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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-12 · Heft 1555 (12.6.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1555 (12.6.1923)
Date
1923-06-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Beite 2 Men, Dienstag Wiener Morgenzeitung 13. Juni 1923 Das jMchr Werk w WWna. EKthAMWches Lob der Fm» Ahe! Smwden. /liierte Konferenz erfolgt fei, baft es aber unter bat ,egenwärtigen Umständen nicht sehr überraschen würbe, vertu ein solcher Vorschlags balb erfolgen wiirbe. Gut unterrichtete offizielle Kreise äußerten sich mit binein Wort über einen Fortschritt in bat französischnglischen Erörterungen, doch verlaute von gewöhnlich tut unterrichteter Seite, Poincare trete dafür ein, daß >ie Alliierten, einschließlich Großbritannien, un- »erzüglich eine N o t c a n D e u t s ch l a n b richten, wo- :in die Einstellung des passiven Widerstandes im R n h rlebtet gefordert werde. Der französische Ministerpräident sehe diesen Schritt als notwendige Vorbedingung ür die Aufnahme jeder alliierten Erörterung in der Rerarationssrage an. Die britische Ansicht scheine anderercits zu sein, daß eine Erörterung der Alliierten über die lleparationsfrage vor jeder derartigen Aktion, wie sie wn französischer Seite vorgeschlagen werde, stattsinden nüssc. Czernowitz, im Juni. Die antisemitische Bewegung, die von einer Gruppe >on Cuzi st c n geleitet wird, ist der liberalen Regierung über dett Kopf gewachsen. Sie gibt ihr heute recht riet zu schaffen. Man kann hier getrost das Goethesche Von anwenden: Die ich rief, die Geister, werd' ich nun licht los. Zun: erstenmal nimmt dis Regierung nt ihr ent offU stellen Organ, dem ,^Vttorul", zur antisemitischen Bevegung in energischer und unzweideutiger Weise Stellung. Tie Dinge.sind einmal so, daß ein Lavieren unmögach ist. Die Union der bodenständigen Juden hat dem ^önig ein Memorandum überreicht und gebeten, daß der idöuig feine Aufmerksamkeit dieser den Staat schädigetchen Vewegung zuiwende. lieber die Art, wie dieses Memoran- >nm abgofaßt war, läßt sich viel sagen. In einem kontittltioncllen Staat geht es nicht an, daß eine Nation um hre Rechte bittet. Diese sind in jeder ordentlichen Veräsinng niedergelegt und ntüssen von den Exerulivorganen >es Staates respektiert werden. Immerhin scheint dieses Rernorandmn artf den König Eindruck gemacht ztt haben. Im übrigen hat sich die öffentliche Meinung Rumäniens gegen den Antisemitismus ansgosprocherr. Ab-;esehen von der führenden Presse Rumäniens, die die antisemitische Bewegung verurteilt, ist in letzter Zeit nne ganze Reihe von Schriften erschienen, die die Bewegung Cuzas als eine Schande für Rumänien 'bezeichnet. Ter gewesene Ubgeordnete von Jassy, Tanase, ichrieb eine Broschüre unter dem Titel „Jrdani", in welcher er in schärfster Form die Studentenbewegung verurteilt. Der Literat M. Sogor veröffentlichte ein Buch rnter dem Titel „Cctne Umvevsitätsschand^" und wies -rach, daß der Führer der antisemitischen Bewegung in Rumänien, Professor Ertza, ein Plagiator sondergleichen sei. Diese Schriften vevfchlten nicht i'ffr Ziel und der Jassy er Univ e ,-sitätsprofeffor wurde zur Zielscheibe der Angriffe und des Spottes der rumänischen und nichtmmanischen Intellektuellen. Die antisemitische Studenten'bewegung ist so weit rusgeartet, daß sie sich sogar gegen den größten Mann Rumäniens, Professor Jorga, richtet. Bei der letzten Aufführung von Jorgas Drama „Doamna lur Jeremia" im Nationalcheater kam es zu antisenritischen Attsschreiiungen. Die Jünger Cuzas riesen von der Galerie aus: hinaus mit den Juden!" Es entstand ein ungeheurer Lärm, so daß Jorga selbst eingreifen nntßte und den Studenten zurief: „Ihr habt unser Land dem Gelächter preisgegeben!" Die liberale Regierung versucht nun mit allen Mitteln, die Stüdentenbctweguug zu unterdrücken und ihrer Herr §u werden. Der Unterrtchtsmmister erließ folgendes neues Reglement für die Universitäten: Jeder Student ist verpflichtet, bei der Inskription eine Erklärung zu unterschreiben, daß er die Ordnung wahren und alle Vertilgungen der Unterrichtsbehörden beachten werde. Zuwiderhandelnde können sogar von allen Universitäten des Reiches ausgeschlossen werden. Studentenvereinigungen können nur mit Genehmigung des Rektors ihre Tätigkeit rusüben und dürfen sich nur kulturellen und sportlichen Zwecken widmen. Sollen im Inneren der Universität schwere Ausschreitungen Vorkommen, kann der Rektor mit Zustimmung des Senats die Intervention der bewaffneten Macht sogar im Innern der Universität fordern. Der Senat kann in diesem Falle auch die Suspendierung eines oder mehrerer Kurse anordnen. Diese Verordnungen haben bewirkt, daß auf den Universitäten zum Teile der geordnete Unterricht aufgenvmmen wurde. Der „Brtorul" hat auch nach außen hin Farbe bekannt, indem er das Treiben der Antisemiten als das Spiel der persönlichen Leidenschaften „des greisen, Wahnsinnigen Universitätsprosessors Cuza" bezeichnete und darüber Klage führte, daß die antisemitischen Demonstrationen das Prestige Rumäniens im Auslände schädigen und die Anarchie im Innern fördern. Der ,/llitorul" entrüstet sich darüber, daß „der Antisemitismus" sich einen armseligen Politizismus eines Gefchäftsagitators verwandelt hat, der sich einiger verblendeter Studenten bedient, um seine politischen Feinde zu verfolgen. In ähnlichem Sinne äußert sich der größte rumänische Künstler Gateseu, der soeben vom Auslande zurückgekehrt ist und 'berichtet, daß sogar die rumänische Kunst wegen der antisemitischen Bewegung im Auslande boykottiert werde. So sind die Regiermrgskreise zur Vernunft .gelangt und haben ein Geständnis abgelegt. Man glaubt in maßgebenden Kreisen, daß die liberale Regierung mit der Unterdrückung der antisemitischen Bewegung endlich einprÄ IHM machen Md. Dr. M, R . Wie wir berichteten, hat Frau Ethel Sno luden, die bekannte englische Sozialistin und Gattin des Arbeiterdeputierten Philipp S n o w d e n, eine informative Reise durch Palästina unternommen, an deren Abschluß sie sich in Wortett höchsten Lobes für das von den Jndeit vollbrachte Werk äußerte uttb sich für die von England befolgte Mandatspolitik aussprach. Ausführlich begründet Frau Snowden ihre Anschauungen in einem an die Wiener Schriftstellerin Frau Berta Zuckerkand! gerichteten Brief, den das „Neue Wiener Journal" publiziert. Frau Snoiwden schreibt: Nukt beim: Ich kehre «ach England zurück mit der tiefen lleberzengung, daß die von England vertretene Mandatspolitik die einzig richtige und nuterstützeuswerte ist und nrit Recht auf die Kolonisationsarbeit der Inden in Palästina die größten Hoffnungen gesetzt werden nurjjett. Sie wissen ja, daß cs in England Gcgenströmuttgen gibt, die unsere auf die intensive Mitarbeit der Juden aufgebaute Kolouisiernngspolitik stürzen möchten, indem sie die Opposition der Araber als berechtigt und unüberbrückbar darstellen. Das ist nun, wie ich es Wohl autoritativ» behaupten kann, absolut falsch. Ich habe gatrz Palästina bereist, habe alle Kolonien und alle Lager besucht; habe alle Gebräuche, alle heiligen Stättert kennen gelernt. Ich habe mit Beduinen in ihren Zelten lange Gespräche geführt, unter diesen auch mit Emir Abdullah ans Transjordanien, dessen territoriale Unabhängigkeit anerkattnt worden ist. Ans allen gewonnenen Einsichten geht mit unwiderleglicher Gewißheit eines hervoor den Juden gebührt ihre Nationalität in Palästina, denn ihre Leistungen dort geben dafür ein glänzendes Zeugnis. Ich bin in Palästina eine enthusiastische Parteigänge r i n der dort angewendeten ertglischen Politik geworden und verstehe angesichts der in Schitlen und in der Landwirtschaft von den Juden vollbrachten Leistungen, daß man die größten Hoffnungen aus das Wer! setzt, welches von ihnen geleistet wird. Damit fällt die oppositionelle und falsche Behauptung, daß matt dett Juden Prärogative aus Kosten der anderen Rassen einräumt, in nichts zusammen. Ueberhaupt ist nur eine geringfügige Minorität in Palästina vorhanden, die sich dieser gegen die englische Mandatspolitik gerichtete Ayl« tatiort anschließt. Die hauptsächlichen Führer, welche diese Ag^ tativn betreiben,, aber sind Christen und n i ch t M u s e l m ä tt n e v. Es muß daran festgchalten wer» den, daß zwischeil den Arabern und den Juden eine Gleichgewi ch t s P o l i t i k durchführbar ist. Wissen Sie, worin die eigentliche Gefahr besteht? Nicht in einer Ueberschwemmung des Landes durch jüdische Eittwattderuttg, durch jüdisches Kapital, dttrch Einflußnahme auf die Administration des Landes. Nein! Gerade entgegengesetzter Art ist dort die Gefahr. Nämlich, daß die über die Welt verbreiteten einflußreichen Mäitner jüdischen Glaubens nicht genug Jmteresse dem palästinischen Problem entgegenbringen und es feinem Schicksal gleichmütig überlassen. Denn was Palästina benötigt, ist: Kapital, Unternehmungsgeist und aufopfernden Bemcinsin«. Wem: e,t r o p ä i s ch e Re P r ä s e u t a tt t c u des Judentums dem Kolonisierungswerk m Palästina einige Aktivität widmen würden, so wird dies nicht nur für die Inden, dort, sondern gleichfalls für die Mohammedaner und für dir Ehristen von uttgehcnrent Vorteil sei'.!. So liegt die eigentliche Entscheidung über das Geliitgen einer weiten kulturellen, ökonomischen uttd zivilisatorischen Neugestaltung Palästittas nicht bei dett Arabern, sotrdern einzig mtd allein bei der finanziellen ttnd moralischen Förderung der dort mit intensivstem Fleiß und organisatorischer Kraft schaffenden Juden. Liegt in den Händen des europäischen jüdischen Kapitals. Die englische Politik aber (ich habe ntich davon überzeugt) wird niemals Mohammedaner und Inden gegen einattder ausspielen. Sie sucht einem „Miteinander" die Wege zn bereiten." Ein PalnsLinn-Pnviüon auf der inteenntionnlen Ausstellung zu Puducu In der internationalen Ausstellung, die am 1. d. in Padua eröffnet wurde, befindet sich ein Pavillon, der der Produktion der j n d i s ch e n Kolonien in Palästina gewidmet ist. Dem Pavillon wird von Behörden und Publikum das größte Jttteresse entgegengebracht. Ae Atzum der UMWche«Misns- Imxtm. Die DonnersbagisitzuitHen waren der Politische n Debatte gewidmet, Herr So ko low ergänzte in 'längeren Ausführungen sein -bereits am Montag gchallenes Referat. An der Debatte beteiligten sich die Herren Ob-errallbirrer Doktor C h a j e s, Dr. Iaco b s o n, U s s rs ch k i n, Färbst e rn. Mit Rücksicht ans die Wichtigkeit des Themas und die dabei zu besprechenden zahlreichen Probleme stellt Mereminsky den Antrag, die Tagung des Mtionskont-iitess .so lange zn verlängern, bis diese Frage von allen erschöpfend behandelt sein wird. Der Antrag wurde angenommen. Am Nachmittag ga-b Herr Licht he im an der Hand eines zahlreichen akbenmäßigen Materials einen tveitcren Uvberblick -über den Werdegang und -die Entwicklung der Frage der arabischen Föderation. Sowohl aus seinen als auch Herrn Sokolows Ausführungen ist ersichtlich, daß die Sonderstellung Palästinas däbet gemäß dem -Mandat gewahrt ist. An der weiteren Debatte -beteiligten sich in längeren Ausführungen die Herren G r ü n b a tt m, Stricker, Welisch, Reich, M-oreminsky und Rabbiner Brodt, woraus am späten Abend eine Kontmission, bestehend ans Rabbiner Brodt, Dr. Jacobson, Lichtheim, Rnbaschow und Dr. Welt sch, mit -der Vorbereitung der Anträge für das Plewum bsttant tvurde. Palästinas SteUung zu« arabischen Staatenföderatron. Berlin, 9. Juni. -<J. E. B.) Ans gut inso-rmiier-ter politischer Quelle erfahrt das I. E. B., daß der Vertrag, den England mit dem König Hussein von Hedschas botres-fend die Wderxrtion arabischer Länder geschlossen hat, ansdr-ücklich die obersten Rechte Großbritanniens in P al-ästina sichert und lediglich auf einzelnen Wirtschaftsge-bieten, -insbesondere in ibeyug auf Post und Telegraph, einrn näheren Zusammetthang Zwischen Palästina und den anderen Ländern der rabischen Föderation Vorsicht. Dies war der Grund, weshalb der Vertrag die widerspruchsvollen Gerüchte in bezug artf Palästinas Stellung zur arabischen Föderation hervovgern-fen hat, die von den awbischen Kreisen ganz anders als von den jüdischen M'fgefaßt wurde. LestenEich. Ae Werreichische Weifte in A«Ma. In London und New-Aork wert überzeichnet. London, 11. Juni. (Reuter.) Die Zeichnung auf die österreichische Anleihe, bereit Subskripttonsfrist in London vom 9. bis 14. Juni festgesetzt war, ist bereits heute vormittags geschlossen worden, nachdem sie dreifach überzeichnet worden war. Schon Samstag nachmittags herrschte großer Andrattg vor den Schaltern der Bank von England und die Schatzscheitte waren an diesem Tage bereits auf 97 gestiegen ttnd bald überhaupt nicht mehr zu erhalten. Das Bankhaus Morgan g'bt bekannt, daß die österreichische Anleihe in New-L)ork eine Viertel- ' ft u tt b c nach Eröffnung der Bankschalter ü b e. r z e i ch- .net war. nuMBwmu Sie Verhandlungen mit den Beamten. Gestern vormittags wurden die V-echaMn-ngen der Re» gierung miit den Bunldesbeamten fortgesetzt und es wurde mit den meriiorischen EiugLllbLslprechuntzcr' brgonn-en. Vorläufig bewegte sich die Debatte darüber, ob das Fallenlassen des Index -ails Grnndlage der DiSkuffion angesehen werden soll oder Nicht. Die Beratungen dauerten bis in die Abendstunden. Sie werden heule fortgesetzt. Sefterreichischer Handels- und Sewerdstag in Graz. Handessminister Schürf? über die Wirtschaftspolitik. In den Grazer Redoutensälen wurde gesterrt der Reichs Handels- und GewerbetagOesterr e i ch s eröffnet, an dem Delegierte atls allen Bundesländern teilnahmen. Von der Bundesregierung war Handelsminister Dr. Schür ff erschienen und begrüßte die Tagung namens der Bundesregierttng. Er sprach sodann über die nächsten Ausgaben unserer Handels- und Wirtschaftspolitik. Der Minister verwies darauf, daß die durch den Umsturz herbeigeftihrten, grundlegendeit Aenderungen unserer Produktronsbedingungen und Absajtverhältnisse, die eine Aenderung der bisherigen Zollpolitik Oesterreichs zur dvingenden Notwendigkeit machen. Die bereits abgeschloffenen Handelsvertragsverhandlungen mit Italien und die mit F r a n k r e i ch bereits eingeleiteten sowie die in Aussicht stehenden Verhandlungen mit der Tschecho-Slowakei, Deutschland, Ungarn und Rumänien bezwecken, der Industrie, dem Handel und dein Gewerbe Oesterreichs wieder eitt größeres Absatz geb i e t zu ermöglichen. In den nächsten Tagen werde sich der Kabinettsrat mit dem Entwurf eines n e u e n Z o l lt a r i f e s beschäftigen, der noch im Juni dem Nationalrat zugehen und womöglich in dieser Session noch erledigt werden soll. Dieser Zolltarif werde anfgebaut sein auf dent Gedanken, unserer Industrie den notwendigen Schutz, den Kosumenten aber entsprechende Nüclsichtnahme ans ihre Lebensbedingungen zu gewähren. Eine wettere Artfgäbe auf dem Gebiete der Fördermtg von Industrie, Handel und Gelverbe erblicke die Negierung in einer Neuregelttng unserer verkehrspolitischeu Berhältmsse dttrch die Herausgabe eines rt e u e tt G ü t e rtarifs. Wegen Erlassung eines Gesetzes gegen bat tt nlauteren Wettbewerb sollen die Verhandlungen tmt der sozialdemokratischen Fraktion des Nationalrates, die sich bisher gegen dieses Gesetz gewendet hatte, wieder ausgenommen werden. Hinsichtlich der Zuscmnnenfassung der sozialpolitischen Einrichtung wird ein Referenteuentwurf des Ministeriums für Soziale Verwaltuttg dett zuständigen, berufenen Vertretttngen (Kammern usw.) zur Begutachtung zugehen. Sodann wurden Referate über Organisaüon, Steuersragen, Antiälkoholbeweguna usw., gehalten. Der Kanzler beim Wehrbund. Der Wchrbund, eine groMtchch-chrMichMalle Gegen» vMinisv-timt gvger.- den soziMemolkvatischen MlitäMerban-tz hielt Mt Fret>ta,g tcn>d Samstag einen Bkuc-dest-ag ab, dem att S-ottnta-a eilte Haupwevsilinmiln-ng der Deibsgi-erten^ solW< Die^s

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