Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1553 (10.6.1923)
- Date
- 1923-06-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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WMWWWP 4 Gerte 2 ,. Dien, Sonntag Wiener Morgenzeitnng. _ '_• 10. Juck 1923 M. 1S63 SuitieSminiftei: für Finanzen De Kienböck jLbt hervor, daß in der Nerteiluny der Tranchen Groß« i-ritanuien und die Bereinigten Sta aten mit den srö ßte-ir Z ilsfer n erscheinen. Das Kaital, das uns durch Ln« Kveditvperation zusließt, ist inr VerhäLtnis gering x>: dem dapital cm Bert rauen, das sich in diajen Ziffern deutlich «Mrpert. Nunmehr sind die großer: Kreidete Tatsache, der Pessimismus hat dccher keine Berechtigung mehr. Damit wer-- m sicherlich auch voAÄvirtschaPbiche ErscheÜMngen, die sich in Kn obgelaLvsenen Monaten gezeigt halben, sehr stark bsornflußt verdev. BmrÄeSkanzleL Dr. Seipel «rtoefft daraus, daß zu den Vorbedingungen des heutigen Er« pvgeS gcmz besonders die Noteudankpolitik zu zählen ist. Kr eöner siüchon NotenlbanLpolütik gehört sicherlich auch eine zewr-sie Strang« in d«r Privatwirtschaft, daiuit aÄht ans Umwegen Erscheinungen gezeitigt tverden, die ans foeNem Wege nicht zirgSlasse« sind. Honte können wir mit Nonwgimnng feststellen, daß die Leitung unserer Notenbank »olles BerstäudmS dcchLr gezeigt hat, um was es sich handelte rnd wer können heute sage», daß die Gründung unserer Noten* fort und »Äse«« NotenbanLpMtS zu unseren wichtigsten AkiSvengcho«« und mK Mn heutigen Erfolge gchührt haben. Re Probleme des Uomftenkmgreffes. Bim Prsf. Artur Freud. Der znmWkhe Kongreß ist nach wie vor das einige Forum, Var welchem das Lebensproblem des jüdifi$«i Volkes m rmrfaffender und großzügiger Weise behandelt wird. Die letzten Jahre haben die politischen Perspektiven der noch immer um chre materielle und nationale Wstenz schwer ringenden Judenheit in entscheidender Weise verändert. Die Kodifizierung der Nastour-Erklarmrg vom Jahre 1917 durch den Böllerbmrd und die endgültige Neöertragung des Palästina- Mandats an England haben das jüdische Problem zu Mem anerkamrten BestaMeil der Wektpolitik gemacht tmb dem jüdflchen Volke das Recht aus sein nationales Heim und auf autonome Eigenentwicklung zuerkannt. Aber noch immer liegt die Führung der alljüdischen Sache in den Händen der zionistischen Weltorganisation, ohne daß bisher die übrige Judenheit den entsprechenden Anschluß an die auch ihr gestalten Aufgaben der Vollsregeneratron durch eigene Kraft gesunden hätte. Der Znmisterckongreß ist dähalb bis auf weiteres durch kem anderes GckWe zu ersetzen und von ihm müssen die Impulse ausgehen, welche dem jüdischen Volke den Weg zu ferner Bestimmrmg bahnen sollen. Der Zionistenkongreß, welcher^ m wenrgen Wochen in Karlsbad zufmranetttteten wird, sieh4> sich, vor Aufgaben gestellt, deren Schwere und Bedeutsamkeit eine gründliche Vorbereitung nicht nur seiner Delegierten, sondern auch der gesamten zaristischen Oeffentlichkeit notwendig erscheinen läßt. Um sich der Ausgaben-des Kongresses bewußt zu werdm, wird es nottrm, aus die Entwicklung der letzten $eit zurückzugreifen. Die zionistische Jahressoll ferenz von London im Juli 192 0, die erste zionistische Tagung nach dem Kriege, fand zu einer ZM statt, ccks das Palästina-Mandat noch nicht bestätigt war. Aber es galt jedenfalls mit der neuen Situation zu rechnen und die Arbeit auf den Aufbau Palästinas einzustellen. So wuÄe der zentrale Ausbaufonds, der Keren Hajessod, beschlossen, welcher^nach der Absicht seiner Gründer in einem Jahre den Betrag von 25 Millionen Pfund aufbringen sollte und weiters der Wunsch ausgedrückt, daß. „z u ein e m m ö g l i ch st f r>ü h e n Z e r t p u n k't ein jüdischer W e l t k o ngreß auf demokratischer Grundlage einberufen" werde, der berechtigt sei, im Namen, des jüdischen Volkes in allen nationalen Angelegenheiten zu Händen und zu sprechen." Das noch zu bestätigende Mandat legte der Zionistischen Organisation die Pflicht auf, das gesamte Judentum zur Aufbauarbeit in Palästina heranzuziehen und diese Idee spiegelte sich sowohl in dem Beschlüsse über den Weltkongreßwie in dem Entwürfe des Keren Hajessod, welcher bekanntlich als ein zentraler Fonds, von Zionisten und Nichtzionisten gedacht ist. Auf dieser Jahreskonferenz entwickelte auch B r a n d e i s sein Programm, welches bald zu einer Spaltung , im amerikanischen Zionismus führen sollte, die nicht geeignet war, die Arbeit der nächsten Zeit zu fördern. Brandeis ging von der Anschauung aus, daß die Zionistische Organisation eigentlich ihre Funktionen erfüllt habe und daher einen alljüdischen Charakter annehmen müsse. Die politische Arbeit der Zionisten sei zu Ende, es müsie also der Ausbau Palästinas die einzige Ausgabe der Organisation sein, weshalb auch Nichtzionisten zum Eintritt in die zionistische Leitung zu bewegen wären. Der Vorschlag von Brandeis, welcher ein Abweichen vom nationalen Charakter des zionistischen Programms zu bedeuten schien, erfuhr die Mlehnung der Mehrheit, der Gegensatz verbreiterte sich ~ zum Teil infolge der persönlichen Schuld der zionistischen Führer, von der hier nicht weiter gesprochen sei —, und die amerikanischen Anhänge^ Brcmdeis' erklärten in. derFolge dem Prinzip des Keren Hajessod den Krieg. Sie forderten eine Trennung; zwischen Spenden und Investitionen, während das Statut einen unteilbaren Fonds vorsah. Der scharfe Gegensatz, der sich in der Folge entwickelte, ist natürlich nicht als ein Kamps um eine technische Frage, sondern als ein solcher prinzipieller Natur zu verstehen,,denn MMliMmi in Rnlnnripn Berhafwng Mer Minister. - kl« SWersimtsch. Sofia, 9. Juni. Di« Regierung wurde heute um dre i Ahr früh durch ein von den Reserve ossizieren unter Mithilfe der acktiven Armee organisierte« Pro« nnnziamento gestiürFt. SCI!« Ministe« wurden der ha,>f lei'.- Die neue Regierung wurde aus Mitgliedern der Oppositionsparteien, urit Ausnahme der Kommunisten, gebildet. Tie Garnisonen der Provinz haben sich mit den Reserveoffizieren solidarisch evklärt. In der Hauptstadt wie auch in der Provinz herrscht völlige Ruhe. Bukarest, 9. Juni. Di« Matter melden in Sonderausgaben, daß in Bulgarien die Revolution ausgebrochen sei. Das Kabinett Stambuliiski soll Vertrieben worden sein. Die MilitärTiga und der oppositionelle Block haben sich an die Spitze der Bewegung gestellt. Das PmÄrmentSgebäude wurde umstellt mid sämtliche anwesenden Abgeordneten und Minister yefangengeno-anmen. Die übrigen Minister wurden in ihren Wohnungen festgenommen. Aus Soifia ist kein Zug ab gegangen. Die Grenzen sind überall gesperrt. Blut ist nicht geflossen. - Ansehung edler bürgerliche« Reglenmg. Die neue Regierung wird wahrscheinlich. aus yniversitätspvosessoren bestehen. Regterungsches wir voraussichtlich UniversitätSprosessor Zankvss werde«. Das Revobutionsbomitee setzt alles daran, um eventuellen Ruhestörungen vorzubeugen. Es wurden die strengsten Maßnahmen enrgeleitet, um eine Gegenlbeweguug der daS Gros der Anhänger GtambuliSkis bildenden Tlgrarpavte: zu verhindern. Die Revoilutionäre sind allem Anschein nach Herren der Lage. Die Politischen Prozesse gegen die frühe-, ren Minister wurden eingestellt. Nach einer anderen Meldung hat Zar BoriS den Sofioter Universitäitsroktor Militjesf mit der Bildung der neuen Regierung betraut und das Dokument über die Verhängung des Belagerungszustandes unter« schrieben. Sofia, 9. Juni. (Bulg. Tel.-Aig.) Die Nachrichten, wonach die neue Regierung die Mobilisierung augeordnet habe, entbehren jeglicher GruMage. Di« vorhandenen Machtmittel genügen vollständig, die Ruhe, di« bisher nicht gestört worden ist, aufrecht zu erhalten. im Wesentlichen ging es darum, ob der Palästina-Aufbau unter der Vorherrschaft des nationalen Gesichtspunktes, > oder nach den Grundsätzen irgend einer beliebigen Kolonisation geschehen sollte. Eine weitere Verschärfung nahm der Gegensatz durch die Forderung der amerikanischen Zionisten an, die von ihnen aufgebrachten Gelder selbständig in Palästina zu verwenden, ein Weg, der natürlich zu einer Zerreißung der zionistischen Einheit geführt hatte. Das weitere ist bekannt. Brandeis und seine Gruppe unterlagen auf der Konferenz der amerikanischen Zionisten und es kam zu?)er bekannten Separation. Der 12. Zionistenk.ongreß im Sep 1 emb e r 19 21 bewegte sich im wesentlichen auf der bisher eingeschlagenen Linie. Er legte ein Palästina-Budget fest und faßte verschiedene konkrete Beschlüsse über Kolonrsation; aber die nicht genügende. Geldaufbringung der folgenden Zeit hat die Einhaltung dieser Beschlüsse illusorisch gemacht und die Krise in Palästina gezeitigt, die noch immer nicht überwunden ist. Auch die B^chlüsse über den Ausbau der zionistischen Fina-nzinstitute hatten kein besseres Schicksal. In seinen Beschlüsien zur nationalen Arbeit in der Diaspora hat der Kongreß die frühere Politik bestätigt und den Kampf um die Erreichung der nationalen Rechte, diepo litis che Gegenwärtsarbeit in der Galuth, als einen integrierenden Teil der gesamten zionistischen Arbeit erklärt, die allerdings völlig in die Kompetenz der Landes- und Sonderverbände falle. Der Charakter und die Form des KerenHajessod wurden endgültig festgelegt, dieser wurde als allgemeiner jiidischer Volksfonds erklärt und es wurde bestimmt, daß seine Verwaltung durch einen Council, dessen Mitglieder von den Zertisikchsinhabern zu wählen seien und durch ein Direktorium von sechs bis zehn Mitgliedern geführt Werde, von denen die eine Hälfte auf GrNnd 'von Proportionswahl vom . Council, die andere Hälfte von der Exekutive der Zionistischen Organisation zik bestimmen ist. Der Council habe auch den Board of Trustees zu wählen, der die Tätigkeit des Direktorium: s 'zu prüfen habe. Bis zu dem Zeitpunkt, wo die Zertifikatsinhaber organisiert und ider Council begründet ist, solle die Z i o N i st is ch e O r g anisation provisorisch das Direktorium b c f e tzen und einen Teil oder alle Mitglieder des Board of Trustees ernennen. Der Zusammentritt des Councils sollte am Ende des Jahres 1922 eingeleitet sein. Die letzte zionistische Jahreskonferenz vom A u g u st 1922 erklärte, daß die Z i o n i st i s ch e O rg a n i s a t io n die Rechte und Pflichten der I e w i s h Agency übernehme, wobei gleichzeitig erklärt wurde, daß es der Wunsch der Zionistischen Organisation sei, daß die Jewish Agency das gesamte jüdische Volk repräsentiere. Als Weg zur Verwmlichung dieses Prinzips wird die Einberufung eines jüdischen W e l t k o n g r e'f s e s „für den Wiederaufbau Erez Israels" erkannt und demgemäß die Exekutive als Organ der Jewish Agency beauftragt, die notwendigen Schritte zur Vorbereitung dieses Kongresses zu unternehmen. - (Ern weiterer Artikel ftckgk) Das WerrelchWe Budget. Die Speziakberichte der Ressorts. — 16 Billionen. Schulden. — 25 Mnisterpensiomsten. — Fünf Generale, 601 Stabsoffiziere, ein Leutnant. — Die Gehälter der Direstoren der BundÄ- ■ Iheater. ■ . . ' Im NvliwMilra't wmbe«^ geifteM, die be«c Mycknen Buudesmmlistsvm: $mm Duldgöt im Druck verteM. Sie enHaltteü ' einige bsmerLenAverhe DetnAs, von denen fcftc foLg«ndm erwähnt feien. Der BkumdeSvoEschlbag beMevt die Geisamtschulld der NepudLilk einschl'ieMch der amortiisalNvn Elils.en!balhnlschu-lld miJf 16,437.910,900.00 K. Da zur Zeiit der Msassmng des BrwaAijchlages Äber die Bedingungen der MlAeMvnb>l^^ noch nichts lbekaur-t war, vmrde für dieife Kredite im allgemeinen nur eine 6prozenltiige Verzinsung voranfchlbagt. Me aus dem Anhang zirm KaMöl „Pensionen" hervovgcht, begahlt die RePulbilA noch an 26 Minister deS alten Regimes Pensionen im Geisamtibetrag von rund 950 Mllionen Kroren. Unter diesen Pensionisten be>fmden sich. beispieilslweiiise Dr. Gaernreither, Heinrich Pr ade, Dr. Weiskirchner, Wfred Windischgrätz, Doktor Khuenberg, Dr. Wittek, Dr.. Chlumetzky, Doktor Derschatta u. a. Dem Besicht ist ein Bsvzeichnis der dem DnndeSschatz gehörige« Automoiblill« a-ngeischlossen, die von» Bundes- Präsidenten, dem Nationallratspräsidenten, den Mnistern, den Landesregievurgen nsiv. benützt werden. Es sind dies im gangen 35 Autos, von denen 32 m:f Grund eines gssetzlicheu Anspruches, 13 ans GvM:d eines MmlisterratslbeschLnsseS und 3 ohne rechtmäßiige - Grundlagen in Perdvendung stehen. Bon den drei ohne rechtliche GruMage benützten errt-. fällt eines aus die Präsidien des Nationalrates, eines aus den Kviegsbeschäditz^tensonds und eines aus die niederosterrsichUlsche Pvstdirektion. Das B undesheer zWt-bei einem Güsamtstand von ' 22.759 Wehrmännern 1664 Unt-eroffigiere und 16M Ostfigiere. Davon sind 5 Generale, 601 StäbsrGiziev^ 917 Statbshaupitlsute, 128 Oberlleut-nants und 1 Leutnant. Der Gesamtkosten des Heeres bellauifen sich aus 661,2 Mllicnderc Kwnen. Ohne die UnterDnnst und Beleuchtungskosten stellt , sich der Aufwand - für einen Mann aus 14,346.700 K jährlich. Die Kosten emes' äraHchen Pferdes aus 10,329.000 K. Für die Wiener Stadtbahn wird ein Betriedsf> vdgang von 24561,000.000 veranischllagt, wovon der Bund, 21.466,000.000 K. zu tragen hat. Dean BovansWvg üiber die BundeS4heate.r ift^ unter anderem zu entnehme:.', daß der OpewndirMor Doktor, Strauß ein Monatseinkommen von 20 Mllionen Kronen von der Oper bezieht. Direktor Paulsen vom Burgtheater erhält nur 13,746.600 K. Die BeNdungsressm. Regierung und Beamt«.. Gestern vortnUtags wurden die Bchpvechuntzen der Re» gierunlg mit.den Vertretem der BeamtenorganiisaÄonen fortgesetzt. Die Beamten, wiederholten ihre Fordmunger-», die von der Regierung ats unochöllbar bezeichnet wurden. Bundes. kanKer Dr. Seipel erMM, l!^ Reg^ habe tKe. Ver» dvster der Organiisationen zu sich geladen, um ihnen die Mdg. lichkeit zu bieten, an der Neuregetluntz der Bezüge ncktzuwirLen, noch bevor die Regierung die von ihr vorbev.itete Dorilage dom Paflamenit unterbreite. Das Ergebnis der heutigen Be« vatung Würde seiin, daß die Vertreter der Organisationen diol« leicht in einem kseineren Kreise sich mit der Regie, rung zur rascheren und eingehendere« BchaMuug der Besoldunlgssrage zchamurensetz««.- Es wurde im Sinne der Anregung des BündeSKangiers beschlossen, für die weiteron Beratungw ein» achtgliedri. ges Verhandllungskomitee einMetzen, das die Der. handiudn Mit lvon Bertrettern der Regierung sofort aus' nahm. Die Bechandlungen werdm Montag vormittags im Finanzmiutisterium fortgesetzt werden. In der Beamtenischwst, die dev StvoiGetzereien der Groß deutsch«« nicht Folge leisten Will, glaubt man, daß sich die Regierung und die Beamtenvertreter aus der mMeren Linie einer 20prozentigen Erhöhung der Bqzjüye unter FaiLenLassen des Jude; treffen werden. KW Protest der Prager Regiemng. Mn Hetzartikel der „Staatswehr". Bor einigen Tagen hast Vre Wiener monarchistisch! ,Maatswehr" in einem AvstikÄ die StvMsrepräsentanton dei ffchecho^powMschen RePMÄ in nnstätigsttzr Weis: beschimW. Die Pvager Regierung beschloß mm wegen Vissel von de« ,Mrodni LPy" reproduzierten Pamphlets beim Wiener Außenamst oirven geharnischten Protest zu über reiche«. Irl Prag ist man der gewiß richtigen Ansicht, das die Preßfreiheit auf diese Weise nicht mißbraucht Werder.» darf Aus jeden Fall wäre es nwWich gewesen, diesen SchimpsartikÄ der doch keimen Anspruch ans eine Kritik erhe^ben kann, 9 koniMieven. f