der Staatsanwalt in Dortmund hat eine vorläufige Be lohmmg von fünf Mittw-nen für Angaben ausgesetzt, die zur ErmMung der Tärer führen. Ludendorff und Trotzkii. Wafsrn und Geld «rs Nutzland. Bukarest, 8. Juni. (Rador.) Die Polizei verhaftete einen deutschen Agenten, d« die Uniform eines vmnänischen Offiziers trug. Die bei ihm beschlagnahmten Dokumente beweisen, daß er die Verbindung zwischen Deutschland und den Sowjets vermittelte. Unter de» Dokumenten wurde ein von Lndendorsf an hohe Sowjetamter gesandtes Telegramm gefunden. Aus den beschlaguahntte« Dokumenten geht hervor, daß die Sowjets den deutschen Monarchisten Waffen und Geld zukommeu ließen, um beständige Unruhen zu ermöglichen. Iie 3chN?er?gkeitml iu Lausmme. Lausanne, 11. Juni. (Havas.) Fn einer den Alliieren überreichten Note erklärt die T ü r k e i, sie werde in die Zahlung der Couponnur in f r a n z ö s i s ch e n Franken oder intürkischemGelde entsprechend dem gegenwärtigen Wert des Franken einwilligen können. Tagesbericht. Vollversammlung der Hauptverbauves der Industrie. Heute findet um 3 Uhr nachmittags im großen Sitzungssaale des Industriehauses, 3. Bez., Schwarzenbergplatz 4, Hochparterre, die diesjährige ordentliche B o l l v e r s a m m I u n g des .Hauptverbandes der Industrie Oesterreichs statt. Auf der Tagesordnung steht, abgesehen von den üblichen Formälien, ein Bericht des Generalsekretärs Dr. Gustav W e i ß - W e l l e n st e i n über aktuelle industrielle Fragen. Bei der Debatte über diese „aktuellen Fragen" wird es ganz sicher zu einer Auseinandersetzung über die Subventionen an die Frontkämpfer und Heimwehren kommen. Wir sind begierig, wie Herr Urban und seine Gesirmungsverwandten vor dem Plenum des Verbandes und vor der Oeffentlichkeit ihre Subventionstätigieit motivieren werden und hoffen, daß die Generalversammlung Mittel und Wege finden wird, um diesem öffentlichen Skandal ein Ende zu setzen. Ae iStraett auch anders. Herabsetzung der Tiroler Sommerfrischenpreise. Von der Hauptstelle der Landesverbände für Fremdenverkehr erhalten wir ein Schreiben, in welchem es heißt, daß unter dem Eindrücke der von den Wiener Tageszeitungen in den letzten Tagen veröffentlichten Berichte über die Preisbildung in den österreichischen Sommerfrischen und Kurorten das Landesverkehrsamt für Tirol bekanntgegeben habe, daß sich die Preise in den Hotels und Pensionen Tirols für Zimmer und volle Pensionsverpflegung zwischen 35.000 und 50.000 Kronen bewegen. Diese Preise, meint das Tiroler Verkehrsamt, dürfen nicht nur als angemessen, sondern als s e h r billig bezeichnet werden. Es ist wohl richtig, daß diese Preist erträglich find, jedenfalls weit niedriger, als die ftüher veröffentlichten. Wir können aber unseren Lesern trotzdem nicht empfehlen, ür eine dieser Sommerfrischen zu gehen, auch wenn sie noch fo billig find, solange die Fremdenverkehrsbehörden sich nicht klar über die Frage, die uns am meisten am Herzen liegt, äußern: Wie verhält sich die dortige Bevölkerung jüdischen Sommerfrischlern gegenüber, und gibt es eine Garantie dafür, daß Juden in diesen Sommerfrischen ungestört und unbehelligt wohnen können? Solange diese Frage nicht unzweiderrtig bearrtwortet ist und solange wir nicht auch die Gewißheit haben, daß diese Antwort den Tatsachen entspricht, haben wir weder eine Ursache, noch Lust, für den österreichischen Fremdenverkehr publizistisch emzutreren. Keine Wolkenkratzer in Wien. Ein MorrtaMatt brachte gestern die Nachricht, daß sich in Wien eine Gesellschaft gebiilde-t habe, welche die ^vichtung von sogenannten „Wolkenkratzern" plane and daß die .H'.usbetztzer Wiens in einer aam ibeftinnnttLN Form. daran wi& Wiener Morgenzeitung. nehmen sollen, die ihnen großen Gewinn garantiert. Dolche Nachrichten, wie die erwähnten, sind wiederholt auMtaucht, ohne daß sie auch imr im geringsten die Wahrscheinlichkeit für sich haben, Ivell die gesetzliche Mögilichkeit zur Verwirklichung eines solchen Projektes ve»llstänidig sohlt. Wie wir nämlich voon wcchlinsornnerter Seite erfahren, ist die ErrichAmg solcher Wolkenkratzer in Wien gang ausgo schloen und die Genrein»devvrwal tung wird eine Ermächtigung hierzu nicht erteilen. In dem Eirttvnrst der neuen Bauordnung, tvelcher im Spätsommer oder zu Airlfang des Herbstes im Geineinderai zur Beratung gelangen wird, ist wohl bi? Errichtung von Wolkenkratzern nicht direkt verboten, dagegen aber die Errichtung von Neubauten mit drei Geschossen g e st a t t e t. De r Gemeinderat wird jedes Ansuchen nur Errichtung von „Wolkenkratzern" aus ästrthischvn und lokalen Gründerl a b l e h n e n.. Kn vederssll im HlmWostsmt. Ein Utbewfall, der entfernt dem ähnelt, der am 8. d. im Gcibäride der DonauregMicrungÄmmtt'istion an dem Oberosfizial PAderl verübt worden ist, lvurde heute nachmittags von einem postenlvsen Privatbeamten in: Geibände des Hauptpostamtes ausgeführt. Das 18jähriige Kinderfräulein Grdte S., das beim Rechts« ME Dr. Mau in der Grashofgasse 3 bedienstet ist, wurde gestern nachmittags von Frau Dr. Blau ersucht, mit einer Postanweisung 200.000 K. anszugeben. Fräulein S. ging in das Hauptpostamt am Fleiischnrarkt. Als sie 10 Minuten vor 3 Uhr die Stiege zum ersten Stock des AmtsHebäudes passierte, hörte sie hinter sich Schritte; sie dvchte sich um und sah einen jungen Mann, der aber, als sie sich umwendete, um die Ecke verschwand. Ahnungslos ging sie weiter. Sie hatte den Treppenabsatz schon passiert und befand sich eben aus der vierten Dtn.se der oberen Stiege, als sie plötzlich von hinten einen Stoß in den Rücken verspürte. Sie erschrack heftig, taumelte infolge des Stoßes und wäre fast gefallen. In diesem Augeniblick griff der junge Mann von vorhin :mch den beiden Noten zu je 100.000 K. und nach der Postanweisung, die sie in der Hand hielt. Sie ließ nicht los, so daß die beiden Noten, die eine in zwei, die andere in mehrere Teile, und auch die Postanweisung in Stücke zerrissen. Fräulein S. behielt einen Teil der Postanweisung und dreivievtel Teile der einen Note in der Hand. Mit dem Reste flüchtete der Strolch. Sie lief ihm, um Hiffe rusend, nach. Der Mann wurde von Passanten eingeholt und dem PolUlzeikonnnissariat Innere Stadt übergeben. Der Täter ist der untevstandslose Privatbeamte Richard Raps. Er gab seine Tat zu. Raps war früher bei einem Grasen in Diensten und zuletzt bei dem Sekretär der amerikanischen Gchandtifchaft Schönfvld, Reisner-- straße 2fl, als Kammerdiener anyestellt. Am 8. d. wurde er entlassen, da Mr. Schönifeld in Erfahrung gebracht hatte, daß sich Napf schon früher eines Dienstdi-ebstahls schuldig gemacht hat. Der Bursche wird dem LandeZgerichte eingefleftrt werden. Reue MudeWhne Kr HamgehMune». Die von der Magistratsa>bteilung für soziale Fürsorge einbernfene Kommission zur Festsetzu^ig der Hausgchiffinr.enlöhne, in der alle Organisationen ber Hausfrauen und Hausgehilfinnen vertreten sind, hat folgende neue Mindest-- löhne für Hausgehiffmnen festgesetzt: Höheres Hauspersonal: Erzieher i nn en oder Gesellschafterinnen gang im Haus 630.000 K., tagsüber mit Verpflegung 766.000 K., vormittags mit Verpflegung 316.000 K., ohne VerpflMwg 766.000 K., nachmittags mit Verpflegung 37LD00 K., ohne Verpflegung 856.000 K. Kindergärtnerinnen gang im Hans 316.000 K., tagsüber mit Verpflegung 469.000 K., vormittags mit Verpflegung 172.800 K., ohne Verpflegung 576.000 K., nachmittags mit Verpflegung 216.000 K., ohne Verpffegmig M.000 K. K«cudersräulein mit Praxis ganz im Haus 288.000 K., tagsüber mit Verpflegung 406.200 K., vormittags Mit Verpflegung 444.000 K>, chne Verpflegung 462.000 K., nachmittags mit Verpflegung 176.800 K., ohne Vevpflegung 693600 K. Kinderfrauilem mit Kurs ^Anfängerin) gantz im Haus 176.800 3t, tagsüber mit Verpflegung 288.000 K., vormittags mit Verpflegung 116600 St, ohne Verpflegung 288.000 K., nachmittags mit Verpflegung 144.000 K., ohne Verpflegung 518.000 K. Kinderlfräulein jAnf-äugerin) ganz im Hcms 144800 K. Bei allen tagsüber Beschäftigten ist das Fahrgeld abgesondevt zu berechnen und zu vergüten. Hausgehilfinnen: Mädchen für Alles ohne Kochen unter 16 Jahren 64.000 K., Mädchen für alles ohne Kochen über 16 Jahre 80.000 K., Mädchen für alles mit etwas Kochen 96.000 K., Mädchen für alles mit Zeugnis einer HaushaltuugAschule 168D00 K., Mchen- und Extramä-dchen 128.000 K., Köchin für alles einfach 144.000 K>, Köchin für alles Perfekt 192.000 St, Köchin einfach neben Stubenmädchen 186.000 K., Köchin Perfekt neben StMenmädchen M.000 K., Köchin perfekt neben .Mchen- oder Extmmädchen 272.000 K-, Haushälterin und Stütze 276.000 K-, Kammevjungfer 330.000 K., Stubenmädchen Pevf-Et 192.000 K., Stubenmädchen einfach 188.000 K., KinderstuIbeNmädchen 160.000 K., Kindermädchen bis 16 Jahre 96.000 5k-, Kinderfrau M.000 K. Hausarbeiterinnen: Wäscherin 20.000 K. pro Bag und Fahrigeld, Feinbüglerin 26-000 K. pro Tag und Fahrgeld, Büglerin einfach 20.000 K. Pro Dag und Fahrgeld, Putzfrauen für Großräumen 20.000 K. pro Tag und Fahrgeld, Putzfrauen einfach rärmren 15.000 K. pro Tug und FcchvgeD, Näherinnen 16.000 St pro Tag und FahrgeH. Ohme Verpflegunlg um je 20.000 K. pro Tag mehr. Bedienerinnen: Ohne Kost: 2 Stunden täglich zu st 4000 K., wöchentlich 48.000 St; 3 Stunden zu je 3800 K., wöchentlich 08.400 Sty 4 Stunden zu je 3600 K., wöchentlich 84.400 K.; 5 Stunden.zu je 3400 5t, wöcheMich 100.000 K. _12. Juni 1923 Nr. 1531 Mit Kost: 3 Stunden täglich zu st 3000 5t, wöchentlich 54.000 5t; 4 Stunden zu st 2300 St, ■ wöchentlich 67.000 St; 5 Stunden zu je 2600 K., ivöchentllch 76.000 K., dreiviertel Tage mit Kost lvöcherütich 96.000 K. Die neuen Mudeftgehalte gelten ab 1. d. Pogromhetze «ater den LeWger Ardettslofe«, Aus Leipzig meldet I. C. B.: Wie der amtlich e P o l i z e i b e r i ch t feststellt, haben während der letzten Unruhetage in Leipzig, da es zu den bekaunten blutigen Zirsammenstößen zwischen Polizei und den Arbeitölosen gekommen war, gutgekleidete Personell versucht, die Erregllng der Demonstranten auf den jüdisch e n T e i l der B e v ö l k e r u n g abzulenkell und sie zll einen: sofortigen, scharfen Vorgehen ßu veranlassen. Es wurden and) schon hie und da in der Menge antijüdische Drohungen ansgestoßen. Fm SerufsberMWsamt. Wenn man sich durch die Schar der Eltern und Kindel, drängt, die in dem engen Warteraum des städtischen Berufsberatungsamtes zusannnengepfercht sind, kann man nicht umhin, mißmutig darüber zu werden, daß in Wien umstürzleristhell Organisationen Lokale zrigeteilt lverden, während wichtige soziale Jnstittüionen mit Raummallgel zu kämpfen haben. Auch in anderer Hinsicht leidet das BerufsberatungSamt unter der Ungunst der Zcitverhältnisse. Im Auslände wird das verantwortllugsvolle Wort des Fachmamres bei der Berufswahl des in das kampfersüllte DasÄn hinaustretenden Kindes dlnech moderne Instrumente der Psychotechnik erleichtert :rnd gestützt. Man ulltersucht die geistig«: Fähigkeiten des Kindes ebenso genan wie seine körperliche Slonstitution und gibt so mit aller menschlich mögliche:: Vorsicht einem Menschenleben Richtung. Hier muß man darauf verzichten. Nur einige geschenkte Modelle sind da, um dem Kinde zu zeigen, was man in den einzelnen Verilfe:: überhaupt macht. Direktor Drögsler, der die Abteilung für Knaben leitet, meint, er kounne momentan auch ohne Intelligenz- Prüfungen aus, da ja unter den schlveren wirtschaftlichen Verhältnissen bloß einige wenige Bemse für die Kinder gangbar und jsv bei der Berufswahl die sozialen Momente ausschlaggebend sind. Unter nvrnw.len Verhältnissen zum Beispiel müßte ein Kind, das Eisenbahner werden will, untersucht werden, ob es nicht farbenblind ist, ob es schnell genug die Bedeutung des Signals aussaßt usw. Heute ist all das entbehrlich, da Eisenbahner auf absehbare Zeit in Oesterreich keine Anstellung finden können werden. So müssen die Knaben, die hierher kommen, in sehr vielen Fällen voll bereits gefaßten Plänen äbgebracht werden, und nicht immer ist das leicht. Hier ein starker Bursche, der gerne in eine Ballk inöchte, dort einer, der nicht zeichnen kam: und mit aller Gewalt Maler werden will, und man vermag es kaum, ihnen den oft noch von den Eltern unterstützten Plan aus dem Kops zu schlagen. Noch schwerer ist die Aufgabe, wem: die Zöglinge der Hilfsschule koinmcn. Biele von dichen Schwachbegabten wärelr lllflchwer zll tüchtige:: ^Arbeitern heranzubilden, wenn das 9(mt Meister fände, die bereit sind, ihre Ausbildung zu übernehmen. Rührend ist die Szeric, wie Direktor Dröggler einem vierzehn- bis sünfzehnzährigen Schwachsiunigen eme Lehrstelle bei einem Gärtner zuweist und ihn: freundlich erklärt, welches Glück es sei, nicht von Almosen leben zn müssen^ und auch die Mutter — die schluchzend dgnebm stcht — unterstützen zu können. Sehr häufig hört man voll den Kindern Berufe nennen, die förmlich in der Mode sind. An manchen Tagen wollen 80 Prozent' der sich meldenden Kinder Mechaniker, Maschinenschlosser oder Elektrotechniker werden; lauter Berufe, die von den wirtschaftlichen Krisen am stärksten in Mitleidenschaft gezogen werden. Lederlvaren- und keranüsche Jnd::strie hingegen, überhaupt das Kunstgewerbe, wo es gegenwärtig an Arbeitskräften nmngett, werden vornachläßigt. Es ist natürlich Aufgabe des Berufsboratungsamtes, die Kinder in diese aussichtsreicheren Berufe hinüberzulenken. Nicht besser ist es bei den Mädchen, lvo 54 Prozent der Kinder Schneiderin oder Modistin und fast 10 Prozeirt „Bureaufräulein" werden wollen. Die Leiterin der Abto:ln::g für Mädchei:, Frau Olly Schwarz, gibt sich alle Mühe, für die Mädchen Stellen zu finden, die eine dauernde, sichere Ex:ste::z gewähren. Allerdings macht es die noch nicht ausgeglichene Verwendung der weiblichen Arbeitskraft in den einzelnen Berufen unmöglich, daß die Berufswahl mit der nötigen Sicherheit getroffe:: werde. Für die SUnder, die das Amt unterbringt, sorgt es auch später bis zur Beendigung der Lehrzeit. Und die Zahl der Anmeldungen wächst von Tag zu Tag. Das Amt begann .seine Tätigkeit mit der Beratung von fünf bis sechs Kindern täglich, heute gibt es an der Sknabenabtcilung an die 100, bei den Mädchen aber ungefähr 60 tägliche Anmeldungen. Sehr traurig sind die Ergebnisse der ärztlichen U n t e r s u ch u:: g. Im Durchschnitt kann man nur 26 Prozent der Kinder mit gutem Gewissen einen Beruf ergreifen lassen, weitere 26 Prozent haben verschiedene körperliche Gebrechen und 50 Prozent sind gänzlich untaugliche Erholungsbedürftige. Neben den ungemein häufigen Fällen von Unterernährung wird bei 30 Prozertt der untersuchten Kinder Tuberbu lose festgestellt. Mit Bedauern mnß ko::statiert werden, daß aus den Bezirken mit überwiegend jüdischer Bevölkerung die Anmeldungen unverhältnismäßig gering sind. Die jüdischen Eltern haben den Wert einer fachkundigen Berufsberatung noch nicht genügend erkanitt, was ja mit ein Grund zur uuficfitiibcu BernssvertÄlnng der Jude:: seil: dürfte. Phil: p p H o f f in a n u.